Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 20 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WS? 12. Jahrgang Nummer 20 JttöiffMibetale 3ei(ung - Beilag 15. Januar e 1933 t Dec „3i)öiftO'Iibecalen 3eih«ig“ \ i. Israels Anfang. Von' Rabbiner Dr. H. Fuchs, -Chemnitz. Mit biblischer Geschichte haben sich unsere Gelehrten wissenschaftlich wenig beschäftigt. Die großen Geschichtswerke von Graetz und ffubnow. haben sich in ihrem ersten Bigid von einer gewissen Zwiespältigkeit zwischen kritischer Wissenschaft und Apologetik nicht ganz frei machen Können. Die protestantische Bibelkritik hat andererseits das Dogma, Judentum sei Vorbereitung des Christentums, ungewollt oft in ihre Geschichtsauffassung hineinwirken lassen und die Religion des alten Israel sehr primitiv gegenüber späteren Zuständen geschildert. Trotz ihrer allseitig anerkannten großen Verdienste, besonders um die Literaturgeschichte und das Verständnis der Propheten, hat die Bibelkritik deshalb bei den jüdischen Gelehrten weitgehendes Mißtrauen geerntet (vgl. Jüdisches Lexikon, Art. Bibelwissenschaft). Auch persönliche Gründe kamen dazu, um die jüdischen Theologen von der wissenschaftlichen Behandlung der biblischen Zeit fern zu halten. Von gegenwärtig Lebenden sind immerhin.zu nennen: B. Jakob, Yahuda, Torczyner und Micha Bin Gorion Berdyczewski; doch haben sie eigentlich nur Einzelfragen behandelt. Simon Bernfeld und Söloweitschick-Rubaschoff haben zwar das Ganze der biblischen Zeit behandelt, aber ohne wesentliche eigene Forschungen. ' So ist es wie eine Erlösung, daß jetzt ein jüdischer Gelehrter sich an dies Thema gemacht hat. .Der erste Teil seines Werkes liegt in einem 300 Lexikonseiten starken Bande vor, unter dem Titel: Elias Auerbach, Wüste und Gelobt e s L a n d (Kurt Wolff, Berlin 1932). Das Buch hat einen etwas journalistisch wirkenden Umschlag. Das bedeutet nicht, daß es ein oberflächliches'Werk sei: Es ist vielmehr streng wissenschaftlich gehalten. Trotzdem weist der Umschlag richtig auf etwas Innerliches hin: Das Buch liest sich interessant und läßt, wie ein spannender Roman, den Leser nicht los. Das liegt daran, daß es kritische Forschung und Geschichtsdarstellung ineinanderwebt und dabei doch die mühseligen Spezialuntersuchungen oft mehr ahnen läßt als ausführt. Besonders aber hilft dazu eine Fülle von sozusagen wissenschaftlichen Ueberraschungen: Es sprüht von scharfsinnigen Folgerungen und geistreichen Hypothesen, von neuartigen Beleuchtungen bekannter Tatsachen, von Sarkasmus und Enthusiasmus und vor allem von einem stark konkreten Wirklichkeitssinn,' der allem Dargestellten Lebendigkeit einhaucht. So ist es das Werk eines Historikers, wie er sein soll, kühl, objektiv, analysierend und doch gleichzeitig auch in künstlerischer Synthese das Bild der Zeiten und Persönlichkeiten zusammenschauend und Vor unser .Auge stellend. Manches mag von einer schärfer sondierenden Kritik vielleicht künftig abgelehnt werden; manche Vermutung ist vielleicht doch nicht genügend fundiert; manches ist ein kühner Midrasch oder geistvoller Einfall (dahin rechne ich auch z. B. die Identifizierung des ersten Jahwisten mit Ebjatharl). Aber im ganzen werden die Geschichtsauffassungen des Buches der historischen Wirklichkeit doch sehr nahe kommen! Viel haben dem Verfasser zwei Umstände geholfen, klare Bilder zu entwerfen: erstens seine langjährige Bekanntschaft mit der palästinensischen Landschaft, ohne die z. B. die Schlachtschilderungen nicht so anschaulich geworden wären; und zweitens die Möglichkeit der Verwertung von Ausgrabungsergebnissen der letzten Jahrzehnte, die ungeahnte Aufschlüsse enthalten (wer hätte, z. B. früher den „Zinnor“ II. Sam. 5,8 als jebusitisclien Vorläufer des Siloakanäls deuten dürfen!). Am meisten aber verdankt Auerbach' sicherlich seiner tiefein-, dringenden Phantasie, die ihn ebenso im Philologischen wie im Geschichtlichen zur Erspürung plausibler letzter Zusammenhänge befähigt (beachte z. B. die Erklärung des Wortes Millö Seite 273, oder der philistäischen Saranim mit griechischen Tyrannen, oder die instruktiven Karten, oder die Bemerkung: „Nur 50 Jahre hatte Israel Vorsprung vor den Philistern bei der Besetzung Kanaans -. . . . .