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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-05-01 · 3 (1.5.1932) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
3 (1.5.1932)
Date
1932-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 vergleichsweise, 'gewählten Wortes „Kaiser" — aucli er soll! janach Friedrichs .Wort pur der j Diener, wenn auch der i Diener Nr. 1, des Staates sein — also ich bitte, statt „Kaiser" j das; Wort-gRegierung“ zu. setzen, und sofort weiß man, was der Vorstand zu sein hat: die Exekutive der Mehrheitsparteien,! Gewiß mit aller Selbständigkeit, jdie einer, der „regieren“ soll, in den Einzelheiten beanspruchen'muß; gewiß sogar mit der Aufgabe, die Richtlinien der Politik) anzugeben und bei Auii Stellung und Durchführung des | Programms die Initiative zu i ergreifen. Aber doch immer im Zusammenhang'mit den jeweils die Mehrheit bildenden Regierungsparteien; deren. Ver- | trauen allein die 'Regierung trägt. : Es ist aber von alledem ein Punkt in unsern jüdischen Gemeinden grundlegend anders als in der hohen Politik^ Zwar i is< der Vorstand auch Exekutive, ausfübrerides Organ, aber - im Gegensatz-zu dem Brauch injder Politik, werden auch Ver-! treter der Minderheit, der Opposition, in den Gemeindevorstand gewählt. Die Frage, ob) das zweckmäßig ist, ist oft! genug erörtert worden. Als der Zionismus noch eine; junge,; aufstrebende Bewegung;war, da wollte er natürlich,.nachdem i ihm gelungen war, seihe/Vertreter iii die Repräsentanz wählen; zu lassen, nun auch in das Vorstandszimmer eihdringe'n; das galt ihm . als Eroberung und Sieg, auch wenn er zunächst in! der Minderlieit blieb. Aber auch die Liberalen entsandten, als in Berlin vorübergehend die Zionisten im Hunde mit; anderen Parteien an die Herrschaft'gelangt waren, ihre Ver-; treter in den Vorstand. Sic begründeten das damit, daß sic sonst über die Vorgänge nicht unterrichtet wären, und daß sie : auch mancherlei verhindern, also. gewissermaßen 'eine reguj lierende Tätigkeit gegenüber sonst allzu einseitig zionistischer Vorstandspolitik ausüben könnten. Mit ähnlichen Argumenten operieren jetzt, unter der wieder errichteten liberalen.’Mehr-; heit, auch die zionistischen Vorstandsmitglieder, und, es ist i allmählich üblich geworden, -daß in . denjenigen Verwaltungs- ■ fragen,: die nur auf weltanschaulicher Grundlage entschieden ‘werden können, nicht — wie früher — eine einheitliche Vorj Stands-Erklärung abgegeben wird, sondern daß nach dein Ver-! treter der Vorstands-Mehrheit lein Vertreter ' der Minderheit I deren abweichende Ansicht öffentlich zum Ausdruck bringt; Es liegt auf rflr"Hand, daß diese! Verhältnisse dem!Wesen .,eines Exekutivorgäns nicht entsprechen. Von Einsichtigen. j aller Parteien ist daher stets nachdrücklich der Bruch mit; diesem Brauch und eine Anpassung an die. in der allgemeinen - Politik bestehenden Grundsätze! über Parlament und Regierrtmgsbildung gefordert worden.' [Bin ,ich reciit unterrichtet, so; wurde diese, Forderung auch in) dieser Zeitung erhoben, und! zwar gerade in; der Zeit, als unsere liberalen Vorsteher; Minderheit und Optiosition waren. Die Frage mag aber für! 