Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 14 (14.10.1933)
- Date
- 1933-10-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere -ehre von der Einzigkeit Gottes sollen wir nicht nur hören sondern auch leben. Was heißt das? Der einzig-ewige Gott muß geschant werden, wo er sich offenbart, er verlangt unaufhörliches Streben nach sittlicher Vollkommenheit. Das aber fordert: Ausdehnung der Liebe — Vertilgung des Hasses; Mut zur Wahrhaftigkeit—Ueberwindung aller Falschheit; Hingabe für das Recht — Kampf gegen das Unrecht; Verwirklichungdes Friedens—ZerstörungderZwietracht; Bereitschaft zur Tugend — Krieg'jedem Laster; Selbstverständliches Wohltun —Abkehr vom Eigennutz; Beharrlichkeit im Guten — Abscheu vor dem Bösen; Treue im Glauben — Vernichtung jedes Zweifels; Wandeln in Demut — Bezwingung jeder Hoffart. Rose Hoff mann. ländischen Glaubensbrüder die Rede. Wie wir deutschen Juden’ in früheren Zeiten unseren Brüdern im Osten geholfen haben, so erfahren wir nun, dali inan auch uns nicht un Stich lallt. Das war bei uns Juden zu allen Zeiten so, und auch der deutschen Regierung dürfte es sicherlich erwünscht sein, wenn neue Gelder ins -Land fliehen und wenn ferner durch eigene jüdische Hilfeleistung die allgemeinen Wohlfahrtsstellen zu einem gewissen Teile entlastet werden. Aber diese Hilfeleistung mul! in die richtigen Bahnen, gelenkt werden! Mit großem Befremden nur kann man von einem Bericht Kenntnis nehmen, den kürzlich die Zuteilungskommission des Britischen Zent ra 1 fonds für deutsche Juden veröffentlicht hat „Für deutsche Juden“ firmiert diese Stelle, aber in dem Bericht heißt es, daß fast alle gesammlten Gelder im Auslande verwendet worden sind, „der deutschen Judenheit mußte es überlassen bleiben, die Mittel für das dculschinländischc Hilfswerk und die Aufrechterhajtung der jüdischen Institutionen Deutschlands selbst bereit zu stellen“!! Man lese die Zahlen selbst: aus dem Bericht geht hervor, _ <laii i|i*a < h’ii t M'lif'ii mul Zfntialkoui.ttft’s für Auhwriüdenin« .Ju'lru und ihr«.* \Vn*il«*rau,“!e«nimif m 1‘ulfl* „tinu imti nmlt*r«*n Ländern :tl 000 I’fuml itoliumit wurden. IHHjOU Pfund wurden für Sehaffiiu^ v<m Unterkünften für dei}t«.ehe Juden itt Palästina. nuoeegehen. 23 O^J l’funil erhielt voreiahuruuuäaen.üU der Keren Hnje-Mid in Lnnihui. 21 000 Pfund wurden für landwirt- *e]jaftl»ehe. nud intlu^trielle Au-liildim^ «luiitsr h-jüilischfr Siedler in Palästina verwemlet. *JdtKMl Pfmel' für individuelle Für.-or«« i“ England. i 0 tl ü 0 Pfund als Subvention für K I e in e n - tnr. und Mittlere S t li u 1 e n ’ Tn . I) e u t s c li l u n d. 0 UUO Pfund für lierul.'Seliiihiuu von l-’lüehtli:»^ *u iu Kump». f»0<)0 Pfund für die tSeltaffumr inierimisiiseher Sie >n für jüdisch* Pr«d«’s»oreu und Lehrer an eHgli*»tdit*n fn vursitüi'*’». '.'»oti Pfund für die Au- ‘ Stellung ~deut>c!i-jtidisrl;i.;i‘ Gelehrte;-;i:< der Iiid>räi*fhe» Universität Jerusalem uw} U OOO p/tind {in hifiduj r »r.' :>r1 '.n-hr und industrielle Schtihtiu; jüili-eher Klih-JitliU^e iu I! >) .m l, du? iimdi vMleudrtel Aushililmn; naeh Pnlä-tinn und mulerrn J,ä :1 *rn uuswiuj.lern J>i** Verttaiiun«— und Pr.