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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-09-01 · 11 (1.9.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
11 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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toei im eutdem £and Roman von Stefan Reginald Marknes (Copyright by Hanns Loewcnstein und Willi Tisch Verlaz.) 6. Korts'eti«»*. — (Ben neu hinzutretenden Abonnenten wird der bereits er- ’ , schienene Teil des Romans aui Bestellung kostenlos nachtteliefert.) . Es blieb keine Zeit, sich lance diesem herrlichen und unsere Pilger tief erschütternden Schauspiel hinzugeben; die Kiilte trieb sie vorwärts, und so kamen die mit ihren Wegweisern in das Innere des großen Steinblocks, der vorhin zu Unrecht mit einem Warenhaus verglichen worden ist Hier schlug die Temperatur um, eine wohlige Wärme empfing sie, und sie sahen sich in eine strahlende Halle geleitet, die von tausenden Menschen-erfüllt war. Alle blickten Micaela und Victor teilnahmsvoll-freundlich an, und der Nachfahre des seligen Christoph hatte jetzt Gelegenheit zu erkennen, daß die Damen auf dem Monde die Konkurrenz mit den Töchtern der Eva in jedem Betracht aufnehmen können. Schon standen sie aui einer Estrade, der Mondgewaltige trat auf sie zu und reichte ihnen die Hand. In diesem Augenblick setzte eine starke und beiden jungen Menschen von der Erde aus wohlbekannte Musik ein: Es war Beethovens „Die Himmel rühmen“. woraus man freundlichst zu entnehmen beliebe, daß gute Musik eine erhebliche Reichweite besitzt, zeitlich und räumlich nicht gebunden ist und über Länder, Erdteilje und Himmelskörper klingt und schwingt. Als die Töne schwiegen und der Text, den man schon im 19. Psalm lesen kann, mitverstummt war, nahm das Oberhaupt das Wort und sprach: „Liebe Mondgefährten und meine neuen Ercunde! Ein weihevoller Augenblick in der Geschichte unseres Gestirnes ist erschienen, und wir huldigen der Vorsehung, die uns diese Stunde hat erleben lassen. Wenn Menschenkinder zu uns kommen, dann denken wir ergriffen- und im Innersten bewegt an unsere eigene Lebensgeschichte, an die Rettung unseres Stammes zurück. Wir sind Israels Kinder und einst in alter Zeit, als Samarias Herrlichkeit und Zions Heiligtum in Trümmer sanken, von Gott selbst, der unseren Almen in Aegypten ewige Rettung geschworen und immer gehalten hat, aus der Knechtschaft, der Verfolgung der Welt durch seinen starken Arm hierhergetragen worden. Wie unwirtlich und wüst war dieses Land, als wir anlangten und unseren zagenden Fuß in die Höllenglut des Mondes setzten: als die erste Nacht kam, und wir meinten, vor Kälte und Entbehrung sterben zu müssen. Aber Er, zu dem wir beten und von dein es heißt, „Er stützt die Fallenden, Er heilt die Kranken, Er befreit die Gefesselten, Er hält seine Treue denen, die im Staube schlafen“ —: Er hat uns geholfen! Mit der Kraft unserer Arme, mit .der Anstrengung unserer Fäuste, mit der Hingabe unserer Körper, mit dem'Opfer vieler kostbarer Leben haben unsere Ahnen auch dieses Land urbar gemacht In den glutgeschützten Kegeln, die die Menschen Krater nennen, haben wir unsere Hütten und Häuser und dieses Heiligtum zur Ehre Gottes erbaut und jedem,, der nach uns kam, Zuflucht und Beistand und ehrliche Freundschaft geboten und gehalten.''Viermal in 2500 Jahren sind neue