Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 11 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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schämen müssen, wenn sie wortlos auf dieses ehrlich -.-erkämpfte und tre.u verteidigte Reichsbürgerrecht Verr zieht leisten wollten. Die Juden werden offen und frei ~ anerkennen,-datLsich auch in ihrer Mitte, Wie in jedem deutschen -Volksteil, Menschen befinden, die sich gegen Recht und Gerechtigkeit vergangen haben. Das ist aber keine Folge des Judeseins, dieser Schädlinge, sondern die Folge ihres mangelnden Judentumes gewesen. Jede Verallgemeinerung ist und bleibt ein Unrecht gegen die Maiestüt der Wahrheit. Jenen Schädlingen dürfen die Juden mit berechtigtem Stolze die Tausende gegenübersteilen, die als gute Juden und zugleich als treue Deutsche ehrliche Arbeit für Deutschland geleistet-' haben. Alan mag solche Erklärungen für reichlich platonisch halten — es wäre ein frevelhaftes Versäumnis, sie in dieser Stunde zu unterlassen: Es gibt Zeiten, in denen Schweigen' Gold und Reden wertlos ist. Aber es gibt aucli Zeiten, in denen Schweigen Tod und Reden Leben bedeutet. Es bleibt sich sicherlich nicht gleich, ob die Juden fortan als völkische Gemeinschaft oder als religiöse Bekemierschaft vom neuen Deutschland gewertet werden. Es handelt sich aber zur Stunde um mehr: die Ehrenrechte des jüdischen Teils der deutschen Bevölkerung mid ihr Lebensraum sind bedroht. Loyalität ist jüdisches Gesetz, religiös untF taktisch geboten. Ein Verstummen der Spruchberechtigten und Spruchverpflichteten wäre aber schmachvolles Versagen und ehrlose Sclbstaufgabe in der Stunde der Entscheidung! Die deutschen Juden, erwarten das männliche Wort ihrer Vertretung: ~ Neue Entscheidungen über das Auftreten von Niditaricrn vor Gericht. _ Die „Juristische Wochenschrift“ teilt zwei Entscheidungen betreffend die Mitwirkung von Nichtariern im Gerichtswesen mit. die von grundsätzlicher Bedeutung sind. Ein nichtarischer Verbandssekretär trat als Firmenvertreter vor dem Arbeitsgericht auf. Dies wurde im Hinblick auf das-Beamtengesetz, die.Gesetze über Zulassung zur Patentanwaltschaft, zur Rechtsanwaltschaft und zur Steuerberatung beanstandet. Das Arbeitsgericht in Berlin hielt diese Beanstandungen für gerechtfertigt und erklärte den Verbandsvertreter von der Vertretung vor dem. Arbeitsgericht für ausgeschlossen. Zwar läge keine unmittelbar anwendbare Gesetzesbestimmung vor, es könne aber nicht der Wille des Gesetzgebers sein, daß ein nichtarischer Rechtsanwalt in jler Beurteilung seiner Rassenzugehörigkeit weniger Rechte genieße, als ein nichtarischer. Verbandsvertreter. Vor "dem Kölner Amtsgericht ging es um die Ablehnung eines nichtarischen Testamentsvollstreckers. Das Gericht entschied, daß der nichtarische Testamentsvollstrecker auf Antrag eines Beteiligten entlassen werden könne. Zur Zeit der Testamentserrichtung im Jahre 1929 seien die Verhältnisse in Deutschland im Hinblick auf die Lage der Nichtarier ganz andere als heute, auch am 12. Februar, dem Todestage der Erblasserin, seien sie, so sagt das Gericht, noch nicht vorauszusehen gewesen. Wäre der Erblasserin diese Entwicklung bekannt gewesen, so hätte sie von der Ernennung des nichtarischen Testamentsvollstreckers Abstand genommen. Seine Entlassung, wegen eines wichtigen Grundes könne auch ohne sein eigenes Verschulden erfolgen, da die Erblasserin, wenn sie noch lebte, die Ernennung widerrufen würde. 1 ' -:- Nationalsozialistischer Juristenbund gegen Prozeßvertretung von Ariern durch jüdische Rechtsanwälte. Rechtsanwalt Dr. Oswald Freister, der Gauobmann des Nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes, Gau Kurhessen, und- Bruder des Staatssekretärs, wendet sich in der „Hessischen Volkswacht“ dagegen, daß arische Prozeßparteien sich jüdischer Prozeßvertreter bedienen. Er bezeichnet dies als ein Verhalten, das mit den Grundsätzen und Richtlinien -der völkischen Wiederaufbauarbeit unvereinbar sei. Der Nationalsozialistische Deutsche Juristenbund werde derartige Vorkommnisse fortlaufend veröffentlichen. Diejenigen