Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 9 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613456-2613463--4189-2615845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
verstand man darunter den Ausfall derjenigen Stimmen, die kein Mandat erzielten; heute muß man fast schon von Zersplitterung sprechen, wenn eine Partei so wenig Mandate erhält, daß sie für den Eintritt in eine Koalition, für die Besetzung der Ausschüsse usw. zu klein bleibt und keinen nennenswerten Einfluß im Parlament auszuübeto vermag. . Auf diesen Einfluß nämlich kommt es an; Emflußlosigkeit] Zersplitterung, bedeutet Schwächung der Abwehrarbeit, Stärkung der faschistischen und anti-- semitischen front. Das. ist es, was ,t vielen unserer Glaubensgenossen die Entscheidung diesmal so' schwer macht, und zwar ganz besonders einer bestimmten Gruppe unserer Glaubensgenossen. I : Es kann, nicht unsere Aufgabe sein, die Politik der einzelnen Parteien zu kritisieren, und wir können daher °auch an dieser Stelle, d. h. a 1 s Juden,‘nicht zu einer Frage Stellung nehmen, die keine jüdische Frage ist, die aber innerhalb einer eindeutig nichtantisemitischen Partei heftig umstritten, und zwar von Juden und Nichtjuderi; gleich .heftig umstritten worden ist. Ueberhaupt: wennidas alte Wort: „Kein Ding ist nur. schlecht“ auch auf den Nationalsozialismus angewandt werden darf, so liegt sein Gutes darin, daß er den Antisemitismus wieder aus einer jüdischen zu einer deutschen Frage gemacht und den Kreis seiner Gegner damit unendlich vergrößert hat; und so geht es bei allem, was wir hier besprechen, und bei der . ganzen diesmaligen Reictistagswahl nicht um die Frage. „Antisemitismus oder nicht“, sondern um. die Frage „Faschismus oder nicht“, und die Einzel- . Probleme, die sich da ergeben, betreffen keineswegs bloß uns Juden, Sondern alle guten Republikaner. Zu diesen Einzelproblemen gehört nun auch dasjenige;. welches sich daraus ergibt, daß die Deutsche -Staatspartei hinsichtlich ihrer Reststimmen keiner Listeriverbindung eingegangen ist Wie gesagt, e's ist dies keine jüdische Frage, und wir können hier nicht dazu Stellung nehmen, ob es ein Fehler war oder nicht Wir können hier lediglich feststellen, daß diese. Frage innerhalb der Staatspartei selbst — von Juden wie von Nichtjuden — stark umstritten ist. Landtagsabgeordneter Nusch.k.e ist, wie aus dem an anderer Stelle dieses Blattes wiedergegebenen Interview hervorgeht, durchaus der Ansicht, daß es für die Staatspartei bei den Reichstagswahlen wesentlich besser liegt als bei den PreußenwahlenT Hamburg, Sachsen, Württemberg und Baden seien so günstige Positionen, daß von Stimmenverlust öder Zersplitterung nicht gesprochen werden könne; und diese Ansicht wird von vielen Anhängern der Staatspartei geteilt; auch wird hinzugefügt, mit Recht; hinzugefügt, daß es ein Verhängnis sein würde, "wenn der Gedanke der demokratischen Republik nur noch von der sozialistischen SPD. und nicht-.auch noch von einer nichtsozialistischen bürgerlichen Partei getragen; werde. - Freilichfehlt es auch nicht an Stimmen,- welche anders urteileri; Alle diejenigen Fragen, sagen sie, die uns einerseits-vom Zentrum (Todesstrafe, §'218, Schulgesetzgebung, Zensur usw.) und andrerseitsvon der Sozialdemokratie (Privatwirtschaft oder Sozialisierung) trennen,, sind heute nebelfeme theoretische Gegensätze geworden-gegenüber dem einzigen wirklich vorhandenen und praktischen Gegensatz Demokratie oder Diktatur. Eine Alleinregierung Hitlers bedeutet die Diktatur, bedeutet die Zerschlagung und radikale Vernichtung aller republikanisch-demokratischen