Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 21 (29.1.1933)
- Date
- 1933-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2613456-2613475--4300-2615968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12. Jahrgang Nummer 21 3üöifd)'libcifllc Reifung Beilage 29. Januar 1933 Tage der Jugend. Die Arbeitssitzungen und die Festlichkeiten in Breslau. Die festlichen Tage in Breslau sind vorüber. Die unmittelbare Nähe des Erlebten, die freudige Erregung des Dabeiseindürfens, all das, was uns die Tage über in steter Bewegung gehalten, ist verklungen, entfernter, in seinen Zusammenhängen deutlicher. Da ist es Zeit, Rückschau zu halten, Bilanz zu ziehen. ' i Innere’ und äußere Erfolge dürfen wir feststellen. Um zunächst mit den'äußeren Erfolgen zu beginnen. In Hamburg haben sich junge Menschen gefunden, die gewillt sind, an der Arbeit der ARGE aktiv .teilzunehmen, liberale Juden, die es sich als nächste Aufgabe gestellt haben, die Weltjugendkonferenz, die im August in Hamburg zusammentreten wird, vorzubereiten. Noch nennen , sie sich-nicht „Jli“, aber echter Jli-Geist hat sie zusammengeführt, und wir heißen sie bei uns aufs herzlichste, willkommen. Die Delegieften-Tagung der ARGE hat mancherlei zu einem erfreulichen Abschluß gebracht So hat die ARGE nach der Zeit einer provisorischen Leitung eine feste Führung erhalten. Nach reiflichen Erwägungen, nach Zurückstellung von mancherlei Wünschen, nach nicht immer nur konzilianten Wortgefechten, wurde Heinz Kellermann (Berlin) einstimmig zum Vorsitzenden - der ARGE gewählt. Ausgiebig befaßte sich die Delegiertentagung mit der Stellung der ARGE zur CV-Jugend und war übereinstimmend der Ansicht, daß die areligiösen Strömungen innerhalb der CV-Jugend entschieden abzulehnen sind. Auch eine Neuregelung der ARGE-Satzungen würde vorgenommen, um eine engere Zusammenarbeit der einzelnen Jlis zu erreichen. Dem neugewählten Vorstande wurden Richtlinien mitgegeben, nach denen eine Vergrößerung der ARGE betrieben werden soll. ‘Es ist zu hoffen, daß es der ARGE und den verschiedenen Jlis gelingen wird, liberale Jugendgruppen in ganz Deutschland ins Leben zu rufen. Ansätze sind vorhanden und einer ziel- und zweckbewußten Arbeit muß endlich Erfolg beschieden sein. Hamburg soll uns ein glückhaftes Vorzeichen sein. Der innere Gewinn der Festtage ist einmal die glänzende Stimmung, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das immer wieder deutlich wurde. Wir alle, die wir. der Tagung beiwohnen durften, wissen, daß wir nicht umsonst an einer großen - Idee arbeiten. Schon der Auftakt, eine vom Breslauer Jli eigen ausgestaltete Freitagabend-Feier, war vielversprechend. Sie war in ihren einzelnen Teilen das Ergebnis zielbewußter religiöser Arbeit, eine Andacht, die echt war — die zu jedem von uns spraph. Rabbiner Dr. Sänger hielt die Ansprache, in der er zum . Ausdruck brachte, daß liberales Judentum ein Judentum von weitester und unbegrenzter Lebenskraft ist Oberkantor B o r i n und Organist Schaffer verschönten mit ihrer Kunst die festliche Stunde. Auch der Festgottesdienst am Sonnabend in der Neuen Synagoge war von echt liberalem Geist getragen. Rabbiner Dr. Vogelstein sprach zu der Jugend und wußte ihre Wünsche und ihr Sehnen zu klären und zu deuten. Wie stark und wie lebensfähig das liberale Judentum heute ist, bewies die ideelle Aussprache der Delegiertentagung, die unter dem Titel „Krisis des religiösen Liberalismus?