Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 6 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisch=Übecaiz Juqznd speicht Reduktion: ArJjeilsf'cineinschaft jüdisch-liberaler Jugend vereine Deutschlands Verantwortlich: i.V. Heinz Kcllermann, Berlin Wir beginnen von vorn! Von Mein/. Kcllermann (Berlin). ..Jedenfalls k;nm ieii-mich nicht dazu verstehen, heute gerade das I.i I» e t a 1 e Judentum besonders /u betone» und m Beziehung zu unserer /eit zu setzen. Die N'it «eilt das g c s u ui t e dciilvjic Judentum gleichmäßig an. und ich halte es nicht iur angebracht, das liberale Judentum viitn (iesamtjudcnuim in Deutschland zu distanzieren.** 1 >ies das Bekenntnis eines der Keistigeii Führer des liberalen Judentums zum Zwang der Zeit. I)ie vereiirimgswürdige 'Person des Schreibers schützt den Sinn dieses Zitats in jedem Falle vor einer;(Jleichsetzung mit dengeheimen Absichten all jener ,Stimmen, -die mangelnde Standhaftigkeit zur Tugend unserer Tage »proklamieren. Die Fassung der Worte bewahrt aber den schwerwiegenden Inhalt nicht vor derUefälir einer unrichtigen Verallgemeinerung durdi unbefugte Dritte. Sie erst, die heute sehr jiialic liegt, würde krall ihrer Scheinlogik den Fiter dieser Gesinuungstiichtigen rechtfertigen. j ..'Abbruch des liberalen Judentums“ rufen die besonders Radikalen von ihnen. ..Umbruch des liberalen! Judentums“ empfehlen dfe Gemäßigteren. (j e s a m t i u d e n t u m heiße die Losung! Geständnis der Schwäche das eine, Geständnis der Unbeständigkeit das andere. Beides ein schlechter Rat, falsch in seinen Voraussetzungen, unheilvoll in seinen Konsequenzen, das ganze au bedenkliche Parallclcrscheinungen erinnernd. Was reizt an diesen Formulierungen so zum Widerspruch? Die Forderung nach Solidarität? Ueberfliissig, dies zu verneinen. Sie ist keine Forderung melir, solidem bereits eine Tatsache, die zwar in ihrer heutigen Kraft etwas Ueberrascheudes. im Prinzip aber kein Neues ist. j Die soziale Frage, in aktiver und passiver Form aufgeworfen, iliat die aufrechten Juden aller Lager stets einig gefunden, weil sic kein nur jiidi- *sclies, sondern ein menschliches i Problem ist, gestellt von der Ungunst der tatsächlichen Geschehnisse, gelost von der Bereitschaft aller billig und gerecht Denkenden.;01me unser Zutun -sind wir über Nacht zu einer Gemeinschaft geworden, aber — wohlgemerkt — darum auch lediglich zu einer passiven, zu einer Gemeinschaft von Gleichbelasteten, aber nicht von Glcichgeartetcn. erst recht nicht zu einer jüdischen, ja, nicht einmal zu einer solchen von Juden. Ihre Not geht sic zwar gleichmäßig an. ihre Interessen, ihre Tätigkeiten, ihr Geschmack, ihre Gesinnung und Aufgaben indessen so wenig, wie es_I>ei einer plötzlich und unfreiwillig zusammengeführten I- Menge von Menschen verschiedener politischer, sozialer und biidungsmäßiger, Stufung zwangsläufig der Fall ist. Schon aber beginnen* vereinzelte unter ihnen von ihrer zur Tatsache gewordenen Finhcit zu sprechen,, ja, sogar sie als jüdisch zu empfinden, und andere, ihr unfreiwilliges Fxil in eine bewußte Konzentration zu verkehren.. Hiergegen erheben wir Einspruch aus doppeltem Grunde. Wer angesichts dieser ungestalteten, in Form und Bewußtsein gänzlich unterschiedlichen ZWangsgemeinschaft die Existenz einer jüdischen Einheit festzustellen wagt, bestätigt nicht nur die Behauptungen unserer Widersajcher, sondern beleidigt das bewußte deutsche Judentum. Das sei mit aller Schärte all denen gesagt, die die sogenannte jüdische Gemeinschaft absichtlich der deutschen entgegenstellen. Die Argumente unserer Gegner aus jüdischem wie aus niclitiüdischem Lager haben dadurch für uns keinen Deut an Beweiswert gewonnen, daß sie beute Gesetzeskraft genießen. Wie sie in gewissen jüdischen Kreisen schreien: Schluß mit dem liberalen Judentum!, so zetern sie: Schluß mit dem deutschen''Judentum! Mit seinem Deutschtum kann niemand SchJuß machen. Das wäre Konjunkturgesiimung. Wer im Zeitraum eines Vierteljahres eine