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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-08-15 · 10 (15.8.1932) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
10 (15.8.1932)
Date
1932-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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gewisses- Entgegenkommen der Parteien hinsichtlich der ' Weiblichen Kandidaturen zu ■ verzeichnen war, macht sich jetzt ■eine Zurfickdrängung 'auf der ganzen Linie bemerkbar. 1h fallen Parteien werden'Sonderinteressen zumeist wirtschaftucher Art dem Prinzip der Gleichberechtigung beider üe- Ichlechter vdrangestellt. Der Bund Deutscher Prauenvgreine Tat in Erkenntnis der drohenden üeiahr vor der jetzigen Reichstagswahl zum ersten Male aktiv in den .Wahlkampi feingegriffen. Er hat in einer Entschließung und in Flugblättern die Frauen gemahnt, nur solche Parteien zu wählen, die weiblichen Kandidaten auf ihren .Wahllisten aussichtsreiche Plätze zugewiesen hatten. Auch nach der Wahl -j- oder jetzt erst recht — erwächst den Frauen in der-Durch* kämpfung ihrer Forderung auf. Gleichberechtigung innerhalb der Parteien ein großes und wichtiges Arbeitsfeld. 1 - Nicht anders ist es um die gleichen Hechte der Frau auf Arbeit bestellt Unter dem Druck der Wirtschaitsnot richtet sich die'reaktionäre Bewegung auf den Punkt des vermeintlich geringsten Widerstandes: die Berufsstellung der Frau. Man müßte eine ausführliche Abhandlung schreiben,; um das Für und' Wider der Frage zu erschöpfen. Wenn ich hier den Standpunkt der organisierten Frauenbewegung vertrete, daß die berufstätige Frau für unsere Volkswirtschaft und für die Erhaltung der Familie unentbehrlich ist, , so ergeben sich auch daraus wieder Aufgaben für die Gesamtheit der Frauen, die noch der Lösung harren. Die Frauen müssen; sich mit ijden: Werten, die dem einzelnen und dem Volksganzen aus kier freien Entfaltung der Persönlichkeit in Arbeit und Beruf llirwachsen, auseinandersetzen. Sie müssen die Frage vom 'volkswirtschaftlichen Standpunkt aus prüfen, indem sie das '"statistische-Zahlenmaterial zu Rate ziehen, und dürfen nicht durch gedankenloses Nachbeten der aus dem Konkurrenzkampf der’Geschlechter erwachsenden Angriffe die; in jahrzehntelangen Mühen errungene Rechte gefährden oder preisgeben. - Die Frauenbewegung ist sich von Anbeginn an im klaren darüber gewesen, , daß eine ihrer vornehmsten Aufgaben auf dein Gebiete der Selbsterziehung liegt, der Bewußtmachung weiblicher Eigenart und der sich daraus ergebenden Pflichten. Sie stützte ihre Forderungen stets auf die Erkenntnis, .daß die Frau ihre andersgeartete, aus mütterlicher; Veranlagung quellende Leistung in das Gemeinschaftsleben einfügen müsse, damit aus der männlichen eine schlechthin menschliche Kulturwelt entstehe. Sieht man so die Aufgabe der Frau: in einer Durchdringung unseres gesamten Gemeinschaftslebens, so ist ohne weiteres klar, daß sie keine Sonder- . domänen für ihre öffentliche Wirksamkeit beansprucht. Schon aus dem hauswirtschaftlichen Bereich — ihrer ur- eigenen Domäne — wachsen ihr Erkenntnisse und Aufgaben auf; allen Gebieten des Volkslebens zu.. Ich kann hier rtur .einige davon nennen — die .Wirtschaftspolitik mit ihren Handels- und Zollfragen, das, Schul- und Erziehungswesen, die - Wohnungspolitik, die Rechtspflege und vor allem die Frier denspolitik — um aufzuzeigen, wie eng die Hausfrau und Mutter mit all diesen Fragen verknüpft ist Wir i brauchen nur an die Kriegszeit zu denken,, um uns mit erschreckender Deutlichkeit zu erinnern, wie eng und unlöslich der Einzel- ■ kochtopf mit der Gesamtwirtschaft des Volkes zusammen- hängt ■ j . '! ■; Ihre Frage, sehr verehrte Frau Wittner, ob die Frauen seit ihrer Befreiung mit ihrem Pfunde immer richtig gewuchert haben, läßt sich natürlich nicht mit einem glätten „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Es muß vor allem berücksichtigt