Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 20 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613456-2613474--4295-2615962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vers 14 und Kap. 11 Vers 1—2 zusammen, so ergibt sich als die Lehre Pauli: „Von Adam bis auf Moses herrschte der Tod in der Welt, auch über die, die nicht mit gleicher Uebertretung wie Adam gesündigt hatten. Aber Gott hat das Volk der Juden „ersehen“ (ausersehen) und ihm die Lehre Moses gegeben, durch die der Tod überwunden wurde und die ewige Seligkeit herbeigeführt wird. Und Gott hat dieses sein Volk, das er zuvor ersehen hat, auch nicht verstoßen. Also sind auch die Juden der ewigen Seligkeit teilhaftig.“ Auch nach Jesus selbst kommen wir Juden und sogar nur wir in den Himmel: Matthäus 19, 17.fg: „Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Und folgen dann unsere jüdischen zehn Gebote.—,'Um.so mehr wären die christlichen Religionen daher verpflichtet, die entgegengesetzte Lehre abzuschaffen. Die „Germania“ möge daher das ihrige dazu tun, daß die jetzige christliche Lehre, nur ein Christ könne zur ewigen Seligkeit gelangen, von den christlichen Religionen abgeschafit oder wenigstens.hu Sinne Jesu und Pauli zugunsten von uns Juden eingeschränkt werden.; Sie möge daher mit der ganzen Zentrumspartei das ihrige auch dazu tun, daß nicht durch die Nationalsozialisten unsere Sicherheit und unsere Gleichberechtigung aufgehoben oder eingeschränkt werde. ‘ ■ ' '*■ Winterhilfe-Lotterie auch zugunsten der jfidisdien Wohlfahrtspflege. Der Preußische Wohlfahrtsminister hat am' 10. November 1932 die Veranstaltung der 25. Volkswohl-Lotterie zugunsten der Winterhilfe genehmigt. In zwei Abteilungen werden je bis zu einer Million Lose zum Preise von 1 RM je Stück einschließlich LotterieT-Steuer ausgegeben. Die erste Ziehung erfolgt am 16. und 17. Februar 1933, die zweite Ziehung vom 11. bis 16. März 1933 in Berlin. Der jüdischen Wohlfahrtspflege fließt der Erlös aus allen durch ihre Organe verkauften Lose restlos zu. Die jüdischen Wohlfahrtsstellen, die sich am Losvertrieb beteiligen, dürfen von jedem verkauften Lös — Preis 1 RM — 30 Pi. für ihre Wohlfahrtsarbeit im Rahmen der Winterhilfe einbehalten. Der Rest von 70 Pf. ist an die Zentralwohliahrtsstelle der, deutschen Juden abzuführen, die diese Beträge insbesondere für die Unterstützung der Wohlfahrtsarbeit leistungsschwacher Kleingemeinden zu verwenden beabsichtigt. Die Zentralwohlfahrtsstelle richtet den dringenden Ruf an alle jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtseinrichtungen, diese außerordentlich günstige Gelegenheit zur Ergänzung ihrer ’ knappen Mittel im Wege des Losvertriebs nicht vorübergehen ■ zu lassen, sondern baldigst Losbestellungen zum kommissionsweisen oder festen Verkauf an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158. zu richten. Unsere jüdischen Glaubensgenossen werden gebeten, ihre Lose dieses Mal von den Jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtsstellen zu beziehen, weil der jüdischen Wohlfahrtspflege nur der Erlös aus den bei den jüdischen Stellen bezogenen Losen zufließt ■ . " Weiterer Ausbau der jüdischen Darlehnskassen. „ Erste Kreditvermittlungen. Der Ausbau der jüdischen