Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-06-01 · 5 (1.6.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
5 (1.6.1932)
Date
1932-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613456-2613460--4164-2615817
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Von unserer Geschichte Stolz und Ruhm, j Die Zeitung führt versöhnend zu der festen : | Verschmelzung: j Menschentum und Judentum.' j Die Zeitung spricht uns von den Brüdern draußen, Zerstreut und doch daheim in aller Welt, Die innerlich:—iwenn auch getrennt nach auBen f— Das Band. des Judeseins zusammenhält.! Die Zeitung will die Menschen uns.verraten.« Die hilfsbereit die Not des Nächsten'stillen: , i Ein Vorbild sollen ihre guten Taten Den andern sein, die nur von gutem Willen! : Die Zeitung wird in unerschrocknem Streit? Mit Gegnern man aus eignen Reihen sehen, ' Die an dem Wert und an der Lauterkeit , ' Des liberalen Geistes sich vergehen. ■ Und drohen äußre Feinde uns zu rauben K ,j Den Lebensmut durch blinden Hasses Wolke, Dann ruit das Blatt in; felsenfestem Glauben: „Der Feinde Wut zerbricht am Gottesvolke!" . Die Zeitung huldigt auch dem Wahren, Schönen, Sie lenkt auf Wissenschaft und Kunst den Blick, Und zeigt, daß. schöpferisch in Wort und Tönen Die Juden groß sind, nicht nur in Kritik. ~ Die Zeitung fühlt ln sich die hohe Sendung, Das. liberale Feuer stets zu schüren. Die"freien Menschen‘bei des Weges Wendung Zu neuem Ziel und Ideal zu führen. Und wenn die Zeitung, kämpfend oder still. Erreicht, was sie sich j schrieb auf ihr Panier, Dann ist sie, was sie innig wünscht, und will. Der liberalen Arbeit Pionier! VI Echte und unechte Befriedung der Gemeindearbeit. | - j j; j ’ . Zum letzten Male: Hechaluz. i Selbst wenn die Not von« außen, die politische und' wirtschaftliche Bedrängnis, weniger ernst wäre, würde es notwendig [ sein, der Gemeindearbeit jeden Zwist fernzuhalten, damit die' Gemeinde die ihr obliegenden Aufgaben ungestört durchführen; kann. Heute —: jedes Wort wäre zu schade, (las diese Notwendigkeit erst noch begründen wollte. Jedermann weiß, wie -die Not unsere Aufgaben ins Ungemessene wachsen ließ. Um so betrüblicher, ja verhängnisvoller also ist die Tatsache, daß Preußischer Landesverband und Berliner Gemeinde während der letzten Monate den Schauplatz von Kämpfen bildeten, die jede Arbeit lahmlegten, die die Erfüllung der von Landesverband und Gemeinde zu vollbringenden Leistungen gefährdeten und die . . . und die, das muß gesagt werden, sich dennoch nicht vermeiden; lassen, nur daß sie an gänzlich anderen Stellen ausgejochten werden müssen! „Unter den heutigen Verhältnissen geht cs nicht an,, die innerjüdischen Gegensätze allzu , sehr auf die Spitze zu treiben“ — das ist, mit Erlaubnis zu sagen, ein großer Quatsch. Diese Gegensätze sind da, und „sie nichtauf die Spitze treiben“ heißt immer, daß der eine «Teil seine (zionistischen) Grundsätze durchsetzt, der andere aber; in „liberalen : Weise nachgibt. Nun, so Blau sind wir nicht Dennoch:! es gibt eine echte Befriedung bei beiderseitiger Wahrung der Grundsätze. Die allgemeinen Angaben .darüber sind in der KI ee m a nn sehen Formulierung von der „Ausschaltung alles Trennenden und Beschränkung auf das. allen Gemeinsame“"enthalten. Wie tlas aber in! der Praxis-gemacht werden muß, dafür ist die Heclia- Iuz-Angelegenheit ein höchst lehrreiches Beispiel. ' j , I;!; - ■, ■.; i. Nach den Satzungen des deutschen Landesverbandes Hechaluz hat dieser; folgende Zwecke (§ 3): . j; - a) die berufliche: und geistige. Vorbereitung für Palästina:; b) die Organisierung der Alijah (Üebersiedlung nach Pälä- : stina) seiner Mitglieder. „ j : : Mitglied kann werden, wer einige fachliche und wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllt, -sich zu gewissen sozialistischen i Grundsätzen bekennt