Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 3 (1.5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Jahrgang Nummer 3 jabiftiMibetale 3eitung Gefahren, Versäumnisse, Aufgaben. Eine notwendige Kritik von Qeoege Qoeiz. In der vorigen' Nummer dieses Blattes ist über die Gründung der „Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe" berichtet worden, und es wurde auch die immense Arbeit geschildert. die sie im Dienste all der aus Berui und Erwerb Gedrängten vollführt, liii Zusammenhang mit dieser Zentralstelle arbeiten die privaten Hilfsorganisationen. Ungeheures wird autVdem Gebiete praktischer Hilfe geleistet, und alle Männer und Frauen, die in unseren Verwaltungen Aemter. bekleiden, sind über ihre Kraft hinaus in Anspruch genommen. Kein Wort des Dankes wäre hier groß genug. Vielleicht ist dieses Uebennaß an praktisch-organisatoi rischer Arbeit schuld daran, daß es an der geistigen Orientierung und politischen Führung bisher gefehlt hat. Denn das ist nicht zu leugnen: das wegweisende und zugleich repräsentative Wort, das die jüdische Gemeinschaft in dieser Zeit von ihrer Führung erwarten durfte, ist ausgeblieben. Und es fehlt um so mehr, als andere Stellen gesprochen haben und rührig am Werke sind, die keine Befugnis haben, im Nameirder deutschen Juden zu reden und zu handeln. III. In der deutschen Judenheit hat die liberale deutschjiidische Richtung die Führung. Zahlenmäßig und formal. Bis' zum Ueberdruß oft haben wir ja den Gemeinplatz hören müssen: „Die weitaus überwiegende. Mehrheit der deutschen Juden ist liberal.“ Und wie mit dem zitterninaßigeu Verhältnis, so mit dem formalen Uebergewicht in den Verwaltungen. In den Gemeinden nur mit verschwindenden Ausnahmen, in den Gemeindeverbänden wohl überall haben die Liberalen die absolute Majorität. Dieser Reichtum verpflichtet: sie müssen auch in geistiger und politischer Arbeit alle andern Richtungen an Intensität und Aktivität ubertreiieu. Ist es doch eine Lebensfrage für die deutschen Juden, daß die: für uns alle repräsentative Gemeinschaftsarbeit religiös-liberales; und deutschiüdisches Gepräge erhält. Wer aber hat sich bisher gemeldet? Es sei einmal abgesehen, von den Erklärungen, die Gemeindeverbände und Organisationen an die Regierungen des Reiches und der Länder richteten und in denen unter Hinweis auf unsere Opfer und Leistungen in Krieg und Frieden die tiefe Heimatverbundenheit der deutschen Juden ausgesprochen wurde. Diese Erklärungen waren ausgezeichnet und enthielten oft mannhafte Worte, die noch in späteren, ruhigeren Tagen wieder aui- FOTOS!?! Porträts. - Reklame-, Hochzeits-, Kinder- sowie technische Aufnahmen jeder Art fertigt: an: Pfalzburg 8228 ARNO Kl KO LE R, Berlin-Grunewald, Douglasstraße 30. klingen sollen.; Wo aber ist .das Wort an die jüdische Gemeinschaft selbst, die Unerhörtes erleben mußte und ein Anrecht hatte, zu hören, was sie denken und tun solle? Da war zunächst die Erklärung des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes. Dieser Verband war. das soll anerkannt werden, der erste, der überhaupt seine Stimme . vernehmen ließ: aber was er sagte, sprach weder zu dem nach Klarheit suchenden Kopf, noch zu dem nach Auirichtung dürstenden Herzen. Die ganze jüdische Presse aller Parteien geriet darüber in Verlegenheit und druckte die Erklärung kommentarlos und möglichst unauffällig, ab. ' VI. Von den in Deutschland bestellenden Rabbinerverbänden sprachen dann noch die beiden der orthodoxen Richtung. Mit Grundton und Grundhaltung dessen, was sie sagen, kann man sich sehr einverstanden erklären, und manche uns verwandte Saite klingt an. Erireulich vor allem ist, daß die . Orthodoxie alle die' großen und für uns Juden so schweren Ereignisse dieser Zeit vom religiösen