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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-09-20 · Sondernummer(20.9.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
Sondernummer(20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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discliei Ideologie-'— oder auch.nur aui Grund einer augenblicklichen Resignation und Verzweiflung — von uns aus?ondergruppen zu bilden,, anstatt, wo es nur irgend angeht, die Einordnung in die jeweiligen deutschen Gruppen zu erstreben. Müssen wir aut anderen Gebieten, besonders in kulturellen Angelegenheiten, Konzessionen machen, nun gut. so sollen unsere Vertreter sich dazu bereit finden, um unseren guten Willen zu zeigen und der deutschen Regierung keine Schwierigkeiten zu machen, aber immer darf dies nur bei grundsätzlicher Aufrechterhaltung unseres Gleichberechtigungsanspruches geschehen — etwa so, wie man im üesehäitsleben eine „Zahlung unter Protest“ vornimmt, um das gute Einvernehmen nicht zu stören, aber doch in der Hoiinung. daß der Partner eines Tages seine Forderung als unberechtigt erkennen und den ' empfangenen Betrag „verrechnen" werde. Auch unser Partner muß erfahren, daß wir zu ‘ Konzessionen-bereit sind, daß wir jedoch andererseits nichts von den Grundsätzen aufgeben können, auf denen nicht nur unser Leben ruht, sondern deren Verleugnung auch gleichbedeutend mit Unwahrhaftigkeit wäre. * Die vorstehenden Ausführungen wollen zeigen, auf welche Weise die Führung der jüdischen Angelegenheiten eriolgeu muß. Sie sollten aber und konnten nicht zeigen, wer die Führung zu übernehmen hat.- Es sei Wiederholt, daß auf diesem Gebiete viel fruchtlos herumexperimentiert worden ist, und neuerdings hat es ein gewisses Aufsehen hervorgerufen, daß angeblich der Vorstand der Jüdischen Gemeinde'zu Berlin den Anspruch erhoben habe, die Führung der deutschen Juden zu übernehmen. Wir haben ganz gewiß nichts gegen die Leitung der Berliner Jüdischen Gemeinde, die uns im Gegenteil gesinnungsmäßig außerordentlich nahcstelit, aber wir glauben doch, daß mit dieser Erhebung eines Führeranspruchs die Kernfrage, um die es sich handelt, verschoben wird. Gewiß, in Berlin wohnen zwei Nichtarier in Fachverbänden zugelassen. Wie der Pressedienst des deutschen Einzelhandels meldet, hat der Reichsstand des Handels in einem Rundschreiben folgendermaßen zur Nichtarier- und Ausländerfrage Stellung genommen: „Es besteht Veranlassung, eine grundsätzliche Stellungnahme zu der Juden- und Ausländerfrage hinsichtlich der Zugehörigkeit zu Verbänden den dem RDfi angeschlossenen Organisationen und Firmen bekanntzugeben. Die nationalsozialistische Bewegung betrachtet. die Juden als Gastvolk, denen es gestattet ist, in Deutschland Handelsgeschäfte zu betreiben. Aus dieser Einstellung ergibt sich logisch, daß Juden und Ausländer nicht in die Leitung deutscher Handelsverbände, auch nicht als Geschäftsführer, hineingehören; wohl aber als Mitglieder in die Fachverbände. Solange seitens der Regierung keine anderen Richtlinien gegeben werden, sind Äufnaltmegesuche ausländischer und jüdischer Firmen in die Fach verbände nicht abzulehnen; es sei denn, daß man ihnen von vornherein schon unehrenhafte Handlungen ifachweisen kann. Mitglieder jüdischer oder ausländischer Herkunft sind auch zu den Mitgliederversammlungen einzuladen. Sachliche Anfragen sind zu beantworten, evtl, vorkommende Uebergriffe unsachlicher Art zu unterbinden und derartige Missetäter aus den Versammlungen zu entfernen.“ Im Anschluß an die Feststellung, daß Nichtarier als Mitglieder ' der Fachverbände aufzunehmen sind, wird in dem Rundschreiben noch'ausgeführt: „Dieses gilt natürlich, nur für die freiwirtschaftlichen Verbände, wie sie im RDH und seinen Unterorganisationen zusammengefaßt sind; keinesfalls haben Juden oder Ausländer zu irgendwelchen Organisationen der deutschen nationalsozialistischen Bewegung Zutritt Es wird empfohlen, daß die christlichen Firmen sich das Warenzeichen mieten, welches (durch die SA. zur. Ausgabe gelangt.