“, vor einem erweiterten Kreise stattfand. Welche Bewegung könnte es sich heute noch gestatten, in solch rückhaltloser, ehrlicher Weise an sich selbst Kritik zu üben? Und obwohl Martin Glass (Berlin) in seinem Referat einen bewußt negativen Ton anschlug, brachte die Diskussion ein so positives Wollen, ein so starkes Bekenntnis zur Idee zum Ausdruck, daß man sagen darf, die scharfe, vielleicht überscharfe Selbstkritik hat uns nichts geschadet, sondern nur klären und uns in unserem Weg bestärken können. Martin Glass führte in seinem Referat ungefähr aus, daß der Liberalismus als Teilerscheinung jener großen Geistesrichtung anzusehen sei, die das 19. Jahrhundert einleitet Diese Bewegung, die sich auf allen Lebensgebieten auswirkt ist darauf gerichtet, den Einzelmenschen von den Bindungen zu befreien, die noch aus dem Mittelalter herrühren. Der Wille des Einzelmenschen wird,zum Mittelpunkt allen Geschehens gemacht. So verstanden ist Liberalismus ein revolutionärer Akt, der zeitlich gebunden zu sein scheint^ Dafür, daß diese Umwälzung ihrem Ende zugeht spricht, daß die Orthodoxie mehr und mehr aus den Gemeindeparlamenten verschwindet und dem Zionismus Platz macht Dem Kampf gegen diese Bewegung opfert der Liberalismus heute einen großen Teil seiner Kraft, wobei es nicht unstreitig ist, ob gerade er oder nicht die Organisationen des Deutsch-Judentumes hierzu legitimiert sind. Eine weitere bedrohliche Erscheinung ist es aber, daß die Betonung des Willens des Einzelmenschen zu einem Auseinanderstreben der Gemeinschaft einerseits und zu einem Mangel an gemsinschaftsgebundenen Werten andererseits zu führen scheint. - Es ergibt sich also als dringende Aufgabe heute weniger die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse als vielmehr die Erhaltung, und Wiedererneuerung gemeinschaftsgebundener Werte der jüdischen Gemeinschaft überhaupt Dies kann aber nur durch eine dauernde innige Berührung mit jüdischem Geistesgut, mit dem Judentum der Bibel und der nachbiblischen Zeit erreicht werden. — Als Korreferent brachte Hans Manfred D a n z i g e r (Breslau) zum Ausdruck, daß der Altliberalismus im religiösen Judentum in Unterbewertung des Kultischen und Sakralen die Ethik in den Mittelpunkt der Religion gestellt und allein den Menschen als Meister seines Geschickes gepriesen habe. Man ging aus von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und von der Zielsetzung des messianischen Ideals als einer durch den Menschen selbst erreichbaren Stufe der Geschichte. Ein unermeßlicher Hochmut unter den Menschen mußte die Folge sein, denn der Mensch als Organ “seiner eigenen Schicksaisgestaltung war fast letzte göttliche Instanz geworden. Die Aufklärung hatte die Religion so filtriert, daß Glauben und Erleben als religiöse Kategorien eine ganz untergeordnete Rolle spielten. — Gibt es aber nicht auch Menschen, deren persönliche und seelische Lage so hoffnungslos ist, daß auch der ethische Idealismus ihre Kräfte nicht mehr anzuspannen vermag, um sich zu befreien und zu erlösen, und liegt nicht vielleicht darin die Stärke des religiösen Gedankens, daß er erst in dem Augenblick, in dem menschliche Kraft und menschlicher Wille versagen und an der Gewalt des Geschickes zerschmettern, dem Menschen die Kraft gibt, sich über das Reale zu stellen und Verzicht zu leisten in der Erkenntnis, daß es noch eine höhere Macht gibt als den Menschen, daß nicht er letzte Instanz seiner Lebens¬ und Schicksalsgestaltung ist? Die Kraft zur Verwirklichung der ethischen Tat ist nicht Konsequenz philosophischer Ge-, danken, sondern erfolgt aus der dem Menschen zuteil gewordenen göttlichen Offenbarung. Der. Dreikläng Einzelmensch — Gott — Menschheit möge diesen Gedankengang formelmäßig veranschaulichen. Andererseits stützt sich die Ethik des Judentums auf die