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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-06-15 · 6 (15.6.1933) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
6 (15.6.1933)
Date
1933-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I I* L 13. Jahrgang Nummer 6 3ftftifd)'lU>erale SeUung Beilage j 15. Juni 1933 | Rabbiner Dr. Joseph Lehmann™] In der Nacht zum S. Juni ist der Führer «des deutschen Kefornijuilentums Rabbiner Dr. Joseph Lehmann einem Herzschlag erlegen. Es war ihm keine Frist gegeben; es stürzt' ihn mitten in der Bahn. Soweit wir Menschen über das Sterben etwas wissen können; köstlich für ihn; unfaßbar aber für uns, für seine engeren und weiteren Weggenossen, von denen’ noch mancher am Tage vorher über jüdische Not und jüdische Aufgaben mit ilim gesprochen liatte und nun hören muß, daß dieses heiße Herz nicht mehr schlägt. Wenige Monate ist es her, da feierten wir alle seinen 60. Geburtstag. Wir alle, d. h. die Gesamtheit des liberalen Judentums, Denn das ist eine der segenvollen Lebensleistungen dieses Mannes,' daß es ihm durch seine achtunggebietende Persönlichkeit und durch seine Geschicklichkeit in organisatorischen Dingen gelang, die Einordnung der jüdischen Reformbewegung in die jüdisch-liberale Gesamtbewegung zu vollziehen. Theoretisch stand es für Klardenkende immer lest, daß die jüdische Reformbewegung ein Teil des jüdisch-reli- -giösen Gesamtliberalisinus ist Denn zu welcher Richtung sollte die Reform wohl gehören, wenn nicht zu uns! Aber Dr. Lehmann hat auch die vielfach Widerstrebenden dazu erzogen, die Reform als integrierenden Bestandteil des liberalen Judentums anzuerkennen. Zu danken ist dieser Erfolgvor allem derjenigen Mitarbeit, die Dr. Lehmann als Vorstandsmitglied des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum geleistet hat und die ihn dann auch in den Vorstand unserer deutschen Vereinigung iür das liberale Judentum führte. Es ist bekannt — und Dr. Lehmann hat die Einzelheiten oft mit dem ihm eigenen Feuer in vertrautem Kreise erzählt —, daß er sich von der äußersten Orthodoxie her zum Führer und Vorkämpfer der Reformbewegung entwickelt hat. Er war Hörer am alten Hildeiheimerschen Rabbinerseminar, in ihm lebte die ganze Fülle des talmudisch-rabbinisclien Schrifttums, und gerade aus der Kenntnis dieses Schrifttums heraus kam er zu seiner in das Heute sich lebendig einfügenden jüdischen Haltung. ■ Der Prediger, der Wissenschafter, der Seelsorger, der Jugendbildner, der für seine Idee leidenschaftlich kämpfende polemische Streiter, der seine religiöse Gemeinschaft heiß . liebende Jude, der iest im deutschen Volk, deutscher Kultur und Nation wurzelnde Deutsche, der kultivierte Kunstkenner und Förderer deutscher Künstler — all diese Seiten seiner reichen Persönlichkeit müßten ausführlich geschildert werden, um hier sein Bild erstehen zu lassen. Dieses Bild lebt in uns. wie auch sein Schaffen weiter wirkt. Das liberale Judentum wird noch oft auf die Leistungen dieses seines Vorkämpfers zurückkommen müssen; es kann ihn nicht entbehren, auch wenn er — viel zu früh — seine irdische Balm in unserer Mitte verlassen mußte. Das deutsche Judentum ist um eine große und starke Persönlichkeit ärmer geworden — doppelter Verlust in einer Zeit, da Persönlichkeiten uns mehr denn je nottun. Wenn wir aber die Zeichen der Zeit begreifen, das von ihm geschaffene religiöse Gut nützen, den von ihm unbeirrbar beschrittenen Weg deutsch jüdischer Politik weitergehen, dann wird das Wort wahr, das gerade in Verbindung mit seiner starken Führerpersönlichkeit mehr sein kann als ein nur aaif Trost zielender Grabspruch; „S ein. Am denken ist zum Segen!