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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-09-08 · Sondernummer (8.9.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
Sondernummer (8.9.1933)
Date
1933-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Jedes Geschehnis, auch das bitterste, hat seinen Wert, wenn «s nicht als Ausdruck der Willkür, sondern als verpflichtende Aufgabe begriffen wird. Ich möchte nicht in dieser Zeit leben, heißt bestenfalls: ich fühle mich ihren Aufgaben nicht gewachsen; meist iedoch: ich möchte mich ihnen nicht unterziehen. — Sprich nicht: Dies ist Gottes Sendung, solange du deine eigene nicht erkannt hast. Der Glaube an die göttliche Fügung ist die Erkenntnis des ihr immanenten sittlichen Imperativs und unserer Berufung, „zu dem reichen Vermächtnis von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das. wir von der Vergangenheit überkamen und reich vermehrt an die Fofgeweit wieder abgeben müssen, auchaus u n s e r n Mitteln einen Beitrag zu legen und an dieser unvergänglichen .Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu befestigen.“ — HeinzKellerraann. kein Jugendlicher und kein Alter unter Ihren englischen Glaubensgenossen würde je von einer „Lösung“ sprechen, wie Sie sie für uns Vorschlägen, von einer L o s I ö s u n g .niimlich, die durchaus keine Sicherr Stellung bedeutet, denn was in Palästina, jenem Land der nationalen Gegensätze (die noch durch die religiösen Gegensätze verschärft werden), was dort sich .anbahnt, das weih inan in England besser als hier. Und handelt danach! Und deshalb. Eure Lordschaft, hätten Sie besser getan. nicht für die deutschen Juden zu reden, die Ihnen nie ein Mandat gaben und die in allem entgegengesetzter Meinung sind als Sie. Wir wissen nicht, aus welcher Vollmacht heraus Sie sich zu Erklärungen mamens der Judenschaft für bevollmächtigt halten. Gewiß, Sie haben alles getan, um den Fehler gutzumachen, den nicht Sie begangen haben, der vielmehr an Ihnen begangen wurde. Es ehrt Sie, daß Sie vor wenigen Wochen — als echter Baal Th’schubäh -* aus der anglikanischen Kirche in die Glaubensgemeinschaft Ihrer Väter zurückgekehrt sind, und sicherlich sind Sie, gerade nach jüdischer Auffassung und Ethik, nun vollwertiges, gleichberechtigtes Glied unserer Gemeinschaft, haben nicht nötig, sich Ihren Platz im Hause des Judentums auf der letzten Bank neben-der Eingangstüre zu suchen. Und dennoch, trotzalledem, würden wires als besser empfunden haben, wenn Sie nicht gleich so in die vorderste Linie gegangen und in einer Weise hervorgetreten wären, von der Sie wissen mußten, daß sie in der nichtjüdischen Allgemeinheit den .Eindruck hervorbringen würde, als sprächen Sie in unserm Auftrag, aus unsrer Vollmacht. Nur weil dieser Eindruck, in der Tat entstanden ist und weil er für unsere weitere Rechtsstellung in Deutschland unabsehbar verhängnisvolle Folgen haben kann, nur deshalb geschieht es, daß ich Ihrer Erklärung die Feststellung entgegensetze: die wirklich deutsche Judenheit empfindet Ihre Verlautbarung als die Manifestation eines Unbefugten, sie will den entgegengesetzten Weg einschlagen. als Sie ihr weisen; denn die deutschen Juden, Alte und Junge, haben nur ein Ziel, auf das sie hoffen, für das sie arbeiten: ein freies, ehrbares Leben als Vollbürger ihres Vaterlands. . Eure Lordschaft aber bitte ich zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß