Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 4 (15.4.1933)
- Date
- 1933-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Fünfzigjähriges Jubiläum ^der Synagogengemeinde zu Danzig. Am 1. April d. J. konnte die Daii/igcr SjoiaKogengemeinde aui fünf 'Jalirzehnte ihres Bestehens zurüekblicken. Sie ist also im Vergleich zu den anderen üroßgemeinden des Reiches sehr jung. Ursprünglich gab es in Danzig iüpi verschiedene Gemeinden, die zunächst nebeneinander auch i noch bestehen blieben, als nach dem Judengesetz von 1847 der Zusammenschluß aller in Danzig wohnenden Juden zu eiiier einheitlichen ' Gemeinde notwendig geworden war. Wiederholt waren Versuche zur Vereinheitlichung des .Gemeindelebens gemacht .worden. Aber erst zu Beginn der achtziger Jahre gelang es dem damals in Danzig wirkenden Rabbiner Dr. Costnan We r n e r gemeinsam mit dem angesehenen Kaufmann Gustav Davidsohn, der Zersplitterung der Danziger Juden ein Ende'zu machen. Am 1. April 1883 erfolgte die Gründung der Gesamtgemeinde.. Vier Jahre später.fand die Einweihung einer großen gemeinsamen Synagoge statt Der Gottesdienst Würde fn liberalem Sinne mit Chor und Orgel eingerichtet.' Für die orthodoxe Richtung wurde dadurcli gesorgt, daß von den fünf Gotteshäusern der bisherigen fünf. Gemeinden eines durch die Verwaltung der neuen Gemeinde übernommen wurde, wo' der Gottesdienst in traditionell-gesetzestreuer Weise bis zum heutigen läge stattfindet: Nach der Abtrennung Danzigs vom Reiche vergrößerte sich die Gemeinde zusehends: den 2390 jüdischen Seelen, die 1910 in Danzig gezählt wurden, stehen lieute ungefähr 000(1 gegenüber. Der Zuzug, der in der Hauptsache aus den osteuropäischen Ländern erfolgte, bedeutete eine erhebliche Bereicherung des jüdischen Lebens. Durch das Anwachsen der Seelenzalil mußte naturgemäß auch der Auigabenkreis der Gemeinde erweitert werden. Eine neue Synagoge-wurde in Langiulir gebaut. Das Rabbinat wurde vergrößert. Eine große Reihe sozialer Einrichtungen wurde -geschaffen. der Religionsunterricht erfuhr einen weiteren Aushau. Ein Gemeindeblatt unterrichtet die Gemeindemitglieder über das Gemeindeleben. Jüdisch-politische Organisationen sowie jüdische Jugend- und Sportvereine aller Richtungen - wurden ins Leben, gerufen.; Als Rabbiner wirkten in Danzig außer :Cosman Werner, der 1895 nach München beruien wurde, nöclrLouis ßlumenthal 1890—1900 (jetzt in Berlin). Max Freudenthal 1900 bis 1907 (jetzt in Nürnberg). Robert Kaelter 1908—=-1926. Derzeitiger Gemeinderabbincr ist Iwan Grün. Als besonders verdienstvolle Männer der Gemeindeverwaltung sind zu nennen außer dem schon erwähnten Gustav :-Davidsohn. die aui ihn im Amte des Vorsitzenden folgenden Philipp S-imso n.'-Justizrat Louis S t e i n h a r d.t, Justizrat 2 Komfort-Leerzimmer mit Küchenbenutzung, Westen, Nähe Stadtbahn, p. 1. Juli gesucht. Off. unt. 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Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit war von einer größeren Jubiläumsfeierlichkeit abgesehen worden. Nur ein schlichter Festgottesdienst fand am Sonntag, dem 2. April, in der! überfüllten Großen Synagoge statt Gemeinderabbiner Dr.jürün mahnte in seiner Festpredigt, ausgehend von den Worten des salomonischen Gebetes: „Es sei der Ewige, unser Gott, mit uns wie er mit unseren Vätern gewesen, er verwerfe uns nicht und verlasse uns nicht“, zur Einigkeit im