Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 11 (1.9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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„♦O-* . •.! _■ u^väijgrgäaw.i'aMw.r—<?- immer mehr antisemitischen Charakter angenommen. Donnerstag abend wurde die Redaktion der linksgerichteten Wochenschrift „Liberdad“ fiberlallen und die Einrichtung demoliert lm AnschluD daran kam es zu Ueberfäilen in den Jüdischen Stadtvierteln. Es wurden etwa 100 Juden einzeln Überfällen und mißhandelt. Die Polizei war gegen die Ausschreitungen machtlos. Es mußte abends militärische Verstärkung zur Unterdrückung der Unruhen herangezogen werden. Faschistische Gruppen drangen auch in einzelne. Kino-Theater in den jüdlschenPVierteln ein und mißhandelten die Zuschauer. Auf^ eine sozialistische Interpellation in der Depiitiertenkammer sowie auf den Protest einer jüdischen Delegation, die im Innenministerium vorgesprochen hat. gab dieses die Ver- ''Sicherung ab, die Polizei werde weitere Ausschreitungen mit allen Mitteln unterdrücken.' Aus der Bewegung Berlin. (Tischa.b’Ab-Gottesdienst in der L i b e ria 1 e n Synagoge Norde h.) Der großen Rührigkeit unseres Freundes Hermann Falkenberg war es gelungen, in. der i von ihm .begründeten Liberalen Synagoge Norden (Waiserihaus-Aulä, - Schönhauser Allee) am Mittwoch, ä 10. August, einen Tischa b’Ab-üottesdienst zu. arrangieren, - zu dem Vorsteher-der Gemeinde und andere hervorragende jüdische Persönlichkeiten erschienen waren. Für die Auffassung, des Liberalismus bedeutet die Zertrümmerung der jüdischen Nation und des jüdischen Nationalbciligtums die schmerzliche, aber notwendige Voraussetzung iür die Zerstreuung Israels unter die Völker und für die Erfüllung seiner - messianischen Aufgabe. Für diese Auffassung überwog am Anfang jder Feier doch noch zu sehr der Charakter des Trauergott’esdienstes, der zweifellos der Stimmung der liberalen Teilnehmer nicht entsprach. Zum Schluß aber, als der Prediger gemäß der von Falkenberg geschaffenen Liturgie die messianische Verheißung aus Zweigs „Jeremia“ verlas und als auch in den ausgewählten Gebetstexten messianische Gedanken erklangen, war der liberale Charakter des Gottesdienstes : hergestellt. Wir haben dankbar zu sein, daß die „Liberale Synagoge. Norden“ auf dem Gebiete gottesdienstlicher Reform wieder einmal vorangegangen ist, und wir müssen fragen, warum nicht der gleiche Gottesdienst in der Gerneindesynagoge Prinzregentenstraße abgehalten wird, die doch aus den liberalen Vereins-Synagogen hervorgegangen ist und : diese' gottesdienstlichen Errungenschaften um ihrer - liturgischen Schönheiten willen übernehmen sollte. — selbst dann, wenn man, was wir um der Wahrheit willen hinzufügen, bezweifeln muß, daß es gelingen wird, den Neunten Ab. ia das lebendige Bewußtsein einer kommenden jüdischen - Generation je wieder einzupflanzen. Aus den Gemeinden Kassel. (Sitzung der .Gerneinde-A el tes ten.) Nach längerer Pause hielten die Gemeinde-Aeltesten am 17. August wieder eine öffentliche Sitzung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Gemeindeältester Nußbaum dem kürzlich verstorbenen ehemaligen Mitglied des Kollegiums, Rudolf Ballin, einen warm empfundenen Nachruf. Es folgte sodann die vom Kollegium beifällig aufgenommene Mittei- Jung, daß gewisse Differenzen* mit einer jüdischen Nachrichtenstelle beigelegt und damit wieder die Möglichkeit der Veröffentlichung regelmäßiger Sitzungsberichte geschaffen sei. Die .Beratungen über die Heizungsaiilagen der Gemeindegebäude führten u. 