Einrichtungen; Für die Aufrechterhaltung dieser Einrichtungen aber bieten, die Gewähr sowohl das Zentrum wie auch die Sozialdemokratie. Das Zentrum als zukünftige Regierungspartei wird dazu berufen sein, entweder die NSDAPüberhaupt von der Regierung fernzuhalten oder mit ihr; zusammen zu regieren; für beide Eventualitäten müsse es möglichst gestärkt werden. Ebenso müsse auch die Sozialderriokratie als zukünftige Oppositionspartei 'möglichst stark sein, damit die Regierungsparteien recht weit! von der verfassungsändernden Mehrheit entfernt bleiben. — Alle diejenigen, die so denken, sind also in der gleichen Lage wie bei einer Stichwahl; „wenn wir überhaupt“,' so sagen sie, „das nächste. Mal noch die Möglichkeit haben wollen, über Todesstrafe, § 218, Schulgesetzgebung und Zensur einerseits und über die Frage Privatwirtschaft oder .Sozialisierung andrerseits auch nur zu diskutieren, — so müssen wir diesirial eine der großen Parteien wählen“. In solcher Argumentation liegt keine Treulosigkeit und keine Prinzipienlosigkeit, es liegt darin die Erkenntnis, daß die Abgabe des Stimmzettels nicht die Ablegungeines Glaubensbekenntnisses bedeutet, sondern einen Akt politischer Zweckmäßigkeit. Alle diese Konflikte bestehen aber, wie bereits gesagt wurde, nur für die Anhänger der Staatspartei und nicht nur für die jüdischen. Es war nötig, auf diese Probleme und Konflikte mit aller Deutlichkeit hinzuweisen, weil sie für viele unserer Glaubensgenossen das Problem und der Konflikt dieser Wahl sind; aber jüdische Probleme und Konflikte sind es nicht. Was die anderen Parteien anbelangt, so haben es urisere Glaubensgenossen damit einfach. Für . die jüdischen Anhänger der Sozialdemokratie hat es niemals Probleme gegeben Und gibt es sie auch heute nicht lieber die Volkspartei braucht nach ihrem offenen Wahlbündnis mit Hugenberg heute wohl kein Wort mehr verloren zu werden. Bleibt das Zentrum, das ja bereits in früheren Jahren vielfach von Juden gewählt .worden-ist. Das Zentrum kennt, ebenso wenig wie die katholische Kirche, keinen Judenhaß; und diejenigen unserer Glaubensgenossen, die ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen beim Zentrum gut aufgehoben glauben, mögen es also unbedenklich wählen. Weniger unbedenklich und ein Akt geringer'politischer Klugheit scheint es freilich, wenn ein „Ausschuß jüdischer Zent rums Wähler“ mit einem Flugblatt an die Oeffentlichkeit tritt, das innerhalb der Zentrumspartei selber außerordentlich peinlich empfunden wird, weil das Zentrum nicht nur eine katholische Partei ist, sondern vor . allem weil dieses Flugblatt den Nationalsozialisten wirksamen Agitationsstoff gegen das Zentrum gibt. Man sollte meinen, daß es keines besonderen politischen Weitblicks bedurft hätte, um diese negative Wirkung vorauszusehen, aber — wer sind denn die Unterzeichner dieses "Aufrufes, welches sind die Mitglieder dieses famosen Ausschusses? {Gewiß doch, unsere Zionisten sind es: Kareski, Dr. I Joseph Meisl und — das Flugblatt schließt mit einem Bekenntnis innigster Verbundenheit mit dem ' deutschen Vaterland — der Mann, der" 1918 in Posen sich in dem Streit zwischen Polen und Deutschen „neutral“ erklärte und den Jüdischen Volksrat begründete, Rechtsanwalt Kollenscher! Wir haben wahrhaftig nichts dagegen, daß diese Herren und daß überhaupt Juden das! .. ■Bpt;/ v V;. * vr Hugo PreuB. '■ der Schöpfer der deutschen Relchs^brfassung, um .dessen-Werk am 31. Juli gerungen wird. (Photographie nach] einer Radierung, im Besitz der Kunstsammlung,der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.); ‘ Vom iDflsch-marxisüsclieo jeinsenr. | Von Gerhard Lindner. Motto:: „Die Großbuchstaben spielen im . Kleide der deutschen Sprache eine besondere i Rolle .... Offiziere sollen sie sein, und dabei' j bedürfen sie selbst der Auszeichnung.