>|>.t^;mdak«i«if.» In*;"«u«,u G O’Ki Pfund. Im ganzen wurden 17UU0U Pfund Sterling verausgabt, alks'aber für Ansiedlung oder Ausbildung deutscher Juden im Aiislaiiüe so'wie für jüdische Emigrantenhilfe, nur 10 UOU Pfund gingen nach Deutschland, und 7.war mit der ausdrücklichen Zweckbestimmung für jüdische Elementar- und Mittelschulen! Wieder muß;gcsagt werden: unser Schul werk werden wir uns selbst* schaffen und erhalten,' sobald wir wirtschaftlich dazu in der Lage sind. Die erste Sorge hat daliör der . Wiedererrichtung unserer Existenz zu gelten, denn«/Zuku n f l k a n n/n u r bauen, \y e r Gegen w at t^ hat. Es wird die Aufgabe der Reichsvcrtrehmg sein, d^Tur zu sorgen, daß zukünftig die auswärtigen jüdischen Hilfsstellen wirklich für die deutschen Juden arbeiten. Gewiß muß auch den Emigranten geholfen werden, aber schon rein zahlenmäßig ist die an den in Deutschland verbleibenden Juden zu vollbringende Hilfe um ein Vielfaches größer, alle Jugendausbildung muß iu Deutschland seihst vollzogen werden, damit die datiir aufgewendeten Gelder zugleich unseren Jungen und unseren Alten zugutekomme». Die Reichsvertretung muß es zuwege bringen, daß das, was in dein Bericht „deutschinlundisches Hilfswerk** genannt wird, nicht uns selbst überlassen bleibt, was ja nichts anderes bedeutet, als daß man uns deutschen Juden, die wir wirtschaftlich völlig am Boden liegen, einfach lins seihst überläßt! . Klarheit und Hilfe für .di« Gegenwart zu schaffen, das ist die oberste, erste und dringlichste Aufgabe unserer neuen Kcichs\ertretung. Nur auf der Grundlage derartiger Gegenwarts- und Realpolitik kann eine Zukunft auferbauf werden. Wir wolleir den leitenden Männern nicht lieblos zurufen: „Schafft ihr nur für-die Gegenwart, für die Zukunft werden wir dann schon selbst schaffen!“ Aber sie selber müssen einscheiij_daß auch sie nicht für die Zukunft sorgen können, wenn sit} nicht für die Gegenwart sorgen. Griechenland wünscht keine _ Palästinawanderung. Eine Erklärung de; Cenendgouvernenrs von Mazedonien. Der Generalgouverneur von Mazedonien, Minister Philip Dragoumis, gab einem Vertreter der Athenischen Tageszeitung „Hestia“ folgende Erklärung über den Standpunkt der griechischen Regierung gegenüber der Auswanderung griechischer Juden nach Palästina ab: „Die Regierung wünscht nicht, daß die Israeliten das Land verlassen, und kann infolgedessen deren Auswanderung nicht begünstigen. Dadurch, daß sie in dieser oder jener Form den Israeliten helfen würde, ihre Heimat zu verlassen, könnte die Regierung den Eindruck erwecken, als ob sie von antisemitischen Gefühlen, und sei es auch in noch so geringem Grade, beherrscht sei. Die Regierung wünscht, daß die Israe- -liten im Lande bleiben, sowohl in ihrem eigenen Interesse als in dem des Landes selbst. Dieser Standpunkt bedeutet nicht, daß die Regierung nkht ‘warme Gefühle für den Zionismus hege. Diese Gefühle, sind zu sehr bekannt, als daß es noch notwendig wäre, zu betonen, daß die Regierung die nationale Wiedergeburt des Märtyrervolkes mit Sympathie verfolgt.