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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-04-15 · 2 (15.4.1932) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
2 (15.4.1932)
Date
1932-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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„Das: Wunder aus Aegypten.”; Hin zeitgemäßes Thema jetzt, vor Peßach. Das Wunder in Aegypten bestand bekanntlich darin, daß die über das ganze Land verhängten Plagen vor den Häusern der Hebräer haltmacliten, Z. B. auch die ägyptische Finsternis galt nicht iür die in Aegypten lebenden Juden. Als fromme Erzählung der. Bibel nehmen wir das gern zur Kenntnis. Anders sieht es freilich aus, will zionistische Verranntheit dieses Ereignis auf die heutige Zeit übertragen.; Peßach .ist ein Fest der Rückerinnerung; es sei daher gestattet nicht nur um'Jahrtausende, von hier nach Aegypten, sondern auch um einige Monate, von Peßach bis Chanukka zurückzudenken. Das fiel im letzten Jahr, wie erinnerlich, auf; den 6. Dezember, also etwa drei Wochen vor das christliche Weihnachtsfest. Die Finsternis der Wirtschaitsriot und Arbeitslosigkeit lastete bereits damals riesengroß auf dem ganzen deutschen Vaterland. Aber man feierte; damals wie heute, seine religiösen Feste; wir Juden, wie gesagt, unser Chanukka drei Wochen vor der christlichen Weihnacht. Ais nun am 24. Dezember das ganze deutsche" Volk seine .Weihnachtskerzen entzündete, blieben also, umgekehrt wie in Aegypten, die Häuser der Juden finster — mit Recht selbstverständlich, denn wir feiern nicht die Feste anderer Religionen. -Welch dankbarer Stoii iür einen deutschvölkischen Journalisten! Es hätte sich etwa schreiben lassen:; „Die ewige Tatsache vollzog sich in unseru Tagen noch einmal; ganz Deutschland erstrahlt im Licht — aber die Juden hausen in der Finsternis!“ ö ä 11 e ein deutschvölkischer Journalist so geschrieben — es hat keiner — bestimmt würden die Zionisten wieder ■großes Geschrei erhoben haben: man sehe doch, wie wir Juden trotz aller „Anbiederungsversuche“ . dem deutschen Volke fremd bleiben und welch demagogischen Schreibereien wir ausgesetzt sind. Und mancher alte Herr hätte zustimmend mit dem Vollbart gewackelt; „So geht es nicht weiter.“; Leider ist aber diese ganze Geschichte nur ausgedacht; kein deutschvölkischer Journalist hat sich zu Weihnachten derartiges einfallen lassen; das blieb vielmehr einer jüdischvölkischen, also zionistischen -Schriftstellerin Vorbehalten: Bertha Badt-S.tr au ß. die drei Wochen vor Weihnachten, also zu Chanukka, in einem vielgelesenen jüdischen Blatt ihren Bericht über eine Chanukk'afeier mit folgendem Ergüsse schloß: „Das Wunder aus Aegypten vollzog sich in unsern Tagen noch einmal: überall Finsternis — aber Licht in den Häusern der Juden!“ Wtinn wir Juden selbst derartiges schreiben, dann ist es natürlich ganz was andres — nicht wahrt. Aber Scherz beiseite: die Gewissenlosigkeit solch zionistischer Journalistik mußte einmal festgestellt werden. Wer aut sojlche Weise die ägyptischen Wunder bejaht: der muß auch den darauffolgenden Auszug bejahen. Und wer in Deutschland nicht ein fluchwürdiges Aegypten, sondern kulturell wie national seine Heimat sieht und liebt, der rückt weit ab von der ägyptischen Finsternis solcher Badt-Strauß- Politik. . —tz. Der Erzbischof von .Köln gegen die Verwilderung der Sitten. Im. Anschluß an .eine Besprechung, die Dr. Heinrich Frank, der -Vorsitzende der Kölner Syn’agogengemeinde und zugleich der Kölner C.