Innern und zur Festigung nach außen. Nachdem Oberkantor Meiisel für die verstorbenen Rabbiner und Vorsteher der Gemeinde das El mole rachamim-Gebet verrichtet hatte, brachte der Chor Psalm 115 in der Vertonung von Lewandowsky zu Gehör. (Das Gemeindeblatt erschien als besondere Festnummer. Ferner ließ die Gemeinde einen unveränderten Neudruck des von! Rabbiner Dr. A. Stein im Jahre 1860 veröffentlichten und jetzt vergriffenen Buches „Die Geschichte der Juden zu Danzig“ hersteßen sowie einen Katalog ihrer wertvollen Kunstsammlung. __ Berufsumschichtung und wirtschaftlicher Wiederaufbau. ORT-Arbelt wird auf Deutschland ausgedehnt. IIn London fand unter dem Vorsitz des Präsidenten der Executive der Vereinigten Organisationen ORTrOSE in England, Herrn Leon Rees, die Jahreskonferenz von ORT-OSE statt. Nacli Verlesung von Begrüßungsschreiben von Oberrabbiner J. H. Hertz, Rabbiner Dr. Mattuck, Miß Lily Mon tagu u. a. hielt der 'Präsident des Jewish Board of Depuiies, Neville Laski eine Ansprache, in derer u. a. ausführte, es sei notwendig, die Kräfte der gesamten Judenheit zur; Hilfeleistung für die deutschen Juden zusammenzufassen. Auch die Arbeit von ORT und OSE sei diesen Bestrebungen einzufügen: die ORT-Arbeit stelle die eine Seite des jüdischen Aufbauwerkes dar, genau wie der Zionismus die andere Seite darstelle. — Der Vorsitzende des ORT-OSE-Komitees, der bekannte englische Parlamentarier Lord Marley schilderte, wie der Antisemitismus zum Teil seine Wurzeln in der Abneigung gegen das Vermittlertum seine Ursachen habe. — Diesen Gedanken griff das Mitglied der Zentral-Verwaltung des Weltverbandes ORT, Dr. Ä. S i n g a I o w s k y (Berlin), auf und kündigte unter allgemeinem Beifall der Versammlung an,' ORT werde die bisher in den osteuropäischen Ländern geleistete wirtschaftliche Umschichtungs- und Aufbauarbeit unter den Juden nunmehr auf Deutschland ausdehnen. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Judenheit sich den veränderten Verhältnissen anpassen und den jetzigen Zusammenbruch ebenso überleben werde, wie so viele frühere Schicksalsschläge.' Handwerk hat goldenen Boden. ]- Eine bemerkenswerte Versammlung.! In der vorigen Nummer dieses Blattes ist von Pauline Leudesdorff darauf liingewiesen worden, daß die jüdische Oeffentlichkeit fast nur noch von der jüdischen Presse vertreten wird, weil das Versammlungsleben, von einigen Jugendgriippen abgesehen, nahezu völlig zur Ruhe gekommen ist. Es ist sicherlich kein Zufall, daß der erste Verein, der wieder eine größere Versammlung abhielt, der „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens“' gewesen ist. Haben es' die Verhältnisse doch mit sich gebracht, daß die deutschen Juden weit mehr als bisher sich dem Handwerkerstände werden zuwenden müssen. Das kam auch in den einleitenden W.orteii des Vorsitzenden, Herrn Tapezierermeister Louis Wolff, zum Ausdruck. Mehr als hundert neue Mitglieder hat der Verein in der letzten Zeit gewonnen: die meisten davon waren erschienen und konnten, als erstmalig in einer Versammlung des Vereins anwesend, vom Vorsitzenden namens der alten Mitglieder begrüßt werden. — Der Direktor'des Kreditvereins für Handel und Gewerbe, Herr Alfred Jaulus, entwarf ein Bild der Entwicklung des Genossenschaftswesens im allgemeinen und wies auf die heute bestehende Notwendigkeit für die Gründung jüdischer Genossenschaftsbanken hin. Diese Unternehmungen, die sich auf genossenschaftliche Geschäfte beischränken, seien die treuesten Berater der jüdischen Handwerker- und Mitteistandskreise, übrigens auch unserer ostjüdischen Brüder. — Rechtsanwalt Dr. Manfred Meyer zeigte in einer ausführlichen Darstellung die Zusammengehörigkeit der handwerklichen und akademischen Berufe. .