'a. dazu, daß der Beitritt zur „Wärmewirtschaft“ für ein Jahr beschlossen wurde. Laufende Ange- - legenbeiten, Anfragen und Mitteilungen bildeten den weiteren Inhalt der Sitzung, der sich eine längere nichtöffentliche mit Aussprachen über Steuer- und Personalangelegenheiten anschloß. Königsberg L Pr. (Fusi.onsvertrag genehmigt.) Die .hiesige Repräsentanten Versammlung genehmigte in einer ihrer letzten Sitzungen nach mehrstündiger Debatte das Fusionsabkommen zwischen den beiden konservativen Synagogen „Adaß Jisroel“ und „Alte Synagoge“, wobei der vorliegende Fusionsentwurf erhebliche Abänderungen erfuhr. Die durch die Fusion notwendig werdenden Umbauten in der Alten Synagoge, welche als gemeinsame konservative Synagoge eingerichtet. werden soll, wurden bewilligt. Weiterhin wurde zum Pro- - jekt der Renovierung der Friedhofshalle auf dem Neuen Friedhof in der Steffeckstraße upd der Umgebung der Halle i Stellung genommen. Durch Ansammlung von Grimdwasser haben sich bereits im Laufe der kurzen Zeit, in der der Friedhof benützt wird, starke Schäden herausgestellt, für deren-Beseitigung eine erhebliche Summe notwendig ist. Die Repräsentantenversammlung beschloß, für die Zwecke der Entwässerung und Renovierung der Halle und deren Umgebung einen Betrag von 10000 RM. auszusetzen. Leipzig. (Haushaltsplan 1932/33.) Die Beratungen über den diesjährigen Haushaltsplan standen naturgemäß,’ wie in allen anderen Gemeinden, im Zeichen, der Einsparungen. Ohne recht ersichtlichen Grund wurde in der Debatte die Frage des Wahlrechts angeschnitten. Daneben steht mit an erster Stelle, in der Aussprache die Frage der Kürzung: des Fürsorgeetats, die sich als notwendig erweist, nachdem mit einem erheblichen Rückgang der Steueraufbringung gerechnet werden müsse. — Aus der Einzelberatung verdienen folgende Punkte über unsere Gemeinde hinaus Interesse: : Um. den Haushalt zu entlasten, hatte der Entwurf die Aufhebung des Wochentagsgottesdienstes in der diberälen Gemeinde-, Synagoge vorgesehen, um die Kosten für Minjanleute zu ersparen. Den liberalen Gemeindemitgliedern, die zur Verrichtung des Kaddisch-Gebets im Trauerjahre oder an Jahrzeitstagen am Gottesdienste teilnehmen wollen, sollte anheimgestellt werden, orthodoxe Gottesdienste 'zu besuchen. ü.-V. Marken dort wendet sich energisch gegen einen derartigen Vorschlag. Viele liberale Gemeindemitglieder würden unter keinen Umständen zum Abhalten der Jahrzeit in eine orthodoxe Synagoge gehen. Ein Aufheben des Wochentagsgottesdienstes werde auch an Sabbaten die Synagoge veröden lassen. Herr G.-V. Justizrat Dr. Löwenstein (Lib.) lehnt eine solche Aenderung ebenfalls ab. Demgemäß wurde dann auch beschlossen und im voraus vorgesehen, daß entsprechende Nachforderungen nicht zu umgehen sein würden. Von vielleicht noch, weitergehender grundsätzlicher Bedeutung ist der Beschluß, die orthodoxe Ez-Cbajim-Synagoge, die, aus privater initiative des Herrn Eitingon hervorgegangen, bisher durch einen Verein unterhalten wird, in die Verwaltung der Gemeinde überzuführen. Damit' wird zum ersten Male die Gemeinde ihren zahlreichen orthodoxen Mitgliedern einen offiziellen orthodoxen Gemeindegottesdienst bieten. — Breiten Raum in den Verhandlungen nahmen die Fragen der Fürsorge ein, deren Mittel ganz erheblich herabgesetzt werden müssen. Der Dezernent, Herr S. Gott lieb, weist darauf hin, daß der Zwang der Verhältnisse eine solche Herabsetzung bedinge, daß er evtl, mit Nachforderimgen kommen müsse. — Zu lebhafteren Auseinandersetzungen kommt es schließlich bei der“ Frage der Subvention der Höheren Israelitischen Schule. Der stellvertretende Gemeindevorsteher S. H o d e s (Dem.) bezeichnet den Standpunkt der Liberalen als aus Assimilantentum hervorgegangener; abweichender weltanschaulicher!-Einstellung begründet. Diesen scharfen Ausführungen tritt G.