Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-09-20 · Sondernummer(20.9.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
Sondernummer(20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2613479-2613493--4468-2616152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 j 1 ■' ■J. > t . •1 13. Jahrgang Sondernummer i i j JiiöifiHibetale 3ei V . _ Ml 20.Ä1933 „Ein Spaziergang durch den jüdischen Blätterwald." Versöhnung mit dem Schicksal. welchesEchö die jüdische Presse in der allgemeinen Tagespresse findet. Wir veröffentlichen daher einen Auisatz, den die „Deutsche Zeitung“ unter der oben wiedergegebenen Ueberschrift am 7. September (Abendausgabe) brachte: „Den Schreiern und Hetzern des In- und.Auslandes, die über die angebliche Judenverfolgung im neuen Deutschland jammern und toben, muß stets [die Tatsache entgegengehalten werden, daß sämtliche rein jüdischen Zeitungen und Zeitschriften aller Richtungen und Schattierungen nach wie vor in Deutschland unbehindert weiter] erscheinen und, fast an jeder Straßenecke der Reichshauptsfadt verkauit werden dürfen. Daß diese Duldsamkeit der nationalsozialistischen Regierung im‘ Deutschen Reiche in einem auffallenden Gegensatz steht zu der fanatischen Unduldsamkeit, die von allen unter jüdischem Einfluß stehenden Regierungen anderer - Länder der nationalsozialistischen Presse gegenüber an den Tag gelegt wird, dürfte auch von den Weisen von Genf nicht in Abrede gestellt werden können. | Im nachstehenden wollen wir unseren Lesern aufzeigen, wie frei und unbehindert das Judentum in Deutschland sich in seiner Presse bewegen darf. : Da ist zunächst die zionistische Presse. Das bedeutendste und wohl auch am weitesten verbreitete Blatt dieser Richtung ist die zweimal wöchentlich erscheinende „Jüdische Rundschau". Es ist geradezu erstaunlich, wie dieses Blatt neuerdings gegen Demokratie und Parlamentarismus wettert und für den Führergedanken eintritL ln einer Betrachtung zum Prager Zionistenkongreß schreibt das Blatt u. a.: „Ucr Kongreß hat sich in seihen äußeren Formen den europäischen Parlamentarismus zum Vorbild genommen', und, da die Juden ein politisch sehr ungeschultes, zugleich huch, redegewandtes' Volk sind, so hat mau den beklemmenden Eindruck, daß hier alle Schattenseiten dieses Parlamentarismus besonders unterstrichen sind, daß hier ein Mittel zum Selbstzweck wird, daß man häufig vergißt, welche Funktion der Kungreß als ein Instrument der Renaissancebewegung haben sollte und daß statt der Idee die Maschine aus- 'schlaggebend ist.” - ' '' Einen starken zionistischen Einschlag hat auch das wöchentlich einmal erscheinende „Israelitische Familie nblatt für Groß-Berli n”,' obgleich es auch teilweise für die Assimilation einzutreten scheint. Das geht aus folgendem hervor: Das Blatt stellt mit Befriedigung fest, daß der -Prager Kongreß jegliche Einmischung j in die Verhältnisse anderer Länder abgelelmt habe und fährt dann fort: „Die deutschen Juden fühlen {sich ihrem deutschen Vatetlande zugehörig und hoffen, auch in Zukunft im Lande ihrer Geburt, dem Lande, in dem ihre Väter seit vielen Jahrhunderten wohnen, Heimat und Stätte für ihre Arbeit und iljr Wirken zu finden." ] Kennzeichnend für den jüdisch-völkischen Charakter des Blattes ist seine Unterhaltungsbeilage, ln der Ausgabe vom 1. September