“! . George Go.etz. Trauerfeier und Beisetzung Am Sonntag, 11. Juni, fand im überfüllten Gotteshause, Johannesstraße 16, die Trauerfeier statt; mehrere Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin waren erschienen, auch einige Gemeinderabbiner sowie Professor Dr. 1. Elbogen von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. — Prediger Dr. Karl Rosen thal zeichnete Werdegang und Werk des Verewigten; Paul Pincus sprach als Vorsitzender des Vorstandes der Reformgemeinde Abschiedsworte; der neue Vorsitzende der Berliner Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, sprach 'von der Verbundenheit zwischen Berliner Gemeinde und Reformgemeinde, die Dr. Lehmann hergestellt hat, so daß die Zeiten, da man die Reform als außenstehend betrachtete, endgültig Vorbei sind. Die Gemeinde sang stehend das alt jüdische Bekenntnis: Gelöbnis, dem toten Führer auf der von ihm gelehrten Bahn eines reingeistigen, ritusfreien Judentums zu folgen. Noch einmal sprach dann Prediger Dr. Jelski zu Herzen gehende Abschiedsworte in Weißensee. Dann trugen wir ihn zu Grabe. Die Berliner Gemeinde hatte ihm — auch dies Zeichen der Verbundenheit zwischen Reformgemeinde und Gesamtjudentum — ein Qrab in der Ehrenreihe angewiesen. Dort ruht er — auch dies ein Symbol — neben seinem besten Freunde, der ihm in die Ewigkeit voranging, neben dem weltberühmten Maler Lesser Ury. - 2-MUIionen-Drive «des Joint zugunsten deutscher Juden. Das American Joint Distribution Committee hat soeben eiiien auf das GesamtKebiet der Vereinigten Staaten sich er- ‘ streckenden Drive proklamiert. Es soll ein Betrag von zwei Millionen Dollar für die Aktion zur Rettung deutscher Juden aufgebracht werden. Folgende Fleischwarenhandlungen unterstehen zur Zeit noch unserer Aufsicht: M, Brand, nur Nürnberger Str. 45 W. Brand, Stalpische Str. 44 . , Julius Goldschmidt, Munzstr, 17 Johanna Ha m m er, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str.59 Julius Kaufmann, Esmarchstr, 11 Max Meyer, Charlottenburg,- Suarezstr. 26 Rosenthal & Schey, Gormannsir, 1 Julius Schey, Charlottenburg, Waitzstr. 2 Eine Verantwortung wird nur übernommen, wenn die Fleischwaren in Gegenwart unseres Aufsichtsbeamten gekauft sind oder — bei Zusendung — von ihm das Kaschruth auf Lieferschein oder Rechnung bestätigt ist ' Kaschruth-Kommission Berlin, im Mai 1933 der Jüdischen Gemeinde. E. Horstmann Bücherrevisor Wirt.chaftannd Steuerberater NIEDERSCHÖNE WEIDE, HAINSTR.47 Emigranten. Gtz. Eine alte englische Kammamtsiegel lautet: Write your letter when you are angry. but don’t post it betöre one" days’ ago! Auf große Ereignisse überfragen heißt das: Fasse deine Entschlüsse, solange noch die ganze Wucht der Geschehnisse dich erfüllt; aber führe sie nicht aus. bevor einige Zeit vergangen ist. Und der Sinn dieser Regel? Vielleicht kommt der Zornbrief gar nicht mehr zur Absetzung, der