-V.-Ortsgruppe, der. Kölner Gemeinderabbiner Dr. R o s e n t h a 1 und der Centralvereinssyndikus Dr. Alfred Wiener (Berlin) mit dem Generalvikar des Erzbistums Köln, Dr.’ David, hatten, richtete Kardinal Schulte, der Erzbischof von Köln, an Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal das nachstehende Schreiben: ' Euer Hochwürden! Von den überaus rohen und Jeder Gesittung hohnsprecheriden Beschimpfungen Ihrer Glaubensgemeinschaft, namentlich von den Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen, worüber Sie meinen Herrn-Generalvikar — da ich verhindert. war — persönlich und nachher noch durch Ueberreichung von gedrucktem Material unterrichteten, habe ich mit tiefstem Bedauern Kenntnis genommen. Ich |tann Ihreinnere Empöning und Entrüstung nur teilen und sehe in diesen Vorkommnissen eine neue ernste Mahnung an alle Gutgesinnten, der zunehmenden Verwilderung der Sitten in. unserem Volke ohne Säumen und mit aller. Energie entgegenzuwirken., | In größter Hochschätzung bin ich Ihr stets ergebenster gcz. Kardinal Schulte. Erzbischof von Köln. Seiner Hochwürden . I^errn Gemcinderabbiner Dr. Rosenthal -in Köln, Roonstraße 50. . -■ Jüdisch-liberale Bestrebungen in Ungarn. I Kürzlich fand in Budapest ein auch von der allgemeinen Presse sehr beachteter Vortrag des bekannten Journalisten Andreas Sös über das Thema „Ewiger Jude, moderner Jude“ statt, dem führende Persönlichkeiten der Pester und derj Ofner Gemeinde beiwohnten. Der Pester Lloyd berichtet hierüber: * 1 Nach den Begrüßungsworten des Obcrregicrungsrates Dr. Ignaz Friedmann erörterte der Gastredner zunächst die Reformkongresse vpn Braunschweig, Frankfurt und Breslau und ging dann zu den . amerikanischen Bewegungen; bzw. den Reformen von New York, und Baltimore über. Er schloß seine Darlegungen mit der Feststellung, daß es auch in Ungarn gewisser Reformen bedürfe, weil nur dadurch die Konflikte zwischen Leben und Glauben beseitigt werden könnten. Nach einer kurzen Debatte, in der Dr. Fried- '. mann, sowie die Rabbiner Dr. Siegmund Groszmann und Dr. Franz Hevesi das Wort ergriffen, wies Oberrabbiner Dr. Arnold Kiss darafif hin, daß die ehrlichen Reformbestrebungen dem Judentum keinen Abbruch tun.! Kleine Nachrichten. - In New York starb der Jüdische Bildhauer1 Professor. Boris Schatz aus Jerusalem, bekannt und berühmt als der Begründer und Schöpfer der Bezalel-Scbule für Kunst und Kunsthandwerk. * \ Der 1. April d. J. war für die Juden Ungarns ein trauriges Jubiläum: am 1. April 1882 verschwand in Tisza-Eszlär das Mädchen Esther SolymosI, und es kam dann zu dem bekannten, in der ganzen Welt Aufsehen erregenden Ritualmordprozeß. Am 9. Mai findet im neu eingeweihten jüdischen Gemeindezentrum Londons die fünfte Konferenz der englisch-jüdischen Prediger und Rabbiner statt. Der Präsident des Rabbinerverbandes .Chiefrabbi Dr* SJ* H. Hertz wird die Konferenz leiten. Referate sind , vorgesehen yon d'Avigdor Goldsmid, Herbert M. Adler u. a. m. Verschiedene-theologische Fragen stehen auf der Tagesordnung, ferner Aussprachen .betreffend psychologische Prüfung einzelner religiöser Differenzen, sowie Ethik der Wohlfahrtsarbeit. Vorgesehen ist eine Aussprache über die Position der jüdischen Geistlichkeit im Vergleich zu der. der christlichen. Versammlungskalender! Berlln-Ober-Nleder-Schönewelde-Johannlsthal. Liberaler Verein iür die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V„ Bezirksgruppe Ober-Nieder-Schöneweide-J«hannisthaL Sonnabend,. 16. April. 