Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 18 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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usw.) und weite Perioden der Abgeschlossenheit vom Staat Das Kennzeichen einer Nation ist ja nie die Herkunft, sondern die Zukunft. Der Tessiner Schweizer, rassen- und abstammungsgemäß sicherlich Italiener, geht in die Luft, wenn man es wagt, sein Schweizer Nationalgefühl zugunsten' seiner italienischen Herkunft anzuzweifeln. Seine Vergangenheit, seine Abstammung mag in der Lombardei oder noch weiter südlich gelegen.haben, seine Zukunft., sein nationaler Wille liegt in Bern und nicht in Rom. Mit den Deutschen und Russen Amerikas, mit vielen andern eingewanderten Stämmen und Völkern liegt es natürlich nicht anders. Der Wille, das Los der Nation zu teilen, entscheidet, und nicht die historische Herkunft Darum ist und bleibt es nach meiner Ansicht das gute Recht, ich möchte sogar sagen, die Pflicht des Staates, alle diejenigen, aber nur,diejenigen seiner Bürger zu umfassen, die sich nicht nur in der Gegenwart, weil sie müssen, sondern in der Zukunft, weil sie wollen, mit ihm identifizieren. Von geradezu beschämend utilitaristischer Kleinlichkeit ist nun die Stellungnahme Kollenschers zu der Frage der nationalen Minderheitsrechte und der nationalen Autonomie. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text, wir kennen auch die Verfasser. Nach innen predigt man das nationale Eigenleben. Man will, wie es Koüenscher so schön ausdrückt, den „Geist der nationalen Minderheiten“ pflegen. Wegen der zahlenmäßigen Geringfügigkeit aber des jüdischen Teiles in Deutschland „verzichtet“ man nach außen hin auf die Rechte nationaler Autonomie, auf ein Reichsgesetz über jüdisthe Minderheitsrechte usw. Herr Kollenscher soll doch ehrlich sein und sagen: „Wir haben Angst vor den Pflichten und Beschränkungen der nationalen Autonomie und der nationalen Minderheiten, da wir so wenige siftd, und darum verzichten wir darauf, aus unserer Weltanschauung die praktische Konsequenz zu ziehen.“ Mit etwas mehr Ehrlichkeit kann man zwar nicht „praeceptor Germaniae“, aber „praeceptor Judaeae“ sein. Hat man eine Weltanschauung und predigt sie, so muß man auch die unangenehmen Schlußfolgerungen in den Kauf nehmen. Herr Kollenscher ist ja ein ausgezeichneter Jurist und muß sich aus - seiner Studienzeit noch des sehr weisen alten deutschen Rechtssprichwortes erinnern: „Wer den guten Tropfen genießt, muß auch den bösen Tropfen kosten.“ Wer den Primat des Judentums predigt, wer nach, seiner jüdischen Ueberzeugung im Staate eine nationale Minderheit ist. wer den Geist der nationalen Minderheit pflegen will, der muß auch die Rechte und Pflichten dieser Minderheit auf sich nehmen, selbst wenn sie ihm unbequem sind, fm übrigen wird die Ouittung auf derartige Wünsche nach dem „Geist nationaler Minderheiten" leider nicht von uns präsentiert werden, sondern von Organen, die es weit weniger gut mit uns meinen. Endlich ein Letztes. Man liest 5 Seiten, man liest 10 und 20 Seiten, man liest bis zum Schluß und wartet auf die letzte Antwort auf die letzte Frage. Wie denkt sich Kollenscher nun die Zukunft der deutschen, oder man kann ja wohl sagen, der westlichen Juden aus dem „Geist der nationaleil Minderheit“ ohne deren praktische Durchführung, also aus freiwilliger Ausschließung ohne, wie er es sehr hübsch sagt, geistige Autarkie? Was soll aus dieser jüdischen Gemeinschaft, die ja auch wir als ein eigenlebendes Gewächs