werden, daß diese Zeit-. schwerster politischer und wirtschaftlicher Erschütterungen dem Hereinwachsen neuer Kräfte in einen neuen Pflichtenkreis nicht förderlich war, ierner, daß diese Entwicklung nur von einem kleinen Kreis von Pionieren erkämpft, von der großen Masse aber weder, ganz ersehnt noch ganz verstanden wurde. Legt man aber! die Leistungen der zur verantwortlichen Mitarbeit im öifent-' liehen Leben berufenen Frauen zu Grunde, so kann man die von Ihnen gestellte Frage restlos bejahen. Wenn auch ihr Einfluß zahlenmäßig nicht groß genug war, um einen Wandel der Lebensform herbeizuführen, so muß doch zugegeben werden; daß die im letzten Jahrzehnt geschaffenen großen sozialen Gesetze ohne die maßgebliche Mitarbeit der weiblichen Parlamentarierinnen nicht denkbar sind. Ganz bewußt und entschieden müssen wir m. E. den Maßstab ablehnen, den Arnold Zweig nach Ihren Ausführungen seiner Einstellung zur Frauenfrage zu Grunde legt Aus der Tatsache, daß Millionen von Frauen die nationalsozialistische Partei gewählt haben, dürfen keine anderen Schlußfolgerungen gezogen werden, als sie auch für ihre männlichen Partner Geltung haben. Zudem ist durch Zäh- . lung der Frauenstimmen in einzelnen Großstädten 1929 und 1930 festgestellt worden, daß diese überwiegend dem Zentrum und den Deutschnationalen zugute kommen, keineswegs also den radikalen Parteien. Die Tatsache, daß die Stellungnahme zur Frauenfrage durch einen so hochstehenden Mann wie Arnold Zweig allein von solchen Gesichtspunkten aus geschieht, zeigt, wie wenig fest und tief noch das Bewußtsein von der Gleichberechtigung der Geschlechter und ihres gleichen Anteils an der Schaffung einer Menschheitskultur bei vielen von uns verankert ist.; Geht man nun von den Rechten und Pflichten der Staatsbürgerin zu den Frauenaufgaben in der jüdischen Gemeinschaft über, so lassen sich die allgemeinen Gesichtspunkte der Gleichberechtigung als Grundlage und Vorbedingung der verantwortungsbewußten Mitarbeit ebensogut anwenden, wie die Forderung nach einer Gestaltung des Gemeinschaftslebens durch männliche und weibliche Kräfte. Die Gemeinde ist ein großer, lebendiger Organismus, der nur durch das Zusammenwirken aller seiner Glieder lebensfähig erhalten werden kann. Es ist deshalb von ausschlaggebender Bedeutung, daß jeder einzelne .sich seiner Verantwortung für das Ganze bewußt ist. Die rjehtige Verantwortung ist aber nur zu gewinnen, wenn man d)e zu lösende Aufgabe in!ihrem ganzen Umfang und in ihren Zusammenhängen übersieht, wenn man die Wurzeln der Uebel und Nöte erkennt und danach das Maß seiner Hilfsbereitschaft bestimmt. .Durch das Eindringen in die verschlungenen Pfade der Gemeindeverwaltung, durch die Erkenntnis der geistigen und materiellen Zusammenhänge, nicht zuletzt aber durch die'praktische Arbeit für das Gemeinwohl werden Kräfte ausgelöst, die befruchtend auf das gesamte geistige und soziale Leben der jüdischen Gemeinschaft zurückwirken.' Die Frauen also, die in Gemeindevorständen und -Vertretungen tätig; sind, sollen nicht nur ihre Kenntnisse lind; Hilfsbereitschaft . in die Gemeindestuben tragen, sie sollen als Mütter und Erzieherinnen die Familie an die Gemeinschaft knüpfen, sie sollen die Verbindung hersteilen zu den Fräuenvereinen und helfen, alle Gemeinschaftsarbeit einem großen1 Zwecke unterzuordnen. Die Erkenntnis dieser Tatsache hätte längst dazu'führen müssen, die Frauen in allen Gemeinden zur Mitarbeit; heranzuziehen. Die Feststellung von Frau Dormitzer, daß „alle Forderungen der jüdischen Frau seit 1919 ihr restlos bewilligt worden sind", bezieht sich nur auf die Großgemeinden, und auch da muß man erhebliche Einschränkungenmachen. Aus einer Zusammenstellung des Jüdischen Frauenbundes ergibt sich die betrübliche Tatsache, daß die Frauen im ganzen Reichsgebiet nur in 42 jüdischen Gemeinden das aktive und passive Wahlrecht besitzen, außerdem in 5 