Siedler unsere Lebensstraße gepilgert und hierher gekommen: als Titus freventlich Jerusalem aufs neue zerstörte, als die Kreuzzüge und die Verfolgungen des schwarzen Todes uns ausrotten wollten, als Spanien und Portugal eine halbe Million Juden auf die Scheiterhaufen und zur Auswanderung zwangen. Auch vor kurzer Zeit kamen Menschen zu uns herauf. Ich selbst habe den Mond erst vor neunzehn Jahren betreten, und Ihr, meine -Freunde, die Ihr mich zu Eurem Führer und Lehrer erwählt habt, sollt es heute erfahren. Ich bin schon auf Erden ein Lehrer gewesen und mit meiner Frau. die. mir auf unserer Flucht ein kleines Töchterchen gebar und bald nachher starb,, hoffnungslos umhergeirrL Ich habe dieses Kind an der Pforte eines Klosters mitleidigen Schwestern übergeben, da ich es nicht t.änken und pflegen konnte. Dann wollte ich meinem Leben ein Ende machen, und in der Sekunde vor meinem Tode ' führte mich der barmherzige Gott zu Euch, zu Eurer Liebe, in die Gemeinschaft meines Stammes. Victor und Micaela hatten den Bericht in stummer Erschütterung mitangehört. und in £dem Mädchen keimte und glühte die untrügliche Ahnung, daß das Ende dieser Worte ihr eine Offenbarung und Erlösung bringen würde. So geht es einmal im Leben wohl jedem Menschen. Es kommt eine Stunde, die den Lohn, und die'Erfüllung für alles Leiden und Sehnen und Hoffen und Entbehren bringt Der Wille der Vorsehung hatte sie zu ihrem Vater geführt. Wenn man sich auf der Erde eine Gesellschaft denkt, in der im Laufe, der Konversation ein soignierter Herr einer jungen Dame ohne lange Vorausschickung die Erklärung abgibt: „Sie kennen mich zwar wenig, aber ich bin,übrigens Ihr Papa!", so würde eine solche Situation wahrscheinlich allgemeine Verlegenheit oder höchste Lachlust befördern. Das liegt daran, daß die Erdenmenschen nie lauter .wiehern, als wenn sie in peinliche Stimmung geraten. Auf dem Monde ist das glücklicherweise anders, und als unsere Mica in der großen Festhalle, neben Victor Arago stellend, erfuhr, daß der Sprecher vor ihnen beiden, ohne es zu wissen; das Rätsel ihres abenteuerlichen Lebens enthüllt habe, fand sie nur die schlichten Worte rührendster Bekundung: „O Vater!, o Vater! Ich bin Dein Kind!“ Der große Mann wurde starr und bleich; er wankte, aber er hielt sich aufrecht. Vfele tausend Augen ruhten auf ihm und seiner Tochter, die nicht wagte, näher iieräiizutreten und sich eng und wie sclmtzsuchciid an Victor schmiegte. Der Führer überwand sich, im Saal blich alles ganz still, kein Zuruf, kein Beifall, gar nichts wurde gehört. Ein wundersames Wehen, ein kühler Hauch, der alle erschauern ließ, zog über die Leiber tmpfehieftswecie SBezugsqae££en |dusseldorf| Maler -—| | Wäschereien | EMIL SCHUMANN MALERMEISTER bekannt für sauberste Ausführungen Paul Harm Düsseldorf, Kreuzstrafje 14 Fernsprecher 12330 A ' Die WäjchereifürSie, preiswert und gut Kaiserswerfher Slrafje 35 Fernruf JO779 W. SEITZ Rahmenfabrik Birkenstraße 113, Ruf60914 Einrahmungen * Spexlaltit: . Barockndunea, GemiloeleUten Erste Spezial- Oardlfiei»* Wäscherei Hillettbrands Jahnatrefie 71 Ruh 26633- Gardinen werden nach Muster gefärbt: kunstvolle Ausbesserung und griff an die Herzen der Menschen. Es war ihnen allen, wie wenn Gott selber nahte. Der Vater hatte sich gesammelt und gefaßt. Er trat auf Mica zu, ergriff ihre Hände und sprach fragend: „Soll ich Dich küssen, bist Du denn wirklich mein Kind? Ja!