Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 8 (15.7.1933)
- Date
- 1933-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer von den „enjBen Erziehern“ spricht, denkt an die Theoretiker des Erziehungswesens, auch 'wenn sie — wie Rousseau — ihre eigenen Kinder nicht iu erziehen vermochten. Oer Phrasenheld wirft das Wort von der ,;Erziehung durch das Leben“ in die Debatte. Dem Philosophen stellt sichi die Natur als wichtiger Erziehungslaktor dar. „Im Fleiß kann dich die Biene meistern, in der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein“ (Schiller). Bewundernd neigt sich der Mensch vor der Fürsorge, mit der die kleinen Vögel ihre invaliden Brüder/betreuen. Die scheinbar — unbelebte Natur predigt dem Atenschenlierzen Gelassenheit, Geduld, Gleichmut Wenn ich das Gebirge durchschreite, sind mir die trotzigen Kuppen eine gar angenehme Gesellschaft. Sie reden eine deutliche Sprache. Wißt ita) was sie erzählen? Dies: Leber unsere weißen Häupter sind die Jahrtausende dahingebraust — Wind und Wetter halten wir stand in schweigender Einsamkeit,! ohne Murren, ohne Klagen - und du, armseliges Menschenkind, du angeblicher „Herr der Schöpfung“, du stöhnst auf, du verzweifelst, wenn dir einmal der Erfolg versagt bleibt oder wenn du dich in deiner Eitelkeit gekränkt wähnst! Lerne deinen Kummer an der Wucht der ewigen Natur zu messen,, und demütig wirst du das dir auferlegte Schicksal tragen. Rousseau erhob die Forderung: „Zurück zur Natur!“ Friedrich Lienhard lehrte: „Vollende dich wandernd!“ Anderthalb Jahrtausend vor diesen Schriftstellern hat der jüdische Spruchdichter für diel ethische Vollendung das Wort geprägt: „Aurach chajimj l’ma’alo — der Weg des Lebens führt zur Höhe“ (Spr. Sal. 15,25). Er wußte, daß der physische Kraftaufwand die seelische Erneuerung zur Folge hat, Professor Dr. E'u g e n W o I b e.’ ins-Auge fassen, was da über uns verhängt wird. Eine .politisch e Sonderstellung: von der aber niemand sagen darf, dali sie iriclit auch eine w-i r t s c h a fjt I i c h e Sonderstellung und einen schweren Angriff auf unsere Existenz bedeute, da sie uns ja auf allen Gebieten von den nichtjüdischen Deutschen isoliert und da ferner überhaupt erst der Genuß der staatsbürgerlichen Rechte es jst, der dem Menschen die normalen Lebensmöglichkeiten gewährt I Auch gibt es keinen Beruf, dessen Angehörige nicht auf die! ganze Umwelt, auf die Gesamtwirtschaft Deutschlands angewiesen wären. Nicht einmal die spezifisch jüdischen Berufe, der Rabbiner oder andere üeuieiifdcbeainte, machen da eine -Ausnahme, denn die Gemeinden besolden ihre Funktionäre von den Steuergeldern derer, die allgemeine Berufe haben, und genau so liegt es auch bei jüdisch-kulturellen oder jüdisch-charitativen Unternehmungen und Organisationen. ehern Schlagwort aber, davon gingen wir aus; jeder klare’ Begriff fehlt. " Denn was sollte das wohl für ein Begriff sein, die jüdische „Gruppe" oder der jüdische „Sektor“, dessen Emanzipation man erwartet? Fühlt man sich beim Anhören dieses gespreizten Wortes „Gruppen-Emanzipation“ nicht an jene alte Frage der Scholastik (aber wahrhaftig nicht der Philosophie!) erinnert: Was ist Wirklichkeit: der eine ganze Wald oder die vielen einzelnen Bäume?, die eine deutsche „Judenschaft“ oder die vielen deutschjüdischen Menschen? Wir glauben, der Wald kann nur gesund sein, wenn die Bäume gesund sind — Weißt du, was ich komisch find'? Daß im Wald so viel Bäume sind! Audi der jüdische Wald, die jüdische Gruppe, ist so „komisch“, aus jüdischen