Sie Ihren Glaubensbrüdern in Deutschland unschätzbare Dienste leisten würden,“' wenn Sie bei Ihrem Wirken in der Oeffcntlichkeit dieser Auffassung' der deutschen Juden Rechnung tragen wollten. - -Ich habe die Ehre, Sie zu begrüßen als •Eurer Lordschaft ganz ergebener George Goetz. Die Mission der Frau. Von Oberlehrer A. Adler. Ulm. Ist heute ein Familienvater arbeitslos, so ist das eine Zeiterscheinung, kein persönliches Verschulden: kein Mangel an Leistungsfähigkeit. Darüber müssen sich sämtliche Familienmitglieder, besonders die Hausfrau klar sein. Vorwürfe, deni Beschäftigungslosen gemacht, sind ungerecht und zerstören den ideellen Bestand der Ehe. Miteinander müssen Eheleute Unvermeidliches-,tragen; aus gegebenen Tatsachen das Bestmögliche herausholen, Auswege' aus einem Zustand suchen, der zunächst absolut aussichtslos seit eint In normalen Zeiten trägt der Manu die Verantwortung für die gesicherte Existenz seiner- Familie. Wird ihm das durch Arbeitslosigkeit unterbunden, trifft es ihn moralisch sehr schwer. Schon die Beschäftigungslosigkeit als solche wirkt zermürbend auf jeden Mann. Die Frau hat1 im Falle dieser Arbeitslosigkeit gesteigerte Belastung bei verminderten Lebensbedingungen. Und trotzdem: für die Frau ist es leichter, ihre Kraft wächst an ihren Aufgaben. Notzeiten zeigen erst, was sie überhaupt zu leisten imstande ist. Fähigkeiten werden geweckt, die bei gesicherter Sorglosigkeit brach gelegen hätten. Es soll hier nicht gesagt werden. daß das Haushaltiühren in härtester Geldknappheit ersehnenswert sei. Wir müssen nur ehrlich zugeben, daß beispielsweise eine sonst nicht im Rahmen der üblichen Hausarbeit erfolgte Leistung auch ein Gefühl des Stolzes gibt. Man. vergißt die Veranlassung zu dieser Arbeit im Augenblick des Gelingens. Ein ausgeklügelter Wirtschaftsplan, der jeden Piemiig im Höchstwert ausniitzt. macht auch Freude, nicht nur Kopfzerbrechen. t Gerade Arbeitsbelastung fehlt dem Mann. Er fühlt sich vor sich seihst iierabgesetzt. weil er tagaus, tagein itn Nichtstun leben muß. Die moralische Tiefenwirkung: bei Arbeitswillen und -können ohne Arbeitsfeld zu sein, ist gerade für den besten Mann erschreckend groß. Hundert Wege geht er umsonst.- hundert Hoffnungen werden von ebensoviel Enttäuschungen abgclöst. Da muß die Frau gut zusprechen, daß er nicht mutlos wird. Ungeheuer schwer hat es die Mutter, in solchen Zeiten Kinder zu erzielten. Die Stimmung im Hause darf nicht dauernd mißbetont sein. Im Gegenteil verbrauchen Not und Sorge, Arbeit und Rechnen soviel Nervensubstanz. daß ein Hineingrübclu ins Unvermeidliche. nur schädigend ist. Wer sagt uns denn wie die Zukunft unseres Kindes einmal sein wird? Vielleicht'>steht es. in einfachster Lebensführung groß geworden, einmal fester im Leben, als ein anderes, das in seiner Jugend JreiilLSichbesclieiden kannte. Vor allem aber bleibt ein stafkes^-Sichfrcuen ein Vorrecht des Kindes, dem seltener eine rrei/dc zuteil wird. Mütter in Not werden ihrem Kinde zähen Fleiß anerziehen, da sie wissen, wie hart der Lebenskampf werden kann. Armut isoliert, das ist ihre natürliche Folge. Besitz gibt Sicherheit. Armut macht befangen, genau wie gute Kleidung das Selbstgefühl hebt. Deshalb sollte auch jede Frau in Not Der Marienbader Mord. Wie aus der Tagespresse bekannt wurde am Abend des 31. August in Marienbad der bekannte Professor Theodor Lessing ermordet Unbekannte Täter