Standpunkt aus betrachtet. sie religiös wertet und für die Juden — als- Einzelne und als Gesamtheit — religiöse Stärkung und Vertiefung .anstrebt. Das heißt: die Haltung einnehinen. die indischem Wesen gemäß ist: es heißt ferner: die jüdische Problematik von ihren Ouellen her betrachten und das jüdische Schicksal in die ihm von Ewigkeit her bestimmten Bahnen lenken wollen. Wenn unter der solcherart angestrebten Stärkung des religiösen Lebens dann allerdings die strengere Befolgung der — — Speisegesetze lind anderer, ritueller Vorschriften verstanden wird, so sind wir an dem Punkte, wo wir nicht folgen können noch wollen. Denn es ist nun einmal so. daß gerade die orthodoxe Veräußerlichung des Judentums die Tauf- und Abfallbewegungen des vorigen und des jetzigen Jahrhunderts; herbeigeführt hat, während die von der jüdisch-liberalen Erneuerungsbewegung betriebene Hervorkehrung der geistigen und sozialethischen Werte des Judentums b'er gleichzeitig stattfindender zeitgemäßer Fortbildung seiner Formen den Abfall aufgehalten hat. Die liberale Richtung erscheint denn auch fernerhin: allein geeignet, den Fortbestand des Judentums zu gewährleisten. Um so betrüblicher, daß die „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands“ bisher völlig schweigt. VII. Sehr eigenartig — aber auch sehr' bezeichnend — ist die . Haltung der Zionisten, wie sie vor allem in ihrem Hauptorgan. der „Jüdischen Rundschau“, zum Ausdruck kommt. Wie oft ist nicht von uns Gegnern des Zionismus ausge-' führt worden., daß der Zionismus, auf Rassentheorie und völkischer Anschauung gegründet, in der politischen Wirtlichkeit und sozialen Praxis zu den gleichen Ergebnissen 'führen-muß wie der auf Rassentheorie und deutsctivölkischer Anschauung gegründete Judenhaß! Aber nein, das durften wir nie sagen. Erklärten wir: z. B„ daß, wer ein „jüdischnationales Eigenleben“ proklamiert, sich damit in Deutschland in die Rolle eines geduldeten Gastes und Ausländers begibt. so wies man uns triumphierend auf die Tatsache hin. daß gerade* Zionisten, die sich „mit Stolz zu 'ihrer jüdischnationalen Gemeinschaft bekannten“, in den preußischen Ministerien hohe politische Aemterinnehatten. Erwiderten wir hierauf aber, daß wir es nicht in der Ordnung landen, wenn Zionisten, deren Vaterland angeblich doch Palästina ist. derartige hochpolitische Posten' bekleiden, so erklärten uns jene empört als jüdische Vollantisemiten! Und nun? Nun hat den Zionisten das „stolze Bekenntnis zur eigenen Art" nichts genutzt, nun sehen sie sich mit Hilfe ihrer eigenen Rassentheorie liier aus der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung hinausgedrängt. — Geben sie deshalb wohl ihre Rassentheorie aui? O nein: sie setzen treuherzig die Unterscheidung zwischen „Semiten" und „Germanen“ fort. Aber sie. die grad eben noch so stolz aui die zionistischen Ministerialdirektoren in Preußen hiiigewiesen hatten, sagen jetzt (wie z. B. Koll en.sehe r in seiner jüngst von Heinrich Stern hier besprochenen Broschüre — vgl. „J.-l. Ztg." No. LS vom 15. Dez. 1932 — wie aber auch die „Jüdische Rundschau" wohl'in jeder einzelnen ihrer letzten Nummern), sie-hätten immer seitens der Juden Zurückhaltung gegenüber den deutschen Dingen geiordert. Sie sind es, die jetzt uns die jüdischen Beamten vorwerten. z. B. Rathenau und auch Dr. Weiß, und die mit diesem Vorwuri unsere Theorie von der Gleichberechtigung der jüdischen mit den protestantischen und katholischen Deutschen widerlegen möchten. Aber in unserer Theorie ist doch wenigstens kein innerer Bruch. Sie aber, - die „Semiten", woher leiteten sie ihren Anspruch aui Gleichberechtigung ab? Immer haben sie — wie z. B. in der Broschüre des zionistischen Generalsekretärs Karl Glaser — die Andersartigkeit, ja