Willensfreiheit des Individuums und die Verantwortlichkeit des Einzehnenschen vor Gott Wenn also das ethische'Ideal in die Ebene des Irrationalen verschoben und zum bloßen Glaubensinhalt gemacht wird, dann wäre menschliches Handeln sinnlos und das außerhalb des Menschen liegende Göttliche die allein wirkende Kraft. .Das wäre aber eine völlige Selbstaufhebung der Ethik. Hier liegt der Angelpunkt des religiösen Liberalismus, in der Prüfung, wie weit die Immanenz des Göttlichen im Menschen geht, wo die Grenzen der Ethik in dem weiten göttlichen Reich der Religion liegen und die Kraft des Menschen ihre Beschränkung erfahren muß. Die Krisis des Religiösen besteht darin, daß wir vergessen haben, daß die Religion der Krise gar nicht unterworfen sein kann. Die religiösen Werte .liegen jenseits der soziologischen Bedingtheiten. . Der unbestreitbare Höhepunkt all der Festtage war die „0ef f en tli che Kundgebung“, mit der wir vor die jüdische Oeffentlichkeit Breslaus traten. Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin) sagte einleitende Worte, Fredy Fabian begrüßte. Edith Herrnstadt-Oettingen sprach einen Prolog, den Fritz Engel gedichtet hatte, Oberkantor B o r i n sang, von Organist Schaffer begleitet, ein kurzes Lied, lind dann sprach Rabbiner Dr. Albert Wolf (Dresden). Und seine Rede war wohl das Erlebnis der Tagung. Wir alle saßen da, froh über die Worte Dr. Wolfs, gebannt von seinem jugendlichen Temperament und seiner Klugheit, dankbar, diese Augenblicke miterleben zu dürfen. Es war eine jener seltenen Stunden, da ein wirklicher Führer uns ganz Neues. Wegweisendes zu sagen hat! Wir hoffen, daß Dr. Wolf uns über den Sinn seiner Ausführungen etwas Gedrucktes, Ausführliches überlassen wird, damit wir an seinem Gedankenwerk Weiterarbeiten, daran lernen, damit bauen können. Es wäre Aufgabe der „Vereinigung für das liberale Judentum“, hier die Wege zu weisen und die — Mittel, d. h. die Geldmittel aufzubringen. Wir, die Jugend, warten darauf. An dieser Stelle kann und soll nur ein kurzer Auszug gegeben werden. Dr. Wolf führte zum Thema „Sinngebung des Lebens aus der Weltanschauung des Liberalen 'Judentums“ aus: Das liberale Judentum sei niebt unabhängig vun den Geistesstrümungen der Umwelt. Und in der Umwelt mache sich immer mehr eine Verweltlichung bemerkbar. Die Entwicklung lasse sich unschwer verfolgen. In frühereq Zeiten seien Wissenschaft, Staat und Kunst die Knechte der Kirche gewesen, hätten sich icdoch mit zunehmender Entwicklung immer selbständiger' gemacht. Diese Entwicklung habe es mit sich gebracht, dall das menschliche Lehen kein höheres Ziel kenne, als sich selbst, und so eine ungeheure Verein s a nt'u n g des Menschen geschaffen. Die Menschen wurden vuneiuander getrennt, es kam ein neuer Typ auf: der eins» m-e M c n s c li. Die Erage nach dem Sinn ilcs Lebens wurde so. immer dringender. Es fehlte reine wirkliche Aufgabe. Es galt, eine neue Sinngebung des Lebens zu finden. Es entstanden neue Gemeinschaften, weltliche Gemeinschaften, politische, wirtschaftliche, Kapitalismus, Sozialismus, Uulschewismus. Diese Bewegungen seien Jedoch nicht absolut sittlich. Sittlichkeit sei etwas Unbedingtes, und tuan müsse diu Eurderung nach dem Unbedingten erfüllen. Der Rul nach Autoritit als etwas Absolutem wurde laut. Doch diese neuen Bewegungen schupften Ihre Autorität nicht aus etwas Absolutem, sondern sie u s u r - Plenen Autorität. Ihre Autorität beriet sich aul das Wort, das Kennzeichen der ürthodoxlen. Es entstanden Iti all den neuen Bewegungen neue Orthodoxien. Man glaubte, abermals das Kennzeichen einer Orthodoxie, an das Endgültige. Das