Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 11 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Wir besinnen uns darauf. daB allen Rechten ein ewiges Recht zugrunde liegt, das nicht verliehen und nicht abgesprochen werden kann, sondern das so heilig ist wie Gott selber, der es den Menschen offenbart hat. Wir können nicht glauben, daB solches Empfinden Rückstand überlebter Zeiten ist; sondern wir fühlen, daB darin der Kern aller echten Religion, jüdischer, christlicher, jeder, sich dartut, daB das der Inhalt des Wortes ist. mit dem Gott zu den Menschen spricht Und weil kein Geschehen in der Welt, wie übermächtig und allzerschmetternd es sich durchsetzen mag, uns solchen Glauben rauben kann, fühlen wir. uns nicht zerschmettert, nicht zu Boden geworfen. — Rabbiner Dr. Max Wiener. Recht auf Leben zu verfechten. Ja. recht eigentlich gesehen, will auch der Messianismus nichts anderes, als mit der li e i I i g u ng des Lebens die rechte Ordnung des Lebens bringen, damit jeder zu seinem Rechte komme und sein Leben finde. Leben aber kann der einzelne Mensch auf keine andre Weise als ganz allein in seiner Nation-sie muß alle ihre Glieder in gleicher Liebe umfassen. Aber nun begab sich dies für uns so Ungeheure, daß unsere deutsche Nation zu uns spricht, wir seien nicht ihre Kinder, und: daß sie danach handelt. Kann aber dies durch Mehrheit oder durch Macht entschieden werden? Mehrheit und Macht können uns äußerlich viel nehmen: mit der Gleichberechtigung die relativen Lebensmöglichkeiten: aber nicht Mehrheit, noch Macht können uns zu andrem machen als das, was innerlich wir uns wissen: Deutsche. Man spricht heut viel davon, durch Gesetzesakte sollten wir demnächst zu einer nationalen Minderheit erklärt werden; mit minderen Rechten. Wir können uns gegen eine solche Gesetzgebung nicht welirem aber kein Gesetzesakt -Kann-'uns.verwehrend uns als Volldeutsche zu fühlen, wie wir uns auch als Menschen fühlen und unsern Anspruch aui Gleichberechtigung geltend machen würden, auch wenn alle Völker der_Erde übereinkämen und wissenschaftlich^ „bewiesen", daß Juden keine Menschenkind. (Solche Beweise sind versucht worden.) Darin liegt kein „Anbiedem“,' sondern die .nüchterne Feststellung einer Tatsache und die leidenschaftliche Verfechtung der aus ihr sich ergebenden ethischen Notwendigkeiten. Diese ethischen Notwendigkeiten sind allgemein menschlicher Art: dürfen wir heute nicht sagen, was deutsche Art ist. so müssen wir doch, als Bekenner des Judentums, sagen, was göttlich und menschlich ist: und was menschlich ist. das ist auch deutsch. Oder wäre Lessing kein Deutscher? Es ist, im Zusammenhang mit einer von Juden geplanten „Nathan“-Aufführung, gesagt worden, wir Juden sollten uns nicht anmaßen, die Deutschen über das Deutschtum belehren zu wollen. Nun gut; aber muß Lessing selbst deshalb schweigen? Und hat sein unsterbliches Werk aufgehört, deutsches Werk zu sein? Und ist auch Ausfluß und Ausdruck des einen,'umfassenden Menschheitsgeistes, jenes Geistes, dej die Verschiedenartigkeit und Mannigfaltigkeit nicht leugnet noch nivellieren will, der aber die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller geschaffenen Geschöpfe' vor Gott verkündet Wir heutigen deutschen Juden würden unsere" historische Aufgabe verraten, wollten wir, äußerem Zwange weichend, diesen Anspruch aufgeben. Man mag uns die Verwirklichung dieses Anspruches versagen, den Anspruch selbst geben wir nicht auf. Man kann uns zu Bürgern zweiter Klasse machen, und wenn erst durch Gesetz Reichsangehörigkeit von Reichsbürgerrecht getrennt sein wird. So werden wir Juden wohl vom letzteren ausgeschlossen bleiben, aber wir werden nicht aufhören, darum zu kämpfen. Denn die Fähigkeit, Bürger zu sein, ist Menschenrecht: gerade PauUchlyd—Wird--Verständnis lmben.