Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 14 (14.10.1933)
- Date
- 1933-10-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Pioniere Von Sanilätsrat Dr. AllrniPcyscr., V o rbeinerkung. Es ist nicht gut, Tiali wir deutschen Juden, wemi nach jüdischen Leistungen gefragt wird, immer, nur die Namen der wenigen Großen kennen, deren Sdlöpfungen Allgemeingut geworden sind. Wir denken hierbei an Männer wie Emil Rathenau, Albert Balliu und andere. Mau muß auch von denen wissen, die, fern von dem Getriebe der Wirtschaft, ßahnbredundes leisteten. Ohrenheilkunde ist gewiß eine nur Wenigen vertraute Materie, sie zwingt aber sicherlich dann auch unsern Lesern erhöhtes Interesse ab, wenn von ihr in einem Zusammenhang berichtet wird, der zeigt, daß die jüdische „Leistung“ dem bloßen Meinungsstreit längst entzogen sein konnte, da _ 'sie — als Tatsadle — nicht zu wiuertegen und in ihrem Wert nicht herabzumindern ist. - Ähnliche Aufsätze über jüdische Leistungen auf Sondergebieten lassen wir folgen. ,. _ . * * Sdinftli-itung. Diese Arbeit schlummerte einige Jahre ungedruckt in 'meinem Schreibtisch. Sie jetzt zu veröffentlichen, scheint mir richtig. „Gründe“ nämlich kann man durch „Gegengründe“ zu widerlegen versuchen, an den Tatsachen aber lallt sich nicht rütteln. Und es ist eine Tatsache, dail j ü d i s c h e Arzte ’einen hervorragenden Anteil an der Entwicklung der modernen Ohrenheilkunde haben, die nicht allein der Gesundheit des einzelnen Menschen dient, sondern ohne die Schulgesundheitspflege, Arbeiterschutz, Unfallbegutächtung, also Gebiete, auf denen Deutschland I hurend wurde, unzulänglich waren. Um sich klar zu machen, worin der Aufschwung der Ohrenheilkunde bestand, ist es notig, einen Blick aut die Verhältnisse derzeit zu werfen, in der er sich anbahnte. Wir finden an vielen Stellen in der Geschichte der Medizin erwähnt, datl noch um 1859 herum die Ohrenheilkunde ui Deutschland ein brachliegendes. Gebiet war, daii mau seinen güten kuf aufs Spiel setzte, wenn man Ohrenarzt wurde, ja, wir wissen sögar, dali der Augenarzt Ferdinand Arl't.in'frag, der die Erlaubnis erhalten hatte, Vprlesungen über Ohrenheilkunde ahzuhalten, diese 1854 wieder aulgab, weil, wie er selbst sagte, „er es nicht vermochte, m diesem Fache etwas Hhreiiwertes zu leisten“. Unterrichtsinöglichkeiteii gab es in Frankreich und England, ln England wurde bereits 1805 das erste Ambulatorium für Augen- und Uhrenkranke gegründet, seine Schicksale waren wechselnd, zeitweise wurden nur Augenkranke behandelt. In Frankreich hatte der berühmte Itafd, der 1821 ein großes Werk über Ohrenheilkunde herausgegeben hatte und bis 1838 als KrankenhausarrJ und Arzt des Taubstummen-lnstitutes in Paris wirkte, zahlreiche Schüler angezogen. Aus dem Munde unserer Senioren haben wir hei Zusammenkünften wissenschaftlicher Art manchmal Ueberlieferungen gehört, nach denen es im Gegensatz zu den Unterrichtsmoglichkeiten der nächsten Jahrzehnte dort recht kümmerlich zugegangen sein muß. Trotzdem muß Itard das Veidienst zugesprochen werden, der große Anreger großer Reformen gewesen zu sein. Unter, den Männer nun, die in D e u t s c h 1 a n d die moderne Ohrenheilkunde schulen, deren' Segnungen wir heute genießen und die bis in unsere Tage Aerzte des Auslandes zu ihrer Aus-. und Fortbildung nach Deutschland zieht, nimmt eine der. hervorragendsten Stellen ein jüdischer Arzt ein. Adam Politzer, aus einer wohlhabenden und geistig gerichteten Familie hervorgegangen, der übrigens in einem anderen Zweige auch