Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 14 (14.10.1933)
- Date
- 1933-10-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Momentbilder aus dem heutigen jüdischen Leben. Von Dr. M auf red Mev er. . . . - I. lick in das Zimmer einer jüdischen Bank: die Abteilung der „Ehemaligen*4. Der „ehemalige4*. Rechtsanwalt und der „ehemalige** Referendar suchen gemeinschaftlich mit „ehemaligen** Juristen, Großkauf leuten und Bankprokuristen, unterstützt von routinierten Fachleuten, mehr oder minder faule Forderungen von Bankkunden eiiuuziehen. Sie alle hat ein gemeinschaftliches Schicksal aus der Lebensbahn geworfen, die ihnen vorgezeichnet schien. Sie alle verbindet das gemeinsame Streben, durch Arbeit und Willenskraft sich in Deutschland eine neue Existenz zu schaffen. II. Dortselbst: — „Daß ich keinen Verdienst habe, beweist Ihnen meine Stempelkarte". Es tut mir doppelt leid, daß ich, Herrn W. nicht bezahlen kann "Er war immer so nachsichtig zu mir. Das Geld bekamen die, die rigoros vorgegangeii sind. Ich will aber nicht, dal» er Not leidet; von meiner Unterstützung zahle ich monatlich drei Mark.*4 Der so von seinem jüdischen Gläubiger sprach, war ein urarischer Christ, lind sulche Worte hören wir oft mul wissen daun, daß das Geld sicherer eingeht als auf Grund eines Urteils. Es Sind viele deutsche Juden, die durch ihr Verhalten in ihrer Umwelt die seltene Pflanze Dankbarkeit gesät und zur Blüte gebrächt haben. in. „Sonst habe ich gegen ihre Liin/iehungsmethode wirklich nichts einzuwenden, ich halte sie für gut,** sagt ein Kunde, „aber ich trage doch Bedenken, Ihnen Förderungen /um Inkasso zu geben. Es sind zum grollen Teil Juden, und ich scheue mich, meine Glaubensgenossen 'in der heutigen- Zeit noch mehr zu bedrängen.“ — „Sie haben recht, und wir teilen Ihre Auffassung. Deshalb vermeiden wir gerichtliches Vorgehen überall da* wo auch nur eine Spur von Zahlimgswillen sichtbar ist. Wir machen aller einen scharfen Trennungsstrich zwischen denen, die im Vertrauen darauf, daß sie in der heutigen Zeit von ihren Glaubensgenossen nicht augcfalU werden, sich nicht scheuen, sie nach allen Regeln ihrer Kunst zu ühervorteilen. Sie ahnen gar nicht,, welch ein Läuterungsprozell sich aus Urtriebeu heraus im deutschen Judentum vollzieht. Schädlinge müssen .wir um unserer Zukunft willen bekämpfen/* IV. „Ich habe das Kreditgesuch geprüft, Herr Direktor. Rechtlich ist es in Ordnung und auch wirtschaftlich sehe ich keine Bedenken, da die aiigeboteue Forderung gegen ein vom Staat kontrolliertes Unternehmen gerichtet ’ ist/* — „Und ich gebe keinen Sechser für diese Sache her, mein lieber Doktor, denn der Petent will das Geld haben, um atiszuwaudern. Wir brauchen hier jeden Pfennig, um denen zu helfen,' die in Deutschland neu* aufbaitcn müssen.*4. Diese klugen Worte eines weitsichtigen Bankleiters gehören eingerahmt in Sichtweite über den Schreibtisch aller der Juden, die heute für ihre Glaubensgenossen eint* Verantwortung tragen ‘ * Das Rabbinerzimmer einer Synagoge im Westen Berlins, in der Nähe des Kurfürstendamms am Abend eines Werktages. Um einen Tisch sitzen die Frauen und Töchter von Rechtsanwälten, junge ehemalige Studentinnen und Angestellte und folgen dem Vortrage des. Lehrers, der sie in die Bürokunde einführt. Kein Kolleg von Examenssemestern auf