prozeßführenden Parteien, die den Sinn der nationalen Erhebung heute noch nicht verstanden -hätten, würden dann erkennen, daß sie ihre Rechtsangelegenheiten besser durch arische Prozeßvertreter wahren sollten. Ausschaltung der Juden aus der Juristischen Wochenschrift. ln der soeben veröffentlichten Nummer der Juristischen Wochenschrift gibt die neue Schriitleitung ihre neuen Richtlinien bekannt. Danach kann die Juristische Wochenschrift als Zeitschrift des deutschen Anwaltsvereins im Bunde nationalsozialistischer deutscher Juristen nur Beiträge von Personen veröffentlichen, die Arier sind. Bücher, deren Verfasser Nichtarier oder die in nichtarischen Verlagsunternehinüngen erschienen sind, werden im Schrifttum nicht besprochen. Anzeigen über solche Bücher werden auch nicht in den Anzeigenteil aufgenommen.' .- Die Juristische Wochenschrift hatte sich in den letzten Jahrzehnten unter der Leitung ihres jüdischen Herausgebers Justizrat Dr. Magnus in Berlin zu dem .anerkannt führenden Organ der deutschen Juristen entwickelt. Dje Ausschließung jüdischer Mitarbeiter, Autoren und Verleger bedeutet eine schwere Beeinträchtigung der jüdischeiftJuristenwelL Arische und nichtarische Aerzte dürfen einander nicht vertreten. Auf Anordnung des Kommissars für die ärztlichen Spitzenverbände, Dr. Wagner, ist es, wie die „Korrespondenz Brammer“ mitteilt, in Zukunft verboten: 1. daß deutschstämmige und fremdrassige Aerzte einander vertreten: 2. daß deutschstämmige Aerzte Ueberweisungen an fremdrassige Aerzte vornehmen oder Ueberweisungen von ihnen annehmen; 3. daß deutschstämmige Aerzte fremdrassige zu Konsilien zuziehen oder sich von ihnen zuziehen lassen, soweit. nicht die durch die Reichsversicherungsordnung vorgeschriebene ordnungsmäßige ärztliche Versorgung der Versicherten und ihrer Angehörigen durch diese Maßnahmen gestört wird. Es werden in allernächster Zeit zum Gebrauch für die Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkasse und anderer Krankenkassen und der ärztlichen Hilfe bedürftige Wohlfahrtsempfänger Verzeichnisse der zugelassenen frerpdrassigen und der arischen Aerzte herausgegeben werden, so daß Aerzte sowohl wie Patienten sich jederzeit unterrichten können, welcher Arzt als arisch und welcher als .fremdrassig anzusehen ist. . Wolle ein Patient aus der Behandlung eines fremdrassigen Arztes ausscheiden und einen deutschstämmigen Arzt aufsuchen, so könne er sich von der Kasse kostenlos einen neuen Krankenschein (Duplikat) ausstellen lassen. Auslands-Chronik Buenos Aires. (Gründung eines Verbanden Deutscher Juden in Argentinien.) Die in Argentinien lebenden deutschen Juden, die zum größten Teil seit vielen Jahren dort ansässig sind und bisher am allgemeinen jüdischen Leben fast keinen Anteil genommen haben, haben sich nunmehr zu einem Verband zusammengeschlossen, der sich vor allem mit der Fürsorge für jüdische Immigranten aus Deutschland und mit Arbeitslosenhilfe befassen will. Der Gründungsversammlung wohnten1 Über 400 Personen bei. Mehrere Redner rügten die bisherige Interesselosigkeit der deutschen Juden für jüdische Probleme und wiesen auf die Notwendigkeit eines engen Zusammenschlusses im Hinblick auf die antisemitische Strömung in den hauptsächlich durch jüdische Hilfe und Mitarbeit bisher erhaltenen deutschen Vereinigungen in Argentinien hin. Die Gründung des neuen Verbandes, der sich „Hilfsverein deutschsprachiger Juden“ nennt, hat auch in den Kreisen der argentinischen Juden nichtdeutscher Herkunft als Anzeichen erstarkenden jüdischen Gemeinschaftslebens Befriedigung ausgelöst. London. (Es gibt keine Organisation der „internationalen Judenheit“.) Im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung des „Manchester Guardian“ haben die beiden Vorsitzenden des Joint Foreign Committee des Board of Deputies of British Jews und der Anglo-Jewish Association, Neville Laski und Leonhard Montefiore, an die genannte Zeitung einen Brief gerichtet, in dem sie feststellen, daß es ein „international organisiertes Judentum“- nicht gibt und daß die Bildung einer derartigen Organisation seitens der jüdischen