'heute unentschieden bleiben, denn es ist wohl in erster Linie Sache der Zionisten, wie sie sich mit ihrer Miiiderheitsstellung im Vorstande abfinden. i Gerade.aber, wenn, man an \ dem bisherigen Zustande zur Zeit nichts ändern will, tritt die|andere Frage, um so mehr in den Vordergrund.; Wie die Beschlüsse des aus den verschiedenen Parteien zusammengesetzten Parlaments stets, Kompromißlösungen darstellen, so drohen auch die-Beschlüsse der Exekutive Kompromisse zu werden, sobald in dieser Exekutive die gleichen vielen Parteien! vertreten sind wie ini Parlament Die Vertreter der Minderheit,! das wurde oben 1 gesagt, wollen „verhindern"; das können sie aber nur, wenn die Ver- ■ treter der Mehrheit „Umfallen".-Fallen aber die Vertreter der Mehrheit iuni, so' ist aus dem gerade!zur Entscheidung ^stellenden Gegenstand, der soeben noch ein Streitobjekt zwischen -den! Parteien war, ein. Streitobjekt in der Partei geworden, in der Mehrlieitspartei'matürlicli. Ebenso gibt es einen Streit in-der Minderheitspartei, wenn deren Vorstandsmitglieder sich der Vorstandsmehrheit fügen mußten. Während aber die Vertreter der Minderheit meistens; sagen können, sie seieii überstimmt worden, rechtfertigen sich die Vertreter der Mehrheit. sicher in jedem Einzelfalle für ihren „Umfaß“ ihre sehr /ehrenhaften Gründe gehabt haben mögeii^ meist damit, sie .■seien an' die Beschlüsse der Fraktion nicht gebunden, seien -lediglich ihrem Gewissen verantwortlich usw. Im Affekt fällt- dann von' diesen Herren vielleicht .sogar der 'Ausdruck, sie seien nicht die.Lakaien der Fraktion. j. Nun, ein „Lakai“ ist auch der Minister nicht, der,! sobald er; nicht mehr im Einklang mit den Grundsätzen seiner Fraktion |zu regieren vermag, sein Portefeuille zur Verfügung stellt, ^.ber . wir wollen -hier gar nicht gleich von der ultjina ratio ' r/Amtsniederlegüng sprechen,' welche bei uns in deniselten- Fällen oder wohl fast nie gewünscht wird. Was dagegen -....endig ist, ist die Klarstellung des Verhältnisses zwischen der Fraktion und den Vorstehern! ihres Vertrauens. Da ist zu ‘Sagen, uSd wurde eingangs schon, gesagt, daß die Vorsteher. ..ein . Amt befcJeiden. das mir. bei weiigesteckter Selbständigkeit ausgtübt werden;.kann. Gerade in'unserer Zeit erfordert das Vorsteheramt persönliche Opfer an Zeit und Kraft, die der Vorsteher; nur dann auf sich nehmen wird, wenn er; sicher ist. nicht wegen " jeder Einzelheit Rechenschaft ablegen zu müssen. Der Kreis der Persönlichkeiten, die derartige Aenitcr 'auf sich nehmen können und wollen, wird ohnehin /immer' . enger; da wird eine gut disziplinierte Fraktion ihr Vertrauen picht nur ausspreclieu. sondern auch betätigen müssen, selbst wenn diese oder jene Entscheidung: der von, ihr; gewählten Gemeindevorsteher ihr nicht gefällt. Andererseits aber darf der;Vorsteher nicht vergessen, daß Vertrauen gegen Veriraueh steht; es gibtrfFragen grundsätzlicher Art; es gibt Forderungen, die einen Programmpunkt der- Partei gebildet haben, als die Wahl vollzogen wurde.IAuf Grund dieser! gruiid-; Nützlichen Programmpunkfe ist die Fraktion von der; Partei gewählt worden: sie, die Fraktion, ist ihren Wählern liir die Durchführung verantwortlich und darf nicht zulassen, daß die von ihr gewählten Vorsteher die Durchführung dieser,Forderungen hindert} oder auch nur unterlassen. Es ist also ganzklar; daß in prinzipiellen Angelegenheiten die Fraktion den Vorstehern gegenüber nicht nachgiebig sein d a r f. Undtebenso ist auch klar,-daß die Vorsteher dann