20 Jr Uhr, Im „Restaurant am Sternplatz". Johannisthal, Sternplatz 6—7. Es' sprechen:. Dr. Kurt Fl eis cb er über „Die Gemeindeverwaltung und wir!“ und Herr DIpL-Ing. Bruno Woyda über „Warum liberale Bewegung?" Im Anschluß daran geselliges Beisammensein mit musikalischen Darbietungen unter Atltwirkung Von Gerhard Gottschalk, Lilly GoIdstein, Hildegard Casparyu.a.m. Berlin-Süden und Tempelhof. Liberaler Verein iür die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V„ Bezirksgruppen Süden und-Tempelhot. Dienstag, 19. April.. 2014 Uhr pünktlich, lm Restaurant „Wahlstatt“, Berlin SW 61, Belle-AlUance-Str. 89. Versammlung. Es sprechen über das Thema „Kampf und Friede im Judentum“ (Zur Tagung des Preußischen Landesverbandes) die. Herren; DIpL-Ing. Bruno Woyda (MltgL d. Rates d. Preuß. Landesverbandes jüd. Gemeinden), Redakteur Alexander S z a n t o (Abgeordneter des Preuß. Landesverbandes lüd. Gemeinden). Gesangsvorträge von Herrn Dr. Fritz S a 1 o - monski unter Begleitung von Frau Lill Goetz. Gottesdienste Köln. „Die Gemeinschaft.“ PessacMest: Donnerstag, den 21. April abends 8J0 Uhr. Feierstunde im Tempel der Rhelnlandioge. Predigt: „Vom wahren Fffihrertum." (Rabbiner Dr. Gottschalk.) — Samstag, den 23. April, nachmittags 3,30 Uhr. Jugendfeier im Klubraum der Rheinlandloge. Berlin. Berlin-Norden. •' Liberale Synagoge Norden. Schönhauser Allee 162. Freitag. 15. April, abends 7)4 Uhr: Predigt Gemeinde-Rabbiner Dr. Salomonskl. — Sonnabend, 16. April vormittags 10 Uhr: Knabeneinsegnung Rabbiner Dr. Swarsensky. — Mittwoch. 20. ApriL abends 7% Uhr. —'Donnerstag, 21. April vormittags 10 Uhr: Predigt Dr. Swarsensky. — Abends 7/4 Uhr. — Freitag. 22. April abends .7)4 Uhr: Dr. Hlrscbberg. — Sonnabend, <23. April, vormittags 10 Uhr. — Dienstag. 26. April abends 7 )4 Uhr: Predigt L. Mehler. — Mittwoch, 27. April vormittags To Uhr: Predigt L. Mehler. — Mittwoch, 27. April abends 7)4 Uhr: Predigt mit Seelenfeier, Dr. Hlrscbberg, —. Donnerstag, 28. April, vormittags 10 Uhr: Predigt mit Seelenfeier. Rabbiner Dr. Swarsensky. — Freitag. 29. April, abends 7)4 Uhr: Predigt L. Mehler. — Sonnabend.'30. April, vormittags 10 Uhr. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Kalserstr. 30, Aula der Mädchenschule. Freitag. 15. April, abends 7)4 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plottke. — Freitag, 22. April, abends VA Uhrr Predlgt Dr. van der Zyl. — Mittwoch, 27. April abends 7 'A Uhr: Predigt mit Seelenfeier. Rabbiner Dr. Swarsensky. — Freitag, 29. ApriL abends 7 'A Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plottke. Westend. Liberale Synagoge Westend. Leistlkowstr. 7—8, Aula. Freitag. 15. April, abends 7)4 Uhr: Predigt L. Mehler. — Freitag. 22. April, abends 7)4 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. — Freitag, 29. ApriL abends VA Uhr: Predigt Dr. Hirschberg.____ Die Geschäftsstelle der „Liberalen Synagoge Berlin" befindet sich bei Herrn Arthur Zander, NO 55; SUberschmidtweg 25. , - ■ , Jüdische Reformgemeinde. Gottesdienste am Sonntag, 17. April. Johännlsstr. 16, vormittags 10 Uhr: Predigt- Dr. Lehmann. Klelststr. 10. vormittags 10 Uhr: Predigt Dr. JelskL Gottesdienst am Donnerstag,. 21. April, erster Tag Pessach, Johännlsstr. 16. vormittags 10.Uhr: Predigt Dr. JelskL (In der Klelststr. kein Gottesdienst) Gottesdienst am Sonntag. 24. April (Pessach), Johannisstraße 16, vormittags 10 Uhr: Predigt Dr. RosentbaL Kleiststraße 10, vormittags 10 Ubr: Predigt Dr. Lehmann. .Gottesdienst am Mittwoch. 