Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 10 (15.8.1932)
- Date
- 1932-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Aus den Gemeinden Aachen. (Wichtige Beschlüsse der: Reprä- Jentan t en-Ver sam mlu ng.) In der letzten : Reprä- |entantensitzung wurde beschlossen, von dem Rechte der “ zung der Bezüge der Beamten und Angestellten aui Grund J Preußischen Notverordnung vom 8. Juni vorläufig keinen prauch zu machen. — Auf Antrag des Elternbeirates der sschule hat der Kultusausschuß beschlossen, den! Beginn Freitagabend-Gottesdienstes während der Sommermonate 18,45 Uhr einheitlich festzusetzen. — Nach den Herbst- „ Rertagen sollen auf Anregung des Rabbiners versuchsweise alle 2—3" Monate Sonntagsvormittags-Weihestunden eingeführt werden. ' Berlin. (Legationsrat Sobernheim 60 Jahre.) Am 13. August vollendete eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Berliner jüdischen Lebens, Professor Moritz Sebastian Sobernheim, sein, sechzigstes Lebensjahr. Professor Sobernheim ist seit I91K Legationsrat irri Auswärtigen Amt und verwaltet das Dezernat für jüdisch-politische Angelegenheiten. Inhcrjüdisch stellt er auf dem Standpunkt der ..Religiösen Mittelpartei für Einheit und Frieden in der Gemeinde“, deren j Mitbegründer er ist. Am bekanntesten ist er durch seine! langjährige, unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit als Vorsitzenderder „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", die er durch die. schwersten Krisenzeiten des Krieges und der Inflation hindurch gefuhrthat. sowie als. Schriftführer der Vorderasiatischen Gesellschaft. Beide Gesellschaften geben anläßlich des Ehrentages .der Herrn Professors, Sobernheim Festnummern ihrer Vercfnszeitschriften heraus. Den zahlreichen Glückwünschen _ schließen auch wir uns an. Berlin. (Ei n s c 11 e n es Fest.) Am 12. August d.J. beging das Ehepaar Jakob und Pauline Mülle(, geh. Bley. _ Berlin, Rheinsberger Str. 70, das seltene Fest der diamantenen "-Hochzeit. Das Jubelpaar ist 84 bzw. 87 Jahre alt. wurde im. Jahre 1872 .in seiner damaligen Heimatstadt Scliönlanke- Poscn (jetzt Grenzmark) getraut und siedelte im Jahre 18S9 nach Berlin über., ' Gelsenkirchen. (Sonntags-Morgenfeier in der Synagoge.) Der Wohlfahrtsausschuß unserer .Gemeinde veranstaltete am Sonntag, 24. Juli, in der Synagoge im Rahmen einer musikalischen Morgenfeier ein Konzert zugunsten der Wohlfahrtskasse. Herr Rabbiner Dr. G a 11 i n e r eröfinete. die Feier1 mit einer kurzen Ansprache, in welcher er; aui die Bedeutung der Veranstaltung hinwies. Neben den Darbietungen des Synagögen-Chors unter der vorzüglichen Leitung seines Dirigenten, Herrn Paul W i b r a 1, trugen auch Frau Anita L o e w (New York) und Herr Kantor Wilhelm .Schu 1 mit ihrem vorzüglichen Stimmateriai zunii Gelingen. " der Veranstaltung bei. " Gelsenkirchen.. (Ferien-Einrichtung für unsere Kinder.) Der Frauen verein in Verbindung mit dem Frauenbund hat es auch-in den diesjährigen Ferien einer größeren Anzahl von Kindern ermöglicht, in einem Ferienheim einen Ersatz für die nicht mehr durchführbare Verschickung von | Kindern" in auswärtige Ferienheime zu finden. Die Kinder sammeln sich morgens, um mit mehreren Autos zu einem schöngclegenen Gartenlokal am Berger See gebracht zu werden, wo sie unter Aufsicht den Tag bei . Spiel verbringen. Eine einfache aber gesunde Beköstigung : wird den Kindern an Ort und Stelle gereicht werden. j Gießen. (V o rs tan d s wa h I.) Nach, der neuen Gemeindesätzung.'die' vom! hessischen Minister für Kultus genehmigt worden war, fand kürzlich eine Neuwahl des gesam- L-tcn-.