Individuen zu bestehen, und so läuft die vielgerühmte „Gruppen-Emanzipation“ auf die Emanzipation der I n d i v i d u e n hinaus, wie ja vorhin auch vom Minderheitenrecht gesagt wurde, , daß es überall in der Welt neben seinen sonstigen Zwecken auf die individuelle Gleichberechtigung der Minderheitsangehörigen hinausläuft. Im übrigen aber trifft das gewählte Bild auf die deutschen Juden nicht zu: wir leben nicht wie die Bäume im Wald, nicht in bestimmten Territorien konzentriert: wir bilden nicht, wie ein neuer zionistischer Prophet behauptet, eine eigene „Landsmannschaft“, die aus eigener Kraft und autark alle ihre Glieder und damit sich selbst ernähren könnte. Kein Jude kann nur von Juden leben. Alle Vorschläge, die nach dieser Richtung.gemacht werden, sind bare Utopien. Die meisten unserer lieben Glaubensgenossen aber, die so hoch wissenschaftlich das Wort „Gruppen-Emanzipation“ gebrauchen, verzichten ebenso •erhaben wie bequem auf den Entwuri konkreter Einzelvorschläge, und nur aui dem Gebiete der Schulfrage machen sie bombastische Vorschläge zur Stabilierung einer jüdischen „Kulturautonomic“. Von was aber ihre autonome jüdische Kultur leben soll, das verraten sie uns mit keiner Silbe. Was bleibt? Es bleibt der Hinweis darauf, daß der Anspruch auf Emanzipation der Individuen «— entgegen der pseudowissenschaftlichen Meinung vieler Juden — nicht an den politischen Liberalismus gebunden ist. Emanzipierte Juden gibt bzw. gab es im absolutistisch regierten Königreich Spanien (vor der Austreibung 1492), im parlamentarisch regierten England, Deutschland. Frankreich, Amerika usw„ im „totalen“ Staat des Mussolinischen Italien wie in dem nicht weniger totalen Sowjet-Rußland. Der Emanzipations-Anspruch ist unabhängig vom Regierungssystem und ist überzeitlich. Und die Anerkennung dieses Anspruches liegt nicht nur im Interesse der Juden, sondern auch — das wurde oben gezeigt — im Interesse des Staates; ihr gelte daher, unbeirrt von Modewörtern, der gesammelte Wille aller deutschen Juden, die überzeugt sind und sein dürfen, damit nichts gegen den heutigen Staat zu wollen. Ein einziger Einwand, freilich ein . schwerwiegender, bleibt: die .Rassenfrage. Ihr soll demnächst ein besonderer. Aufsatz gewidmet sein. Deshalb .sind all die oben erwähnten Vorschläge und Maßregeln keine wirkliche Lösung des Problems, gleichgültig, ob man es mit . jüdischen oder mit gesamtdeutschen Augen bedas alles für noch so Reinerhaltung der gerim Negativen stecken, trachtet. Denn wiederum: mag man positive Maßnahmen im Sinne einer manischen Rasse halten — es bleibt weil es uns nicht den nationalökonomischen Ort anweist, an dem wir. produktiv uns einordnen können. Erbitterte Judengegner nehmen zwar den Staüdpunkt ein, daß jede Regelung der Judenfrage zu unterbleiben, habe,| .weil jede — auch die lür'Qns ungünstigste nofch; -t eine'Verankertingmet Judert*!« Deutschland bedeuten würde, da sie jden Juden erneut eine (wenn auch noch so geschmälerte) Rechtsstellung in Deutschland brächte: aber doch kann niemand daran vorbeisehen, daß ohne eine derartige Verankerung wir gegen unsern Willen tatsächlich zu’ einer ständigen allgemeinen Gefahr werden ' müßten. * Was folgt aus alledem? Nun, man möge eine Wahrheit nicht für unwahr halten, nur weil sie [alt ist. Denn die Vorkämpfer der Emanzipation haben seit je den Standpunkt eingenommen, daß die Judeneinanzipation niciit nur eine jüdische, sondern eine staatliche Aufgabe sei. D j e H e r ä u s h e b u u g der Juden aber als besondere Gruppe war