Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 12 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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‘Köln a. Rh. (Hermann Michel s. A.) Im Aller von 73 Jahren ist am 21. August der Seniorchef des Kaufhauses Michel & Co., Herr Hermann Michel, heimgegangen. Er war - lange Vorsitzender des Kuratoriums des Israelitischen Kinderheims. Anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages steifte er die Mittel zur Begründung eines Heims für jüdische kaufmännische Lehrlinge zur Verfügung. Beiden Anstalten ist der Heimgegangene bis in seine letzten Lebenstage hinein ein warmherziger Betreuer gewesen. Landsberg a. d. Warthe. (Neuer Modus der Be- Steuerung.) Da der frühere Modus der Besteuerung der Gemeindemitglieder nach der Staatseinkommensteuer nicht nur eine Härte für die größeren Steuerzahler bedeutet und in diesem Falle eine Steuerquote von 40 bis 45% (gegen 28% im Vorjahre) zur Erhöhung gelangen würde, beschlossen die Gemefndekörperschaften nach den Vorschlägen einer Kommission, die Steuern durch Schätzung des Einkommens, des Vermögens und des Verbrauchs zu erheben. Zu diesem Zweck wurde eine Einschätzungskommission und" gleichzeitig auch eine Berufungskommission gewählt. Auf keinen Fall dürften die Steuern die vorjährige Quote von 28% übersteigen. Julian Sauer zum Gedächtnis. Julian Sauer ist nicht mehr. Vor fast zwei Monaten ist er uns genommen worden; aber der Schmerz ist frisch, als sei es gestern geschehen. Wenn sich in diesen Tagen der Breslauer Freundeskreis, dem er ganz angehörte, nach hochsommerlicher Pause wieder zusammenfindet, sind aller Gedanken schmerzlich auf den gerichtet, der nicht wiederkommt. Aber wenn an dieser Steile dieses jungen-Menschen gedacht werden soll, den die Oder, der er sich zu froher Erquickung auvertraut batte, nicht mehr lebend zurückgab, so muß über die persönliche Einzelheit hinweg versucht werden, das geistige Bild dieses Menschen zu umreißen, der einen ■ bedeutenden .Teil seiner starken und gesunden Geisteskraft in den Dienst der jüdisch-liberalen Idee seit", Jahren gestellt hatte. v Auf der Suche nach Freundschaft und Gemeinschaft war der verschlossene, oit einsame Junge in den Kreis der jüdisch-liberalen Jugendbewegung gekommen, hatte hier persönliche Beziehungen anzuknüpfen verstanden, auch über den Breslauer Kreis hinaus, und hat, seine liberale Anschauung immer aufrecht, vertretend, Verbindung niit jüdischen .Jugendlichen anderer Richtungen immer angestrebt und gefunden. Nie scheute er sich, innerhalb und außerhalb der Bewegung mit seiner eignen Auffassung hervorzutreten, die sich manches Mal mit der Meinung der Mehrzahl nicht deckte. Aber immerwar er auch zum Frieden bereit, wo es galt, über den persönlichen Willen hinweg die Geschlossenheit des Ganzen zur wahren. Solche stete Bereitschaft für die Idee entstammte bei ihm nicht, wie bei anderen so oft, einem primären Interesse an der Organisation, sondern einem tiefen Gefühl der Verbundenheit mit allen, die wie er in heißer Liebe zur jüdischen Religion erglühten. Zwei Arten von jungen Menschen sind, wie es oft scheinen will, heute ohne die Last alter Erbgewohnheit bereit, für religiös-liberales Judentum' einzu treten: die einen, denen in romantischer Schwärmerei jüdischer Liberalismus