sind die Antworten einiger Leser auf das Preisausschreiben der Verlagsleitung [zum Thema: „Was war mein stärkstes jüdisches Erlebnis“ wiedergegeben, die einen tieicn Einblick in das jüdische Seelenleben gewähren. Da schildert z. B. ein jüdischer Maler den |Eindruck seiner ersten Reise : nach Palästina, die er im Jaltre 1925 zur Einweihung der Hebräischen Universität in Jerusalem unternommen hatte. Man höre: : I .. . . : Auf dem Bahnhof iu [El Kaudara widerfulu uiiretwas. Seltsames: Ich sah darin einen hebräischen Anschlag, und als ich ihn studierte, fand ich: es w-ar.lder Fahrplan — auf hebräisch! Da durchzuckte mich, wie ein Blitz, das vorher Unfaßbare: Palästina, das -jüdische Palästina, war ’ mehr als eine Verheißung: Es war Wirklichkeit geworden! IJnd damit begann für mich eine Zeit, die ich wie trunken durchlebte: Monate, zwei Jahre, in denen ich, nach den Demütigungen des | Galuth, ganz' i c li s e 1 b s t seindurfte: ganz Jude, ganz als Mensch, nur lebend den eigenen Idealen, nur gehorchend den tiefsten Stimjnen 'der Seele." . Liest man diesen leidenschaftlichen Erguß, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Warum ist der brave Mann nicht im Lande seiner Väter geblieben, wo kein Mensch ihn daran hindert „ganz Jude" zu sein, | "! Scharf lehnt den Zionismus ab die Halbmonatsschrift „J ü d i s ch -1 i b e r al e Zeitifng“, die in ihrer Ausgabe vom 1. September dem Zionistenkongreß das Recht abspricht, im:Namen der deutschen Judetj zu sprechen. Auch für das Gesamtjudentum dürfte der Kongreß keine Erklärungen abgeben, da in allen Ländern die j Zionisten nur die Minderheit unter.den Juden darstellen. [Den Gegenpol stellt das Zentralorgan für das orthodoxe Judentum „D e r Israelit“ dar. Dieses Blatt' verabscheut alle Assimilationsbestrebungen lind erblickt in der Notwehraktion des deutschen Volkes die Strafe Jahwes für die „Untreue“ der Assimilationsjuden. In einem Leitaufsatz, der die Ueberschriit trägt: „Die. große Abrechnung“ lesen wir folgenden Erguß: j! „Treiiebruch 'und Abfall., falsche Aufdringlichkeit und Deutschtümelei hinterließen ein Trümmerfeld, voll des Moders und der Verwesung. Gesetzestreue und jüdische Echtheit und Ehrlichkeit •waren jedoch ebenfalls durchsetzt [von den Miasmen falsch erfaßter, doch mit Beharrlichkeit vertretener, sogar religiös verbrämter An- .’gleichungstendenzen, die zu katastrophalen Resultaten der Halbheit und 'der inneren Zerklüftung führen konnten, oft führen mußten. ■So schwebte über beiden, Gesetzestreue und Gesetzesuntreue der Aasgeier der Assimilation ... | I Schäme, dich — mit Herzblut schreiben wir es nieder — schäme dich, deutsche Judcnhcitj daß du dies alles selbst verschuldet und doch nicht begriffen I hast. Daß du auf all dieses unerhörte' Geschehen sprachlos oder doch tatenlos reagiertest." . Wir beenden diesen Streifzug durclt den jüdischen Blätterwald mit dem aufrichtigen Wunsch, daß sowohl die Schriftleitungen dieser Blätter, als auch] ihre Leser möglichst bald im gelobten Lande der Erzväter weiter blühen und gedeihen mögen. Aber nur dort.