und, wie es dann weiter heißt (§'5): [ I sich in die'hebräische Arbeitskultur einordrien will.; -i ■Können wir ‘ Liberalen für derartige Zwecke Gelder bej willigen? Nein. Dürfen wir dje aus Steuergeldern aufgebrachi ten Mittel; der Gemeinden und Landesverbände für Subven- | tionen an ein reines Parteigebilde mit außerdeutschen Zielen , in Anspruch nehmen? Nein und abermals nein. Taten wir recht, als wir in der Berliner Gemeinde und im Preußenverband diese Subventionen ablehnten? Ja und nochmals ja. i! II. Nun wird gesagt,,vom Preußenverband habe der Hechaluz ■ früher alljährlich seine Subvention bekommen. Dazu stellen wir fest, daß das in"dieser Form nicht zutrifft,,daß vielmehr Im . Etat des Landesverbandes niemals ein besonderer Posten für Hechaluz ausgeworfen j war. Nur ganz allgemein war , j für die Zwecke beruflicher, insbesondere landwirtschaftlicher; Ausbildung , Umlage mit ihren iür die gesamtdeutsche. Judenheit ruinösen Folgen, das ist unsern Lesern nur zu bekannt; : VIII. Bekannt ist aber auch |ferner, daß es der Initiative der liberalen Führer während der letzten Wochen gelungen ist, die durch die Haltung der Zionisten verursachten Schädigungen wieder gutzumachen. Der von unserem Parteifreunde Bruno Woyda verfaßten Einigungsformel wurde zunächst in den privaten interfraktionellen Besprechungen von den Zionisten zugestimmt; isie wurde dann am 22. Mai auf der Frankfurter Tagung des Engeren Rates und am 25, Mai in Berlin vom Ständigen Ausschuß zum Beschluß erhoben, und am 19. Juni wird der; Große Rat diesem Beschluß beitreten. Die Formel lautet:! , Der Organisation! Hechaluz wird auf ihren Antrag für die Berufsausbildung von Mitgliedern, für die ein . Zuschuß erforderlich [ist, ein angemessener Betrag (für die Berliner Gemeinde heißt es an dieser Stelle: „ein Jahresbeitrag von 2400 RM.“) bewilligt. '! ix. Das ist in der Tat e cli te Befriedung. Hieß es in der Formel des Haushaltsausschusses: c „als wirtschaftliche Beihilfe für in der Berufsausbildung stehende Jugendliche“, so Jieißt es jetzt: j „für die Berufsausbildung von-Mitgliedern, für die ein Zuschuß erforderlich ist“, in beiden Fällen ist also nur für die Berufsausbildung unterstützungsbedürftiger Menschen, ohne Ansehen der. Partei, Geld bewilligt worden, diejUnterstützung einer Partei aber' oder einer parteigebundenen' Organisation ist abgelehnt worden. Das Trennende, die Parteitendenz, wurde ausgeschaltet; das Gemeinsame, die Förderung lebendiger Menschen, wurde getan. Fern von dem blauen Dunste des, Gesinnung und Anschauung hintansetzenden [Einigungsfimmels und unter Ausschaltung aller unberufenen „Frfedensvermittler“ — schufen unsere liberalen Führer, beseelt von echtem Einigungsstreben den echten Frieden, bei dem nicht um Haaresbreite von den liberalen Grundsätzen. äbgewichen wurde. ' I ■ ■I X.; Der natürliche Kampfl der Meinungen, der Wettbewerb einander ausschließender Weltanschauungen, wie Liberalismus und Zionismus, religiöses (und nationales Judentum es sind, geht weiter. Unvermindert Aber außerhalb der Gemeindestuben. Wird er durch den veränderten Schauplatz ‘auf ein höheres Niveau erhoben, so wäre nicht nur den Gemeinden und Verbänden geholfen, [sondern dem notwendigen Kampfe wären die nicht notwendigen unwürdigen Formen genommen. Und auch das wäre zum Segen. p j ueorge uoetz. ' „Ein Ruf zur Sammlung.” Berliner Gemeindeabend. . eine größere- Summe vorgesehen, die der Rat an die einzelnen Organisationen verteilte, unter denen sich auch Hechaluz befand, i j; III. ' ■ j . Diese Praxis sollte nach dem Willen der Liberalen auch[ jetzt beibehalteu werden. — Die Zionisten aber verlangten,' daß nicht eine Gesamtsumme für Berufsausbildung genannt, sondernj daß der Hechaluz namentlich aufgeführt und;miteiner“ besonder^ Summe bedacht werde. | : n ■; IV. j- Die Liberalen wollten und durften hierauf nicht eingehen. Gründe: siehe unter I. Nicht für die zionistischen Zwecke des Hechaluz [sollte Geld gegeben werden, sondern bedürftige, in der- Berufsausbildung begriffene Menschen wollte manunterstützen. Hierbei kam es dann nicht darauf an,' ob | der ■ Einzelne Zionist sei oder nicht; man trieb keine Gesinnungsschnüffelei, und. außerdem —; wer will sagen, ob nicht 'mancher'- Chaluz sein Leben lang in Deutschland bleibt und manch Ahlemer Schüler nach Palästina geht!