geradezu die Niehtdazugehörigkei; der Juden betont: „ausgeschlossen aus den Kollketiverlebinssen der Völker“ seien wir jüdisches Volk, hieß es damals. Und heute? Heute haben sie sich von Deutschland, scheint’s, endgültig verabschiedet. Jedenfalls sprechen sie mit einer gewissen inneren Rührung davon, daß — man beachte die temporal — „noch Generationen dem freu bleiben werden, was sie vom deutschen Geist empfangen haben"-so spricht der abreisende Gast: so hörte ich einmal einen üeschiehtskundigen über das Verhältnis der Juden zu Spanien sprechen, von dessen Kultur unsere Vorväter ja auch viel empiangen habe n. und das in der jüdischen- Literatur ja auch heute noch einen Ehrenplatz einnimmt: es gibt keinen Juden, dem der Klang des Wortes „Spanien“ nicht zum Herzen spricht, und das Kol Nidre hat eine spanische Melodie! Aber soll geschichtlieh-rückerinneriide Liebe künftig unser Verhältnis zu Deutschland kennzeichnen? Nein und tausendmal nein. Wir sind keilte Spanier: hei aller geschichtlichen Liebe nicht. Und weshalb nicht — etwa, weil wir Juden sind?, oder nicht vielmehr weil wir Deutsche sind?! Hier ist die Wegscheide, die uns von den Zionisten trennt. Und wird auf die Tatsache verwiesen, daß vielleicht Viele von uns zum Auswandern gezwungen sind, so wandern sie als Deutsche aus. Zu allen Zeiten findet Auswanderung statt und ein dementsprechender Austausch der Nationen durch Ausbürgerung und Einbürgerung: und man soll nicht vergessen, daß auch viele nichtjüdische Deutsche heute auswandern. VIII. ' „ Aber in den Gemeindestubea glaübt -de»—Zionismus heute seine Stunde gekommen. - Weil alles national geschaltet wird, deshalb müßten auch die jüdischen Gemeinden in nationale Verwaltung gebracht werden! Aber seit wann ist nationaljüdisch dasselbe wie nationaldeutsch? Und ein wenig fürchten die Herren sich denn doch vor den Konsequenzen. Dafür nutzen sie denn um so mehr die Verzweiflungsstimmung der jüdischen Massen: „Die Emanzipation erlitt eine Niederlage — folglich war sie falsch!“ So sprachen sie nie bei Niederlagen des Zionismus: an denen es doch wahrlich nicht gefehlt hat. Aber heute vertrauen sie auf die Denkträgheit der Masse, auf die Gewohnheit des Menschen, jeden soeben gewordenen Judenfrage und Christentum. Ist der Rassenstandpunkt mit der christlichen Lehre vereinbar? In der Osternummer der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht der Frankfurter evangelische PfarrerRudoIfWintermann unter dem Titel „Die Judenfrage und das Christentum. Ein Osterwort“ einen-Artikel, in dem er den geistigen Charakter des Christentums gegenüber der rassentheoretischen Auffassung unterstreicht. „Man muß“, erklärt er. „das neutestämentliche Erkenntnis vom Creator Spiritus (Schöpfer Geist) einmal ganz ernst nehmen, und man wird erkennen, daß jeder Kampf gegen eine Rasse_als Rasse — nicht gegen einzelne Schlechte und Verbrecher im Sinne vom Römer 13 — vor diesem Forum nicht bestehen kann. .-.. . Gottes Wille ist, daß allen Menschen geholfen werde, daß alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, daß alle die ihnen zugewiesene Aufgabe erfüllen können. Wo man das aber unmöglich macht, wo man Menschengruppen, die sich eingliedern wollen, daran hindert und sie zwangsweise zur Irre.- denta macht, da muß sich vom Evangelium her der Widerspruch erheben. Denn man tut wieder dasselbe, was das Mittelalter tat: man verurteilt den Juden zu rein geschäftlicher Arbeit, .zwingt ihn also, gerade das zu tun, was man ihm als größten Vorwurf macht, und läßt ihn als „ewigen. Juden“ nirgendwo heimisch werden. .... Was ich schon an anderer Stelle sagte, wiederhole ich hier: Die Judenfrage wird zur Christenfrage, d. h. zu der Frage nach der Echtheit und dem Ernst unseres Christentums. .... man fordere das Größte und Schwerste, ganze Hingabe und Treue, aber man ächte nicht um des Blutes willen Menschen, die zum Dienst bereit sind! .... Nur auf diesem Wege sehe ich als evangelischer Christ eine Lösung der Judenfrage.