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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-03 · 13 (3.10.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
13 (3.10.1933)
Date
1933-10-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Zum Amtsjubiläum von Dr. Fritz Lamm. Lünftmdzwunzig Jahre hmdnrch dt*»» Unglücklichen helfen dürlcii, das ist gewili ein Lebcnsschicksnl, zu dt*in man aus innerster Ueberzeugung gratulieren darf. Der Glückwunsch ist um so herzlicher, als er einer Persönlichkeit gilt, die beides mithringt, was zur Wohlfahrtsarbeit nötig ist: Kopf und Herz. Hs gjbt niemanden, der im Laufe der tünfundzwanzigjährigen Amtszeit mit Herrn Di. Lamm in Berührung gekommen wäre, ohne einen tiefen Kindruck von -seiner menschlichen Düte empfangen zu haben. Aber die allein genügt nicht, Gerade . in der Zeit zwischen l‘J(J8 und 11133 hat die Wohlfahrtspflege in der ganzen Welt eine grundlegende Umgestaltung erfahren. Sehr ähnlich der Umwicklung in der nichtjüdischen Allgemeinheit ist auch bei uns Juden ans der charitativen, meist ehrenamtlich ausge-, übten Wohltätigkeit eine wissenschaftlich und organisatorisch durchgebildete amtliche l'iirsorge geworden. Als Dr. Lamm zur - Dauernde kam, gab es'die Armen-, die Waisen- und die Für-: sorgekommissioii. Der Krieg und die nachfolgende Inflationszeit lielVu die Anforderuugeu nicht nur zahleumäijig anwachsen, sondern verlangten auch ganz neue Arten der Hille. Aus den „Kommissionen“ wurde das W o h I f a h r t s a m t der Jüdischen. Demeinde zu Berlin, von uiiserm unvergeßlichen Freunde Fügen C a s p a r y in engster (ieineiuschaft mit Dr. I. a ufm gegründet riml geleitet. Die lfrl3 geschallene „Sammelvorimmdschaft“ der jüdischen Oe/neimJe ist Dr. Lamms persönliches Werk, mit dem er für über tausend Kinder miendlichen Segen gestiftet hat. Unvergessen ist auch die Winterhilfe des vorigen Jahres, die er gemeinsam mit dem neuen Vorsitzenden des Wohlfahrtsamtes, Herr« Idrektor Heinrich Stahl, ins Lehen rief. Und auch jetzt, für den kommenden Winter, wird wieder eine Neuorganisation des Wohlfahrtsamtes nötig, deren schöpterischer Gestalter Herr Dr. Lamm ist. Kn tüchtiger Mann auf wichtigstem Posten — die Jüdische Gemeinde zu Berlin und besonders wir,.deren aufrechter Liesiummg.s- und Parteifreund Dr. Lamm seit jeher war, dürfen sein Jubiläum als unser eigenes Fest auseheu. Alle'Kraft und alle Liebe, die ihn bisher zu seinem schwierigen und verantwortungsvollen Amt befähigten, sollen zum Glück vieler Tausender, zur Ehre unserer Glaubensgemeinschaft, ihm selbst zu seiner inneren Befriedigung noch auf viele Jahrzehnte ihm erhalten bleiben. ■ ' —tz. K Elieser Ehrenreich 50 Jahre! Am 5. Oktober, dem I. Tage des Sukkotfestes, begeht Elieser F.hrenreich seinen 50. Ueburstag. Vor kurzer Zeit erst hatte die Verwaltung der Berliner Gemeinde Gelegenheit, ihm ihre Glückwünsche anläßlich seines 25jährigen Jubiläums zum Ausdruck zu bringen. Was heute liier gesagt wird, gilt dem Menschen, . dessen vornehme Natur jeder Glorifizierung abhold ist. Aus einem schlichten, frommen Elternhause kommend, nimmt ihn das streng konservative Seminar auf, und als er nach bestandenem l.ehrerexnmen die Anstalt verläßt, wird er der eifrigste Anhänger des religiösen-Liberalismus! Solche-Entwicklung istlnichts Seltenes. Ehrenreiclis Befähigung und seine unbedingte Zuverlässigkeit -wird in der Berliner Gemeindeverwaltung anerkannt. Seit Jahren gehört er, als