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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-08-15 · 10 (15.8.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
10 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ausmachen oder nicht. Die Gleichberechtigung in Deutschland wiederherzustelleii. iehlt uns iin, Augenblick die Macht, i Unverändert aller hoffen wir, daß in der Beurteilung der Juden ein Wandel eititreten werde. Indessen:-diesen Emarizipations- Ansjirucii können wir nur dann mit innerer Wahrhaftigkeit erheben, wenn wir uns innerlich durchaus als deutsche Menschen empfinden und als solche betätigen, wobei es nicht darauf ankotnmt. oh auch die.Umwelt uns als Deutsche empfindet. Sagen wir erst selber — und die CV-Zeitung hat das in Aufsätzen ihres derzeitig verantwortlichen Redakteurs Dr. Alfred Hirsch borg getan'—, daß „unsere unvergänglichen jüdischen Wesenseigenarten'' in unseren semitischen Rassenwerteu bestehe.!, :die zugunsten eines Ariertunis aufzugeben weder möglich noch erstrebenswert sei, sagen wir so Ungeheuerliches erst selber, dann ist nicht nur unsere bisherige -.Gleichberechtigung zunichte, sondern wir haben dann auch von uns aus den Anspruch auf sie für immer verwirkt, und Deutschland hätte wirklich ein Recht, uns das zuzurufen, was der CV-Fulircr Dr. Friedrich BrOdnitz den palästinensischen Hinwanderern aus Deutschland zuzurufen sich für befugt hält: „Wer da nicht etwas Besonderes spürt, ein Gefühl der Verbundenheit. ein ganz ündogmatisehes Zusammengehörigkeitsgefühl. ’der'schlagc sein Zelt auf. wo in der Welt sich ihm eine jJlupicc zu bieten scheint, aber nicht in Palästina“, d. h. Deutschland würde hier sägen: „nicht in Deutschland“, aber Dr. Brodnitz vertritt ja liier offenbar sein neues Vaterland. Mau glaube nicht, daß wir diese Polemik leichten Herzens führen. Die Zeiten sind zu ernst, als daß wir Freude daran 'haben'könnten, imieriüdische Fehden auszuiechten. Aber wir können es nicht zulassen, daß uns unsere von außen schwer gefährdete l.ebensgnindlage nun auch von jüdischer Seite her entzogen wird. Denn so sehr wir wünschen, daß alle diejenigen. die auszuwandern sich gezwungen fühlen, sich ein neues Dasein ‘erringen, und so'-wenig wir vergessen, daß gerade Palästina heute Vielen eine neue Heimat ist, so wenig können wir an der Tatsache vorübergehen, daß die meisten von uns hierbleibcu müssen und den Anspruch hier zu leben nicht auf den „wirtschaftlichen Zufall" dieses äußeren Müssens, sondern auf ihr Zugehörigkeitsgefühl zu dem Lande ihrer Geburt und ihrer Voreltern gründen. Deshalb ist es nicht, wie Frau Dr. Eva R e i c li tu a n n - Ju.n g m a n n in einem Nachwort zum Biodnitzschen Aufsatz meint, gleichgültig, ob man „aus Liebe oder aus Not“ sich zum Deutschtum bekennt, und es stimmt ferner nicht, daß. wie sie ebenfalls ausführt, Zionisten und Nichtzionisten „im Grunde alle dasselbe wollen: deutschem Judentum eine Zukunft bereiten“. Nein; daß in den sozialen Hilfsmaßnahmen Zionisten und-Nichtzionisten zusammenarbei- ■ len, ist schon vor Frau Dr. Reichniann sehr nachdrücklich von den repräsentativsten Persönlichkeiten der deutschen Judenh'eit gesagt worden, aber immer mit dem Zusatz: ohne das geringste Gesinnungskoniproiiiiß auf beiden Seiten! Gerade die Aufgabe des CV-wärc es, in der heutigen Zeit die Gesinnung der uiclitzionistisch sondern deutsch oriehtierten Juden klar herauszustellen. Was Dr.' Brodnitz .für die Juden in Palästina fordert „absolute Einordnung-', also auch der Gesinnung nach., gilt ganz gewiß auch für die Juden in Deutschland. Der einzelne Mensch hat kein Lehen und keine Lebertsmöglichkeit als gänz_. allein in der Nation. Die in §, I der CV-Satzung gebotene „unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung“ erst macht die . Juden fällig, als Deutsche in Deutschland zu leben und dicsen_ Lehcnsanspnich anfrechtzuerliallen in dieser Zeit schwerster Prüfung und Not. Hierfür die deutschen Juden reif zu machen, ihre seelische Verwurzelung zu erhalten, damit die materielle sich wieder festige —: das ist die wahre Aufgabe des CV. bei deren Erfüllung wir alle ihm helfen möchten.