hatten an die Außenmauer der Villa „Edelweiß“. in Marienbad, in. der Professor Lessing wohnt, eine Leiter, gelegt und durch das Fenster hindurch gegen den am Tisch sitzenden Gelehrten zwei Revolverachüsse abgegeben. Einer davon traf ihn am Kopf. Professor Lessing war sofort bewußtlos. Er ist um 1 Uhr nachts im Marienbader Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. > Professor Lessing, der im 62. Lebensjahr stand, hat eine Reihe philosophischer uiid kulturkritischer Werke verfaßt Er war seinerzeit zur evangelischen Kirche übergetreten, schloß sich aber später dem Zionismus an und kehrte zum Judentum zurück. Seine Gattin, eine geborene Stach von Goltzheim, stammt aus altem preußischen Adel. Auf zahlreichen Vortragstourneen entwickelte Professor Lessing nationaljüdische üedankengänge in eigenartiger Weise; sein jüdischen Problemen gewidmetes Buch „Jüdischer Selbsthaß“ hatte bei seinem Erscheinen starkes Aufsehen und lebhaften Widerspruch bei allen denen hervorgerufen, die die religiöse Grundidee des Judentums vertreten. — Professor Lessing hatte noch am Vortage des Mordes dem Zionistenkongreß. in Prag beigewohnt und sollte in den nächsten Tagen von dem Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Professor Masaryk, empfangen werden. Ein Jude als Vertreter Polens beim Völkerbund in Aussicht genommen. Zeitungsberichten zufolge sollen demnächst Personalveränderungen im polnischen Außenministerium, sowie ein Revirement in der polnischen Diplomatie vorgenommen werden. Unter anderen Diplomaten wird, auch der bisherige Vertreter Polens beim Völkerbund, Graf Raczynski, von seinem Posten abberufen werden. Als künftiger Vertreter Polens beim Völkerbund ist der erste Legationsrat der polnischen Gesandtschaft in Paris, Milstein, der sich vor kurzem mit einer Tochter des Pariser Baron Rothschild vermählt hat, in Aussicht genommen. Boykotthetze nationaldemokratischer Stadenten in Polen. In einer Reihe von Städten entwickeln seit einigen Tagen nationaldemokratische Studenten und andere Jugendliche eine intensive Hetze zum Boykott jüdischer Geschäfte, insbesondere von Buch- und Lehrmittelhandlungen. In Warschau wurden einige Rädelsführer des Boykotts gegen jüdische Buchhandlungen dem Polizeirichter vorgeführt und zu Gefängnisstrafen bis zu einem Monat verurteilt. Trotzdem versuchen noch immer nationaldemokratische Studenten, Käufer vom Betreten jüdischer Buchhandlungen abzuhalten. In Lodz haben Jugendliche, die einheitliche Kleidung, gelbe Hemden, trugen, vor jüdischen Geschäften Posten aufgestellt, die christliche Kunden vom Betreten der Geschäfte abhalten. Im Zusammenhang mit dieser Aktion ist es in der Piotrkowskaüasse zu Zusammenstößen und Schlägereien gekommen. Die Polizei hat einige Gelbhemden verhaftet Auch ln Kattowitz kam es im Zusammenhang mit der Boykotthetze zu kleineren Straßenexzessen, denen die Polizei durch Verhaftung der Schuldigen ein Ende machte. Sir Philip Magnus, der „Grand Old Man“, der englischen Judenheit, gestorben. Am 29. August verstarb im 91. Lebensjahr auf seinem Landsitz in Surrey Sir Philip Magnus, der „Grand Old Man“ der englischen Judenheit. .. , . Sir Philip, der ursprünglich Prediger an der West London . Syriagogue of British Jews war, vertrat die Londoner Universität, deren Senat er angehörte, 16 Jahre lang im englischen Parlament. 