“; ■ (Aus dem Buche eines deutschen Verlegers.) -Die jFrage, ob im Deutschen die Kleirischrift allgemein einzuführen sei, haben wir hier nicht zu erörtern. Wir sehen: darin! ein ästhetisches; philologisches und auch pädagogisches' Problem; und möchten bemerken, daß wir uns; persönlich durchaus nicht für das Kleinschreiben einsetzen. Nur konnten wir uns; aber bisher auch nicht vorstellen, daß :auf diesem Gebiete eine weltanschauliche und politische Polemik möglich sei,-;doch erfuhren wir inzwischen, daß man gerade hier -- wenn auch, auf Kosten des gesunden Menschenverstandes — besonders hitzig zu werden vermag. Uns leben nämlich Volksgenossen, denen die offizielle Abschaffung der Großbuchstaben nichts Geringeres bedeuten-würde, als das Signal zum Bürgerkrieg—iweil doch, wie üblich, die Juden dran schuld sind! Da hat also eine jener „amtlichen“ NSDAP.-Zeitungen gleich eine halbe Seite vollgemacht mit dem Elaborat eines tüchtigen; Mitstreiters aus Plauen, der bekannten' Renommier- Großstadt der Nazis, — und ich erkläre gern und fröhlich, daß ich selten ein derart markiges, und aufgeregtes Pamphlet gelesen habe wie diesen sächsischen. Artikel übet „Jüdische E n t d e u t s c h u n g s p p 1 i t i k“; den mutigen Schreiber stelle ich mir demnach als; ein ganz besonders hiefrig geratenes Männchen vor. i Es soll uns hier nicht weiter beschäftigen, daß besagtes Männchen in seinem Aufsatz zunächst gegen das Esperanto loszieht, ,das bekanntlich „eine elende, jämmerliche jüdische Mißgeburt ist und bleibt“. Selbstverständlich kriegen dann auch jene; widerwärtigen Elemente eins ab, die unsere schöne „deutsche“ Schrift höchst überflüssig finden; leider muß hier das Männchen „objektiv feststellen: einen seiner Zielpunkte hat Juda' bereits teilweise verwirklicht! In der Schule wird die lateinische Schrift bevorzugt gepflegt. . .“ Gleichwohl scheint mir diesPoIemik ‘nicht ganz erschöpfend geführt zu sein: es hätte doch dazu ohne, Zweifel untersucht werden müssen, ob die lateinische Schrift nicht vielmehr sogar verkapptes Hebräisch sei! i.: .'.: ' r V - - ' .- .; |; - -•! ■ Doch hören |yir weiter: „Strengste Beobachtung verdient nun abe|} dje Bewegung, die sich für Abschaffung der großen Buchstaben in der deutschen Spräche einsetzt lünd für diese Gleichmächere.i aller Wörter, sowie überhaupt für eine Abänderung unserer Schrift lebhaft agitiert“ Wiewohl man sich bereits ordentlich umstellt fühlt, hat man dochnoch die Empfindung, daß sich das mit der Gleichmacherei hätte hübscher sägen lassen. Schon früher war einmal der Brief eines betrübten deutschen Mannes veröffentlicht wurden, und dort! war das Problem wirklich um vieles weltscnmerzlicher erfühlt: „Zu was diese häßliche Gleichmacherei? Ja, ja, es darf weder hervorragende Buchstaben noch Menschen geben!“ In seinen, nüchternen Feststellungen allerdings ist unsere approbierter Nationalsozialist jenem Briefschreiber wieder um einige; Buchstabenlängen über, denn er weiß folgendes: „Selbstverständlich setzen sich auch; diese Kreise wieder lediglich aus Juden und Marxisten zusammen.