-V. Alma Schindler (Lib.) entgegen, die nachdrücklich betont, daß auch in liberalen Kreisen starkes religiöses Interesse herrsche und daß man nicht berechtigt sei, in so abfälliger Weise von der jüdischen Haltpng der Liberalen zu sprechen. i' Mannheim. (Rabbiner Dr. Gustav Oppenheim 70 Jahre.) Der Senior der Mannheimer Rabbiner. ‘ Herr Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Gustav Oppenheim, beging am 27. August seinen 70. Geburtstag. Aus diesem lAnlaß ist eine Festnummer des Gemeindeblatts erschienen, die Beiträge von dem Gemeindevorsitzenden Prof. Dr. Moses, von Prof. Dr. Elbogen-Berlin. Berthold Rosenthal-Mannheim und von den Rabbinern Dr, Vogelstein-Breslau. Dr. Schiff- Karlsruhe. Dr. Steckeimacher-Dürkheim, Dr, Ucko-Offenburg und Dr. Grünewald-Mannheim enthält.! , Plauen LV. (Gemeinderatssitzung.) Kürzlich fand hier die dritte diesjährige Gemeinderatssitzung statt. Aus der Reihe der Mitteilungen und Eingänge ist hervorzuheben, daß Herr Rabbiner Dr. Goldmann in Leipzig es übernommen hat, uns für die Hohen Feiertage einen liberalen Rabbinatskandidaten zu empfehlen. Weiterhin wurde eine Mitteilung des Sächsischen Wohlfahrtsministeriums verlesen, wonach Ausländer, welche Wohlfahrtsunterstützungen in Anspruch nehmen, aus diesem Grunde nicht ausgewiesen werden dürfen. — Sodann erstattet der 1. Vorsitzende,' Herr Rechts- : anwalt Dr. Goldberg, einen ausführlichen Bericht über seine Teilnahme an der Vertreterversammlung der Jüdischen Landesverbände in Frankfurt und an der Tagung des Landesverbandes ' der Sächsischen Jüdischen Gemeinden in Chemnitz. — Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die Annahme einer Stiftung des Vereins Chevra-Kadischa. Hierzu führte Herr Kariel in längerer Rede aus, daß die Leichenhalle auf dem Friedhof in keiner Weise mehr dem Anwachsen der Gemeinde entspricht. Da die Gemeinde selbst keinerlei Mittel zum Um- bzw. Ausbau der Halle besitzt, hat sich die Chevra- Kadischa entschlossen, die. Vergrößerung der Halle und moderne Ausstattung auf eigene Kosten zu übernehmen; Der fertige Aus- bzw. Neubau soll sodann der Gemeinde als Stiftung übergeben werden. Diese hochherzige Tat der Chevra-Kadischa wird von allen Gemeindeverordneten dankbar anerkannt. — Schließlich gibt der Vorsitzende : davon Kenntnis, daß zufolge der gutachtlichen Aeußerung von drei bekannten orthodoxen Rabbinern die Abhaltung eines konservativen Gottesdienstes auch in der Haüptsynagoge zulässig ist. sofern während dieses Gottesdienstes das Orgelharmonium durch eine Rollwand •oder! Decke dem Blicke entzogen wird. Auf Vorschlag des Vorstandes soll die Absperrung des Chorraumes durch einen Vorhang alsbald erfolgen. Ein besonderer konservativer Gottesdienst wird daher in Zukunft nur noch an denjenigen Tagen zugelassen, an denen in der Hauptsynagoge liberaler Gottesdienst stattfindet. Diese Regelung bleibt selbstverständlich ohne Einfluß auf den orthodoxen Gottesdienst in der Syhagoge Schillerstraße.! Bficherschaii # Dr. phlL Aaron Rosmarin: „Moses lm Lichte der Agada.“ The Goldblatt Publishing Co.. New York, 1932. Mit großer Gelehrsamkeit ist alles Anekdoten- und Sagenhafte über Moses zusammengestellt und zu einer einheitlichen Erzählung zusammengefaßt worden.' so daß man fast ein belletristisches Buch über Moses zu lesen vermeint. Diese Bemerkung ist durchaus als Lob gemeint: das ganze umfangreiche Quellenmaterial ist in die Fußnoten verarbeitet worden, so daß auch der Wissenschaftler auf seine Kosten kommt. Der Laie aber, — nun gibt es viele, die wissen wollen, wie die mündliche Tradition die Figur des größten i und wirkungsreichsten Mannes der Bibel ausgeschmückt hat.. Diese Kenntnis ist aus diesem Buche zu erlangen. Das Buch ist, obschon in New York gedruckt und verlegt, in deutscher Sprache abgefaßt. *■ ■ Leopold Natha-nsohn. Briefkasten. Dr. Rudolf Ochs, Brüx. Zu der in unserer Nr. 10 vom 15. August gebrachten