der berühmte Geiger Joseph Joachim entstammte, war 1835 in Ungarn geboren und ging als Student von Budapest nach Wien, wo er von den berühmten Klinikern'lernte, an die Stelle spintisierender Ideologie das gewissenhafte und kritische Studium der normalen und pathologischen Anatomie und der Physiologie zu setzen. Schon -alk Student hatte Politzer, in dem neben dem exakten Wissenschaftler eiii Künstler von Format steckte, an der Leiche den feinen Bau des Gehörorgans studiert und bewundert. Als er durch :v o n Tröltsch in Würzburg davon hörte, daß man in England und Frankreich daran sei, die Ohrenheilkunde wissenschaftlich auszubaueu, trieb es ilin, sich auf -diesem vernachlässigten Gebiete zu betätigen. Und nun begann er nach klugem Plan seine eigene wissenschaftliche Ausbildung nach allen Richtungen hin, die dann bald dazu führte, daß Politzer imstande war, anderen auf dem Gebiete der Anatomie, Physiologie und Pathulogie des Ohres ganz neue Erkenntnisse zu vermitteln. Von einer wissenschaftlichen Auslandsreise zurückgekehrt, habilitierte sich Politzer in Wien als erster Dozent der Ohrenheilkunde, ln einem Saal der Abteilung Oppolzers begann er seine Lehrtätigkeit. In kurzer Zeit wuchs das Kranken- .naterial und wuchs daneben seine Sammlung von selbstgefertig-;en Präparaten, die dann später zu den berühmtesten der Welt gehören sollte. Die Anzahl seiner Arbeiten ging in die hunderte, sie betreffen alle Gebiete der Ohrenheilkunde. 1S63 veröffentlichte er das nach ihm benannte Verfahren der Lufteintreibung in die-Paukenhöhle, das sich in seiner Einfachheit und Genialität schnell die Welt eroberte und heute jedem praktischen Arzt vertraut ist. Im gleichenjahre gründete er mit vonTröltsch und S c h wart z e das „Archiv für Ohrenheilkunde“. Erst 1873 gelang es ihm, in der Wiener Universitätsohrenklinik die erste derartige Klinik der Welt zu gründen. Sein „L e h r - buch der O h r cu h e i 1 k u n d e“, sein „Atlas der Beleuchtungsbildcr des Trommelfells im gesunden und kranken Zustande“, seine „Geschichte derOlirenheil k u n d e" sind noch heute für jeden Ohrenarzt unentbehrlich. Dem Unterricht in der Ohrenheilkunde hat dieser Manu, der in der Herstellung lehrreicher Präparate ein ebenso großer Meister war wie iuf der schnellen und eindringlichen Ski/zierung des Krankheitsbefundes mit Kohle und Stift, die klassische Grundlage gegeben. Wien wurde durch Politzer zum internationalen Mittelpunkt, zum „Mekka“ ohrenärztlichcr Ausbildung. Neben Politzer muß in erster Reihe Salomon Moos erwähnt werden. 1831 geboten, erwarb er 1855 mit der Lösung einer.Aufgabe aus der inneren'Medizin den Preis der Heidelberger medizinischen Fakultät. Er wirkte zunächst als praktischer Arzt, habilitierte sich für innere Medizin, wandte sich aber immer mehr dem speziellen Studium der Ohrenerkrankungen zu. 1862 begann er mit Vorlesungen über Ohrenheilkunde, der Unterricht fand am Sonntag sowie einmal in der Woche in seiner eigenen Wohnung statt;, später in einem Ambulatorium, von 1876 an in gemieteten Räumen eines Privathauses. Mit H. Knapp.gemeinschaftlich begründete er 1869 das „Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde“, aus dem nach Trennung dieser Fächer 1879 die „Z e i t s c h r i f t für Ohrenheilkunde“ hervorging. Moos setzte sich in stiller Beharrlichkeit einer starken Gegnerschaft gegeuüDer uurcu. Die pathologische Anatomie des Gehörorgans, oesonuers die Mikroskopie, ebenso die BaKteriologie veruaukt nun wichtige Ei Kenntnisse. Salomon Moos war es auch, von uem die