nicht gegen den.Willen der Fraktion handeln dürfen. Sic können sich nicht .darauf berufen, daß sie. nicht Mitglieder i der Fraktion seien. ) Wenn .auch nicht ordentliche, so sind sie doch außerordentliche FraktTonsnütglieder. werden zti allen: Sitzungen der Fraktion .eingeladen, bei allen Angelegenheiten -hinzugezogen. Meistens sind sie auch ordentliche Fraktionsmitgliedcr gewesen, bevor sie!von der Fraktion zu Vorstehern erhoben wurden,, würden also Mitglieder der Fraktion sein, wenn diese sjc nicht zu Vorstehern gemacht hätte: und die'meisten von ihneii. haben wohl auch; als sie noch kandidierten, jWahlreden gehalten und sich darin auf das gleiche Programm icstgelegt. für das nttu die Fraktionden (Wählern verantwortlich ist. In Berlin ist der . jetzige Vorsitzende des Vorstandes sogar als Spitzenkandidat für das Programm seiner Partei öffentlich aufgetreten1. Aber selbst diejenigen Vorsteher, die „von der Seite kamen“, also nicht als Repräsentanten aufgestellt waren, sind doch Von der Fraktion in1 den Gemeindevorstand gewählt worden und würden ohne diese: Wahl -ihr Amt nicht imtehaben; sie dürfen also in diesem Amte niemals Entscheidungen treffen, die gegen die Grundsätze' — und nur von Dingen grundsätzlicher Art reden Wir hier — der Partei und Fraktion verstoßen. Viel Tpkt ist auf beiden Seiten nötig. Weder die Fraktion, noch die Vorsteher dürfen den „Vorgesefzte/r-Standpunkt hervorkehren, damit nicht zu dem unvermeidbaren'Streit in der Gemeinde der Streit , im eigenen Lager hinzutrete'und die Beschäftigung mit 'Gemeindeangolegciiheiten vollends unerquicklich mache. Sowohl :dem „Aufsichtsrecht“ der Fraktion, als auch der Freiheit der Vorstandsmitglieder sind Grenzen gezogen. Es schien notwendig, diese Grenzen einmal öffentlich festzulegen, um den Frieden, den wir so nötig brauchen, zu sichern. Fs wäre mir eine große Genugtuung, wenn dieser kleine Ausflug, in das sonst von mir selten aber doch manchmal, bereiste Gebiet der Gemeindepolitik; für mich also schon fast eine Forschungsexpedition, uns diesen Frieden finden ließe. : - i „Neues jüdisches Leben“. Eine Zeitschrift des liberalen Judentums in Holland. Die vor kurzem gegründete Vereinigung für das liberale Judentum iu Holland gibt eine eigene Zeitschrift: „Nieuw Joodsch Lewen“ (Neues Jüdisches Leben) heraus. Die soeben erschienene erste Nummer bringt Aufsätze von Rabbi Dr. J. M a 11 u c k - London, Rabbiner Dr. J. N o r d e n - Elberfeld u. a. in., sowie eine ausführliche Besprechung der deutschen bcligmauii-Haggadafi. •— Wir werden iu Kürze [ausführlich über die junge liberale Bewegung in Holland berichten. Das Redefenster in Breslau. -» Gern und häufig wird im hiesigen| Zionistenorgan und im Nachrichtenblatt einer der neueren Parteien.die Verwaltung und Vertretung der Breslauer Synagogengemeinde als die „Gemeindestube“ bezeichnet, und meistens ist dann von der -i m Gemeindestübcheu -li e r rjs c li e n d e n modrigen S t i c k I u ft u u d der Notwendigkeit frischer Lut t z u i u li r“ die Rede; manchmal auch von der„U eberalterung der Gemeindevertretung, die einei V ü n g u n gs k u.r durch irisches Blut dringend benötige." Das Sitzungszimmer, der Gemeindevertretung liegt im zweiten Stock der Vorderfront' des Gemeindegebäudes.;Da die gegenüberliegende Seite der Wallstraße unbebaut ist, hat man ans