“ I Ein Jahr neigt sich seinem Ende zu. ein neues kommt, und wieder lenken die nahenden Feiertage alles jüdische Denken und Sinnen auf sielt. An diesen Tagen erinnert sich ja auch so mancher seines Judeseins. der das ganze Jahr über sein Judentum fast ganz vergißt, lst’s nicht ein Wfunder. — Jahrtausende sind vorübergezogeit, Völker kamen utjd gingen, Kulturen und Religionen blühten aui und verschwanden, aber die jüdischen Festzeiten haben an Wert und Bedeutung nicht verloren. Und doch ist es kein Wunder, sondern | Jiegt im Charakter dieser Tage begründet, findet seine Erklärung nicht zuletzt darin, daß unsere Feste nicht zeitgebunden [sind, -daß sie nie zu nur historischen Terminen, zu Tagen bloßer Erinnerung werden, sondern daß ijede Zeit und alles Weltgeschehen ihnen einen besonderen Sinn zu geben vermag. |: Gewiß: Jaum has-Sikorautt. Tag der Erinnerung, und Rausch liaschonoh, Jahresanfang, deuten auf Rückblick und Ausschau: und das ist wohl Selbstverständlichkeit und charakteristisches Merkmal dieses Festes iu ijedem Jahre. Stets ttoclj' nahmen wir Abschied von einem alten Jahr, alle Zeit auch schauten wir erinnernd zurück über [die Jahrtausende alten Überlieferungen unserer Religionsgemeinschaft und der Lehre, unseres Gottes: immer blickten wir zugleich auch vorwärts und beteten um eine bessere Zukunft. Und doch sehen wir dieses Mal das .Neujahrsiest mit. anderen Augen an als sonst: die: Not der Zeit hat unseren Blick geweitet, daß wir mehr in dieser Jahreswende sehen als nur ein uns persönlich angehendes, imitier wiederkehrendes Ereignis. Die Bedrängnis unserer Seele hat unseren Sinn empfänglicher gemacht für die Pflichten, die das Neujahrsfest uns auferlegt, und wir erkennen, daß dieser Tag ein Wendepunkt werden muß in unser Aller Leben. |i Wir sprechen das Gebetwort: „Owinu malkeiiu, haeliasireuu scliTemoh l’fonecho — unser Vater und König, laß ‘uns bußfertig zu Dir zurückkehren!" — und wir wissen: Rückkehr zu Gott brauchen wir heute mehr denn je. Wie sefir haben sich gerade weite Kreise der liberalen Juden von ihrejlReligioii entfernt, wie sind sie ihrem Väterglauben entfremdet. Wie waren sie stolz, „moderne, aufgeklärte“ Menschen izu sein, wie wollten sie nichts mehr vom Judentum wissen. Ija, verleugueten es wohl gar und waren ängstlich darauf ibedacht, es sorgsam zu verstecken und zu verdecken! Und nun? Jetzt beginnen sie wieder zu ahnen, welche unsterblichen Werte in der üotteslehre liegen, empfinden, wie sehr sie dem gläubigen Juden in schwersten Zeiten Halt und Kraft zu geben, Trost und Frieden zu spenden vermag, und auch sie möchten dieser Segnungen wieder teilhaftig werden. Ganz besonders sind es große Teile unserer jüdisch-liberalen Jugend, die nicht befriedigt sind von einem Dasein ohne wahre Religion, die sich sehnen nach der seelenstärkenden Religiosität des täglichen Lebens, nach dem jüdischen Heim, das sie in so nanchcm Elternhaus vermissen mußten, weil tnan vergessen hatte, sie zu lehren: „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und.ein heiliges Volk!“ Dieses Wort aber muß lebendig \yerden in einer Generation, die zurückkehren will zu Gott und zu den Quellen des Judentums. Es: sei daher unser aller Leitgedanke im kommenden Jahr. Ganz; besonders aber schwebe jes denen vor. die berufen sind und sich berufen fühlen zum Ipieust an Gott und an Israel, daß sie!sich annehmen der Wiederkehrenden,.hufrütteln die immer noch Lauen und das Streben der Uebereifrigen in die rechte Balm lenken. Mögen sie nicht vergessen, daß Rückkehr zu Gott nicht