eiste, viel umstrittene Anregung ausgmg, uas £ i s e u D a h n p e r s o n a 1 periodischen Gehorpruiuugeu zu unterziehen. Heute gilt diese Forderung als eine Seiostversiauahcukeil. - Emil Bloch, 1848 geboren und seit 1871 als’* praktischer Arzt tätig, begann seine ohrenarzthehe tatigkeit Hs öl. r.r wirkte als Pnvaiuo/.eut, spater als auocrurdeutliclier Prutessor in Ir e lb u r g und hat eine große Anzahl von ArDeiteu, meist klinischen lnhans, veröllentlicht, von denen es m einem uer maßgeoeiiden idcnaiziuchen Werke heißt, (laß sie sich uurcu nüchterne Beubaemungsgabe und strenge Selbstkritik auszeichneten. Diese drei Männer, au der Spitze Politzer, naben im wahren Sinne des \\uires scnuie gemacht. Eine große Anzahl tauiger Aerzte wandte sich,, uurcu ihr Beispiel ermuntert, der Uhrenheilkunde zu. In Berlin sind aus der großen Zahl jüdischer Aerzte, die innerhalb der 'Jahrzehnte hier gewirkt hat und zum 1 eil noch wirken, einige zu nennen, denen die Utirenheilkunde Fortschritte verdankt. So linden wir in jedem ohrenärztlichen Horschema die Abkürzung „bch^.“, das neißt „Schwabach’scher versuch“. Die Frütung nach Dagouert, S c h w a b a c h, geboren 1846, die ein Urteil über die Leitungstähigkeit der rvoptknoenen für Stinimgaueltoue ermöglicht, gehört zum eisernen Bestand der Gehorprütung. Sie tragt wesentlich dazu bei, die Krankheiten des Mittelolues von denen des inneren Onres durch die Untersuchung unterscheiden zu können, was von ausschlaggebender Bedeutung zu sein pflegt. Die Wirksamkeit zweier anderer Männer auf rein wissenschaltlichein Gebiet hat zwar keine so unvergänglichen Ergebnisse gezeitigt, wie die der bisher Genannten, man dan aber an Forschern wie Louis Katz und Benno Ba'ginsky nicht vorübergellen. Beide kamen von der Allgetueinpraxis her und betrieben bis an ihr Lebensende aul eigene Kosten poliklinische Institute, in denen sie Assistenten und Kursisteu oiirenärztlich ausbildeten. Es ist bewundernswert, wie sie, rein am sich selbst gestellt, neben dieser Tatigkeit noch Zeit und Energie zu wissenschatthcher Forscherarbeit landen. Katz hat die Mikroskopie der Schnecke durch schöne Arbeiten gefordert, Benno Baginsky trotz viehachem Mißlingen die Gleichgewichtsiunktion des Vorholbugengang-Apparates. immer wieder von neuem am Versuchstier untersucht, ein Problem, dessen .Lösung dann später einem größeren und glücklicheren Manne, gleichialls jüdischen Stammes, gelang. Oie meisten derjenigen', die danach kamen, haben zwar hoch nicht, wie die werdenden .Ohrenärzte der Jetztzeit, wohleingerichtete Uhreiikliniken, Laboratorien, lückenlose Sammlungen und einprägsame Unterrichtsmittel zur Verfügung gehabt, aber die elementaren Schwierigkeiten, die Von den genannten Pionieren zu überwinden waren, haben sich ihnen nicht mehr entgegengestellt. Nun hat die Ohrenheilkunde seit-1873 und besonders seit 1889 dank der grundlegenden Arbeit deutscher Ohrenärzte nichtjüdischen Stammes wie Schwartze, Zaufal, Stacke, Bezold, Traütmanii^ J ansen, mit großem Erfolge die c h i r u r g i s c h e RTchtuug''eingeschlagen. Es? würde zu weit führen und auch den sonstigen Leistungen gegenüber wenig bedeuten, wenn man jeden jüdischen Ohrenarzt erwähnen wollte, der geholfen hat, das neugeschaffene Gebiet der O t o c h i r ü r g i e zu erweitern und zu vertiefen. Ihre Zahl ist ebenso groß wie ihr wissenschaftlicher Erfolg. Neben der Chirurgie aber war es die L e h r e v 0 m G1 e i c hg e w i c h t s s i n n, die der Ohrenheilkunde' ganz neue und bisher unbekannte Wege