Eigenschaft, die nicht nur seine Arbeit, sondern' sein Leben, seine ^Welt, sein. ganzes Selbst bestimmt und gestaltet hat, aufgeben kann, der hat sie niemals recht besessen. Dcutschseiit ist gewiß keine Frage des Paßvermerkes, aber auch der Begriff der Gesinnung erschöpft cs nicht. Einen Paß kann man verlieren, eine Gesinnung wechseln. Deutsehsein ist kein Stück Papier und kein beliebiges Kostüm, hervorgeholt, zur Schau getragen und abgelegt im jeweils passenden Augenblick, Deutschsehl ist jene verborgene Saite unseres Wesens, gestimmt auf den Klang unserer Sprache und den Ton unserer Landschaft, in Schwingung versetzt durch jene gebeimeiK Kräfte aus der letzten Tiefe des unmittelbarsten Erlebnisses, zugehörig zu uns wie ein Stück unseres Körpers, unentbehrlich wie die Luft zum Atmen und notwendig wie der Boden unter den Füßen. Es kann nicht gewaltsam errungen und nicht gewaltsam verdrängt werden. Es haftet uns auch dann au, wenn wir ihm zu entfliehen suchen. „Wo du bist, ist Deutschland!“ Dies Wort unseres Zeitgenossen hat ewige Geltung, es garantiert uns unsere Volkszugehörigkeit auch in Zeiten der Verbannung, es hindert uns, unsere Auffassung von Deutsch- Mum und Judentum einer grundlegenden Korrektur zu unterziehen. aber es wird uns niemals davon zurückhalten.■ unsere ’ Hilfe und unsere Mitarbeit unseren Schicksalsgenossen zu ge- — . Am Donnerstag, den 8. Juni, verschied infolge eines Herzschlages unser .lieber Vater, Brüder und Schwager Rabbiner Dr. Joseph Lehmann im 61. Lebensjahr. . 4 Or. Walter Löwenberg und Frau Anne-Marie Dr. Fritz Wiesenthal und Frau Gertrud Dr. Fritz Löwenberg. Im Namen der Geschwister: Thekla Kellermann geb. Lehmann. I t Unerwartet hat uns der Tod unser Vorstandsmitglied Rabbiner Dr. Joseph Lehmann entrissen. j Durch gemeinsame Arbeit im Dienste der gemeinsamen Idee seit vielen Jahren mit uns verbunden, wurde er-im vergangenen Jahre in den^icsamtvorstand unserer Vereinigung berufen. Wir verlieren in ihm einen unserer aufrechtesten Vorkämpfer für religiös-liberales und deutsches Judentum, einen jederzeit hilfsbereiten Berater und treuen Freund, dessen Andenken in unserer Mitte für immer lebendig bleiben wird. Berlin, im Juni 1933 Vereinigung für das liberale Judentum Heinrich Siern! ' -! Am Donnerstag, den N. Juni, verschied unser hochverehrter und geliebter Prediger, Herr ( Rabbiner Dr. Joseph Lehmann. Ein Führendes deutschen Judentums, ein Führer unserer Gemeinde ist mit ihm -^ahingegungen. Mit seiner tiefen Religiosität. der Wärme seines Empfindens, der Klarheit seines Geistes und der Unbeirrbarkeit seines Handelns, welche sein Leben erfüllt haben, hat er unserer religiösen Gemeinschaft und unserem deutschen Vaterland gedient. Sein Name und sein Wirken werden unvergessen bleiben. Vorstand und Repr&seniantenkollegiam der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin Pincus. Galflncr. 9xuniÜeu=7lachcicPitett~ (Aufnahmen in diese Rubrik kostenlos.) .. Vermählungen: Breslau: Sieitiried Arnsdorf und Frau Tliea j-eb. Dieiiemami. Hamburg: Ahralmni Meer und Frau Bella geb. Cohen. Poolstraße 7. ' ' , 70. Geburtstag: Berlin: Julius Btmnenield. W. Uhlandstraüe dll/dl. Eine Toditer geboren: Finsterwaldc N.-L.: Bruno Jacöbsen und Frau Dorothea geb. (jalliuer. währen, und zwar selbst dort, wo man uns .früher nicht gefunden -haue. Wir beten nicht an, was wir verbrannt haben. Wir fügen uns keiner besseren Einsicht, sondern der Gewalt der Notwendigkeit, auf'deren Ende wir hoffen. Diese zuversichtliche Erwartung wird uns davor' bewahren, durch Aufnahme neuer Prinzipien das Judentum seinem wahren Sinn und seinem höchsten Ziel zu entfremden, sie gibt uns aber das Recht und die Pflicht, unsere Kräfte der gemeinsamen Arbeit unter Betonung unseres Eigenwertes zuzufüliren. Denn jetzt, Freunde, ist es Zeit zur Arbeit und mir scheint zu einer positiveren, gröberen und entscheidenderen, als es jemals der Fall war. Unser Lebensraum hat sich verengt, aber unser Betätigungsfeld bat sich