“ Staatlicher Sdmtz für zugelassene niditarisdie Rechtsanwälte. Ein Erlaß des Relchslustlzkommlssars.! Der bayerische Justizminister, Reichsjustizkommissar Dr. Frank, tritt in einem Erlaß für die unverminderte Bcrufsausübung der Rechtsanwälte ein, weil nur auf diese Weise die deutsche Anwaltschaft die großen Auigaben erfüllen könne, die ihrer im neuen Staat harrten, ln gleicher Weise müsse auch der nichtarische Relchtsanwalt, dessen Zulassung aufrechterhalten sei, den Schutz des Staates für eine ungestörte Ausübung seines Berufes beanspruchen. Die Generalstaatsanwälte werden angewiesen, ihr besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß der Anwalt in der Ausübung seines Berufes weder behindert, noch wegen pflichtgemäßer Berufshandlung von irgendeiner Seite zur Verantwortung gezogen wird. In einer weiteren Bekanntmachung .wird mitgeteilt, daß Eingriffe in den Hoheitsbereich der Justizverwaltung unter keinen Umständen mehr geduldet werden. Mit allem Nachdruck stellt der Minister fest, daß „Anordnungen“ jeder Art, die nicht von-den zuständigen Vorgesetzten ausgehen, für die dein Minister unterstellten Justizbeamten jeder Verbindlichkeit entbehren. Es wird allen Justizbeamten verboten, derartigen Anordnungen Folge zu leisten. Vormerkung der Religionszugehörigkeit auf den Steuerkarten.. Wie der Parlamentsdienst der T. U. meldet, hat der Reichsfinanzminister den Landesfinanzämtern das Muster für die Steüerkarfe 1934 übersandt Neu ist gegenüber den Vorjahren, daß hei den Personalien des Inhabers der Steuerkarte die Frage nach seiner Zugehörigkeit zu einer ReligionsgegeselJschaft gestellt wird. Die Maßnahme wird damit begründet, daß die Kirchcnbehörden vielfach dazu übergegangen sind, auf Grund der Steuerkarte die Kirchensteuer zu veranlagen. Ausschluß jüdischer Händler. Her „B.aynsche Kurier“ meldet unter dem 1L September aus Hersbruck: Vom fränkischen Viehhandel sind durch verschiedene Maßnahmen einzelner Bezirke und Gemeinden die jüdischen Agenten bereits ausgeschlossen worden. Die gleiche Maßnahme erfolgte nun auch beim Hopfenhandel und zwar zunächst im Hersbrucker Land. Ausschaltung. niditarisdicr Acrzte abgeschlossen. Reichsrcgülung der Zulassung zum Aerztestand noch zu „ erwarten.' In einer Mitteilung des VDZ-Büros über das Inkrafttreten des Abkommens zwischen dem Hartinann-Bund und dem Verband der privaten Krankenversicherungen -über die Ausschaltung nichtarischer Aerzte and die Einstellung der Rückerstat- . tuiig von Beträgen für Behandlungen durch nichtarische Acrzte nach dem.l. September wird erklärt, die Ausschaltung nichtarischer Aerzte aus dem deutschen Aerztestand sei nunmehr, im wesentlichen abgeschlossen. Eine einheitliche Zulassungs-’ Ordnung zum Aerztestand für das ganze Reich sei aber erst nach Errichtung der Reichsärztekammer zu. erwarten. Wessen wir heule gedenken. Von SCeituidl Stahl, Vorsitzendem der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Drittel aller deutschen Juden und in Berlin sind die zentralen jüdischen und ebenso die zentralen behördlichen Stellen. Aber alles dies war auch der Fall, als vor drei Jahren die Berliner Jüdische Gemeinde noch eine zionistische Leitung besaß. Keine Macht der Welt hätte uns damals überzeugen können, daß der Berliner Gemeindevorstand die geeignete Stelle zur Führung der deutschen Gesamtjudenheit sei, und so treffen alle Argumente, die iür Berlin ins Feld geführt werden, nicht den Kern der Sache. Nicht wo die Führung domiziliert, sondern wie sie denkt und handelt, das ist das Entscheidende. Wir glauben wohl, daß sich in Berlin und besonders in seinem jüdischen Gemeindevorstand Männer finden, klar genug, die Grundsätze zu erkennen, und stark genug, sie durchzuführen, und ganz gewiß wird Berlin in der Führung seinem Range gemäß vertreten sein. Aber wir wissen, daß