“, schluchzte er auf und rief in lautem Weinen — „jetzt sehe ich es, ich erkenne Dich wieder. Du bist mein einziges, . mein geliebtes Kind. Du bist das Abbild Deiner teuren Mutter, und in seiner großen Gnade, der ich ganz unwert bin, hat Gott mich und Euch alle hier diesen großen Trost schauen lassen.“ Darauf umarmte er das Mädchen, und mit ihnen beiden brach der ganze große, lichterfüllte Raum in lautes Weinen aus. Dann wandte er sich an Victor und sprach so ganz freundlich und grundgütig zu unserem jungen Helden:- „Ich habe es ja gleich gesehen, Ihr seid Liebesleute; komm auch Du an mein Herz, Du bist mein guter Sohn!“ VII. Von den drei Siebenteln der Sehnsucht bis.zur Spree. Im Verlaufe ihres lunaren Aufenthaltes erwachten bei Victor und Mica der begreifliche Wunsch, die' dem Erdgestirn abgewandte Seite des Mondes kennen zu lernen. Wer ein Zünftiger oder auch nur ein Liebhaber in der Astronomie ist, bedauert immer wieder, daß wir hier unten einen Teil der nächtlichen Silberkugel nicht zu Gesicht bekommen. Zwar ermangelt unseren Augen nicht die Betrachtung der mathematisch genau halben Oberfläche des Erdbegleiters. Durch eine kunstvolle Drehung, gegen die alles Virtuosentum auf terrestrischem Tanzparkett elendige Stümperei bleibt, zeigt uns der lächelnde Philosoph und Nachtbummler vier Siebentel seiner freundlichen Gestalt; die anderen drei Siebentel schaut niemand, der sich nicht in die erhabenen Höhen des Trabanten aufgeschwungen hat. So nahmen denn Victor und Micaela nach einigen Tagen der Freude und des Vereintseins mit dem.Vater und Schwieger, die keine unliebsame Störung durch Mitgiftverhandlungen erlitten, auf dem breiten Rücken eines der schon beschriebenen intelligenten' Flugtiere angenehm »Platz. Der Name dieses lebendigen Aeroplans war übrigens Pantschatantra, womit zugleich die hohe Bildung und die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht ausgesprochen ist Daher wird es keinen wundern, daß Ausdauer und Sparsamkeit im Wesen dieser Fliegerin zu finden sind. Sparsamkeit, insofern, als die'Pilotin sich auch in der Wissenschaft des Fremdenführers vervollkommnet hatte und unser Brautpaar über alle Sehenswürdigkeiten während der höchst interessanten Reise aufs Trefflichste so belehrte, daß man durchaus auf Uebung und umfassende Kenntnis zu schließen berechtigt war. Das routinierte'Luftwesen entpuppte sich auch als Mitglied des Trihkgeldgegnerinnenbundes auf dem Monde und verlangte von Victor am Ziel der Reise nur Verpflegung in Naturalien, wobei Pantschatantra von bananenähnjichen Früchten in massiver Schale gewaltige Mengen mit einem Appetit verzehrte, gegen den Elefantenart bestimmt potenzierte Hungerkunst bedeutet . Schon vorher waren Victor und Micaela darüber belehrt worden, daß die erdabgewandte Seite des Mondes viel Wunder und Schönheiten und-Herrlichkeiten birgt Sie sahen mit Entzücken das gewaltige Mondmeer, mit seinen rosig schimmernden zarten Wellen und kosteten von dem Wasser, das einen süßen und weinartigen Geschmack besitzt. Sie hörten den Gesang der zahlreichen, sich froh im Meer tummelnden Fische, die in tausend Spielarten ruhig und friedlich ihre Bahnen ziehen und von uns eher Vögel genannt werden würden. Sie wurden Zeugen der wundersamen Kinderprozession, die in jedem Jahre einmal von diesen Gefilden