- - . V. ] Keinen Pfennig für die propagandistischen und administrativen Zwecke des zionistischen Vereins Hechaluz — darauf kam es uns an. Deshalb konnte auch ' j keine sogenannte „Anerkennungsprämie“ j bewilligt werden, und sei sie noch so klein. Wir wollten,;wir durften nicht anerkennen, was wir ablehnen! . j Mein sch eil wollten wir unterstützen. Deshalb einigten wir uns im Haüshaltsausschuß nach unendlichen [Ver—’ handlungen auf folgende Formel: ■ Der Wohlfahrtsausschuß wird beauftragt auf I An- . trag der Organisation Hechaluz als wirtschaftliche [Beihilfe für in der Berufsausbildung stehende Jugendliche -—r unbeschadet der löblichen Prüfung — angemessene . Beträge zu bewilligen. .. [" N ■ •■! -I- VIL - ■ V '• ■ Mab hätte glauben sollen, mit dieser Formel wäre beiden Teilen!, geholfen. Die Liberalen hatten keine Gelder für zionistische Zwecke-bewilligt [und die Zionisten hatten die j Gewähr,;daß die Mitglieder des Hechaluz nach wir vor unterstützt wurden. — Aber weit gefehlt: im Plenum war’s plötzlich ganz anders als lim Haushaltsausschuß. Hatten hier die Vertreter der Volkspartei einmütig zugestimmt, so redeten im Plenum- Kollenscher und Blumenfeld emphatisch von „Gleichberechtigung der-P a r t e i e n. der Richtungen“ und lehnten ab.'— Was dann kam, die Niederstimmung der Notstands- Am 18. Mai veranstaltete die Berliner Jüdische Gemeinde im Saalbau Friedrichshain einen .Gemeindeabend mit dem Thema: „Der Weg der Gemeinde. Ein Ruf zur Sammlung“, der überaus gut besucht War.! Als erster Redner nahm Herr Wilhelm G r a e t z, Mitglied des Gemeindevorstandes und Finanzdezernent, das Wort. Er sprach von der Notwendigkeit, auch in dieser Notzeit auf-, bauende Arbeit zu leisten. Es sei durchaus nicht etwa so, daß ein Finanzdezernent nur abzubauen habe, ihm liege vielmehr auch die Pflicht ob, konstruktive Aufbaumöglichkeiten zu suchen. Die Gemeinde sei bemüht, auf dem Gebiete der Jugendfürsorge aufbauend tätig zu sein. Hierzu gehört die Schaffung von Erwerbslosenheimen und die Vorbereitung aller Maßnahmen, durch welche der Jugend die Ueberwindung der gegenwärtigen Krise ermöglicht werden könne. Zum Problem der Berufsumschichtung betonte der Redner, daß es keinen Sinn habe, in diesem oder jenem Berufe nach letzten Unterbringungsmöglichkeiten für Stellungsuchende zu fahnden, wesentlich sei vielmehr eine Berufsumschichtung nach grundsätzlichen Gesichtspunkten., Die heute noch bei vielen Juden vorhandene Abneigung gegen das Handwerk müsse überwunden werden. Z. B. beschränke sich die Tätigkeit des „ORT“ nicht auf den Osten, vielmehr bestehen in Deutschland selbst auszunutzende Arbeitsmöglichkeiten. Wilhelm Graetz schloß mit einem warmen Appell zu Einheit, und Einigkeit. | Als zweiter Redner | ergriff der Vorsitzende des Wohlfahrtsamtes, Direktor Heinrich Stahl, das Wort Er sprach von der Notwendigkeit, die Tätigkeit des Arbeitsnachweises durch Zuweisung freier Stellen zu stärken und von der Dringlichkeitidie Fürsorge für; die Jugend nach allen Möglichkeiten auszubauen. In besonder^ eindringlicher Weise ging der Redner auf die antijüdische wirtschaftliche Boykottbewegung ein. An zahlreichen Beispielen konnte: Cr zeigen, auf wie vielen verschiedenen Wegen diese Bewegung ihr Ziel zu erreichen versucht und wie unter [ Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen die Boykattbewegung zum Schaden der [Juden betrieben werde. ' [ Die Ansprache des letzten Redners, Moritz Rosenthal, Mitglied des Gemeindevorstandes, gipfelte in einem Aufruf zu Einheit , tjnd Einigkeit.; Alles Arbeiten in der Gemeinde müsse beherrscht sein von dem Prinzip, daß - die Arbeit allen zugute I kommen müsse: sie müsse beseelt sein von dem Gedanken! der! Gemeinsamkeit und. der Gesamtheit. Die. Redner fänden mit ihren Ansprachen den lebhaften Beifall der Versammlung. I; I j Gesänge der 'Oberkantoren Gollanin, John, Lewa ndowsky und Neumamn umrahmten die hervorragend gelungene Veranstaltung,; die wiederum gezeigt hat, welch starkes Interesse jweite Kreise der Gemeindemitglieder der Einrichtung der! Gemeindeabende entgegenbringen. James Simon Unerwartet trifft uns! alle die "Nachricht vom Heimgang unseres Freundes Dr.l James Simon. Es ist nicht möglich, in ■ wenigen Zeilen über diesen Mann, der einer ■ der wenigen ganz großen Juden von Weltgeltung war, Erschöpfendes V.u sagen..Dies muß einem späteren Bericht Vorbehalten bleiben. Diese Zeilen sollen nur für . den Schmerz zeugen, der, uns betroffen hat, und für die Verehrung, die wir dem großen, klugen und gütigen Menschen zollen, der von uns gerufen ist. Die Menschheit ist mit dem Tode von Dr. James Simon ärmer geworden; wir aber haben einen der Männer verloren, auf die wir zeigen durften, wenn wir die .Verkörperung jüdischen Wesens der Welt auftun wollten. Man wird in den Zeitungen viel davon lesen, was er [Wirtschaftlich geleistet und was er der Kunst gegeben hat. Hier dürfen wir mit Stolz davon sprechen, daß er über den allgemeinen Fragen, j mit denen er! sich beschäftigte, seines Judentums nie vergaß. Was er mit Pau 1 N ath an | zusammen als Vorsitzender des Hilfsvereins der deutschen Juden geleistet hat, gehört der jüdischen -Geschichte an. Seit 30 Jahren hat es keine jüdische Not inner- und außerhalb Europas gegeben, in die er nicht an führender Stelle eingfiff. [Dieser ruhige, sehr nüchtern und klar wägende Kopf war verbunden mit einem Herzen von, unerschöpflicher Güte; Ihm lag das Schicksal der einzelnen ebenso am Herzen wie die Not der jüdischen Massen im- Osten. Er ist nicht nur für die Hebung wirtschaftlichen Tiefstandes eingetreten, sondern. er hat auch, gewußt, daß die Juden nicht leben können ohne, geistige Arbeit. Darum war es ihm nicht nur um die materielle Hebung der Juden in Rußland, Rumänien und Polen zu tun, sondern auch um ihre geistige Fortentwicklung! Als der große Menschenfreund Haffkine starb'und sein Vermögen für die Thorah-Schulen im Osten verwertet wissen wollte, setzte er den Hilfsverein zum Vollstrecker seines Willens ein, weil er wußte, daß dieser in Dr, James Simon einen Führer hatte, der wie keiner nach dem Heimgang Nathans die Seele und die Bedürfnisse der Aermsten unter den ajrmen Juden kannte. . Im Vorjahr befiel ihn eine schwere Krankheit Man zitterte,[um das Leben des alten Mannes, aber er konnte sich noch I einmal voll erholen und die ihm liebgewordehe Führung des Hilfsvereins wieder in die Hand nehmen. Werihn den langen Sitzungen des [Ausschusses des Hilfsvereins präsidieren sah, war erstaunt übep die majestätische Klarheit, die sich der Achtzigjährige bewahrt hatte, und über das Verständnis, das er auch der modernsten' Entwicklung sozialer Arbeit entgegenbraqhteJ I Hier müssen wir auch der tiefen Tragik gedenken, die über seinen letzten [ Jahren schwebte. Das Werk seines Lebens,! das Erbe seiner Väter, das große weltberühmte Geschäft, brach zusammen. Er aber brach nicht zusammen, sondern "zog mutig und (stolz, die Folgerung aus der veränderten Wirtschaftslage. Was mag es für ihn bedeutet haben, als er sein; in | einem halben Jahrhundert aufgebautes Heim verließ, als Cr -sich von ihm liebgewordenen Kunstschätzen