anerkennen, werden? Damit komme ich auf den entscheidenden Mangel in Kollenschers Schrift. Es ist sehr viel von jüdischer Politik und jüdischer Geschichte die Rede, aber vom Geist des Judentums, von seiner welthistorischen Aufgabe, sagt das Buch nicht eine Zeile und nicht eine Silbe. Es bleibt aber schon so, wie ich es immer vertreten habe: Man kann nicht einen einzelnen Fetzen aus dem Schicksalsbuch der Judenheit Uerausreißen, ohne dieses Buch bis zu Ende zu lesen oder wenigstens zu Ende zu denken. Willst du letzten Endes ein jüdisches Volk „wie andere Völker“, gut. so arbeite auf die Loslösung vom „Wirtsvolk“ hin und löse dich selbst Willst du aber verbunden bleiben mit der Heimat in der Diaspora, nicht, weil du ein nahrhaftes Amt und Brot im „eigenen Lande“ heute noch nicht findest und daher ein „paying guest“ in der ’ „Verbannung“ sein mußt, sondern weil du glaubst, daß gerade dein jüdisches Schicksal dich hierher gestellt hat, dann kannst du, ob mit, ob ohne Gefühl des Primats des Judentums,, gar nicht anders handeln, als heimisch zu werden in deiner Heimat Wir leben, wir leiden, wir sterben als Juden, also muß es doch einen Sinn haben, dieses Leben als Jude! Der einfache, leicht begreifliche Sinn bei Kollenscher ist der. einmal im heutigen oder erweiterten Palästina auf eigener Scholle im eigenen Staate Bürger zu werden. Wer glaubt. Spezial-Behandl. nur für Ischias In Hüften, Gesäß und Bein, wenn ärztlidi feitgestellt, in 15 Tagen sind sdiwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen. Ärztlidi empfohlen« Iovalidenstr. 106, 9—11, 1—4, Sonntag 10—12. Jacoby. John’s Weib bat mit'tränenerstickter Stimme um Verzeihung und versprach, alle Vorschriften des Arztes pünktlich zu erfüllen. „Ich werde heute abend wiederkommen“, sagte der Doktor. So abgespannt, wie er war, ging er zurück ans Bett von John- Macrae, Exmissionar und Judenhasser, und blieb dort die ganze. lange, qualvolle Nacht. John raste, fluchte, schwur, spottete und segnete.in seinem Delirium, bis er zuletzt erschöpft dalag. Die Krise war überständen. Noch viele Wochen' lag John Macrae krank, und der Doktor behandelte ihn. Seine Visiten hatten streng beruflichen Charakter. Er fragte nur nach dem Befinden des Kranken, schrieb ein Rezept aus, gab es John's Weib, und nickte lächelnd. „Auf Wiedersehen John,' es wird täglich besser: Sie werden bald aufstehen können." Bis John eines Tages vor der Fronttür seines Hauses saß und den Ddktor grüßte, als er vorbeiging; der Doktor wollte sich nicht . auihalten und ging weiter, bis er ein Zerren an seinem Rock fühlte. Ein kleiner Junge schaute zu ihm auf und sagte: „Herr Doktor, Sie werden drüben gewünscht. John Macrae schickt mich zu Ihnen. Er wünscht Sie zu sprechen.“ „Sage ihm, ich werde ein anderes Mal kommen, ich habe jetzt keine Zeit.“ Und der Jude ging weiter. < Monate vergingen. Der Sommer kam und ging wieder. John Macrae saß an schönen Tagen vor seinem Hause und - unterließ keinmal, den Doktor zu grüßen, aber sandte niemals, wieder einen Boten nach ihm. Eines Nachts; spät, als die Straßen leer waren, und niemand ihn hereingehen sah, trat John Macrae in des Doktors Haus ein. - „Sagen Sie ihm. es sei sehr wichtig, ich wünsche den Doktor zu sprechen", sagte er zu dem Dienstmädchen. Der Doktor war gerade beim Kartenspielen, und spielte seine Partie zu Ende, bevor er ins. Nebenzimmer trat, um John Macratr zu begrüßen. „Well“, sagte der Doktor, j.was gibt’s? Was führt Sie zu so später Nachtstunde noch zu mir?