Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-11-01 · 15 (1.11.1932) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
15 (1.11.1932)
Date
1932-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2613456-2613469--4248-2615910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

zuk durch die Welt an. Sein Ansehen steigt, sein Einfluß wächst-. Nicht nur die Geisteswissenschaft, auch das schöngeistige Schaffen wird durch ihn befruchtet. Denker und Dich-. ter bezeigen ihm ihre Reverenz und leisten ihm Gefolgschaft. Kant studiert ihn, F i c h te lehnt an ihn an, S c h e 11 i n g macht sich seine Gedankenwelt zu eigen. Hegel nennt ihn den Heros der Philosophie. Herder bewundert ihn, .und Goethe sucht Spinozäs Weltanschauung aus ihren starren mathematischen Formeln zu befreien und in einen Akkord harmonischer Töne ausklingen zu lassen. Auch auf S chilI e r hat Spinoza eingewirkt, wie Friedrich.J o d 1 in einem Aufsatz „Schiller unddie Religion" nachgewiesen hat (ln der von Schiller herausgegebenen „Anthologie auf das Jahr 1783“ findet sich ein Gedicht auf Spinoza, das Schiller zugeschrieben wird.) Arthur Schopenhauer, der dem Amsterdamer Philosophen den Juden nicht verzieh, meint: „Bei dem. allen bleibt Spinoza ein sehr großer Mann." . No va 1 is schreibt: „Spinoza ist ein gottrunkener Mensch; der Spinozismus ist eine Uebersättigung .mit Gottheit." Ganz Begeisterung ist Heinrich Heine:- „Bei der Lektüre des Spinoza ergreift uns ein Gefühl wie beim Anblick der großen Natur in ihrer lebendigsten Ruhe. Ein Wald von himmelhohen Gedanken, deren blühende Wipfel in wogender Bewegung sind, während die unerschütterlichen Baumstämme in der ewigen Erde wurzeln. Es ist ein gewisser Hauch in den Schriften des Spinoza, der unerklärlich. Man wird angeweht wie von den Lüften der Zukunft. Der Geist der hebräischen Propheten ruhte vielleicht noch auf ihrem späten Enkel. Dabei ist ein Ernst in ihm, ein selbstbewußter Stolz, eine; Gedankengrandezza, die ebenfalls ein Erbteil zu sein scheint.“ Franz. Grillparzer wirft die Frage hin: „Wer ist wohl je das, was wir frei nennen, mehr gewesen als Spinoza?" Und Gustave F1 a u b e r t schreib! an George Sand: „Ich kannte Spinozas Ethik, aber nicht den Tractatus Theologicö-politicus, der mich verblüfft, mich blendet, mich in Bewunderung versetzt. Herrgott! Ist das ein Mensch! Ist das ein Kopf! Dieses Wissen und dieser Geist!" So singt und klingt es vom Ruhme- Spinozas durch den geistigen Blätterwald. Dieser Ruhm fand seinen Superlativ in dem bekannten Dithyrambus Schleiermachers, der mit den Worten beginnt: „Opfert mir ehrerbietig, eine Locke den Manen des heiligen verstoßenen Spinoza!“ Ra hei aber, die feinsinnige, sagte einfach: „Ich liebe ihn, den Mann!“ Zwischen dem haßerhabenen Bannfluch des Rabbi Mo r - t e i r a und dem' wunderlichen Wort der R a h e I fließt brausend der Strom einer mehr als zweihundertjährigen Geistesgeschichte, fließt und fließt der Strom, dessen brandende Wogen ein Denker mit seinen Gedanken siegreich; durchschreitet. Spinoza-Ausstellung der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin-veranstaltet aus Anlaß der 300. Wiederkehr des, Geburtstages Baruch Spinozas in der ersten Hälfte des Monats Dezember, eine Ausstellung im Gebäude der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29. In der Ausstellung wird in Bildern, Drucken Wohnung Steilung en Fassadenputz—Reparaturen Beratung und Vorschläge jederzeit unverbindlich * Bailgeschäft