dazu da ist, an Stelle der überkommenen Form die Seligkeit des reinen Gefühls zu setzen; die anderen, die, das Werden einer neuen Welt nicht erkennend, das oft geistvoll und doch letztlich stumpf übernehmen, was die Tradition des neunzehnten Jahrhunderts als Judentum vor uns gestellt hat Daß es anderes heute gebcn'kann, zeigt uns die Gestalt Julian Sauers. Gerade als begeisterter Arbeiter am Werke der fortschreitenden Naturerkenntnis sah er — jeder Romantik ganz selbstverständlich fernstehend — das „Ignoramus et ignorabimus“ des großen Naturforschers ständig vor sich und gewann in der Erkenntnis der Grenze aller Wissenschaft die- Ueberzeugung vom Werte der Religion. Diese Religion dann brachte er ins Leben; wußte, daß sie in die enge Bahn des Rationalen nicht gezwungen werden dürfe durch abgelebte Form oder niedere Gedanken; daß sie aber in unser tätiges Leben durch die Sorge für die menschliche Gesellschaft eingebaut werden müsse. So lag ihm gerade der soziale Gedanke des Judentums besonders am Herzen: soziale Tat erschien ihm reli- . giöse Pflicht. Zur Verwirklichung solcher Gedanken hatte er keine Zeit mehr: in seinem Sinne zu arbeiten, bleibt den Freunden als Pflicht. Als Trost aber steht vor uns Rilkes Dichterwort:. „Scüließlich brauchen sie uns nicht mehr, die Frühentrückten, ■ Man entwöhnt sich des Irdischen sanft ... Aber wir. die so große. Geheimnisse brauchen. Denen aus. Trauer seliger. Fortschritt entspringt —: Könnten wir sein ohne sie?“ Ulrich Steuer, Breslau. Zum Schlagwort: Das. Aussierben der Juden. Von Julian Sauer s. A. Die Diskussionen über die Frage, ob der Bestand des Judentums durch die Assimilation gefährdet wird, leiden meistens daran, daß sic rein ideologisch geführt werden. Diese Behandlungsweise ist zwar bequem, muß aber ergebnislos bleiben, da wir bei einem von so verschiedenartigen Komponenten abhängigen Gebiet, wie es die. Bevölkerungsbewegung ist. nicht erwarten dürfen, daß es sich so entwickelt, wie es nach unserer jüdischen Einstellung sich entwickeln müßte. Wir müssen uns hier an die Geschichte der. letzten hundert Jahre halten, und von den sicheren; Grundlagen, die uns in den Statistiken dieser Zeit gegeben; sind, . können wir dann mit allergrößter Vorsicht Folgerungen | für die weitere Entwicklung ziehen. Die Zahl der Juden hängt im wesentlichen nicht von der Zahl der Mischehen und Taufen, sondern von der Höhe des Geburtenüberschusses ab. Nur in Zeiten, in denen der Geburtenüberschuß um Null schwankt, haben auch diese Zahlen ihre Bedeutung. Wir müssen uns also zuerst mit der Entwicklung der Geburtenziffer beschäftigen. Es ist bekannt, daß der große Geburtenüberschuß, den die Juden bis zum Aniang dieses Jahrhunderts hatten, verschwunden ist und jetzt sogar ein Ueberschuß an Todesfällen vorhanden ist. Es wurde auch schon oft darauf hingewiesen, daß diese ungünstige Entwicklung im Judentum nicht allein steht, sondern daß die Zahlen für die Gesamtbevölkerung sich, abgesehen von einer geringen zeitlichen Verschiebung, völlig gleichlaufend entwickeln. (Während das deutsche Judentum schon seit 1910 keinen Geburtenüberschuß mehr glatte, verschwindet dieser Ueberschuß in Deutschland erst jetzt.) Da die Entwicklung im Judentum mit der der Umwelt gieichläuft, kann man von einem Aussterben der Juden innerhalb ihrer