der Universität kann eifriger am Werk sein als diese Menschen, von denen wohl keiner noch vor einem Jahre daran gedacht hat, daß sie* jetzt als schaffende Kräfte — oft noch als einzige — zum Erwerb des täglichen Brotes beitragen müssen. Frage aut Frage wird gestellt und beantwortet — und im Diskutieren gleiten die Hörerinnen in die Gebiete, die ihnen bisher uninteressant erschienen. Und im nächsten Kurs sind Rechtsanwaltsangestellte versammelt — müde von der Tagesarbeit die glücklichen, verzweifelt vom Stellensuchendie anderen. Und auch sie' klammern sich an den Stoff, ringen mit ihm,‘eifrig, unermüdlich. — und erzürnt, wenn der Portier das Ende der Stunde, die meist mehr als CU Minuten hat, erzwingt. Das da sind unsere jüdischen Frauen von heute — unsere Mitkämpferinnen im Streite uni die Erhaltung unserer Existenz in Deutschland. Der. Rollfilm ist zu Ende. Fünf Bilder standen für diese Streife durch das tägliche Leben unserer Tage zur Verfügung. Sie sind .Amateuraufnahmen, manche vielleicht unscharf,- aber mit Liebe angefertigt. Lieber Leser, nimm diese Lichtbilder *— in der doppelten Bedeutung ihres Wortes — an Dich und schalt sie an, wenn Du um die Zukunft, des Judentums in Deutschland fürchtest. Nichtarische Apotheker. Bevorstehende Ausschließung »*«« Wohlfnhrtsfiefcrnngeii. Auf Anfrage einer Stadtverwaltung legte der Preullisc h e Ci em e i u d e t ag dem p r e u 11 ischeu M iuis ter des Innern die Frage vor, ob gegen die beabsichtigte Ausschließung derjenigen Apotheken, die im Besitz von Nichtariern sind, von der Lieferung Hfür W o h 1 f a h r t s p a t i e n - l e i; etwas einzuwenden J»ei, sofern die Arzneiversorgung dieser Wohlfabrtspatienten dadurch nicht beeinträchtigt werde. Der aufragendeu Stadtverwaltung ist " nunmehr mitgeteilt. \Vorden, daß der Preußische Gemeindetag folgende Antwort erhalten hat: . „Der baldige Ausschluß von Apotheken, die erwiesenermaßen zugunsten von Nichtariern betrieben werden, beim Bezug von Arzneimitteln auf Rechnung.der.Stadtverwaltungen erscheint mir dringend notwendig und zulässig. Für die Herbeiführung einer einheitlichen Regelung im Reichsgebiet bleibe ich bemüht.“ . . . Demzufolge werden voraussichtlich nunmehr m I reuhen alle diejenigen nachweisbar zugunsten -von Nichtariern betriebenen Apotheken von den Wohlfahrtslieferungeii .ausgeschlossen werd*eii, deren .nichtarische Inhaber nicht der A irs n a li ui e b e s t i m tu u n g der T e i t n a h in e a m W e 11 - krieg genügen und deren Ausschaltung keine erhebliche Benachteiligung der betreffenden Patientenschaft mit sich bringen würde. Wie die Standesorganisation deutscher Apotheker da/u erfährt, werde in absehbarer Zeit nur noch denjenigen Nichtariern Besitz und Führung einer deutschen Apotheke erlaubt sein, die den Frontkriegerparagraphen für sich in. Anspruch nehmen könnten St. Josefs-Heilanstalt FÜR MAHNER Berlin-Weissensee.Garteestrassel-5 Fernspr.: E6 Weißensee 2271. Für Neurosen, Psychopathien und Psychosen, für Erholungsbedürftige u. Rekonvaleszenten. Mod.Therapie, Fieberkureh,Entziehungen. Heirl.Parkanlagen. Dr. Weninger — Dr. med. et phil. Weiß. Mitglieder zu V e r t r a g s s ä t ze n ■ Stimmen zur neuen Reichsvertretung. Führung! Von Dr. M n 1111 e I Joel, Breslau. V o r b e m e r k u n g. Der nachfolgende Aufsatz des Herrn Dr. Joel /erfüllt in eine grundsätzliche ..Betrachtung und einen organisatorischen Lösungsvorschlag. Mit dem letzteren können wir uns nicht identifizieren, da er /. T. von falschen Voraussetzungen ausgeht, /. B. im Hinblick auf den.. „Rahbinerverband“, der kein geistliches Gremium ist, sondern nach seinen Satzungen lediglich eine Berufsorganisation sein will. Die Ormidaiiffassiiug des Autors ' dagegen schien uns bedeutsam genug, um sie hier wiederzugebeu. Die Schriftleitimg. Kurz vor den Festtagen ist die jüdische Öffentlichkeit von der Tatsache in Kenntnis gesetzt worden, daß die jüdii sehe Gemeinschaft eine neue Leitung erhalten hat, au deren Spitze Herr Rabbiner Dr. Leo Hacek stellt. Ist damit and* nicht gesagt, daß dem deutschen Judentum ein Führer eistanden ist (denn ein Führer wird nicht gewählt, er steigt kraft seiner seihst von unten herauf), so kann doch ohne Übertreibung und Schöntuerei festgestellt werden, daß ein besserer Vertreter jüdischer lieistigkeit kaum gefunden werden . Krim, ganz abgesehen davon, daß mau es überhaupt begrüßen muß, wenn in dieser schwersten Zeit des deutschen Judentums jemand bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Kann maii also hier seine Zustimmung’unbedingt geben, so fordern doeli andere Maßnahmen, wie die Schaffung des Beirats, unbedingt zur Kritik heraus. Mail scheint tu weiten Kreisen immer noch nicht begriffen zu haben, daß. man eine Entscheidung in einet^ Krise nicht herbeiführen kann, wenn man durch Verhaudluugcijuder einzelnen Gruppeü miteinander zu einem Kompromiß kommt, sondern daß diese Entscheidung nur aus der unerbittlichen Erkenntnis der Situation gefällt und dann mit voller Verantwortlichkeit durchgeführt wird, selbst wenn bestehende Einrichtungen dabei über Bord gehen. Wir müssen uns daher die grundlegende Frage nach der inneren und äußeren Situation des Judentums vorlegeu, um den Schlüssel zu dem Neuaufbau der jüdischen Gemeinschaft zu finden. Und hier braucht man keine spitzfindigen Erörterungen, sondern man muß sich ganz einfach an folgende Überlegung halten; Wie steht es mit dem geistig-religiösen Gehalt des deutschen Judentums, wie charakterisiert sichunsere Stellung zur deutschen Umwelt? “Aus dieser Frage-' Stillung und ihrer Beantwortung ergibt sich dann mit aller Notwendigkeit die .Grundlage für den Neubau des jüdischen Hauses in Deutschland. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der religiös-geistige Gehalt des Judentums für die Gesamtheit der deutschen Juden eine Einheit bildet, unbeschadet der Differenzierungen, die sich innerhalb dieses Gesamtbildes ergeben. Wie ein Baum, der aus einer Wurzel und einem -Stamm die verschiedensten Zweige entsendet, die in ihrer Ge-’ staltung durchaus Abweichungen von einander ergeben können, genau so haben sich auch alle Schattierungen geistig-religiöser Art aus einem Nährboden entwickelt, bilden also bei aller Ver- ’ schiedenheit eine Einheit. Anders steht es dagegen mit der politischen Haltung des deutschen Judentums der Umwelt gegenüber. - Genau so wenig wie jcawniLdit; eben skizzierte religiöse Einheit des Judentums wird leugnen können, genau so wäre es töricht, den tiefen Riß zu verkennen, der sieh zwischen den’ beiden Richtungen hindurchzieht, die man kurz als deutschjüdisch und nationaljüdisch bezeichnen kann. Wir ’ deutsch ’ empfindenden Judeu sind uns zwar bewußt, daß wir, bildlich gesprochen, nur im Hintcrhausc unseres deutschen Vaterlandes leben, wir würden aber diese Wohnung mit keinem noch so glänzenden Hause außerhalb Deutschlands tauschen, weil wir in diesem Deutschland unsere Heimat sehen, in der schon unsere Vorfahren und Vorvorfahren geboren und gestorben sind, gelebt uud gewirkt haben, weil uns bei einem solchen Umzuge die Wurzel abgesclmitten wäre, obne die wir ver-' dorren müßten, genau wie es die Pflau/e tut, wenn sie die Verbindung mit dem Mutterbqden verliert. Für den nationaljüdisch Eingestellten ist aber eine solche Verpflanzung durchaus nicht tödlich, da er sich ja hier uur als Gast betrachtet, während seine wahre Heimat.Palästina ist. Tatsächlich handelt es sich hier um -zwei s e c I i s e h e Haltungen, die sieh wie Feuer und Wasser gegenüberstehen und zwischen denen ein Kompromiß schleehtcrdiiigsTmmöglich ist. Von dieser Cruuderkeuiituis allein, die hart uud unerbittlich ist und - manchem, besonders der älteren Generation, noch gegen den Strich gehen mag, kann der Aufbau einer Gesamt- Organisation aus erfolgen. .Konnte anfangs die Wahl von Herrn Dr. Leo Baeck gut geheißen werden aus grundsätzlichen Erwägungen heraus, so wird diese Stelluiigualime durch die eben ausgefiihrtcn Erörterungen unterstrichen, da dessen Berufung der Forderung einer geistig-ieligiösen Spit/.e entspricht. : Folgerichtig muß ihm zur Seite aber ein Beirat stehen, der nicht aus einem Kompromiß verschiedener politischer Strömungen geboren ist, sondern dieser darf nur den Zweck haben, die verschiedenen Strömungen religiöser und geistiger Art innerhalb des Judentums zu repräsentieren, eine Art geistliches Direktorium, das sich aus einem Ausschuß des allgemeinen Rabhiiierverbandes und den Vertretern der jüdischen Hochschule zusnmmcusct/t. Neben diese geistige Spitze tritt dann der Reichsverbaml der jüdischen Landesverbände, der durch die größte Gemeinde Deutschlands, Berlin, repräsentiert wird, ln ihm haben, da es sieh um das Verwaltungsorgan des ücsaintjudcituim* handelt, im Gegensatz zu der geistigen Spitze auch Vertreter der politischen Fartcicn ihren "Flat/. Unter dieser Zeniiahnstanz, ule das Uesamtgebicl jüdischen Lebens umfaßt, imiit dann die Scheidung der politischen Organisationen erfolgen. Dt der Ucmciitdcvcrbaml uml die geistige Spitze Vertreter des Gcsaiutjudcutuuls, so verlangen jetzt die politischen Stifimimgen.ihr-Uecht, und eine weitere,niulicitsorgatiDatiot! hat keine Daseinsberechtigung mehr; vielmehr muß eine scharfe Irenuung zwischen der deutsch-jüdischen uml der natiouuljiidischcii , Richtung erfolgen. Es muß dabei au jeden cin/ciucii die Uewisscnsfrage gerichtet werden, ob er unbeschadet aller Angriffe sich seelisch mit der deutschen Volksgemeuiscliali verbunden fühlt oder in Anlehnung au-das iiaUonuDo/ialiMi' sehe Prinzip sich uur als-Gast in Deutschland betrachtet. Ist. so der Rahmen geschaffen, ui den sich zwanglos religiöse und Jugendorganisationen ctnscliallcn lassen, so lucitit daun noch als wesentliche Aufgabe die innere l.uicucruiig des Judentums, von tk*r in einem folgenden Artikel die Keile sein soll. :- Deutsch-jüdische Leitung. Vorbemerkung. — Der nachstehend abgedruckte Briet eines unserer Leser ist zwar durch die inzwischen erfolgte Neuwahl des Präsidiums der „Keiclisvertretung“ überholt; er zeigt jedoch, daii inan sielt in der deutschen Judenheit von der Leistung, die dieses Präsidium zu vollbringen hat, ein Bild macht, welches mit der von uns stets vertretenen Auffassung äbereinstimmt. Ali die Redaktion ilvr „Jiüliscli-Iilivralvu Zcitüüj;" — Berlin. Mit Interesse-vi-rfiilnc* ich'seit einiger Zeit ilie Ausführungen' in iler „J.