zum nördlichen Mondrande aufsteigt um der Erde, die nur von dort an sichtbar ist, ihren Gruß zu bieten. Den Mondmenschen, die rings um das Meer wohnen, fehlt nämlich der Anblick unserer Erde außerordentlich. Ihr ganzes Dichten und Trachten, ihr Singen und Sagen, gehört unserem Gestirn. Darum tragen die Eltern ihre Kleinen, wenn sie ein Jahr alt sind, an einem bestimmten Tage zu den von den Strahlen der Erde geküßten-Graten empor, und dann begibt sich ein gewaltiges und jeden Teilnehmer im tiefsten bewegendes Geschehen. In der Sekunde, da die Eltern auf jener Linie angelangt sind, wo die Erdkugel sichtbar wird, heben viele tausend Kinder ihre Aermchen hoch und rufen: Volva, Volva!, deiyi so heißt die Erde in ihrem kindlichen Stammeln. Die Eltern aber und alle Erwachsenen fangen an zu weinen und betrachten mit Entzücken die Erhabenheit des Sternes, der einst ihre Heimat war. . Die Kleinen wollen sich von diesem Bilde gar nicht trennen und klagen laut, wenn sie in die Ebene heruntergeführt werden. Dann trösten die Mütter ihre Kinder und rufen ihnen in der uralten Sprache, die den jammernden Säugling einst in Stille und Träume gelullt hat, kosend das Schmeichelwort — schaäschua zu. Deshalb also wird diese Seite des Mondes die drei Siebentel der Sehnsucht genannt. Victor und Micaela hatten vor ihrem Abschied noch ein Erlebnis, das dem Erfindungsgeiste des jungen. Bräutigams nie geahnte Aufschlüsse geben sollte. Sie wohnten einer Art Rundfunkübertragung von der Erde bei und durften auch die zugehörigen Fernsichtapparate betrachten. Hier war es allerdings recht ergötzlich, vom irdischen Ansager zu vernehmen, daß sie beide aus dem C. a. L.-Club spurlos verschwunden seien und fieberhaft auf der ganzen Erde gesucht würden. Herr Laporta hatte eine hochansehnliche Belohnung unter Ausschluß des Rechtsweges für alle diejenigen ausgesetzt, welche eine zweckdienliche Nachricht über den Verbleib seiner Privatsekretärin erbringen konnten. Tante Aimee hatte sich an den damit zusammenhängenden Geldausgaben nicht beteiligt. Wenn sie auch in der Beschwingtheit und Verdauungsfähigkeit keine Achnlichkeit mit Fräulein Pantschatantra besitzt, so hält sie doch das ihrige straff zusammen. Man kann ja nie wissen, wie die Zeiten sich ändern, und ob sie nicht ihre Ersparnisse noch gebrauchen wird. Inzwischen hatte auch das Rumpfparlament der anständigen Leute unter Ruths Vorsitz getagt Die Mädel waren außerordentlich betrübt, ihre Führerin verloren zu haben und alle schwuren, daß hier ein teuflisches Komplott vorläge, da man doch Victor eine solche Gemeinheit nicht Zutrauen könnte. Victor seinerseits kam fast in Versuchung; einige Sonderwellen zur Erde Zu iunken, um die dummen Menschlein teils zu beruhigen. teils zu bespötteln. Im Besitz der Aufnahme- und Empfangsgeräte des Mondes wäre es für ihn auf der Erde eine Kleinigkeit gewesen, jede Nachricht über 400 000 Kilometer zu jagen. Aber was hilft das, wenn die Irdischen nicht die richtige Einstellung haben! Außerdem riet Mica, die bei solchen theoretischen Erwägungen Rückfälle weiblicher Zaghaftigkeit bewies, von jeder Nachricht ab. (Fortsetzung folgt.) Wissm Sie schm, daß mit Erlaubnis des holländischen Unterrichtsministers im September eine jüdische Schule mit deutscher Unterrichtssprache für die Kinder der nach Holland übersiedelten deutschen Juden eröffnet