Darlehnskassen und die Gründung von Bezirksdarlehnskassen haben in den letzten Wochen erhebliche Fortschritte gemacht, so in der. Provinz Brandenburg unter Führung besonders der Gemeinden Spandau und Frankfurt a. d. Oder, in 'Oberschlesien, in Ostpreußen, in Südbayern und in Württemberg. Weitere Gründungen sind im Rheinland, in Westfaleji, Schleswig-Holstein, Bremen, Mannheim, Halle usw. in Aussicht genommen. Ueberallnehmen Vertreter der „Zentralstelle für jüdische Darlelmskassen“ an den .Verhandlungen' teil. Im übrigen haben nunmehr die: ersten Kreditvermittlungen in größerem Umfange begonnen. Die Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen hat den Darlehnskassen in Hamburg, Leipzig, Chemnitz, Aschaffenburg u. a. m. bereits größere Kredite vermittelt und steht mit einer größeren Anzahl weiterer Kassen vor dem Abschluß ihrer Kreditverhandlungen. K. ERNST HANKE, Malermeister BERLIN SW 61, Hagelberger Sfr. 36 FERNSPRECHER: F 5 Bergmann 5012 Spezial-Behandl. nur für Ischias In Hüften, Gesäß und.Bein, wenn ärztlich festgestellt, in 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen. Ärztlich empfohlen. Invalidenstr. 106, '9—11, 1—4, Sonntag 10—12. Jacoby.' nach heim,, an die Seinen? ' Hat er nicht einen Ring an der Hand? Auf dem Stroh, links neben dem Kosaken, liegt der Gardeleutnant. Nur ein Schemel dazwischen. Darauf eine kleine Madonna in Porzellan. Mit dem Kosaken hat der Leutnant bis da kein Wort gesprochen. Vom Piarrer weiß der Offizier Litwas traurige Geschichte. Nun haßt er diese Kosaken. Er verachtet sie. Schon wenn eran sie denkt, fährt es ihm rot über das bleiche Gesicht, schämt er sich für sein Volk, für sein Land. Für das heilige Rußland. Er liegt in dicken Verbänden und scheint schon eine ganze Weile zu schlummern; Man könnte ihn für gestorben halten, so ganz ohne Regung dämmert er .vor sich hin. In der Ecke lehnt sein Degen. Bei der Gefangennahme wurde, er ihm ehrenhalber überlassen. Gegen Abend wird Aljoscha unruhig. Es geht mit ihm zu Ende. Der Arzt sagt es Litwar und nuii weicht sie nicht mehr von der Seite des Kosaken.; Beständig haften seine großen.;etzt angstvoll blickenden Augen droben am Deckengemälde, das der -Dämmer schon halb verschluckt hat Schweißtropfen stehen ihm aui der Stirn: rinnen ihm in die strauchigen Brauen. Der Pfarrer spricht zu ihm. Aljoscha hört kaum darnach hin. Seine Augen scheinen zu sagen: „Laß das und scher dich! Ich hab' dich nicht gerufen!" Ganz wild blickt er um-sich. Dabei zerrt er an dem üoldreii, an seiner Hand. Er ruht nicht, bis er ihn frei bekommen hat. Dann schleudert er ihn von sich. Ganz in der Nähe des Strohlagers verklirrt er leise im Dunkel. Litwa bückt sich darnach. Nun hält sie ihn zwischen den Fingern. Einen kurzen Blick wirft sie darauf. Plötzlich zuckt sie zusammen wie ins Herz geschossen. .Mit einem Wehlaut, kaum hörbar, gleitet sie zu Boden. Der Leutnant hat die ganze Szene stumm, aber sehr aufmerksam verfolgt. Sein Gesicht ist gestrafft wie unter einer großen Spannung. Es arbeitet hinter seiner Stirne. Sein Geist ist geschärft. Sein Bewußtsein wächst über die irdischen Begrenzungen hinaus, eriaßt auf einmal - dunkle Zusammenhänge. Mit einem Ruck richtet sich der Leutnant in den Kissen empor. Den Degen, samt der Scheide, reißt er'an sich. Er holt' aus und den Kosaken will er ins Gesicht schlagen. Der Arnt ist zu schwach. Der Hieb geht zu kurz. Nur das kleine Madorinenbild. da auf dem Schemel, wird getroffen. Nach allen Seihen klirren die Stücke. ..Pardon!