den Fenstern einen schönen freien Blick auf die Promenade, den Stadtgraben usw. Ist es da zu verwundern, wenn etwas radikal eingestellte Angehörige der Opposition und der neueren Parteien gern zu so „schön gelegenen F e n s t e r n. li e r a us sp r e cli e n 1“ : Das ist natürlich nur bildlich gemeint und wird ■ aucli oft post iestum, d. h. nach den Sitzungen durch die betreffenden! Parteiblätter, gemacht. Immerhin ist es ganz interessant, diese „F e n s t e r a g i t ation“ der letzten Jahre an einigen Beispielen darzulegen. Sommer 1930! Hohe Hitzegrade bis in die Nacht hinein.1 Gewitterschwüle auch in der Wirtschaft, besonders in den Kreisen der jüdischen Geschäftsleute und Handwerker! Wohlfalirts- und Stützungsausschüsse arbeiten schon seit Monaten angestrengt, um weiterer Geiährdung jüdischer Existenzen vorzybeugen und jüdische Not zu. lindern. Da ibringt die zionistische Fraktion in der letzten üemeindevertretersitzung vor .den Ferien im Juli eine Interpellation über die „jüdische N o t“ ein. („Was der Vorstand dagegen zu tun gedenke" oder so ähnlich war der Wortlaut.) Der referierende Zionist spricht. einige 50 Minuten; davon 12—15 Minuten zur eigentlichen Sache, zu der er nichts Neues sagen kann. Dafür greift er heftig’ W o y d a wegen dessen 'Ansichtsäußerung über die Not der deutschen Juden in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ an. per Rest der Redezeit wird auf das Jan diesem-Abend nicht akute Thema der Beruisumschiclitung der deutschen Juden verwendet: diesen alten Programmpunkt der bösen Assi m i fa n te n. Praktisches Ergebnis! der Interpellation und deren Besprechung gleich Null. Mit)demselben Recht hätte man den Vorstand auch [wegen der allgemeinen Not in 'Deutschland, ja iu ganz. Europa interpellieren können. Doch halt, etwas ereignete sich doch an diesem Abend, das man vielleicht als zeitgescliiclitliclies Dokument des deutschen Judentums anseheu kann: der Vorsitzende der konservativen Fraktion richtete au die Zionisten die Aufforderung, bei der immer noch steigenden großen Not in! der Heimat die Sammlungen für Palästina nun einmal vorläufig zurückzustellen. Ein weiteres Beispiel: Mitte September 1930, kurz vor deil aucli liier fälligen Wahlen zur Gemeindevertretung und zum Preußischen Landesverband: Antrag der zionistischen Fraktion, das Walilreclitsalter von 21 auf 20 Jahre h'erabzusetzen. Dieser Antrag wird gestellt, trotzdem m i t de» zionistischen Stimmen der Rat des Landesverbandes und auch der Berliner Gemeindevorstand die schon vom Plenum des Landesverbandes beschlossene Herabsetzung abgeleimt hatten. Bemerkenswert ist folgendes: von üer aus 4 Mitgliedern bestehenden zionistischen. Fraktion waren nicht einmal alle (ich glaube, nur 2) erschienen. Die Ansicht über das Walilalter hat nichts mit politischer Einstellung zu tun. Im Landesverband haben viele Liberale für Herabsetzung gestimmt. (Wenn man den Antrag ernstlich und nicht nur „zuin Fenster hinaus“ stellte, so mußte mail doch außer manchen; konservativen und liberalen, vor •allem die eigenen Stimmen!vollzählig mobil machen. Doch so ernst war es nicht gemeint,'.man wollte nur der Jugend zeigen, wie stark das Herz der Zionisten für sie schlägt.! . Und weiter: eine der ersten (oder Igar die erste Geschäftssitzung) des Kompromißparlüments!. Der Führer, und Hauptgründer