Entschluß nicht mehr zur’Ausführung, und vielleicht ist Hus — besser so! . Als Anfang April bei uns mich alles unter dem Eindruck des Boykott-Tages stand, da tauchte, zuerst nur zughalt, dann aber immer lauter, das Wort ..Auswanderung“ in den jüdischen' Blättern auf. Die Zaghaftigkeit war berechtigt; sind Wir nicht Deutsche, haben wir nicht unser Deutschtum stets betont, war es nicht unser wirksamstes, ja unser einziges Argument im Kampie gegen alles, was uns geschah?, und war es denkbar, dieses Deutschtum zu betonen und gleichzeitig Auswanderung zu planen? — Nim. denkbar war das schon gewesen: aber es ließ sicli wohl kaum .übersehen, daßwir damit der Jiideniemdschait weitere Scheinargumente gegen uns gelieiert hätten. Dann aber kam die Zeit, in der rückhaltlos über alle diese Dinge gesprochen werden konnte, und mm stand es überall zu lesen, das Zauberwort: Auswanderung. Mancher faßte Entschlüsse und kam sich sehr lapfer vor. Und es "kann ja auch keinen Augenblick verkannt oder verkleinert werden, was da in den Seelen Zelmtaiiscnder vorging: Aufwühlendes ohne Beispiel erlebten sie. und so erhoben sich auch ihre Herzen zu einem Heroismus, det^ unsere Generation noch nicht gekannt hatte — auch während des Krieges nicht, denn damals geschah alles in der großen Gemeinsamkeit, heute aber ohne Genossen, in der großen Verlassenheit._ Dennoch: Zauber ist Trug; Zauberwort ist Trugwort; Und manches, was aussah wie tieldeukülmcr Entschluß, war in Wahrheit — heraus aus der scheinbaren Ausweglosigkeit der jetzigen Situation —. nichts weiter als der Versuch einer Fluclit; wenn aucli freilich, da sicheres Asyl nirgendwo zu erspähen, einer Flucht ins Abenteuer. Aber kaiin dieses Abenteuer glücken? Das ist'dic Frage, die alle diejenigen sich verlegen müssen, die nicht nur mit - heißem Herzen, sondern ebenso sehr mit kühlem Kopfe über das Scliicksal unserer Glaubensgemeinschaft und all ihrer bedrängten Glieder wachen. Kann es glücken — die Beantwortung dieser Frage erheischt Ueherlegung, die gleich frei ist von der Verzweiflung gegenüber unserer Lage wie von der Bewunderung derer, die in ihrem Lebenswillen bereit -sind, alle Entbehrungen auf sich zu nehmen, auch die in einer vieltausendbändigen Literatur aller Länder und Zeilen beschriebenen Bitternisse des — Emigrantenschicksais.' Jawohl — frei von Affekten, nüchtern muß diese Erage beantwortet werden. Und da werden wir am besten hm. uns an zwei Erkenntnisse zu erinnern, die seit vielen Jahren feststehen und also die Gewähr bieten, unbeeinflußt von den neuesten Ereignissen erworben zu sein. Seit vielen Jahren war es unverrückbarer Grundsatz aller jüdisch-sozialen, jüdisch-wirtschaftlichen und jüdisch-politischen Hilfsarbeit, daß die Judeiifrage in keinem Laude durch. Aus.- wanderung. sondern in jedem Lande nur dtircli Emanzipation im Lande selbst gelöst werden kann. Gewiß. Wanderung von Juden liat es immer gegeben, immer auch hat -man sie durch organisatorische Hilfsmaßnahmen in geeignete Bahnen gelenkt. Aber immer auch war Wanderung nur ejine Teillösung, eine Lösung für einzelne .Individuen oder Gruppen: nie konnte, weder die Wanderung nach Palästina noch die nach irgend einem anderen Lande, eine Gesamtlöstmg sein. Diese Erkenntnis, deren wissensclnltlicher