- Palästina erschwert Einwanderung. Das jerusalemer Regierungsamtsblatt veröffentlichte am I. August den Entwurf eines neuen Einwanderungsgesetzes, der vor Jahresfrist-ausgearbeitet, aber auf Einspruch der Jewish Agency vertagt wurde. Der Entwurf bringt neue Erschwerungen, besonders gegen die dauernde Niederlassung von Touristen. Die im Amtsblatt veröffentlichten Entwürfe können, nach einem Monat Gesetzeskraft erhalten. Am S. August versdried unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater Rechtsanwalt Dr; Heinrich Marcuse Im Namen der Hinterbliebenen Lilll Marcuse gcb. Warschauer Ulrich Marcuse Lore Marcuse. Stettin» Birkcmtllee 9 Die Beisetzung hat bereits stattgefunden. Unterricht Berufsausbildung alt wissenschaltliche Kosmetikerin bei Arzt-Ehepaar seren Lehrgeld. Nach kurzer Lehrzeit selbst. Existenzmüctiefakeit im ln- und Ausland. Frau L. Bratzen, Berlin . W, Bayerischer Platz 6. ENGLAENDER UNTERRICHTEN UEBERSETZEN John Bradley, Bayreuther Straße 18. _ Barbarossa 1438. Beruf für auswandernde Frauen Schaallkarssialbttaf»tGwlditipntg»|V8rperl,NarmbsliiadL Fnu Gartrnde Arnold. Chariottenburg, Roscherstraße 7 Telefon: J6 Bleibtreu 2730. 8—9, 3—5 Asageb'ldet chirurgische Universität»-Klinik, Berlin j^Dr^Heinrid^larcuse^tettin Unerwartet verschied ain 5. d. M. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Marcuse zu Stettin in der Blüte seiner Jahre. Trotz starker beruflicher Inanspruchnahme war er sein Leben lang mit Hingebung um die Förderung aller jüdischen Interessen bemüht und war — neben seiner Tätigkeit als Leiter des Pommerschen ‘ CV-Landesverbandes — insbesondere stets ein Kämpfer für alle Bestrebungen unserer religiös-liberalen Bewegung, deren Grundsätze er vor allem als Abgeordneter im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden mit Entschiedenheit und Erfolg vertreten hat Sein lauterer aufrechter Charakter, sein warmherziges Eintreten für alle, die Rat und Hilfe brauchten, sichern ihm iür alle Zeit ein ehrenvolles An- . denken. Die Bestattung des zu früh Vollendeten hat unter ungewöhnlich großer Beteiligung aller Kreise stattgefundeu. Aus den Gemeinden Berlin. (Sprechstundenänderung der Künstlerin 1 f e.) Die Wirtschaftsstelle - der Jüdischen Gemeinde teilt mit: Die Sprechstunden für darstellende Künstler, Artisten und Autoren werden von jetzt ab Montag, Dienstag und Donnerstag von 10—1 Ulir in der Oranienburger Straße 31, Hof, III. StockT Zimmer 45 (Anmeldung Zimmer 43), abgehalten. Die Sprechstunden iür bildende Künstler am Dienstag und Donnerstag von 10—1 Uhr bleiben im jüdischen Museum, Oranienburger Straße 31. , Frankfurt a. 'Al. (Todesfall.) Herr Otto Bouwit ist im Alter von 62 Jahren einem Herzschlag erlegen. Er bekleidete zahlreiche Ehrenstellen. So war er lange Jahre Handelsgericlitsrat und zweiter Vorsitzender des „Vereins des Einzelhandels“. Beisitzer am Arbeitsgericht, Sachverständiger für Glas und Porzellan imd bis zuletzt Vorstandsmitglied der Israelitischen Gemeinde. Bonwit war weit über seinen engeren Arbeitskreis geschätzt und angesehen. Im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gehörte er als Abgeordneter der liberalen Fraktion an. Kassel. (Um einen S cli u I e r 1 a ß.) Die Frage der Befreiung jüdischer Schüler vom Schreiben und Zeichnen am Sabbath in den höheren Lehranstalten war durch die ablehnende Haltung eines Schulleiters erneut aktuell geworden. Die vom Provinzial-Schulkollegium gebilligte' Beibehaltung der früheren Gepflogenheit ist durch einen neuen Erlaß des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bestätigt worden. Der Erlaß vom 17. 