Artur Walter Charlottenburg’, WilmersdorferStr.112 Telefon CI Steinplatz9910 ERNST WIEGET, Dachdeckungsgeschäft Ausführung sämtlicher Dachdeckerarbeiten. Reparaturen gut u. billig. Klempneru. Maurer-Arbeiten io Pauschalsumme. Kostenlose Früjsbrs* u. H«*rbstkontrolle der Dächer., Fliesenu. kl. Asphalt-Arbeiten. Beratung u. Kostenanschläge gratis. BERLIN NO 55) Heinrich-Roller-Str. 21. Tel.: E 3 Königstadt 8121 Bruchleidende / Fußleidende nur bei Emil Hempel. Orthopädie, Bandagen Berlin W 35, Lützowstraße 39 Telefon Bl Kurfürst 4529 Lieferant sämtlicher Krankenkassen Spezial-Behandl. nur f ür Ischias In Hüften, Gesäß und Bein, wenn ärztlich festgestellt, in 15 Tagen sind schwere Falle beseitig! worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen. Ärztlich empfohlen« Invalidenstr. 106, 9—11, 1—4, Sonntag 10—12. Jacoby. Versammlungskalender Berlin.. ’r Liberaler Verein. Bezirksgruppen Halensee-Grunewald, Cbarlottenburg-Ost, Schöneberg: Dienstag. 15. November. 8 Ubr abends, Gartensaal Logenbaus, Klelststr. 10: Jugend* Veranstaltung. Näheres siehe Inserat Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden. Schönhauser Allee 162. Freitag, 4. Nov„ abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonskl. — Sonnabend, 5. Nov„ 10 Uhr. — Freitag. 11. Nov„ abends 7.15 Uhr: Predigt Rabb.-Kand. Mcbler. — Sonnabend, 12._Nov„ 10 Uhr: Knabeneinsegnung. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Kalserstr. 30. Aula der Mädchenschule. Freitag, 4. Nov„ abends 7.30 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plotke. — Freitag, 11. Nov„ abends 7.30: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. ' Westend. Liberale Synagoge Westend, Lelstikowstraße 7—8, Aula. Freitag, 4. Nov„ abends 7.15 Ubr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. — Freitag, 11. Nov„ abends 7.15 Uhr: Predigt Rabb.- Kand. Dr. Hirschberg. ‘ Liberaler Gottesdienst Schmargendorf. (Altersheim Berkaer Straße 32.) Freitag, 4. Nov„ abends 7 Ubr:. Predigt — Sonnabend. 5. Nov„ 10 Uhr, — Freitag. II. Nov„ abends 7 Uhr. — Sonnabend. 12. Nov„10 Uhr. Jüdische Retormgemeinde. . ■ ' Johannisstr. 16: Sonntag, 6. Nov„ vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. — Sonntag, 13. Növ„ vorm. 10J0 Uhr: Predigt Dr. Rosentbal. Klelststr. 10: Sonntag, 6. Nov„ vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Rosenthal. — Sonntag, 13. Nov„ vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Jelskl. und Handschriften Spinozas Leben und Persönlichkeit, Spinoza und seine 'Zeitgenossen in Holland. Spinoza und das Judentum, Spinozas Einfluß auf die allgemeine üeistesgeseliiclite dargestellt werden. Die Preußische Staatsbibliothek in Berlin, die Universitätsbibliotheken Berlin. Halle, Königsberg i. Pr„ die vohn. Kgl. und Proviiizial-Bibliothck in Hannover, die Stadtbibliothek in Breslau u. a., sowie Gelehrte, darunter der Spinoza-Forscher Dr. Carl Gebhardt in Frankfurt a. M„ haben sich bereit erklärt, die Ausstellung durch Ucberlassung von Material zu. fördern. Heinrich Mann spricht in der Synagoge Prinzregentenstraße. Religiöser Vortrag in Berlin. Den ersten religiösen Vortrag in "diesem Winter hält um 13. November 1932 Heinrich Mann in der Synagoge Prinzr egen teilst ruße. Der Dichter hat das Thema „Nach der Wahrheit leben“ gewählt. Der Vortrag beginnt um 11.30 Uhr und wird von musikalischen Darbietungen umrahmt. Der Rintritt ist frei. Ti a||ca’« Billard-Säle ■i I W I HO S am Nellendorlplatz 0 Bedeutend vergrößert Von 9 Uhr früh bis 3 Uhr nachts g.