27. April (Pessachende mit Seelenfeier), Johännlsstr. 16, vormittags 10 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. (In der Klelststr. kein Gottesdienst) Gottesdienst am Sonntag, 1. Mal Johännlsstr. 16, vormittags 10 Uhr: Predigt Dr. JelskL Klelststr. 10; vormittags' :iOUhr^PredlgtDnRosenthat^^^^^_^^^^^^^_ ■ Sederabende des Lib. Vereins Berlin: 4. Seite der Beilage. Jüdische Gefährdetenfürsorge. Die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge“! hielt unter dem Vorsitz von Frau Paula 011 c n d o r f f (Breslau)' eine zahlreich besuchte Sitzung ab, in deren Mittelpunkt dfe bedeutsamen Fragen der jüdischen Fürsorgeerziehung und. der Bestrebungen für die erwerbslose jüdische Jugend standen. Im Anschluß an die Berichte von Dr. Hans Lubinski über den Stand der Fürsorgeerziehung für männliche! Jugendliche und von Hannah K a r m i n s k i über die weibliche Fürsorgeerziehung fand eine Aussprache statt, die sich im wesentlichen, mit der Frage des Uebergangsheims für weibliche Jugendliche und mit dem im vorigen Jahr neu eingerichteten zentralen Fonds für gefährdete Jugendliche beschäftigte und als deren Ergebnis zwei Resolutionen an die jüdischen Zentralstellen gerichtet würden, die eine Durchführung bzw. Aüfrechferhaltung dieser Einrichtungen verlangen. j ■ Zu dem zweiten Gegenstand: Fortgang der Arbeiten für die erwerbslosen jüdischen Jugendlichen wurden 'die Berichte von Frau Falkenberg (weibliche erwerbslose Jugendliche) und Dr. Georg Lubinski (männliche erwerbslose Jugendliche) erstattet. Die Arbeitsgemeinschaft beschloß sodann im Anschluß an Berichte von Dr. Ol len d!orft die Einsetzung je einer Kommission für die Frage eines Notprogramms der jüdischen Jugendwohlfahrt (im . Anschluß an die i vor kurzem veröffentlichten Notprogramme der Jugendwohlfahrtspflege), sowie zur Prüfung der mit dem organisatorischen Ausbau der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge“ zusam-. menhängenden Fragen.- Schließlich wurde mit größtem Bedauern davon Kenntnis genommen daß Herr Sanitätsraf Dr. Seeligsohn, der viele Jahre hindurch im Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft tätig war, wegen UeberJastung sich zur Niederlegung dieses Amtes veranlaßt gesehen.hat. Er wird jedoch an den Arbeiten der Arbeitsgemeinschaft auch weiterhin .teilnehmen. Nach Worten herzlichsten Dankes für ihn. die die Vorsitzende sprach, wurde! als sein Nachfolger zum Mitvorsitzenden Herr Landgerichtsrat Dr. L i 1 i e n t h a 1 gewählt Aus den Gemeinden Breslau. ,(T o d c s f a l1.) Hier verschied kure vor Vollendung des 55. Lebensjahres, das Mitglied des Gemeindcvorslanücs, Herr BankUircktur Felix Saude r. Der .Verstorbene gehörte seit, 1920 der Gemeindeverwaltung, zunächst als liberaler Repräsentant, später als Vorsteher, an. Kultus- und Finanzlage» gehörten zu seinen Dezernaten. Mit besonderer Hingabe widmete er sich auch sozialen Aufgaben. Die- Trauer unr ihn ist. weit über den Kreis seiner jüdischen Mitbürger hinaus, allgemein. Danzig. (E i n w e i h u n g.) Bei Anwesenheit der Mitglieder des •Vorstandes, der Repräsentanz und des Rabbinats der Jüdischen Gemeinde Danzig und zahlreicher Gäste wurde'das von Isaac Grünherg. Mitinhaber des Ufa-Konzerns, gestiftete Völkshaus „Obel Jizchak” feierlich cingcweiht. Im Hinblick auf die herrschende Wirt* schaftskrisis konnten vorläufig nur die Synagoge und die Lokale der Talmud Thora-Schule der Benutzung übergehen werden. Demnächst werden ' dort auch ein Kinderhort, eine Fröhelschulc. eine Bibliothek und Lesesaal, ein Vortragssaal und eine Volksküche eröffnet werden. Weihereden hielten Rabbiner Scgalowitsch, der Vorsitzende der Gemeinde Justizrat Zander, Rabbiner Rappaport, Justizrat Fabian, R.