gleichbedeutend ist mit Gottesdienstbesuch allein, sich nicht' erschöpft in dijr. Befolgung von Formalitäten, sondern daß wahre Umkehr Hjpgebung an jüdischen Glauben und Vertiefung in jüdisches Wissen ist, Erfüllung der Kultform mit: wahrhaft religiösem Sinn und ein Leben nach den sittlichen Forderungen der Thora. Was Rausch-Haschonoh begann, Jaum Kippur setzt es fort. Schärfer noch ruft er I uns zur Selbstbesinnung, erschütternder noch als zu irgend i einer anderen Stunde :des Jahres erklingt sein Mahnruf, der uns zurückfülireti will auf den richtigen Pfad.' Ein zwiespältig, ergreifendes Bild ist ein Jaun -Kippur- Gottesdienst für den, dem seine SynagogeXHeimat ist, der in ihr das ganze Jahr erlebt mit seiner Unrast’ und seinen Tagen des. Friedens, seinen Tagen!der,Trauer und Freude, jWerktag und Sabbath, Tischa b’Ab und Simchas tauroh. Er kennt den traurig-einsamen Anblick, den sein Bethaus an Werktagen bietet, er denkt an die kaum halb gefüllte Synagoge |än Sabbathen und Festtagen. Und jetzt — Kol Nidre-AbenÜ: Kopf an Kopf steht die Menge in! dem weiten Raum der Synagoge, die Emporen sind bis auf jden letzten Platz gefüllt]; in den Gängen steht es gedrängt [voll. Von der heiligen Ljäde und dem Almemor leuchtet das festliche Weiß der Vorhänge und Decken, im Raum glänzen die weiße Seide und die silbernen Borten der Tallessim. lieber dem Ganzen liegt der Schimmer der Kerzen und eine erwartungsvolle, halblaute St ile. Die ersten Töne der Orgel erklingen — Israel steht bereit, den größten Tag des Jahres zu empfangen.. Der fromme Jude, den wir eben sahen, weiß nicht wie ihm geschieht. Sejtsam ist ihm zu Mute. Sein Herz geht auf, will überfließen vor Glück und Freude, da er diese große, festliche Versammlung da er sieht, wie auch die. die ihr Judentum im Lauf des- Jah res so leicht vergaßen, an diesem Tage zum Tempel „-kehren, bei der Feier des Versöhnungstages nicht fehleil möchten. Doch weiter gehen seine Gedanken, und seine Freude wird jäh gedämpft Ein Wort kommt ihm in den Sinn, er kann sich nicht davon befreien, es plagt und quält ihn mit;Zweifel und erfüllt ihn mit Sorge: -„Ist das ein Fasten, das!ich begehre?“ Und er hört die Klagen Jesajas: „Wehe dem: schulduniCim/UachcidÜeu^ | (Aufnahmen in diese Rubrik kostenlos.) Verlobung: - [Berlin W: Karl-Sclirader-Straße' 1: Edith Hirscltfeld mit 7 -■ j Benno Singer. Diamantene Hochzeit: j Tilsit (Opr.): Kantor i. R. A Davidsohn und Gattin. .1 Ich habe meine Sprechstunde aus dem Sanatorium Kaiseraliee 66 verlegt nach ,. | Kaiserplatz 15 Fernruf H6 Emser Platz 5793 Dr. med. Felix Jacobl, Bei den Kassen zugelassen. Chirurg und Frauenarzt Spiel- und BeschflftlMzirkel, nadimlttags Gymnastik, Sdiularbelten. Staatlich geprüfte Kindergärtnerin Rega'Weifi Telefon: B 4 Bavaria 8739 Wireröffnen U.;_.!_ Uia.U.Un« irrt Rsgb. im Anfang 1934 in nirSukuGrQ Park).schönst. Lage für jüd. Ehepaare u. Einzelpers. Nicht rituell. 4 Mahlzeiten. Pension RM. 110 bis 130-je nach Lage u. Art d. Zimmer. Eilan- „Jüd.-lib. Zeitung'. Berlin! SW 11. erblickt. zurückgebofe unter W. 116 an die M Anschluß sucht j 25 jähr. Nichtzionist, symp. Wes., zwecks Gedankenaustausch bzw. gemeinsamer Berufsumsdiiddung. Zuschr. u. V. 983 an die „Jüd.- lib. Zeitung, Berlin SW 11. Stenotypistin . perfekt, auch Buchhaltung und Bflroarb. sucht Beschäftigung, halbtags, stundenweise. Hertha Schlesinger Oneisenaustr. 