der neuen Mittelpartei interpelliert den Vorstand über folgende -Angelegenheit Ein ständiger Besucher hatte den Antrag gestellt, seinen Sohn bei dessen Barmizwah die Häftarah. nicht nur wie üblich deutsch, sondern aucli hebräisch sagen zti lassen. Der zuständige liberale Kultusausschuß hatte dies .abgelehnt,-um-keine Sonderfälle und Ausnahmen zu schaffen, per Antragsteller hatte die Einsegnung daraufhin in der alten,: konservativen Synagoge stattfinden lassen, was ia doch für beide Teile kein Unglück bedeutete. Afi sicli ein ganz belangloser Vorfall, aber mau will "doch zeigen, daß man gegen den 'Liberalismus kämpft, und redet zum feilster heraus. j Und ganz kürzlich: die1'Einführung einer" Vermögensteuer (für üemeindemitgliedcr. die wegen Mangel än Einkommen . trotz vorhandenem Vermögen! eine Einkommensteuer nicht zahlen) für Gemeindezwecke. Gewiß, am und für sich eine ' soziale Gerechtigkeit gegenüber den Menschen' mit geringem Einkommen und keinem Vermögen. Aber eine Sache, die ungeheuer viel technische Arbeit; mit sich bringt und von der ein verhältnismäßig lohnender Ertrag auch heute noch nicht ieststeht Die. Liberalen! entschließen sich ebenso wie die anderen Parteien (was protokollarisch belegbar) erst nacli langem Ueberlegen dafür.- Im hiesigen Zionistenblatt wird das rinn vom Führer dieser Fraktion so dargestellt, als ob die liberale Partei diesen (immerhin noch fraglichen) sozialen Ausgleich lange Zeit verhindert-hätte. Auch so kann man aus dem „Fenster reden“. Man hat es schon öfters in jener Zeitung getan und dadurch unberechtigte Angriffe gegen das jüdische Wohlfahrtsamt in hiesigen Skandalblättern veranlaßt Auch das Nachrichtenblatt der hiesigen Jüdischen Wirischaftspartei bedient sich gern der „Fensteragitation“. Nach seinen Schilderungen mußte man wirklich oft meinen, daß vor Gründung dieser neuen Partei auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Fürsorge und Linderung der Not von der Gemeinde aus nicht viel geschehen sei. Nachdem aber das Gemeindeblatt und in der letzten Zeit auch die „Breslauer J.-l. Ztg.“ für die nötige Aufklärung gegenüber allen solchen Angriffen gesorgt haben, liat sich der völlig grundlose Entrüstungssturm über angebliche Luxusausgaben auf der einen und Vernachlässigung von Wolilfahrtszwecken auf der anderen Seite gelegt. . Die Sorgen dieser bitterschweren Zeit drängen zu Taten, nicht aber zu Reden-aus den Fenstern der Gemeindestube. Das ist im Augenblick die Stimmung und das Empfinden ui der Breslauer Gemeinde, j Aber mancher besonders demagogisch veranlagte Parteimensch wird seufzend sagen: „Was nützet mir das schönste Fenster, wenn ich nicht daraus redeil kann!“ J. W. Zwei Jubiläen. Eigentlich sind es keine Jubiläen, sondern bei jedem der beiden Freunde, deren wir heute’ zu gedenken haben, der 50. Geburtstag. Bei beiden auch'handelt, es sich um liberale Rabbiner, die in der Bewegung des liberalen Judentums nicht unbekannt sind. ■ -; Rabbiner Dr. Felix (joldinann (Leipzig) ist vor kurzer Zeit 50 Jahre alt geworden und nicht nur von seiner Gemeinde, sondern auch von der ganzen jüdischen Presse geieiert worden. Die Organisationen des liberalen Judentums, haben allen Anlaß, seiner, zu gedenken, denn in den Jahren des Beginns seiner Laufbahn, hat Felix Goldmann in deil vordersten Reihen der Bewegung