wies. Und hier sind es wieder jüdische Ohrenärzte, denen Uas Hauptverdienst gebührt. Es kann nicht meine Aufgabe sein, zu einer der unter Forschern anscheinend unvermeidlichen Prioritätsstreitigkeiten Stellung zu nehmen. Sicher hat Gustav Alexander in Wien, Uer später von einem geisteskranken Patienten ermordet wurde, auf diesem Gebiete hervorragendes geleistet. Mit dem Namen Robert Bari n y aber ist seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts die Wissenschaft vom Uleichgewichtsapparat mit Recht auf das engste verknüpft. Mit genialer Intuition, mit ungeheurer experimenteller Geschicklichkeit, mit einem auf lückenlose Kenntnisse gestützten unerhört scharfen Eindringen iii die physiologischen Vorgänge, hat Baraiiy, damals Assistent von Politzer in Wien, der Wissenschaft ein neues Gebiet erschlossen, und er ist bis zum heutigen Tage nicht niüde geworden, immer neue Beiträge zu seiner Lehre zu liefern. Die Bäräny’schen Untersuchungsinetlioden ermöglichen es,“Art und Ausgangspunkt von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen mit großer Genauigkeit.festzustellen. Ohne sie wären wir in der Unfallbegutachtung noch rückständig, ohne sie nicht imstande, gewisse krankhafte Veränderungen innerhalb der Schädelhöhle so genau zu lokalisieren, wie das jetzt möglich ist, und so dem Operateur den Weg zu weisen. Bäräny, der auch auf sonstigen Gebieten der Ohrenheilkunde, z. B. der Chirurgie, Neues gefunden hat und dessen Verößentlichungen zurzeit ungefähr zweihundert betragen, wirkt als Professor der Ohrenheilkunde an der Universität Upsala. 1914 erhielt er den N o b e 1 p re is. Paul Manasse, 1866 geboren, war ein anerkannter Meister auf dem Gebiete'der pathologischen Anatomie des Ohres. Er lehrte bis Kriegsende als ordentlicher Professor der Ohrenheilkunde in S t r a ß b u r g. Als der unglückliche Ausgang des Krieges ihn zwang, sein Lehramt zu verlassen, hat nach kurzer Zeit eine Vakanz in W ü r z b u r g der damaligen Unterrichtsverwaltung Gelegenheit gegeben, diesem hochbedeutenden Alaune ein Ordinariat zu übertragen. Manasse hat" die Ohrenheilkunde und neben ihr die Laryngologie ungemein gefördert. Noch vor einigen Jahren erregte sein Referat über die Kelilkopftuberkulose in Fachkreisen Bewunderung. Als er 1926 plötzlich starb, ging mit ihm der einzige jüdische ordentliche Professor für Ohrenheilkunde an reichsdeutschen Universitäten dahin. Es ist nicht beabsichtigt, die Reihe der jüdischen Ohrenärzte bis in unsere Tage hinein fortzusetzen und bei jedem anzuführen, was er zur Entwicklung des Sonderfaches beigetragen hat. Man dürfte dann an Männern wie Gottstein, Briegcr und Goerke in Breslau, Dreyfuss in Frankfurt a. M., Gerber in Königsberg und vielen Repräsentanten der unter Führung von Marcus H a je k und Heinrich von Neumann stehenden Wiener Schule nicht Vorbeigehen. Darum sei ger stattet, zum Schluß zwei Gruppen aus der Fülle der Forscher und Lehrer herauszuheben. Die eine besteht aus den Verfassern hervorragender ohrenärztlicher Lehrbücher, die andere aus zwei Männern, die auf dem benachbarten Gebiete der Nasenheilkunde Unvergängliches geleistet haben. Als langjähriger Assistent der Lucaesehen Universitätsohrenklinik in Berlin wirkte Louis Jacobson. Sein „Lehrbuch der Ohrenheilkunde“, das et später mit Blau herausgab, ein Meisterwerk, wurde grundlegend. Blau, dessen jährliche „Berichte überdie neueren Leistungen d e r O h r e n li e i 1 k u n d e“ ein wichtiges Nachschlagewerk wurden, gab 1900 die erste deutsche „Enzyklopädie der