- daß wir—tun. eiadeutscher Freiheitsdichter von dem Freiheitsuchenden singt, er „greift Hinauf getrosten Mutes in den Himmel Und holt herunter seine ew’gen Rechte; Die droben hangen unveräußerlich Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.“ In Schillers Zusammenhang freilich ist dann von einer durcliatis^irdischen Volkserhebung und Revolution die Rede: wirr aber wollen wirklich in den Himmel greifen und herunter-' . holen auf die Erde, wessen<wir bedürfen. Der Sieg der Idee ist es, dem wir vertrauen und der uns eine bessere Zukunft verbürgt Da wir an Gott glauben, ist uns unser Leben gewiß. Wir bejahen ein mächtiges und starkes Deutschland: wie könnten wir auch, Deutsche, die wir sind, anderes bejahen!, aber wir leben in der Gewißheit, daß gerade mit zunehmendem Aufschwung, mit dem Abklingen jener großen Verelendung und Verzweiflung der letzten Jahre, in der Beurteilung von uns Juden eine Acnderuug eiutreten wird. Darum, aus dem Gefühl völligen Einsseins und in der Hoffnung, daß dieses Gefühl dereinst zu realem Durchbruch gelange, darum sprechen wir nicht als Juden zu Deutschen wie Einer zum Andern, sondern als jüdische zu nichtjüdischen Deutschen wie einer zu sich selbst Und wiederum ist dies zu sagen: um unsrer Zukunft und unsres Lebens willen geschieht es, was Viele meinen, es geschähe um leerer Doktrinen willen und aus kurzsichtiger Freude am innerjüdischen Kampf, daß wir allen denen entgegentreteu, die uns in eine andere, unmögliche Stellung zu Deutschland bringen wollen: wir haben kein andres Vaterland: Palästina, und wir haben erst recht keine zwei Vaterländer: Deutschland und, zur Reserve, Palästina! Nein — Palästina, das Land unserer Propheten und religiösen Genien, bleibt uns heilig, wie dem Christen'das Land heilig ist, in dem ihr Heiland wandelte. Aber wie dem Christen so ist auch uns das Land unsrer Geburt, unsrer Eltern und Voreltern unser Vaterland: wir haben kein andres, und es' sollen verstummen und schweigen alle, die durch Zweideutigkeit und Schlimmeres uns hier seelisch entwurzeln wollen. Der Anerkennung als Bürger muß das Selbstbekenntnis vorangehen: ohne dieses oder, wenn wir es mit „Vorbehalten“ abgeben, haben wir liier nichts weder zu erwarten noch zu schaffen! Dies ist die nationale Orientierung, die die deutschen Juden ihrer religiösen folgen lassen müssen. Sind wir in diesen beiden Dingen unwankbar treu, dann dürfen wir auch stark sein im Vertrauen: wenn nicht wir, so werden unsre Kinder wieder frei ihr Haupt erheben dürfen — anerkannt als Deutsche in einem freien und starken Deutschland, geachtet auch als Juden, d. h. als lebendige Zeugen jenes Gedankens, der bis in die letzten Urtiefen der Menschenzeiten-und des Menschenwesens deutet: der die Welt beherrschen will als ihr erster Diener, indem er Gotteserkenntnis und Liebe ausklingen läßt in dem Befehl: „Ruft Freiheit aus in allen Landen!“, und dessen Träger nicht sterben werden, denn: w'al jauwad Jißroel - sch’aumrim: „Schma Jißroel“, ■ „Israel wird nicht untergehen, solange es Gottes Einzigkeit bekennt“ —: da wir an Gott glauben, sind wir unseres Lebens gewiß. Professor Dr. S. Billigheimer, der verdienstvolle Vorsitzende der Jüdischen religiös-liberalen Vereinigung in Mannheim. Antisemitischer Kurs der österreichischen Regierung? ln letzter Zeit häufen sich Anzeichen dafür, daß die österreichische Bundesregierung ihrem innerpolitischen Kurs eine antisemitische Note gehen will. Bekanntlich haben die staatlichen Krankenanstalten auf Grund eines, Geheimerlasses des Bundeskanzleramtes vor einiger Zeit die Zulassung jüdischer Aerzte nicht nur zur Anstellung, sondern sogar auch zur unentgeltlichen Praxis an den Staatsspitälern