öffn«t Meister-Partien / Billard-Schule Schokoladen - Großhandlung Sämtliche Markenwaren zu Fabrikpreisen auf Lager Lieferung frei Haus van RM 10;— an, in Groß-Berlin u. Umgeb. M. Silbiger, Berlin C25 Kleine Alexanderstr. 14 Telefon: E 2 Kupfergraben 2475 Kollege von der anderen Saalhälfte in diesem Augenblick zu empfinden. Auch er straffte sich, nach oben blickend, und gar nichts Unterwürfiges war mehr in seiner schmächtigen Gestalt, -— Als dann später der Gottesdienst zu Ende, gelang es Robert Perleberger nur für einen kurzen Moment unter der Menge der Hinausdrängenden die bekannte Unbekannte zu erblicken. Er schalt sich selbst recht töricht, daß der Gedanke an sie ihn nicht losließ, als er dann mit seinem Saalkollegen gemeinsam der rituellen Küche zuschritt, in der die Gemeinde ihren Aushilfsangestellten den Feiertagstisch bereitet hatte. Das Essen dort , war nicht schlecht, war sicher besser als die meisten es seit ihrer Verarmung gewohnt waren. Robert Perleberger aber würgte jeder Bissen im Halse: im Vorjahre noch hatte er sein Heim gehabt, und von zwei Jahren .noch seine Rosa neben sich. Draußen zog ein Trupp Nazis vorüber, und ihr Ruf: „Juda verrecke!“ dräng zu den Essenden. Der Kollege von der anderen Saalhälfte richtete sich straff empor und sagte: „Laßt sie nur! Höre Israel! Wir sind adelig,- wir sind alle adelig!“ Robert Perleberger fuhr mitten in der Nacht aus dem Schlafe und rief: „Mariechen, Mariechen Weinbaum!“ Er hatte von der bekannten Unbekannten geträumt, und plötzlich wußte er, wer sie war. ' Lange vor Beginn stand er am Vormittag des ersten Rausch- Iiaschonoh-Tages auf seinem Posten. Ob „sie“ wieder erscheinen würde? Richtig — da Stand sie schon am Eingang, suchendwie gestern — aber nicht' nach ihrem Platz, sondern nach ihm. Erst wenige Menschen waren im Saal. So konnte er wagen, zu ihr zu treten: „Mariechen?“ „Ja, Herr Perle-, berger!“ Und eine Geschichte, die Geschichte einer Liebe und eines Mädchenlebens lag in dem verschleierten Ton ihrer sanften Stimme. Der Mann faßte wortlos nach ihrer Hand. Aber es kamen Leute und er mußte sein Amt verwalten. Anders als am Tag zuvor lauschte er heute den vertrauten Melodien von Orgel und Chor. Wollte da etwas auftauen in seiner Seele, was eingefroren war in Winterkälte dieser letzten Jahre? Er konnte es kaum ervyarten, bis nach dem letzten Schofarbiasen der Saal sich leerte. Im Vorübergehen flüsterte Mariechen ihm zu: „In der Straße links um die Ecke.“ Wie die Vergangenheit auflebte zwischen dem alten Paar, von dem auch der weibliche Teil die Fünfzig schon hinter sich hatte. „Sie wohnen fetzt immer in Berlin?“ fragte sie schüchtern. „Wohnen?, ich wohne überhaupt nicht mehr — ich hause in einem armseligen Zimmerchen. Meine Rosa ist tot, Geld und Geschäft verloren.“ — Zum ersten Male, daß er jemand fand, vor dem es ihm leicht wurde, sich alles von der Seele zu sprechen. „Wo essen Sie in den Feiertagen, Herr Perleberger?“ „ln der Wotilfahrtsküche der Gemeinde“, sagte er bitter. „Dann kommen Sie mit mir. Ich habe eine bescheidene Zweizimmerwohnung. aber für micli allein — und das Mittag stellt fertig in der Wärmröhre.