Endgültige aber könne nicht anerkannt werden,.der lebendige Mensch habe sein Leben immer von neuem selbst zn gestalten. Nicht das Endgültige, die Immcrwährendo -Prüfung sei dem Menschen angemessen. denn er Ist ein verantwortliches Wesen. Der Philusuph Kluges und seine Anhänger sugcitrrler Mensch müsse die Welt uuf sich einwirken lassen, die Welt erleiden, um der Seele willen. Der Geist sei der Widersacher der Seele. Dr. Wulf meinte, es gäbe wohl eite Letztes, das ntan mit den Kräften d.cs Geistes nicht erfassen könne. Duett gelte es um der Patliik der passiven Haltung zur Ethik, der aktiven sittlichen Tat zu gelangen. Echte Religiun bedeute.es. das Leben zu erleben, aber dieses Erleben müsseeine .Aufgabe geben, eine Aufgabe, die du heilte, die Menschen zu befreien. So würden 'die Menschen wieder Zusammenkommen, wieder echte Gemeinschaft nnden. Und wenn mau die Erage stelle, -nach der heut igelt Geltung des Judentums, so müsse matt sagen: „Es gibt keine Religion, die diese Aufgaben erfüllt, es sei denn das liberale Judentum." Zuletzt. Sonntagabend, vereinigte uns die Geselligkeit. Fröhlichkeit und Ausgelassenheit herrschten; dazwischen gab— uns'Edith Herriistadt-Oettingcn noch tyniual eine Probe ihrer schönen, ernsten und reffen Kunst. Ein Theaterstück, von Hans Bernstein, der unter dem stürmischen. Beifall des Publikums sein Pseudonym lüften mußte, wurde vom Autor und anderen Mitgliedern des Breslauer Jli gespielt. Noch einmal, in diesem Stück, kam unsere unverbrüchliche Treue zur jüdischen Religion klar und eindeutig zum Ausdruck. Jetzt kann mutt sich nur noch freudig all der schönen Stunden erinnern; wir wissen, daß diese Tagung einen Höhepunkt und Fortschritt in der Entwicklung des liberalen Judentums in Deutschland bedeutet. Günter R i e s e n f.c I d. Breslau. Professor Eugen Mittwodi ehrenamtlidier Berater des Auswärtigen Amtes. Wie die Jüdische Telegraphen-Aeentur erfährt, ist Professor Eugen Mittwoch, der hervorragende Orientalist zum ehrenamtlichen Berater in . jüdisch-politischen Angelegenheiten beim Auswärtigen Amt ernannt worden; Professor Mittwoch wird demnach eine Arbeit fortsetzen, die bisher dem verstorbenen Professor Dr. Moritz Sobemheim oblag. Professor Eugen Mittwoch, 1876 geboren, wurde an der Berliner Universität 1905 Privatdozent, 1915 a. o. Professor, 1919 o. Professor und 1928 Direktor des Seminars für orientalische Sprachen. Er ist ein hervorragender Kenner der semitischen Sprachen, besonders des klassischen und des modernen Arabisch, sowie des Aethiopischen und seiner modernen Dialekte. Seine zahlreichen Arbeiten behandeln die Biographie Mohammeds, Prägen der arabischen Literaturgeschichte, der mittelalterlichen arabisch-jüdischen Medizin, der islamischen Kunst, der modernen Islam-Politik u. v. a. Auch die hebräische Epigraphe verdankt ihm Beiträge, so Über die hebräischen Inschriften von Palmyra. Sehr viel Beachtung fanden seine im Jahre 1913 von der Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Arbeiten, in denen er den Nachweis eines starken jüdischen Einflusses auf. Entstehung und Ausgestaltung des islamischen Gebets und Kultus erbrachte. Professor Eugen Mittwoch gehört dem Gescliäftsfflhrenden Ausschuß des Hilfsvereins der Deutschen Juden, dem Vorstand der Gesellschaft' zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und dem Deutschen Komitee Pro Palästina an. Joseph Kauffmann 75 Jahrei Hier hat es also doch einmal Einer verstanden, sielt .rillen, Ehrungen zu entziehen“: Mitte Januar erfährt man. daß Joseph Kauffmann am 2. Januar seinen 75. Geburtstag begangen, aber nicht „gefeiert“ hat! Wir aber hätten