werden soll? daß in Bergen op Zoom (Holland) dieser Tage die feierliche Enthüllung eines Denkmals für den jüdischen Begründer der Welthilfssprache Esperanto, Dr. Ludwig Zamenhof, stattgefunden hat? daß die'Duisburger Getreidebörse beschlossen hat,,bei Schiedsgerichtsverfahren zwischen zwei Nichtariern auch zwei nichtarische Beisitzer, bei Streitigkeiten zwischen einem arischen und einem nichtarischen Partner auch je einen arischen und nichtarischen Beisitzer ernennen zu lassen? daß unter den Verbänden, die den Arierparagraphen eingeführt haben, sich auch der Deutsche Sänger-Bund befindet? daß die Handelskammern von Metz, Straßburg und Colmar nach Paris einen Protest gegen unerwünschten Einwandererzustrom gerichtet haben? - daß die in einem Teil der englischen Presse aufgestellte Behauptung,'Deutschland versuche, die der deutschen Schifffahrt durch den Abgang jüdischer Passagiere entstandenen Ausfälle mittels gewisser Devisenbestimmungen auf die ausländischen. Schiffahrtsgesellschaften abzuwälzen, nach einer Mitteilung des „Berliner Börsen-Kurier“ völlig abwegig ist? - Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung: lediglich die preQgesetzliche Verantwortung. Das Wichtigste. . Unter all den Problemen in den Artikeln Ihrer, Zeitung beschäftigt mich besonders rege die Frage: Wo bleibt endlich der Zusammenschluß aller deutschen Juden zu einer einzigen „Organisation für Hilfe und Aufbau“? Gewiß wurde bisher viel geleistet in ehrenamtlicher Tätigkeit, in den vielen e i n z e 1 n e n Organisationen.. Aber die Gegenwart verlangt ein geschlossenes Handeln und darum auch hauptberuflich tätige' Kräfte. Täglich treten noch immer und allerorten neue Verbände ins Leben. Wozu diese Zersplitterung? Einer Stelle das Geld, und diese hat zu leisten, wo es gilt. - Den Gemeinden künftighin nur die Religionspflege noch, und Jedem entsprechende steuerliche Entlastung. Dafür aber jeder Jude zwangsläufig hinein in die neue Einheitsorganisation, die ihre Beiträge je nach der Einkommens- und Vermögenssteuer von einem jeden erhebt. Ihr sind auch alle Auslandsspenden zur Verwaltung und Verteilung zu übergeben. Wohlfahrtspflege und vor allem produktiver Neuaufbau seien ihr Programm. Aufbau vor allem hier in unserer deutschen Heimat. Unter den vielen Aufgaben (Berufsumschichtung, Siedlung usw.) sei eine besonders genannt: die Errichtung einer jüdischen Krankenkasse, um freigewordenen jüdischen Aerzten die Existenz zu ermöglichen. Soweit Auswanderungen nötig werden, muß jeder Fall bis zur Unterbringung der Auswanderer bearbeitet werden; nur' kein Abschieben von Glaubensbrüdem ins Ungewisse! Materielle Hilfe zu allererst; Sport, Kunst und Wissenschaft lassen sich später eingliedern. . Die Organisation muß sich rückhaltlos zum Deutschtum bekennen; doch halte sie. sich frei von überflüssiger Polemik: auf Hilfe und Aufbau seien alle ihre Kräfte konzentriert. An ihre Spitze mögen Männer mit makellosem Ruf treten, entschlossen, die Einheitsfront der deutschen Juden zu bilden und in aller Straffheit zu organisieren. Die Zentrale sei in Berlin, Ortsstellen überall, wo es eine jüdische Gemeinde gibt. Diese Ortsstellen sind zweckmäßig von ehemaligen Anwälten hauptberuflich zu leiten. Eine solche repräsentative Vertretung, der deutschen Juden allein hätte Aussicht, eines' Tages auch von der Reichsregierung gehört zu werden und an der Neugestaltung der deutschjüdischen Verhältnisse segenvoll mitzuwirken. Georg Brandt, Dresden. 