“ „Sehen Sie, Herr Doktor“, sagte John, verlegen seinen Hut in der Hand drehend, „Sie haben mir niemals eine Rechnung geschickt. Ich möchte mit Ihnen ins Klare kommen.“ „Wozu denn? Sie schulden mir gar nichts.“ ..Doch, ich stehe in Ihrer Schuld“, sagte Macrae. und versuchte zu poltern. „Bin ich Ihnen nicht gut genug für das Geld? Denken Sie vielleicht. Sie würden nicht bezahlt bekommen,“ damit ein Endziel gefunden zu haben, ist'zu beneiden. Unser Ehrgeiz und unser Glaube gehen weiter. Wir glauben doch, daß nicht nur der Zuiall, sondern unser uns gesetztes Schicksal uns als eine geistig-sittliche ^Gemeinschaft eigenster Prägung mitten in die Völker gesetzt hat, um im Kreise der anderen als eine sichtbare, lebende Einheit von Gottes wegen zu leben, zu wirken und — zu leiden. Wir können auch in unserem heutigen Dasein als Juden nur ein Sich-Vorbereiten sehen iür das eine4 einige Reich, in dem es wirklich gleichgültig sein wird, welchen Staates Bürger man ist. für das vielmehr es einzig wichtig sein kann, ob man Mensch in menschlicher Gemeinschaft sich nennen darf. Kollenscher 'bekennt sich, wie stets, laut zur jüdischen Gemeinschaft., Auch wir können uns kein Judentum ohne jüdische Gemeinschaft, aber auch keine jüdische Gemeinschaft ohne Judentum denken. Diese jüdische Gemeinschaft wird freilich erst ihr letztes Ziel erfüllen können, wenn sie bewußt eine Gemeinschaft nicht von heute für heute, sondern eine Gemeinschaft von gestern über heute für morgen sein wird. Dazu gehört freilich ein Etwas, was aus den Worten Kollenschers nicht hervorgeht. Hoffnung und Zukunftsglaube! Er nennt seine Schrift „eine zeitgemäße Betrachtung und Grenzziehung“. Sie ist in der Tat zeitgemäß; denn sie ist diktiert von Resignation und Verzweiflung, und sie ist mehr als eine Grenzziehung, sie ist eine Einengung und Abschließung. Für diese Stimmung ist bezeichnend, was Kollenscher über die Emanzipation schreibt Dort heißt es: „Die Oedanken von Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit machten ihren Siegeszna durch die zivilisierte Welt. In allem, was Menschenantlitz trägt, erblickte man den Bruder, der gleichgestellt “rejiiei! leben sollte. Bei dieser Emanzipation aller Unter ischenanthtz, also mußten auch auf sic die Orui r Oesellschaftsfühnmg und Staal Diese Einstellung ist ebenso bezeichnend wie erschütternd.- Kollenscher wäre es lieber gewesen, die Emanzipation wäre gekommen aus staatlichen Erwägungen heraus oder aus einer Spezialfrenndschaft für die Juden. Der gewaltige Revolufionsgedanke von 1789, Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeit, dieser Urgedanke des Judentums, hat für ihn keine werbende Kraft. Wenn diese Gedanken die Mauern des Ghettos zerbrochen haben, so ist das lediglich die „doktrinäre Anwendung“ eines Lehrsatzes! Für uns, die wir mit heißem Herzen und gläubigem Gemüt in die Vergangenheit sehen und auf die Zukunft hoffen, ist jenes Gefühl und jene Tat von 1789 und 1811 ein Atem Gottes in der Menschheit. Heute ist er weniger fühlbar als damals; daß er unsterblich ist und-einmal die ganze Welt mit seinem Sturmwind durchbrausen wird, wissen wir. Da werden derartige „zeitgemäße Betrachtungen" glücklicherweise nicht mehr nötig sein., und es wird nicht mehr nötig sein, sich mit’ ihnen zu beschäftigen. Gemeindeahend der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Mittwoch, 21. Dez. 1932, abends 8 JO Uhr im Cafe Leon Kurfürstendamm 155/156 GEGENWARTSÄÜFGABEN DER GEMEINDE Redner: Direktor Heinrich Stahl, Dr. Kurt Fleischer, Moritz Rosenthal / Gesänge: Oberkantor Leo Goilanin Schokoladen - Großhandlung Sämtliche Markenwaren stets auf Lager. Auch.Pfefferkuchen und Festgeschenke liefert frei Haus in Groß-Berlin und Umgebung M. Silbiger, Berlin C25 Kleine Alexanderstr. 