liberales Mitglied, dem Kepräsentnutenkollegiuni au. Heute hat sich seine Position derartig . gestaltet, daß die außerordentlich große Verantwortung des gesamten Kulluswesens dieser gewaltigen Gemeinde auf seinen Schultern ruht. In diesem Jahre haben wir es erlebt, wie die besonders schwierige Organisation des gesamten Festgottesdienst Wesens erfolgreich von ihm durdigdührt wurde. Weit über sein eigentliches Sachgebiet hinaus gilt er als kluger und ' ungemein taktvoller Ratgeber. Seine strenge Objektivität und sein Gerechtigkeitssinn haben ihm viele Freunde zugefülirt. ln schwierigster Zeit ist. er berufen, mit an den Geschicken;der Berliner Gemeinde zu arbeiten. Er tut-cs mit ruhigem, starkem Pflichthewußtseiu. Dieses PflichlhewiiBtsem hat ihn sein ganzes Lcbeir geleitet; Während des Krieges diente er treu dem Vaterfande, fcanj alseiner der Letzten zurück und trat daun mit ruhiger Sicherheit wieder nii seine Stelle, von der aus er immer weiter emporrückte. Kein ehrgeiziger Streber, kein pedantischer Büromensch, sondern eine Individualität, die sich im Dienste des Judentums auswirkt. Sein Interesse für die religiöse Kunst und deren Historik ist ungewöhnlich stark. Das bezeugte er oft genug in Wort und Schrill. Ehreiireich ist ein junger Fünfziger. Der Elan seiner ungewöhnlichen Arbeitskraft soll ihm noch lange erhalten bleiben. Ad meoh w’essrim schouoh! Magnus Davidäülin. . Dürfen luden keine Jagdrechte ausüben? In Bergzabern batte ein Pächter die Ausübung der Fischerei an die .Inhaber einer jüdischen Firma allgetreten. Gegen diese Uebertragung hat' jetzt das Bezirksamt Einspruch erhoben mit der Begründung, daß Juden irti heutigen nationalen Staat keine jagdrechte auszuübeu haben. Unser Vater, Großvater und Bruder Emil Waldstein ist heute im Alter von 79 Jahren von uns gegangen. Breslau, Oels, den 15. September 1933. Charlottenstr. 110 Für die Hinterbliebenen: Margarete und Martin Waldstein Dr. Julie und Dr. Markus Freund San. Rai Dr. W. Seeligsohn Augenarzt jetzt Lutherstraße 44 Ecke Nettelbeckstraße. Sprcchst. S't2 ~9'h. 4 — 5xh. B 5 3150 Zahnarzt Dr. Lipschitz verzogen von Tauentzienstraße .9 Hach Bleibtreüstraße 17 nahe Kurfürstendamm J 1 Bismarck 6967. f-ierzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel I I _ ■ noch nachträglich Paill Schulze, Färberei, SW 19, Lindenstr. 64 A 7 Dönhoff JV)S __ 'Hirschfeld-Denkmal in Kolberg abgetragen. Das Hirscldeld-Dt/nknial in Kolberg ist im Auftrag des Magistrats allgetragen worden. Begründet wird dieser Schritt damit, daß der Magistrat damit einem langgehegten Wunsche der nationalsozialistisch empfindenden Bevölkerung der Stadt Kollierg micligekoninien ist. Ur. Hirschfeld war Vorstand der Kolberger jüdischen Gemeinde. Er und Dr. (ioldschrnidt waren die hauptsächlichen Gründer des jüdischen Kurhospitals in Kolberg, das in seinem langjährigen Bestehen Tausenden Linderung oder Heilung gebracht hat. Auch um die Hebung des Bades hat er sich außerordentlich verdient gemacht, und manche noch heute bestellenden Hinrichtungen, Anlagen oder Verschönerungen hat das Bad' ihm zu verdanken. . . Als er 1884 starb, folgte ilnu ein Trauerzug, w ie ihn die Stadt Kolberg in der Folge nur selten gesellen bat. Gerade christliche Bürger waren es damals, die. das edle und selbstlose Wirken dieses Wohltäters und Menschenfreundes für würdig fanden, es der Nachwelt durch ein Denkmal zu überliefern. Arierparagraph für Pressephotographen. Der Preußische Kultusminister