Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-09-01 · 11 (1.9.1932) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
11 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613456-2613465--4212-2615870
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

PPiPPB Die Vorarbeiten zurReichsorganisaiion. Wir batten seinerzeit berichten können, daß die am 26. Juni in Baden-Baden abgehaltene Besprechung von Vertretern der einzelnen Landesverbände eine för alle Teile brauchbare Grundlage für die Reichsorganisation ergeben habe: Dies Ergebnis hegt jetzt in Form eines von Herrn Oberstlandesgerichtsrat Neumeyer (München) gefertigten Entwurfes vor. Es sei wiederholt, daß dieser Entwurf diejenigen Beschlüsse berücksichtigt, die in Baden-Baden die Zustimmung sowohl der verschiedenen Länder als auch der aller Parteien gelunden hatten. Um so befremdlicher wirkt es, daß . jetzt aus konservativen Kreisen Widerstände geltend gemacht werden, die sich obendrein zum großen Teil gar nicht auf religiöse Dinge beziehen. I Da ist in erster Linie der Name der Organisation] Seit langem steht fest, daß sie als Dachverband der Landesverbände gegründet werden soll, und es ist hier wiederholt ausgeführt worden, daß aus Gründen der sogenannten ..Firmenwahrheit“. aber auch aus Gründen der Politik, der [Name „Reichsverband der deutschen Juden“ nicht angängig ist. Der Neunieyersche Entwurf, sieht denn auch die Bezeichnung „Reichsbund jüdischer Landesverbände'' vor. Weshalb hiergegen gerade von orthodoxer Seite opponiert wird, ist] nicht einzusehen. - - Vielleicht mag es bedauert werden, daß wir Juden] nicht' entsprechend; dem „Deutschen Katholikentag“ und ähnlichen konfessionellen Einrichtungen eine Plattform für große Kundgebungen haben. Die völlig überflüssigen „Weltanschauungsdebatten“ im preußischen Landesverband aber, und vor] allem die Not der Zeit lassen es zweckmäßig erscheinen, daß der Neumeyersche Entwurf zum Einkammersystem zurückgekehrt ist, die große „Reichstagung“ gestrichen hat, und nur] noch eine neunzehnköpfige Reichsvertretung vorsieht. Aus dem gleichen Grunde ist es zu begrüßen, daß man die Aufgaben des Reichsbundes als „innerhalb der Grenzen“ liegend bezeichnet hat./,.die ihm als religiöse Gemeinschaft gezogen sind“, daß man diese Aufgaben als solche des Finanzausgleichs der Landesverbände und der Subventionierung reichswichtiger Anstalten (z. B. der^in Preußen liegenden, aber für das [ganze Reich wichtigen Rabbinerhochschulen) genau Umrissen hat, und alle nebelhaften Begriffe wie „Pflege des jüdischen Gesamtbewußtseins“ beiseite gelassen hat. ' j Es mag für Preußen unerwünscht sein, daß es unter den stimmberechtigten Mitgliedern der Reichsvertretung um eine Stimme unter der Hälfte Zurückbleiben soll, obwohl vdn den 550000 deutschen Juden 400 000 in Preußen leben, aber die Preußen ihrerseits hatten Verständnis dafür, daß die anderen Landesverbände durch den preußischen nicht majorisiert wer- ■ den wollten. Auch in der vielumstrittenen Frage der „Kulturträger“ hat man sich geeinigt: der Rabbinerverband und der Lehrerverband ordnen je zwei stimmberechtigte und jd zwei nicht stimmberechtigte Mitglieder in die Reichsvertretutag ab. in der außerdem Zentralwohlfahrtsstelle, Frauenbund, und Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände durch Mitglieder mit beratender Stimmevertreten sind. Der Einfluß der Rabbiner und Lehrer dürfte also auch nach konservativen Begriffen gesichert sein. I Nun meint man freilich in Kreisen der Orthodoxie, alle Sicherungen für die religiöse und rituelle Führung der vom Reichsbund zu führenden oder -zu fördernden Einrichtungen seien beseitigt, weil jede Festlegung auf das ..Religionsgesetz“ fehlt. Dieser Einwand ist zunächst ein Stolpern über Zwirnsfäden. dehn der- Reichsbund wird keine neuen Anstalten errichten. Andererseits muß aber der Orthodoxie einmal mitaller Deutlichkeit 'gesagt werden, daß sie sich daran zu gewöhnen hat, die liberale Richtung als gleichberechtigt! anzuerkennen und mit ihr zusammenzuarbeiten. Das Religionsgesetz kennt keine Stufungen und keine Qrade, und ] es ist nach diesem Gesetz völlig dasselbe, ob man eine Orgelsynagoge baut oder eine Anstalt der Beaufsichtigung durch die Kaschruth-Kommission entzieht. Das einzige,, was die ,Ortho- Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden. Schönhauser Allee 162. Freitag, 2. September, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski — Sonnabend. 