Begründung und deren Verbreitung insbesondere Ff.atil Nathan seine Lebensarbeit gewidmet hat. droht heute vergessen zu werden. Darin liegt Gefahr: die Unmöglichkeit einer gesamtiüdischen Lösung durch Wanderung ist eine TJatsaclie, an deren Realität sich durch den Regierungswechsel in Deutschland nichts äfldern konnte und nichts geändert1 hat; und wer nun, unter dem Eindruck, eben dieses Regierungswechsels, diese Tatsache aus der Acht läßt, der muß notwendig zu „Lösungen der Judenfrage“ kommen, die Utopien sind und immer tiefer ins Elend führen: Emigrantenschicksal mit aller Bitternis, aber ohne das Einzige, was dieses! Schicksal tragbar macht, ohne Hoffnung. Das Zweite, woran wir uns zu erinnern haben, ist der große | Anteil, den die allgemeine Not am Ueberhandnehmen des Judenhasses hat. Not erzeugt Verwirrung und Haß: und ob es auch tausendmal wahr ist (was Spinoza wissenschaftlich bewiesen hat), daß nur Liebe' die Not zu überwinden vermag, so ist) es doch eben so viel tausendmal wahr, daß von dieser praktischen, realpolitisclien Macht der Liebe nur wenige wissen, die meisten aber ihrem ans der Not geborenen Affekt sich hingeben. Die Not aber, die heute die Gemüter verwirrt und an deren;Auswirkungen das deutsche Volk mehr als jedes-andere leidet, hat einen sehr konkreten Namen; sie heißt: Weltwirtschaftskrise, mit.dem Ton auf der ersten Silbe. Wiederum haben wir es mit einem Faktum zu tun, das durch eine neue Regierung zwar allmählich beseitigt werden kann, das aber nicht jdtirch den Regierungswechsel selbst schon beseitigt ist: nicht ‘in dem Lande dieses Regierungswechsels, lind noch viel weniger in den andern Ländern. Auf diese andern Länder aber, auf die in ■ ihnen bestellenden Möglichkeiten kommt es an. wenn man der Meinung ist. mau könne durch Wanderung das neue deutsche Judenproblem lösen. Um Cs mit einem Wort zu sagen: man kann es nicht. Die Weltwirtschaftskrise besteht: uiid sie hat zur Folge, daß jedes Land! allenfalls einige Handwerker und Landwirte hereinläßt, vielleicht auch diese und jene Spezial- und Facliarbeiter. selbstverständlich auch große, berühmte Männer (die Stars aller Berufe und die Millionäre sind ja stets in der glücklichen Lage,! sich selber helfen zu können und von organisierter Sozialarbeit unabhängig zu sein); daß es aber — von verschwindenden, ganz individuell gelagerten Ausnaltmefällen abgesehen — völlig unmöglich ist, Arbeiter, Angestellte und Angehörige der •intellektuellen Berufe in andern Ländern unterzubringen. Das ist 'keine bloße Annahme, sondern es ist die Tatsache, vor der unsere zentralen jüdischen Wirtschafts- und Hilfsorganisationen auf Grund der in aller Welt eingezogenen Informationen stehen und die sich auch aus einer Fülle von Zeitungsnachrichten ergibt. So hat z. B. der Kopenhagcner Universitätsadministrator Professor Dr. H. Munch-Petersen folgende bezeichnende Aeußerung getan: „Die unglücklichen jüdischen Studenten, die hierher kommen, dürfen nicht vergessen, daß Stellungen und Aemter nur .dänischen Staatsangehörigen gegeben werden — zwar ohne Rücksicht auf arische oder nichtarische Abkunft —. daß aber andrerseits das dänische Bürgerrecht erst nach fünfzehnjährigem Aufenthalt erteilt wird.