Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 16 (13.10.1933)
- Date
- 1933-10-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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der möglichst umfassenden Mitarbeit der Regierungen und der privaten Organisationen rechnen könne. Die zweite Kommission ist der Ansicht, daß dieses Hilfswerk unverzüglich in Angriff genommen werden soll. Darum empfiehlt sic dem Völkerbund, dem Hochkommissar die für seine Tätigkeit unentbehrlichen ersten Mittel in Form eines Vorschusses zur Verfügung zu stellen. Auf Grund der in diesem Bericht dargelegteii Erwägungen -hat sie folgenden Entschließungsentwurf niedergelegt: „In Anbetracht' der durch die Tatsache, daß eine große Zahl von Personen aus Deutschland, Juden und andere, während der letzten Monate in einer Reihe von Ländern Zuflucht gesucht haben, geschaffenen Lage; „In der Erwägung, daß deren Aufenthalt in diesen Ländern ein wirtschaftliches, finanzielles und soziales Problem daistellt, dessen Lösung.nur durch internationale Zusammenarbeit herbeigeführt werden kann; „Schlägt die Völkerbundsversammlung dem Rat vor, einen Hochkommissar zu ernennen, der diese Zusammenarbeit herbeiführen und. leiten soll; „Sie schlägt ferner vor, daß die Kosten dieser Zusammenarbeit una des Büros des Hochkommissars durch Beiträge aus privaten oder anderen Quellen gedeckt werden; „Sie empfiehlt dem Rat auf Grund von Artikel 33 § 2 des fjinanzreglements des Völkerbundes die Ermächtigung zur Auszahlung eines 25 000 Frcs. nicht überschreitenden Vorschusses an den Hochkommissar zu erteilen, diese Summe'soll dem Völkerbund aus den Fonds, die dem Hochkommissar zur Verfügung stehen werden, zurückgezahit werden; „Die Völkerbundsversammlung bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß die Mitgliedstaaten des Völkerbundes, die. noch keine oder nur wenige Flüchtlinge aus Deutschland aüfgenommen haben, die Unterbringung dieser Flüchtlinge im Rahmen des Möglichen erleichtern; . ■ ' „Sie beauftragt den Generalsekretär, den Text der vorliegenden Resolution denjenigen Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, vorzulegen und sie im Namen des Völkerbundes zu bitten, nach. Möglichkeit an der Unterbringung der Flüchtlinge mitzuwirken und die Arbeit des Hochkommissars im allgemeinen zu unterstützen; „Zum .Schluß bringt die VölkerbundsveTsammlung die feste Hoffnung zum Ausdruck, daß die Regierungen und. die* privaten Organisationen im vollen Ausmaß ihrer Möglichkeiten mit dem Hochkommissar Zusammenarbeiten werden, um diese Rettungsaktion zum erfolgreichen Abschluß zu bringen.“ Dozentenentlassungen in Freiburg. Durch Entschließung des Reichsstatthalters von Baden wurde folgenden jüdischen Dozenten der Universität Freiburg i. Br. auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeämtentums die Lehrbefugnis entzogen: dem ordentl. Honorarprofessor Dr. Robert Liefmann, den außerordentl. Professoren Dr. Walter Friedländer, Dr. Gustav Wolf, sowie den Privatdozenten Dr. Ernst Alexander und Dr. Werner Brock, Dr. Herbert Fröhlich, Dr. Hans Adolf Krebs und Dir Bertha Ottenstein. Koordinierung der Hilfsaktionen für deutsche Juden- Welthilfskonferenz nach London einberufen. Im Namen des Joint Foreign Committee, der Alliance Israelite Universelle, des American Jewish Congress und des Comite des Dclcgations Juives haben die beiden Vorsitzenden des Joint Foreign Committee Neville Laski und Leonard G. Montefiore die repräsentativen jüdischen Körperschaften der ganzem- Welt zur Teilnahme an einer jüdischen Welt- .hilfskonferenz eingeladen, die am 29. Oktober im Gebäude des Jewish Board of Deputies zu London eröffnet werden soll. Die Konferenz wird die Aufgabe haben, die Hilfsaktion für deutsche Juden in wirksamer Weise zu koordinieren. Die genaue Tagesordnung der Konferenz soll erst von einer durch sie zu wählenden Kommission festgelegt werden. Die Einberufer schlagen die Einsetzung einer Reihe weiterer Kommissionen vor, die das-Material für die Beratungen der Plenarversammlung vorzubereiten haben werden, und zwar einer Palästina-Kommission, einer Wirtschaftskommission und einer Kommission für die Akademikerhilfe. Die Wirtschaftskommission soll in vier Unterkommissionen geteilt werden, und zwar für Aufbauhilfe in Deutschland, für Auswanderungsfragen, für Hilfsarbeit außerhalb Deutschlands und für Finanzen. Die eingeladenen Organisationen wurden, ersucht, außer ihren Delegierten auch Sachverständige für die zur Besprechung kommenden Fragen nach London zu entsenden. Für die einzelnen Komitees wurden provisorisch Rapporteure bestimmt, die schon jetzt das Material für die Verhandlungen sichten sollen. An ihre Stelle treten nach dem Beginn der Konferenz die von dieser zu wählenden Kommissionsvorsitzenden. 