westeuropäischen Umgebung auf keinen Fall reden; die Frage, ob durch diese Entwicklung die Juden mit der gesamten weißen Menschheit ihre Stellung gegenüber den anderen Völkern verschlechtern, gehört nicht hierher. Es ' läßt sich leicht behaupten, daß die Verringerung des Geburtenüberschusses eine Folge der Assimilation ist; der Einwand; daß die Juden dann, in der Entwicklung nicht vorangehen dürften, sondern eher nachhinken müßten, ist wohl nicht unbedingt stichhaltig. Ich möchte aber eher sagen, daß diese Entwicklung eine notwendige Reaktion auf die phantastische Vermehrung der Juden während der vergangenen fünfhundert Jahre ist.- Einige Zahlen: 19 Millionen 38 20 3 1900: 60 Zahl der aschkenasischen Juden 1600: % 1900: 12 Seit 1400 hat sich die Zahl der Aschkenasim rund vertausendfacht; ihr Geburtenüberschuß war. in dieser ganzen Zeit so hoch wie in Deutschland nur in den Jahren 1895—1905. Eine ewige Fortdauer dieses Zustandes ließ sich doch kaum erwarten. — Es ergibt sich vor allem aus diesen Zahlen, daß wir Juden der Entwicklung beruhigt entgegensehen können; die Vergangenheit hat so große Reserven aufgebaut, daß einige Jahrzehnte mit Todesüberschuß keine Katastrophe bedeuten; Wie schon erwähnt, ist gegenüber dieser Entwicklung die Zahl der Mischehen und , Austritte unbedeutend. Wir könnten also diese Betrachtungen an dieser Stelle schließen, wenn nicht gerade diese Zahlen ihre besondere politische Bedeutung hätten. Verhältnismäßig einfach ist die Entwicklung der Austrittsbewegung. Sofort nach der Emanzipation gab es — noch vergrößert durch die politische Reaktion — eine recht hohe Getauftenziffer. Jedoch blieb auch in dieser Zeit die Zahl der Getauften viel kleiner als allgemein angenommen wird; in den Jahren 1815—1840 betrug sie durchschnittlich 0,1% im Jahr. Nach dieser Zeit hatten sich die Juden in ihrer Umgebung eingelebt, die theoretische Gleichberechtigung wurde auch teilweise praktisch durchgeführt, und die Zahl der Austritte fiel auf 0,03%; da hiervon noch die Zahl der Uebertrttte zum Judentum abzuziehen ist, läßt sich wohl sagen, daß die Zahl der Taufen in ruhigen Zeiten völlig ungefährlich ist. Aus den gleichfalls geringen Zahlen der meisten übrigen westeuropäischen Länder können wir schließen, daß die Gefahr häufiger Austritte nur während des Ueberganges vom Ghetto zur westlichen Zivilisation bestanden hat. Ein einziges Land Westeuropas hat die hohe Zahl von 0,4% Taufen: England. Die Erklärung liegt in folgenden Zahlen: 1800 gab es in England 15000 Juden, 1900 dagegen 150000 Juden.. Dieser Zuwachs läßt sich auch durch die oben erwähnte Fruchtbarkeit der Juden nicht erklären; es folgt daraus die — schon bekannte — Tatsache, daß die Juden Englands zum größten Teil eingewanderte 'Ostjuden sind. Daß unter der völligen Veränderung der Umgebung auch die Anhänglichkeit an das Judentumlitt, ist verständlich. So ergibt sich aber, daß auch diese scheinbare Ausnahme unsere Theorie bestätigt. Während die- Entwicklung in Westeuropa ungefähr auf dieser Stelle stehen blieb, änderte sie sich in Deutschland völlig durch (las Aufkommen des Antisemitismus. In den Jahren 1875—80 stieg die Zahl der Taufen von 0,02 auf 0,08% und schwankt seitdem mit kleinen Ausnahmen — so fiel sie selbstverständlich während des Krieges — um 0,1%. Aber auch diese Zahl