3. September, vorm. 10 Uhr: Knabeneinsegnung. — Freitag. 9. September, abends 7.15 Uhr: Jugendgottesdienst. — Sonnabend. 10. September, vorm. 10 Uhr. | . Der, Verkauf der Eintrittskarten für die Gottesdienste,der Liberalen Synagoge Norden an den Hohen Feiertagen findet ab 28. August in der Schönhauser Allee 162 statt. Etwaige schriftliche Bestellungen sind dahin zu richten.; Berlin-Osten. _ , j Liberale Synagoge Osten, Kaiserstr. 30.' Aula der Mädchenschule. Freitag. 2. September, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabb.- Kand. Dr. Hirscbberg. — Freitag, 9. September, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plotke. Westend. Liberale Synagoge Westend. Leistikowstr. 7—8. Aula. Freitag. 2. September, abends 7.15 Uhr: Predigt Rahb.-Kand. L. Mehler. —< Freitag. 9. September, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. Eintrittskarten für die Gottesdienste der Liberalen Synagoge Westend an den Hohen Feiertagen in der, Aula der Herderschule sind bei . Frau Michaelson, Charlottenburg 9. Bayernallee 6, zu bestellen. Der Kartenverkauf beginnt am 12. September, täglich von 10 bis' 12 Uhr vorm. 1 Liberaler Gottesdienst Schmargendorf. 1 (Altersheim Berkaer Str. 32.) .! Freitag. 2. September, abends 7 Uhr: Predigt.! — Sonnabend. 3. September, vorm. 10 Uhr. — Freitag. 9. September, abends 7 Uhr: Predigt . Rabbiner Dr. Galliner. — Sonnabend, 10. September, vorm.-10 Uhr. ■ ■ | _ . Jüdische Reformgemelnde. j Johannlsstr, 16: Sonntag. 4. September, vorm 10 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. — Sonntag, 11. September, vorm 10 Ubr: Predigt Dr. Jelskl. I ■Klelststr. 10: Sonntag. 4. September, vorm. 10 Ubr: Predigt Dr. RosentbaL — Sonntag, 11. September, vorm. 10 Uhr: Predigt Dr. Rosenthal. 1 Gottesdienste an den Hohen Feiertagen im Gotteshaus Johannisstr. 16, in der Musikhochschule Hardenberg- Ecke Fasanenstr. und im Logentempel Kleiststr. 10. Kartenverkauf täglich 9 bis 2 Uhr. Johannisstr. 16. Norden 5150. j doxie verlangen kann, was ihr immer gewährt worden.1st und ihr immer gewährt werden wird, ist die Einrichtung orthodox geführter Anstalten nach Maßgabe deshierfür zahlenmäßig vorliegenden Bedürfnisses. Das gleiche verlangt derjLiberalis-. mus für sich, und im übrigen ist es nicht nötig, diese! Dinge fm Zusammenhang mit dem Reichsbund aufzuroilen. da alle diese Probleme nur für einige wenige Anstalten von drei oder vier Großgemeinden, nicht aber für den Reichsbund praktische Bedeutung haben: . Es ist zu hoffen, daß alle Parteien und alle Länder dem Entwurf des Herrn Oberstlandesgerichtsrat Neumeyer baldigst zustimmen. Alle Kennerder jüdischen Dinge wissen.; wie notwendig es ist den Reichsbund zu schaffen, aber es besteht die Gefahr, daß das Interesse erlahmt, wenn wir nicht endlich aus dem Stadium der Diskussion herauskommen. Das sollen sich vor allen Dingen die Konservativen gesagt sein lassen, ' denen ja am allermeisten an der endlichen Schaffung der Reichsorganisation gelegen sein muß. I Konferenz des tonenden Namens. Durch einen Teil der Tageszeitungen dürfte unseren Lesern bekannt geworden sein, daß Mitte dieses Monats in Genf eine sogenannte „Jüdische Weltkonferenz“ getagt hat. Die „Welt“ wird bekanntlich mit Millionen von Lichtjahren nicht ausgemessen, und es würde dem religiösen Sinn des Judentums entsprechen, wenn man mit dem imposanten Worte „Welt“ ein wenig sparsamer umginge; wir stehen nicht an, diese Bemerkung