“ sagt der Leutnant. „Par—don!“ Der Degen entfällt ihm. Er sinkt zurück in die Kissen. - Am andern Morgen begräbt man den Leutnant und den Kosaken. Den Leutnant mit allen Ehren. Versammlungskalender Dresden. Sonnabend, 21. Januar, abends 8.15 Uhr, Künstlerhaus, Albrecbtstraße, Dr. Leo Fant): „Alte und neue Synagogenmusik“. Mitwirkende: Der Synagogencbor, Organist Edgar Riesen, Solisten die Kantoren Holstein und Paglln. ■ Magdeburg. Donnerstag, 26. Januar, abds. 8J0 Uhr, im unteren Saal der „Freundschaft“, Prälatenstraße, Direktor Dr. h. c. Kleemann, Berlin, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: „Das liberale Judentum Im Kampfe mit den Nöten der Zeit; kulturelle und wirtschaftliche Erfordernisse.“ Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, 20. Januar, abds. 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. — Sonnabend, 21. Januar, vorm. 10 Uhr. — Freitag. 27. Januar, abds. 6.15 Uhr: Jugendgottesdienst, Ansprache. — Sonnabend, 28. Januar, vorm. 10 Uhr: Liturgie Wreszinski. Liberale Synagoge NordosL Aula der Schinkel-Oberrealschule Carmen-Sylva-Str. 25 26. Freitag, 20. Januar, abds. 7.15 Uhr: Predigt Dr. Plotkc. — Freitag, 27. Januar, abds. 7,15 Uhr: Predigt. - Berlin-Osten. ‘ Liberale Synagoge Osten. Kaiserstr. 30, Aula der Mädchenschule. Freitag, 20. Januar, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabb.- ' Kand. Mehler. — Freitag, 27. Januar, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. Westend. Liberale Synagoge Westend. Leistikowstr. 7—8. Freitag, 20. Januar, abends 7.15 Uhr: Predigt'Dr. Hirschberg. — Freitag, 27. Januar, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabb.-Kand. Mehler. Liberaler Gottesdienst Schmargendorf. (Altersheim Berkaer Straße 32.) Freitag, 20. Januar, abends 7 Uhr. —Sonnabend, 21. Januar, vorm. 10 Uhr: Neumondweihe. — Freitag, 27. Januar, abends 7 Uhr: Predigt Dr. Blumenthal,— Sonnabend. 28. Januar, vormittags 10 Ubr. Jüdische Reformgemeinde. Johannisstraße 16: Sonntag. 15. Januar: vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Jelskl. — Sonntag, 22. Januar, vorm. 10J0 Uhr: Predigt Dr. Rosenthal.— Sonntag. 29. Januar, vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. Klelststraße 10: Freitag. 20. Januar, abds. 6.30 Uhr: Liturgie Dr. Rosenthal. — Freitag, 27. Januar, abds. 6.30 Uhr: Jugendgottesdienst, Ansprache Alfred Hadra. Ueber die Vorlesungen aus der Bibel in den Freitagabend- Gottesdiensten wird Näheres in den Tageszeitungen bekanntgegeben. 