66. BJrwald 7162 beladenen Volke, den entarteten Kindern! Den Ewigen haben sie verlassen. Sümllichcs Leben und festliche Feiern mag ich nicht, eure Feste hasset meine Seele. Schaffet eure hiisett Taten vor meinen Augen weg. lernet (lutes tun!" Ja, wahrlich, damit ists 'nicht getan, daß sie atu JantTT Kippur in die Synagoge klimmen, daß sie lielen von Abend zu Abend, daß sie fasten - und sielt kasteien, an die Brust schlagen und sprechen: „Wir Italien gesündigt", am Ende des Tages seelisch .erbaut, innerlich erhoben, befriedigt nach Hans gelten, und alles ist wie zuvor. Das rechte. Erlebnis des jüdischen Gottesdienstes erschöpft sielt nicht in flüchtiger Erbauung. sondern ist strenge Selbstprüfiiiig. Seelenarbeit und Zwiesprache .mit Gull — jüdische Frömmigkeit ist. kehl Begriff des Abstrakten. Das Judentum .ist die Religion der l at. Glaube ist selbstverständliche Voraussetzung. Kultus Weggenosse. Stütze und Helfer, doch wahres Verdienst iu den Augen Jes Ewigen erwerben wir ttus erst durch Werke im Dienste frommer Uottcsverelmiug und Menschenliebe. Ein Wort. ~ es zieht sich wie ein Leitfaden durch die Gebete der Flühen Feiertage - ist wie kaum ein anderes geschaffen, uns. und zumal iu heutiger Zeit, die Bedeutung .des Jaum kippur zu offenbaren: „Uss'seliuwolt uss'iilloli tiz'dokoh maawirin es-raua. hagg’serolt Buße. Gehcrmid ein Gott wohlgefälliges Leben lassen Elend und Leid vorübergelien." Dieses Wort, es zeigt uns unseren Gott alserhabenen Führer, der Aeußerstcs von uns fordert und uns zu Höchstem erzielten will,-es läßt uns aber auch'den mitleidvollen Vater erkennen, der tröstet und Linderung unserer Not' verheißt. Diese Worte zu begreifen erst heißt, den Sinn des Vcrsölimmgstages viill erfassen. T'scltuwolt — Buße. Wir verständen dieses Wort falsch, wollten wir meinen, mit Fasten und Trauer allein würden wir der göttlichen Forderung-Genüge tim. All das soll nur unsere Speie läutern und sie aufiiahiitehereit machen für die Gebote des Tages. Wir'hören aus dein Munde Jesajas: „Der Frevler verlasse deinen Weg. der sündige Mensch seine Gedanken: er kehre zurück zum Ewigen, daß er sich sein, erbarme, zu unserem Gott, der reich au Vergebung ist." Rückkehr zu Gott, sie ist es. die er Votums verlangt; daß sic eine vollkommene werde, das sei unser Streben im* neuen Jahr. _ T'filloli — Gebet. Was weiß der „moderne" Durclisclmittsittdc heute noch von der Kraft und Stärke des wahrhaften, inbrünstigen Gebets? Kennt er iioclt das herrliche*. Gefühl, das eitlen Mal für Mal beim Umlegen des Tallis durcliströmt, dieses Gewandes, das, .äußerlich alTc Menschen gleiclimuclieml, die Gleichheit der Menschen vor Gott symbolisiert, das uns abschlicßt 'für. die Stunde des Gebets von all dem Alltäglichen, uns erinnert an die Gebote des Ewigen? Er. der allenfalls an Festtagen zur Synagoge kommt, verfolgt andächtig das. Rjjual. lauscht verzückt und erhöhen den Gesäugen von Vnrbctcr und. Chor und findet Erbauung in den Worten des Rabhiners.'Aher die wirkliche Kraft verinnerlichten Betciis, sie fühlt er nicht, sie. ist ihm fremd. Damit ist nichts gegen die festlichen, kunstvoll ausgestaltcteu Gottesdienste gesagt; im Gegenteil, sie Sofien ule Höhepunkte unseres religiösen Erlebens sein. Doch sie in ihrer