1886 wurde er geadelt, 1917 erhielt er die Baronetswürde. Er galt als führende Autorität auf dem Gebiet der Technik in England und hat auch im öffentlichen Leben des englischen Judentums eine hervorragende Rolle gespielt. Insbesondere hat er sich um die.Lösung von Erziehungs- und Bildungsfragen verdient gemacht. Jahrelang war er Präsident der West: London Synagogue, die er auch im Jewish Board of Deputips, dem er als Vizepräsident angehörte, vertrat. bis zum Aeußersten den Bestand der Garderobe pflegen. Lassen wir uns erst irgendwie gehen, ists schon abwärts gestiegen- Es ist auch zwecklos, dann alte Beziehungen aufrecht erhalten zu wollen, denn letzten Endes kann der noch Erwerbende aus Sympathie nicht auch verarmen. Ist man arm, neigt man ohnedies leicht zur Verbitterung, und deshalb ist es klug, zuviel Vergleichsmöglichkeiten zu meiden. Deshalb braucht aber in falschem Stolz und falscher Scham nicht jede Verbindung abgebrochen zu werden. Wer noch im Produktionsprozeß steht, hat Beziehungen zu Arbeitsmöglichkeiten, und wo Millionen um eine Existenz kämpfen, fällt keinem von selbst ein Brotkorn zu. Zeitfremde Güte und wirkliche Hilfsbereitschaft gibt es auch heute, noch, besonders wenn der andere fühlt, daß ehrliche Arbeit jeder Art gesucht wird. Mit dem geringsten Kräfteverbrauch müssen wir die Notlage meistern. Darum kein Vergleichen, Weinen und Schimpfen. Es gibt noch anderes' Unglück als Geldlosigkeit. Armut ist eine heilbare Krankheit. Wer zäh will und nicht nachläßt, wer trägt und sucht, wird auch -diese Feuerprobe bestehen. Einmal wird der Arbeitskreis gefunden werden, weil jede Energie zum Ziele kommt und: „dem Mutigen hilft Gott!“ Wichtiger Aufruf des Gesamtardiivs der deutschen Juden. Das Gesamtarchiv der deutschen Juden ist mit der Durchführung einer überaus bedeutsamen archivstatistischen Arbeit beschäftigt Es richtet dazu an die Vorstände aller jüdischen Gemeinden Deutschlands die dringende Bitte, ihm■ mit möglichster Beschleunigung mitzuteilen, welche Geburts-, Trauungs- und Sterberegister sich im Besitz der Gemeinden befinden. Auch Mitteilungen über etwa im Besitz von Gemeinden.» Vereinen und Einzelpersonen befindliche Mohelbücher. Memorbucher und Friedhofsverzeichnisse sind sehr erwünscht. Ebenso wäre das Gesamtarchiv sehr dankbar für Hinweise darauf, ob und welche. Register über den oben bezeichneten Personenstand der deutschen Juden und welche handschriftlichen oder gedruckten Bevölkerungs- und Namenslisten verwandte1- Natur bei Magistraten, Gerichtsbehörden, Räbbinaten, Pfarrämtern. ständischen Archiven und im Besitz von Einzelpersonen sind. Zweckdienliche möglichst genaue Angaben wolle man umgehend an das Gesamtarchiv der deutschen Juden. Berlin N 24. Oranienburger Straße 28 (Jüdische Gemeinde), richten. * Zu diesem Aufrufe, dem weitgehende Erfüllung zu wünschen ist. sei noch hinzugefügt, daß so wichtige Dokumentensammlungen, wie es Personenstandsregister sind, im Besitz von Zwerggemeinden oder gar erst, wie es noch Vorkommen soll, im Besitz von Einzelpersonen gerade in Zeiten wie die unsrige ihren Zweck völlig verfehlen. Man täte daher gut, sie öffentlichen, möglichst zentralen Stellen, demnach also in erster Linie dem1 Gesamtarchiv geschenk- oder leihweise zu übergeben. Neue Arierbestimmungen für Aerzte. Wie das V. d. Z.