hal an die ihm nachgeordneten Behörden einen Frlali herausgegeben, demzufolge in Ankunft innerhalb des ihm unterstellten Arbeitsbereiches die Genehmigung zur Anfertigung von Liclitbildaufnalimen nur noch arischen Presseillustrationsfirmen erteilt-.werden darf. Dieser Erlaß findet auf ausländische Firmen keine Anwendung. Geschäftsverkehr zwischen deutschen Landwirten und Juden soll unterbunden wirden Der Genossenschaftsverband Raiffeisen in Frankfurt a. M. bzw. die Hauptabteilung III des Hessen-Nassauisclien Bauernstandes ließen den angeschlossenen Genossenschaften am 11. September folgendes Rundschreiben zugehen: „Der Wiederaufbau der-deutschen Volkswirtschaft kann nur. gelingen, wenn die uns von der nationalen Regierung gestellten Aufgaben restlos erfüllt werden. In unserer genossenschaftlichen Arbeit werden wir überhaupt nur zu restlosen Erfolgen kommen, wenn die Bauern Zusammenhalten und Verständnis für die gesamte gcnosslmschaftliche Gemeinschaftsarbeit aufbringen. Der Feind für die genossenschaftliche Gemeinschaftarbeit ist nach jeder Richtung der Jude und der jüdische Handel, der auch heute wieder versucht, mit allen möglichen Verlockungen an die Landwirte herauzukommen lind auch an die genossenschaftlichen Funktionäre. Jegliche Verbindung mit dem Juden und dem jüdischen Handel läuft nicht nur jeder genossenschaftlichen Auffassung zuwider, sie ist auch ein Verstoß gegen nationalsozialistische Grundsätze. Wir verlangen aus diesem Grunde und zur Lösung der uns gestellten großen genossenschaftlichen Aufgabe, daß unsere Genossenschaften jegliche Verbindung mit dem jüdischen Handel im Einkauf und Verkauf unverzüglich ahbrechen. Zuwiderhandlungen werden wir zu geeigneter Zeit zu ahnden wissen. Ferner verlangen wir von unseren üenossenscliaftsverwaltungen, daß sie uns diejenigen Landwirte melden, die nach wie vor mit Juden handeln. Es ist allerdings notwendig, dfiß mit diesen Meldungen authentisches 'Beweismaterial vorgelegt wird. Jüdische Händler, die allfallende Bemerkungen gegen unsere genossenschaftliche Arbeit machen, sind ebenfalls bei uns unter Vorlage des erforderlichen Materials zur Anzeige zu bringen. Neuerdings ist auch festzustellen, daß jüdische Firmen, um ihre Geschäfte weiter betreiben zu können, sich mit christlichen Vordermännern verseilen. Auch solche Vorgänge müssen uns laiifcmi berichtet werden, damit wire entsprechend einschreiten können. Der Kampf gegen das jüdische Kapital und gegen die jüdische Mißwirtschaft, die nur zerstörend in unserer deutschen Volkswirtschaft wirken, muß lückenlos durchgeführt Werden.“ Rückwirkende Anwendung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Wie amtlich mitgefeilt wird, genehmigte das Reichskabinett am 22. September Aenderungen des Jjesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeaintentums vom 7. April 1933, wodurch Zweifelsfragen geklärt werden, die sich aus der bisherigen Fassung des Gesetzes ergeben haben. Die Vorschriften des Gesetzes werden ausgedehnt auf Beamte, die vor dem 8. April 1933 ausgeschieden sind. Ferner wird durch diese Ergänzungsbestimmungen die Möglichkeit geschaffen, die Fälle, in denen die Prüfung bereits eingeleitet, aber noch nicht abgeschlossen ist, bis zum 31. März 1934 zu. Ende zu bringen:; Wfasett Sie »eftott, daß der holländischen Delegation zu der demnächstigen 14. Tagung des Völkerbundrates in Genf auch zwei Juden, und zwar das Mitglied des Sfaatsrates, Dr. J. Limburg, und dei