“ Die Erklärung des Genralgouverneurs von Mazedonien, zu dessen Verwaltungsgebiet auch die Stadt Saloniki, die die größte jüdische Niederlassung in Griechenland besitzt, gehört, hat bei der jüdischen Bevölkerung Griechenlands Genugtuung hervorgerufen. In der Paläsiina-Bewegung und im Zionismus sieht Griechenland die Renaissance-Bewegung einer anderen Nation, mit der sie, zumal in Erinnerung an die neugriechische Renaissance von 1S70, mit Svmpathie gegenübersteht, die sie jedoch für das eigene Landesgebiet und für die Juden ihres Landes ablehnt, weil sie die in Griechenland wohnenden Juden als Landeskinder Betrachtet lind verlangt, daß diese sich als s o l c h e f ü h l e u. " Schutz der zugefassenee Rechts- und Patentanwälte. Dei Reichsjusti/ministei hat unter dem Datum des 1. Oktober eine zweite Durchführungs-Verordnung zu den Gesetzen über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und Patentanwaltschaft erlassen, in der es heißt: Seit heute sind die Maßnahmen abgeschlossen, die in den Gesetzen', vom 7. und 22. April 1933 für die Rechtsanwaltschaft und Patentanwaltschaft vorgesehen und bis zum 30. September 1933 befristet waren. Auf Grund des § 9 des Gesetzes vom 22. April 1933 verordne ich daher folgendes: Jeder Rechtsanwalt und Patentanwalt, der aut Grund der Gesetze vom 7. und 22. April 1933 in seinem Beruf verblieben ist, bleibt nicht nur im vollen Genuß seiner Berufsrechte, sondern hat auch Anspruch auf die Achtung, die ihm als Angehörigen seiner Staiidesgemeinschaft zukommt. Kein Rechtsanwalt oder Patentanwalt darf in der gesetzmäßigen Ausübung seines Berufes gehindert oder beeinträchtigt werden. Foto Alice Domker; Berlin-Chbg. Dr. Fritz Lamm^ stellvertretender Vorsitzender des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Anläßlich seines 25 jährigen Amtsjubiiäums im Dienste der Gemeinde. „Nathan der Weise.“ Sinn und Tat des „Kulturbundes deutscher Juden“ sind in der vorigen Nummer dieses Blattes an leitender Stelle gewürdigt worden. Wie steht es nim? „Ein anderes Antlitz, vh* sie geschehen, ein anderes zeigt die vollbrachte Tat“, sagt Schiller; trifft sein Wort hier zu? ~Nun, eins ist gewiß: die auch von den größten Lessing-Bcwunderern stets erkannten Mängel seiner Dichtung u'urden hörbarer als früher. „Wir haben uns-'beide unser Volk nicht ausgesucht“, „Volk, was ist deim-Volk?“ — diese Stellen zeigten eine Verlegenheit nicht nur des Dichters. Andererseits klangen auch die Ewigkeitswerte dieses Stückes stärker als früher: es hat Zeiten gegeben, da man den Inhalt der Nathan-Dichtung für eine in> Verse gebrachte Selbstverständlichkeit hielt; diesmal aber fühlte man: liier spricht ein Prophet, und sein Werk ist Prophetie in des Wortes zeitlicher und ethischer Bedeutung. Die „schöne Dichtung“ konnte einst in dem verklärenden Stil klassischer Spielweise uns nahegebracht werden; mancher hätte sich Solche Spielweise auch diesmal gewünscht — Versesprechen soll kein Weimaraner Singsang, doch wahrlich auch •kein naturalistisches Sich-Unterhalten sein. Aber dennoch: Prophetie ist nicht „schöne Dichtung“, ist vielmehr Realpolitik, weil es die Wirklichkeit ändern und nach dem höheren Interesse der lebendigen Menschen gestalten will. .Es handelt sieh bei Lessing und seinem Nathan um lebenswichtige menschliche Angelegenheiten : das brachten uns der Regisseur Dr. Karl Loewenberg, der Bühnenbildner Heinz Cond eil und alle