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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-08-01 · 9 (1.8.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
9 (1.8.1933)
Date
1933-08-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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In diesem Jahre hat der Neunte Ab erhöhte Bedeutung gewonnen. Oie zweimalige Zerstörung Jerusalems durch Babylonier und Römer und'die Erinnerung daran, daß sich am 9. Ab des Jahres 1492 das Geschick unserer spanischen Bruder vollzog, wird im eigenen Leid lebendig. Es ist sehr ■ eigenartig, daß der fünfte Monat, mag auch der Ursprung des Wortes ein ganz anderer sein, dem Begriff „Vater" in der heiligen Sprache lautlich entspricht. Der Monat Ab ist ein Vater geworden: mit sei- . nen Ergebnissen an Niedergang und Zerstörung war er für uns oft genug Erzeuger unbeirrbaren Lebenswillens und Beginn neuen Frühlings, neuer Blüte und fruchtbarer Arbeit. Es ist nicht einzusehen, warum diese Tradition jetzt aufhören soll. Denken wir auch daran, daß die Alten den Monat Ab „Mcnachem", den Tröster, genannt. haben. Jedes Un- . glück, wenn es nicht die Folge alleiniger Schuld ist, birgt in sich die dem Himmel verwandte und entstammte' Süßigkeit des Trostes. Die jüdische Gemeinschaft wird sich auch diesmal in einer Selbsterweckung, die' gleich dem Gesetz von Ursache und Wirkung bestimmt eintritt, in allen Ehren vor Welt und Menschen sammeln und aufrichten. Darum schließen wir, seit jeher das Buch der Klagelieder mit dem wahrhaft erhebenden Wort, das würdig befunden wurde, vor der geschlossenen Heiligen Lade gesungen zu werden, wenn wir die Thora an ihre Ruhestätte geleiten und den Vorhang über sie decken: „Führe uns zurück, Ewiger, zu Dir, wir wollen zurückkehren! Erneuere unsere Tage wie einst!“ Wie wir das kostbarste Gut, die Thora, doppelt bergen und-, schützen, so möge uns dieser Neunte Ab ein doppeltes Gut bringen und nie verlieren lassen: die Elemente der Neuschaffung und des vollen, erquickenden Trostes. Rabbiner, Dr. Martin S a 1 o m o n s k I. chinesische Ueistesurt bekommen, Tidcr Kinder reindeutscher Eltern, die in Chile 'von einer eingeborenen Amme genährt werden, den . chilenischen Rassetyp. Man sieht daraus, was Klima, Landschaft, Kulturmilieu und persönlicher Verkehr für eine bildende assimilierende Wirkung hat,- was für die Rassenfrage bei den Juden in Deutschland nie in Betracht gezogen wird. Die seit Generationen Eingeborenen sind wirklich gründlich eingedeutscht.“ „ „Wollte man für Rasse und VolksKÜedschaft den Ursprung allein im Blute suchen“, fährt Müller fort, so ..könnte man ja durch Bluttransfusion .aufnorden*. Der ganze Leib ist GcfäB, Träger und Organ des menschlichen Wesens, seiner Art und Anlage; aber die Seele ist es, die den Körper baut.“ Eine sehr deutliche Absage an die Rassenlehre, in der Tat; und überdies eine Art der Darstellung, der das große Verdienst zukommt, den Glauben an Rasse und Blut als Materialismus aufzudecken, dem die idealistische Auffassung von der wesensbildenden Macht der Seele gegenübergestellt wird. * Ist aber die Rassentheorie falsch, so auch die sich auf sie gründende Beurteilung der Juden: „Seitdem die Juden im 18. Jahrhundert ihre abgesonderte nationale und kulturelle Existenz im westlichen Europa aufgeben konnten.'sind sic nicht mehr Fremdlinge in Deutschland, sondern eingebürgerte Volksgenossen, die bfoQ einer besonderen Koniession » ' angthören. Seit Generationen schon ist Deutschland ihr.Vaterland, idP di i.ni». ipi.ri iiiiliWtei i*l i;enheif jdeutsdne Waldung und Kultur ihr! persönlicher {Besitz, Bestand und Leben. Die deutsche Not ist ihre Bedrängnis“ das :ni. ... ' esttz. deutsche Schicksal ihr nationales Leiden. Und die deutsche Sehnsucht erfüllt sie genau so wie die anderen Mitbürger mehr oder weniger, ihre Arbeit, ihr Vermögen, ihre persönliche und