-A. Dr. Herbert Levi, Samuel Eibenschütz und der Stifter selbst. Gemeinde-Rabbiner Dr.1 Grün würdigte in seiner Weiherede besonders die Tatsache, daß in einer gtat- und (raditionilosen Zeit hier eine Stätte für Gott und für die Tradition erstehe." Danzig. (Justizrat Fabian 70 Jahre.) Hier feierte das Ehrenmitglied der Dnrizigcr jüdischen Gemeinde, Herr Justizrat. Fabian, seinen 70. Geburtstag. Weite Kreise der Bevölkerung nahmen diesen Ehrentag zum Anlaß besonderer Ehrung für den Jubilar. Denn, seine Persönlichkeit wurzelt tic! in Jüdischer und altdanzigcr Tradition. Kr ist nicht nur ein Kind Westpreußeus. sondern kam auch schon In Jungen Jahren nach Danzig, wo er bald Mitkämpfer Jenes alten Dänzigcr- Hanseatongeistes wurde, der erfüllt von BUrgcrstolz war und in den Wer Jahren des vergangenen Jahrhunderts seinen Widerhall im deutschen Liberalismus unter Führung von Heinrich Rückert fand. Justizrat Fabian ist noch heute Mitglied des Vorstandes der liberalen Partei, die gegenwärtig, wie bekannt, den Namen „Staatspartci** trägt» Namens des Vorstandes dieser Partei, fand dessen Vorsitzender, Senator Strunck. anerkennende Worte nicht nur für den treuen Weggenossen, sondern auch für die vielseitigen Förderungen, die der Liberalismus durch den Jubilar gefunden hat. Seitens des Vorstandes der Anwaltskammer und des Dänzigcr Anwaltsvereins waren, deren Vorsitzende erschienen. Der Dänzigcr Anwaltsvcrein bezeugte durch eine wertvolle Ehrengabe dem Jubilar seine besondere Verehrung. Auch der Präsident des Ohergcrichts brachte in einem ausführlichen Schreiben die Anerkennung des Richturkollcgiums zum Ausdruck. <Mit diesen öffentlichen Körperschaften, der Freien Stadt Danzig Justizrat Fabian mehr als 20 Jahre — in den letzten. 10 Jahren als Vorsitzender — der Gemeinde angchörtc, in seinem Hause erschienen. Bildet doch das Haus Fabian seit vielen Jahren nicht nur Vorbild Jüdischen Familienlebens, sondern 'auch Mittelpunkt lüdiscll geistigen Lebens! Der große'Freundeskreis, der sich zur Beglückwünschung einfand, gab Zeugnis dieser allgemeinen Verehrung', der sich die Familie in allen Kreisen der Gemeinde erfreut. * Die Vorsitzenden des Vorstandes und’ der Repräsentanten brachten in besonders herzlichen, von Jüdischen Geist getragenen Worten ihrem Mitarbeiter unter Ueberreichung eines antiken Chanukka-: Leuchters ihre.Glück-- und Segenswünsche dar. Auch die. hiesige Ortsgruppe der Vereinigung iür das liberale Judent u m ließ es sich nicht nehmen, ihrem Vorstandsmitglied«}, unter Ueberreichung einer Dankesadrussc aufrichtigen. Dank auszusprechen* Justizrat Fabian ist auch viele Jahre Mitglied des Hauptvorstandes der liberalen Vereinigung und des ■ Centralvcreins gewesen, Eine besondere Weihe empfing der Festakt durch die Ansprache des Gcincinderabhincrs Dr. Grün, der den Jubilar als Patriarchen der' Gemeinde feierte. -Ein besonderes Festgebet wurde In die -Andacht des folgenden Sabatligottesdicnstus eingefUgt. Dresden. (Todesfall.) „Tante Scherb«jl4Vdic, wle.es schien, ewig junge, ist nicht mehr! -Ihr :Haus, auch außerhalb sehr bekannt, war das gastfreieste, das rieh denken ließ: geselliger Verkehr‘ihr Lchensclement. der Gedanke, einen Mittelpunkt zu bilden, ihre Freude. Bei Frau Schcrbel in Dresden cingelührt zu sein, war von