durchaus auch auf die Angelegenheiten und Konferenzen des liberalen Judentums auszudehnen, mmerhin, eine Konferenz oder eine Vereinigung, bei der alle größeren zivilisiertem Länder vertreten sind, gibt in gewisser Weise ein Spiegelb'dd oder ist eine Zusammenfassung unserer Menschenwelt. Sicherlich kann aber von einer Weltkonferenz dann nicht die Rede sein; wenn von allen größerem Ländern die Vertreter fehlten, und wenn ferner, soweit doch Vertreter . größerer Länder da wären, diese keine der bedeutenderen und autoritativen Organisationen zu vertreten hatten, wie es auf der „Jüdischen Weltkonferenz“ zu Genf der Fall war. Um mit Deutschland anzufangen: die Reichsarbeitsgemeinschaft jüdischer Landesverbände, der preußische, bayrische, sächsische und alle anderen Landesverbände jüdischer Gemeinden, die Vereinigung iür das liberale Judentum und der Centralverein waren nicht vertreten: einige deutsche Zionisten waren zwar dort, aber merkwürdigerweise nicht als Delegierte der Zionistischen Vereinigung, sondern namdns der Jüdischen Volkspartei. Das repräsentative American Jewish Committee hat sich ebenso ferngehalten wie der englische Board of Deputies of British Jews. und auch die Weltorganisation des orthodoxen Judentums Agudath Jisrael hat sich gegen die Tendenzen der Konferenz ausgesprochen. Zusammengefunden haben sich 125 mehr oder weniger private Persönlichkeiten aus Palästina, den baltischen und den Balkanländern. Dänemark und Belgien, sowie auch einige Deutsche. Engländer und Amerikaner. Daß sich auch einige Persönlichkeiten der schweizerischen Judenheit zur Verfügung stellten, ist durch den Tagungsort begründet und wohl hauptsächlich als Akt der Höflichkeit zu erklären. Die Tagesordnung umfaßte drei Punkte: 1. Berichte und Erörterung der Lage des jüdischen Volkes in den veschiedenen Ländern und Diskussion über zu ergreifende Maßnahmen zur Sicherung der' jüdischen Rechte und Positionen. 2. Referat und Diskussion über die von Professor Guido Tedeschi angeregte internationale Konvention zur-Diffamierung des Antisemitismus. > 3. Frage der. eventuellen Einberufung und Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, daß über den Vorschlag des Professors Tedeschi immerhin ernsth: ft diskutiert werden könnte. Der realpolitische Wert internationaler Abmachungen ist zwar umstritten, aber ähnlich wie'man sich durch die im Kollegg-Pakt ausgesprochene Aechtung des Krieges zumindest eine Erschwerung des Kriegsausbruches vorstellt, könnten viele vielleicht der Meinung sein, auch durch Beitritt der Nationen zu einer den Judenhaß ächtenden Konvention heilsame Wirkungen zu erzielen. Daß diese Möglichkeit immerhin erwägenswert ist, haben wir in Nummer 4 der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ zum Ausdruck gebracht, als zum ersten Male die Pläne von der Einberufung der Genfer Konferenz auftauchten. Schon damals gaben wir aber der Befürchtung Ausdruck, daß der Konferenz von vornherein eine zionistische Grundlage und zionistische Ziele gegeben werden würden, wodurch automatisch die repräsentativen [jüdischen Organisationen aller Länder fernbleiben würden. {Dies ist nun eingetreten, und es ist eine pure Lächerlichkeit, wenn der Hauptinitiator der Konferenz, Rabbi Stephen VVise (New York), das. Fernbleiben dieser Organisationen damit zu begründen sucht daß es „gewissen jüdischen Gruppen nicht paßt, mit einfachen Leuten aus osteuropäischen Ländern züsammenzukommen und zu beraten". Diese und ähnliche Angriffe stellen einen Versuch dar, das völlige Fiasko der Tagung zu verschleiern. \ Von einem völligen Fiasko wird jeder sprechen müssen, der die Berichte unbefangen liest. Freilich: an tönenden Worten hat es nicht gefehlt; so sprach der Präsident des zionistischen American Jewish Congress. Mr. Bernhard S.! Deutsch,- von der „göttlichen Vision unserer Führer von Moses bis Herzl“. und auch Rabbi Wise hielt eine große Rede iüber die Weltbedeutung des jüdischen Volkes. Und