Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 8 (15.7.1933)
- Date
- 1933-07-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ungeheuer „praktisch" diese Arbeit sein kann, wenn sie nicht von der nötigen Ideologie, oder sagen wir besser: von der theoretischen Einsicht und Erkenntnis geleitet wird. Der Streit um Vaterland und Zukumt ist nicht nur nicht überflüssig, sondern es zeigt sich, dal! wenn in den leitenden Stellen Leute sitzen, die darüber verkehrte Ansichten haben, sofort auch Verkehrtes getan wird. j ’ Es wurde vorhin gesagt, die zentrale, an Wichtigkeit alles überragende Aufgabe sei die konstruktive Wirtschaftshilfefür die Juden in Deutschland, weil, wie [mehr und mehr erkannt wird, die weitaus meisten der 56Ü00U Juden in Deutschland verbleiben müssen, wollen und werden. Das trifft nicht nur lür die Erwachseiicngeiieration zu, sondern ganz ebenso für die Jugend. Sie ui u li iu Deutschland verbleiben, denn es ist völlig ausgeschlossen, dal! iür die fOÜUÜ jungen Juden, die alljährlich von den-Schulen in! die Berufe strömen, in den von Arbeitslosigkeit hart bedrängten Ländern der Erde Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden könnten (vgl. hierzu den Auisatz „Emigranten" in Nr. 6 und „Le Juli errant ä-Paris" in der vurigeu Nummer). Die jüdische Jugend will aber auch in Deutschland verbleiben, denn wie die ebenfalls in voriger Nummer' wiedcrgegebeiteit Berichte über Jugendtagungen zeigen, ist unsere jüdische Jugend in Deutschland — weitab von aller zionistischen Verbohrtheit — mit deutschem Vaterland und Volk nicht weniger verbunden als irgendeine der voraugegangenen Generationen auch, und ist entschlossen, trotz allem jüngst Erlebten, hier um|den Platz an der Sonne, um Lebeusuiöglichkeit, Ehre und Freiheit zu kämpfen. Diese tiesinnung unserer Jugend ist nicht nur aus allgemeinen Gründen zu begrülien, weil sie uns zeigt, daß in der grundsätzlichen und entscheidendsten Frage der deutschen Juden Einigkeit zwischen Jung, und | Alt besteht, sondern sie ist auch-von eminent praktischer, ^volkswirtschaftlicher Bedeutung. Denn es ist ein altes und unumstößliches Gesetz, daß eine-Gemeinschaft, der der Nachwuchs fehlt, zum Untergang, und zwar zum qualvollen Untergang verurteilt ist Und das kann nur von denen verkannt werden, die selber derart in „Ideologien“ eingesponnen ” sind; daß sie darüber die nüchternsten Tatsachen und Naturgesetzlichkeiten vergessen. Anders jedenfalls kann es iücht erklärt werden, daß ein Mann, dessen Wirken von denen, die ihn kennen, nie für segenvoll gehalten wurde, der es aber dennoch verstanden hat, auf Umwegen'einen, maßgeblichen Einfluß zu'gewinnen, jm Auslande die Parole aüsgegeben hat, die von den Hilfsstellen ■gesammelten Mittel nicht nach Deutschland zu geben, sondern sie dazu zu benutzen, daß die deütschjüdische Jugend im Auslande ihre Berufsausbildung erhalte! j Wir möchten nicht mißverstanden werden: der betreffende Herr hat bisher kein Unheil Anrichten können, denn all die Sammlungsaktionen befinden sich ja noch im ersten Anfangsstadium, und es wurde' schon gesagt, daß auswärtige Gelder bisher noch gar nicht verfügbar waren. Aber sie werden doch nun hoffentlich bald verfügbar sein, und da kann nicht Scharf genug gegen jene Anmaßung protestiert werden, mit jder ein „Vertreter“ der deutschen Juden, noch dazu einer von jenen, die immer behaupten, keine Zionisten sondern Vertreter der deutschjüdischen Richtung zu sein, planmäßig die Aussiedlung der jüdischen Jugend betreibt Wer solche Anweisungen erteilt, dessen Gesinnung kann man nicht anders denn als Deutschtum auf Abbruch bezeichnen, und die deutsche Judenheit lehnt es ab, in ihm einen ihrer Vertreter zu sehen. Wer solche Anweisungen erteilt, dem fehlt es aber außerdem an jenem primitivsten Verständnis für volkswirtschaftliche Dinge, das für die Mitarbeit in den jüdischen Hilfsstellen unerläßliche Vorbedingung ist. Denn es darf, wie in diesen Tagen noch Direktor Heinrich Stahl auf einem der Berliner Gemeindeabende ausfübrte, nicht dahin kommen, daß |die jetzige Erwachsenengeneration in das Greisenalter hineinwächst, der Nachwuchs aber fehlt. Würde die Jugend systematisch dazu angehalten werden, ihre Ausbildung inr Auslände zu suchen; so würde ihr bald die Verbindung, jedenfalls die ^virtschaftliche Verbindung mit der Heimat fehlen,' die deutsene Judenheit stünde ohne kräftigen 'Mannesstamm und auch oline Frauen, d. h. ohne die Träger der .Familie und der wirtschaftlichen Existenz da, nur Alte und Gebrechliche ~ würden Zurückbleiben, eine immer weitergehende wirtschaftliche Ausmergelung, die gänzliche Pauperisierung wäre die Folge, und es würde ein qualvolles Dahinsiechen vor dem gänzlichen Untergang sein. Wenn solche Pläne einer systematischen Aussiedlung von antisemitischer Seite lieuf erwogen werden, wie es jüngst in gewissen Veröffentlichungen geschah; so wundernl wir uns nicht; wenn aber Juden solche Pläne vertreten, so müssen sie von jeder öffentlichen .Wirksamkeit ferngehalten werden. Wie wir ganz allgemein um unser Heimatrecht kämpfen, so wünschen wir auch, daß unsere Jugend mit allen ihren Kräften und den daran sich knüpfenden praktischen Hoffnungen uns erhalten bleibe. Das jgroße Werk der Berufsumschichtung, von dem die Berufsausbildung der Jugend der wichtigste Teil ist, muß hier in Deu(schland durchgeführt werden; wie inan, früher; für. die Ausbildung von Akademikern Stipendien bereitstellte, so muß dies heute für die Heranbildung von jüdischen Handwerkern und Siedlern geschehen. Die Ausbildung in Deutschland wird mit| weniger Kosten verknüpft sein, als wenn die Jugendlichen im Auslände leben müssen, ihre Kräfte bleiben uns erhalten, si'e wachsen auf organische Weise in die jetzige jüdische Erwaclfsenengeneration hinein, die deutsche Judenheit wird aus j ihrer jetzigen anormalen . Berufsstruktur herauskommen und sich in das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft auf natürliche Weise einordnen. Dies ist das klare Ziel, das jedem von uns unverrückbar vor Augen stehen muß. Und wenn es [wahr ist, daß altjüdischer Opfersinn — wie noch in allen den vielen Leidensepochen jüdischer Geschichte — so auch jetzt sich bei unseren Glaubensbrüdera in allen Ländern so beglückend bewährt, wenn es wahr ist, daß Mittel zur Erhaltung unserer Wirtschaftlichen Existenz und für unser». heiligen Emanzipationskampf in so .reichem Maße' uns zur Verfügung gestellt werden sollen —: hierzu müssen sie verwandt werden! an uns müssen sie gelangen und hier müssen sie bleiben.. Interessantes aus der Wirtschaft. Zur Lage der sächsischen Textilindustrie. « Aus