ehemalige Vizepräsident des Rates von Holländisch-lndien, Professor Dr. E. Moresco, angehören? daß die Budapester medizinische Fakultät von 6U jüdischen Bewerbern nur 7 für das kommende Semester aufgenommen, gleichzeitig aber' 158 niclitjüdische .Hörer inskribiert hat, woraus hervorgellt, daß der Numerus clausus au der Budapester medizinischen Fakultät noch immer eingchalten wird? daß Mitte September'in Amsterdam die Jaiireskonferenz der holländischen Organisation der Agudas Jisroel stattfand, auf der u. a. schärfster Einspruch dagegen erhoben wurde, daß die Jewish Agency orthodoxe Juden von der Einwanderung nach Palästina systematisch fernl.ält? daß der Stadtrat in Erlangen einen nationalsozialistischen Antrag angenommen hat, wonach das im Jahre 1875 auf dem Luitpoldplatz für den jüdischen Universitätsprofessor Dr. med. Jakob Herz errichtete Denkmal sofort entfernt werden soll? ' daß der Innenminister der Tschechoslowakei den Posten eines offiziellen hebräischen'Zensors der Republik geschaffen und den Sekretär der Jüdischen Gemeinde zu Uzhorob, Dr. Fischgrund, zum Zensor ernannt hat? daß der Rat der Jüdischen Gemeinde Groningen (Holland) beschlossen hat, zugunsten notleidender jüdischer Gemeinden in Deutschland einen 10u,oigen Zuschlag zu den Gemeindesteuern zu erheben? . ■ daß Lady Erleigh, die seit dem Tode ihres Vaters Sir Alfred Mond eine führende Rolle im Zionismus spielt, gleich ihrem Bruder Lord Melchett nunmehr aus der - anglikanischen Kirche wieder zur jüdischen Religion übergetreten ist? daß in Moskau der bekannte russisch-jüdische Philologe Alex- ander Granat, der Begründer und Herausgeber eines ■Jühäiidigen russischen enzyklopädischen Wörterbuches, im Alter von 75 Jahren gestorben ist? daß die in diesen Tagen.in,Sowjetrußland von allen kommunistischer. Stellen durcligeführte antireligiöse Aktion sich gegen die gerade jetzt stattfindenden jüdischen Hohen Feiertage richtet? daß der Wilnacr Erzbischof Jplbyszkoivski anläßlich einer großen religiösen Feier in Augustow vor vielen tausend Zuhörern erklärt hat, das polnische Volk dürfe sich an dem Rassenhaß anderer Länder kein Beispiel nehmen und müsse allen Bürgern des Landes ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Nationalität mit Achtling und Liebe liegegnen? _ daß Geheimrat Adolph Goldschmidt unter allgemeinem Beifall aller Anwesenden zmn Ehrenvorsitzenden. des 13. Internationalen kunsthistorischen Kongresses in Stockholm gewählt worden ist?; Vereins-Nachrichten. Der Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin trägt jetzt laut Beschluß der Generalversammlung folgenden Namen: „Verein ehemaliger Schüler aller Schulen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“; Die-Geschäftsadresse des Vereins befindet sich in den Händen des Vereinsfiihrers, Oskar Friedenstein, NO 55, Christburgersträlie 4L Der V.E.S. nimmt noch für seine Fußballabteilung Senioren und Jugendliche auf. . Freie iluüisclit* Volkshochschule. Berlin. Die letzte der 3 Legeuden- Vorle.viitigeu vuii Itabbiuer Ur. Kind Beruliard-Cohu findet uuter dem Titel ..Ule eliasdidiselie Legende vou der Fröhlichkeit“, (zum Laubhütten* fejät» am Montag, Oktober von S bis 9.30 Uhr in der Synagoge Fa.saueustralie statt. I Brillanten - Ankauf! Ä, ÄÄ*. 17 IXTD T TpTT Uhren, konkurrenzlose Kassapreise JjUJVlilV'IIj TauentxienstraOe 14( hodiptr. (Stillerhaus). Telefon.: B 4 Bavaria 3271. Auch Verkauf. 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