14 - Telefon: E 2 Kupfergraben 2475 „Nein“, sagte der Jude, „das ist keinesfalls der Grund. Es handelt sich um folgendes. Setzen Sie sich und hören Sie mir zu.“ „Aber“, unterbrach ihn der Schotte. „Sie heilten mich, und ich habe 'das Recht. Ihnen dafür zu zahlen." . „Jawohl, das weiß ich alles“, war die Antwort, „ich heilte Sie zweifellos, aber als ich in Ihr Haus kam, tat ich es als Arzt, nicht als Jude, ich weiß alles, was Sie über mich' geredet haben, bevor ich kam. aber da ich. wie Sie sehen, docli gekommen hin. kann zwischen uns von Bezahlung keine Rede sein. Als Jude behandelte ich Sie-- umsonst. Gute Nacht.“ So ließ er John Macrae alleine im Sprechzimmer, und warf die Tür hinter sich zu. Nun. denkt nicht etwa, daß der brummige, mürrische Schotte kein Prinzipienmensch ist Es schmerzte ihn tief, einenderartigen „Schlag ins Gesicht“ von dem Juden zu bekommen. Er sandte einen Boten mit einem Bündel Banknoten zu dein Doktor und gab strengste Anweisung, es dem Doktor persönlich ahzugeben und nicht auf Antwort zu warten. Der ..Judendoktor“ sandte das Banknotcnbündel am nächsten Tage dem Judenhasser und Exmissionar John Macrae zurück, mit der Bitte, das Geld einem wohltätigen Zweck (Autorisierte Uehersetzung aus dem Englischen von James Dreiblatt. Hamburg.) Eine interessante Ausgrabung. Synagoge aus dem S. Jahrhundert. Jahrhunde von Hamath ersität Jerus: usgegraben. Die h vie die i Reste Wieviel Juden gibt es? „Ich kenne nur einen anständigen Juden, und das bist du,“ sagte ein nationalsozialistischer Schauspieler zu Max Ehrlich. Max Ehrlich dachte nach. Dann sagte er: „Was glaubst du, wieviel Juden es in Deutschland gibt?“ „Ungefähr eine halbe Million.“ „Viel mehr mein Lieber. Ungefähr vierzehn Millionen.“ „Natürlich. Es gibt 14 Millionen Nazis, und jeder Nazi kennt bekanntlich einen anständigen Juden.. Macht vierzehn, Millionen Juden. Heil.“ . („Montag Morgen“.). Was diesmal bemerkte: Sensationeller „Einbruch“! Daß die jüdische Orthodoxie..zahlenmäßig betrachtet, sich rapide dem Nullpunkt genähert hat. wird seihst .von den' Miisterexemplareii dieser aussterbenden Gattung nicht bestritten. Aber in der Zahl steckts bekanntlich nicht, und mau, soll nicht sagen, die Orthodoxie habe seit Samson .Raphael Hirschs Tode keine Köpfe mehr. Nein, die Kopfleistung ist primissima. alles, was recht ist: wir bösen Liberalen haben das wieder zu -spüren 'bekommen. - ' Ganz -verbieten kann uns die Orthodoxie freilich nicht. Aber immerhin: daß der Liberalismus eine illegale Bewegung ist, das stellt sie doch von Zeit zu Zeit in der ihr eigenen geistvollen Weise fest. Zum Beispiel als vor einigen Monaten die liberalen Juden m Holland sich organisierten, was schon eine Dreistigkeit war. und als sie dann den liberalen Weltverband einluden. ib Holland seine Tagung abzuluilfen. so daß durch rednerisches Auftreten von liberalen Führern aller Länder die holländische Judenheit in größerem^ Maße für den Liberalismus gewonnen wurde, da hieß es in einer urkomischen orthodoxen Zeitung, die das ganze Jahr aber I'iirim-Niumuern licrausgibt. unter Fettuberschrift: ,.E i n h r u c li der Reform in Holland.