30. September als Stichtag für die Durchprüfung der Beamtenschaft. In dem soeben erschienenen Wortlaut der neuen Änderungen und Ergänzungen der Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wird der 30. September als Stichtag für die Nachprüfungen bei der Beamtenschaft angegeben. An diesem Tage müssen die Nachprüfungen spätestens eingesetzt haben, um zu wirksamen Maßnahmen auf Grund des Gesetzes bis. längstens zum 31. März-1934 zu berechtigen. Es wird unterstrichen, daß Nichtarier bzw. Personen, die mit Nichtariem verheiratet sind, auch als Angestellte oder Arbeiter in der öffentlichen Verwaltung nicht Platz finden können. Jüdische Forscher und Ärzte in. Manchester. Wie die Universität Manchester amtlich mitteilt, wurden an dieser Universität mit Hilfe eines von Bürgern der Stadt Manchester gestifteten Stipendienfonds vorläufig für fünf jüdische Gelehrte aus Deutschland Forschungsplätze geschaffen. Am Geschichtswissenschaftlichen Institut arbeitet Dr. Martin Weinbaum (Berlin), am Mathematischen Institut Dr. R. Baer (Halle), am Physikalischen Institut Dr. Rudolf Peieris (Leipzig), am Physiologischen Institut Dr. Walter Deutsch (Düsseldorf) und am Psychologischen Institut Professor David Katz (Rostock). Mit der Anstellung von ein bis zwei jüdischen Gelehrten an der Universität Manchester ist in absehbarer Zeit zu rechnen. Die Universitätsleitung betont, daß diese auf Grund eines von der Universität ■ in enger Kooperation mit dem akademischen Hilfskomitee für Großbritannien aufgestellten Plans in Manchester untergebrachten jüdischen Gelehrten aus Deutschland.auch Vorlesungen für die höheren Jahrgänge halten werden. Durch diese Lehrtätigkeit .werde jedoch die Anstellungsnuiglichkeit britischer Hochschullehrer .keineswegs eingeengt. Gleichzeitig wird angekündigt, daß die Berliner Professoren Hermann Zondek als ehrenamtlicher Kousiliarus für interne Medizin, Bernhard Zondek als Ehrenkonsiliararzt für Gynäkologie und Samuel G. Zondek als Berater für Bakteriologie an das-jüdisehe Königin-Viktoria-Gedächtnis-Krankenhaus in Manchester für die Dauer eines Jahres verpflichtet wurden. Das Viktoria-Spital hat, um die Forschungsarbeit dieser Gelehrten zu erleichtern, neue große Laboratorien errichten fassen und stellt den jüdischen Gelehrten aus Deutschland alle Hilfsmittel für ihre Tätigkeit znr Verfügung. Nur noch 1500 Jüdische Flüchtlinge " - in England. . ln der „Times“ veröffentlicht der Vorsitzende des Hilfskomitees für die jüdischen Flüchtlinge, Otto Schiff, einen Artikel, aus dem hervorgeht, daß die Zahl der in Englandweilenden jüdischen Flüchtlinge von 25ÜU zur Zeit des Anfangs des neuen Regimes in Deutschland üuf 15UU gesunken ist. Vielen Flüchtlingen wurde die Weiterreise nach Palästina und anderen überseeischen Ländern ermöglicht. Die Mehrzahl der im Lande Gebliebenen hat neueUnter- .n e h m u n g e n und damit A r b e i t s iji ö g H c h k e i t e n für englische Arbeiter und Angestellte geschaffen. Schiff tritt mit seiner Darstellung den jn letzter Zeit in einem Teil der englischen Presse gegen die Flüchtlinge erhobenen Vorwürfen, daß sie eine wirtschaftliche Belastung für England darstellen, entgegen. Auch-weist Schiff die gegen Flüchtlinge wegen ihrer politischen Gesinnung erhobenen Vorwürfe zurück und erklärt es als Grundsatz des Hilfskommitees, die Interessen Englands überall da voranzustellen, -wo diese 'mit Interessen von Flüchtlingen in Konflikt geraten sollten. Kundgebung der dentschjfldischen Jugend. Die Deutschjüdische Jugendgemeinschaft Berlin veranstaltet am Donnerstag, 19. Oktober 1933, abends 8 Uhr, im Plenarsaal des Verwaltungsgebäudes Rosenstraße 2/4 eine Kundgebung. Es sprechen u. a. Wilhelm G r a c t z (Vorstandsmitglied der Jüdischen' Gemeinde Berlin) über „Jugendarbeit in der Gemeinde“. Über „Jugendarbeit im Reich“ spricht Ludwig Rosenthal (Lanuestührer der D.J.J.G. in der Grenzmark). . 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