Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 8 (15.7.1933)
- Date
- 1933-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613479-2613487--4400-2616078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schluß mit dem inneren Hader! Der nachfolgende Aufsatz wurde uns von einer führenden jüdischen Persönlichkeit zur Verfügung gestellt. Schwere Sorge um das Wohl des deutschen Judentums hat dem Verfasser die Feder in die Hand gedrückt. Er will keinen Streit führen; aber er muß sich gegen gewisse Veröffentlichungen wenden, durch die die Einigkeit unter uns gefährdet wird. Das aber wäre das Schlimmste, wenn die verschiedenen Richtungen im Judentum durch übermäßige Betonung des eigenen Standpunktes und Herabsetzung des gegnerischen Uneinigkeit säen und dadurch unsere Position von innen heraus schwächen würden.^; Nun wird zwar von allen Seiten dauernd über die Notwendigkeit der Einmütigkeit der deutschen Juden und ihres geschlossenen Auftretens geschrieben, und man müßte demnach die Ueberzeugung gewinnen, daß dieses wirklich gewährleistet sei. Der Friede kann aber nicht' erhalten bleiben, wenn es eine Richtung gibt, die auch jetzt noch für sich in Anspruch nimmt, als die allein richtige auizutreten. Es ist im höchsten Grade bedauerlich,' daß dieser Fehler von Anhängern des Zionismus immer wieder begangen wiTd. Sie sind vielfach noch ganz in ihren alten Gedankengängen befangen und lassen immer wieder Artikel erscheinen, in denen sie selbst .als die einzigen wahren Juden dargestellt werden, allen anderen aber das Recht abgesprochen wird, ihre abweichende Meinung zu vertreten. Ihre Forderung geht dahin, daß die Juden sich ofien als Juden bezeichnen, sich ihrer Ahnen nicht schämen, sondern auf ihr Judentum stolz sein sollen. Aber das ist eine Forderung, die von allen bewußten Juden aufgestellt wird und immer auigestellt wurde. Die Zionisten haben kein Recht, den Anschein zu erwecken, als ob nur sie diese Forderung vertreten, denn man braucht nicht Nationaljude zu sein, um sich zum'.v Judentum zu bekennen und sein Bekenntnis überall und jedem gegcn^ über zii verkünden. Es ist nicht richtig, daß, wie verschiedentlich behauptet worden ist, mit dem Zusammenbrechen des politischen Liberalismus ln der deutschen Politik das religiösliberale Judentum seine Existenzberechtigung verloren habe.' Auch dieses erlegte und erlegt jedem seiner Anhänger die Pflicht auf, immer ein offener und freier, niemals ein getarnter Jude zu sein. Es wäre eine vier zu milde Beurteilung der zionistischen Verlautbarungen, wenn man darin nichts weiter erblicken würde als eine außerordentlich starke Ueberhebung. Es liegt Schlimmeres darin, und zwar.gerade das, was die Zionisten immer wieder anderen Richtungen glauben vorwerfeu zu können. Sie haben sich nie genug darin tun können, zum Ueberdruß zu wiederholen, daß der Standpunkt des Verbandes nationaldeutscher Juden darauf hinausliefe, seine Mitglieder als die allein deutschfühlenden Juden . anzupreisen und damit alle anderen als nicht hinreichend vaterländisch gesinnt zu bezeichnen. Was anderes ist es aber, wenn die Zionisten, ihrerseits .behaupten, daß das, was sie als „das offizielle deutsche Judentum“, manchmal auch so schön als „Assimilationsjudentum“ bezeichnen, seinen jüdischen Charakter verleugne, infolgedessen auch der sich mit der nationalen Revolution vollziehenden Umwandlung verständnislos gegenüberstehe und sich noch jetzt darauf beschränke zu klagen und' seine deutsche Gesinnung zu beteOern? Dem stellen'sie nun ihr'eigenes'Verhalten gegenüber, indem sie; verlangen, man müsse nicht mehr von der, verlorenen Position der Gleichberechtigung sprechen, sondern man müsse auf die Schanzen eilen, um die Position als nationale Minderheit zu verteidigen; nur das vertrage sich mit der Würde der „Judenschaft“. Mit Verlaub, meine Herren, Sie haben weder die Würde des Judentums gepachtet, noch befindet sie sich bei ihnen in guten Händen. Es ist niemandem verwehrt, seine eigene Ueher-, Zeugung "vom Wesen des Judentums für die richtige zu halten. ,Zum Vertreter der Rechte des Judentums ist aber nur derjenige berufen, der anerkennt, daß keine jüdische Richtung die allein echte und erlaubte, sondern daß jede gleichwertig ist und. daß es nur darauf ankommt, ob map seinen Standpunkt - als ein wirklicher, auf die Geschichte seines Stammes und auf die Lehre seiner Religion stolzer Volljude vertritt Es darf weder der Zionist behaupten, daß der „Assimilant“, noch der letztere, daß der „Zionist“ Verrat am Judentum begehe. Vielmehr müssen alle Juden zusämmenstehen, um den schweren Angriffen zu begegnen; denn es ist gleichgültig, ob diese von den Gegnern gegen eine Rassen- oder gegen eine Religionsgemeinschaft gerichtet werden. Vondiesem Standpunkt und damit von dem Willen zur unverbrüchlichen Zusammenarbeit aller Richtungen jm Judentum sind die Zionisten weit entiernt Sie habe^rzwar in einer Artikelreihe der „Jüdischen Rundschau“, aui die sie sehr stolz . sind, auch denjenigen Empfindungen Ausdruck gegeben, von denen angesichts der. niederschmetternden Wucht der Ereignisse alle selbstbewußten Juden ohne Unterschied beseelt sind. Das Verdienst, das sich jene Zeitung dadurch erworben hat. soll keineswegs geleugnet werden, aber es wird außerordentlich verkleinert dadurch, daß die inhaltlich und stilistisch zum Teil ausgezeichneten Darlegungen mit nicht nur geschmacklosen, sondern unverantwortlichen und in der jetzigen Zeit geradezu gefährlichen Angriffen gegen andere Richtungen durchsetzt sind, die dadurch genötigt werden, sich zu wehren und den Zionisten entgegenzutreten. Sie selbst lassen sich — trotz ihrem dauernden Rufen nach einer Einheitsfront der Juden — keine Gelegenheit entgehen, gegen die den Standpunkt der liberalen Juden aussprechenden Meinungsäußerungen aufzutreten. Weil viele Juden, denen früher der Zionismus und seine Ideologie fremd war, sich heute aus naheliegenden Gründen mit ihm befassen und sogar au eine Auswanderung nach Palästina denken, deshalb glauben die Zionisten, von einer „heutigen jüdischen Volksstiuuuuug“ reden zu können' (aus der Jüdischen Rundschau vom 7. Juli 1933, S. 31-0. die ihrer Zielsetzung günstig sei. Aus diesem Traum dürfte den Zionisten bald ein schmerzliches Erwachen zuteil werden. Sie werden alsdann gewahr werden, daß die Ucbernalime der Regierung durch die Nationalsozialisten und das. was wir seitdem erlebt haben, keineswegs geeignet ist, ihren Standpunkt zu rechtfertigen, wie es ja ganz klar ist, daß die Richtigkeit eines Standpunktes, wenn sie nicht innerlich begründet ist, durch irgendwelche äußeren Ereignisse niemals bewiesen werden kann. Wenn die Zionisten zur Rechtfertigung ihrer hauptsächlichen Grundsätze, insbesondere ihres national’üdi- ■ scheu Standpunktes weiter nichts anzuführen hätten als die Umwandlung der politischen Verhältnisse in Deutschland, so wäre es mit der Begründung ihrer Lehre schlecht bestellt. Wir wissen aber, daß sie früher durch ganz andere Argumente gestützt worden ist. Ob die letzteren richtig sind, wird weiter strittig bleiben. Sie werden von den Anhängern des Zionismus in geschickter Beweisführung verteidigt und können von den Gegnern jetzt ebenso wenig wie früher als abgetan und widerlegt hingestellt werden. Dagegen kann unmöglich jetzt die Behauptung aufgestellt werden, daß die Richtigkeit der ‘ zionistischen Lehre unabhängig von ihrer inneren Begründung sich nunmehr so aus dem Verlauf der Ereignisse ergeben habe.