die Rückgängigmachung der IE in a n z i p a t i o n — darum ist „G r u p p e n - E m a n z i p a t i o n“ ein Wider- .spruch in sich selbst, unvollziehbar im Denken wie undurchführbar in der Wirklichkeit. | Denn das, was hinter diesem wissenschaftlich klingenden ^Vort an Wirklichkeitsgehalt sich verbirgt, ist nichts anderes als der Gedanke der Minderheitsautonomie. Diese aber ist [für uns Juden nicht nur |iiicht erwünscht, sondern auch unrealisierbar, denn sie läßt sich nur durchführen, wenn die betreffende Minderheit in mehr oder minder fest umgrenzten Siedlungsgebieten massiert ist: wir Juden sind aas nicht. Daß im übrigen die-Angehörigen einer autonomen Minderheit im Rahmen der Gesamtnation gleichberechtigt sind, daß die Herstellung solcher individuellen Gleichberechtigung-geradezu die eine der beiden Hauptaufgaben jedes Minderheitenschutzgesetzes ist, sein: sicher über ist, daß gerade diese Gleichberechtigung uns ja versagt bleiben soll. Und.damit kommen wir. an einen weiteren Punkt unserer Betrachtung, au die- Frage: Was sagen eigentlich die Juden zu alledem? - Soweit uiclitjiidisclie Theoretiker über die Gruppen- Emanzipation oder sonstige Regelimgsmöglichkeiten der Judenfrage diskutieren, schalten sie uns voll der Mitbestimmung aus, machen uns gänzlich zu Objekten jler Politik und Gesetzgebung. Aber eine jüdische .M e i n u ti g gibt es trotzdem, und auch sie muß. betrachtet werden, denn auch sie ist kritikbedürftig. | Man sollte es nicht für möglich halten, was dennoch wahr ist: daß auch aui jüdischer Seite j reichlich und eifrig in „Gruppen-Emanzipation“ gemacht wi[d. Und zwar, was das -Schlimmste ist. von den Nichtzionisten nicht, weniger als von den Zionisten. Begründet wird das, wie z. B. kürzlich in dem - Breslauer Zionisteublatt. etwa folgendermaßen: ..Wenn die Zeit des Liberalismus die Auigabe der Judcnemanzipatinn .beschlossen und -begrenzt sab in der Befreiung des jüdisciien Individuums, so zeigt uns die I ittere Erfahrung der Gegen- - wart, daß .iieute die deutschen Juden als Gruppe . angegriffen und‘dcingemäü aiLch nur die Juden als G r u p p-e emanzipiert W'.-rdeTi könne n." (Sper- _ rungen Jt. Original.) - Die „Jüdische Rundschau“ schreibt in ihrer Nummer vom 27. Juni d. J:: - „Nicht als Einzelner kann der Jude iil dem nationalsozialistischen deutschen Staat seinen Platz findendie jüdische Gcmeinscfiaft ' als-so lclie muß ihr Lebchsrecht erhalten." So und ähnlich in tausend Variationen. Daß auch die C.-V.- ’ Zeitung brav und gedankenlos das nette Zeitdogma verkündet, wurde in diesen Blättern schon bei früherer Gelegenheit mit Bedauern, aber ohne Hoffnungauf Besserung, festgestellt. Kein Wunder, daß heute alles, was | au fait und gebildet erscheinen möchte, von der „n e u e n Emanzipation“ spricht, eben von der sogenannten Gruppen-Emanzipation. Bei wel- A ■ l * * Dr. Rudolf Geiger, Frankfurt a. M. einer der Führer des religiös-liberalen Judentums. (Vgl. die Notiz in der 1. Beilage dieses Blattes.) Kann der Jude deutsch denken? Von Max Goldschmidt, Berlin. bekanntlich hat die „Deutsche Studentenschaft“ unter anderen grotesken Thesen.auch diese veröffentlichen lassen: Der Jude kann nur jüdisch denken. Schreibt er deutsch, dann lügt er ... . . Die Unsinnigkeit solcher Auslassung wird durch die Dichtungen und Schriften hervorragender jüdischer Dichter und Schriftsteller zur Evidenz bewiesen. Man braucht nur an die Lorelei von Heinrich Heine zu denken, auf die Schriften von Ludwig Börne und auf die Werke zahlreicher neuerer jüdischer