“ Nim. die. Kriminalpolizei griff trotzdem nicht ein. Aber neuerdings, erdreistetc sich die World Union for Progressive Judaism. wie unsere Leser wissen, auch die Tschechoslowakei. Ungarn und Oesterreich zu bereisen, und auch darüber mußte die orthodoxe Presse .berichten. Und nun zeigt sich ihre Kopfleistung, denn — Abwechslung muß sein, nicht wahr? und man soll nicht sagen, der betreffende Redakteur habe sich wiederholt, als er-nunmehr die UchcrseUrift setzte: '..E i n b r u c li der Reform in Oesterreich.“ Wir fügen, ebenfalls der Abwechslung halber, hinzu: die Kriminalpolizei schweigt noch immer. ' - Aber deshalb brauchen wir die Hoffnung nicht sinken zu lassen; unser l'iirimblalt hat immer noch neue Neuigkeiten. Was z. B. Oesterreich anlangt. so schreibt cs. Wien habe zwar nie eine eigentliche KiiUusreform (Orgel und „schrillenden" Damciichor!) kemieiigelcriit: nur der Almeinor sei aus der Mitte der Synagoge nach der heiligen Lade zu. „ver-- schobcn“ worden. „Mit der Verdrängung der Thorarolle aus der Mitte des Wiener ü'tteshauses ging7. .... eine fühlbare Ausschaltung der Thora aus_dem Mittulpunkte'des jüdischen Lebens vor sich.“ Taufe und Mischehe grassierten in Wien, das ist leider wahr; aber nicht die „Verschiebung“ des Almemors ist daran schuld, sondern der Mangel an einer planmäßigen Reform, die Beibehaltung aller Formell, der offiziell noch immer orthodoxe Charakter der Wiener Gemeinde und all der überlebte Kram, von dem moderne Menschen mit Recht, und gerade aus jüdischer R e 1 i g i o s i f U t heraus, nichts wissen wollen. Woher also der Niedergang? Die Orthodoxie hat schuld. Aber da hätten wir ja iinscrui Komiker beinahe ernsthaft erwidert; wir bitten aufrichtig um Entschuldigung. Fahren wir also lieber fort mit der Aufzählung dessen, was orthodoxer . Erfindergeist heute leistet. Die Rufnrmgcmciiidc zu Berlin hat Irene Tricscli fur die Bihellesmig in den neiiemgcrichtefen Freitagabend-Gottesdienst gewonnen. Dieser Ruhm läßt die orthodoxen Herren mellt schlafen: sie erfinden Werner Krauß. Heinrich George und — Alfiert Einstein hinzu, und wenn das auch als Witz gemeint sein mag. so ist es doch derart stilisiert. daß zumindest ein mit den liberalen Dingen nicht vertrauter. aber gegen den Liberalismus aufgcputschtcr Leser es für bare Münze nehmen muß. um so mehr, als ja Professor' Einstein tatsächlich in einer Synagoge Vortrag gehalten hat.' einen wissenschaftlichen Vortrag zugunsten der jüdischen Studenten in der Synagoge- Prinzrugenteiisttaße . . .' in wel: eher beim Gottesdienst Männer und Frauen zusammen sitzen ' . . . was eine Reform ist ... Rabbiner Dr. ffaeck aber, der manchmal in der Priiizregentcnstraße predigt, hat dem Prediger der. Reforingcmeinde. Herrn Dr. Lehmann, zum 60. Geburtstag gratuliert und habe sich folglich mitschuldig gemacht, daß Irene Trtesch im Freitagabend-Gottesdienst öffentlich die Bibel liest - (las alles s t eh t w i r k 1 i ch sch w » r z auf weiß gedruckt da!!, und cs fehlt mir noch die Angabe, daß Dr. Baeck mit seiner Gratulation an Dr. Leh- - mann auch mitschuldig ist, wenn Irene Triesch am- Freitag-, abend ohne Kopfbedeckung unter Orgclhcglcitimg mit Werner Krauß-die Relativitätstheorie ins Hebräische übersetzt und Bruno Woyda als Begleitung dazu auf den-in der Reform so beliebten Schallplatten den Song „Von Hitler bis Thälmann“ singt — o’mein Kopf, cs geht bei solcher Lektüre einem alles durcheinander, wir Liberalen sind den geistigen Leistungen der Orthodoxie halt nicht gewachsen, und was besagten „Einbruch“ betriift, so kann uns das alles gestohlen bleiben. amen / iillc w reine Wolle,moderne * StrickarDeil.fehrhubfch f garnier!, nachfblau.braun und fchwarz „ gpUMäch