“). Hierin, wie in seiner Gesamtauffassung ist Elias Auerbach ein gelehriger Schüler Wellhausens lind seiner Nachfolger; — wenn er auch in.vielem seine eigenen Wege geht. Die Entschiedenheit und Selbstverständlichkeit, mit der er sich Resultate der Wissenschaft zu eigen macht, über die zu streiten heute wirklich nicht mehr lohnt, ist ein weiterer sympathischer Zug des Buches. Diese souveräne Gleichgültigkeit gegenüber Popular-Velleitäten schafft ihm aber auch Glaubwürdigkeit und Vertrauen, wo er gegen allzu radikale Auffassungen der Bibelkritik auftritt, so in-der Darstellung Moses und seines religiösen' Werkes. Diese scheint mir der Höhepunkt des Buches und schlechthin ein Meisterstück: Alles, was in Einzelheiten darüber zerstreut vorgetragen worden ist, wird hier zu einem wirklich lebendigen Geschichtsbild zusammengefaßt, das trotz Stade, Kittel, Eduard Meyer u. a. ganz neuartig wirkt. (Dagegen scheint mir Saul doch wohl etwas zu günstig gesehen: Ich halte ihn für einen sanguinischen Enthusiasten, der den ' gewaltigen Aufschwung seiner wenigen großen Augenblicke nicht in zäher Kleinarbeit fortsetzen kann und in dieser Erkenntnis später zusammenbricht.) . ■ Unsere stärkste Sympathie aber gewinnt Auerbach in der Darstellung der eigenartigen Vorzüge des alten Israel, die seine spätere Bedeutung für die Religionsgeschichte der Menschheit verständlich machen. Nach den meisten Kritikern beruhte die älteste Schriftstellerei der geschichtlichen Bücher auf dem Prophetismus, und dieser stand im krassesten Gegensatz zum Volk und seinen Glauben. Nun zeigt Auerbach, daß der Mose- Glauben samt dem Glauben an die zehn Gebote in Wahrheit . im Volke Israel nie vom Baai-GIauben Kanaans überwuchert jli Berlin Jüdisch - liberaler Jugendverein |.JIi"J Berlin E.V. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Leo Baeck über Rationale und irrationale Strömungen im Judentum Zeit: Mittwoch, den 25. Januar 1933 ■ 8 Uhr (präzise) Ort: Vortragssaal der Synagoge Fasanenstralje Mitglieder und Freunde unserer Bewegung sind herzlich ein geladen. Der Vorstand. worden ist. Vielmehr ist die wundervolle Religiosität des Jahwisten. der auch in den historischen Prophetenbüchern schreibt (wie in den letzten Jahrzehnten immer häufiger angenommen wird), aus den Traditionen Moses zu erklären und demnach Zeugnis eines vorprophetischen Eingottglaubens. der nicht so stark im Gegensatz zum Volksglauben gestanden hat (ähnlich schon Gunkel u. a.l). Damit wird der Geist des Vol- . kes wieder stärker betont, der ebenso an der Entwicklung der Religion selbst mitgearbeitet hat. wie er der Schöpfer.der Geschichtsschreibung in der Menschheit geworden ist. Und das Buch wird, obgleich es die Einzelpersönlichkeiten und die geschichtlichen Umstände zu ihrem vollen Recht kommen läßt, im ganzen doch ein Dithyrambus auf die geniale Volksindividualität des alten Israel. Freilich ist man mm gespannt, wie der Verfasser später den radikalen Gegensatz zwischen Prophetismus und Volk schildern wird! Nimmt man dazu, daß eine Fülle von sorgfältig ausgcwählten und charakteristischen Abbildungen, Karten und Zahlentabellen .die-Darstellung geschickt ergänzt und daß die Ausstattung des Buches geradezu