-Vorstandes^ der Israelitischen Religionsgemeiude statt. Zum ersten Male waren auch Frauen an der Wahl beteiligt. Ungefähr 50 Prozent der Wahlberechtigten machten von ihrem Wahlrecht-Gebrauch, unter diesen befanden sich 61 Frauen. Aus der Wahl' gingen als neue Mitglieder der Gemeindeverwaltung hervor: R.-A. Rothenberger. :Meyerfeld, Adolf Bär, Julius Rosenbaum, Isi Berliner, Sternberg. Frau Dr. Katz. - Jever. (Persönliches.) In voller Frische beging das älteste Mitglied der Gemeinde, Herr J. D. Josephs, seinen 97. Geburtstag. Ueber 40 Jahre war der allgemein beliebte Greis Vorsteher der Synagogen-Gemeinde und' hoch heute nimmt er regen ^Anteil an allen Vorgängen. Kassel. (T o"d e s f a 11.) Im Alter von 62 Jahren starb ’ nach längerem schweren Leiden Bankier Rudolf Bällin. Der Kasseler Stadtverordneten-Versammlung gehörte er als Demokrat fünf Jahre an. Als Vertreter des liberalen. Judentums -- hatte Rudolf Ballin auch mehrere Jahre dem Aeltesten-Kollegium unserer Gemeinde angehört; auch im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wirkte er als Delegierter des hiesigen Bezirks. >' Königsberg L Pr. (Eine vorbildliche Einrichtung.) Der Jüdische ^Frauenbund hat die Neueinrichtung getroffen, unterder Führung einer geprüften Kindergärtnerin und unter Mitwirkung ehrenamtlicher Helferinnen Kinder bis zu vierzehn Jahren in einem Sonderwagen der elektrischen Balm in den Juditter Wald an jedem Vormittag; jm Hoch- ~sompjp_r, zu führen, woran alle Kreise der Gemeinde teilneh- . men können. ■ Landsberg - (Warthe). (Haushaltsplan und ■ Steuerfragen.) -Bei der Beratung des diesjährigen Haushaltsplans wurde eine Umschichtung der Steuerzahler _ festgestellt Von den freien Berufen werden sechs Zehntel - des Haushaltsplans getragen; fast die Hälfte der Zensiten ist . ohne Einkommen. Um Härten bei der Besteuerung zu ver- , meiden, wird eine Vermögens- oder Verbrauchs- oder gestaffelte Kopfsteuer neben der Einkommensteuer in Erwägung gezogen. Zur Prüfung dieser Frage wurde eine Kommission eingesetzt. Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schriftlcituns: lediglich die preßgcsetzlichc Verantwortung. Freiwilliger Arbeitsdienst. Die Ausführungen von Ruth Jacob über den Freiwilligen Arbeitsdienst in Nr. 9 dieses Blattes können nicht un- ' widersprochen bleiben, j Um zwei verschiedene Fragen handelt es sich, wenn man als deutscher! Jude an die Frage des F.A. herangeht. 1. Soll* man den Gedanken eines F. A. grundsätzlich, sei es “aus irgendwelchen Erwägungen, anerkennen, und 2. wie sollen bejahendenfalls wir deutschen Juden uns zu der Möglichkeit einer Teilnahme stellen? -, Ueber die Notwendigkeit eines. Arbeitsdienstes überhaupt läßtistell gewiß streiten.! Leugnen kann man aber nicht, daß der 'zugrunde liegende Gedanke einer Nutzbarmachung der brachliegenden Arbeitskräfte und einer seelischen und moralischen Stärkung der freiwillig Arbeitenden durch eine Wiedereinstellung in