-I.Z.", inshesuudere, soweit die Aufsätze die Stellung der deutsehen Juden im neuen Staate betreffen’ Seit vielen Jahren (jelmrte ich aus Uelier/eugung dem „Ceutral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Ulaiiheiis" au. Wenn ich sage, „gehörte”, so will ich damit meid sagen, dali ich heute nicht mehr sein Mitglied sei, Sündern ich will nur /um Ausdruck bringen, daß ich ihm heute nicht mehr aus Uchcr- Zeugung, sondcrii~nur noch ans „Pietät1’ angehöre. 1 >cmi die Richtung, die heilte im C.-V. herrschend ist, kann nie und nimmer da/u angetan sein, gcliihlsinültig und zweckentsprechend die deutschen Juden zu vertreten, die das Schwergewicht hierbei _ auf das Wort „deutsch" legen. Für alle diese - und das ist wohl die Mehrheit der deutschen Juden - ./dürfte es datier ebenso wie für-mich seihst eine ganz besondere (ienugtnnng sein, daß die „J.-I.Z.”- diese Richtung so völlig und tadellos verkörpert. Nur sie tritt heute (neben dem „Rcichshuud jüdischer Frontsoldaten”) als einziges Platt .konsequent tiir den 'deutschjüdischen gegenüber dem natioualjiidisehen Standpunkt ein. Indem ich dies besonders hervorhehe, will ich auch gleich zu erkennen geben. d a ß'n u r diese und keine andere-Richtung geeignet ist; das Problem, das Insbesonderein der Sondernummer der „J.-I.Z." behandelt wird, zu lösen. Genug der Wurte sind gewechselt. Jetzt heißt es endlich einmal handeln. Mit der AJnsehlUssigkeit darüber, wer die geeigneten Persönlichkeiten im deutschen Judentum sein sollciy, die führend unsere Interessen vertreten können, muß endgültig und schnellstens Schluß gemacht werden. Aus diesem Grunde. möchte ich mir erlauben, folgenden Vorschlag nicht in die-Diskussiun zu werfen, denn auch zum Diskutieren ist keine. Zeit mehr, sondern anzuregen, daß Vertreter Ihrer Richtung die Leitung an sielt nehmen uud wie folgt Vorgehen: 1. Es Ist sofort eine klare Herausarbeitung der Aufgaben und Ziele des dcutscfvcif Judentums in Deutschland vorzunehmen. Unter Hinweis aut diese Ziele sind dann unverzüglich sämtliche deutschen Synagogengemcindcii (Kreismul . . Bezirksgemeinden) zu veranlassen, daß ein bis zwei (je naclfc= Größe der Gemeinde) "bevollmächtigte Vertreter 'innerhalb der- .selben gewählt werden, die bei einem in Berlin- Icstzusetzcnden Wahlakt die auf die oben erwähnten Aufgaben und Ziele e in - heit lieb verpflichtete I. cit-uiig der deutschen Judenheit wählen. ,_ 2. Diese dann durch die. gesamte deutsche judenheit mit Mehl heit gewählte Leitung bestimmt ihre Mitarbeiter sowohl in der Geschäftsführung' als auch in den ciu/cliicii (ienieiiideii, welche dann später .ein neues tJcinciiidcstatiit bekommen müßten. 3. Sofort nach Wahl der Leitungist die staatliche Anerkennung zu. erbitten, mit dem Ziele, dieser danii geschallenen Vertretung der deutschen Judenheit d|e Rechtsgrundlage zu " gehen, und zwar nicht nur nach innen, den deutschen Juden gegenüber, sondern aiich nach außen, um als alleinberechtigte Vertretung der deutsehen Judenheit mit der Regierung zu verhandeln. ' ., In vorzüglicher Hochachtung 1 L e o R y ii a r / e w s,k i, Rastenhnrg.