Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 12 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Es gib* nicht nur Antisemiten. Zwei Fälle, konlessloneller Eintracht In dem Kamp! der Juden gegen den Judenhaß gibt es nichts Schlimmeres'und Gefährlicheres als die Anschauung, die man gelegentlich wohl von unverantwortlicher jüdischer Seite vertreten hört und die in der Vulgärsprache derer, die diese Vulgäransicht haben, lautet: „Na, ein bißchen Antisemit ist irgendwo jeder; wenn man noch so mit einem Christen befreundet ist, irgendwann kommt ■ der Pierdeiuß doch zum Vorschein!“ Es sei hier wiederholt: jeder Jude, der solches spricht, ist unverantwortlich, spricht Unverantwortliches. Es bedarf nicht erst eines Hinweises aui die erlauchten. dem Alltag entrückten Geister wie Lessing und Mendelssohn, sondern jeder, der ernstlich sehen will, kann jeden Tag Menschen begegnen, in denen auch nicht ein Fünkchen von Gruppenhaß. Rassenhaß, Judenhaß zu finden ist. Ja. noch weiter, wir Juden hätten geradezu die Pflicht, und wir würden unseren eigenen Kampf gegen den Judenhaß tatkräftig fördern, wenn wir tagtäglich nach diesen edleren Naturen im deutschen Volke suchten, anstatt daß wir der allzu naheliegenden Gefahr erliegen, auf die gleiche Weise Antisemitenriecher zu werden, wie viele Antisemiten Judenriecher sind. Die traurige Entwicklung in Deutschland hat es mit sich gebracht, daß auch die jüdische Presse in immer mehrsich steigerndem Maße sich damit beschäftigen muß. antisemitische Vorfälle zu registrieren. Um so mehr erwächst uns daher die Pflicht, auch Fälle des Gegenteils zu verzeichnen und den Lesern die tröstliche Gewißheit zu verschaffen: es gibt nicht nur Antisemiten. Die Synagogengemeinde. Z ü n d o r f, einst eine angesehene rheinische Gemeinde, heute nur noch drei Dutzend Seelen zählend, beging kürzlich ihr fünfzigjähriges Synagogenjubiläum. Die-nahegelegene Großgemeinde Köln hatte die Veranstaltung und Ausgestaltung der Feier übernommen, ihr Vorstand hatte Vertreter entsandt und ihr Gemeinderabbiner Dr. Kober hielt die Festpredigt.' Als Ehrengast aber, und das ist der Umstand, der hier verzeichnet werden soll, war der Kaplan in Vertretung des verhinderten Ortspfarrers erschienen und brachte zum Ausdruck, daß seine Glückwunschrede einem persönlichen Herzensbedürfnis entspricht. Die von hebräischen' Zitaten durchzogene Ansprache wird von dem Kölner Gemeindeblatt als ein Hymnus auf die Pflege brüderlichen Geistes zwischen den Konfessionen bezeichnet Der zweite Fall. Er hat sich nicht in Deutschland zugetragen, aber doch auch in einem Lande, in dem der Judenhaß giftige Blüten treibt. Nun lesen wir. daß . kürzlich in Michalovce der römisch-katholische Pfarrer Kanonikus Alexander Oppitz gestorben ist. an dessen Grabe die slovakische Judenheit trauert, weil er sich in einer für die jüdische Bevölkerung schweren Stunde als ein Freund der Juden erwiesen, wie man ihn selten findet. Als im Jahre 1919 ,im Kampf gegen; die ungarischen Bolschewiken das ostslowa-- kische Michalovce von den tschechischen Soldaten besetzt wurde, nahm man einige Geiseln, hauptsächlich Juden. In der Nacht wurde ein csl. Soldat, der Telefonist Kaderabek.' von unbekannter Hand erschossen. Der Kommandant gab darauf den Befehl, die Geiseln zu erschießen. Auf die Bitten einer Deputation unter Führung des Pfarrers Oppitz erklärte er sich schließlich damit einverstanden, nur einen der Geiseln erschießen zu lassen, der durch das