den Arbeitsmechanismus ein ungeheures Positivum gegenüber der früheren Zeit ist. Hätte die politische Führung in Deutschland; in den vergangenen Jahren diesen Weg rechtzeitig gefunden, so würden die sogenannten „Wehrverbände“ von rechts und links nur die Rolle von Veteranen klubs spielen, wie es ihre ursprüngliche Bestimmung war. Die jetzt von diesen Verbänden auf ihr' Programm geschriebene Ertüchtigung der Jugend hätte sich im Arbeitsdienst vollzogen. Und zwar dort ohne einen politischen oder militärischen Einschlag. Eine Ertüchtigung der Jugend überhaupt abzulehnen, sehe ich keinen Grund. Warum sollte Deutschland in dieser Hinsicht hinter allen änderen Ländern zurückstehen. Dies um so mehr, als bei uns die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft ist, deren erzieherischer Wert angesichts der Erfahrungen in der ganzen Welt schwer zu leugnen ist. Warum in diesen hier verteidigten üedankengängen, die zweifellos beim Erlaß des Aufrufes des RjF. obgewaltet haben .werden, Ruth Jacob und der ihr wohl nahestehende „Jüdische Friedensbund“ eine positive Einstellung zum Krieg als' Ausdruck staatlicher Aktivität zu sehen 'meinen, ist völlig unerfindlich. Man kann doch einen Krieg ablehnen und trotzdem andererseits der Ansicht sein, daß eine'Nation, um weiterhin als Kulturnation an führender Stelle zu; stehen, auch eine körperlich leistungsfähige junge Generation; ihr eigen nennen m u ß. Und noch einen Schritt weiter muß man gehen. Ein Angriffskrieg wird allgemein abgelehnt.; Nicht aber eine kriegerische Verteidigung gegen einen Einbruch in die deutschen Lande. Wer dann als „Kriegsdienstverweigerer“ die Hände in den Schoß legen will, stellt sich außerhalb der deutschen Nation und des deutschen Nationalgefühls. Das hat nichts mit Militarismus, zu tun. So viel zu der Assoziation von Freiwilligem Arbeitsdienst und kriegerischer Betätigung. Schließlich kann man auch eine Institution wie den F.A. nicht an seinen — in irgendeiner Hinsicht imitier möglichen — Auswüchsen abscliätzeiu I Warum sich an dieser grundsätzlichen Stellungnahme zum F.A. in unserer Eigenschaft als Juden, und zwar als deutsche Juden, etwas ändern soll, ist nicht einzusehen. Zweifellos' ist es nicht nötig, „daß die Juden alles mitmacben und gutheißen, nur um zu beweisen, daß sie genau so patriotisch empfinden wie ein Teil der nichtjüdischen Deutschen". Noch . weniger gutzuheißen ist es aber, wenn man eine Institution wie den Freiwilligen Arbeitsdienst allein deswegen verdammt, weil sie von nationalistischer Seite auch energisch unterstützt wird. - So scheint sich aber die ablehnende Stellungnahme von Ruth Jacob zu erklären. In dieser Frage haben wir deutschen Juden zuerst als Deutsche zu denken und zu handeln. Wenn wir gleiche politische Rechte verlangen, müssen wir auch die gleichen staatsbürgerlichen Pflichten auf uns nehmen! So und nicht anders sind auch die Erklärungen des Reichstagspräsidenten Paul Lobe und des Landtagsabge-. ordneten Nuschke in Nr. 9 zu verstehen. Dann müssen wir aber auch den bejahenden Standpunkt aller politischen Parteien und Anschauungen zum Freiwilligen Arbeitsdienst teilen. Gerade auch das Reichsbanner bat schon seit längerer Zeit den Freiwilligen Arbeitsdienst praktisch sehr energisch durchgeiührt (Mahlsdori-Süd und die Arbeiten bei den Ueberschwemmungen im vergangenen Jahr zusammen mit der SA.) Daß in religiöser Hinsicht den freiwillig Arbeitenden ein Schaden erwachsen soll, ist nicht zu ersehen. Dem-Aufrui des Vorsitzenden des RjF. kann daher auch von dieser Organisation nicht .nahestehender Seite' nur ener-! gisch zugestimmt werden. Die jüdische Jugend soll, sich am Freiwilligen Arbeitsdienst beteiligen, und sie wird es auch . tun! Werner Kadisch, cand. jur. Vorstand des Reicßsb. Deutscher Demokratischer Studenten. jüdiscb=Ci(tetale Jugend Redaktion: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Verantwortlich: Dr. Ellen Littmann, Berlin Zusammenbruch des politischen Liberalismus? i Vorbemerkung. . ‘ ■ Aus unserem Freundeskreise' geht uns der nachfolgende Aufsatz zu, welcher eine Anzahl von Fragen behandelt, die augenblicklich in der jüdisch-liberalen Jugend sehr viel erörtert werden. Wir stellen] diesen Aüfsatz deshalb hiermit zur Diskussion, ohne uns aber, wie wir ausdrücklich bemerken, mit ihm zu identifizieren. D i e S c h r i f 11 e i t u n g. ■ Die Sturmzeichen häufen sicli immer drohender, der politische Liberalismus sinkt langsam, aber deutlich; unter, in zwei mächtigen Säulen ist das deutsche Volk aufgebrochen und zermalmt rücksichtslos die immer stärker schrumpfende Mitte, zwei Heere, die sich heute nocli bekämpfen, aber, wenn sie erst einmal das gemeinsame ihrer Antriebs- und Stoßkraft erkannt haben, morgen in der Vereinigung von rechts und links das Gesicht der deutschen Zukunft gestalten werden. Der Zusammenbruch der alten, liberalen Parteien, das Abbröckeln des Parlamentarismus, die Flucht aus der Weltwirtschaft in den engen Binnenraum, die immer stärker werdende, aus der Not geborene Initiative des Staates,! alles dies deutliche Anzeichen einer Zeitenwende, eines-* entscheidenden historischen Augenblicks, ln diese Zeit der Krise, in der sich aus dem Ueberschäumen entgegenstehender Meinungen langsam das gemeinsame Neue herauskristallisiert, sind wir junge Juden hineingestcllt und versuchen, einen sicheren Haltepunkt zu gewinnen, von dem aus wir diesen Schäumungs- und Wandlungsprozeß betrachten können. Ist schon diese Ent- - Scheidung für den Deutschen schlechthin von geistiger und sozialer Not verdunkelt, wieviel erschwerter und behinderter •wird sie für uns liberale Juden. - _ i Zwei Gründe sind es, die sich uns bei unserem! weltanschaulich-politischen Bekenntnis hemmend in den Weg gelegt und uns zu einer Entwurzelung getrieben haben.! Jeder andere Deutsche kann sicli frei und; unbeschwert da einreihen, wohin ihn seine Ueberzeugung treibt, kann ehrlich für die Verwirklichung seiner Ideen im'Kreise Gleichgesinnter kämpien, nur wir Juden sind ineine Entwicklung gepreßt, sind auf Gedeih und Verderb bestimmten Parteien ausgeliefert. Die Würiel der Entscheidung sind gefallen, in den jbeiden extremen Parteien, in ihrer Verschmelzung naht die deutsche Zukunft. Wenn nicht alle Vorzeichen, trügen, wird das Deutschland der Zukunit national, sozialistisch und autoritär sein. Und in dieser, machtvollen Umwandlung müssen wir neben dem Wege stehen, müssen tatenlos Zusehen. Der Antisemitismus der NSDAP., die Gottlosigkeit und viele andere Punkte des orthodoxen Marxismus machen es