“ ' Professor Bartels gegen jüdische Literaturhistoriker. Ausschluß der Juden nicht nur aus der deut sehen Literatur, sondern auch aus.der Literaturwissenschaft gefordert In der Literatur-Beilage des „Völkischen Beobachters“ veröffentlicht der bekannte nationalsozialistische Literaturhistoriker Adolf Bartels einen Artikel unter der Ueberschrift „Die deutsche Literaturgeschichte und die Juden. Ein Beitrag zur Verjudung der Geisteswissenschaften in den letzten Jahrzehnten.“ In dem Artikel versucht Bartels, die jüdischen Leistungen auf dem Gebiet derdeutschen Literaturwissenschaft zu entwerten, und stellt die Forderung auf. daß nicht nur aus der deutschen Literatur, sondern auch aus der deutschen Literaturgeschichte und -kritik alle Juden zu entfernen seien. Der Verfasser erinnert daran, daß er in seiner „Einführung in das deutsche Schrifttum“ den Grundsatz „Ein Jude kann kein deutscher Dichter sein“ aufgestellt und demgemäß alle deutsch- Beilage 1. Mai 193; Zustand iiir endgültig zu nehmen. Wie einst der /miiisniu > für die geknechteten Juden der Ostländer erfunden wtirdi. olme den Gedanken an die Möglichkeit, daß auch in den Ländern des Ostens einmal dieser Kueclitszustand aufhoreii tut 1 die Emanzipation kommen müsse, so wird auch jetzt keil Gedanke daran gewendet, daß auch ein national regierte: Deutschland seine Stellung zu den Juden revidieren könnt!. Da nun andrerseits'heute die Bewegung sich gegen die jüdisch: Stammeszugehörigkeit richtet, so vertraut mau ferner auf de i auch unter Juden verbreiteten religiösen liidilfereiitisnius. Kei i M'or/von den geistigen Werten, immer mir von tfff eigene i „Art" —r unter dieser l’arole wird daun für die Errichtung jüdischer Schulen geworben. Wir aber sagen: wird 'es aus den bekannten Gründen tatsächlich notwendig, jüdische Pr< - iauschiilcii in größerer Zahl ins Lehen zu rufen, so sollen t s deut sc Ire Schulen von und iiir-Juden sein! Und wir weiden sie dann schallen m der tlofnnmg. daß unsere Kinder dereinst wieder in ihre vollen -Rechte als Deutsche eiliges«: t Nun hätte mau meinen sollen, alle die hier heute m d früher geäußerten Gedanken.' Wünsche und Ziele von de jeiiigen Stelle aus verkündet zu selten, die dazu berufen i und die von den deutschen. Juden einst geschaffen wuri Vorkämpfern! unserer Emanzipation zu sein. Leider erlebt ir auch hier eine große Enttäuschung. Wir -haben an dieser Stelle zu oft Idee und Realität, Ti denz und Taktik des' Central Vereins verteidigt, i nicht auch das Recht zu einer sehr noiwcndigeir'Kritik;.. haben. Zu einer Kritik, die. well sie von einem der würmsti n ' nd treuesten Anhänger des Centralvereins kommt, nie it egen, sondern f ii r. ihn geübt wird, die aber gerade deslia b uch es deutlich ausspricht, daß der C.-V. mit der nciicrdin :s' i seiner Zeitung eiiigenomiiieuen Haltung die deutschen Juden n Stich gelassen hat. - - Vielleicht ist es nicht zu vermeiden, daß — wie bei viel u politischen Gremien — auch im_C.-V. die altbewährten Führ :r stell zunächst Reserve unterlegen müssen. Aber man durfte auch vertretungsweise nicht die Leitung des C.-V. in' i ie Hände gerade desjenigen seiner Vizepräsidenten legen,' dess tu Stellung zur Frage Dcmschtuni und Judentum niemals dt rienigen von Gabriel Rießer, Eugen Fuchs, Julius Brodni z, Bruno Weil, Ludwig Holländer, kurz, der gesamten C.-V.- Traditiou entsprochen hatte und der sich für tmsern Geschmack ts allzu sehr für Palästina interessierte! Und niemals durfte es tu kommen, daß cm Mann, der vielleicht ein nicht unbegabter Gelegenheitsjouriialist, aber niemals cm politischer-Filhijcr ’ t, einen politischen Leitartikel in der C.