Los bestimmt werden’ sollte. Das Los fiel auf den völlig unschuldigen Moses Deutsch, einen Juden: Pfarrer Oppitz suchte neuerdings den Kommandanten auf und bat ihn. von dieser Exekution abzusehen. Schließlich bot er ihm an, an Stelle des Deutsch ihn selbst erschießen zu lassen. Er habe keine Kinder und habe keine Verantwortung für eine Familie. Der Kommandant ließ schließlich von der Exekution ab. Dieser in der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen vielleicht alleinstehende Fall hat Pfarrer Oppitz die dauernde Achtung und Freundschaft "der Juden seines Ortes gebracht, die bis zu seinem Tode anhielt. Schokoladen - Großhandlung Sämtliche Markenwaren zu Fabrikpreisen auf Lager Lieferung frei Haus von RM10,— an, in Groß-Berlin u. Umgeb. M. Silbiger, Berlin C25 Kleine Alexanderstr. 14 . Telefon: E2 Kupfergraben 2475 Versammlungskalender Weddlng-Relnickendorl-West Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V„ Berzlrlcsgruppe Weddlng-Relnlcken* dorf-West Dienstag, 20. September 1932, 20 Uhr, ln der Konditorei West (Inh. Nemlsanskl), Reinickendorf-West Berliner Straße 3, Vortragsabend.’ Rechtsanwalt Dr. Manfred Meyer spricht über: „Die Grenzen des Liberalismus“. Für den Unterhaltungstell haben sich freundllchst zur Verfügung gestellt: FrL Lucle Charlotte Baer (Gesang) unddie Herren Gerhard Gottscbalk (humoristische Vorträge), Hermann Pazer (Gesang), am Klavier Chordirigent Martin Epstein. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, 16. September, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabb.-Kand. Dr. van der ZyL — Sonnabend, 17. September, vorm. 10 Ubr. — Freilag, 23. September, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. — Sonnabend. 24. September, vorm 10 Uhr. — Sonntag, 25. September, vorm. 10 Uhr: Seflchaus-Gottesdienst, Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky: Der Verkauf der Eintrittskarten für die Gottesdienste an den Hohen Feiertagen findet in der Schönhauser Allee 162 statt Etwaige schriftliche Bestellungen sind dorthin zu richten. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Kalserstr. 30, Aula der Mädchenschule. Freitag, 16. September, abends 7.30 Ubr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. — Freitag, 23. September, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabb-Kand. Mehler._ Westend. - Liberale Synagoge Westend, Lelstlkowstr. 7—8, Anla. Freitag, 16. September, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabb-Kand. Dr. Hirschberg. — Freitag, 23. September, abends 7.15 Ubr; Predigt Rabb-Kand. Dr. van der ZyL Eintrittskarten für die Gottesdienste der Liberalen Synagoge Westend an den Hohen Feiertagen in der Aula der ■Herderschuje (Bayernallee 4) sind bei Frau Michaelsobn, Charlottenburg 9, Bayernallee 6, zu bestellen. Kartenverkauf täglich vorm, von 10 bis 12 Uhr._ — __ Liberaler Gottesdienst Schmargendorf. (Altersheim Berkaer Str. 32.) Freitag, 16. September, abends 7 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. SalomonskL — Sonnabend, 17 September, vorm. 10 Uhr. — Freitag, 23. September, abends 7 Ubr: Predigt Rabbiner Dr. Wiener. — Sonnabend, 24. September, vorm. 10 Uhr. Kreuzberg-Tempelhoi. Askanlscbes Gymnasium, Wittelsbacher Korso 60. Gottesdienste an den Hohen Feiertagen. , Kartenverkauf und weitere Einzelheiten siehe Inserat Jüdische Relormgemelnde. Johannisstr. 16: Sonntag, Iß. September, vorm. 10 Uhr: Predigt Dr. RosenthaL — Sonntag, 25. September, vorm. 10 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. Klelststr. 