solche Männer auch außerhalb Berlins anzutreffen sind, und so kann unsere Hoffnung sich nicht darauf richten, daß die Führung in Berlin wohne, sondern hur darauf, daß sie nur endlich überhaupt formiert werde und daß sie sich alle diejenigen femhält, die nach ihrer ideologischen Grundeinstellung nicht hineingehöreu. Eine solche Führung ist aber nicht dadurch vorhanden, daß irgendeine Stelle den Anspruch anmeldet, Führung sein zu wollen, sondern sie ist dann da, wenn sie handelt und sich nicht durch Rhetorik, sondern durch die .Tat legitimiert. * Eine „Jewislt Agency“ iür Deutschland? Nie und nimmer — wir haben die Schaukelpolitik und das Halb-und-Halb- System gründlich satt. Was not tut, ist nicht die fünfzig-, sondern hundertprozentige Führung nach einheitlichen, Grundsätzen und mit der Energie, die diese Grundsätze Wirklichkeit werden läßt. Die Männer, die dies vollbringen, werden, auch ohne einen „Anspruch" zu erheben, sich als die Berufenen erweisen und — sie mögen wohnen, wo sie wollen — unsere Führersein. Der Ariergrundsatz bei der Vergebung öffentlicher Aufträge. Der Reichswirtschaftsminister gegen Weitschweifige Ermittlungen. In Ergänzung zu den am 19. Juli von der Reichsregierung erlassenen Richtlinien betreffend die Berücksichtigung nichtarischer Firmen bei Vergebung öffentlicher Aufträge und der damals ergangenen Weisung, daß unbeschadet der grundsätzlichen Bevorzugung deutschstämmiger Firmen die Beschaffungsstellen ohne besonderen Anlaß weitschweifige Ermittlungen nach der Ariereigenschaft der in Frage kommenden Personen nicht anstellen sollen, weil damit dem vordringlichen Interesse der Arbeitsbeschaffung nicht gedient werde, stellt nunmehr, wie der „Pressedienst des Einzelhandels“ meldet, der Reichswirtschaftsminister fest, daß es mit diesem Grundsatz unvereinbar sei, wenn einzelne Beschaffungsstellen an die Industrie- und Handelskammern usw. formular- und listenmäßige Anfragen, die teilweise hunderte von Firmennamen enthalten, übersenden. Derartige Anfragen sind auf das wirklich notwendige Maß zu beschränken, ln jedem Einzelfall muß der besondere Anlaß der Anfrage ausdrücklich hervorgehoben werden. Keine Einreise-Erleichterungen für Juden in Bolivien. Zu der in der Sondernummer, der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ vom 8. September d, J. veröffentlichten Mitteilung — einer Mitteilung, die^wir der .,J ü d i sp h.e n Tel egranhen- A g e ri t u r entnommen halfen — die bolivianische Regierung habe beschlossen, jüdischen Aerzteri und Zahnärzten aus Deutschland besondere Einwanderungserleichterungen zu gewähren, teilt die Berliner bolivianische Gesandtschaft folgendes mit: - 1. Der bolivianischen Gesandtschaft ist nicht das geringste darüber bekannt daß neuerdings das seit Jahren bestehende Einwanderungsgesetz Boliviens abgeändert worden sei. 2. Das bolivianische Einwanderungsgesetz bezieht sich in erster Linie auf einwandernde Siedler. 3. Ausländische Aerzte und Zahnärzte müssen zur Berufszulassung in Bolivien von jeher eine staatliche medizinische Prüfuug in spanischer Sprache ablegen. Kampf gegen das Starwesen und Judenfrage. Eine Erklärung des Ministerpräsidenten Görlng. In eitler Ansprache vor den städtischen Theaterintendanteu Preußens entwickelte Ministerpräsident Göring Richtlinien für den Neuaufbau des deutschen Theaters und die Gestaltung des künftigen Spielplanes, wobei er auch Personalfragen erörterte und den Begriff des „gemanageten" Stars als einen jüdischen bezeichnete. Der Ministerpräsident erklärte, daß er den Sturm gegen das Starwesen nur insoweit mitmache, als er sich gegen den jüdischen Begriff des „gemanageten“ Stars wendet; soweit er sich gegen den überragenden Persönlichkeitswert richte, lelnie er diesen Stürm ab. Jedes Neujahrsfest gibt uns Anlaßzu Rückblick und Ausblick. Es führt uns nicht nur dazu, dessen zu gedenken, was wir im Bereich des materiellen Lebens nicht erreicht oder verloren