Ohrenheilkunde" heraus. Und schließlich haben sich „Lehrkueb und Atlas derOhrenheilkunde“ von Gustav Brühl; zuerst 1901 erschienen, später in mehreren Auflagen neu bearbeitet und in fremde Sprachen übersetzt, geradezu ohrenärztliche Popularität erworben. Was das erwähnte Nachbargebiet betrifft, so kann man sich heute nur schwer eine Vorstellung davon machen, wie es in Fachkreisen wirkte, als im Jahre 1893 Ludwig Grünwald in München mit einer Veröffentlichung über die „Erkrankungen derNebenhöhlen derNase“ hervortrat, ln einem der Nachrufe auf diesen unglücklichen Mann, dem äußere Verhältnisse und persönliche Eigenschaften ein Leben voll Enttäuschungen brachten, heißt es mit Recht, daß seine damals geäußerten Anschauungen als revolutionär empfunden wurden, und doch sind gerade sie der Ausgangspunkt neuen Wissens, neuer Wirksamkeit und einer neuen Nasenchirurgie geworden, die auch für die Ohrenheilkunde im engeren Sinne von größter Bedeutung geworden ist. Allerdings war es nötig, Spreu vom Weizen zu sondern, und das hat besonders ein Werk von Marcus H a j e k über die „P a t h o I o g i e u n d T h e r a p i e d e r entzündlichen Erkrankungen der Neben h ö h1e n der Nase“ getan, das 1899 erschien und eine Fülle von exakten Beobachtungen mit einem großen Reichtum von Gedanken vereinigte. Heute ist eine Untersuchung gewisser Ohrenleideu oder Veränderungen au den oberen Luftwegen ohne eine solche der Nasennebenhöhlen nicht mehr denkbar. Marcus Häjek setzte; wie hireits erwähnt, auf seinem Wiener Lehrstuhl die. bestei l’olitzerscluii Traditionen fort. Die bhrenärztliche „Almenreihe“ sei damit abgeschlossen. Für jeden vdn uns deutschen Aerzten, die wir auf unsere jiidiscjie Herkunft stulz sind, muß es eine Freude sein, festzustelleiu daß D e u t s c h 1 a n d zum Geburtsland der modernen Ohrenheilkunde wurde, und daß es einer stattlichen Anzahl jüdischer Aerzte beschießen .war, an dieser ruhmvollen und segensreichen Entwicklung initzuarbeiten. Aus den Gemeinden Berlin. (Vom Jüdischen Krankenhaus.) Das. Krankenhaus der J üdischen Gemeinde zu Berlin teilt folgendes mit: „Nach längeren Verhandlungen hat der Herr'Oberbürgcrmeister der Stadt Berlin mit Schreiben vom 11. September 1933 mitgeteilt, daß künftig jüdische hilfsbedürftige Kranke dem Krankenhaus der jüdischen Gemeinde, Exerzierstraße ' 11 a, und dem Israelitischen Krankenheini, Elsässer Straße 85, auf Kosten der Berliner Wohlfahrtsverwaltung wiedei überwiesen werden dürfen. Mit Rücksicht auf die iu den städtischen Krankenhäusern freien Betten darf es sich aber nur um besonders begründete Einzelfälle handeln und uiiT Personeii, bei denen nicht von vornherein mit einer KrankenhausbehaiTdlung von mehreren Monaten Dauer zu rechnen ist. Damit ist, wenigstens für jüdische Patienten, der Rechtszustand im allgemeinen wieder hergestellt, wie er bis zum Juni dieses Jahres bestanden hat.“ Chemnitz. (Leopold Eger gestorben. — Ab-' schied vou Sanitätsrat Wiener.) Unsere Gemeinde beklagt wieder den Verlust zweier gut jüdisch-liberaler Mitglieder. Ober 79 Jahre alt, verschied Herr Leopold Eger, eine der markantesten Gestalten unserer Gemeinde, intensivster Mitarbeiter und Expräsident der Saxonia-Loge, Begründer und Vorsitzender, des hiesigen jüdischen privaten Schiedsgerichts, Handelskammermitglied und Handelsrichter sowie Mitglied des Städtischen Wohlfahrtsausschusses, vor allem aber ein umsichtiger und weitblickender, kluger Kopf, ein starkes doch stets gezügeltes Temperament und ein nur vo:i höchsten Gesichtspunkten