das Ergebnis? Punkt 3 der Tagesordnung bezeichnet den eigentlichen Zweck der Konferenz, die eventuelle Einberufung und Vorbereitung eines ständigen jüdischen Weltkongresses, dem dann die in Punkt 1 der Tagesordnung ausgesprochenen Maßnahmen zur Siche: rung der jüdischen Rechte, und Positionen in den { Ländern zufallen würden, Es ist richtig, daß diese Rechte und Positionen zur Zeit allüberall stark gefährdet sind. Während aber die nichtzionistischen Organisationen aller Länder der Ansicht sind, daß die jüdischen Staatsbürger jeden Landes ihre. Bürgerrechte selbst verteidigen müssen, will! man in Genf eine internationale Regelung und beschließt {dort die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses, von dem man in der betreffenden Resolution sagt, er „basiere auf [dem Begriff des jüdischen Volkes als eines einheitlichen Votksorganismus“. Und auf wann soll dieser Kongreß einberufen iwerrt""0 Auf den Sommer 1934! Das Haus brennt und Ihr beschließt einen Kongreß in zwef Jahren! Nicht ohne., natürlich, das vorbereitende Sekretariat schon sofort zu wählen: Nim. wenn die Herren Zionisten glauben, mit ihren internationalen Maßnahmen so lange Zeit zu haben, so haben die nichtzionlstischen Organisationen aller Länder wohl nichts versäumt,'daß sie der Konferenz ferngeblieben sind und inzwischen, ohne Weltkonferenzen und Weltkongresse, das Ihrige tun. schon jetzt in jedem Lande die Staatsbürgerrcchte der Juden zu wahren. _ | ■ Daß Hitler inzwischen in seinem „Völkischen Beobachter“ diese Konferenz wieder als .Jüdische Weltregierung“j bezeichnet. soll .uns so wenig kümmern wie diese Konferenz selbst. Die kritische Zeitbetrachtung von Die Blume blüht. Es ist im allgemeinen nicht üblich, gegen Predigten zu polemisieren. Aber schließlich hat alles seine Grenzen. Hat da ein junger Prediger — Name und Stadt seien ausdrücklich verschwiegen, weil es nicht auf die Person, sondern auf die Sache aukommt,- und weil wir .uicht wollen, daß jemandem aus sachlich notwendiger Kritik ein persönlicher Schade erwächst — um den Neunteu Ab herum, also vielleicht zu Schabbos Nachamu, sich gegen die „seichte und flache. Ideologie einer vergangenen Aufklärungs-Epoche" gewandt, in der man „meinte, den Tag, der der Ausgangspunkt der Zerstreuung Israels unter die'Völker und damit die Vorbedingung zur Erfüllung seiner messlauischcn Sendung war, als ein Freudenfest begehen zu soUenT'Nun, das ist nicht weit- und nicht einmal liberales Judentum erschütternd. aber Immerhin mag der junge Gelehrte, der so durchaus lieber trauern als sich freuen will, hier darauf hingewieseu sein, daß der erste derartige „Flachkopf und Aufklärungs-Ideologe“ der — Prophet Sacharjah gewesen ist. bei dem (Kap. 8, 19) zu lesen steht: „So spricht der Ewige Zebaoth: Die Fasten des vierten, fünften, siebenten und zehnten Monats sollen dein Hause Juda zur Freude und Wonne und zu fröhlichen Jahresfesten werden." Und wenn weiterhin der Charakter des Traueranstatt des -Freudenfestes um der Innerlichkeit willen bevorzugt wurde, so sei demgegenüber ausgesprochen, daß die Purim-, Chanukkah¬ und Simchas-THora-Feiern In der Synagoge bisher nicht der Innerlichkeit entbehrt haben, ganz zu schwelgen davon, daß auch die drei großen Wallfahrtsfeste Freudenfeste sind. Man sollte doch, zumindest von einem Prediger, erwarten, dürfen; daß er den Unterschied zwischen Freudigkeit und’ Albernheit kennt. , j Doch das alles sind Nebendinge, die man htunehmen kann. Nicht mehr hinnehmen kann man dagegen, whiin auf die nunmehr aufgeworfene Frage: „Warum sind wir Juden?“ erwidert wird:-Wo das eigene Sein zur Problematik wird, da sei Ungesundheit; „wie die Blume nicht fragt: Warum' dufte ich?, so sind auch wir Juden, well Gott uns dazu ge: macht hat!