ganzen Größe und Schönheit erfassen, sie voll in sich auftichitien und in den Tiden der Seele verarbeiten, das kamt nur der, der auch dem schlichten Werktags-Gottesdienst Verständnis und Liehe cutgcgcuziibriugcn. auch im häuslichen ~ Morgen- und Abendgebet seinem Gott zu begegnen vermag. Sind Buße und Umkehr Vorbereitung, Gottesdienst und Gebet Wegbereiter, so ist die Kreme der Frömmigkeit Z’dokoit, dieses .seltsam-wundervolle Wort, das man eigentlich gar niclit übersetzen kamt,' weil unserer Sprache der gleiche Begriff fehlt. Erklären wir es uns als Gott wohlgefälliges Leben. Ein solches Dasein leben heißt nicht nur, Gottesdienst und Gebet beachten und die Bestimmungen des Kultus wahren, und auch 'im Wpliltuii vollendet es sich niclit. Unserganzes Leben müssen wir erfüllen mit jüdischem Geist, unsere Kuidei: sollen wieder aufwachsen im jüdischen Heim, sollen wissen, was jüdisches* Familienleben ist, erzogen werden im Sinne und In der Tradition des Glaubens der Väter. I Jas 'ist Z'dökoh, sie allein macht uns wert. Lieblinge (jottes genannt zu werden. Jetzt erst, nachdem uns die tiefe Bedeutung dieser Worte ganz aufgegangen ist, begreifen wir so recht, was uns der ' Vcrsöhnungstag, dieser Vcrsühmmgstag, zu sagen hat. Und jetzt auch erkennen wir den Sinn der Verheißung, die uns mit den gleichen Worten zuteil wird, die gerade uns so wohl tut, eben heute wie geschaffen ist, Hoffnung und Gottvertrauen in uns wachzuiialtcn, unseren Lebensmut und unsere Zuversicht nicht sinken zu lassen. „Buße, Gebe) und-ein Leben, das Gott wolilgefällt, lassen Elend und Leid voräbergehen." Das ist ja.das, weshalb frühere. Generationen uns so-üherlegett waren und die Schwere ihres Lehens so .viel leichter trugen als wir. Ihr ganzes'Lehen, die Einteilung ihrer Tage, wurde beherrscht voti den Forderungen des Kultus, ihr. Familienleben stand völlig unter dem Einfluß des religiösen Elements, und sic selbst waren so verwurzelt in jüdischem' Glauben und jüdischem Wissen, daß alles andere ihnen unwesentlich erschien, daß Not und Sorge ihnen klein war und sie auch unter unerfreulichsten'Lchensbediiigüngcn stolz und glücklich waren, Juden zu seilt. Solche Menschen sollten wir uns zum Vorbild nehmen. Gewiß sollen wir das Weltliche nicht mißachten; gerade unser Glaube, die Religion des Lebenx und der Tat, würde fa allem anderen als einer Abkehr von der Welt das Wort reden, aber wir dürfen uns nicht verleiten lassen, unsere religiösen Pflichten darüber zu vernachlässigen, damit nicht unser Abfall sich räche au unseren Kindern, sondern sich auch an ihnen und uns erfülle der Segen der Gottcslehre. von der es heißt: „Ein Baum des Lebens ist sie denen, die an ihr festhalten, und wer sie erfaßt, ist gesegnet. Ihre Wege sifid Wege der Anmut, und alle ihre Pfade voll des Friedens.“ Juwelenhaus Anluof Brillant.« Perlet) «Smaragd«, Goldu, Silberwxrea, auda Verkauf, groBea Lager, GelegenbeiUklufe u. Lombard von Juwelen Ktelatatr. 19 Telafont B4 39S9 Pc | T MÄNTEL, JACKEN tL Mb GARNITUREN FELLE JEDER ART Neuanfertigung, Reparaturen, Umarbeitungen, Konservierung J. PAVLOIT, Berlin W IÄ, BrnndenburgJidie Straße 37, am KurfOratendnmm Seit 50 Jahren! Das Kaufhaus für Ihren gesamten Bedarf! MAX GIESEN Moabit, Turmstr. 42 Ecke Oldenburger Sfr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.