“ Wie ein Wunsclitraum erschien dem vereinsamten Mann alles, als er au der Seite des alten Fräuleins ihr behagliches Heim betrat. An dem blankgeputzten Türschild stand noch ihr Mädchenname: „Marie Weinbaum“. Sie war also nie verheiratet gewesen, fn der Ecke des altmodischen. aber bequemen Sofas, auf das sic ihn genötigt hatte, fühlte er sich zum ersten Male wieder fraulich umsorgt. Ganz warm wurde ihm ums Herz. Huschte sie nicht immer noch geschmeidig und geräuschlos ein und aus, wie einst das zierliclie’Mariechen als Lehrmädchen im Geschäft seines Vaters? Fünfzehn war sie damals, und er fünfundzwanzig, der .stattliche Herrensolm, zu dem sie bewundernd aufblicktc. Audi er hatte das liebe, geschickte1 Ding gern gemocht und war, als sie älter geworden, aucli manchmal heimlich mit ihr ausgegangen. Seinem gestrengen alten Herrn aber paßte das nicht Die Tochter des Synagogendieners und sein Einziger! Nein, das ging nie und. nimmer. So zufrieden man im Geschäft mit dem fleißigen Mädchen war — man kündigte, besorgte ihr aber in der Provinzhauptstadt eine gute Stellung bei Bekannten. Wie seltsam das Schicksal spielt! Heute saß der Sohn dieses Chefs an ihrem Tische und war froh, für ein paar Tage die bescheidene Tätigkeit ausüben zu dürfen, die man ihrem längst verstorbenen Vater verübelt „Und Sie haben nie geheiratet?“ Sie errötete: „Nein, ich konnte nicht vergessen.“ Da faßte er ihre Hand und hielt sie lange. „Gearbeitet habe ich — bis ich zu alt dazu wurde und auch zu unansehnlich; heute verlangt man große und stattliche Kräfte, wie die heutige Jugend.“ „Und dann?“ „Dann hat ein mitleidiger Arzt etwas an meinem Herzen gefunden, so daß die Angesteliten-Versicherung mir eine Rente bewilligte. Zum Leben reicht sie natürlich nicht aus — aber ich kann schneidern und habe einige Kundschaft. Und vor allem — ich habe mein eigenes Heim. Da geht es niemand an, wie icli 'mich darin einschränke." Als Robert Perleberger nach den Feiertagen zum Gemeindehaus kam. bot man ihm einen ständigen Posten fn einer neuerbauten Synagoge im vornehmen Westen an. „Sie sehen nach was aus“, sagte der Vorsteher, „und wissen mit den Leuten umzugelien.“ An Mariechens Tür-aber erschien nicht lange darauf ein neues, ebenso blankes Schild: „Robert Perleberger und Frau Marie, geborene Weinbaum.“ Denn das war nötig wegen der Kundschaft — Was diesmal bemerkt: Zu dieser Reichstagswahl. Immer wieder der Blödsinn, die Juden würden diesmal deutschuationa! wählen! Daß die Nationalsozialisten dergleichen ausstreucu. um ihre ehemaligen Harzhurger Bundesgenossen als „verjudet" zu diskretiereu. ist'verständlich, unverständlich aber, daß es im bürgerlichen iiud-im sozialistischen l.ager Gläubiger und Nachbeter findet. Von Außenseitern lind Wirrköpfen abgesellen, die es Überall gibt, denkt kein ernsthafter jüdischer Deutscher au die Wahl einer Partei, die nicht nur Juden von' der Mitgliedschaft ausschlieUt (§ 13 der Parteisatzung). sondern die auch „nachdrücklich gegen die ..... immer verhängnisvoller hervortreteude Vorherrschaft des Judentums in Regierung und Ueffentliclikeit kämpft“ (§' II des Parteiprogramms). Für uns Juden a I s Juden dürfte sieli seit der vorigen Wahl kaum etwas geändert haben, (iewiß. das- Zentrum hat sieh .etwasreichlich mit den Nationalsozialisten eingelassen, die Extratour des Abgeordneten Lauscher ist durch seine Erklärungen wohl kaum gerechtfertigt worden, aber die Partei hat aucli manches davon bereits wieder wettgeniaclit. In dieser Frage spielen jüdische Erwägungen noch eine gewisse Rolle: sie scheiden, aus bei Einschätzung der Erfolgsaussielitcn der Staatspartei, einer Einschätzung, gleich schwierig' für deren uichtjüdischc wie für ihre jüdischen Wühler: sic scheiden ferner aus hei der Kritik der