haben; und es veranlaßt uns nicht nur, unsere äußerlichpraktischen Erwartungen ’ und Hoffnungen zu ordnen und 2U überprüfen. Nein, gerade den geistigen Menschen gibt es auch Anlaß, Bilanz zu machen hinsichtlich seines geistigen Besitz-- tums, abzuschreiben, was als wertlos erkannt worden ist, vor- . zutragen, was im kommenden Jahre Grundstock und Mittel zu neuem Aufbau sein soll. Das letzte Jahr hat uns deutsche Juden so durchgerüttelt, hat jeden von uns in den Grundfesten seiner wirtschaftlichen Existenz-wie seiner geistigen Persönlichkeit so erschüttert, daß es kaum schon Zeit scheint, zu sichten und zu ordnen. So viele müssen und wollen ganz von vorn anfangen, aber sie wissen noch nicht, was sie überhaupt tun sollen und wie es ihnen künftig-möglich sein soll, das Nötigste für den Lebensunterhalt der Familie zusammenzubringen. Manchen umschleicht nur gar zu begründete Sorge vor neuen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die Zukunft bringen mag. Wie soll es ihnen möglich sein, Sinn und Ruhe zur Sammlung aufzubringen, aus den Ruinen ihres Wirkens und Höffens ein neues Leben aufzubauen? Aber uns, die unsere Gemeinschaft auf führende Posten gestellt hat, ist es zur Pflicht gemacht, in aller Ungewißheit des Schicksals Ruhe und Uebersicht nicht zu verlieren, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen,. die Folgerungen zu ziehen. Wir sehen, daß die deutschen Juden im neuen Reich, das bei seinem Aufstreben zu neuer Blüte sich das Rassenprinzip als tragendes geistiges Fundament gewählt hat, nicht mehr die gleichen Möglichkeiten haben als zu irgend einer Zeit seit Beginn der Emanzipation. Wir gewahren, daß zahlreiche Einzelne daraus Folgerungen ziehen mußten und in j der Ferne eine neue Existenz suchen. Wir haben ihnen unsere Wünsche und unsern Segen auf den Weg gegeben, zumal auch jenen, die im Land der Vorväter sich eine neue.Heimat aufbauen wollen, und wir werden denen, die für die ersten Schritte auf dem neuen Wege unserer hilfreichen : Hand bedürfen, den brüderlichen Beistand nicht versagen. Aber wir vergessen keinen Augenblick, daß ihr Weg keine Gesamtlösung bedeutet. Wir wissen jetzt, daß Hunderttausende — und das ist, aufs Ganze gesehen, die Gesamtheit der deutschen Juden — in der Heimat verharren werden, aus Notwendigkeit, aber auch aus Wahl. Sie zusammenzufassen, sie aufzurichten, ist unsere erste Pflicht Wir hoffen, daß auch der neue Staat ihnen berufliche Möglichkeiten nicht versagen wird. Werden sie auf einer niedrigeren Stufe der sozialen Stufenleiter stehen als ihre Väter — und auch, als sie selbst bisher gewohnt waren — so - werden wir uns und ihnen einprägen, daß jede Arbeit, die mit Liebe geleistet wird, ihren Wert in sich selbst trägt Wir werden ihnen sagen, daß dies alter jüdischer Auffassung entspricht Wir werden für sie jede Möglichkeit zu erschließen haben, die sich ihnen bietet, sich;jls dienendes Glied fl ein “’folksganzen änzuschließen, wo nur immer der Staat diese Möglichkeit gewährt. Wir werden ihnen an Bildung das über- - mittein, was die Gesetze des Staates vergönnen, und wir werden vor allem ihnen Glauben und Wissen der Väter in verstärktem Maße überliefern, geistige Schätze, die keine Berechtigungen gewähren und keine Vorteile gegenüber anderen Strebenden, wohl aber Festigkeit und Lebensmut und den innigen Zusammenhang mit Familie und Gemeinschaft. Wir hoffen, daß unsere Glaubensbrüder jenseits der Landesgrenzen unsrer geschwächten Gemeinschaft die''materielle Hilfe bei ünserm' Werke nicht versagen werden.; . Vor allem aber werden, wir unsere Sorge!unsern Kindern zuwenden, unseren Helden, wie sie kürzlich von einer Berliner Kanzel genannt wurden. Wir wissen, daß das Leben nicht immer sanft mit ihnen umgehen wird, daß es ihnen nicht immer leicht gemacht sein wird, ihren Platz an der! Sonne sich zu erringen. Und wir wollen sie daher -umgeben mit all der Liebe, wie sie. in unserer Gemeinschaft gerade