-V.-Z.eitungschrcijit, .1 welchem für den Verlust unserer bürgerlichen Gleichberechtigung nichts weiter aufgebracht wird als ein — bedauerndes Achselzucken! Man höre: „Hie Weltanschauung vuiu Hassenwert des Ariers und Jim der Ungceignctficit des Semiten für staatliches Lehen Ist das empörend oder nicht? Mairthöre hiergegen, w; diesen Tagen die Union der jüdischen Gemeinden Italien Resolution der Ocffentlichkcit unterbreitet hat: sie 1: gerechte Beschränkungen g il Rechte ' übrigen Bürger erfreuen mögen.“ Das schreiben die Juden Italiens! Unser deutscher Cen-,' tralverein aber hat nichts, als ein kraftloses Bedauern in' findet kein Wort für die Wiederherstellung der-Emanzipat oi In das deutsche Rcchtsleben wird der Begriff des AjJ,t r mit allen daraus resultierenden Folgen eingefUhrt. und!~ C.-V. stellt das nflt Bedauern fest! Hätten wir nicht l.._ Recht, von ihm zu erwarten, daß er in das Herz der Di ige vorstoßen und alles das wiederholen würde, was in nun vlei zig Jahren den wissenschaftlichen Unterbau seiner Existenz i bildet hat! Gewiß, seine politische Wirksamkeit t schreibenden jüdischen Dichter und Schriftsteller einfach \t gelassen habe. Nunmehr behaupte er auch, ein Jude kö ... kein deutscher Literaturhistoriker sein, denn wer Uber deuts :1t Literatur schreibe, müsse diese im deutscheu Geiste erfas;c und beurteilen, Bartels gibt sodann eine Uehersicht- Uber-Jdli Arbeiten von Juden auf dem Gebiet der deutschen Literaturgeschichte, beginnend mit der lfWO erschienenen „Gcscltic ite der deutschen Nationallitcratur“ von Gutzkows Mitarbe tei Ludwig Wihl und der „Enzyklopädie der deutschen Natioi dlliteratur von Oskar Ludwig Bernhard Woiff, Uber die w :ltberühmten Werke eines Albert B i el sch o v s k y, Lud vig Geiger. Gustav Karpeles, Adolf Kohut. Jakob' Minor, Am ust Sauer. Georg Simmel und Georg Wftkowsky bis zu modernen Arbeiten Oskar Walzeis, Theodor Lcssings i Friedrich Gundolfs. Von der Tätigkeit aller dieser Groicn der deutschen Literaturgeschichte behauptet Bartels, sic I ä‘ fen nichts wahrha/t_ßedeutendes herausgebrachf, indem c ihren Arbeiten hier und da seine eigenen Forschungen g überstellt. Hierzu ist lediglich zweierlei zu sagen. Es ist daran z . erinnern, daß in der Beurteilung von Literaturhistorikern a ich schon Irrtiimcr'passiert sind, wenn man nicht wußte, daß d betreffende Jude ist; der eklatanteste Fall war wohl der n dem unvergessenen jüdischen Forscher Professor Gundolf, ui dieser Irrtum ist, wenn wir uns reell) entsinnen. Herrn Bartel; selber passiert. — Zweitens aber: muß. wer Literaturwisj citschaft treibt, dem betreffenden Volke zugeltören, so wäre ii eine adäquate Literaturforschung vergangener. Kulturen, z . der altgrichischen, niemals möglich. Will Herr Profeijsi Bartels das drnstliclt behaupten?- Zeniralaimdiufj der deufsdien Juden für Hilfe und Aufbau. Die Reiclisvertretung der jüdischen Landesverbände it bei sich einen ..Zentralausschuß der deutschen Juden für f ilfe und Aufbau" errichtet, der die Arbeit aui allen Gebieten d wirtschaftlichen und sozialen Hilfe verteilt und abstimmt.Ji' ferner die einzige Sammelsteile für die Beschallung und ■ teilung aller.Mittel, insbesondere auch dem Ausland-gi Dem Zentralausschuß, in dem die maßgebenden .zentr den „.dischcn Organisationen mitarheiten. gehören au die Her er Rabbiner Dr. Baeck (Vorsitzender), Landgerichtsrat Dr. Li iei. thal (Geschäftsführer), Alfred Berger, Ür. Georg Land: uer, Direktor Stahl. Dr. Ludwig Tietz, Dipl.-lng. Bruno Wojida, Dr. Carl Melchior und Dr. Mark Wischnitzer: die HLnzuvahl weiterer .Persönlichkeiten ist in Aussicht genommen. ~ ttes