1 Eine dankenswerte Einladung. Seit Jahren wird in religiös-liberalen Kreisen darauf hingewiesen, wie nötig es ist. die Gemeindemitglieder mit dein Gebrauch des Gebetbuciies vertraut zu machen und sie auch beim Gesang in der Synagoge zu aktivieren. Einen erfolgversprechenden Vorstoß in dieser Richtung sehen wir in der An- . kündigung des Vereins Fasanenstraße, die uns bedeutsam genug erscheint, um hier im redaktionellen Text auf sie hinzuweisen. Die Einladung lautet: Gesangsüb,ngen. Unser jüdischer Gemeindegesang liegt mindestens liier in Berlin seit langem im Argen. Obwohl allenthalten eine rege Anteilnahme am Musikleben bei unseren Gcmeindcmitglicdcrn festzustellen ist, verhalt sich die Gemeinde bei den Gesäugen im Gotteshaus stark passiv.' Zum erheblichen Teil ist dies darauf zurückzuführen, daß auch den musikalisch begabten und den sangesfrohen Tempel, bcsuchcrn Text oder Melodie der Gebete oder gar beide' nicht geläufig sind. Dem wollen wir abhelfen! Wir werden deshalb in diesem Winter einen Gesangskurs ahhalten. für den sieh in liebenswürdiger Weise tferr Oberkantor O a v i d s n h n und Herr Churdirigent S c h ö n b e r g e r zur Verfügung gestellt haben. Die Teil- . nähme an diesem ist unentgeltlich. Er soll 8- bis 14 tägig Im Trausaal der'Synagoge FasancnstraBc stattfinden. erstmalig Mittwoch, den 18. Januar 1933, abends 8.15 Uhr. Wir bitten unsere Mitglieder und Freunde,, die .Interesse an jüdischer Musik haben und ihre Stimmen schulen wollen, in großer Zahl zu erscheinen, vielleicht sogar auch Freunde mitzubringen. Es werden die synagogalen Gesänge erklärt, besprochen und gesunge'n werden. Wir hülfen, daß die Besucher des Kurses und unser Gottesdienst in gleicher Weise daraus Nutzen ziehen werden. Eine vorherige Anmeldung erscheint nicht nötig.' Soweit Rückfragen erforderlich, bitten wir, sich deshalb an Herrn Oberkantor. Daviiisohu. Berlin W. Prager Platz 1. zu wenden. Tug und Zeit der weiteren Kursstunden werden mit denjenigen, die am 18. Januar 1933 abends anwesend sind, vereinbart. Vorstand des Vereins Synagoge Fasanenstraße i. -A.: Dr. Julius L. Seligsohn, Rechtsanwalt. Es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel nicht nur in den anderen Bezirken Berfiits. sondern auclt außerhalb der Reichshauptstadt in recht vielen Gemeinden Nachahmung fände! 7000 Menschen! Der bisher erfolgreichste Gemeindeabend. Das wäre vor wenig Jahren noch unmöglich gewesen, aber nun ward es möglich und wahr: fast 10 000 Menschen hat die Gemeinde „auf die Beine gebracht“: trotzdem waren nur 7000 da, denn obwohl zur Hauptversammlung (im Marmorsaal) noch eine Parallelversammlung (im Kaisersaal: beides am Zoo) abgehalten wurde, mußten viele Hunderte wieder fortgehen. Es war aber auch ein Riesenprogramm, das die Gemeinde bot: Lotte Schöne von der Staatsoper und Josef Schmidt; dazu das Kammermusik-Trio Michael Taube (Klavier), .Charlotte Rosen (Violine), Hermann Weil (Cello).. ..Riesenprogramm" und doch auch ein erlesenes Programm. Die Reden bewegten sich im Rahmen' des Gesamtthemas „Judentum in der Großstadt“: es sprachen: der. Erste Vorsitzende der Gemeinde, Direktor Dr. h. c.-Wilhelm Kleemann über „Gemeinde und Umwelt“: der Leiter des Jugendpflege-Dezernats. Bankier Wilhelm G r a e t z über „Jugend und Gemeinde“; der Leiter des Presse- und Werbereferats. Buchdruckereibesitzer Moritz Rosenthal über „Jüdischer Geist — jüdische Solidarität“; der Leiter des Wohlfahrtsamtes,-Direktor Heinrich Stahl über „Wohltun ist Gerechtigkeit“ und Verwaltungsdirektor Dr. Walter Breslauer über „Der Weg zur Gemeinde“. — Jeder der Redner sprach über die Leistungen seines Ressorts: insgesamt ergab das ein abgerundetes Bild von den Leistungen der