Darstellei mit dieser realistischen und naturalistischen Aufführung zu Bewußtsein. Allen voran Kurt Katsch, der als Nathan auf die „schone“ Maske eines Ernst von. Possart oder Robert Nhil verzichtete und erst recht das 1929 in Dessau bei den Mendelssohn-Festspielen versuchte Kunststück verschmähte: den Nathan in der Maske Moses Mendelssohns, auftreten zu lassen; Katsch glich in-Seinem Aussehen eher einem! Sokrates, der bekanntlich kein „Philosoph im Barte“, sondern ein Realistiker war. Ernst Lennart batte als Tempelherr die volle Schönheit der Jugend: eine Statue und doch ein lebendiger Mensch. Einer der Besten: Martin W o l fgang als Klosterbruder, der sich vor seinen großen Vorgängern in dieser Rolle nicht zu verstecken braucht, man mußte diesen Bruder Bonafides lieben. Sein Chef, der Patriarch, wurde von Fritz Lion mit kluger Zurückhaltung gtspielt, nicht als komische Figur, die viele Schauspieler aus ihm machen, sondern, wie von Lessing beabsichtigt, seriös, wenn auch mit allen .menschlichen Schwächen des# Eiferers. Kaie Förder als Recha (nicht als Daia, wie es unter dem Bilde in der vorigen Nummer dieses Blattes irrtümlich zu lesen siand) und Lilli Kann als Qaja waren würdige Gegenspielerinnen ihrer männlichen Partner. Nicht ganz so gut war das muselmanische Element vertreten: Fritz Wisten als. Derwisch brachte zu ausgezeichnetem Spiel eine völlig* ungeeignete Maske mit; Martin Brandt (Saladin) blieb bei vorzüglichem Spiel in den Einzelheiten, doch allzu sehr im Hintergrund; Jenny Schaffer war als bildschöne, neckische Sittah ganz die liebende Schwester. In Nebenrollen spielten höchst lebendig Fred Alexander, Heinz Schönfeld, Max Koniuski, Klaus Brill. Vor Beginn hatte der Präsident des Kulturbundes, Dr. Kurt Singer einige zu Herzen gehende Worte gesprochen; am Schluß des Stückes, als nach der großen Erkennungsszene Muselmanen und Christen einander in den Armen lagen, ließ der Regisseur, hier nun vom Naturalismus zum Symbolspiel übergebend, den Nathan (wozu die Drehbühne die technische Möglichkeit bot) als einsam gewordenen Juden aus dem Sullanspalast allein in sein leergewordenes Haus zurückgehen — und jedermann in diesem ausschließlich von Glaubensgenossen besuchten Theater spürte die Tragik nicht allein der Juden, sendern aller Menschen: die „tandend-tausend Jahre“ des Richters aus der Ring-Erzählung „sind noch nicht um“. George Goetz. Kunstnadirlditen. Gesetlschtft für Jüdische .Volksbildung, Frankfurt a. M. „ Montag, den 16. Oktober 1P33> *20 Uhr pünktlich, im ffroflen Saal der Fnmkftirt-Loffe: Musikalisch-deklamatorischer Abend unter Leitung von Hermann Geiger. — Mitwirkende: Hans Erl, Alfred Auerbach. Sofie Seligmann. Hans Assonheim. Gerdo Grünebaum, Annlc Emst. Emst Wolf. Erich Itor Kahn und andere Künstler, die im Rahmen - unserer nächsten Veranstaltungen, wiederholt zu hören sein werden. Xummerierte Karten zu 3— RM., 2.— RM..1.