künstlerisch schön zu nennen ist, so darf zusammenfassend gesagt werden, daß Auerbachs Buch für Laien wie Gelehrte eins der erfreulichsten ist. die in den letzten Jahren aui.dem jüdischen Büchermarkt ers ... _ __ ehieueti sind. Wer an Traditious- oder Parteischablonen klebt, wird jedoch Wer vielleicht das Werk als.ganzes ahlehncu: auch er wird in den Einzelheiten eine Fülle neuer Anregungen finde t, aber die Geschichte unseres Ursprungs vorurteilslos u ul wissenschaftlich erkennen mochte, der wird hier staunend erfahren. „wie alles sich zum Ganzen webt, eins in dem andern wirkt und lebt, wie llimmelskräfte auf und niedersteigeu und sich die goldneu Eimer reichen". - - wie unsere Ahnen durch die Bewahrung reiner Jugendkraft uiid durch providentielle Umstände imstande gewesen sind, „den Schatz der Menschheit zu mehren", und dies schon Jahrhunderte vor den-religiöser. Genien des Prophetisnms, Jahrhunderte auch vor. der homerischen Zeit und anderthalb Jahrtausende vor den Germanen des Taeitus! Die konsequente wissenschaftliche Ehrlichkeit des Buches fördert schließlich das' jüdische Gefühl ebenso wie die Begeisterung über die Frömmigkeit der Vater. Die Erkenntnis aber von der allmählichen Entwicklung der höchsten Religiosität bei gleichzeitiger Bewahrung dcft wertvollen Gutes der Vergangenheit, wie das Buch sie auch schon für die ältesten Jahrhunderte aufzeigt. wird uns Heutige auch in iniserm eigenen religiösen Tun bestärken! .—- | Spinoza als Romanheld. Von S. M e i s e 1 s, Wien. Benediktus de Spinoza als Roinanlield ist in der deutschen Literatur nicht neu. Bereits in den dreißiger-Jahren des vorigen Jahrhunderts hat Bcrthold Auerbach das'tragische Lebensschicksal des Amsterdamer Philosophen in einem Roman „Spinoza“ geschildert. Außerdem hat Bcrthold Auerbach in einer biographisch-kritischen Skizze, die er seiner Spinoza-' Uebersetzung voranschickte, das Leben Spinozas ausführlichbehandelt. In der Skizze sowohl wie int Roman spielt ein leidenschaftliches Liebesverhältnis Spinozas zu der Tochter des gelehrten holländischen Arztes Vau den Ende eine gewichtige Rolle. ln der biographischen Skizze wird dieses Liebesverhältnis als eine auf die philosophische Weltanschauung Spinozas einflußübende historische Tatsache hiugestellt. ln dem Roman wiederum wird das Liebesverhältnis als Hauptmotiv verwendet, um zu zeigen, wie „der Jude, in jugendlicher Liebe zu einer Christin liingezogen, an den Scheidewänden rütteln mußte, die theologische Satzungen und herkömmliche Sitten von beiden Seiten aufgestellt" haben. Auerbach hat die Liebesaffäre Spinozas nicht frei erfunden, er hat sie von dem ältesten Spinoza-Biographen Jean C o 1 e r u s übernommen, der in seiner La vie de Benoit de Spinoza von der Liebe des Philosophen zu Van den Endes einziger Tochter in recht naiver Weise erzählt. Neuere Forschungen haben jedoch ergeben, daß diese ganze Liebesgeschichte nichts mehr als eine poetische Erfindung sei, die dazu dienen sollte, dem nüchternen Denker das romantische Motiv einer unglücklichen Liebe unterzulegen. ' . Dieses romantische Motiv rückte Berthofd Auerbach in den Vordergrund seines Spinoza-Romans. Er übersah dabei, daß er durch die Verwendung der unhistorischen Liebesgeschichte als Hauptmotiv dein Spinoza, um ein treffliches Wort von David Friedrich Strauß zu gebrauchen, den Kopf des Philosophen genommen hatte. Der Roman Auerbachs führt den Untertitel: Ein Denkerlcben; demnach kann es sich weniger um die Gemütsvorgänge des Menschen als um die Denkprozesse des Philosophen handeln. Nach Auerbach hatte die Liebe zu einer schönen Jungfrau auf die Philosophie Spinozas ihren Einfluß geübt Mit nichten. Philosophische Systeme sind Offenbarungen