eingestellt, was im Hinblick darauf, daß die Absolvierung einer Spitalpraxisin Oesterreich gesetzliche Vorbedingung für die Eröffnung der Privatpraxis ist, dem Versuch einer Abwürgung des gesamten jüdischen Aerztestandes gleichkommt. Auf die im Zusammenhang mit dieser Maßnahme in der demokratischen Presse erhobenen "Proteste antwortet die Regierungspresse mit scharfen antisemitischen Angriffen. Eine in sehr zurückhaltender Form abgeiäßte Eingabe der Jüdischen Volkspartei an das Bundeskanzleramt in der Aerzte-Frage wird vom Hauptorgan der Christlichsozialen Partei, der „Reichspost", die gleichzeitig als .halbamtliches Regierungsbrgan gilt, zum Anlaß genommen, Drohungen und Beleidigungen gegen die Juden auszustoßeu. Das Blatt erklärt, die christliche Bevölkerung-werde zur Selbsthilfe schreiten, wenn die Regelung der Spitalärzteirage von jüdischer Seite politisch ausgebeutet werden sollte. Diese Aeußerung der „Reichspost" wird allgemein als Drohung mit physischer-Gewalt aufgefaßt. Gleichzeitig druckt das Blatt-Zuschriften christlicher Aerzte ab. in denen gefordert wird, daß die christliche Bevölkerung nur durch christliche Aerzte behandelt werde. - . Ein ernstes Symptom -für die Verstärkung der antisemitischen Strömung bei der. Regierung selbst stellt die befremdende Tatsache dar. daß Bundeskanzler Dolliuß es abgelcimt hat. den Präsidenten der Wiener Israelitischen Kuiiusgemeinde. Dr. Desider Friedmann, zu empfangen, der mi: dem Bundeskanzler die Judenpolitik der Regierung grundsätzlich und in ihrer praktischen Anwendung erörtern wollte. Es ist das erste Mal. daß sich ein österreichischer Regierungschef weigert, den gesetzlichen Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung des Landes zu empfangen. In eiugewc.men Kreisen wird übrigens versichert, daß bereits anderen jüdischen Persönlichkeiten der Zutritt zum Bundeskanzler erwehrt wurde, wenn Grund zur . Annahme bestand, daß jüdische Fragen zur Besprechung kommen sollten. Als an den österreichischen Hochschulen eine „Oesterreichische Studentenschaft" mit Einschluß der jüdischen Studeiitenorganisätinnen geschahen werden sollte, veröffentlichten die katholischen Hochschüler im Regierungsblatt ..Reichspost“ die Erklärung, sie würden dieser Oe-terreichi'schen Studentenschaft nicht beitreten. Bezeichnend für die antisemitische Einstellung der österreichischen offiziellen Kreise ist auch die Tendenz amtlicher Stellen, jüdische Kauileute zu boykottieren. So wird seit eirrger Zeit die im Stadtzentrum gelegene Tabak-Trafik eines jüdischen Kriegsinvaliden von den benachbarten staat- Ichen Aemtern boykottiert. Demokratische Zeitungen haben iestgestellt. daß sich an diesem Boykott auch die niederösterreiehische Hypothekeiianstalt und das Dorotheum, eine staatliche Bank- und Versteigerungsanstalt. beteiligen. In jüdischen Kreisen haben diese und andere Zeichen für ein Anwachsen des offiziellen Antisemitismus starke Beunruhigung ausgelöst. im Zusammenhang mit diesen Meldungen erfährt die „JTA“ von authentischer Seite, daß eine Ablehnung des Empfanges des Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeiude, Dr. Desider Friedmami, seitens des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß nicht stattgeiunden hat. Richtig ist allerdings, daß die angesuclite Audienz trotz wiederholter Anmeldung bisher nichtzustande kam. Als Grund hierfür wurde die andauernd starke anderweitige Inanspruchnahme des Regierungschefs angegeben. Schon das Bekanntwerden der Tatsache, daß der Bundeskanzler mehrere Wochen keine Zeit für eine Aussprache mit dem legitimen Vertreter der jüdischen Bevölkerung gefunden hat, erweckte allgemeines Aufsehen. Der Präsident des scphardischen Gemeindebundes Hollands gestorben. Im Haag verstarb |m Alter von S9 Jahren der Präsident des sephardischen Gemeindebundes Hollands und der sephardischen Gemeinde Haag, Ang. Belinfante.. Der Verstorbene bekleidete über 5(1 Jahre lang ein hohes Amt im holländischen Innenministerium. Er spielte auch eine hervorragende Rolle in der sozialen und jüdischen Gemeindearbeit. Der Bürgerkrieg in Cuba und die jüdische Bevölkerung. ln New York sollen nach einem Bericht der Itä Meldungen eingetroffeu sein, denen zufolge die jüdische Bevölkerung in Havanna und anderen cubanischen Städten, durch den dort herrschenden Bürgerkrieg und Generalstreik und die damit in Zusammenhang stehenden'Ruhestörungen und Terrorakte schwer betroffen wurde. Die genaue Zahl der im Laufe der Ereignisse verwundeten oder verhafteten Juden steht noch nicht fest. Etwa 600 jüdische Familen lehen in cubanischen Provinzortsehaiten, ihr Schicksal gibt Anlaß zu schwerer Beunruhigung. In Havanna sind Nachrichten eingetrofien. aus denen hervorgeht, daß in der Provinz vielfach Wohnungen und Geschäfte von Juden erbrochen und geplündert wurden. Die jüdischen Institutionen in Cuba sind außerstande, den Notleidenden Hilfe zu leisten, da sie selbst, aller Mittel entblößt sind. Sie haben deshalb an die Juden in den Vereinigten Staaten den dringenden Appell gerichtet. Mittel zur Unterstützung der bittersten Mangel leidenden jüdischen Opfer der Unruhen nach Cuba zu senden. ' Neugründung jüdischer; Volksschulen in Deutschland. (Amtlich.) Am 9:-August ist der Unterausschuß des bei der Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands gebildeten Erziehungsausschusses zusammengetreten, der die Aufgabe hat, die Neugründung jüdischer Schulen in die Wegezu leiten. Der Ausschuß hat alle Möglichkeiten der Neugründung von jüdischen Volksschulen eingehend durchgesprochen. Es soll in denjenigen Gemeinden, die genügend Kinder für eigene jüdische Volksschulen haben, auf die Errichtung jüdischer Volksschulen, da aber, wo bereits solche bestehen, nötigenfalls auf die weitere Ausgestaltung dieser Volksschulen hingewirkt werden. . Hinsichtlich der Ausgestaltung dieser Volksschulen soll neben der allgemeinen und der jüdischen Bildung möglichst weitgehend auch Berufskunde im Sinne der Vorbereitung einer beruflichen Umschichtung getrieben werden. Es ist beschlossen worden, schnellstens an alle Gemeinden, in denen die Neuerrichtung oder die Erweiterung ihrer .jüdischen Volksschulen nach der Zahl der Kinder in Betracht kommt mit konkreten Vorschlägen heranzutreten. Gegenstand eingehender Beratungen war auch die Frage zentraler Schulen, etwa in Internatsform, für die Kinder der kleineren Gemeinden in den einzelnen Ländern und Provinzen. Hier soll zunächst einmal eine genaue Ausarbeitung über ein derartiges Projekt, besonders auch hinsichtlich der finanziellen Gestaltung, vorgelegt werden. Gleichstellung jüdischer Handwerker. Arbeitsvergebung in Oberschlesien. Der Magistrat der Stadt Gleiwitz hatte vor längerer Zeit den jüdischen Hausbesitzern die staatlichen Zuschüsse, zum Zwecke von Hausreparaturen verweigert, später aber wieder unter der Bedingung zugebilligt, daß jüdische Gewerbetreibende (Handwerker) bei der Instandsetzung nicht beschäftigt würden. Der Verband der oberschlesisch-jüdischen Handwerker wandte sich hierauf an das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, sowie an die Regierung in Oppeln mit der Bitte, diese Anordnung wieder rückgängig zu machen. Auf diese Eingabe erging vor kurzem .der Bescheid, daß die jüdischen ebenso wie die nichtjüdischen Handwerker bei Vergebung von Arbeiten be-' rücksichtigt werdeiL_soIIten. Handwerkerorganisationen und ihre jüdischen Mitglieder. Auf eine Anfrage des Gewerbevereins Nassau beim Reichs-; verband des deutschen Handwerks über