-Opr. Auslands-Chronik Wien. (Die?.Wiener Rothschilds schenken, dem ö s t e r i e i c h i s c h e n Staat ihre N i e d e r österreichischen Landgüter.) Die Brüder Louis uml 'Dr. Alfons Rothschild haben dem österreichischen Btindesschatz ihre niederösterreichischeil Güter Groß Höllenstein an .der Ybbs (einschließlich Buchmais, Ruthmoos und Hochkaar) tmd'Gaming. insgesamt etwa. H MHi hektnr samt totem und lebenden: Inventar als freiwillige Beitragsleistung zur Deckung der den» Staat aus der Krise der österreichischen Kreditanstalt erwachsenen Verluste geschenkt. In einem Regierungskoinumt|uc wird ausdrücklich hervorgehobe», daß der Staat keinerlei rechtliche Entschädigungsansprüche an die Wiener Rothschilds, die die Hauptaktionärc der Kreditanstalt waren, besaß. Die Brüder Rothschild haben den freiwilligen Schenkungsakt in der Absicht vorgcnoimncii, der österreichische» Regierung bei ihren» schweren Werke der Reorganisierung der Wirtschaft Österreichs behilflich zu sein. — Angesichts dieses großzügigen Vorgehens der Brüder Rothschild fallen die gegen sie von antisemitischer Seite wegen angeblicher finanzieller Verluste Österreichs durch Rothsehildsehe Geschäfte erhobenen Anwürfe in sich zusammen. Bukarest. (Eine allgemeine jüdische Jugendföderati.on in Rumänien.) Jn Bukarest wurde eine allgemeine Föderation der jüdischen Jugend Rumäniens ins Leben gerufen, in der sich die lugendgruppen sämtlicher Riehlungen zur Abwehr judenfeindlicher Angriffe zusammengcschlosseu hahcii. Es ist das erste Mal, daß sich in Rumänien zionistische und nichtzionistischc Jugendverhämle, die sich, bisher heftig bekämpft haben, in einer gemeinsamen < >rgauisatiod ziisammenschließc». Moskau. (Jüdischer Friedhof in SowjetruJiland enteignet.) Im Zuge der antireligiösen Kampagne hat das weißrussiscluL Zentralkontrollkomitee scharfe. Maßnahmen gegen die jüdische Gemeinde Ncü-Heli/e ergriffen. Das herkömmliche Erhchcnvon Beerdigimgsgcbühmi durch die Chewru Kadischa wurde vom Zentralkomitee dahin interpretiert, daß man von -Arbeitern Geld erpresse mul die Angehörigen Verstorbener zwinge, ihre Toten nach den religiösen Vorschriften beerdigen zu lassen. Auf Anordnung des Zentralkomitees wurden die drei Vorstandsmitglieder, der Chewra Kadischa . Her Krawzow, Leih Feigin und Mosche Kutikow verhaftet und sollen vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden Der jüdische Friedhof wurde enteignet uml der Stadtverwaltung übergeben. Chicago, ((ii bbs - Med a i 11 c für Professor W i 11 s t ä t te r.) Die amerikanische Chemische Gesellschaft, hat auf ihrem in Chicago abgehalteneu Jahreskongreß Professor Richard WilL.tätter die goldene (iibbs-Medaille, die höchste Auszeichnung der chemischen Wissenschaft, verliehen. — Professor Willstätter.ist der jüdischen Öffentlichkeit-durch - ein vielbeachtetes 'Referat auf der Tagung des jiidiscIPTihcr raleu Weltverbandes-in London 1UJ0 bekannt geworden. Buenos-Aires. (Attentat auf eine Synagoge.) In einer Synagoge im Patrizierviertel von Buenos-Aires expjmliertc eine Bombe und richtete erheblichen Sachschaden au. Das Attentat wird antisemitischen Kreisen zugeschrieben..