des forschenden Menschengeistes, und es ist unzulässig, sie auf Gemütsstimmungen zurückzufüliren. Die Liebe kann zu göttlichen Komödien, zu gluterfüllten Sonetten, zu herrlichen Liedern, ja zu großen ritterlichen Taten begeistern, aber sie vermag keinen Aufschluß zu geben über die Gesetze der Logik, über den Substanzbegriff und ähnliche philosophische Probleme. Noch nie, ist der Kopf eines Philosophen aus dessen' Herzen hervorgegangen. Seelenstimnmitgen sind etwas für den Dichter, aber nicht für den Denker. Dieser ist gewohnt, alles und jedes in einer oft an Affektlosigkeit grenzenden Ruhe zu betrachten; das macht ihn schließlich für jede Leidenschaft unempfänglich. Er denkt über die Liebe, wie er über den freien Willen, über den Begriff von Gut und Böse denkt. Plato schreibt den wundervollsten Dialog über die Liebe, aber keine Ueberliefcrung tut uns kund, daß er je zum schönen Geschlecht in ein näheres Verhältnis getreten wäre. Auerbach hat in seinem Spinoza-Roman die innerlich wirkenden Triebfedern aufzudecken versucht, die den Amsterdamer jungen Rabbi aus dem Beth-hamidrasch in die Arme der Philosophie trieben. Aber er verfuhr dabei höchst unspinozistisch, indem er, uneingedenk eines bekannten Lehrsatzes Spinozas, von zwei Dingen, die nichts miteinander gemein haben, eins als die Ursache des andern setzte. Dem historischen Spinoza viel näher bringt uns der Roman „Spinoza“ von Otto Hauser. Der Verfasser hat sich Spinoza als Romanhelden dadurch möglich gemacht, daß er den Philosophen ein wenig, in den Hintergrund schiebt und mehr den Menschen Spinoza vorführt. Hausers Roman ist eine episch breite, fast alle Einzelheiten erschöpfende Schilderung eines Denkerlebens. Wir lernen daraus das tragische Lebensschicksal eines Mannes kennen, der berufen war, ein Heros der Menschheit zu werden: wir können da die Entwicklung eines Rabbinatskandidaten zum größten Denker aller Zeiten in allen ihren Phasen verfolgen. Hauser ist bestrebt, tiefsinnige Reflexionen, philosophische Ejörterungen und metaphysische Exkurse — soweit es in einem Roman, der einen Denker wie Benediktus de Spinoza zum Helden hat. möglich ist — zu vermeiden. Dafür teilt er uns alles mit. -was in und um Spinoza vorging. Der Roman bietet ein umfassendes kulturhistorisches Gemälde von den politischen und religiösen Wirren, die in jenen Tagen in Holland im allgemeinen und unter den Juden im besonderen herrschten. Die früheste Jugend Spinozas fällt in eine Epoche, in der Holland und wohl auch der übrigen Welt üble Zeitläufte bevorstehen. Ein rotfarbiger Stern mitten im Sternbild des Krebses und andere seltsame Himmelserscheinungen deuten als vorausverkündende Wahrzeichen darauf hin. In alledem wird gleichsam auch das Leben unseres Helden symbolisiert. In diesem Zeichen des Krieges lebt und strebt Spinoza. Einen Krieg nach dem andern muß er führen; aber et ist immer gerüstet Er kämpft tapfer und geht aus allen Kämpfen als Sieger hervor. Sein Kampf ist ein innerer und sein Heldentum vqn der Art der Sichselbstüberwinder. Schon nach dem ersten äußern Triumph, den der Knabe Baruch bei einer Prüfung in. der. Synagoge durch die Lösung einer schwierigen Talnjndstelle erringt, setzt sein erster innerer Kampf ein. An einem fröhlichen Purimfeste sehen wir. ihn traurig in einem Winkel stellen und die holdselige blonde Mirjam betrachten, die sich mit dem schönen braunlockigcu lleujumiu Morteira im Flüstert!) i unterhält. Die schöne Mirjam. David van Gooyens Töchtctchen, war ihm schon als Kind verlobt; Benjamin. Rabbi Mnrteiras ■ Sohn, ist sein geliebter Kamerad. Beide liebt er .von Kerzen, wenn sie eins vom andern entfernt sind. Doch wem . sie so beieinander sitzen, überkomuit ihn ein Gefühl