sich tragen lassendes Warmes Gemüt! So hat er reichsten Segen verbreitet und dem Judentum Ehre gemacht! Er wird dauernd der Geschichte der Blütezeit unserer Gemeinde angeboren, der er seinen. Stempel aufgeprägt hat! — Ferner hat Herr Sanitatsrat Dr. Wiener unsere Gemeinde verlassen, um in seiner Heimatstadt Leoli- ' schütz seinen Lebensabend zu verbringen. Ein sehr bescheidener stiller Arbeiter, der jedes Ehrenamt stets abgelehnt hat. Seine Bedeutung bestand in der Jahrzehnte, langen Mitarbeit an der Fürsorge für die Lungenkranken. Die hiesigen Institutionen dafür sind weit über Deutschland hinaus vorbildlich geworden. Dr. Wiener hat uneigennützig daran mitgearbeitet und durch seinen vornehmen Charakter sich und dem Judentum höchste Achtung erworben. Die besten Wünsche für einen langen glücklichen Lebensabend folgen ihm! Mainz. (N e u e S e e I e n f e i e r.) Es ist eine Neubearbeitung der Seelenfeier erschienen. Das Heftchen, das auch einige Psalmen enthält, die im Laufe des Jahres im Gottesdienst gesungen werden, wurde den Platzinhabern beim Eintritt in die Synagoge in je einem Freiexemplar am Roscli-Haschonoh-Vorabend ausgehändigt. 1 ■ Fi-ricnkuNe für jüdi*i'lic Studenten'der Medizin. Mit (ieuchmigimg des preußischen ''Kultusministeriums kimuen für jüdi>che Studenten dar kliu. Semester unentgeltliche Ferienkurse durch jüdische Dozenten nhgehuHen werden. Meldungen umgeheml an die' Jüdische Stmleuteuhilfu. Heiliu C 2, Kosunstraße *2/b GescHäftliche Notizen. Wie wir noch nachträglich erfahren, hat'der Inhaber der Konditorei Adler am Wiitenbergplaiz, Hur Sigmund Adler eine Eiholungrei&e nach Palästina unternommen, von der er inzwischen zurückgekehrt ist. * Grabdenkmäler,- Erbbegräbnisse in allen Steinarten in gediegeuer Ausführung führt zu zeitgemäßen Preisen die Firma Karl Schwarz aus. Bemerkenswert ist, dali die Bildhauerarbeilen nach- Entwürfen von*ltegierunp-baumeiiter Heer in. der Synagoge Fasauenstraüe und die am Kriegerdenkmal auf dem jüdischen Friedhof iu Weißeusee vuu der Firma Schwarz?taiumeu. Das % Lager der Firma befindet sich diiekt am jüdischen Friedhof' in Weißeusee. « Die von den» „PaK-dine Ecmmiuic Serviceneu errichtete Ver tretuug für Deutschland teilt uns mit. daß z. Z. I^sonders günstige Chancen für die Gründung einer Ziegelei uud eiuer Fabrik für Mariuorsteino bestehen. Genaue Iuformat.onen und ausgearbeitete Projekte sind durch die genannte Vertretung, llerliu W SO. .Taueutzienstraße 13. (Telefon: Bava’ria B 4 6164) mündlich oder schriftlich zu erhalten- Zugleich vei weisen >vir auf das Inserat in der heutigen Ausgabe. « Wir uiacheu uusere Leser auf die Speditionsfirma Paul Schur. Berlin \V 35, Kurfürstenslr. i 47, aufmerksam. Das Unternehmen übernimmt internationale Möbeltransporte und verfügt über moderne Lagerhäuser. Bei Bedarf weude inan sieh air alie Firma Paul Schur. - * Als erfahrenen Berater l»*»i Uaushall-sauflüsungen uud Verkleinerungen empfehleu wir uusereu L«-*seru Herrn Gimtnv Schweitzer. Berliu W lf», Duisburger Str. f>. Dieser sorgt für beste Ausnutzung vorhandener .Werte, wie Möbel, Teppiche etc. Kr ist bewährter Fachmann und gericht. lieh beeidigter SacliverMäii.liger Keine Hüui-haltuugsauflüsuug also ohne ’ Hiuzuziehung des Herrn Schweitzer. * Die Firma S. Ackermauu & Co., Berliu W 1», Königiu-Augustastr. 12, ist ein Fachunternehmen für Hausverwaltungen, Vermögensverwaltungen und Immobilienveraiittluug. Bei Bedarf wende man sich an die Firma S. Ackermann fc Co., der erste Bankreferenzen zur Verfügung stehen.