uns unmöglich, uns politisch-praktisch zu diesen Parteien zu bekennen. Der Schreiber dieser Zeilen neigt mehr nach rechts, viele! seiner Kameraden sympathisieren mit dem Kommunismus,! aber allen ist die grundsätzliche Gegnerschaft dem liberaldemokratischen Kapitalismus und der — nach! ihrer Meinung —; zu sehr vom Liberalismus angekränkelten SPD. gegenüber gemeinsam, doch beiden ist der'Weg ausj ihrer schon längst getroffenen innerlichen Entscheidung zur! praktischen Betätigung mit schier unübersteigbaren Hindernissen, die mit dem Wesensgelialt beider Weltanschauungen in;keiner notwendigen Beziehung stehen, verbaut. Steht ihnen also anscheinend als Juden schlechthin i nur ein beschränkter Spielraum politischer Betätigung zur -Veriiigung, scheint dieser durch die religiöse Entscheidung noch stärker eingezwängt zu werden. Sie glauben, daß ihr religiöser Liberalismus sie auch zwinge, in der Politik, Liberaler, das heißt Demokrat, Weltwirtschaftler, Rationalist, Pazifist usw. zu sein. Derjenige, dem diese Konsequenz auch tatsächlich aus dem Herzen kommt, der wirklich politisch-liberal aus Ueberzeugung ist, ist glücklich zu preisen. Ihm tut sich hier kein innerlicher Konflikt, kein seelischer Zwiespalt aui.] Aber in welchen innerlichen Gegensatz gerät; der, der sowohl gefühlsmäßig als auch — allerdings erst in zweiter Hinsicht — rational zu einer grundsätzlichen Verneinung der Aufklärung mit ihrer Vergottung der Vernunft, mit der Selbstüberheblichkeit des Menschen gekommen ist, der mit dem Herzen| schon längst wo anders steht, und durch parteipolitische Konstellation und religiösen Liberalismus dorthin zurückgeworfen, wird, wohin ihn nichts mehr zieht.; Und doch, glaube ich, sind beide! Hindernisse nicht unüberwindlich. und doch gibt es für diesen Zwiespalt einen Ausweg. Wenn es auch heute, parteipolitisch gesehen, unmöglich ist. für seine sozialistisch-nationalen Gedanken eine sinngemäße Verwirklichung zu finden! — wenn also! eine parteipraktische Betätigung unmöglich erscheint, so Meibt das Bekenntnis zum nationalen Sozialismus — auch - kommunistischer Färbung — dem' einzelnen unbenommen. Jn kleinen Kreisen, die außerhalb der Parteiorganisationen stehen und auch nicht die Absicht haben, unsere Vielheit von Grüppchen um weitere zu vermehren;- arbeitet man intensiv, Um in sich selbst zur Klärung und wissenschaftlichen Unterbauung seiner Ideen zu gelangen. Deswegen heißt für solche Menschen die Parole; Heraus aus den Parteien, die sowieso überalterte Formen des politischen Lebens sind, Arbeit in kleinen, menschlich miteinander verbundenen Gemeinscliaitsgruppen. Verlassen wir den Starren-Rahmen enger Parteien, bauen wir selbst in uns, in der Persönlichkeit, den Grund-. stockdeutscher Zukunit. Ist hier also ein Ausweg durchaus möglich, wie stellt es mit unserem religiösen Bekenntnis? Gebietet uns nicht der Gedanke von der Entwicklungsfähigkeit religiöser Formen, unsere Toleranz in religiösen Fragen, auch Anhänger der Demokratie zu sein? Nein, im Gegenteil, ich glaube, daß der Liberalismus in seinem Wesen gerade antireligiös ist. Als Kind der Aufklärung wurzelt er allein im Verstände, in der Ueberzüchtung der Vernunft. Wie das andere Produkt dieser Entwicklung, die Technik, beruht er allein' auf der