gestanden. Von Oppeln aus, seinem damaligen Rabbinaissitz, hat er die ganze jüdisch-liberale Jugend Schlesiens organisiert, insbesondere auch diejenige in Breslau,! und manche von denen, die heute als reife Männer liberale Führer ihrer Gemeinde sind, waren einst seine Schüler und sind durcli ihn inden „Jli" und damit iu die liberale Bewegung des. Judentums gelangt. Auch auf der Posener Richtlinien-Taguiig ist Goldmuim stark liervorgetreten. Er gehört zu denjenigen Rabbinern, die nicht nur das religiöse Element des; liberalen Judentums^ betonen, sondern bei denen jüdisch-religiöse "und jüdisch-politische Anschauung eine Einheit bilden. Mit seiner Schrift: ,/Zionismus und Atheismus. Liberalismus und Religion", erstmalig in Dr. Sei igman ns Monatsschrift „Liberales Judentum" veröffentlicht, hat üoldmanii aufgezeigt, daß es gerade der iciigiöse Universalismus ist. aus dem heraus das liberale Judentum zu seiner politischen, den Zionismus ablehnenden Haltung kommt. Innerhalb der religiösen Gruppen vertritt Goldman» den rechten Flügel des Liberalismus und betont stets das Autoritätsprinzip. Aucli um den Centralverein hat er sicli besonders in den Jahren seit Kriegsende hervorragend verdient gemacht. | - . Der Berliner üemeinderabbiner Dr. Max Wiener ist die zweite Persönlichkeit, der wir zu gratulieren haben. Am 22. April vollendete er sein 51). Lebensjahr. Dr. Max Wiener gehört zu jenen vereinzelten Vertretern des liberalen Judentums, die glauben, religiös-liberales mit nationalem Judentum vereinigen zu können. Es war deshalb hier oit erforderlich, mit ihm die Klingen zu kreuzen. Seine Anschauung, daß die Bekenner des Judentums, als von Jakob abstammend, nicht auswechselbar seien, halten wir) für irrig. Doch glauben wir sagen zu dürfen, daß Polemiken gerade mit Dr. Wiener sich stets beiderseits in den vornehmsten Formen und mit gegenseitiger Achtung abgespielt haben. Wir ehren in ihm einen Gelehrten ^’on außergewöhnlicher'wissenschaftlicher. Bildung, einen warmherzigen Seelsorger! und einen Mann, der ohne Scheu das aüsspriclit, was ihn bewegt. Gerade weil auch im imierjiidisclieii Kampf sachliche; Gegnerschaft in den letzten Jahren vielfach zu persönlichen Anfeindungen geführt hat. ist es uns ein Bedürfnis, an dem Verhältnis zwischen De. Wiener und den liberalen .Organisationen aufzuzeigen, daß überall dort, wo Charaktere und Persönlichkeiten vorhanden sind, der Streit der Meinungen auf das Sachliche beschränkt bleibt und mit gegenseitigem Respekt verbunden ist. , Es muß hinzugefügt werden? daß Dr. Wiener in den Angelegenheiten der praktischen Religionsausübung woiil fast immer in echt' liberalem Sinne entscheidet und handelt. Deshalb dürfen wir ihn bei Gelegenheit seines Ehrentages grüßen und beglückwünschen!! i KREDITVEREIN für Handel und Gewerbe e. o. m. b. h. Berlin N 24 Oranienburger Sfralje 3 Am Hackestben Mark* j ■ Reichsbankgirokonfö . Dresdner Bank Genossenschafts-Abteilung K 52 •Bank des Berliner Kassenvereins Postscheckkonto: Berlin Nr. 805 . Fernsprecher: D 2 Weidendamm 0852 Kassenstunden: 9—5 Uhr Die Bank des jüdischen Mittelstandes „ I- ■■ ■ „ ■■ ■ _ -g_■__v» I / _ Kontokorrent- und Scheckverkehr Sparkonten An- und Verkauf von Wertpapieren Vermittlung von Hypotheken und Grundstücken Häuserverwalfung

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