10: Sonntag, 18. September, vorm. 10 Ubr: Predigt Dr. Lehmann. — Sonntag, 25. September, vorm. 10 .Uhr: Predigt Dr. JelskL Gottesdienste an den Hohen Feiertagen im Gotteshaus Johannisstr. 16, in der Musikhochschule Hardenberg-' Ecke Fasanenstr. und im Logentempel Kleiststr 10. Kartenverkauf täglich 9 bis 12 Uhr. Johannisstr. 16, Norden 5150. Bibliotheken der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: 1. Hauptbibliothek« Oranienburger Str. 29111: (So. 10*1, Mo.-Do. 10-1.30, Fr. 10-1.30). ' 2. Lesehalle, Fasanenstr. 79-80: (So. 10-2, 4-10, Mo.-Do. 4-10). 3. Zweigbibliotheken: Pankow, Schulstr. 29: (Di. u. Mi. 430-530); Neukölln« Isarstr. 8: (Mo. u. Dö. 630-730); Friedenau« Steglitz, Friedenau, Schmargendorfer Str, 3: (Mo. 630-730, Mi. 6-7); Lichtenberg, Scharnweberstr. 19: (Mo. u. Do. 5.15-6.15); Schöneberg, Münchener Str. 37: (So. 930-1030, Di. 6-7); Osten, Rigaer Str. 3: (So. 11-12, Di. 7-8); . Hermsdorf, Rooostr.,10: (Du 5-7). Die kritische Zeitbetraditujig von _ "" „Was du willst, daß man dir tu, > . Füg auch, dem Andern zu!“ Die Tageder Buße und der Versöhnung stehei i bevor. Die kritische Betrachtung in solcher Zeit muß Austin I der Selbstkritik sein. Das bekannte Hillei-Wort lautet negativ: „Was=du n i c h : willst, daß matt dir tu, das füg auch keinem Andern zu“; aber auch die liier als Ueberschrift gewählte Wendung -In Positive hat ihren Sinn und Berechtigung_ Ueber zwei „Fälle vorbildlicher konfessioneller Eintracht wird an anderer Stelle dieses Blattes heute berichtet. Eine' dieser Fälle besagt daß bei dem Synagogen-Jubiläum In Zün ■ -dorf ein.katholischer Priester in geistlicher Amtstracht in de' Synagoge erschienen und eine von hebräischen Zitaten durchzogene Rede auf die hohe Ethik des Judentums gehalten hui. Dergleichen tnt dem jüdischen- Herzen wohl, wird von de jüdischen Presse gern registriert, von jüdischen. Lesern um Leserinnen mit Behagen zur Kenntnis genommen. Und ist lt der' Tat auch des Rühmens wert Aber eines wird bei alledem vergessen. Es genügt nicht immer nur den Andern ob seiner edlen Taten zu preisen: man muß auch selber .Gutes tun. Insbesondere Toleranz gibt es immer nur auf Gegenseitigkeit Wer Toleranz erwartet muß selber Toleranz üben. Wie steht er damit bei uns? Man stellt sich vor,, eine christliche Gemeinde feiert das hundertjährige Jubiläum oder die Einweihung Ihrer Kirche. Bleiben wir bei dem Beispiel von Zündorf; In der kleinen Stadt kennen-.jüdische und christliche Geistliche einander ge-' nau und wissen voneinander. Hat man je erlebt, daß der Rabbiner, sei es mit oder auch nur ohne Ornat die Kirchenfeier besucht und’ durch eine Rede verschönt? Daß er solcherart ein Zeichen „vorbildlicher konfessioneller .Toleranz und Eintracht“ gibt? Man hat es nicht' erlebt Nicht von Rabbinern und auch wohl kaum von Lehrern, und Kantoren. Ueberhaupt der Kantor! Er wurde in diesen Blättern einmal das Aschenbrödel unter den jüdischen Beamte.n genannt Jener Kaplan von Zündorf ist der Bericht zeigt e«r deutlich, nur eine Art Hilfsgeistlicher, trotzdem hat er seine Rede mit hebräischen Zitaten geschmückt Es sollte aber einmal ein jüdischer Kantor wagen, nicht nur-bei einem Klrchenjubiläum. sondern vielleicht nur bei einem bürgerlichen Fest, einer unkonfessionellen Trauung oder Beerdigung, denn auch ein Chasan kann und „darf“ ja einmal einen Christen zum Freund oder Logenbruder haben — er sollte es wagen, sage Ich. bet solcher Gelegenheit eine neutestamentliche Stelle zu zitieren, sein Vorstand würde ihm schön heimleuchten ob solcher „konfessionellen Toleranz“.