— RM. und 0.50 RM. sind, erhältlich in folgenden. Geschäften: Drogerie Schneemann Schillerst raßc 4. Delikatessengeschäft H. Gerlich. Grüne bürg weg 8. Konditorei Freimark, Baunweg 1. Joseph Stratißsche Buchhandlung, Bibergasse 13. beim Kastellan der Frankfurt-Loge und ev. an der Abendkasse. Die Regierungsumbildung in Oesterreich. . Politischer Kurs hinsichtlich der Juden frage unverändert. Wie von maßgebender österreichischer Stelle verlautet, wird anläßlich der jüngst erfolgten Umbildung der österreichischen Regierung keine Aenderung des bisher in Bezug auf.die Judenfrage befolgten politischen Kurses erfolgen. Die neue Regierung hält an dem Programm der Ablehnung rassenunterschiedlicher Behandlung der Staatsbürger fest. In jüdischen Kreisen hofft man, daß die Haltung der Regierung eine Begünstigung verhüllter antisemitischer Maßnahmen, wie sie in letzter Zeit wiederholt festzustellen wären, ausschließen wird. Im Hinblick darauf, daß das neue Kabinett sich selbst als ein autoritäres Wirtschaftskabinett bezeichnet, wird er: waltet, daß es der Regierung gelingen wird, die [Wirtschaft im allgemeiner; zu beleben und damit auch füp die unter der Wirtschaftsnot besonders stark leidende jüdische Stadtbe-' völkerung einen Ausweg aus der drückenden Krise! zu finden. Die auf eine engere Zusammenarbeit mit Italien hindeutenden politischen Tendenzen der neuen Regierung werden als eine Verringerung der Möglichkeit, offiziell einen antisemitischen Kurs einzuschlagen, bewertet. Bundeskanzler Dollfuß, in dessen Händen jetzt die gesamte Exekutivgewalt vereinigt ist, hat vor kurzem Pressevertretern gegenüber auf-die Frage -nach der Stellung der Regierung zur Judenfrage geantwortet: „Der christliche Charakter eines Menschen ist für mich wichtiger als seine Rasse. Ich betrachte Oesterreich als ein Ganzes. Ich bin der Meinung, daß wir Menschen] nach ihren seelischen Eigenschaften, nicht aber auf Grund ihrer Rasse oder Nationalität zu beurteilen haben.“; Für Erleichterung jüdischer Einwanderer nach Nordamerika. Ein Ersuchen des Vorsitzenden der amerikanischeil Eimvanderiitigshommission an Präsident Ftooseveit. Der Vorsitzende der Immigrationskommission des Repräsentantenhauses, Kongreßmitglied Samuel Dickstein, hat sich an Präsident Roosevelt mit dem Ersuchen gewandt, die von Präsident Hoover erlassenen Einwanderungsvorschriften so abzuändern, daß „unter entsprechenden Sicherungen“ politische Flüchtlinge und aus konfessionellen Gründen aus 'Deutschland Ausgewanderte in die Vereinigten Staaten einwandfirn können. Das Quoteneinwanderungsgesetz möge in großzügigerer Weise als bisher gehandhabt werden. Der Präsident wird aufgefordert, gegen den Bürokratismus in Einwanderungsfragen Stellung zu nehmen und zunächst die Erlaubnis zur Einwanderung von tausend jüdischen Kindern, die von amerikanischen Bürgern adoptiert werden sollen, zu geben. Dickstein weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß infolge der Hoover-Verordnung 75 000 deutsche Staatsangehörige, 'die auf Grund des Quotengesetzes Anspruch auf Einwanderung gehabt hätten, verhindert worden sind, von diesem Rechte Gebrauch zu machen. j Panikkatastroplie in einer Bukarester Synagoge. 