Sozialdemokraten au de.r SPD. Alles, was es da zu prüfen und zu erörtern gibt, prüft und erörtert der deutsche Wälder in uns, nicht der Jude: vom jüdischen Standpunkt aus sind diese Parteien einwandfrei. „Einwandfrei"; das klingt vielleicht manchem zu kühl, mancher will ein empfehlendes Wort, will ein Wort auch über die bürgerlichen und sozialistische» Splitterparteien (Rudikaldemokraten, Sozialrepublikaiier, Sozialistische Arbeiterpartei), die alle eindeutig den Antisemitismus ahlclmc». Ja. das tim sic: lind wir wollen die Gegner des Antisemitismus stark »lachen? Ja. das wollen wir. Aber auch das ist eine Aufgabe des d e ii t s e li e u Wählers in uns. der Antisemitismus ist eine staatsfeindliche Bewegung, die wir als Deutsche und die-jeder echte- Deutsche bekämpft. Alle jüdischen, d. h. anti-antisemitischcn Erwägungen bleiben also ohne Einfluß auf die Entscheidung, die der dciitschjiidischc Wälder der bisher von ihm gewählten Partei gegenüber treffen muß: und mir die eine Bemerkung ist liier auzufiigcn, daß entgegen einem bedauerlichen Gerücht - von antisemitischer Stimmung in Kreisen der SPD., der Gewerkschaften, der Arbeiterschaft nicht nur nichts ztr bemerkeni.st (das Gegenteil könnte durch Anfü|iruug von Tatsachen leicht bewiesen \yerden). sondern daß, wiire sie vorhanden, sic nicht durch Zuriickzichcu. sondern durch stärkere Aktivität der Juden beseitigt werden könnte und müßte. Ja, und wie stehen-wir Juden zur Regierung, die diese Wahlen ausgeschrieben hat? Als Juden genau so uneinheitlich. wie wir zu den Parteien steilen. Wir sind keine Partei und haben jeder eine andere Partei. Diejenigen Juden, die diese Regierung gern stützen möchten, sind in genau der gleichen Lage, wie viele Nichtjuden, die das Kabinett Pupen stützen, wollen und deimoeli nicht deiitseliuatioiial wählen. Im übrigen: Verfussiing.sreforiii und Autarkie, alle politischen und wirtschaftlichen Programmpuuktc dieser- Regierung betreffe» rein deutsche Fragen, haben mit jüdischen Dingen nichts zu tun. Allerdings: daß die Regierung uns diesen Rundfunk, diesen wahren Stunkfunk beschert hat. dessen Anwalt in dein Prozeß gegen den wegen „Fremdstämmigkeit“ entlassenen Abteilungsleiter Kürschner unverblümt erklären konnte: „Wir sind ein Tcndenzhetricli“, und der 'neulich das antisemitische „ürcunnessel“-üift des Poningraphcn Kühn, über uns verspritzen durfte — das alles wird der Regierung neue Freunde unter den jüdischen Wählern schwerlich eingebracht hüben. Und wenn jetzt Kanzler und Innenminister „solche Auswüchse mißbilligen" - sie sollen• bedankt sein!. Daß diese Auswüchse überhaupt möglich wurden. Italien sie verschuldet. Im Bayrischen Rundfunk (Seiulestelle N ü r u b e r g) wird Obcrkanlnr Julius K a u f m a ii n (Nürnberg) am 4. November lim lf> Uhr drei Lieder (moderne jüdische Lyrik) eigener Komposition singen: auUcrdcm gelangen 'feile seiner „Variationen über ein jüdisches Thema" (Klavier) zum Vorlrag.-_ Unser Versicherungs- Sparsysfem gib) Ihnen die Möglichkeit, die Hälfte der .vereinbarten Versicherungssumme schon nach wenigen Jahren zu einem bestimmten Zeitpunkte zu erhalten I Verlangen Sie unseren * Aufbau <- Prospekt (Tarif BS). Diese Versicherung gesfaHet in besonderem Mafje; Mittel für die Existenz» grundung,, für das Studium der Kinder, die Aussteuer der-Tochter und für Bau« zwecke stcherzusfellen. LEBENSVERSICHERUNGSBANK AKT.-GES. BERLIN Vertrete ran allen Plätzen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.