“ Mit Verlaub: das Duften der Blutige ist ein biologischer Vorgang. Aber das Jude-Sein? ' Hat dieser selbe Herr Rabbiner, noch nie Barmizwah-Ansprachen gehalten? Und wenn ja,'was wird er dem Jungen gesagt hoben? Doch vermutlich: „Mein lieber Schüler, einst wurdest du ohne dein Zutun und Wissen in die Jüdische Gemeinschaft hineingeboren, heute aber, da du als vollwertiges Mitglied In diese Gemeinschaft eintrittst, maßt du dir Rechenschaft ablegen, warum du Jude bleibst?“ Und weiter: Kann man sich vorstellen, daß ein christlicher Geistlicher — etwa ein katholischer Prediger zur Zelt des Kulturkampfes, als es in Preußen fast so schwer war, Katholik zu sein, wie beute In' Deutschland Jude — seiner Gemeinde die Frage nach dem Grunde ihres Christ-Seins als ungesund verboten und geantwortet hätte: Wie die Blume blüht, so sind wir Katholiken oder .Protestanten? Wir meinen: das Jude-Sein ist heute so unerhört schwer und tragisch, daß wir es als ein Glück empfinden, wenn es nicht nur noch Gründe zum Verbleiben ln der jüdischen Gemeinschaft gibt, sondern wenn diese Gründe obendrein so beschaffen sind, daß sie alle Opfer unseres Jude-Seins noch tausendfach aufwiegen und überstrahlen. Dies, die Darstellung der geistigen Werte des Judentums, hätte der Inhalt aller Predigt zu sein; daß aber das Jude-Sein als biologischer Vorgang hingestellt wird — das werden wir zwar in gewissen Versammlungen noch einige Jahre Uber uns ergehen lassen müssen, aber Injden Gotteshäusern wollen wir es endgültig nie mehr'hören. Hilde Walter und die jüdischen Zenfrumswähler. Noch war über der in unserer vorigen Nummer an die „Weltbuhne“ gerichteten Bitte, in den nächsten fünf Jahren ’ nichts über jüdische Dinge zu schreiben, die Druckerschwärze nicht getrocknet, da brachte uns diese Wochenschrift in Ihrer Nr. 33 vom 16. August aus der Feder von Hilde Walter einen Aufsatz „Juden beim Zentrum“, von dem man nicht weiß, ob man ihn mehr wegen seiner Torheit und Urteilslosigkeit oder mehr wegen der Fehlerhaftigkeit aller ihm zugrunde liegenden „Informationen“ bestaunen soll. . - Hilde Walter stellt fest, daß viele ehemals staatsparteiliche jüdische Wähler diesmal Zentrum gewählt haben, „well sie dort die wirksamste Abwehr der antisemitischen. Welle erwarteten“. „Weltanschauung", so fährt die Schreiberin fort,' „spielte nur insofern eine Rolle, als diese jüdischen Zentrumswähler sich auf keinen Fall mit der Sozialdemokratie identifizieren wollten." ’ Man staunt wirklich über so-vlel Konfusion! Was ln aller Welt hat das Dilemma, in dem sich, alle staatsparteilicheh Wähler diesmal befanden, mit der konfessionellen Zugehörigkeit zu tun? Daß es Deutsche gibt, die nicht Sozialdemokraten sind, dürfte der Weltbühne ebenso bekannt sein wie die Tatsache, daß unter diesen Deutschen auch solche Jüdischen Glaubens sind. Und nun gab es einen Konflikt, gleich groß Iür jüdische und nichtjüdische Deutsche politisch-liberaler Richtung: das war die Frage nach der Möglichkeit des Verlustes der für die Staatspartei abgegebenen Stimmen. Viele haben diese Möglichkeit verneint oder sich über sie hinweggesetzt —: das Wahlergebnis beweist es. Andere aber taten/ das. was z. B. die der Weltbühne doch sehr nahestehende „Liga f.ür Menschenrechte“ als Parole für alle Nichtsozialisten ausgab: um die Hitler-Diktatur abzuwehren, stellten sic alle Differenzen in kulturellen Dingen (z.TE Todesstrafe oder § 218) zurück und wählten Zentrum. Oerade die. Weltbühne weiß la sonst ihren Lesern so klarzbmachen, daß die Abgabe des 'Stimmzettels nicht die Ablegung eines. Glaubensbekenntnisses, sondern ein Akt politischer Zweck- Schokoladen - Großhandlung . Sämtliche Markenwaren zu Fabrikpreisen auf Lager Lieferung frei Haus von RM10,— an, in Groß-Berlin u. Umgab. M. Silbiger, Berlin C25 Kleine Alaxanderstr. 14 Telefon: E2 Kupfergraben2475 Spezial-Behandl.nur für Ischias In Hqften, Gtsafi and Bein, wenn ärztlich festgesteUt« in 15 Tagen find schwere Felle beseitig! worden. Üneutaetbere Heilerfolge/ Bestätigung and Referenzen. Arßtlidi MBpfohlan» IpveUdenstr. 106, 9—11, 1—4* Sonntag 10—12. Jaeoby,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.