Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 10 (15.8.1933)
- Date
- 1933-08-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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13. Jahrgang Nummer 10 JfiöifiHibetale 3eUung . 1. Beilage 15. August 1933 ' Aufgabe Centralvereins. Konferenz des Weltverbandes für das religiös-liberale Judentum in London. Unter dem Vorsitz von Rabbi Ur. I..1. Matluck wurde am 30. Juli in der liberalen Synagoge in St John's Wood zu :'on ,n sine Round Table-Konferenz über das Thema: „Der öfientliche jüdische Gottesdienst“ unter Teilnahme von Delegierten aus Oesterreich, Erankreich, Deutschland, Schweden und den Vereinigten Staaten eröffnet. , Professor fsmar E1 b o g e n (Berlin) führte u. a. aus, jüdischer öffentlicher Gottesdienst sei unabhängig von äußeren Bedingungen, er sei geistiger Dienst, der erste Gottesdienst >n .der Welt der, wie die Vorfahren ihn genannt haben, ein „Dienst des Herzens“ sei. Religiöse Erziehung und Gebet seien gleich notwendig für ihn. Die Synagoge sei eine der wichtigsten Institutionen für die allgemeine Belehrung gewesen. Der religiöse Jude fühle sich abhängig von Gottes Macht und Gnade. Das Gebet könne die Form einer Bitte tragen, selbst die einer individuellen, jedoch nicht einer egoistischen Bitte; auch Bitten um Materielles seien zulässig wie z. B. die Bitte um das tägliche Brot. Hauptsächlich aber sollen die Bitten geistigen Charakter tragen Wie Bitten um Kraft, um Errichtung eines Jüdischen Nationalheims oder um Vergebung von Sünden. Der jüdische Gottesdienst sei an die Gemeinde gebunden und gerade an Gemeinden mangele es heute. Man müsse die Aufgabe erfüllen, die Kluft zwischen öffentlichem Gebet und Gemeinde zu beseitigen. Rabbi Julius Mark aus Nashville (Tennessy) erklärte, die religiös-liberalen Juden hätten viel dazu beigetragen, das Judentum zu einem lebenden Faktor zu machen, er glaube jedoch, daß der Erfolg bezüglich des Gebetes ausgeblieben sei. Die liberalen Juden in Amerika zumindest gingen nicht in die Synagoge, um zu beten, sondern um eine Ansprache zu hören. Die jüdisch-liberalen Prediger Amerikas seien die beredtesten und hätten die größte Zuhörerschaft; er gebrauche 'absichtlich das Wort Zuhörerschaft und nicht' den Ausdruck Gemeinde. Wir haben, fuhr Rabbi Mark fort, das Gebetbuch redigiert, aber nicht viel erreicht. Revisionen von Gebetbüchern sind nicht von langer Dauer ebenso wie Geldinflationen. Es kommt bald die Zeit, da die Revisionen wieder redigiert werden müssen. Aufgabe des liberalen Judentums ist es, die Menschen wieder beten zu lehren. Ein Mittel dazu ist, sie zu. aktiverer Teilnahme am Gottesdienst zu veranlassen: häufig sitzen sie bloß da und hören einem bezahlten Chor zu. Die geistig hochstehendsten Vertreter des Judentums sollten sich zusammentun und ein Gebetbuch schaffen, das ihrem Empfinden Genüge tut, in ihrem Herzen einen Widerhall weckt. Von unserer Religion hat man gesagt, sie beruhe, auf drei Dingen: Thora (im weitesten Sinne des Wortes), Akte der Wohltätigkeit und Gebet. Wir müssen versuchen, den Menschen den Trost, die Hoffnung und den Mut wiederzugeben, die aus dem Gebet, das eine.Zwiesprache mit Gott ist, kommen. - ln der anschließenden Aussprache erklärte ein Delegierter' aus Deutschland, als die antisemitische Bewegung in Deutschland einsetzte, seien viele Juden zu ihm gekommen und hätten den Wunsch nach Teilnahme am Gottesdienst ausgedrückt; so habe man Gottesdienste nach traditionellen Richtlinien, jedoch in deutscher Sprache abzuhalten begonnen. Besonders die' Jugend nehme an der religiösen Arbeit der Gemeinschaft aktiv teil. ' * - . ■ In Johannesburg (Südafrika) hat sich eine Jüdische Reform-Vereinigung gebildet, die sich der Jewish Rellgious Union (London) als Landesgruppe' anschloß. Zum Rabbiner der neuen Gemeinde wurde Rabbi Moses Cyrus Weiler aus Cincinnati (U. S.A.) berufen. Rabbi Weiler ist im Laufe des Monats Juni zunächst zu einer Rücksprache mit den leitenden Persönlichkeiten der World Union for Progressive Judaism nach London gereist, um alsdann sein neues Amt in Johannesburg anzutreten. Die wahre des - - ..Da strahlt in schwerer Notzeit der Ster» * Palästina auf.