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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-08-01 · 9 (1.8.1933) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
9 (1.8.1933)
Date
1933-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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diu ihm zugrundeliegenden kulturpolitische» Verhältnisse in Deutschland, 'diu uns Juden als Kunstschaffende wie als Kunstemptangende in eine eigenartige Lage gebracht haben. Kunst verträgt au sich keinen Nebenzweck; jedes kulturelle und künstlerische Wirken erleidet daher Einbulle, wenn ihm kunstfremde Absichten beigemeugt werden. Mit Hecht ist von den Rednern der liröffnnngsknndgebungen betont worden, daü wir deutschen Juden uns, in einem abgesonderten konfessionellen Kulturbünde niemals zusammenfinden würden, wenn wir nicht' durch äußerliche Verhältnisse hierzu veranlaßt worden wären. Ist docitrdie Kunst überkonfessionell, so daß \»r Juden unser proditk/tvcs oder rezeptives Verhältnis zur Kunst bisher gemeimiäin mit den Deutschen aller Konfessionen betätigten. Jeu# finden wir uns als Juden in einer Kunstgemeinde zusammen. und sofort entstellt für diese das gleiche Problem, das wir bereits aus den Debatten über die jüdische Schule kennen und das in diesem neuen Palle vielleicht alii die FormeL einer Frage gebracht werden muß, ob in diesem Kulturbünde jüdische Kunst oder Kunst für Juden gepflegt werden soll. Die bisher auf diese Frage gegebene Antwort lautet dabin, daß beides versucht werden soll; andererseits aber scheint die Wirklichkeit zu einer Gestaltung nach der allgemeineren Wirkungsweise liinzufüliren. denn es sind Schauspiele von Lessing (Nathan der Weise), Shakespeare (Wie es Euch gefällt), Moliere neben solchen von Emil Bernhard und Beer-Hofiiiaim. Opern von Mozart, Beethoven, Donizetti,-Verdi und Tschaikowsky neben Meliuls „Josef in Aegypten" und ferner Konzerte mit Werken von Händel. Haydn, Schubert, Brahms, Mendelssohn und Mahler in Aussicht genommen. Die Parallele mit dem Scbulproblein zeigt sich auch in dem Echo, das der Kulturbund in der jüdischen Presse bisher gefunden hat. Zionistische Redner und Journalisten sind bereits eifrig am Werk, den Kulturbund auf ihre Seite zu ziehen: .ja. die „Jüdische Hundschau" sieht in der Wahl von Lessings „Nathan" für die Eröffnungsvorstellung bereits einen unpassenden Versuch, dem deutschen Volke von jüdischer Seite her zeigen zu wollen,' was deutsche Dichtung ist. Derartige Störuiigsversuche können nur auf das Tiefste beklagt werden; das künstlerische Feuer müßte schließlich auch den Zionisten zu heilig sein; als daß sie ihr Parteisüppchen daran kochen; und viel eher könnte Lessings „Nathan“ die Zionisten belehren, was jüdischer Geist ist, soll seine Gestalt doch nach'Lessings eigenem Zeugnis eilte Inkarnation des großen jüdischen Denkers und Menschen Moses Mendelssohn sein. Geht der Kulturbund der deutschen Juden den Weg dieses weltaufgeschlossenen Heroen, so wird ihm der verdiente Eriolg bei allen nach wirklicher Bildung verlangenden Juden beschiedeu sein. George G o e t z. * Die leitenden Körperschaften des Kulturbundes deutscher Juden setzen sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Ehrenpräsidium: Leo Baeck, Martin Buber, J. Elbogen, Arthur Eloesser, GeoTg Hermann, Leonid Kreutzer, Max Liebermann, Max Osborn, Franz Oppenheimer, Jacob Wassermann. Vorstand: Julius. Bub, Kritiker und Dramaturg, Kurt Baumauu, Regisseur, Lisbeth Cassirer (Jüd. Frauenbund), Dir. Alfred Jaulus (Vereinigung für das liberale Judentum)'. Landgerichts-- rat Dr. Arthur Lilienthal (Reichsvertretung der Deutschen Juden), Hauptiua»» a. D. Dr. Loewenstein (Reichsbuud jüd. Frontsoldaten), Dr. Friedrich Olltndorff (Zentralwolilfahrtsstelle der Deutschen Juden), Landgerichtsrat Arthur Rau (Zionistische Vereinigung für Deutschland), Dr. Eva Reichinann- Jungmaiin (Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens), Dr. Hermann Schildberger (Wirtschaftsstelle der jüd. Gemeinde). Bundespräsident: Dr. Kurt Singer, Intendant. Bundessekretär: Dr. Werner Levie. Kriegsbriefe, Kriegstagebücher und Kriegsgedichte gefallener deutscher Juden. . ' Eine öffentliche Bitte des „Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten“. Der ..Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ wendet sich mit einer Bitte an die gesaihte Oeffentlichkeit. Die Beziehungen, die uns deutsche Juden mit unserer deutschen Umwelt eng verbanden, lockern sich lind drohen zu zerreißen. Da heißt es. alles das uns und der uichtjüdischen Bevölkerung wieder in die Erinnerung zurückzurufen, was an unleugbaren Tatsachen die Verbundenheit deutscher Juden mit ihrer Heimat dokumentiert. Das gemeinsame Fronterlebnis, das alle Frontkämpfer während des großen Krieges ohne Unterschied von Konfession und Rasse zusaminengesclnniedet hatte, darf nie vergessen werden. 100 000 jüdische Männer und Jünglinge standen im Heeresdienst und verteidigten ihre deutsche Heimat; 12 000; deutsche Juden starben den Heldentod! Um der Belebung dieser Erinnerung willen sollen Kriegsbriefe, Kriegstagebücher und Kriegsgedichte gefallener deutscher Juden auszugsweise in einer Sammlung .veröffentlicht werden. Diese Sammlung soll für alle Zukunft ein Dokument für die Vaterlandsliebe deutscher Juden und ein Beweis ihrer Zugehörigkeit zur Heimat sein. Es ergeht darum an alle die herzliche Bitte, das zur Verfügung.stehende Material (unter Angabe des Truppenteils, der Charge, des Zivilberufes sowie des Ortes und der Zeit, wo der betreffende Frontkämpfer gefallen ist) an die Adresse von Dr. Ernst Fracnkel, Syndikus des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten E. V„ Berlin W 15, Kurfürstendamm 200, einzusenden. Kosten entstehen den Einsendern nicht; das Material wird nach Gebrauch zurückgegeben. . Jüdische Kriegsopferversorgung. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat die aus den bisherigen Kriegsbeschädigten-Verbänden ausgegliederten jüdischen Kriegsopfer (Kriegsbeschädigte, Kriegerwitwen und Kriegerwaisen) auf Wunsch des Nationalsozialistischen Reichs-. Verbundes Deutscher Kriegsopfer aufgenommen. Die Wahrnehmung ihrer Rechte, vor allem ihrer Rechtsstellung in der künftigen Versorgungsgesetzgebung liegt nunmehr dem'Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ob. - Diese Auigäbe ist nur durchführbar, wenn die über das ganze Deutsche Reich verstreuten jüdischen Kriegsopfer in einer straffen Organisation zusammengefaßt werden. Zu diesem Zwecke bittet der Reiclisbund jüdischer Frontsoldaten die jüdischen Kriegsopfer usw„ sich umgehend bei der ihrem Wohnsitz zunächst liegenden Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten E. V. zu melden und sich dort den Fragebogen zur Ausfüllung aushändigenzu lassen. Ein Jude als erster Botschafter der Vereinigten Staaten in Sowjet-Rußland in Aussicht genommen. Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Stockholm Laurence A. Steinhardt, ein bekannter New Yorker jüdischer Rechtsanwalt, der im April d. J. -von Präsident Roosevelt auf seinen gegenwärtigen Posten berufen wurde, ist beauftragt worden, die Interessen der die Vereinigten Staaten berührenden politischen Vorgänge in Sowjet-Rußland zu verfolgen. Es verlautet. daß Steinhardt dazu ausersehen sei, der erste amerikanische Botschafter in Sowjet-Rußland zu werden, sobald dieses von den Vereinigten Staaten anerkannt sein wird. Neue Arbeit der Freien Jüdischen Volkshochschule in Berlin. Starke Erweiterung des Programms. Die Freie Jüdische .Volkshochschule, die mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde seit länger als einem Jahrzehnt im Mittelpunkt aller Bildungsbestrebungen des Berliner Judentums steht und deren Vorsitzender zur Zeit Herr Dr. Kurt Zi e 1 e nz ig e r ist, Wird im neuen Semester, ihr Arbeitsprogramm stark erweitern. War es bisher die Aufgabe dieser Volkshochschule, vor ihren zahlreichen Hörern hauptsächlich jüdische Probleme zu erörtern uiid ihnen Kenntnisse auf diesem Gebiete zu vermitteln, so erfordert die Zeit einen Ausbau ihres Wirkungskreisles. Die Umschichtung, die vom deutschen Juden verlangt wird, macht eine Umstellung seiner Bildungsstätten erforderlich. Selbstverständlich hält die Freie Jüdische Volkshochschule an ihrer großen Tradition fest. Sie bleibt das Forum, vor dem die Frägen der jüdischen Religion, der jüdischen Ethik und der jüdischen Problematik nach wie vor erörtert werden sollen. Daneben aber will sie ihre Hörer mit Kenntnissen ausstattert. die ihneu jetzt im Kampf um eine neue Lebensgestaltung von Bedeutung sind. , Infolgedessen werden Sprachkurse eingerichtet, die bereits im August beginnen, und zwar Kurse für Hebräisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch, bei Bedarf auch noch für andere moderne Sprachen. Diese Kurse werden in allen Gegenden Berlins stattfinden. Sie kosten bei zwei Doppelstunden in der Woche monatlich nur f>.— RM. An jedem Kursus sollen höchstens 12 Personen teilnelimen, damit das schnelle Erlernen der Sprache jedem ermöglicht wird. Neben diesen Kursen sollen u. a. Lehrgänge für Maschineschreiben, Buchhaltung, Werbelehre eingerichtet werden. Vorträge über Wirtschaftskuride. über die Be ru f s’umschi ch tung usw. machen die Hörer mit den aktuellen Fragen vertraut. So wird die Freie Jüdische Volkshochschule es jedem Besucher ermöglichen, sich mit dem praktischen Rüstzeug für die Erfordernisse des Tages anszustatten. Für die Erweiterung der allgemeinen Bildu n g sorgen Vorträge über Fragen der Kultur, Geschichte, Philosophie. Literatur und bildende Kunst. Um die Hörer über alle für ihren Ausbildungsgang erforderlichen Fragen zu beraten, hat die Freie Jüdische Volkshochschule eine „Hörerberatung“ eingerichtet. Die Sprechstunde. findet 'täglich' vormittags von 10—12 Uhr statt, auf Wunsch auch zu einer anderen Zeit. Tel.: Weidendamm 6072. Jeder Hörer muß Mitglied der Freien Jüdischen Volkshochschule sein. Der Beitrag wird in Vierteljahrsbeträgen von 1,25 RM erhoben. Der Beitrag wird beim Belegen des ersten Kurses voll angerechnet. - Anmeldungen und Hörerberatung im Büro der Freien Jüdischen Volkshochschule, Oranienburger Straße 31, Zimmer 36, öder schriftlich. . - Geschäftliche Mitteilungen. Wir machen unsere Leser auf die bekannte Speditionsfirma Wilhelm Grassow (Inh. M. und J. Peyser) aufmerksam. Diese ist Spezialistin für Inlands-, Auslands- und Uebersee- Umzüge, betreibt ein internationales Speditionsgeschäft und befaßt sich gleichzeitig mit Möbellagerung. Wer also einen Spediteur benötigt, tut gut daran, sich an: Wilhelm Grassow, Berlin-Reinickendorf, Marktstraße 10—11, zu wenden. * Optik, Photo. Unseren Lesern empfiehlt sich die Firma Max Riegel (Mitglied des iüd. Handwerker-Vereins), Berlin W 15. Pariser Straße 28—29, am Olivaer Platz. * Das Spezialhaus „Möbeltransport Merkur“ (Inh. Leopold Abraham) empfiehlt sich unseren Lesern für Auftragsvergebungen. Die Firma führt als Spezialität Transporte nach Frankreich und Palästina aus, befaßt sich mit Möbellagerung und arbeitet zu zeitgemäßen Preisen. Wer fachmännisch be- «- dient sein .will, wer auf sorgfältige Erledigung seiner Aufträge