ist nicht beunruhigend, besonders da sie nur durch die augenblickliche politische Unruhe bedingt ist, und so können wir wohl sagen, daß die Zahl der Austritte nicht nur im Verhältnis zum Geburtenüberschuß, sondern auch absolut genommen, für den Bestand des Judentums keinerlei Bedeutung hat Nicht ganz so optimistisch dürfen wir der Entwicklung der Mischehen. gegenüberstehen. Die * Ehenstatistik ist eins der schwierigsten Gebiete der Bevölkerungsstatistik überhaupt, und man kann bei einigem guten Willen jedes Resultat aus ihr herauslesen. Eine eingehende Behandlung dieser Fragen würde aber den Rahmen eines Zeitungsartikels überschreiten und so müssen hier einige Hinweise auf die hauptsächlichsten Punkte genügen. Da in erster Linie die Zahl der Eheschließungen interessiert, muß man beachten, daß bei einer rein jüdischen Ehe zwei Juden beteiligt sind, während bei einer Mischehe immer nur ein Jude gerechnet werden darf. Wenn man also das Verhältnis der Mischehen zu den reinen Eheschließungen berechnet, ohne dies zu beachten, erhält man immer doppelt so hohe Ergebnisse. Aber auch aus den so korrigierten Zahlen darf man keine Schlüsse ziehen, denn dieses Verhältnis hängt in allererster Linie von der Wirtschaftslage ab. Dies ist so zu verstehen: Die Juden sind zum größten Teil Kaufleute, deren Einkommen stärker als bei den anderen Berufen von der wirtschaftlichen Lage abhängt. In Zeiten wirtschaftlichen Tiefstandes wird das Einkommen der Kaufleute also schneller unter das Mindestmaß sinken, das nötig ist, um eine Familie zu erhalten, als bei den anderen Berufen. Während also die Zahl der Eheschließungen bei den meisten Berufen in Zeiten wirtschaftlicher Verschlechterung nur langsam fällt, fällt sie bei den Kauileuten sehr schnell. Da ungefähr 60% aller deutschen Juden Kaufleute sind. Wird sich die Zahl der Eheschließungen bei den Juden ungefähr so verhalten wie bei den Kaufleuten, d. h. bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage rapide fallen. Für die hauptsächlich interessierende Nachkriegszeit ergibt sich folgendes: Infolge der wirtschaftlichen Entwicklung wurden im Jahre 1926 nur ein Drittel soviel rein jüdische Ehen geschlossen wie im Jahre 1920; diese Entwicklung machte sich bei der übrigen Bevölkerung nicht so' stark bemerkbar, die Zahl der jüdisch-christlichen Mischehen und die der rein christlichen Ehen fiel in diesen Jahren nur auf die Hälfte. Die Tatsachen sind bedauerlich; aber nicht ein gesteigerter Wille der Juden, Mischehen zu schließen; sondern die Wirtschaft hat sie verursacht, und so werden sie auch bei einer Aenderung der. Wirtschaftslage wieder'verschwinden. Dieser einfache Sachverhalt. wird in geschickter Weise durch Anwendung der Prozentrechnung in einen „Selbstmord der Juden“ umgerechnet; Die wesentliche Tatsache, daß alle Zahlen fallen, und die Gründe, aus denen sie fallen, geht dabei verloren; es bleibt einzig das schwächere Fallen der Mischehenziffer übrig, das bei der Umrechnung — und meistens noch unsachlichen Umrechnung — in Prozente .zu einem starken Steigen der Mischehenziffer führt, das dann völlig falsch ausgedeutet wird. Nach den vorliegenden Statistiken des Jahres 1927 ergibt aber ein Vergleich der von Juden geschlossenen Mischehen mit den entsprechenden Zahlen für die andern Konfessionen, daß das Verhältnis der aus dem Bevölkerungsanteil der berechneten Sollzahl zu der tatsächlichen Zahl der Mischehen ~ bei den Sie iüdischztilkcate Jugend Redaktion: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Verantwortlich: Dr. Ellen Littmann, Berlin Bevölkerung Frankreichs. 