berufliche Tüchtigkeit gehört ihrem deutschen Volk. Im Krieg und Frieden haben sie ihm gedient und Opfer gebracht. ' Unter welchen Rechtstiteln, aus welchem Grunde verfemt und degradiert man sie jetzt zu Staatsbürgern zweiter Ordnung und minderen Rechts? Was berechtigt die Ausnahmegesetze und Maß-, regeln, denen sie jetzt unterworfen werden? Daß sic der Abstammung nach keine Arier sind, beeinträchtigt doch nicht ihr deutsches Wesen, sondern gibt ihnen höchstens einen anderen Einschlag in-der Anlage und Verfassung. So wie sie körperlich bis auf geringe Merkmale ganz {eingedeutscht sind — wie andere gleicher Rasse romanisiert und anglisiert sind —. sind sie es auch seelisch. Ich habe noch nie eine Spur von dem magischen Seelen- . tum bei ihnen entdeckt, das der semitisch-arabischen Kultur cigcn- - tümlich ist. Dagegen haben sie eine Menge deutscher Kulturträger seit dem Jahrhundert .ihrer 7Assimilation gestellt, die ihr Verwachsensein, mit deutschem Wesen und ihre Ebenbürtigkeit mit den anderen Volksgenossen beweisen. Ja, in der Zeit des Zerfalls der Ehen und der Zersetzung der Familien sind sie es weithin.• die das deutsche Familienleben bewahrt haben und mit' in die neue Zeit hinüber retten halfen. Ich will nicht aufführen, was man ihncti altes -vorwirft, jedenfalls was auch immer: nicht alle Juden sind solche, sondern höchstens eine Minderheit. Und diese ist es nicht allein, welche die Nation schädigt, sondern hat im ganzen deutschen Volke Genossen -genug, die ihnen gleichen und denselben Schaden anrichten. Unter solchen ^Umständen ist es doch nur allein gerecht und notwendig.“ wirksam" und durchgreifend, daß man grundsätzlich eine unsachliche Behandlung aller Volksschäden ausschließt, und bei dieser Reinigung und Heilung ebensowenig nach Herkunft. Stand und Namen fragt, wie überall in der Gesetzgebung und vor Gericht. Man gehe rein und absolut sachlich vor! .... Denn sonst Übersicht man nur zu leicht die Masse derer, die ebenso beteiligt und -schuldig'sind, aber zum Abschaum germanischer Rasse gehören. . Reiche Haltung und Verfahren allein ist deutsche Art.*' * urteile,' erwarten, daß ich alle meine Erfahrungen und Beobachtungen verleugne. Aber der von mir verworfene Antisemitismus kann mich wohl davon abhalten, der NSDAP beizutreten, aber niemals daran hindern, die nationale Revolution mit Freude zu begrüßen und ihr bei der Erneuerung des deutschen Volkes, der ja mein Herz und Werk gilt, beirustehen. so wie ich dem, was sie erstrebt, schon immer gedient habe. L'nd ich bin überzeugt, daß die meisten meiner jüdischen Freunde genau so stebeu.“ Ist das alles, so fragen wir. Opposition gegen Deutsch* land?* Nein, o nein. Aber -es ist genau das, was auch wir deutsclifühlenden Juden unserem Vaterlande in diesen Tagen immer wieder zurufen. Auch von uns wird niemand erwarten, daß wir jemals wünschen würden, der NSDAP beitreten zu können — die Partei und jeder deutsche Mann müßten uns ja verachten, wenn wir auf solche Gedanken gerieten — und dennoch wissen wir uns als Nicht-Opposition, als Nicht-Außenseiter. als „aufbauwillige Kräfte“ in diesem unserm deutschen Vaterlande. Und diese Kräfte sollte das Vaterland nicht -verwerfen, es sollte, wie Johannes Müller sagt, nicht ..operieren“, und „ausschneiden“. denn: „Jedenfalls können wii* doch nicht Menschen, die durch Generationen hindurch im deutschen Volke verwurzelt sind, die kein anderes Vaterland, keine andere Muttersprache und kein anderes Gemüt und Wesen haben als das deutsche Gemüt und die deutsche Art. in die seit dem Mittelalter die Schicksalsaussaat Gottes und das faustische Seelentum. wie es aus deutschen Dichtern und Helden sprach, ebenso eingegangen ist wie in uns, die ebenso mitgelitten haben in der Not des deutschen Volkes und ebenso wieder aufgebaut und überall mitgearbeitet haben wie wir anderen — wir können doch solche mit uns verwachsenen, zum großen Teil auch blutsverwandte und verschwägerte, durch persönliche Gemeinschaft verbundene Volksgenossen nicht ausschließcn. in ein soziales Ghetto sperren und sie als minderwertig geduldete Eindringlinge behandeln. Das hält der Volkskörper einfach nicht aus. Und nun solche Schwächung gerade jetzt, wo wir alle Kräfte ,zur Erneuerung brauchen!