trennen mußte! [ Mit der Würde des wahren Weisen hat er seine Gefühle vor der Welt [verborgen; Arbeit und Pflicht haben ihp über die schwersten Stunden hinwegerhoben. Tn [unserer Bewegung hat er naturgemäß namentlich in den [letzten Jahren| nicht aktiv mitarbeiten können, aber er war im Grunde seines Herzens ein überzeugter liberaler Jude. Als es [bei der letzfen Gemeindewahl in Berlin um das Ganze ging und man erkannte,! daß hier in Berlin um das Schicksal der deutschen Juden gerungen wurde, zögerte er nicht, seinen Namen! auf die Liste der, liberalen Repräsentanten-Kandidaten zu setzen. Mit ihm1 schloß diese Liste ab als mit einem vollen Akkord; sein Name bürgte dafür, daß das deutsche .liberale Judentum auch von. den [besten Söhnen unserer Gemeinschaft, noch als ihr Judentum angesehen wird. Ein Großer in Israel ist von uns gegangen. Solange es ein deutsches Judentum gibt, wird man James Simon als einen seiner größten Söhne verehrungsvoll im Herzen tragen. [ Heinrich* * S t e rn. £in Auslattdsudeil Mec die »Jüdisch-Mecale ZxÜtuu}« Wir erhalten folgende Zuschriftaus Mukacevo (Tschechoslowakei): . . da mir Ihr; Blatt ein Seelenbedürfnis ist. Wäre sehr erwünscht, daß die einzige liberale Zeitung beim jüdischen | Lesepublikum ein größeres Verständnis und intensivere- Förderung finden möge. . J. P. Dr. Max Ginsberg 60 Jahre. \ Ein geistvoller Mahn hat einmal auf einen Glückwunsch geantwortet: „Sechzig Jahre alt werden — das ist kein Verdienst!“ Richtig;!aber;für uns andere ist es eine willkommene Gelegenheit, diel in diesen sechzig Lebensjahren erworbenen Verdienste zu rühmen, zumal der Jubilar, den wir uns diesmal zum Ziel nehmen müssen, alle seine guten Werke so sehr in der; seinem ganzen Wesen gemäßen -Zurückgezogenheit übt, sich so selten herausstellt, daß man! wirklich kaum je die Möglichkeit findet, von ihm zu reden. Und doch gibt es viel von: ihm zu reden; unddoch ist dieses „nicht von sich reden machen“ nicht etwa gleich bedeutend mit „sich verstecken“, da Dr. Ginsberg niemals Bedenken getragen hat, sich nach vom zu stellen; wennr es nötig war. Schon in sehr jungen Jahren trat er mit größter -Entschiedenheit für den Fortschritt auchauf religiösem Gebiet und für das ein, was vielfach mit nicht ganz einwandfreier Bezeichnung die „Synthese von Deutschtum und Judentum“ genannt wird. «So zog er — als der an Lebensjahren jüngste Repräsentant, den die Berliner Gemeinde je gewählt hat — in' den Kuppelsaal der Oranienburger Straße [ein, blieb zwanzig Jahre hindurch Mitglied dieser hohen Versammlung und war fast ebenso lange der Führer der liberalen Fraktion. Aber noch vor drei Jahren, als' er längst seine gemeindepolitische Tätigkeit zugunsten humanitärer Arbeit aufgegeben hatte, trat er als der alte Kämpfer wieder hervor, als er sich an die Spitze jenes „Aktionsausschusses der deutschen Juden“ stellte, der namens der überwiegenden Mehrzahl der deutschen Juden einer besonders unheilvollen [ zionistischen Veröffentlichung entgegentrat Auch in den Gemeindewahlkampf des Jahres 1930 hat Dr. Ginsberg aktiv eingegriffen; aber den größten Teil seiner Arbeitskraft wendet er seit vielen Jahren humanitären Dingen zu. Die Ehrenämter! die er im Vorstände, des Pankower Waisenhauses und iti der Stiftungskommission des Krankenhauses ' bekleidet übt| er mit größter Liebe -.aus. Bekannt ist daß er selber [außerordentlich wohltätig ist Was man aber am meisten rühmen muß, ist, daß er nicht nur mit Arbeit und eigener Tat, sondern [ auch mit schöpferischen Ideen hilft-Als Vorsitzender der Zentrale für jüdische Armenwanderfürsorge! und des jüdischen Arbeitsamtes hat er nach Berliner Muster in änderen Gemeinden die gleichen Stellen ins Leben gerufen. Auch die jüdische Bibliothek und Lesehalle, die später von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.