1600: -1900: Bevölkerung Deutschlands . 1600: 1650: Juden am günstigsten ist Allerdings müssen wir die Einschränkung machen, daß für die Christlichen- Konfessionen die Mischehen eine weit geringere Gefahr sind als für das Judentum, da sie dort nur dann einen Verlust bedeuten, wenn die Kinder religionslos erzogen werden. Zusammenfassend läßt sich sagen: Sämtliche Religionen verlieren durch den Geburtenrückgang, durch Austritte und durch Mischehen. Der Gesamtverlust ist aber bei allen Religionen der gleiche, nur verteilt er sich anders. Bei den Juden stammt er hauptsächlich aus dem Geburtenrückgang, bei den. christlichen Religionen aus der Austrittsbewegung. Jede Religion zählte im Jahre 1925 nur noch 96—97% des Bevölkerungsanteils, auf den sie sich im Jahre 1910 stützen konnte, zu ihren Anhängern. Diese Entwicklung ist zwar beachtlich; ich hoffe aber gezeigt zu haben, daß die Entwicklung nur zu einem geringen Teil der Assimilation zur Last gelegt werden darf, und vor allem, daß ein Grund, den Untergang des Judentums zu prophezeien, kaum vorhanden ist Das Judentum wird in Europa leben, solange Europa leben wird, und Europa wird, dann und nur dann bestehen, wenn die Religionen es verstehen. dem Leben einen höheren Sinn zu geben. Wenn die Religionen dies aber nicht verstehen, dann sind sie nicht wert, zu leben. Hans Lennhoff Am 5. September 1932 ertrank der Berliner Gerichtsassessor Hans Lennhoff am Strande eines sUdschwedi- ' ' sehen Badeorts. Mit dem Leben, das auf so tragische Weise unerwartet früh erlosch, ist der deutsch-jüdischen Bewegung ein wertvoller Besitz genommen. Mit dem Präsidium des Kartell- Convents der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen ■ Glaubens (K. C.), das eines seiner tätigsten und unermüdlichsten Mitglieder verliert, trauert die gesamte deutsch-freiheitliche Akademikerschaft um Hans Lennhoff. Wo immer es galt, für die wahre akademische Freiheit zu kämpfen, die deutschen Hochschulen von dem alles zerstörenden Geist des Rassenhasses und der Unduldsamkeit zu befreien, da war Hans Lennho'fi in vorderster Front zu finden. Auch der hochschulpolitische Gegner senkte vor seiner lauteren Persönlichkeit den Degen; empfand doch jeder sofort, wenn er in der Studentenversammlung oder in kleinem Kreise zu reden begann, daß hier ein aufrechter, bis. in die letzte Phase seines Seins von dem guten Recht seiner Sache überzeugter Kämpfer stand, der mit guten und blanken Waffen unermüglich und unverzagt für das eintrat, was er einmal als gut und richtig erkannt hatte. Weit über den Kreis seines engeren Verbandes hinaus kannte und schätzte man ihn in der deutschen Studentenschaft. Auf vielen deutschen und internationalen Tagungen setzte' er sich ein für das gute Recht, die Ehre und Würde des deutschen Judentums in bewußter Betonung unseres deutschen Standpunkts. Seine besondere Liebe galt der deutsch-jüdischen . Jugend. An ihrer Erweckung und Erziehung für unsere Bewegung mitzuarbeiten, erschien ihm eine besonders verlockende Aufgabe. Die Jugendgemeinschaft