Dichter, von denen unter anderen nur Jacob Wassermann, Ernst Lissauer und Julius Bab (Deutschland 1914) genannt seien, hinzuweisen. Wie tief ein Jude mit dem Gefühlsleben und der. Denkweise seines Deutschen Vaterlandes verwurzelt ist, erkennt man aus der Liedersammlung des Nationalsozialisten Bernhard Prieve, der ein aus 103 Liedern bestehendes Volksliederbuch zusammengestellt hat. Neben dem Soldatenliede Anne-Marie ist darin auch das außerordentlich volkstümliche von echtvaterländischem Geiste getragene Lied: „Stolz wellt die Flagge schwarz-weiß-rot“ zu fmdgn.. Sein Verfasser ist der Jude Robert Linderer. Die begeisterte Aufnahme des Liedes bei der Marine und seine Verbreitung in den weitesten- Volksschichten zeigt zur Genüge die echt deutsche Denkweise des Juden. Nach der Forderung der genannten Studentenschaft müßte das Lied .eigentlich in hebräischer Sprache erscheinen oder als Uebcrsetzung gekennzeichnet werden!! Ob dem Herausgeber des Liederbuches die jüdische Religion des Verfassers bekannt war,' erscheint mir zweifelhaft. Auf die Genealogie des Robert Linderer habe ich in einer früheren Studie über Entstehung und Aenderung jüdischer Namen bereits hingewiesen. -Es dürfte weitere Kreise interessieren zu erfahren, daß der Vater des Dichters Callmann Jacob hieß. Die Juden in Preußen waren durch Hardenbergs Decret 1812 genötigt, Familiennamen anzunehmen, im Königreich Westfalen durch Decret Jeröme Napoleons schon -1808. Den Gedaukcngang. der den Vater Linderers zur Namensannahme veranlaßte. finden wir in einem Inserat des Harzdepartementblattes (Königreich Westfalen) von Mittwoch, 21. März 1S09 ausgedrückt, welches folgenden Wortlaut hat: „Nach den Königlich Westpfälischen Gesetzen bin ich verbunden, meinen Familiennamen für mich' und meine Ausschluß der Reformjuden aus den Jüdischen Gemeinden Hollands? Der Antagonismus zwischen Konservativen- und Reformjudentum in Holland hat zu einer kritischen Situation im Verbände der aschkena;isclien Judenheit Hollands geiührt. In der letzten Sitzung des Zentralkomitees des aschkenasischen Verbandes befaßte sich dessen Präsident A. Asscher mit den Bestrebungen der religiös-liberalen Juden Hollands, eine jüdische Sondergemeinde zu schaffen, und versicherte, daß die aschkenasische Gemeinde die Verwirklichung dieser Bestrebungen nicht zulassen werde.' Gleichzeitig drohte Präsident Asscher den holländischen Reformjuden'Ausschluß-aus den Gemeinden an. In derselben Sitzung wurde das Budget für 1933/34 in der Hölle von 36.800 Hfl. angenommen. Dem Hilfskomitee für deutsche Juden wurde ein Beitrag von 1000 Hfl. bewilligt. * Hierzu ist vom Standpunkt des religiösen Liberalismus zu. sagen: Wer den Eifer kennt, mit dem „orthodoxe“ Gemeindevorsteher Hollands an hohen und höchsten jüdischen Feiertagen ihren Geschäften nachgehen, kann über den grotesken „Glaubenseifer“ gegenüber einer Bewegung, die zur religiösen Besinnung aufruft, nur den Kopf schütteln. Die Verarmung der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Weitgehende Gehaltskürzungen bei den, badischen Rabbinern, Religionslehrern und Kantoren. Das Verordnungsblatt des Oberrats der Israeliten Badens publiziert eine mit Zustimmung des Synodalausschusses erlassene Verordnung des Oherrats, derzufolge die. Gehalts- und Versorgungsbezüge der Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren und der sonstigen Gemeindebeamten, sowie ihrer Hinterbliebenen weitgehend gekürzt werden. Von der .Kürzung beireit bleiben die Bezüge bis zu 120 RM monatlich, ferner