-Büro meldet, hat der Aerztekömmissar Dr. Wagner die Regelung der Zusammenarbeit von Aerzten bei der Vertretung, bei Ueberweisungen und bei Konsilien, die er bereits am 29. Juli getroffen hatte, jetzt durch neue Anordnungen ergänzt Darin heißt es über die Vertretung: Arische Aerzte dürfen sich nur durch arische Aerzte vor-, treten lassen. Wo in einem Bezirk eine gegenseitige Vertretung der niedergelassenen Aerzte untereinander üblich ist, kann ein nichtarischer Arzt, auf den die Ausnahmebestimmungen der Verordnung über die Zulassung von Aerzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen (Kriegsteilnahme usw.) zutreffen, davon nicht ausgeschlossen werden; er darf sich auch nicht von dieser Regelung fernhalten. . ' Nichtarische Aerzte, auf die die Ausnahmebestimmungen zutreffen, können sich nur von Aerzitn vertreten lassen, bei denen die Voraussetzungen zur Zulassung zur Kassenpraxis vorliegen. Für die Beschäftigung eines Assistenten gelten die gleichen Grundsätze. Für Ueberweisungen wird ungeordnet: Arische Aerzte sollen ihre arischen Patienten arischen Fachärzten, Krankenhaus-, Sanatoriumsusw. Aerzten überweisen und umgekehrt Arische Aerzte, insbesondere Krankenhausärzte, dürfen Ueberweisungen von nichtärischen Aerzten annehmen, wo örtliche Verhältnisse es notwendig erscheinen lassen. V Da insbesondere die ärztliche Versorgung der Versicherten gemäß R: V. O. nicht gefährdet werden darf, gilt dies in erster Linie für* Ueberweisungen von nichtarischen Aerzten, auf die Ausnahmebestimmungen zutreffen. Die Genehmigung braucht nicht für jeden einzelnen Fall eingehoit zu werden. Es ist vielmehr wünschenswert, daß z. B. an Orten, wo kein entsprechender nichtarischer bzw. arischer Facharzt vorhanden ist, diese Regelung allgemein erfolgt. - Für die Zuziehung eines zweiten Arztes (Konsilien) gelten diese Vorschriften sinngemäß. Eine Praxisgemeinschaft zwischen arischen und nichtarischen Aerzten ist verboten. Dies gilt - auch gegenüber allen Aerzten, auf die die Ausnahmebestimmungen zutreffen. Eine Ausnahme hiervon zuzulassen, behält sich der Reichsführer der Kassenärztlichen Vereinigung selbst vor. ln. einer anderen Anordnung macht Kommissar Dr. Wagner darauf aufmerksam, daß zur Stellenvermittlung für alle Zweige der ärztlichen Berufsausübung allein die Stellenvermittlung des Hartmann-Bundes berechtigt ist. . , Wo bisher noch von anderen Stellen Vermittlungstätigkeit ausgeübt wurde, ist sie sofort einzüstellen. Der Arierparagraph bei den Privatkrankenkassen. Nichtarier können nichtarische Aerzte in Anspruch nehmen. Der „Verband Privater Krankenkassenversicherungsunternehmungen“ teilt seinen Mitgliedern mit: „Im Einvernehmen mit dem Hartmann-Bund, als der Vertretung der ärztlichen Spitzenorganisation, ist vom Verband Privater Krankenversicherungsunternehmungen Deutschlands beschlossen worden, in Zukunft die Rechnungen nichtarischer Aerzte nicht mehr zu vergüten. Wir teilen unseren Mitgliedern diesen Verbandsbeschluß hierdurch mit und verweisen auf die Bestimmungen unserer Versicherungsbedingungen, wonach wir berechtigt sind, die Rechnungen bestimmter Aerzte - abzulehnen. Wir bitten daher. unsere verehrten Mitglieder, auf diese Anordnung Rücksicht zu nehmen, und erlauben uns, darauf hinzuweisen, daß Rechnungen nichtarischer Aerzte für •Behandlungen nach dem 1. September 1933 von der Erstattung ausgeschlossen sind. Unter diese Maßnahme fallen diejenigen nichtarischen Aerzte nicht, auf welche die Ausnahmebestimmungen des Beamtengesetzes Anwendung finden. Oertliche Listtn der nichtarischen Aerzte, deren Rpc^npngen in Zukpnft liiclj mehr erstattet' werden, sind im Einvernehmen mit' der ärztlichen Berufsorganisation aufgestellt und liegen in den Verwaltungsstellen aus, werden auch auf Wunsch den Mitgliedern zur Verfügung gestellt" Nichtarische Mitglieder oder solche, die sich als nichtarisch bezeichnen, können auch in Zukunft nichtarische Aerzte in Anspruch nehmen.