die Zugehörigkeit •jüdischer Mitglieder zu Handwerkerorganisationen hat der Reichsverband geantwortet, daß an der Zugehörigkeit nichts zu ändern sei, soweit zwingende gesetzliche.Vorschriften bestehen. Es solle aber vermieden werden, daß jüdische Mitglieder Vorstandssitze oder Aemter bekleiden dürfen. Soweit die Zugehörigkeit zur Handwerkerorganisation nicht gesetzlich vorgeschrieben sei, bleibe es den einzelnen Organisationen überlassen, die Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu regeln. Streifendienst an Markttagen.1 Das „Schönlanker Tageblatt“, Kreisblatt für den Netzekreis,' berichtet am 11. August: Vom Standortältesten des Streifendienstes wurde für Schönlanke eine, Kontrolle angesetzt, die mit einigen SA- bzw.. SS-Männern durchgeführt wird. Sie sollte feststellen, ob das Tragen von Abzeichen bei verschiedenen Personen berechtigt " >yar.„jiody.oh. iüdjsche „Qesshäite natiooalsozia- ' lfSflscne Artikel m ihren Schaufenstern ausgestellt haben. Weiter sollte die Kontrolle dazu dienen, alle diejenigen Personen, insbesondere Parteigenossen, festzustellen und namhaft zu machen, die jetzt noch in jüdischen Geschäften gekauft haben. Der Streifendienst wird an allen Markttagen durchgeiührte Von 4 Personen, die sich nicht ausweisen konnten, wurden Abzeichen eingezogeri. Außerdem wurde wegen unerlaubten Tragens das Hakenkreuzabzeichen entzogen. Vier Fahrradwimpel wurden beschlagnahmt an Rädern, die sich an Fahrradständern vor. jüdischen Geschäften befandet:. Außerdem wurden dann alle diejenigen Personen festgestellt und namhaft gemacht, die in jüdischen Geschälten gekauft haben. Unter diesen befanden sich 6 Arbeitslose, 2 Beamtenfrauen und gegen 200 Landwirte. Die letzte Zahl ist allein für das Kaufhaus Levy festgestellt worden. Von jetzt ab dürfen alle diejenigen Landwirte, die ihre Fuhrwerke bei einem jüdischen Geschäftsmann untergebracht haben, erst dann ihre landwirtschaftlichen Produkte feilhieten. wenn diese schon von allen anderen Landwirten verkauft sind. Im Hotel Kramp soll für die nächste Sitzung der Parteimitglieder eine Tafel angebracht werden, auf der alle diejenigen namhait gemacht sind, die in jüdischen Geschälten gekauft haben. Deutsche Christen und Judenmission. Der stellvertretende Reichsleiter der Glaübensbeweguug Deutsche Christen, Pfarrer Loerzen, äußerte sich über Ziele und Aufgaben der Glaubensbewegung und kam hierbei auch auf .die Stellung der Deutschen Christen zur Judenmission zu sprechen. „Ideeiich verfechten wir,“ erklärte Pfarrer Loerzen, „außer der Mission im eigenen Volk, die wir als dringlichst erachten, die-Mission aller fremden Völker, also auch der Juden. Wir lehnen ganz entschieden den verstiegenen Satz ab, das Judentum stehe unter dem Fluch und sei also nicht zu missionieren. Der Heilige Geist kann alles, und um des Heilandsbefehls willen wird die Judenmission bestehen; Allerdings gibt es den Unterschied des Volkstums: also auch den Unterschied des Deutsch-Christentums und des Juden-Christentums. Der Glaube der Judenchristen erfährt unsere ungekürzte christliche Achtung und Wertschätzung. Der neue Geist, daß die christlichen Kirchen streng nach ihren Volkstümern getrennt sein müssen, muß auch das Judentum überkommen. Das wird ein Weg zur Aussöhnung und christlichen Brüderlichkeit sein.“ . Anzeigen-Verfreter (-innen) bei der einschlägigen Kundschaft in allen größeren Städten Deutsch» lands eingeführt sucht die „Jüdisch - liberale Zeitung' bei hohen Verdlenstmöglldikelten Die „Jüdisch-liberale Zeitung" ist in ständigem Aufbau begriffen, erfreut sich wachsender Beliebtheit in jüdischen Kreisen und gewährleistet ein aussichtsreiches'Arbeitsfeld. Zuschriften erbeten an die Geschäftsstelle der Jüd.-lib. Ztg., Berlin SW 11