10 Frauen gelötet, 36 Personen schwer, U leicht verletzt. In der großen Synagoge von Bukarest hat] sich am Kol Nidre-Abend eine furchtbare Katastrophe ereignet. Auf der Galerie war Kurzschluß entstanden, der Funke wurde von einigen Besuchern als Beginn eines Brandes gedeutet, was zu einer unbeschreiblichen Panik führte. Die Frauen begannen sich unter entsetzlichen Schreien von der Galerie hinunterzustürzen. Versuche von Besonnenen, der Panik Einhalt zu gebieten, waren vergeblich. Herbeigeeilte Polizei und Feuerwehrleute konnten die Türen nicht öffnen, da diese nach innen schlossen und die Menge von innen dagegen drückte. Zehn FrdJien fand<5i den Töcl,’ 36 Personen‘'wurden schwer und 14 Personen leicht verletzt. Die Synagoge bot.ein Bild des Grauens. Am folgenden Tage haben sich itn Hofe des. Tempelgebäudes erschütternde Szenen abgespielt.' Die jüdische Gemeinde beschloß, den bedürftigen Angehörigen der Todesopfer Unterstützungen ausziifolgen. Die Beerdigung fand am Sonntag .nachmittag statt. Die Untersuchung hat festgestellt, daß das Unglück auf folgende Ursachen zurückzuführen ist: Zunächst hatte ein Kind mit der Schaltung gespielt und sie verdorben. Deshalb versagte ein Teil der Beleuchtung. Dann zertrümmerte ein -Mann das eine Fenster, um' ins Freie zu gelangen und schließlich stieß eine Frau den Alarmrüf „Feuer“ aus. Von den 38 Schwerverwundeten ist der Zustand von drei Frauen so schwer, daß mit ihrem Ableben gerechnet werden muß. Drei Leichen konnten bisher noch nicht identifiziert werden, da sie in geradezu unvorstellbarer Weise zertrampelt sind ' Außerordentlich starke Beteiligung an den Feiertagsgottesdiensten in Rußland. Die Beteiligung an den Gottesdiensten anläßlich der hohen jüdischen Feiertage war in diesem Jahre in Rußland, insbesondere am Jom, Kippur, der auf einen arbeitsfreien Tag fiel, besonders stärk. Alle Synagogen waren überfüllt; allerdingswaren unter den Betern jugendliche Elemente weniger stark vertreten. Störungsversuche jugendlicher Kommunisten, die in der Nähe der Synagogen lärmend musizierten, blieben erfolglos. Auffällig war die außerordentlich große Zahl von Bettlern, die sich um die Synagogen, insbesondere um die große Synagoge in der Spaglenitschew-Straße in Moskau, drängten! Eine große Menge refigionsfeindlicher Propaganda- Literatur wurde am Tage vor Jom Kippurvernichtet. Die kommunistischen Behörden haben auf Veranlassung des Verbandes der Gottlosen wegen dieses Vorfalls eine Untersuchung eingeleitet. Bis. iur französischen Revolution zurückreichende Ahnentafel. Wie die „Vossische Zeitung“ mitteilt, machte der Präsident des Thüringischen Ländesamtes für Rassewesen, Dr. Astei, Ausführungen zur Frage des Stammbaumes, der Nachfahrentafel usw. Er erklärte, daß die Sippschaftstafel, die aus den vier Großeltern und deren sämtlichen Nachkommen bestehe, allen anderen Tafeln vorzuziehen sei, Eine Ahnen- und Sippschaftstafel zu führen, werde in Zukunft allen zur Pflicht gemacht werden. Von jedem Volksgenossen werde aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ahnentafel verlangt werden,-die bis zur französischen Revolution zurückreichen müsse. Diese Tafel sei für die Vererbüngsberatung sehr wichtig. Dadurch werde es unmöglich sein, daß jemand, ohne daß er es wisse, einen Judenmiscbling heirate. Wir haben unsere Büroräume nach Cbarlottenburg. Bleibtreustraße 45 verlegt. Liberaler verein rar die Aigeiegeniieiten der Jflffiscnen nenieinde zu Berlin e. v. Vereinigung rar das rejigiDs-iraeraie Judentum e.v.