“ CV-Syndikus als Interessenvertreter vor Gericht abgelehnt. Das Schöffengericht in Dortmund hat bei der Verhandlung über die Klage des wegen Zugehörigkeit zum Judentum fristlos entlassenen Geschäftsführers eines dortigen Warenhauses gegen dieses den Syndikus Plaut-Essen vom Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf Antrag der beklagten Firma als Vertreter des Klägers mit der Begründung abgelehnt, daß Syndikus Plaut nicht Angestellter einer wirtschaftlichen Vereinigung von Arbeitnehmern ist oder einer der Organisationen, die solchen Verbänden gleichgestellt sind. Der Central-Verein sei zwar in der heutigen Zeit als eine Interessenorganisation der Juden anzusehen, nicht aber als wirtschaftliche Vereinigung. Keine Pensionierung aller nichiaris dien Richter in Preußen. Eine Meldung, nach 'der sämtliche noch amtierenden nichtarischen Richter die Aufforderung erhalten haben sollten, sich unverzüglich mündlich zu erklären, ob sie gewillt seien, sich pensionieren zu lassen und zustimmendenfalls bis zum 65. Lebensjahre . 80 Prozent ihres Gehaltes und von da die gesetzliche Pension zu beziehen, trifft, wie voir preußischer Regierungsseite mitgeteilt wird, nicht zu. Es handelt sich bei dieser Meldung offenbar um eine mißverständliche Auslegung eines internen Erlasses des preußischen Justizministers an die Vorstandsbeamten sämtlicher Oberlandesgerichte, in denen diese ersucht werden, bei sämtlichen arischen und nichtarischen richterlichen und nichtrichterlichen Beamten zu prüfen, ob sie körperlich und geistig noch voll dienstfähig seien. Jüdische Gelehrte in den Ruhestand versetzt. Reichsstatthalter Robert Wagner hat den ordentlichen Professor für Mathematik Dr. Alfred Loewy, den planmäßigen außerordentlichen Professor, für Pädagogik Dr. Jonas Cohn und den planmäßigen außerordentlichen Professor für römisches und deutsches bürgerliches Recht Dr. Andreas Bertalen Schwarz, sämtlich an der Universität'Freiburg i. Br., sowie den ordentlichen Professor der Ingenieurwissenschaft Dr.-Ing. Emil Probst an der Technischen Hochschule Karlsruhe auf Grund des § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung .des Berafsbeamtentums in den Ruhestand versetzt. •Professor Loewy,-der seit 1910 ordentlicher Professor an der Universität Freiburg war. stammt aus Rawicz. Er ist Verfasser von Werken über Versicherungsmathematik und die Mathematik des Geld- und Zahlungsverkehrs und hat zahlreiche versicherungswissenschaftliche Gutachten iür den Staat Baden abgegeben. -, . * ’ Den ordentlichen Honorarprofessor Dr. Albert Fränkel (Tuberkulose).—Dr. Walter,, .Lenel (mittlere Geschichte), Dr. Siegfried Loewe (Pharmakologie) und Dr. Leopold Pereis (deutsches Privatrecht), sowie den außerordentlichen Professoren und Privatdozenten Dr. Ludwig Schreiber. Dr. Raymond Klibanski. Dr. Hans Laser. Dr. Walter Pagel, Dr. Fritz Stern und Dr. Ernst Witebsky wurde die Lehrbefugnis auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entzogen.

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