- Ist das aber nicht der Fall, dann steht es den Zionisten schlecht an, auf ihre Gegner hochmütig herabzusehen und sich allein als die „guten“, die anderen aber als die „schlechten“ Juden hinzustellen. Wenn man dem allgemeinen Besten dienen, wenn man in dieser furchtbaren Zeit allen Juden nützen Will, dann gibt es nur eins: seinen eigenen Standpunkt nicht in den Vordergrund zu rücken, das Trennende zurückzustellen und• nur das zu betonen, was alle Juden vereint und bindet. Das gilt für Zionisten und Liberale in gleicher Weise. Es ist der Zweck dieser, Zeilen, den oft und.an vielen- Stellen erhobenen Ruf nach Beendigung des inneren Haders und zum geschlossenen Zusammenhalten noch einmal in letzter Stunde zu wiederholen. -Ne quid detrimenti capiat res judaica. Singer-Nähmaschinen als „undeutsch“ abgelehnt. Wie die „Frankfurter Zeitung“ meldet, hat die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels den preußischen Kultusminister gebeten, für Schulen -in Zukunft nur noch deutsche Nähmaschinen zu beziehen. Dieses Verlangen richtet sich, wie ausdrücklich gesagt wird, gegen die Singer-Nähmaschinen A.-G.. die den Schulen kostenlos Nähmaschinen geliehen habe. Der deutschen Singer-Fabrik wird zum Vorwurf gemacht, daß sie Tochtergesellschaft eines amerikanischen. von Isaac Singer gegründeten Unternehmens sei. Die „Frankfurter Zeitung“ fügt hinzu, daß dem Gemeinwohl mit einer Ausschaltung der Singer A.-G.. die unter normalen Verhältnissen über 10000 deutschen Arbeitern und Angestellten Brot gebe, nicht gedient sein dürfte. Was die l.-L.Z -CHRONIK diesmal zu berichten weiß: Das siebente Knäblein.; ~j Stellen' Sie sich bitte vor, daß ein jüdisches Ehepaar trotz unser aller Wirtschuftsnöte und trotz der für uns mii Schleiern verhängten Zukunft sechs Knaben und; einem Mägdelein das Leben schenkt, so haben Sie damit; den alten, unverwüstlichen Optimismus des Judentums ad ociilos demonstriert. Erfahren'Sie weiter, daß sich der schon vorhandenen Nachkommenschaft ein achtes Baby hinzugcsclltc.i wiederum ein Knäblein und somit das siebente, so werden Sie sich uns sicherlich anschließen, wenn wir ausrufen: „Hut ah vor solchem Wagemut.“ i Wir aber, die wir still und unbeachtet unsere Tage „verbringen., müssen mit gewissem Neid feststelleu, daß solch ein Knabe — kaum geboren und noch mit.keinen anderen Leistungen behaftet, .als daß er sich eben als siebenter sechs schon vorhandenen aureibt — mit einem kühnen! Sprung in der hohen, ja sogar allerhöchsten Politik landet. Denn seine Eltern erhalten ein Schreiben des Reichspräsidenten von. tliudenburg. in dem ihnen verbunden mit den herzlichsten Glückwünschen mitgeteilt wird, daß dieser die Ehrenpatenschaft des Kindes Übernommen hat. Und es erhält außerdem! das Knäblein eine schmucke Ehrengabe des Staatsoberhauptes. Dies alles, vielleicht nicht besonders bemerkenswert im ruhigen Geplätscher vergangener Zeiten, erhält heutzutage ein nicht zu verkennendes symbolisches Gepräge. Würde mau nämlich die Frage aufwerfeu, als was der hier zitierte junge Erdenbürger geboren sei. als Deutscher oder als Landesfremder. als zukünftiger Bürger mit allen Rechten lind mit allen Pflichten, oder als Fremdstänuniger und Eindringling, so würde von unserer jüdischen Seite aus seine volle; Zugehörigkeit zu Deutschland ohne weiteres bejaht werden. Anders die Gegenseite. Sie würde das Knäblein denen zureilien; die sie verachten, ablehnen und nicht anerkennen zu müssen glaubt. VVürde ihm, auch fujls es (Vielleicht eines Tages Großes für sein Land leisten könnte, zum mindesten aber in seinem ganzen Leben seinen staatsbürgerlichen Pflichten voll, und ganz nachkäme, von vornherein die Berechtigung, sich; Deutscher, jüdischer Deutscher zu nennen, ubsprecheu. Ist Hiudcnhiirg im vorliegendem Falle also Ehrenpate eines deutschen oder eines landsfremden Kindes? Ohne Zweifel, , daß seine'Glückwünsche einem neugeborenen Menschen galten, den crJür yrüidig