“ Dr. Eva Reiclimann-Jungmann in der CV-Zeltung v. 3. Aug. 1933. Allgemeines und, wie gleich hinzugefügt werden soll, unliebsames Aufsehen hat in der jüdischen Oeffentlichkeit eine Artikelreihe hervorgerufen, die die CV-Zeitung über Palästina gebracht hat. Nicht das aber ist das Wesentliche, daß die CV-Zeitung über Palästina schreibt; die Dinge haben sich in Deutschland nun einmal so geworfen, daß viele Juden ans .Auswandern denken müssen, und da Palästina heute, im Gegensatz zu allen anderen Ländern, eine Zeit der Wirtschaftsblüte durchmacht, so ist es für gewisse Berufskategorien auch ein relativ günstiges Einwanderungsland. Der CV hat völlig recht, daß er in dem Bemühen, den deutschen Juden neue Lebensmöglichkeiten zu erschließen, aucli das Palästina- Problem untersucht. Nicht die Tatsache, sondern die Art und Weise dieser Erörterung ist es, die Entrüstung unter seinen Anhängern hervorruft. Es handelt sich darum, daß eine — bisher nur angekündigte, aber wohl demnächst erscheinende — iuformatv-ve Artikelserie über Palästina eingeleitet wurde durch eine Kontroverse weltanschaulicher Art Diese Kontroverse wieder wurde eröffnet mit einem Aufsatz des zionistischen Rabbiners Dr. Ignatz May bäum, Frankfurt a. O. Und nun begibt sich dies Seltsame: Maybaum, der Zionist, vertritt eine Auffassung. die den allerschärfsten Widerspruch der Zionisten hervorruft, wie ein Artikel der „Jüdischen Rundschau“ zeigt. Im Mittelpunkt seines. Aufsatzes steht auch keineswegs Palästina mit seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten, sondern vielmehr ringt Maybaum um die Klärung des theologischen und kulturgeschichtlichen Problems der Säkularisierung des Judentums. Soweit er in seinen Darlegungen das Palästina-Problem behandelt, kommt er zu dem Ergebnis, daß die nach Palästina ausgewanderten deutschen Juden eine Art Auslands-Deutschtum repräsentieren." Er erinnert daran, daß Palästina mit. den Kräften der europäischen, also auch der deutschen Kultur aufgebaut wird. Die „Jüdische-Rundschau“ verdreht das ins Grob-Materielle und spricht von „maßloser Ueberschätzung des bisher äußerst geringen Anteils der deutschen Juden am Palästina-Auf bau“: ■ sie wirft Dr. Maybaum „völlige Unkenntnis der Tatsachen“ und eine „doktrinäre Einstellung“ vor, die „offenbar ihre Quellen in einem anderen Schrifttum hat als in dem jüdischen“. Die „Jüdische Rundschau“ scheint demnach alles für falsch zu halten, was nicht in jüdischen Büchern steht Sie empört sich darüber, daß Dr. Maybaum dem „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ die Aufgabe zuweist, „das Deutschtum der deutschjüdischen Jugend zu verteidigen, auch wenn das Schicksal diese Jugend nach Palästina führt“. Nun, die „Jüdische Rundschau“ braucht sich keine Sorgen zu machen: ihrem palästinensischen Patriotismus ist inzwischen ein Helfer er-, standen, der den CV von der Erfüllung derartiger deutschkultureller Aufgaben abhalten wird. Dieser Helfer ^ist — rnit Erlaubnis zu sagen — der-Centralverein selber, bei dem der palästinensische Patriotismus offenbar in bessern Händen liegt als bei dem Zionisten Dr. Maybaum. Denn der CV weist Maybaums Ausführungen nicht weniger schroff zurück als die „Jüdische Rundschau“, und sein Sprecher ist Dr. Friedrich Brodnitz, Mitglied der Jewish Agency for Palestine und Hauptvorstandsmitglied des Geutralvereius. (Um Irrtumcrti vorzubeugen: es hundelt-sich um den Sohn des CV-Vnrsitzeuden, nicht um diesen selber.) Was also schreibt Herr Ur. Brodnitz? Eine kurze Rückschau muß hier eingeschaltet werden. Am besten geschieht dies durch Erinnerung an jene Resolution, die der CV aufseiner Generalversammlung vom '13. mul 13. Februar 1938 mit überwältigender Mehrheit gefaßt hat und die folgenden Wortlaut hat: „Die von den Zionisten in der Oeffentlichkeit betriebene Propaganda bat es dahin gebracht, datf'die früher nur von den Judengegnern betonte Trennung vutt „Deutschen“ und „Juden" ln der öffentlichen Meinung mehr und mehr an Duden, gewinnt: immer, mehr verbreitet sielt die Vorstellung*, als gehörten die deutschen * Juden , nicht zum deutschen, sondern vielmehr zu einem über-die ganze Erde verstreuten, in Palästina beheimateten jüdischen Volk. Dieser Zustand bringt die ffmmgeuschafteii eines mehr als hundertjährigen Einanzipatiouskamiifes in ernsteste Uefaltr. - Der CV muh daher wirksamer als bisher der zionistischen Anschauung entgegentreten, nach welcher das Judentum die Vulks- und Kulturgemeinsehaft'. aller