“ Der Leser der MüUerschen Schrift sieht aus jeder Zeile: um Deutschlands willen wird dies alles geschrieben und gesagt. Und damit geraten wir'an jenen Punkt, von dem wir glauben, daß an ihm der Ausweg in die Freiheit beginnt. * Deutschland hat ja in der Tat etwas ganz Merkwürdiges mit uns Juden und durch seine Judengesetzgebung gemacht. Es sucht, getreu der Lehre vom totalitären Staat, sich alles gleichzuschalten: die Gleichschaltung ist ja geradezu die Ueberträgung dieser neuen Staatstheorie in die Praxis, und sie sucht, entweder die Organisationen oder — wo dies Professor Dr. N a t h a n S t e i n, Präsident des Oberrates der Israeliten Badens. Die Säuberung der Bibliotheken.. Wie der „Amtliche Preußische Pressedienst“ mitteilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in einem an die Universitäts-, Hochschul- und Akademiebibliotheken gerichteten Runderlaß darauf hingewiesen, daß für die wissenschaftlichen Bibliotheken die Beschlagnahme oder Vernichtung jüdischer oder marxistischer Literatur nicht in Frage kommt. Der Ausleihung dieser Literatur ist aber in Zukunft besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie darf nur noch erfolgen, wenn der Entleiher den Nachweis führt, daß er die Bücher zu ernster wissenschaftlicher Forschungsarbeit benötig! *. Anstellung ausländischer Rabbiner. Der preußische Kultusminister hat im Einvernehmen mit - dem preußischen Innenminister unter Aufhebung älterer ’ Bestimmungen verfügt, daß über Anträge auf Erteilung der Genehmigung zur Anstellung ausländischer Juden als Rabbiner oder Synagogen-Beamten von jetzt an der Regierungspräsident in Berlin der Polizeipräsident, zu entscheiden hat. Wenn diese Stellen beabsichtigten, die Genehmigung zu erteilen, so ist dem Kultusminister vorher zu berichten. Das alles ist uns gewiß aus dem Herzen :geredet: docli wären die Ausführungen dieses tapferen Mannes nicht hinreichend gewürdigt, sähe man in ihnen nichts weiter als ein erfreuliches Zeichen von Zivilcourage. Nein, wenn wir hier uns mit ihm beschäftigen müssen, so ist es nicht allein wegen unsrer Dankesschuld dafür, daß er mit unerschrockenem Bekennermut gegen die Rassentheorie und für die Gleichberechtigung der Juden eintritt. sondern es geschieht deshalb, weil dieser Kampier für Deutschtum und Christentum im Grunde genommen ja gar nicht — oppositionell zur heutigen Regierung— für uns Juden eintritt. sondern: für den heutigen Staat. Und dennoch solche Kritik in Sachen der Rassen- und Judenfrage? Ja wohl: docli lassen wir zu diesem entscheidenden Punkte noch einmal ihn selber sprechen: ■;_..S» wird z. B. niemand von mir. der ich schon vor 411 Jahren Vorträge zur Verständigung zwischen Juden und Christen gegen den Antisemitismus gehalten habe, der ich die leidenschaftliche, nachgerade unglückliche Liebe vieler Juden zu Deutschland und seiner Kultur persönlich kenne, der ich mich wochenlang in jüdi- ~ sehen Familien jjaheimi gefühlt urfd nie etwas Undeutsches bemerkt habe! der ielt ihre Ausschaltung beim Wiederaufbau Deutschlands für einen groüen Verlust halte und ihre Beschuldigung als Flucht vor der Erkenntnis der eigenen Schuld und Schwäche he- Deutsdies und reindeutsdies Erzeugnis. Wie die „Deutsche Bergwerks-Zeitung“ (Düsseldorf) vom 25. Juli mitteilt, hat das Einigungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten bei der Industrie- und Handelskammer zu Berlin ein Gutachten erstattet, in dem zunächst Bezug genommen wird auf ein früheres Gutachten der gleichen Stelle vom 8. Mai 1933. Es heißt dann: „Diese gutachtliche Aeußerung konnte infolge der Einschränkung der dem Einigungsamt vorgelegten Frage auf das Herstellungsmaterial (Rohstoffe und Halbfabrikate) nicht auch auf die Beantwortung der Frage ausgedehnt werden. ob die genannte Bezeichnung auch' dann zulässig erscheint, wenn der Inhaber des die Erzeugnisse herstellenden Betriebes Jude ist. Diese Frage ist dem Einigungsamt nunmehr vorgelegt worden. Das Gutachten vom 8. Mai 1933 wird daher wie folgt ergänzt: Ein Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz liegt in solchen Fällen nicht vor, da die Bezeichnung sich nicht als unwahr im Sinne des S 3 UWG. darstellt, wenn die Erzeugung durch deutsche (arische) Arbeitskräfte erfolgt. Die Bezeichnung ..deutsches Erzeugnis“ oder „rein deutsches Erzeugnis“ bezieht sich lediglich auf die Ware und auf diejenigen Personen, die an der Herstellung arbeiten, also auf die deutschen Arbeiter nicht möglich und die Organisationen deshalb aufgelöst werden — die Einzelpersonen zu erfassen. Noch neulich äußerte ein nationalsozialistischer Reichstagsabgeordneter, das neue Deutschland wolle allen Volksgenossen die Hand reichen, und Aelinliehes ist früher oft gesagt worden. Aber zur selben Zeit, da alle Parteien und Sondergruppen der Auflösung verfallen, alle Individuen eingeordnet werden, zur selben Zeit errichtet man geradezu — durch Einführung des Begriffes ..Nichtarier" in die deutsche Gesetzgebung — die Gruppe derer, die sich aui Grund der Rassenlehre als Individuen nicht einorducn und als Gruppe weder einordnen noch auflösen lassen. Denn selbst wenn es keine' Rellgionsgemeinden und sonstige jüdische Organisationen kultureller oder charitativer Art mehr gäbe, so bildeten wir immer noch die deutlich bestimmbare Sondergruppe derer, die als „Nichtarier“ unabänderlich außerhalb der übrigen Reichsangehörigen stehen!, und die ferner, das muß betont werden, in dieser Gruppe überhaupt nicht als Juden und deshalb sehr gegen ihren Willen, ganz allein nur durch die Staatsmacht zusammengesehlosseu sind, denn: diese Gruppe der Nichtarier ist nach ihrem Wesen und sogar nach ihrer. Personenzusammensetzung — man denke au das dazugehörige Groteskgebilde der „nichtarischen Christen" — etwas völlig anderes als unsere jüdische Religionsgemeinschaft. * ln diese — scheinbar ausweglose — Zwickmühle hat uns das neue Deutschland von dem ersten Tage an gebracht, nachdem es begonnen hatte, die Positionen auf dem Brett zu besetzen. Handelte es sich wirklich nur um ein harmloses Mühle-, spiel, wir könnten sagen, daß es doch weitaus reizvoller ist, die mit uns gespielte Partie nicht gleich, bei Beginn auffliegen zu lassen. Aber hier ist kein Spiel, hier geht es für uns um unsere Existenz in Deutschland und, da wir eine andere Existenz nicht haben, um unsere Existenz überhaupt. So gilt es also, immer wieder zu beweisen, daß Deutschland sich irrt, wenn es glaubt, die Eliminierung der Juden bedeute für das deutsche Volk einen Aufschwung. „Warum ruft man nicht lieber die Bekenner der jüdischen Religion zur Beteiligung an der nationalen Revolution auf und gewinnt sie durch Gleichschaltung zur fruchtbaren Mitarbeit, wo man doch in der Bewegung vielleicht so manchen hat. der seine Brauchbarkeit für besondere Aufgaben, ohne es zu ahnen, einem semitischen Einschlag in seinem Blute verdankt?" Auch diese Worte stehen bei Johannes Müller und sollten wie all seine anderen Ausführungen nachdenklich stimmen. Denn eines ist gewiß: der Wille zu fruchtbarer Mitarbeit ist in den deutschen Juden unvermindert wach; daß .sie dieser Mitarbeit für unwert gehalten werden, das ist's, was ihnen zu allem materiell Schweren das große Seelenleid bereitet. Wie sehr gerade bei uns Juden . der ererbte religiöse Sinn den nationalen Opferwjllen wachruten kann, das mag zum Schlüsse dieser Ausführungen eine Briefstelle zeigen, die nur von ganz Verhärteten,- allem Edlen