Chemnitz berichtet man uns: Der Geschäftsgang am S tof f ha n ds cli uh m a r k t war im Export erireulich lebhafter geworden, ist aber in den jüngsten Wochen wieder stark abgeflaut: Die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Dollarkurses wirkt lähmend, die Bestellungen iür Herbst- und Winterware lassen noch auf sich warten. Das Geschäft mit England wickelt sich, wie bisher,.auf kleinster Grundlage ab. Die Preise befriedigen nach wie vor nicht, es scheint aber, daß die verlangten Qualitäten sich langsam etwas heben wollen. Bevorzugt werden Phantasiehandschuhe. Das Inlandgeschüft hält sich noch immer im engsten Rahmen, die Aufträge sind recht bescheiden im Vergleich zu den Ziffern, welche etwa im amerikanischen Geschäft üblich sind; immerhin ist eine gewisse Belebung dadurch erfolgt, daß das Tragen von Handschuhen gegen früher wieder etwas mehr in Mode gekommen ist. In der Trikotagenindustrie schien das Geschäft zunächst kurz nach Pfingsten etwas abzuflauen. Infolge der anziehenden Baumwollpreise sah sich die Kundschaft jedoch in. den folgenden Wochen veranlaßt, neue Bestellungen aufzugeben, so daß der Auftragseingang in diesem Monat doch noch als zufriedenstellend bezeichnet werden kann. Für Winterartikel sind bisher nur ganz vereinzelt Aufträge hereingekommen. In der Kunstseidenindustrie ist der Ordereingang in Sommerwaren gut gewesen, so daß teilweise in mehreren Schichten gearbeitet wird. . ‘ . *" Victoria-Versicherung. Neben angemessenen Abschreibungen^ ermöglichten die Abschlüsse für das Geschäftsjahr 1932 über den rechnungsmäßigen Bedarf hinaus besondere Rückstellungen. Diese Rückstellungen betragen bei der Victoria zu Berlin, Allgemeine Versicherungs-A.-G. (Lebens- und Unfall-Versicherung) 6,6 Millionen RM. Die festen Vermögensanlagen dieser Gesellschaft (ohne das Aufwertungsvermögen) wuchsen im Berichtsjahre um 21,1 Millionen RM. Die Ungunst der Zeiten ließ auch bei der Victoria den Lebens-Versicherungsbestand zurückgehen, aber, abgesehen von den Aufwertungs-Versicherungen, nur um 64 Millionen RM bei einem Bestand von über 1 Milliarde. Nach dem Bericht des Vorstandes entfällt dieser Rückgang fast in vollem Umfang auf das deutsche Geschäft. Die Dividendensätze für die Versicherten konnten auf derselben Höhe wie im Vorjahr gehalten werden. Von dem Ueberschuß von 9,4 Millionen RM werden den in der Lebensversicherung mit Gewinnbeteiligung Versicherten 8,7 Millionen zugewiesen; damit beläuft sich der gesamte Dividendenfonds für die Versicherten auf 45,2 Millionen RM. Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma RobertWolfers, Halensee, Kuriürstendamm 163, Tel. J 7 Hochmeister 0565, befaßt sich zur Hauptsache mit der Ausführung von Pflaster-, Asphalt - und Steinmetz arbeiten, wie Bürgersteigregulierungen, Hofbefestigungen, Balkon- und Waschküchenisolierungen und Asphaltierungen. Die Firma ist ferner in der Lage, zu günstigen Bedingungen Hypothekengelder zu beschaffen, sowie Umbauten, Wohnungsteilungen und Hausrenovierungen zu finanzieren. * ln Berlin-Hohenschönhausen, Berliner Straße 8/14, hat sich vor längerer Zeit eine Firmenschilder-Fabrik etabliert Der Inhaber, Herr Erich Kaiser, ein langjähriger Fachmann, hat es sich zur Aufgabe gestellt, in seinem Betrieb Firmenschilder, in moderner