- Die wahrhaft Gebildeten ■ freilich, Juden wie Christen, werden wenig Verständnis "aufbringen, falls da ein Ketzergericht veranstaltet würde; sie werden solchen. Akt der Toleranz, solche aktive Toleranz, eines einzelnen Beamten der ganzen Oemeinde zum Guten 'anrechnen, unter Umständen aber auch die Toleranz des einzelnen. Beamten gegenüber dem Fanatismus seiner Gemeinde verteidigen. Auch wir Juden sollten nicht vergessen: es gibt Im sogenannten Neuen Testament eine große Anzahl von Texten, die in keiner Weise christlich-konfessionell sind, sondern nur ganz allgemein religiös, die also ein Jude genau so gut sprechen darf, wie ein Christ die Worte IDdlscher Propheten. Nun ist es richtig: die Christen sind in der Mehrzahl, da haben'sie es leicht, wir es schwer, tolerant zu sein. Und Im Namen, des Christentums wurden wir zweitausend Jahre hindurch gepeinigt; da haben wir’s doppelt schwer, tolerant zu , sein. Aber ist nicht gerade die Ueberwindung derartiger Ressentiments das Wese-tf'der Toleranz?! Wollte ein jüdischer Geistlicher den Anfang machen, daß wir Juden nicht nur Toleranz fordern, sondern auch sie üben: die Gemeinde, in der solches geschähe, dürfte sich rühmen, das Judentum großjährig gemacht zu haben, denn nur ein Kind läßt immer, sich schenken. Erwachsene aber, untereinander ebenbürtig, verkehren miteinander auf dem Fuße derL Gegenseitigkeit Das Judentum hat sich aus der Abhängigkeit des Ghettos, aber auch aus der Kinderstube befreit: es verlangt Toleranz, und es will selber tolerant sein. - Wir sind vor den Tagen der Einkehr iind der Versöhnung; und diese Zeilen stehen hier nicht ohne Orund.... „Für Arbeitsbeschaffung, gegen Wirtschaftsboykott“ Die Werbeschau des Handwerks. Die Werbeschau des „Vereins selbständiger Handwerker jüdischen. Glaubens E. V.“, über deren Eröffnung wir an anderer Stelle berichten,- steht zur Zeit im Mittelpunkt des Berliner jüdischen Lebens und findet mit Recht auch die Aufmerksamkeit weiter nichtiüdischer Kreise, ist sie doch ein Beweis dafür, daß wir Juden politisch die Gleichberechtigung fordern dürfen, weil wir wirtschaftlich Gleichwertiges leisten. Daß dieser Beweis-in einer Zeit antiiüdischen Boykotts besonders nötig ist liegt auf der Hand, und soweit das Handwerkertum in Frage kommt, muß er nicht nur gegen die uns boykottierenden Antisemiten, sondern z. T. auch gegen die eigenen Glaubensgenossen geführt werden, ist doch das alte Vorurteil gegen handwerkerliches Können der Juden in unsern eigenen Kreisen noch keineswegs überwunden. Der Gang aber, den Vertreter der jüdischen und der allgemeinen Presse am vergangenen Freitag durch die Ausstellung tun durften und über den auch die Tageszeitungen mit großer Anerkennung berichten, überzeugt uns von der hohen Qualität der geleisteten Arbeit auf allen Gebieten, sowie von dem künstlerischen Geschick, das sich auch in den einfachsten Gebraucbsgegenständen kundtut Alle Handwerkerberufszweige sind vertreten: Glaserei, Möbel- und Bau-Tischlerei, Bäckerei, Töpferei, Optik, Schubmacherei, Schneiderei, Malerei, Tapeziererei, Dachdeckerei,. Kunst- und Bauschlosserei und vieles, vieles andere. In einer Sonderschau werden ferner die Arbeiten jüdischer Lehrlinge (aus dem Lehriingsheim Pankow) und Arbeiten aus dem jüdischen Blindenheim gezeigt Mit Fug darf behauptet werden: diese Ausstellung ist eine glänzende Rechtfertigung unseres deutschjüdischen Seins. Alle Welt kennt das deutsche Sprichwort vom Handwerk, das goldenen Boden hat verbindet auch mit dem-Wagner-Wort „Ehrt eure deutschen Meister!