“ Den! j Beleg hierfür liefert das Beispiel eines Geschäftsuntemehmens, das seine .Korrespondenz, seine Inserate usw. in Kleinschruft abfaßt; das : ist eben „bezeichnend für jüdische Anmaßung“. Und so etwajs muß natürlich gebührend „gebrandmarkt“ werden. Verfasserchens gesammelte Energie gelangt jetzt zur vollen Entfaltung:!'Der Schluß des Artikels mag daher; ungekürzt genossen wjsrden: „Wir finden die, Worte hierfür nicht scharf genug und betrachten das Ganze als das, was es wirklich ist: als eine' Herausforderung; der Juden gege|h das Deutschtum. Wir protestieren energisch gegen solche jüdischen Machenschaften und verwahren uns gegen jede Ve'rhohnepipelung der deutschen Schrift Wir registrieren auch; diese' jüdische Frechheit und Anmaßung. Es j zeugt von ziemlicher!!) nverfrorenh eit, wenn ein Gastvolk auch hier si'ch nicht unterordnet, sondem-ieinfach von sich aus die^Schreibweise seiner Gastgeber jij-erfälscht 1 ]| Die Juden können in Deutschland nicht einfach machen, was sie wollen:; Als nur geduldetes Gastvolk haben sie sich gefälligst den {Sitten, Gebräuchen und Einrichtungen des Gastgebers anzupassen! Und wenn ihnen das nicht paßt oder die deutsche Schrift ihnen etwas „viel, zu schaffen“ fna'cht Zentrum wählen; aber. wir halten. es für ein Verhängnis, daß Leute,’ die sonst den -Gedanken eines jüdischen Volkes und einer jüdischen Nation verfechten, ihre politische Unfähigkeit nun auch in der sie nichts angehenden deutschen Politik .betätigen .und damit auch die jüdische Gemeinschaft arg kompromittieren. Wer sich statt zur jüdischen Religion} zu einem jüdischen Volk bekennt, der soll sich in der deutschen Politik nicht „vordrängen“ — auch so kann [man das Wort von P a u 1 L ö b e interpretieren, und es ist zu beklagen, daß sich1 auch einige sonst sehr kluge Persönlichkeiten, wie z. B. der verehrte konservative Rabbiner Freimann, dazu bewegen ließen, dies Flugblatt zu ünterzeichnen, anstatt stillschweigend die I Partei ihres Vertrauens zu wählen. | jUeber den Kommunismus heute zu sprechen, scheint unnötig; wohlgemerkt: heute] im Zusammenhang mit dieser Reichstagswahl über ihn} zu sprechen. Daß das Judentum, als Religion, sich mit jeder Wirtschaftsform verträgt, ist eine .mehr und mehr sich Bahn brechende Erkenntnis, die aber mit} dieser Wahl nicht das} geringste zu tun hat und' reine Theorie bleibt, solangeder Kommunismus nicht seinerseits erkennt, daß sich auch das kommunistische Wirtschaftssystem mit jeder Art von Philosophie und Religion verträgt.- Heute ist der Kommunismus antireligiös und.kann schon allein darum für. uns nicht in Betracht kommen, von andern Gründen ganz zu schweigen. Der Erweis dafür, daß der! Kommunismus nicht antireligiös, nicht antijüdisch zu sein brauchte und daß, wer Kommunist wird, nicht aufhören muß, Jude zu sein — dieser Erweis bleibt eine nahe jüdische Zukunftsaufgabe, die sich entsprechend sehr bald auch für die Kirchen der christlichen Bekenntnisse! ergeben wird; hier und heute aber sprechen wir nicht; von der Religion und ihren Aufgaben, sondern von Politik. |Vor wenigen^ Wochen jährte sich zum zehnten Male der!Todestag von Walther Rathenau. Man hat oft genug, von jüdischer wie von riichtjüdischer Seite, Betrachtungen darüber angestellt, ob; er, der Jude; recht daran getan habe; sich, auf noch so dringendes Bitten hiri.i für den Posten des deutschen Außenministers zur Verfügung zu stellen. Dieses gleiche Problem klang in neuester Zeit wieder auf, als die Nationalsozialisten ihre maßlose und gemeine Hetze gegen den Polizeivizepräsidenten von Berlin, Dr. Bernhard Weiß, auf einen Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt führten, der eine Steigerung schlechterdings nicht mehr zuläßt. Wir haben über diese Gemeinheiten hier bisher geschwiegen; aus vielen Gründen: der „Fall Weiß“, der in Wirklichkeit ein „Fall deutschvölkische Kulturbarbarei“ ist, ist aus der allgemeinen Tagespresse bekannt, auch fällt er nicht