Juden und Palästina ihr nationales und kulturelles Zentrum sein soll. Das von den Zionisten behaupt tele oder angestrebfe jüdische Volk ist nicht das der. auf dein CV- Standpunkt stehenden, deutschen .Juden, da diese in nationaler und — kultureller Hinsicht ausschließlich dem deutschen Volke angchürvn. Das Vorhandensein.einer nationalen Einheit der Juden aller Länder wird schön durch diese Tatsache widerlegt. Gegenüber den Wirkungen der zionistischen Propaganda sieht der CV seine Aufgabe dariu. s u i n.e r.Auffassung von Deutschtum und Judentum in der Oeffentlichkeit Geltung zu verschaffen." Der Urheber dieser Resolution, unser unvergeßlicher Freund' . Georg Mecklenburg, bat, das darf mau_sagen, mit ge-' radezu hellseherischem Blick die kommenden Dinge voraus- . geahnt. Aber vergebens. Zwar ist. wie nachdrücklich betont sei, die Resolution heute noch in Kraft, aber die CV-Lcituug hat sich nie um sie gekümmert, das Vereinsbürn und -Blatt hat nie „gegenüber der zionistischen Propaganda seiner Auffassung Geltung verschafft“: Im, Gegenteil, die Resolution wurde vom ersten Tage an „zu den Akten“ geschrieben. Denn:— wiesen die Anhänger der aus dieser Resolution sprechenden Gesinnung darauf hin. daß man nicht Deutscher und Zionist zugleich sein, nicht zwei Vaterländer haben könne, so wurden wir als doktrinär abgetan — „das Leben sei anders als die Theorie“! Wandten wir uns dagegenrdaß Menschen, die in. „Palästina das Vater-, Mutter- und Kinderland" sehen, hohe Staatsstellen in Deutschland bekleideten, so waren wir „Hoch- - Verräter am Judentum“. Unentwegt galt den Zionisten und ihren Mitläufern im CV die Zweivatcrlauds-Theorie. Galt für . Deutschland. Aber nun überträgt sie Dr. Maybaum auf Palästina. Und da schlägt denn doch diesen Leuten das Gewissen; denn wenn der Jude auch in Deutschland zwei Vaterländer - haben darf, so verlangt hingegen Palästina „absolute Einordnung“; die „Zusammenhänge mit der Kultur des alten Heimatlandes, die keineswegs unterschätzt werden sollen, pflegt man Im stillen für sich, aber man proklamiert sie besser nicht laut“. ' denn das würde „denjenigen Wasser auf ihre Mühlen leiten, die den erwandernden deutschen Juden mit Mißtrauen gegen- - überstehen, die fürchten, daß man nicht aus innerer Ueberzeugung, sondern aus wirtschaftlichem Zufall hinüberkommt“. Das alles steht nicht etwa im Zionistenblatt. Sondern, aus der Feder des Herrn Dr. Brodnitz, in der CV-Zeitung, deren Vertreter aber in Versammlungen sich entrüsten, wenn wir von denen, die ihren Zionismus „laut proklamieren“, sagen: sie . leiten Wasser auf die Mühlen derer, die den (angeblich — und z. T! Wirklich — eingewanderten) Juden mit Mißtrauen gegenüberstehen und meinen, der Jude lebe hier nicht' aus Innerer Ueberzeugung. sondern nur aus wirtschaftlichem Zufall I Sieht man in dieser Weise den CV als Vorkämpfer eines . eindeutigen Palästina-Patriotismus gegenüber den „auslandsdeutschen“ Neigungen -des Zionisten Maybaum, — so muß man wirklich sagen: Rechter Hand, linker Hand alles vertauscht; und wir, die wir stets den CV unterstützt lieben, weit wir ihn für die Erfüllung seiner heiligen Aufgabe im Dienste der deutschen Juden stark wissen wollen, finden heute keine Antwort auf die zahlreichen bei uns eingehenden Re- ' schwerden, in denen die Haltung des CV als ein Verlassen seiner bisherigen Grundsätze bezeichnet wird. Mit schwerem Herzen vielmehr müssen wir uns entschließen, dem Centralverein zuzurufen, daß er seine Aufgabe verfehlt, wenn er in dieser Weise fnrtfährt. eine Politik zu treiben, die die Verbundenheit der deutschen Juden mit Deutschland nun auch von jüdischer Seite her zu lösen droht: Es genügt nämlich nicht, in gönnerhaft-arroganter Weise davon zu reden, daß man die kulturellen Zusammenhänge .mit Deutschland keineswegs verleugnen wolle, sondern vielmehr ist das das'Kernproblem, ob diese Zusammenhänge wirklich unsere ganze Persönlichkeit Carl Gusl.GEROLD Das Haus für QualltBts-ZIgarran — BERLIN W 8, Untar den Linden 24 15 pu. Babelsberg Kisten zn 50 Stück leicht eine tadellose Sumatra-Zigarre groBen Qualitätsansprüchen gewachsen Und ffle Diendßndß Main von Qoaiiiats-zigarren aller Preislagen Illustrierte Preisliste wird gern kostenlos zugeaanät. ' I i Reisebüro Atlantic Expreß (Palestine u. 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