Gemeinde. Und nun gibt es freilich — wir wollen das ganz offen aussprechen — Skeptiker, die meinen, es seien die meisten Zuhörer nur wegen der ihnen kostenlos Vorgesetzten Künstler gekommen. Garn su l'tauwoh: so hat die Gemeinde Tausende zusammengebracht, die jahrein, jahraus nichts von ihr hören, nie in eine Synagoge gehen und nun doch einmal merkten: wir sind Mitglieder einer Gemeinde, die für uns alle da ist und für die Was diesmal bemerkte: Haushalt mit Mystik. Liebe jüdische Hausfrau. — das Mystische ist bekauuilich das Verborgene, Geheimnisvolle, manchmal auch nur Schleierhafte. Und weint Ihnen, meine Teuerste, bei Zeiten gewiß auch manches in Ihren! Haushalt sdtleier ist die Kinder brauchen neue Schuhe, aber des Gatten Schornstein will nicht rauchen - - so kann ich Ihnen doch das e n liaft für heute nicht hclicn noch raten, denn, ich bitte um Eiitsclnildi gung, Ihr Haushalt ist gar nicht gemeint: wir reden hier om Gemeindehaushalt. Aber lesen Sie trotzdem weiter, b tte: denn wenn der Herr Gemahl es gelesen hat. wird er bestimmt mit Ihnen darüber ' sprechen. Und dann müssen Sie quell Bescheid wissen. Sie haben gelesen, daß in Berlin, ebenso wie in vi .'teil andern Orten,- die jüdische Gemeindesteuer erhöhtweiden mußte, weil das Wohlfahrtsamt uuvorgeseheu hohe lieb iige brauchte und weil die Einnahmen immer geringer werten. Ueber diese Dinge hat der Gemeiiidevorstaud an die Re träsentaiiteiiversammluug einen Bericht gemacht und streift d irin auch einmal sehr vorsichtig die Zustände aus der Zeit vor 1931. aus der Zeit der zionistischen Herrschaft.. Erinnern Sie sich'noch au die Legende, die aber damals jeder geglaubt hat. daß die Zionisten wahre Vcrwaltuugsge lies seien? lleut ist dieser Glaube erschüttert —: seitdem nan hörte, daß stadtbekannte Persönlichkeiten nicht einmal in der Wählerliste verzeichnet wären, seitdem hat man dann i och . manches andere gehört. Und in dem oben erwähnten Jleijicht hört man wieder. Nämlich folgendes: „Dazu Kummt, daß der Gemeinde im kommenden Jälire Stiftimgseimialmien. die'in diesem Jahre, im Etat -erschienen sind Betrage vun ebenfalls mehreren hunderttausend Mark nicht zur Verfügung stellen werden, weil es sieh hei den Ansätzen int Etat 1933 insofern um Guthaben, aus früheren Jahren und um Beträge gehandelt hat, die künftig den bestellten Kuratorien der Slittupgen für die satzuitgsgcmäßeu Souder/weeke der Stiftungen zur Verfügung gestellt, werden müssen.“ Also: k ii n f t i g stellen die Stiftuugsgelder zur Veriiit’ung' ■derjenigen Sonderzwecke, für-die sie gestiftet wurden. Daf zu wissen Wirkt immerhin beruhigend. Aber wohin gingen diese „mehrere hunderttausend Mark“ denn nun früher? Offenbar, däs geht aus dem Bericht hervor, in den großen Topf der damals zionistischen Gemeindeverwaltung: offenbar also zu anderen .Dingen und Menschen, als für die sie von den Stil ern. gestiltet wurden. Schleierhaft, was? Und die das gemacht haben, galten und brüsteten sich als Vcrwaltimgsgcnics. Und cs bedurfte erst der Verwaltuiigstiberiiuhmc durch die Liberalen, um dies mystische Dünkel zu durchleuchten, um den Laden zu ordnen. T” Uebrigcns: -worinbestellt die Tätigkeit eines Kuratc|rs? Auch dies scheint ein Kapitel Mystik. Auch dies ist j e t z t von den Liberalen geordnet. Sollten Sie also eine Stiftung errichten wollen —: jetzt, unter der liberalen Verwaltung dürfen Sic es beruhigt wieder tun. Falls nicht die leidige Mystik in Ihrem Privathaushalt Sie hindert. wi^dämhTri^hr^nnfä!!scnde!