6. 33 U I! G. Nr. 1323 lautet: „Vereinzelte Fälle geben mir Veranlassung darauf hinzuweisen, daß die Bestimmungen der Erlasse vom 6. Mai 1859 usw. noch in Geltung sind und demgemäß jüdischen Eltern, welche aus religiösen Gründen ihren Sohn (Tochter) am Sonnabend ganz oder iür die Stunde des Gottesdienstes vom Schulbesuch entbunden zu sehen wünschen, die gebührende Berücksichtigung nicht versagt werden kann und auch Jüdische Schüler :vojn Schreiben und Zeichnen zu befreien sind. Für die ans derartigen Versäumnissen der betreffenden SchülerOnnenJ etwa entstehenden Folgen übernimmt die Schule entsprechend den ■ seit jehergeltenden Bestimmungen keine Verantwortung. Der Erlaß wird im Zentralblatt iür die gesamte . Unterrichtsverwältung in Preußen abgedruckt.“ Landsberg (Warthe). (Z u r B e r u i s u m s c h i c h t ung.) Auf seinem unweit Landsbergs gelegenen Gut Heinersdorf hat der Gutsbesitzer Alex Levy einen landwirtschaftlichen Kursus für 15 Jungens und 2 Mädels, die aus Landsberg, Soldin, Meseritz, Leipzig und Berlin stammen, eingerichteL Die jungen Leute werden in Acker-, Garten- und Gemüsebau, sowie Vieh- und Geflügelzucht praktisch ausgebildet und erhalten durch Herrn Alex Levy, der als tüchtiger Land-, wirt bekannt ist, auch theoretischen Unterricht. Ferner bildet ein Bruder des Vorgenannten, Herr Sigmund Levy, auf seinem 430 Morgen großen Gut in Altkarbe 9 Jungens und Mädels in oben genannten Zweigen aus. Die jungen Leute sind in Osnabrück, Berlin und Ländsberg beheimatet Mainz. (Goldenes D r.-Jub iläupi.) Anläßlich; der 50 jährigen Wiederkehr seiner Promotion ist Herrn Justizrat Dr. Otto Lichten das Dr.-Diplom von der Juristischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg erneuert worden. Breslau. (Sitzung d.er Gemeindevertretung.) Erst in ihrer Sitzung am 29. Juni konnte die. Gemeindevertretung den Haushalt des Rechnungsjahres 1933/34 verabschieden. Trotz der starken Kürzungen, die in allen seinen Teilen, insbesondere im Personalhaushalt (Abzüge von 25 bis 18 Prozent) vorgenommen worden waren, ergab sich selbst bei vorsichtigster Schätzung ein Fehlbetrag von 160000 RM, der evtl, aus Stiftungsmitteln gedeckt werden solL In der Aussprache wurde betont, daß der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend größte Aufmerksamkeit entgegengebracht werden müsse. Ferner wurde die Förderung der jüdischen Volksbank Wratislawia dem Vorstande dringend ans Herz gelegt. Die Kiiltussteuem betragen wie im Vorjahre 16 Prozent der Einkommen- und 30 Prozent der Vermögenssteuer. Die Grabpflegestiftungen wurden mit 175 RM für ein Einzelgrab und mit 300 RM für ein Doppelgrab neu festgesetzt. Den nach Palästina verzogenen langjährigen Vorstandsmitgliedern Zahnarzt Dr. Hugo Schachtel und Arzt Dr. William Boß, sowie dem demnächst dorthin übersiedelnden Gemeindevertrefer Rechtsanwalt Max Jacöbsohn dankte der Vorsitzende, Justizrat Peiser, iür ihre opferwillige Tätigkeit im Dienste der Gemeinde. — Zahlreiche Mitglieder des R. j. F. hatten sich als Zuhörer eingefunden. Carl Bobinski, Wilmersdorf, Wittelsbacher Str. 9a. Zentralheiz., Warmwasser-, Gas- und sanitäre Anlagen. Kostenl. Beratung. Tel. Oliva 5535 Kurhaus Konradshöhe Erholungs- und Dauerheim, Wochenend (4,50) mit und ohne Pension (auch rituell). Tagespension, Malerische Waldwasservilla, Havelpavillon; Fernsprecher: Tegel307 Straßenbahn 28. 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