Körperschaften Englands auch nicht geplant sei. New York. (Jüdische Filmdarsteller und Filmautoren nach Hollywood.) Der bekannte Filmunternehmer der Metro Goldwyn Mayer Corporation und Unternehmer für die United Artists Corporation Samuel Goldwyn hat sich an die Spitze einer Bewegung gestellt, die sofortige' Beschäftigungsmöglichkeiten in Hollywood für jüdische Filmkünstler, Direktoren und Filmautoren schaffen will, die Deutschland infolge der antijüdischen Maßnahmen verlassen mußten. ■ Samuel Goldwyn erklärt, er sei auf Grund einer Besprechung mit führenden amerikanischen Filmunternehmern überzeugt, daß jüdische Künstler aus Deutschland in Hollywood mit offenen Armen aufgenommen werden würden. New York. (Eine „Universität des Exils“.) Im Herbst soll in New York unter den Auspizien der New School of Social Research eine „Universität des Exils“ errichtet werden, deren Professorenkollegium aus Gelehrten, die aus Deutschland ausgewandert sind, bestehen soll. Die Mehrzahl der Professoren werden voraussichtlich jüdische Gelehrte sein. Die Namen der in Aussicht genommenen Mitglieder des. Professorenkollegiums wurden bisher noch nicht veröffentlicht. Es verlautet, daß unter ihnen Gelehrte von Weltruf sind. Die Anstellungsdekrete werden. zunächst auf zwei Jahre lauten. Am 15. Juli hat sich der Direktor der New School Dr. Albin Johnson nach Europa begeben, um die dort notwendigen Vorarbeiten für die Universitätsgründung zu Ende zu führen. Die Anstalt wird aus öffentlichen Mitteln erhalten werden. . Paris. („ORT“ plant landwirtschaftliche Ansiedlung deutscher Ju de n1 in S üdf rank re i ch.) Die jüdischen Führer in Frankreich sind im Hinblick auf die ständig wachsende Zahl jüdischer Auswanderer aus Deutschland intensiv bemüht, diesen produktive Beschäftigungsmöglichkeiten zu geben. Der „ORT“-Verband, der sich die Ueberführung von Juden in Handwerk, Industrie un<F Landwirtschaft zum Ziel gesetzt hat, hat einen Plan ausgearbeitet, um im Zusammenhang mit dem französischen Landwirtschaftsministerium in Südfrankreich eine jüdische landwirtschaftliche Siedlung zu schaffen. Schanghai. (Erfolg der jüdischen Abteilung bei den militärischen Wettbewerben des Freiwilligen-Korps von Schanghai.) Die jüdische Abteilung des Freiwilligen-Korps von Schanghai hat unter Führung ihres Kommandanten Jacobs, eines zum Judentum übergetretenen Engländers, bei den in Schanghai ausgetragenen militärischen Konkurrenzen den dritten Platz im Schießen und Fechten nach der japanischen und chinesischen Abteilung und vor den englischen, amerikanischen und russischen Abteilungen, die zu den ältesten des Korps gehören, belegt Wien. (Wahl eines Obeirabbiners.) Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde hat mit Stimmenein- Jielligkeit beschlossen, den seit 1903 als Gemeinderabbiner in Wien wirkenden Dr. David Feuchtwäng, einen Zögling des Berliner Rabbinerseminars, zum Oberrabbiner von Wien zu ernennen. Dr. Feuchtwäng stammt aus Nikolsburg in Mähren und steht im 69._ Lebensjahre. — Dr. Israel Taglicht wurde zum Titularoberräbbiner ernannt Aus den Gemeinden Berlin. (J u b i 1 a r e.) Am 24. August vollendete Rabbiner Dr* Georg Kantorovski (Neukölln) sein 50. Lebensjahr. Dem Jubilar, der als Seelsorger und erfolgreicher Helfer seinen Gemeindemitgliedern zur Seite steht und auch im Vorstand des Religiös-liberalen Vereins aktiv mitarbeitet, sprechen wir herzliche Glückwünsche aus.1 — Ferner begeht Herr Bruno Silberberg, der Obersekretär des Repräsentanten-Büros unserer Gemeinde, am 6. September seinen 60. Geburtstag. Herr Silberberg ist Vorsitzender der religiös-liberalen Bezirksgruppe Norden und ein besonders bewährter Freund unseres Blattes, so daß wir ihm Dank, Gruß und Glückwunsch hier. . aussprechen. ■ ' ’ Dortmund. (Persönliches.) Lehrer a. D. Rosenfeld vollendet am letzten dieses Monats sein 85. Lebensjahr. Viele Jahre hindurch hat er in verschiedenen westfälischen Gemein- . Dauerwurst Schlackwurst, Salami, Mettwurst Krakauer Pfand 1,60 BUc. Poloud», .Sdletiidie, ff. L*b* rwur*t Pfand 1,20 Mk. 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