— Louis Wolff wies in seinem namens des Vorstandes erstatteten Tätigkeitsbericht darauf hin, daß die Frage des jüdischen Handwerkers, früher eine innerjüdische Angelegenheit, heute die Gesamtjudenheit ängehe.'— Der Verbandsgeschäftsführer, Herr Erich Salinger, berichtete über die Leistungen des Verbandes: die vorjährige Werbeschau des jüdischen-Handwerks, das neuerschienene Handbuch, die Arbeitsbeschaffungsstelle u. a. m, — In der Diskussion sprach u. a. Herr Wilhelm Marcus, der die Arbeiten der von der Gemeinde und den Gemeindeverbänden eingerichteten wirtschaftlichen Hilfsstellen schilderte. — Alle Redner ernteten für ihre, vom Ernst der Stunde getragenen Ausführungen reichsten Beifall, insbesondere Herr Marcus, der anläßlich seines 50. Geburtstages, von der Versammlung lebhaft beglückwünscht und als ein wahrer Führer des Verbandes gefeiert wurde. Zusammenschluß der jüdischen Sportleute. Das Jugendpflegedezernat der Jüdischen Gemeinde, Berlin C2, Rosenstraße 2—4, erläßt nachstehende Aufforderung: Durch das Vorgehen der Sportverbände und der Verbandsvereine wird es dem deutschen jüdischen Sportler in Zukunft nicht mehr möglich sein, seinen Sport in dem freiwillig erwählten Verein auszuüben. Bekannte und erfahrene Vereinsfunktionäre haben sich daher die Aufgabe gestellt, diese nunmehr vereinslos gewordenen Sportler zu sammeln, um ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, ihren Sport weiterzubetreiben. - Es ergeht .daher der Ruf an alle jüdischen Sportleute im ganzen Deutschen Reich, aktive und passive, sich so schnell als möglich unter Angabe ihrer Anschrift bei der obengenannten Stelle zu melden. Wichtig ist es, anzugeben, welchem Verein sie bisher an- ' gehört, welche Sportart sie betrieben und welchen Funktionärposten sie bekleidet haben. Selbstverständlich können sich auch solche, melden, die bisher keinem Sportverein angehört haben, aber trotzdem Sport treiben wollen. ( — 1 Rabbiner Dr. Hans Kronheim Senta Kronheim geb. waiia* Vermählte danken gleichzeitig für die ihnen erwiesenen Aufmerksamkeiten ' Bielefeld, z. Zt. auf Reisen v J 9xuni£im=7lacflüchten^ (Aufnahmen in diese Rubrik kostenlos.) Barmizwah: Breslau: Günther Masur, Sohn des Herrn Emil Masur u. d. verst. Frau Mally, geb. Böhm, Schuhbrücke 19/21. 20. 5. 1933. Liegnitz: Robert Feblowicz, Sohn des Herrn Kantor Isidor Feblowicz und. Frau Jenny, geb. Silbermann, Bäckerstr. 16. i3. 5. 1933. Gemeinfchaft jüdifefaer Mufiker Zur Pflege deutfdier und jfldifdier Muflk haben sidi in Berlin erwerbslose Künfiler zu einem Kemmerordiefler und einem Kammerchor zufommengefdiloffen. Die erfien beiden Konzerte diefer Gemelnfdioft finden unter Mitwirkung von Soliften am 22. und 29. Mal abends 8 Uhr ln der Synagoge Prinzregentenftra$e ftalt Billeis zu RM 1,—, 2,— und 4,— am Abend der Auffahrung im Vorraum der Synagoge, fowie im Vorverkauf an folgenden Stellen: Rofenstrofe 2-4.. Zimmer 15 / Oranienburger Siraäe 31 (bei Herrn Dr. Schwarz) / Kantfträfe 158. II lks. / Emfer 5träfe 42. 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