hält, eines Tages in die unendlich lange Reihe deutscher, anerkannt deutscher Staatsbürger eingereiht zu werden. Wäre Hinden-' blirgs Ehrung landsfremden Eltern zuteil geworden, hätten seine Wünsche einem fremdrassigen Kinde gegolten, seine Patenschaft wäre für ihn selbst wertlos. Daß sie einem jungen Menschlein galt, dessen Glaubensgenossen der Reichspräsident in ihren Verdiensten beim Aufbau des Reiches im Frieden und bei der Verteidigung des [Landes im Kriege kennen gelernt hat, ehrt ihn. und ehrt uns; selbst. i Das Knäblein ist geboren, die hohe Politik hat;gesprochen. „Kleiner Mann, was nun?“, können wir fragen.in Anlehnung an den Titel eines berühmt gewordenen RomansJ Was nun? Wachse heran, werde Mann, werde bewußter Jude und guter Deutscher, Und wir alle hoffen für dich, daß. Wenn du zu. denken gelernt hast und bewußt zu dir und deiner Umwelt Stellung nimmst, diese Umwelt dich als keinen anderen betrachtet, denn als vollanerkannten, vollberechtigten, vollgewürdigten deutschen Volksgenossen. [ i ,_ Eine Kundgebung für Frieden zwischen Juden und Nidiifuden in Oberschlesien. Bei der kürzlich erfolgten offiziellen Eintührungjdes Pastors für die evangelische Gemeinde in Roscnherg O/S: sprach auf Einladung des Kirchenrates Prediger Erich Lewlnj namens der jüdischen Bevölkerung herzliche Begrilßungsworte. : Er wies' auf das überaus friedliche; Verhältnis hin. das zwischen den Konfessionen herrscht, und-sprach den Wunsch aus. daß der neue Seelsorger wie sein Amtsvorgänger Wahrer [dieses Friedens: bleiben möge. In herzlichen Daukesworten wandte sich der neue Pastor auch an [die jüdische Bcvölkcrii'ng! und he-' tonte, er werde alles einsetzen. um den Frieden |zu erhalten. M. Kramarski, meister Vorstandsmitglied des jüdischen Handwerkervereins Sg Berlin W57, Winterfeldtstr. 24 / Tel.: B7, Pallas 3297 Palästina- und Drlent-Tfansporte zu soliden Preisen J. Schneider & Co. GmbH. Fracht-Agentur des LIoyd-Triesflno Berlin, Att-Moabii 140b * Telefon Hansa 2664 EdmundFranzkowiak&Co. Uhlandstraße 83/84 * .Tel.: H 6 Emser Platz 7171 11000 □ Speicher , Spezialität: Auslandsumzüge nach allen Ländern 6$ttber3$mtss&aifer Berlin-Hohenschönhausen, Berliner Straße 8-14 Werkstätten moderner Glas- und Eisenschilder * Ausführung jeglicher moderner Lichtreklame Ladenban Autolackiererei Telefon: EO Hohenschönhausen4028 . Kein INSERAT ohne MÖGEN DOVED G. salomon-saller, Bertin w 57 Bülowstr. 66 / Tel. B 7 Pallas 1704 Klischees all. Art p. 10 BM Stück Kaufe und'verkaufe jeden Posten gebrauchte deutsche Eierkisten Klsleirvertrleb .Friedrich Lehmkuhl Reinickendorf-West, Spandauer Weg (ehern. Munitionsanstalt) Telefon: D 9 Reinickendorf 1958 n__l_ Af Sdliler afld ADDaralebaa O.H.G. 1 firi Klinni BlD.SOIfi.MBlCllIorslr.M-43 ll|I| 1 |l|l Soez.: Aotokflhfer. Reoaral. Weinet RieBs 5? Holzu. Kohlenhandlung engros en dätail Berlin - Neukölln Waltersfrafje 39-41 Telefon: F2Neukolln6660 Ich empfehle mich als Lieferant von erstklassiger Kohle, Holz, engl. u. deutsch. AnthracH, Koks,Steinkohle etc. und bitte, mich bet Bedarf mit Ihren Auftragen zu beehren. Rudolf Sdielonka Kohlenhandlung Berl.-Charibg., Droyremtr. 6 Tel.: 1-4 Blelbfreu t53f Steuer Fachbearbeiter, prominenter, zahlt für Auftragsverraittlung hohe Vergütung, übernimmt Bearbeitung an allen Platzen des Reiches. Chiffre B. F. 263 an die Jüd.-lib. Zeitung, . ■ Berlin SW 11. WANZEN Schwaben, RaHen, Mäuse Radikal-Vemlditung KURT SEELIG Staat), gepr. Desinfektor u. Kammer/. Berlin W50, Prager Strafe 31 Fernsprecher: 8 4 Bävarla'0342 nMBMSHSBHHHHWHHI Commerz-und Privat-Bank Aktlengetallsehaft } Gegrünt! et 1870 - Berlin-Hamburg Zentralverwaltung:; Berlin W8, BehrenstraSo 46-48 Kapital | 80 Millionen RM j Reserven 30 Millionen RM 280 Niederlassungen 125 DepQsitenkassen Telegramm- Adresse: HA NS EATIC