für Familie und Kinder seit Urväter Tagen heimisch ist. Wir wollen nicht unser Trachten darauf richten, daß sie in iljren Leistungen ihre Altersgenossen überflügeln, aber all unser Bemühen soll darauf gerichtet sein, daß im neuen Deutschland ein würdiges jüdisches Geschlecht heranwächst, dem Staate treu und treu den Pflichten, die er auferlegt, jüdischen Glaubens und Wissens voll, nicht gedrückt noch verbittert, sondern voll jfrohen, sonnigen Menschentums. i Bunter Abend und Hauskonzert. Der „Bunte Abend“, den die Jüdische Künstlerhilfe veranstaltete, war unterhaltsam und amüsant. Das Programm sagte Alfons Fink an, der äußerlich nur eine „halbe Portion“ — wie er selber meinte —. als Conferencier aber ein Goliath ist und sich .mit der Nachahmung Berliner Typen einen Sondererfolg holte. Eva Böhm und Annemarie Hase trugen Chansons, teils parodistischer, teils besinnlicher Art vor. Beide hatten ihr Publikum musterhaft am Bändel. Erstaunliche Proben von Lippen- und Zungenfertigkeit galf der bekannte Kunstpfeiier Guido Gialdini. Ernsterer Natur war die Vorführung von Aetherwellenmusik durch Eugen Henkin, der es verstand, über das technisch Neuartige der Tonerzeugung im elektrischen Feld hinaus auch künstlerisch zu interessieren und zu befriedigen. Ueberrascht war man von. der Schönheit des Klanges und der Größe des Tonumfangs, der gut drei Oktaven umspannt. lila Felicia brachte für ihre Tänze gute Figur und Technik mit, wenn sie-innerlich auch noch nicht frei und gelöst war. Heine-Schumanns Lotosblume ist aber für ihre Zwecke völlig ungeeignet. Den‘Schluß des überreichen Abends machte Tschechows lustiger Einakter „Der Heiratsantrag“ mit Annemarie Hase und den Herfen Fink und Kardan. Die Begleitung am Klavier besorgte Erwin Jospe einwandfrei und gewandt. Zu einem Hauskonzert lud die Pianistin Maria Zweigin das behagliche Heim des Hauses Levin in der Freisinger Sfraße, bei welchem der Geiger Willy Frey und der Cellist Hermann Weil mitwirkten. Maria Zweigs Spiel ist grundmusikalisch; es steht ihr ein modulationsreicher Anschlag zu Gebote, der im Piano fein zu schattieren weiß. Daher liegt der Pianistin die Mondscheinstimmung des ersten Satzes von Beethovens Cis-moll-Sonate viel besser, als die Monumentalität Händels, den sie romantisierte und verzärtelte (woran allerdings die wenig gelungene Bearbeitung die Mitschuld trägt). Im Ensemblespiel hätte der Klavierpart oft viel stärker hervortreten können. (Die Programmänderung der, ersten Nummer hätte angegeben werden müssen.) Der Cellist Hermann Weil steuerte eine Beethoven-Sonate bei, die er mit kräftigem Strich und flüssiger Technik vortrug. Besonderen Beifall hatte der Geiger Willy Frey, der Tartinis „Teufelstrillersonate“ technisch absolut sicher und überlegen spielte,! mit Verve und Temperament das berühmte schwierige Werk der altitalienischen Virtuosenkunst hinlegte. I. L.A. Mitteilungen des Kulturbundes Deutscher Juden - Die Proben zu Lessings „Nathan der Weise“ haben unter der Regie von Dr. Karl Loewenberg begonnen. Die erste Aufführung im Theater des Kulturbundes Deutscher Juden ist auf den 2. Oktober festgesetzt. Den Nathan spielt Kurt Katsch (bisher Frankfurt a. M.). . In den nächsten Tagen erhalten sämtliche Mitglieder des Kulturbundes Deutscher Juden mit der Bestätigung ihrer Beitrittserklärung die Aufforderung zur Abholung ihrer Mitglieds-, karten. Das Büro des Kulturbundes bittet, bis dahin alle Anfragen organisatorischer Natur zurückstellen zu wollen, da alle Mitglieder zu gleicher Zeit benachrichtigt werden. . * Im Rahmen der Konzert-Veranstaltungen des Kulturbundes Deutscher Juden werden im Oktober Michael Taube und Generalmusikdirektor Josef Rosenstock je fünf Konzerte dirigieren, " Mit Rücksicht, auf die Feiertage erscheint die vorliegende. Nummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ bereits am Mittwoch, 20. September.

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