Anlaß gehabt zu feiern, ist doch Joseph Kauffmann im schönsten Sinne ein Veteran des liberalen Judentums, dem die jüdische Gemeinschaft viel ' Staatsrat a. D. Helmanni Cohn (Dessau) gestorben. Nach Schluß der Redaktion erreicht uns die Nachricht, daß unser Freund, der anhaitische Staatsrat a. D. Justizrat Dr. Heimann Cohn (Dessau).: der schon längere Zeit krank darniederlag, seinem Leiden erlegen ist Wir werden die Persönlichkeit dieses hervorragenden Mannes in der nächsten Nummer ausführlich würdigen. zu danken hat. Leser, wenn du nichts von Ihm wissen solltest, so liegt es an dir. an der .undankbaren Vergeßlichkeit unserer Zeit und daran, daß unser Jubilar einer der stillen Arbeiter im Lande ist. Und glaubt nur ja nicht, er sei nur eine „Parteigröße“ —: er war es. der., 1892 nach Plauen (Vogtland) gekommen, aus dem damaligen privaten israelitischen Religionsverein eine G e.nt e i n d e mit Körpcrschaftsrechten machte, der als langjähriger Vorsitzender dieser Gemeinde mancherlei Reformen dort einführte, die sich zum Segen Ißr den Fortbestand der Gemeinde auswirkten. Die Gemeinde Plauen Ist unter der Führung des prachtvollen Dr. J. Qoldberg den Weg weitergegangen, den Joseph Kauffmann ihr bis zu seinem Fortzuge aus Plauen (1915) gewiesen hat, um) siehat seinerzeit unsern Jubilar zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt Als vor zwei Jahren die herrliche neue Orgelsynagoge eingeweiht wurde, waren Joseph Kauffmann und seine-Gattin die Ehrengäste der Gemeinde. _ - Was aber iät es, wovon unser Jubilar bei seiner jildischen- Arbeit geleitet wird? Ein konservatives Elternhaus vermittelte -ihm großes jüdisches Wissen, ein scharfer Verstand aber zeigte - ihm die wissenschaftliche und praktische Unzulänglichkeit des orthodoxen Standpunktes. So erkennt er frühzeitig die Notwendigkeit der Reform. Er wird Mitglied "der 1910 von .der Nürnberger Generalversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum eingesetzten „Fünfzeliner-Kommlsslon“ zur- Ausarbeitung der liberalen „Richtlinien“; er wird einer der hervorragendsten Mitarbeiter der Monatsschrift „Liberales Judentum“ und später der '„Jüdisch-liberalen Zeitung“; er wird Mitglied der Kommission, die das Liberale Einheitsgebetbuch ausarbeitet, und er wird der deutsche Uebersetzer von Claude. G. Montefiores jüdisch-liberalem Standardwerk „Outlines“ („Umrisse-des liberalen Judentums“, Gustav Engel Verlag, Leipzig), das in keinem jüdischen Hause fehlen sollte! Er wird ein idealer Streiter, der keine Rücksichten kennt, wo die Wahrheit auf dem Spiele steht, und, obwohl er sich frischfröhlich auch Feindschaften zuzog, blieb er ein Mann, der Inder Stille wirkt, mutig und doch bescheiden der Sache dient. So kommt es, daß sein Jubelfest fast unbemerkt geblieben wäre; nun aber, da wir, wenn auch etwas zu spät davon erfuhren, nun wird es unser Jubelfest —: wir alle haben ihm mehr, viel mehr zu danken, als sich in diesen wenigen Zeilen zusammenfassen läßt Sein Schwager Dr. Seligmann hat einmal gesagt das liberale Judentum Ist und soll sein: eine Laienbewegung. Folglich braucht es Lalenlährer. Joseph Kauffmann ist' ein solcher Führer des liberalen'Judentums par excellence. Er soll es noch lange bleiben — gesund an Körper und Geist, an ungebrochenem Willen und Idealismus, so, wie wir ihn kennen, lieben und verehren, George Ooetz. Vertragsgesellschaft großer jüdischer Organisationen Reidisbund Jüdischer Frontsoldaten Jüdischer Frauenbund Reichsbund für Jüdische Siedlung u. a. m. _ S V Direktion für das Deutsche Reich: BERLIN — MÜNCHEN Berlin W9, Friedrich-Ebert-Strafje 1/3 München, Giselastralje 21