Gemeinden das aktive. Berücksichtigt man, daß es allein in Preußen 950 Synagogengemeinden gibt — davon allerdings 700 unter 100 Mitgliedern — so ergibt sich, daß von einem alleinigen Beharren -auf erworbenen Rechten nicht gesprochen werden kann, sondern daß schon hier — bei der Schaffung der Grundlagen unserer Mitarbeit — die bewußten Forderungen aller Frauenkreise einzusetzen haben. Versucht man nun, die Entwicklung der letzten 10 Jahre auf hemmende und. fördernde Ursachen hin zu überprüfen, so muß man zunächst feststellen, daß gesetzliche Hinderungsgründe keineswegs eine ausschlaggebende Rolle spielen. Auch orthodoxe Widerstände, die sich allenthalben geltend gemacht haben, waren zahlenmäßig zumeist nicht ausschlaggebend. Es ist selbstverständlich und soll hier dankbar anerkannt werden, daß die liberale Idee Wegbereiterin unserer Forderung auf gleichberechtigte Mitarbeit in den Gemeinden gewesen ist. Aber ebenso deutlich muß ausgesprochen werden, daß. auch liberale Gemeindevertreter,, die für ihr eigenes Leben die Bindung an das Religionsgesetz ablehnen, sich auf religiöse Bestimmungen berufen, um die Frauen auch fernerhin aus den Gemeihdestuben fernzuhalten. - Aus den Tätigkeitsberichten der schon iii Amt und Würden befindlichen Gemeindevertreterinnen läßt sich erkennen, daß die Frauen, die sich im Anfang ihrer Tätigkeit vorwiegend auf die sozialen Aufgaben der Gemeinden beschränkt hatten, allmählich in alle Verwaltungszweige und Kommissionen vorgedrungen sind, ja sogar in die Gemeindevorstände. Allgemein gültige Richtlinien lassen sich natürlich nur für die Gesamthaltung der Frauen, nicht aber für ihre Einzelaufgaben und Einzelleistungen aufstelien. Diese müssen sieb den örtlichen Gegebenheiten und Erfordernissen anpassen. Keine Aufgabe ist so gering, keine so groß und schwierig, daß nicht die Frauen alle ihre Kräfte zu ihrer Lösung einzusetzen bereit wären. Nie aber dürfen sie ihre wichtigste Mission vergessen, dem Geiste der Mütterlichkeit Geltung zu verschaffen. Mitten durch die jüdische Gemeinschaft geht der Riß weltanschaulicher Spannungen und Gegensätze. Sache der Frauen ist es, dafür zu sorgen, daß alle Auseinandersetzungen getragen werden von tiefer Achtung.für die Anschauung des Gegners. Die Mutter, die in der Familie alle-Mitglieder; mit gleicher Liebe umhegt, wird und muß diese Kraft auch im Dienste der größeren" Gemeinschaft fruchtbar werden lassen. Indem ich dieses niederschreibe, bin ich mir bewußt ge-- worden, wie wichtig und notwendig es ist, wenn man als Fordernder vor die Gemeinschaft tritt, immer wieder die Aufgaben in ihren Zielen und ihren Begrenzungen zu überprüfen, die diese Gemeinschaft uns stellt. Deshalb danke ich Ihnen, sehr verehrte Frau Wittner, herzlichst für die gegebene Anregung und hoffe, daß sie viele Frauen zur Selbstprüfung und Gegenäußerung veranlassen wird. Ihre sehr ergebene - ’ O 11 i 1 i e S c h o e n e w a 1 d. EmpfeMeaswede Jb&zuqsquetlen E ERLIN loleroalloflfllß Apotheke Palast-Hotel' / Potsdamer Platz T«L: A2 Flor» 2223 ■ Alles frei. Haus |; Asphaltierung | j H «i»l«oUt^n«minn^nrliKfl H. ... AsphalflerungsfleschMft Ausführung iSmtKAer Reparabtrarbciteo PAUL BACHMANN . Berlin-Reinickendorf-West, Humboldtstr. 36« Tel. D 9 Rdmdccnd. 1408 |i Autobereifung ‘ | Wilhelm Grabs ’ Vertrieb samtl. Reifenfabrikate Autozubehör . Reifen - Reparatur-Werkstatt - Spezialität: Auto-Oeie j' .. Ersatzteile für Fordwagen BERLIN SW68, Fnedridüitr.24* .Nähe Bdle?Älliance-PUtz Fernsprecher: F 5 Bergmann 4735-36 I Autofahrschulen ] ADtoldespaerci Pani BamoDari W 87. Potsdamer Str. 85 i Anfertigung u.Reparaturen von Kühlern. BenzinbebUtern für Auto. Motorrad u. Motorboot. Tel.: ß 7 Pallas 2297 AutokUhler 1 W. LANG Ei Kühler- und Apparateban Neuanfertigung. Reparaturen: und Reinigung aller Systeme BERLIN NW87 * Huttenstraßi 41-44 Fernsprecher? 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