der Trauer, des Neides, des Schmerzes. Beide sind sie schön, er aber ist schwarz und häßlich. Der Kampf beginnt, der Liebdskauipf. Er geht aus ihm als Sieger.hervor, indem er die Liefe überwindet. Sehr teilt bat Hauser die Lichesepisnde eilige! achten; sie berührt mir~dcii Baruch uifd hat mit dem Phil isophen Spinoza nichts zu schaffen. Auch in seinen weiteren Kämpfen bewährt sic i unser Philosoph als Held des Sichselbstübcrwindcns. Er kämpft gegen die Amsterdamer Rabbiner, zumal gegen seineflfFehrcr und nachmaligen heftigen Gegner Rabbi Saul Morteira und er erträgt den gegen ihn geschleuderten Buimstrahl mit einer stoischen Ruhe, die den kommenden Wcltwcisen ahnen läßt. Er kämpft gegen Schwächen, hervorbrechende Leidenschaften und seelische Zwiespalte, und er erstickt sie im Kei(ne. Als sein Vater stirbt und eine Erbschaft hinterläßt, erwacht hl ihm Religiöser Vortrag Sonntag, .den. 22. Januar 1933 vortn.l Synagoge Prinzrcgcntenslraßc 69-70 .30 Uhr Professor Dr. Ernst Cassirer Philosophie und Juden! Chor Sologesang Orgel - Vorstand der Jüdischen Gemeinde, ' Eintritt frei! ijuitt^' die Geldgier, die Sucht nach einem üppigen Leben. Bald jedoch erkennt er. daß' es bessere Freuden in der Welt {gibt, als die der Reichtum bietet. Er wählt den Weg der Armut, verzichtet freiwillig auf sein Erbteil zugunsten seiner Sc iwcstcr. Sein Freund Simon de Vrics bietet ihm ein Geschenk von zweitausend Gulden an. doch er lehnt ab, weil er mit s Geld ein Verschwender werden müßte. Eine jährliche von fünfhundert Gulden, die ihm derselbe Freund v setzt er freiwillig auf zweihundert herab, um die na Erben nicht zu verkürzen. Als ihn Ludwig Karl, Kurl Pfalz, an die Universität Heidelberg beruft, liefert Ehrgeiz ein kleines Gefecht und besiegt ihn, ihdcni Angebot ausschlägt, um sich die Unabhängigkeit im phieren zu wahren. So versucht Hauser den historischen Spinoza in kräftigen Strichen naehzuzeichnen. Der Roman ist überdies reich an vortrefflichen rungen, interessanten Episoden und dämmrig-lichten > vielem Pension :rmacht. ürlichen iirst der er dem er das Philosb- Schilde- Rildern. Sehr schön ist eine Schilderung des Freundschaftsbündnisses zwischen Baruch und Benjamin. Historisch berechtigt sind die Kapitel, die von der SUbbathai-Zewi-Bewegung handeln. Diese messianische Bewegung, die bekanntermaßen ungeheure Verbreitung fand und auch die Judenheit Amsterdams in Spannunghielt, hatte sicherlich auch unsern Philosophen | beschäftigt. (In dem Briefwechsel Spinozas mit Oldenburg wird dieser Bewegung eingehend Erwähnung getan.) "Freilich hat der Roman auch seine Schwächen. So z. ß. das Examen in der •Synagoge, das von Manasse ben Israel geleitet wird. Chacham Manasse wählt als|£riifungsstnff eine Mischna. auf Grund deren die Unsinnigkeit deVRTtualmord-Märchens bewiesen wird. Das ist eine apologetische Ueberfhissigkeit. die insbesondere in einem Spinoza-Roman fehl am Ort ist. Auch ein Mord kommt im Romane vor. Der rothaarige ben Sina ermordet n rasender Eifersucht seine Gattip Mirjam, die .ehemalige Braut Spinozas. Nach der Tat sucht der Mörder. Zuflucht bei dem Philosophen, auf den er kürzlich einen Mordanschlag verübt hatte. Spinoza gestattet dem Mörder, bei ihm zu übernachten. Er hört dessen Schilderung der blutigen Tat mit e ner Gelassenheit an, die nicht mehr' Philosophenruhe, sondern gesteigerter-Stumpfsinn ist. - Dem Denker im Menschen und dem Menschen in Denker Spinoza sucht E. G. Kolben heyer in seinem Roman „Amor Dei“ gerecht zu werden. Kolbenheyer zeigt uns den Entwicklungsgang Spinozas in gebrochenen Linien und läßt I die einzelnen Perioden seines Lebens in gut gezeichneten. ajber engrahmigen Bildern an uns vorübergleiten. Kolbenheyer führt -