der jüdischen Reformgemeinde in Berlin zählte 'ihn zu ihren treuesten und eifrigsten Mitarbeitern. Wir verlieren mit ihm eine jener Persönlichkeiten, die — trotz .starker beruflicher Inanspruchnahme nie ermüdend — zu jeder Tages- und Nachtstunde sich für eine Idee einzusetzen, für das Interesse ihrer Gemeinschaft unter völliger Zurückstellung der eigenen Person zu wirken bereit sind. Unvergeßlich seine stete und zähe Beharrlichkeit, sein durch nichts zu erschütternder Optimismus, der uns Jüngere manches Mal wieder aufrichtete, wenn wir im Dunkel der Gegenwart verzweifeln zu müssen glaubten. Eine echte- Kämpfernatur, die kein Zurück und keine Resignation kannte, bis ins Letzte erfüllt von jenem deutschen und zugleich altjüdischen Heroismus des .Allen Gewalten-zum Trotz sich erhalten“. Hans Lennhoff war ein Mensch von seltener Geschlossenheit und Klarheit Ihm wurde jenes höchste Glück der Erdenkinder zuteil, eine Persönlichkeit zu sein. Sein Leben und Wirken verlief in jener Gradlinigkeit und Unbeirrbarkeit, die ihren schönsten Ausdruck findet in der Lebensregel des Polonius: „Dies über alles: sei Dir selbst getreu, denn daraus folgt so wie die Nacht dem Tage, Du kannst nicht falsch sein gegen irgend wen.“ Du hast uns verlassen, Hans Lennhoff. Aber .Dein Geist wird bei uns lebendig bleiben. Wo' immer deutsch-jüdische Akademiker zum Abwehrkampfe ihr Panier aufpflanzen, wird man Deiner gedenken! Dr. Werner Rosenberg. Das J!i-Programm Berlin. . , Gemeinsame Veranstaltungen. Donnerstag, 22. September, 8 Uhr, Rosenstr. 2—4. Vortrag: Herbert Bremler. Thema: Bedeutet der jüdische Internationalismus eine Geiahr für1 das deutsehe Volkstum. Anschlleßend: Diskussion._. •■'_• Fahrten. Sonnabend/Sonntag, 17J18. September: \'A Tagesfahrt. Sonnabend, Stettiner Bahnhof. Anfragen an Werner Saalield, N58, Schönhauser Allee 134a. Ziel Krämer. Anmeldungen bitte umgehend. Sonntag, 8 Uhr, Bahnhol Zoo. — Sonntag, 25. September, 8 Uhr, Bahnhof Alexanderplatz. Anträgen; Julius Stern. Heimabende. Gruppe Westen. Montag, 19. September, 8 Uhr, bei Helmut Galliner,-Sybelstraße 19. Vortrag: Herbert Bremler. — Montag, 26. September, 8 Uhr, bei Erika Smollansky, Treptow, Moosdoristr. 14. Thema: Germanische Religion. Gruppe Savlgny. Mittwoch, 21. September, 8 Uhr, bei Hilde Neumann, Prinzregentenstr. 7. Thema: Passionszeit. — Mittwoch, 28. September, 8 Uhr, bei Eva Simon, Tannenbergallee 8—12. Thema: Paulus. , Gruppe Pankow Osten, Gruppe Tiergarten, Gruppe Süd- West: Heimabende laut Verabredung. _. ' Die Jugend ruft die Jugend! Große Werbeaktion des Liberalen Vereins, Bezirk Osten, am Sonnabend, dem. 17. September 1932, Im Logen-Kaslno, Knorrpromenade 2. (Stadtbahn: Stralau-Rummelsburg: Straßenbahn 76, 113 bis Wismarplatz). Ansprache eines Repräsentanten, Werbekollektiv, Rezitationen, Sprechchor, KollektivspleL Die Jugendgruppe dichtet, spricht und spielt selbst! Eltern und Jugendliche versäumt nicht, unseren Werbeabend zu besuchen! Beginn: 8 (20) Uhr. Eintritt frei! Anschließend geselll5esBeisammenseln;ii______^__^^___i_____i^__i__i Breslau. , Hauptgruppe. Mittwoch,; 21. September. Josef Weinsaft: Alle jüdische Gemeinde.“ Mittwoch, 28. September. „Zeitungsschau." Arbeitskreis. . Dienstag, 20. September. „Verfassungsprobleme.“ Dienstag, 27.'September. „Zionismus.“ 'N e&iiK i