Meldung über die in Frankfurt a. M. erfolgte Uraufführung Ihres Chorwerks „Schnitters Tod“ teilen Sie uns mit. daß Sie zwar ein Verwandter des verstorbenen Professors Siegfried Ochs sind, aber trotzdem niemals dem Judentum angehört haben. Ihrem Wunsche entsorechend bringen wir dies hiermit unsern Lesern zur Kenntnis. . Nach Luxemburg. Der anonyme .Briefschreiber wird im Interesse der liberalen Sache aufgefordert, der Schriftleitung seinen Namen zu nennen. Nur dort, wo wir uns auf Persönlichkeiten1 stützen können, die sich mit ihrem ganzen Menschen für das liberale Judentum einsetzen. vermögen wir zu wirken: Wo dieser Einsatz der Persönlichkeit fehlt, nützen noch so detaillierte „Informationen“ nichts. Vereinsnachrichten Die Freie Jüdische Volkshochschule plant anläßlich des 300. Geburtstages von Spinoza eine Gesellschaftsreise nach dem Haag zum gleichzeitigen Besuch ..einer Festwoche der internationalen Spinoza- Gesellschaft. Unter den Rednern befinden sich Philosophen und Theologen aus allen Ländern. Die Reise findet voraussichtlich zwischen dem 5. und 10. .September d. J. statt und führt von Berlin direkt nach dem Haag (Wohnung in Scheveningen), von dort nach einem dreitägigen Aufenthalt und Besuch der interessantesten Veranstaltungen der Festwoche sowie des Spinoza-Museums in Leyden zu einem zweitägigen Aufenthalt nach Amsterdam mit ßesichtigungder jüdischen und sonstigen Sehenswürdigkeiten, dann ‘zurück über Köln nach Berlin. Es wird evtl, beabsichtigt, von Köln noch eine kurze Rheinfahrt bis nach Worms und Speyer zur Besichtigung der dortigen jüdischen Altertümer zu machen. Der Preis, der ReiSe wird für ungefähr 10 Tage RM .140,— bis RM 145,— bei koscherer Verpflegung betragen. Bei genügend großer Beteiligung kann sich der Preis noch ermäßigen. Selbstverständlich ist auch die Teilnahme von allen anderen Städten Deutschlands aus möglich, wobei eine* eventuelle Fahrpreisdifferenz in Anrechnung gebracht wird. Wir bitten alle Interessenten, sich möglichst rasch mit dem Sekretariat der Freien Jüdischen Volkshochschule, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29/30„ in Verbindung zu setzen.. Das Jli-Programm ' Gemeinsame Veranstaltungen. Sonntag, 11. September: Bunter Abend. 6 Uhr. bei Eva Simon, Tannenbergallee 9—12._■ ■ ■. - ’ Fahrten. Sonntag. 4. September, 8 Uhr. Bhf. Charlottenburg. Stuttgarter Platz, nach Finkenkrug. Kosten ca. 0,60 RAI.__ Heimabende. , ' Gruppe Westen. Montag. 5.; September, 8 Uhr, bei Eva Cohn, Windscheidstraße 36. Thema: Chinesische Religion. — Montag. 12. Sep-; tember, 8 Uhr. bei Hilde Weglein, Sybelstr. 23. Thema: Japa-! nische Religion. Gruppe Savigny. Mittwoch. 7. September, 8 Uhr. bei Eva Simon, Tannenbergallee 9—12. Thema: Neues Testament. — Mittwoch, 14. September, 8 Uhr, bei Anni Jacobsohn. Schlüterstr. 31. Thema: Neues Testament __■ Die Jugend ruft die Jugend! ■ Große Werbeaktion der Jugendgruppe des Liberalen Vereins, Bezirk Osten, am Sonnabend, den 17. September 1932. Im Logen-Kaslno., Knorrpromenade 2. (Stadtbahn: Stralau-Rummelsburg; Straßenbahn 76. 113 bis Wismarplatz). Ansprache eines Repräsentanten, Werbekollektiv. Rezitationen. Sprecbchor, KollektlvspleL Die Jugendgruppe dichtet, spricht und spielt selbst! Eltern und Jugendliche, versäumt nicht, unseren Werbeabend zu besuchen! Beginn: 8 (20) Uhr. Eintritt frei! Anschließend geselliges Beisammensein. Das grosse Spezialhaus für Damen-Hüte die neueste ¥ SEHENSWÜRDIGKEIT JDCnnO LlCCSCr LEIPZIGER STRASSE 87 BERLINS! Bei ■ Uautjucken n Flechten offenen Füßen, Krampfadern aachveralteten Wunden ist die milde a.wohltaende m Dr. SlraM’s Haossüe seit Jahrzehnten ärztlich empfohlen und bewährt In Orig.-Dotcn ä 135, 230 and 430 . 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