Ratio, erhebt den Verstand, d. h. die Form zum alleinigen Lebensweisen er ist international, daher nicht organisch aus dem Volke gewachsen, von dem Antipoden der Ratio, vom Gefühl und Erlebnis getragen, ist die Religion im Menschen entstanden. Sie bedeutet die andere mögliche Lebenshaltung. Der Mensch ist entweder intellektuell, zweckfragend, liberal, oder '‘religiös, gefühlsmäßig, Romantiker. Vielleicht findet jemand in sicli eine Synthese, von Religion und politischem Liberalismus, aber grundsätzlich bedingen sich beide nicht, sondern stoßen sich eher ab. ' Meine Zeilen'sollten sich allein an die richten, die in den Konflikt ihrer eigenen Auffassung mit der Mehrzahl ihrer Glaubensgenossen gekommen sind. Antiliberalismus und Religiosität sind keine Gegensätze. Der nationale Sozialismus kann _ in seiner gefühlsmäßigen Grundlage ebenso stark religiösen Quellen entspringen wie der Liberalismus. RudiStensch, Jugendgemeinschaft der Reformgemeinde Berlin. Aus der Jli-Bewegung Berlin. (Ein zeitgemäßer Aufruf an die Jugend Die Jugendgruppc des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten de jüdischen Gemeinde zu Berlin E.V., Bczirksgruppc Osten, erläl folgenden Aufruf: Jüdische Jugend! Das deutsche Judentum führt seinen schwe; sten Kampf! Es gcht um alles! Unsere Staatsbürgcrrechl sind in Gefahr. Die antisemitische Hetzwclle der Nationalsozialist droht uns zu erdrücken. Alle positiv arbeitenden Kräfte des dcu sehen Judentums müssen herangezogen werden zur Verteidigung ui serer Rechte. Es gilt Kampf — äußersten Kampf' W rufen Dich jüdischer Junge und jüdisches Mädel zum Kumpf für unsi Staatsburgertum, für Neugestaltung jüdischen Lebens, zur ErhaUur unseres Deutschtums und Judentums. Unser Kampf gilt jcdwcdi Reaktion. Jüdische Jugend, wacht auf!!! Hcrau aus der d u m p f e n E i n t 5 n i g k e j t und Untätigkci zum Kampf-f Für den freiheitlichen Gedanken! Für den Liber; Iismus. H mein in den Jüdisch~liberalcn Jugend b u n d! — Heimabend: Jeden Dienstag 8 Uhr abends im Jugendhcir Frankfurter Allee-40 (Hof links). Dein Erscheinen is Pflicht!!! (Anschrift: Gerhard Neumann, Berlin-Lichienber Marktstr; 7, 111.) Das Jlj-Programm Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Fahrten: Sonntag, 21. August. 8 Uhr, Bahnhof Zoo nach Wildpark- Golm usw. Kosten 0,60 bis 1,— RM. — Sonntag, 28. August, 8 Uhr, Stettiner Bahnhof nach Krämer. Kosten 0,60 bis Singestunde; . Donnerstag, 1. September, 8 Uhr,- bei Paul Löwenstein, Jagowstr. 1. Heimabende. Gruppe Westen: Montag, 22. August, 8 Uhr, bei 'Heinz Kellermann,' Knesebeckstr. 56/57. — Montag. 29. August, 8 Uhr, bei Änni Jacobsohn, Schlüterstr. 31, Thema: Aegyptische Religion. Gruppe Pankow-Osten: Donnerstag.' 18. August,. bei Saalfeld; Schönhauser Allee 134 b. Thema: Otto: „Das Heilige“. — Donnerstag; 25. August bei Erwin Zlmet, WInsstr. 63. Thema: Otto: „Das Heilige“. . . '■ Gruppe Savigny: Mittwoch, 17. August, bei Eva Simon, Tannenbergallee '9112. — 'Mittwoch. 24. August bei Joachim Berliner, Pestalozzlstr. 55.— Mittwoch, 31. August bei Hilde Weg- Icin. Sybelstr. 19. Thema: Neues Testament Artikel und Berichte für die Jfl-Rnbrik sind Jeweils 10 Tage vor dem 1. und 15. Jedes Monate an Dr. Ellen Littmann, Charlottenburg 9, Bayernallee 27, zu senden. ' .—