erweitert. An uns ist es, die neue Gemeinschaft nach unserem Willen zu gestalten. Wo?, tragt Ihr. In diesen Tagen wird allerorts die Erage^ der jüdischen Schule diskutiert. Hier ist eine beispiellose Gelegenheit gegeben, Sachwalter des Deutschtums und des Judentums zu werden. Seit Jahr und Tag kämpfen wir gegen die Indifferenz der jüdischen Jugend, werben wir um ihr Interesse für religiöses Judentum. Heute kommt sie uns zwangsweise und ohne Verständnis teilweise tür ihre Situation entgegen. Fassen wir sie zur rechten Zeit und am rechten Ort. Die allgemeine deutsche Schule hat sich als zureichender Vermittler jüdischer Werte nicht beweisen können. Zwei fakultative Schulstunden, mußten bisher Kenntnisse der Religionsgeschichte, der Religionsphilosophie. des Hebräischen verschaffen und Fragen apologetischer Natur behandeln. Eine so kursorische Methode konnte keine Tiefe vermitteln und kein Interesse wecken. Verteilen wir diese Materien auf mehrere Pflichtstunden, so wird jede zu ihrem Recht kommen. Eine Schicksalsgemeinschaft ist da. eine jüdische Gemeinschaft ist im Entstehen, ln ihr muß der Geist unserer Idee Gestalt werden. Das sei den Uebereifrigen gesagt, die sich heute durch den Wandel der Ereignisse bestätigt fühlen und durch eine unsachlfclie Verschmelzung, durch Verwirklichung altbekannter Absichteli in neuartigen Formulierungen ihren heimlichen Wün- . sehen Erfolg und einem Zustand Daher zu garantieren suchen, der durch Begriffe wie Konzentration oder Kullurautonomie nicht verhüllt und um nichts beschönigt wird. Das Judentum bleibt auch in Zukunft für uns das Ziel unserer religiösen und Deutschland das unserer nationalen Sehnsucht, niemals , eine zu erschwerten Bedingungen abgegebene Lokalität tür jedwede jüdische Betätigung. Das ist unsere Parole für diese Zeit: Verständnis zu werben für ein religiöses Judentum in unseren eigenen Reihen. Verständigung zu suchen mit unseren andersgläubigen Volksgenossen. Jede andere Absicht versperrt uns den Rückweg. Eine bedeutende Aufgabe, nicht gelöst durch theoretische Auseinandersetzungen, sondern nur durcli das praktische Beispiel. nicht zu lösen mit der unverständigen Schwärmerei des Märtyrers, sondern in nüchterner Erkenntnis der Tatsachen mit dem gläubigen Optimismus des religiösen Menschen. Das ist keine Teilarbeit und keine Bemühung, „das liberale Judentum vom Gesamtjudentum in Deutschland zu distanzieren", so wenig wie es von jeher eine Teilarbeit des liberalen Judentums in diesem Sinne gegeben hat. Es ist eine Arbeit für das Gesumtjudeutum. eine soziale sowohl wie eine religiöse. Freunde! Das liberale Judentum ist am Ende? Es stellt am Anfang! Wir beginnen! Das Jli-Programm siehe Beilage S/-4. - usisßBDaa KoiDerg Ktjrbeginn am 2. Juni * Vierwochenkur für Kinder M 77.—, Vierwochenkur für Erwachsene M 98.— einsdil. Solbädern u. ärztl. Behandlung Bei sofortiger Anmeldung ist noch Aufnahme, evtl, auch für kürzere Zeit möglich. Anfragen an die Verwaltung, Kolberg; Hafenstrahe 14/15 Frau Dr. Julius Herzberg, sonst Heringsdorf, dieses Mal ThammühlamSee(Tsdiechoslowakei) . Kinderpension für Kinder und Jugendliche Anmeldungen: Berlln-SchOneberg, Crunewaldstr,56 * TeL Stephan9006 Pensionat Hawoay Nähe der Nordsee. Ferien- und Erholungsaufenthalt, Pflege und Erziehung finden ihre Kinder in eigener sonniger Villa mit herrlichem Garten. Bekannt vorz. rituelle Verpflegung. Jüd. Volks- sowie alle höheren Schulen am Platze. Beaufsichtigung der Schularbeiten (ruhig wie in den Vorjahren) Ende Juni Begleitung und Aufsicht ab Berlin, la Referenzen der Eltern meiner Schutzbefohlenen in Berlin. Köln, Vogtland u.m. Pensionspreis monatlich RM 75,— ohne Nebenkosten. Auf Wunsch können Eltern mitkommen. Dauerpensiön Ermäßigung. Prospekt 'und alles Nähere Fran Hannchen Wolffs Aurich (Ostfrld.), VUla Hawoa, Leererstr. 14. In ruhigem Arzthaushalt 1-2 Zimmer leer öd. möbliert (Vollpension, Jede Diät. langjährige Erfahrung) ab 15. 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