die Kitiderzulagen und die Waisengelder. Die Kürzungen sind nach Bezugsklassen gestaffelt. Die Verordnung tritt im Juli 1933 in Kraft. Auszeichnung eines jüdischen Musikforschers. Der rühmlichst bekannte jüdische Musikforscher Professor A. Z. Idelsohn hat vor kurzem sein umfangreiches Werk über den jüdischen Melodienschatz abgeschlossen. Das Hebrew Union’ College in Cincinnati (U. S. A.), dessen Dozentenkollegium Professor Idelsohn angehört, hat dem hervorragenden Gelehrten den Ehrentitel eines Doctor of Hebrew Law verheilen. Aktion des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes-zur Abwehr des antijüdischen Boykotts. "Auf der vor kurzem in Dresden abgehaltenen Tagung des Sächsischen Israelitischen Gemeirideverbandes wurde der Verbandsvorstand ermächtigt, beim Sächsischen Wirtschaftsministerium die ihm geeignet erscheinenden Schritte zur Abwehr der antijüdischen Boykottbewegung zu unternehmen. Besondere FJilfe soll den Marktbesuchern zuteil werden.. JR/feinlpifcf. Wie durch die Presse bekannt wird, hat in letzter Zeit im Rheinland der Boykott gegen jüdische Geschäfte wieder stärker eingesetzt In Dortmund. Bochum, Herne und anderen Städten im Ruhrbezirk wird durch die Zeitungen den Angehörigen der NSDAP der Parteiausschluß angedroht, wenn sie jüdische Geschäfte betreten; und es werden Handzettel verteilt, um die antijüdische Propaganda zu verstärken. Infolge der Ankündigung von Maßnahmen, die man gegen Zeitungen ergreifen will, die noch Inserate jüdischer Firmen aufnehmen, sehen sich die Zeitungen zu öffentlichen Erklärungen veranlaßt in denen sie sich freiwillig verpflichten, Anzeigen jüdischer Unternehmer nicht mehr zu veröffentlichen. Damit ist'die Boykottbewegung in'ein neues Stadium getreten. Es ist ferner allen Berichterstattern nicht-nationalsozialistischer Zeitungen Westfalens streng untersagt, die Veranstaltungen der NSDAP zu besuchen, solange ihre Zeitungen noch jüdische Inserate aufnehmen. Widerspenstige Berichterstatter sollen unter Umständen mit Gewalt aus dem Saale entfernt werden. Nachkommen anzunehmen. In Betracht, daß mein eifriges Bestreben dahingeht, die Schmerzen meiner Nebenmenschen zu lindern, habe ich den Namen „Linderer“ angenommen und empfehle mich mit dieser Anzeige einem hochgeschätzten Publikum zu meiner Ankunft, welche in 3 Wochen erfolgen wird, ganz gehorsamst. Hildesheim, den 21. März 1809. Callmann Jacob Linderer Sonst Callmann Jacob genannt, approbirter u. patentisirter Zahnarzt.“ Nach meiner damaligen Veröffentlichung, erhielt ich aus Erfurt eine Zuschrift des Inhalts: Der Zahnarzt Linderer muß seine Praxis von Hildesheim nach Erfurt verlegt haben. Im' Geburtsregister der Erfurter jüdischen Gemeinde, das sich im hiesigen Stadtarchiv befindet, fand icii folgende Notiz: „Linderer, Callmann Jacob und Rosalie geborene Rochlitz, Zahnarzt. Am 25. November 1824, abends VA Uhr 10 Minuten, ein Sohn geboren, der den Namen Robert Michael erhielt.“! ~ Das war der Dichter des Flaggenliedes, welcher am 16. Dezember 1886 in Berlin gestorben ist und auf dem jüdischen Friedhofe zu Weißensee bestattet wurde. Das Denkmal aui dem Grabhügel trägt eine von der Jüdischen Gemeinde gestiftete ehrende Widmung für. den Verstorbenen. II In Leipzig - Dresden - Frankfurt(Mainl- II Köln suchen wir Anzeigen -Vertreter bei hohen Verdienstmöglichkeiten. Damen und Herren, die über Beziehungen zur einschlägigen Kundschaftverfügen, bitten wir, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Jüdisch-liberale Zeitung, Berlin SW 11.