“'die Erinnerung an die Jahrhunderte dauernde Erscheinung der Zusammengehörigkeit deutschen Handwerkertums und. deutscher Kultur; aber alle Welt scheint gewollt oder ungewollt vergessen zu haben, daß auch Judentum lind: Handwerk untrennbar zusammengehören, wobei keineswegs nur an die Zeit in Palästina und die Talmudräbbinen zu denken ist sondern ganz ebenso an die bald zweitausend Jahre nach der Zerstreuung der Juden unter die Völker,. an die Juden aller Länder und Zeiten bis auf den heutigen Tag. Vor einigen Monaten erschien eine Sondernummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ (Nr. 8 vom 15. Juli 1932) mit dem Speziaitbema „Jüdische Aufbauarbeit“. Schon damals wurde hier die Werbeschau des jüdischen Handwerks angekündigt; der verdienstvolle Vorsitzende des Handwerkerverbandes, unser Freund Louis Wolf! war es. der in einem Artikel darauf hinwies, daß wir Juden für das Handwerk nicht weniger begabt sind als unsere nichtjüdischen Mitbürger, und daß angesichts der anormalen Berufsstruktur der deutschen Juden, ihrer Zusammendrängung in den von der derzeitigen Wirtschaftsentwicklung besonders hart betroffenen kaufmännischen und akademischen Berufen die Rückkehr weitester Kreise zum Handwerk einer der Zweige jüdischer. Reproduktivierungsarbeit sein muß. Diese Erkenntnis bricht sich in der jüdischen öffentlichen Meinung mehr und mehr Bahn. Aber es muß auch erkannt werden, daß diese'jüdische Aufbauarbeit eingeordnet ist in die umfassendere deutsche Wiederaufbauarbeit Wie die Juden in Deutschland keinen eigenen Wirtschaftskörper bilden, wie die Krise der Berufe, an denen die Juden heute noch prozentual stark beteiligt sind, einen Teil der deutschen Krise bildet, so ist auch die Berufsumschichtung der deutschen Juden ein Teil deutscher Aufbauarbeit Berufsumschichtung — das heißt aber im Zusammenhang mit der Handwerkeraussteilung: sollen jüdische Eltern ihre Kinder ein Handwerk erlernen lassen, so muß der Handwerker in der Lage sein, die Kinder in die Lehre zu nehmen. Auch der Handwerker leidet aber heute unter der allgemeinen Beschäftigungslosigkeit und der jüdische Handwerker leidet doppelt unter ihr, lastet doch auf ihm neben der allgemeinen Krise der antiiüdische Boykott So ergibt sich als Aufgabe das, was als Motto dieser Ausstellung formuliert wurde: „Für Arbeitsbeschaffung, gegen Wirtschaftsboykott!“ Das sind keine grauen Theorien: wer dem gedruckten Buchstaben nicht glaubt — und diese Gedanken werden ja wahrhaftig nicht zum ersten Ala! ausgesprochen — der wird sich durch den Augenschein überzeugen, wenn er diese Ausstellung sieht Möchte kein einziger Berliner Jude die Besichtigung versäumen. möchten von weither, außerhalb Berlins, viele kommen, damit sie zu allen diesen so pft gepredigten Gedanken sagen können: „Wir glauben nun nicht mehr um der Rede willen, denn wir haben selber gesehen.“ George Goetz. Die Bank des jüdisdien Mittelstandes ist der Weg zum . fst für den Hand- und Kopfarbeiter. KREDITVEREINfür Handel und. Gewerbe •. o. m. b. h. , , Berlin N 24. Oranienburger Strafe 3 1 Am Hacfcesdien Markt D 2 Waldendamm 0852 ftekhibankglrokonto Orudnw Bank Oanouanadiafte-Abteilung K tt ' Sank du Barflnar Kauanvaralni PoihdMdikonlo: Barlin Nr. BM Ausführung sämtlicher bankmäßigen Geschäfte