^Ai$fä^en! ihr Bildtiugs- und ihr unentbehrliches llilfswerk in dieser schweren Zeit durchzufülircti vermag. Alles in ''allein: ein. Erfolg, der alle früheren noch weit übertrifft und wie man der Gemeinde noch viele wünschen tmiß. I^Sidonie^WernerJ Mit Sidonie Werner, die am 29. Dezember 1932 starb) ist die- Führerin der jüdischen Frauen Hamburgs und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Jiidcnhcit dabingegangen. Der Begriff „Führerin“ bezeichnet eine Seite diti vielseitigen Frau; sie war als solche bewundert, allerseits anerkannt, unbestritten und vor allem beispiellos crfolgre clt. Was sie mit scharfem, untrüglichem Blick als richtig erkannt, vermochte sic mit eiserner Energie in' die Tat umzusetzen, wobei sic jeden ihrer zahlreichen Mitarbeiter (dies ein ccl fester Beweis ihrer geborenen Führcrnatur) auf den richtigen Platz stellte. Sie leitete eine stattliche Reihe von ihr begründeter sozialer Institutionen, ohne die die .gemeinnützige Tätigkeit der-Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde unvorstellbar wäre. An vielen anderen sozialen Werken war sie in erster Reihe mitlätig. auch außerhalb des jüdischen Kreises: hier wurde ihre überragende Bedeutung durch ihre Erwählung zur zweiten Vorsitzenden des Hambiirgischcn .Frauenbundes dokumentiert. Die zweite Seite ihres Wesens:-die Müttcrli:hkeit. mit der sie alle ihre vielen Schutzbefohlenen utnlal le, besonders die Kinder. Bezeichnend dafür, ihr Wunsch, daß an ihrem Sarge Kinder singen ittögen. Dieser Wunsch wufde. pietätvoll erfüllt: der Kindcrchnr des Jüdischen Sclutlvcratis sang bei ihrer Bestattung das altcTcmpellicd „Job schimchn“. Und ein dritter Zug ihres Wesens: der helle, frauliche Hujnlor, den vielleicht nur jette kannten, die ihr freundschaftlich Haltestellen durften. — Sidonie Werner war eine echte liberple Jüdin, die an der Leitung fast aller liberalen Institutionen ijler Gemeinde führend sich beteiligte; der Hamburger Tempel verliert an ihr eines seiner ältesten, treuesten und verehrtes :en Mitglieder. Sie . war esauch, die vor zwei Jahren in e:ht liberalem Sinne durch ihr flammendes Wort das passive Wahlrecht der Frauen in der Gemeinde durchsetzte. Ihr Andenken wird nicht nur durch ihre Werke, sondern auclt durch die Grüße ihrer Persönlichkeit fortleben. Oberkantor Leon K,o r u i t z c Vereinsnndiriditcn. ' ■ „Judentum, Kapitalismus, Sozialismus" lautet das Thema < ganztägigen Veranstaltung der Vereinigung Jüdischer . Akademiker (V. J. A.) am In. Januar im ..Ticrgartcnhof'*. Charlottenhurg. Berliner Stralic 1—2. Referate: Dr. Joseph Stern und Dr. M. Lanaäu. Hcgjun 10 Uhr vormittags, v; Der seit über 200 Jahre bestehende „Verein zur Unterstützung armer Leidtragender4* (Schäumer labauker) veranstaltet am 26. Januar, nachmittags 4 Uhr. Hcidcreuterga.sse, einen h'estgottesdicnst mit Predigt Dr. Freimann. Gäste herzlich willkommen. LEON CONDITQREI STADTKUCHE FESTSÄLE CONDITOREI V CAFt KURFURSTENDAMM 155-156 FERNSPR.: H 1 PFALZBURG\ \6i10