Verschlossenen als „würdelose Anbiederung“ empfunden werden kann, in Wahrheit aber Ausdruck lener vom Geiste des; Judentums gelehrten Erhebung über das Leben ist. die sich in herbstem Erleben bewährt. Eine Jüdin und Sozi al demokrat in,, so teilt Johannes Müller mit. hat nach Elmau an eine Freundin geschrieben: „In unserem Deutschland geschieht Schweres und zugleich Großes, das ich restlos anerkenne. Eines Jahrhunderts Traum, die wahre .Einheit, will Erfüllung werden. Am Ende kommt es wirklich nicht darauf an, daß wir die Kosten tragen. Ich kann nicht anders, als in allem Leid deutsch und staatsbürgerlich zu empfinden und vor allem geschichtlich zu denken.“ Das neue Deutschland will uns von dem Brett des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Spiels entfernen, und die Situation ist wohl so, daß wir von seiner Macht abhängen. Aber nicht nur von seiner Macht: auch von seiner Einsicht. - Elfte Bemeinschalt, dte vom' Leid nidit in I VerzweifltTns?,'t¥i~' Verbitterung und seelische Niederungen gerissen, nein vielmehr emporgerissen wird in Höhen, in denen solch wahrhaft beflügelte Bekenntnisse erstehen, eine solche Gemeinschaft wird im Spiel des Lebens ihren Platz erhalten. Heute sind wir ausweglos umstellt, und mancher fragt: Wo bleiben wir? . Nun. örtlich und seelisch: in Deutschland. Deutschland selbst wird das wollen. und Angestellten. Sie besagt nichts über den Verkäufer der Ware. Ein Erzeugnis, das in Deutschland von deutschen Arbeitskräften hergestellt wird, ist ein deutsches Erzeugnis und kann diese Eigenschaft nicht’ dadurch verlieren, daß es von einem Nichtarier vertrieben wird. Aus den angeführten Gründen ergibt sich gleichzeitig die Beantwortung der Frage, ob die genannte Bezeichnung auch bei Verwendung jüdischen oder ausländischen Kapitals als einem maßgeblichen Faktor zur Herstellung einer Ware zulässig ist Es ist nach dem vorher Gesagten unerheblich, ob ein Teil des Erlöses in jüdischen oder ausländischen Besitz übergeht Einer Ware, die von deutschen Arbeitskräften her-. gestellt worden ist, kann die Bezeichnung „deutsches Erzeugnis“ oder „rein deutsches Erzeugnis“ nicht deshalb verweigert werden, weil das Herstellungsmaterial und die deutschen Arbeitskräfte mit jüdischem oder ausländischem Kapital bezahlt worden sind und ein Teil des Erlöses in jüdischen oder ausländischen Besitz übergeht“ : James Loebs- Testament. Wie die Eröffnung des Testaments des im Mai d. J. in Mumau verstorbenen großen jüdischen Philanthropen und ehemaligen Mitinhabers der Bankfirma Kuhn, Loeb & Co., James. Loeb, ergab, hat der Verstorbene der Münchener Forschungsanstalt für Psychiatrie eine Million Dollar vermacht Ferner wurde der Gemeinde Mumau eine Stiftung von 20 000 Dollar für notleidende Einwohner gemacht Das Museum für Kleinkunst in München erhielt eine wertvolle Kunstsammlung. Die Stradivari-Geige, die einst Eigentum Paganinis war, hat Loeb dem Münchener Kammermusiker Hösl hinterlassen. Ferner bestimmte er zwei Millionen Dollar für Wohlfahrtsanstalten in Deutschland und Amerika. 25 000 Dollar hat er dem Jüdischen Schwesternheim in Hamburg hinterlassen. Präsident Masaryk über den Antisemitismus. Präsident Masaryk empfing am 15. Juli eine Deputation der Brünner israelitischen Kultusgemeinde, mit der er ein Gespräch über die Lage der Juden in der Welt und in der Tschechoslowakei führte. Präsident Masaryk erklärte, man brauche absolut nicht zu befürchten, daß die Welle des Antisemitismus auf die Tschechoslowakei übergreifen werde. Ferner erklärte der Präsident, er hoffe, daß die Annäherung_zwischen den Juden und den Völkern der Tschechoslowakei immer enger werden würde. LINOLEUM einfarbig und gemustert F.STOEHR für Zimmer,Treppen, Läden, Korridore u. Küchen Münzstraße 17 Größtes Lager im Zentrum — Kostenanschläge gratis Telefon: E 1 Berolina 1266

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