2)ec SBdef&asten dec „3.=t.Z.“ Wißbegieriger in Friedrichshaien. Sie möchten Wissen* ob . es währ ist, daß es einmal in Polen einen Juden gegeben hat, der den Königsthron innehatte. Die Sage berichtet von einem' solchen. Er hieß Saul Wahl, aber sein Königstum Ist nicht historisch beglaubigt Sicher ist dagegen, daß er zur Zeit Stefan Bathorüs und zu Anfang der Regierung Sigismund des Dritten in Brisk (Litauen) gelebt hat und Rat des einflußreichen Fürsten Radziwill war. Im Jahre 1582 war Saul Wahl Vorsteher der Gemeinde Brisk, und er' war am königlichen. Hof so angesehen, daß er, wie die polnischen Würdenträger, sich mit der „goldenen Kette“ schmücken durfte. Bei der Königswahl im Jahre 1586 spielte er jedenfalls eine bedeutende Rolle. . * '; Frau Else W* Lichterfelde. Synagogen, die einen Turm mit Glocke besitzen, sind außerordentlich seiten. In Deutschland gibt es unseres Wissens nur eine Synagoge, und zwar in dem Städtchen Buchau in Württemberg. Die dort seit 157T ansässigen Juden benutzten bis zum Jahre 1760 nur Betsäle; erst dann errichteten sie sich eine kleine Synagoge und erst viel später eine große, die noch heute bestehende, die im Jahre 1839 in Gegenwart des Königs eingeweiht wurde. Seit J854 besitzt sie eine Glocke, die auf der Ostseite den Namen des Meisters Wenzeslaus Beker aus Biberach sowie die Jahreszahl 1854, auf der Westseite in hebräischen Lettern die ersten Worte des 122. Psalmes trägt. Vereinsnachrichten. Der Kulturbund Deutscher Juden hat, vielfachen Wünschen seiner Mitglieder entsprechend, beschlossen, seine Veranstaltungen erst nach den Hohen Feiertagen beginnen zu lassen. Der Beginn des Theaters, der Konzerte und Vorträge ist nun auf den 2. Oktober festgesetzt worden. Die Einzeltermine der Veranstaltungen werden den Mitgliedern Mitte September durch die erste Nummer des Mitteilungsblattes genau bekanntgegeben. Das Schauspiel eröffnet mit Lessings „Nathan der Weise**. Regie: Dr. Carl Loewenberg (bisher Neues Theater Frankfurt a. M.),. Bühnenbilder: Heinz Oondell (bisher Städtische Bühnen Hannover). Das Ensemble des Schauspiels ist zusammengestellt aus Kräften, die bisher an den ersten Bühnen des-Reichs. gespielt haben. Ihm werden u. a. angehören: Lilly Kann (Königsberg), Kaethe Foerder, Elli Reicher. Jenny Schaffer (Staatstheater Dresden), Hedwig Schlichter, Fred_ Alexander, Kurt Katsch (Frankfurt a. M.), Fritz Wisten (Landestheater Stuttgart). Im Laufe des Jahres werden in diesem Ensemble u. a. als Gäste auftreten: Ilka Grüning, Camilla Spira, Irene Triesch, Ernst Deutsch, Alexander Granach. ". Für das Opern-Ensemble stehen die Verhandlungen vor dem Abschluß mit Claire Born, Fritzi Jokl, Anna Lipin, Susanne Stein. Erich Fuchs. Hermann Homer. Heinrich Korn, Walter Norbert, Walter Olitzki, Albert Peters, Robert Tulmann, Sydney de Vries u. a. Als Gäste sind .'vorgesehen: Irene Eisinger, Marie Elsncr, Sabine Kalter, Deszö'Ernster. Dr. Paul Kuhn. Herausgeber: Hanns L o e w e ns t e i n und Willi Tisch Verlag. Berlin SW 11. Verantwortlich für den Textteü: George Goetz, Berlin W 35; für den Inseratenteil: Willi Tisch, Berlin NW 87. Druck: Berliner Spezial-Druckerei GmbH.. Berliu NW 21, Alt-Moabit 105.

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