“ Aus Schweden kommt die Nachricht, daß es gerade die Juden sind, die sich gegen jüdische Einwanderung aus Deutschland wehren und alles versuchen, um Neueinwanderung zu verhindern, damit nicht eine weitere Belastung des Arbeits- Ein liestntiii Fränkin. betrifft, beleuchtet. marktes durch Juden den Antisemitismus stärke! ders charakteristisches Beispiel bildet ein Vorfall reich, der zwar nur eine einzelne Brauche, den Fi der aber'doch scltlagheliturtig die Ucsamtsituatinn Die „Ciuematograpliie I raiisaisc“. eines der bedeutendsten Faellblätter der französischen Filmindustrie.. schreibt: „Wir liaiicu dagegen protestiert, daß die Filmarheit den deutschen Juden in Deutschland abgebrochen werden mußte: aller wir konstatieren mit zunehmender Unruhe, daß diese geschätzten Kollegen sielt in Paris mit' der Absicht uiederlieUeu, liier ihre Tätigkeit aus/aiübeu . sich in Frankreich um zu bewerben. Wir zögern nicht, lins den Protest der übergangenen einheimischen-Leute vom Fach zu eigen zu niuclieii. und iordern, diese unerwünschten Konkurrenten zi, entfernen. lmeinigranischailliche Bei aller Sympathie, die-wir init-den deutsehen Fl teil haben, ist es uns. mmiüglidi. anders als mit t ein liegenseitigkeitspriuzip zu rechnen.'' .Unerwünschte Konkurrenten“, das ist die will- Realität: mit der alle’Auswanderer rechnen iiiiisreu. und an der durch alles noch so ehrliche Milgciiihl uicli s geändert: wird. .Wir haben nur einige wenige-, Beispiele her; t aber die Situation ist in allen Ländern der Erde Eine kleine Ausnahme macht lediglich Palästina, hlicklich ja bekanntlich eine nicht geringe WittschuftsbUUe herrscht. Aller selbst die begeistertsten PalüstiiUil eimde yer-. kennen keinen Augenblick, daß durch die günstige tur in Palästina die deutsche Judciumt in ihrer t i i Stellungen iisgcg riffelt, die gleiche, wo augeii- Koiijmiktälitül nicht hcliolien werden kann, noch viel weniger die Jüdcimol der ............ ,t:.. __ ...... V:....:. .:. ganzen Well. Gerade die Führer des Zionismus großer Berechtigung daran! bin, daß „palästiiieii.'isclie Wirtsciiaftsbliite kein zionistisches Argument“ ist. daß junktiir irgendwann einmal eine Krise iolgt.- und d; datier Menschen braucht, die die Palästina-Idee tu jähen, nicht alter das Heilige Land als zufällig sielt bietende zur Lösung ihrer individuellen Not benutzen. Au Wägungen heraus wird die nette Redensart verständlich, ijiit der man, nach einem Witzwort, heute in Palästina jüdische Einwanderer angeblich empfängt: „Komi ich- Sie aus Ueherzeugiiiig oder kommen Sie aus Deutsehlund?“ unserer gegensätzlichen Stellung zum Zionismus I eraus liegen weisen mit. jeder Kon- , iß Palästina Gelegenheit diesen l’reinl reffende Gerade äns misnuis. dienlich wir. gleich den leitenden Männern des Zi > .stärksten Bedenken gegen diejenigen - meist reiht haltlosen — Menschen, die bisher nichts vom Judentum, vom Zionismus und von Palästina gewußt lullten, und die'mm unter dem Eindruck der sic entwurzelnden Ereignisse - tilützlhjh heute für eine „Idee“ entflammt .sind, die sie gestern mich nicht kannten. Mag der Einzelne sein Glück versuchen, in welchem Lande! et immer wolle, den 56(1(1(1(1 Juden-in Deutschland bietet sich keine Möglichkeit, die über sie licrciugehroelicnfe Not durch Auswanderung zu lösen, seihst wenn sie mit heroischem Entschluß das