Wert legt, der wende sich an „Möbeltransport Merkur“. Berlin N4, Invalidenstraße 100. Die Conditorei „Krische am Knie“ empfiehlt sich unseren . Lesern. Sie' liefert feinste Conditoreiwaren, bietet einen angenehmen Aufenthalt, bringt gut gepflegte Biere’ zum Ausschank und nimmt zeitgemäße Preise. Das lockende Ziel für alle sei von nun ab die Conditorei „Krische am Knie“, Charlottenburg, Hardenbergstraße la. * Eine bestrenommierte Spezialfirma für Möbeltransporte nach dem In- und Ausland ist das Haus „Neumann & Schneider", Internationale Spedition, Speicherei, Verpackung, Versicherung, alles was ins Fach schlägt, wird von der Firma sorgfältigst erledigt. Vergessen Sie also nicht: Neumann & Schneider, Berlin SW 68, Oranienstraße 117—118. Kennen Sie schon die Konditorei „Zum Wiener“? Wenn nicht, so beachten Sie bitte folgendes: Butter- und Wasserbarches, sämtliche Konditoreiwaren in reiner Butter, besonders schmackhafte Brotsorten und Brötchen, alles dies beziehen Sie dort. Dazu im Caie ein angenehmer Aufenthalt, Zeitungsauslage, Spiel- und Vereinszimmer. Zögern Sie nicht, die Konditorei „Zum Wiener“, Berlin S 14, Kommandantenstraße 44 a und die Filiale Berlin W, Majtin-Lutherstraße 91, aufzusuchen.; * Eine Sommerreise antreten und keinen fachmännischen Rat einholen, das ist unvernünftig. Seien Sie also klug, gehen Sie zum „Reisebüro für Polen“, holen Sie sich dort Rat und dann erst reisen Sie. Sie erhalten Fahrkarten nach allen Ländern zu amtlichen Preisen, man besorgt Ihnen das Einreisevisum, und so sollten Sie sich ständig erinnern an das „Reisebüro iiir Polen“, Berlin W 62, Kleiststraße 6. * Ausbildung in allen Zweigen der Kosmetik, Manicure und Pedicure für Damen jeden Berufes. Der Zeit entsprechend niedriges Honorar. Kursusbeginn jederzeit. Anmeldungen bei Frau Lina Brotzen, Bayerischer Platz 6 (B6 Cornelius, 1140). Ratten, Mäuse, Schwaben und dergleichen gehören zu den Gästen, die man lieber gehen als kommen sieht. Deshalb wird jeder Hausvater und jede Hausfrau gut daran tun, sich an einen wirklichen Fachmann zu wenden, der imstande ist, diesen unerbetenen Mitbewohnern das Lebenslicht auszublasen. Wie er heißt, und wo er wohnt? Kammerjäger Kurt Seelig. Berlin W50, Prager Str. 31. * Durch die Narag- Classic-Heizung werden unsere Wohnungen gesunde Heimstätten. Wo man sie benutzt — und das geschieht schon sehr viel, denn einganz Teil unserer neuzeitlichen Siedlungen ist bereits damit versehen — da ist der Winter seiner Schrecken entkleidet, da weiß man wieder, was ein Winter ist, in dem das Familienleben in wannen Zimmern seine schönsten und freundlichsten Blüten entfaltet. Ging auch ein Winter wieder zu Ende, die Heizfrage ist damit nicht aus , der Welt geschafft — sie tritt in' wenigen Monaten wieder vor uns hin. Glücklich das Haus und die Hausmutter, die dann den'Sommer benutzen konnte, sich einen Na rag-Ofen mit den dazugehörigen Classic-Radiatoren in ihrer Wohnung aufsteilen zu lassen und die dann auch einem warmen gemütlichen Winter entgegengeht. (Wir verweisen auf das Inserat der. Firma Wilhelm B r a u e r, Zentralheizungen und sanitäre Anlagen, Lankwitz-Süd, Blankenhainer Straße 17.) Gaststätten Konditorei Adler Inhaber: Sigmund Adler Berlin W<2, Bayreufher Sfr. 35 am Wittenoergplatz Täglich frische Kuchen, Torten, Dessertstücke Wiener Spezialitäten Bunte SGhüsseln, Div. Sprudel Eisbomben nach Wahl Stück ä 6,50 Mk. (1 Liter) Ucste!lüngs-Annahme:\J1 Bismarck 183 rür Gästo: B & Barbarossa 6154 Lieferung frei Hajus CONDITOREI — CAF£ RESTAURANT PHILIPP HEFTER Wittenbergplatz 3 Tel.; B 4 Bavaria 7602<560Q I. Etage VereinsrSume Br.U.O.B.B. In denen Sie sich wohl fühlen .... 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