Ausführung für alle Branchen herzustellen. Außerdem führt das Unternehmen moderne Lichtreklame und Ladenbau aus. Jeder Geschäftsmann ist sich heute dessen bewußt, daß eine moderne Geschäftsreklame von größter Wichtigkeit ist. Deshalb wird er besonderen Wert darauf legen, daß die Fassade seines Betriebes eine wirksame Schilderreklame aufzuweisen hat und die Inneneinrichtung als modern anzusprechen ist 1 ■ . Außerdem betätigt sich das Unternehmen als Autolackiererei,! und es bestellt kein Zweifel, daß alle Automobilbesitzer vollauf davon befriedigt sein werden, daß die Firma „Erich Kaiser“ bei zeitgemäßen Preisen für eine erstklassige Auflackierung ihrer Wagen Gewähr bietet. Es dürfte sich empfehlen, mit dem „Schilder-Haus-Kaiser“ in Verbindung zu treten. Der Inhaber des Unternehmens wird bemüht sein, den Wünschen seiner Kundschaft vollauf gerecht zu werden. " * . Die Firma Rieh. S. Kaufmann unterhält in Wilmersdorf, Osnabrücker Straße 2/4 (an der Westfälischen Straße), eine modern ausgerüstete Tankstelle und befaßt sich weiterhin mit dem Vertrieb von Autoreifen. Das Unternehmen verfügt gleichfalls über einen Abschmierdienst und nimmt Oelwechsel vor. Wir verweisen auf die Anzeige in dieser Nummer. ' * Es dürfte für unsere Leser von Interesse seih, daß in der Altonaer Straße 5, in unmittelbarer Nähe des herrlichen Bellevue-Parkes, ein Komfortheim am 1. Oktober eröffnet wird. 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Tel.: C2 sieeiits 7036 übernimmt Rechtsvertretung und Beratung in allen Angelegenheiten. Sprechstunden: 3—7 Uhr nachmittags: auf Wunsch Konferenzen anch außerhalb des Hauses. Referenzen vorhanden. Gottesdienste Liberale Synagoge Gottesdienst Predigt Liberaler Gottesdienst Schmargendorf Altersheim Berkaer Str. 32 Sbd., 15.7., J 0.60 Uhr Frtg.,21.7., 19.00 Uhr Sbd., 22.7.. 10.00Uhr Frtg., 28.7., 19.00 Uhr Sbd., 29.7., 10.00 Uhr Brasch Jüdische Reform- Stg, 16.7., 10.00 Uhr Dr. Jelski Gemeinde Stg., 23.7., 10.00 Uhr Dr. Rosenthal Johannisstr. 16 s Stg., 30.7.. 10.00 Uhr Dr. Jelski Liberale Gottesdienste im Norden, Schönhauser Allee 162; Osten, Aula, Kaiserstraße 30 und Wesiend, Aula, Leistikowstraße 7;.sowie Gottesdienste der Jüdischen Reformgemeinde im Logenhaus. Kleiststraße 10. fallen aus. Das Jli-Programm Besuche bitten wir vorher bei den Gruppenführern anzumelden. Gruppe Westen. Führer; Heinz Kellermann. Montag, 17. Juli, 8 Uhr abends, bei Hildegard.Neümann. — Montag, 24. Juli, 8 Uhr abends, bet Heinz Kellermann. — Montag, 31. Juli, 8 Uhr abends, bei Hildegard Neumann. Thema der Heimabende: Herrmann Cohen. Religion und Sittlichkeit. Die Weltausstellung in Chicago ist eröffnet Im Anschluss an die Abfahrten der Schnelldampfer der WHITE STAR LINIE »ÖLYMPIC“ t46439t.) 26. Juli „MÄJESTIC“ (56621 T.) 2. Aug. bieten unsere Sonder- Programme eine günstige Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung- und der . > wichtigsten Städte zwischen New York und Chicago Auskunft und Prospekte durch die . WHITE STAR LINE G.m.b.H. B E R LI N W8 Unter den Linden ,3 a Telephon: AI, Jäger2668 das UNIVERSAL-Reisebüro BERLIN W8, Wilhelmsfr.89 Telephon: A 1, Jäger 2528 . - und sämtliche Reisebüros || Bienst am Aula || || Auto-Reparatur || Julius Engländer Mitglied d. JCd. 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