Euugrauteiisehicksal aul sich nehmen wollten, i Was folgt daraus? Die Auswanderung ist kein Ausweg und überhaupt kein Weg. Palästina als eines der vielen Länder, in die ansgewandert werden käiin, wenn überhaupt ausgewandert werden könnte, kann nicht die „zentrale Hauptaufgabe aller jüdischen Gemeinschaftsarbeit“ sein.] Müssen wir turn in Erkenntnis dieser Situation, wie es neulich in der recht beunruhigenden Uebcrsclirift zu dem Artikel eines indischen Blattes hieß, „alle Hoffnung fahren lassen“? Nein, das inUssonwir nicht Wir müssen mir erkennen, daß der .Weg,-den iwlr zu gehen haben, ein andcrcF ist. als er Jn den Wunschbildern Wtmdergläubigcr erschaut wird. Nncli einmal: wir verkennen nicht den Heroismus, der diese Wunsch- und Zniihcrwcgc zu gehen sich entschließen will. Aber dennoch: [es bleibt j ein Heroismus der vor der Wirklichkeit Fliehenden, und j der nur tiefer ins Glaube an das Wunder hat nncli allemal immer Elend geführt Uns bleibt der' Weg eines weniger sichtbaren, stilleren, dafür aber zum Ziele führenden Heroismus: wi vorn anfangen. den Weg der Emanzipation nncli Wir müssen uns selbst beruflich' umstellen. r müssen i von einmal geilen, von unserem Lände aber verlangen, daß cs uns Lchensmögliclikcitenj auf der neir 7ti prnrhritnmliMi («ntmihiir#» <r#»u/Hhrt utm? konstruktive soziale und politische Arbeit haben unsere Führer zu vollbringen, jeder Einzelne aber muß sich i men zur Volt bringuug dieser Hauptaufgabe mit einem freudigen Ja und mit dem ganzen Menschen zur Verfügung stclldn. damit die deutsche Judenheit endlich das bilde, was sic h slicr zu ihrem eigenen Unglück nicht gewesen ist: eine einheitliche W i 11 e ii s g e m e i n s c li a f t jüdischer Deutscher. Emigranten können wir'nicht sein. Laßt im: also.das,! was wir doch sein müssen, auch sein wnllen: zähe unser Heimatrccht.; Kämpfer um' Jüdische Frontkämpfer als Krankend; Auf Grund, einer Verordnung des'Reichs; sind alle Aerzte. die Kriegsteilnehmer w; Kassenpraxis am Ort Ihrer Niederlassung zu sic ein Jahr ärztlicher Tätigkeit nach ihn r hinter sielt haben, iiej Ariern genügt Kriegstcjl. arier müssen lutchweisen. daß sie Frontkäi Front- oder Sciichenlazarettarzie tätig waren. assenärzte. rbcitsiiiinLsters sofort zur z]nlässcn. sofern Approbation nähme. Nlchllpicr oder a!s Was lut die Q&keutde? Gemelnöeabende der JOdlscäen zu Berlin I. Synagoge Levetzowstr. 7/5. Donnerstag, 15. Juni Redner: Gemeindevorsteher Wilhelm Graelzi Rechtsanwalt Heinrich St^rn. Vorsitzender der ReprÄsenfanlen-Versammlung Gesänge: Oberkanför Manfred Leqrondowskl II. Synagoge Kottbusser Ufer48/50. Mt Redner: Gemeindevorsteher Bruno Repräsentant Louis Wolf Gesänge: Oberkantor Hanns John ontag, 19. Juni Woydo III. FHedenstempel, Markgraf Albredststr.il/12.: Mittwoch» 21. Juni Redner: Direktor Heinrich Slohl, Gemelndevorslandes Repräsentant Alfred Jaulu Vorsitzender des US Gesänge: Oberkantor Wilhelm Friedmann Uhi Beginn für alle drei Abende 8 JO gegen Einladungskarten, die kostentoi Oranienburger Strafet} 29. Zimmer 53, Vorstand der Jfldlt r Eintritt frei Im Werbereferat,?* erhältlich sind, eben Gemeinde. 1718 010202010101020200020202480102010001020202020100002323010100480100000101022348230201234848230001

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