in das besondere Gebiet der jüdisch-liberalen Bewegung. Und vor allem: er ist keine jüdische Angelegenheit.1) Wenn aber jetzt, ähnlich den vorhin erwähnten Bedenken gegeri die Ministerschaft Rathenaus, die | jedes Judenhasses unverdächtige „Frankfurter Zeitung“ schreibt: | „Ob es andererseits richtig ist, in!dieser Zeit, wo die Polizei täglich politisch dreinschlagen muß, einen beim Gegner besonders verhaßten | jüdischen Vizepräsidenten zu haben, ist eine andere Frage, die man sich früher hätte überlegen müssen. . , etwaige vermeidbare Angriffsflächen müssen J beseitigt werden“, so kann dagegen nicht scharf genug protestiert werden. Diese Auffassung gibt den Terror des Pöbels frei: jeder Mißliebige wird so lange angefeindet, verdächtigt und bespien, bis man in seinem Vorhandensein eine „vermeidbare Angriffsfläche“ sieht, die „beseitigt werden muß“. Ein Jude könnte schließlich in Deutschland überhaupt nichts mehr werden, und die „Frankfurter Zeitung“ weiß nicht, daß sie da etwas sehr Böses gesagt-1 und; der braunen Haßflut alle Schleusen geöffnet hat. Deshalb freut es uns ganz besonders,}daß die Führer der Staatspartei und der Sozialdemokratie, die wir; *) Alle diese — vor dem 20. Juli niedergeschriebenen und zur Druckerei gegebenen — Bemerkungen beziehen sieb auf die von den Nationalsozialisten gegen Dr. Weiß in Presse iind Parlament, betriebene Hetze; sie sind keine Kritik an den in Ausführung der Verordnung des Reichspräsidenten und unter dem militärischen Ausnahmezustand erfolgten amtlichen Handlungen. - - dann steht ihnen ja jederzeit frei, Deutschland zu verlassen und nach Palästina oder irgendeinem' änderen Land auszuwandern. Schließlich können sie ja auch ihre Briefe hebräisch abfassenl Solange sie sich aber} in Deutschland befinden und deutsch schreiben, haben sie sich auch deutschen . Vorschriften und Gebräuchen zu fügen! 1 Etwas anderes gibt es'nicht! Deutsche Geschäftshäuser müßten nur solche im 'jüdisch-deutsch gehaltenen Briefe, Rechnungen usw. gar nicht beachten oder zurücksenden! (Aufträge auch?) Ein einfaches, aber bestimmt sehr wirkungsvolles Verfahren! 1! | Schließlich zeigt uns aber auch diese Angelegenheit ,W;ie Juda arbeitet und wie ernst es steht um unsere deutsche Sache. Wir Imüssen mächtig auf der Hut sein, wenn wir’ verhindern wollen, daß die Juden ihre Ziele verwirklichen, und dem deutschen - Volke seine wertvollsten Kulturgüter rauben, das reine deutsche Volkstum zerstören!“! Na, das war doch mal ein kraftgeladener Bursche, hei! Macht sich erst eine „Verletzung des Deutschtums“ zurecht denkt sich dann die zugehörigen Gegner aus und kann schließlich |kaum noch atmen vor Mitgerissenheit! Beim ersten Lesen hätte ich beinahe selbst mitgekeucht Das Schönste aber war . für mich die Erkenntnis, daß die nationalsozialistischen Artikelschreiber ihre besten Parodisten doch immer noch übertreffen. Wie dachte Gustav Freytag über den Antisemitismus? Von Max Goldschmidt, Berlin. Mit besonderer Vorliebe werden von den Judengegnern die Aussprüche und Werke bedeutender Dichter und Schriftstel er zitiert um deren angebliche antisemitische Gesinnung aufzuzeigen. Durch ein derartiges Verfahren soll' der hetzerischen Propaganda ein besonderes Relief verliehen und derj Anschein von einer Berechtigung antisemitischer Angriffe erweckt werden. | Dip Meinung, daß Gustav Freytag Antisemit gewesen sei, ist jheute noch in weitesten Kreisen verbreitet weil er in seinem Roman „Soll und Haben“ die Gestalt Veitei Itzigs in unerfreulicher Weise gezeichnet hat. Der Roman wird in höheren Lehranstalten im - Unterricht gelesen- undnach der