Wert. Auch viele Künstler und sonstige Prominente haben bol ihr verkehrt, ihre oft launigen Widmungen wären die besondere Zierde der vielen sprechenden Kriimerunge», von denen die mit 7o Jahren mehr und mehr ans Haus Gelcsselte umgeben war, -Als besonders wohltuend empfand es Hedwig'. Scherbe!, daß neben dem alten „Kundcnstnmm“, der ihre Treue mit Treue lohnte, sich trotz des Unterschieds auch die ‘Jugend zu ihr thingezogeit fühlte, und daß dadurch die mit dem Hause Scherbe! verknüpfte Tradition von selbst immer wieder ihre Erneuerung-fand. So, manchen schönen Sommer, hielt man Einkehr bei ihr am Weißen Hirsch, wo sic geradezu populär war. Bei der stark besuchten TraucrfcicT am 21* Mürz hielt Rabbiner Prof. Winter, selbst ein alter Freund des Hauses *ind darum; tiefbewegt, die Ansprüche. DerTod dicscrPrau bedeutet deshalb soviel/ weil damit eine Epoche für sich abschlicßt,' und'wei! mit IHmt PeraoM ihrer stark dep Mitmenschen zugewandten, Art. eine Welt HkKlelnafi versinkt.;Das Klaffen dieser Lücke wird! in den Alt-Drusdner Irischen Kreisen und darüber hinaus noch lange schmerzlich cmpfundl* werden.- . i ' ./; m Frankfurt a. M. (100 Jahre Verlag J. Kau.fmanm & C o.) Der Frankfurter Verlag J. Kauffmunn & Co.,^>cr weit Üben Deutschland hinaus als Verlag für JUdisch-hcbräiüdie Literatur unefl auch als Antiquariatsbuchhandlung größtes Ansehen genießt, bilckl in diesem Monat auf ein hundertjähriges Bestellen zurück* Gründel der Firma ist der aus dem Elsaß eingewanderte Isaac. Kauffmann der. eine stark religiöse und eine ausgeprägte Gelehrtennutur» dm von 4hm gegründete Buchhandlung mehr aus Freude ah der Vgp-f breitung von Wissen, als um des materiellen Vorteils willen betrieb. Isaac Kaufmann stand Wilhelm Karl von i Rothschild sowphl al^Berater wie als Vertrauter in allen Fürsorge-Angelegenheiten und Ins, besondere bei der Einrichtung und Ergänzung seiner heute In der; Frankfurter Stadtbibliothek verwahrten ijüdisch-hcbrflischen Bibliothek'zur Seite. Der wichtigste Grundstock seines Verlags warea die Schriften des Jüdischen RcHgionsforschcrs Samson Raphael Hirsch, den er zur Drucklegung seiner Vorträge über den Gehalt 'und die Gewalt der Bibel veranlaßte. Zu größerer Bedeutuog gelangte der Verlag unter der Leitung von Isaac Kaufmanns Sohn Ignatz. Unter*Ignatz Kaufmann, der vom 1875 ab als Prokurist un<( von 1877 ab als Teilhaber an der .Entwicklung des Verlags entscheldend teilnahm, erfuhr der Verlag eine so starke Ausdehnung und Erweiterung, daß er bald als einer der! größten und bedeutendsten iüdisch-hebräischcn Verlagsunternehmungcn nicht nur der deutsche^ Länder, sondern der ganzen Welt galt. Ais Verlag Jüdischer Schulbuchliteratur nimmt der Verlag heute npeh eine führende Stellung' ein* Ignatz Kauffmann war es auch, der seinem Geschäft ein wissenschaftliches Antiquariat angliederte, das noch heute ln der Reihe der großen Buchantiquariatsgcschäfte stubt. 1900 erwarb Ignatz Kauffmann die Frankfurter Druckerei von M. Lehrberger & Co., deren Offizin als Spezialdruckcrei für hebräische Druckwarte ‘weltberühmt war. Nachdem sich 1909 Ignatz KaWImanh ins Privatleben zurückgezogen hätte, übernahm sein Sohn Dr. Felix Kauffmann' das Geschäft, das er in der Tradition seines Großvaters» des Gründers. und seines.Vaters fortführte und weiter.ausbaute.. ‘Frankfurt a. M. (Zunächst Keine Erhöhung dar.Gemeindesteuer.) ln der letzten Sitzung der Repräsentantenver- Sammlung wurde beschlossen, den Satz für die diesjährige KoJtussteuer wieder auf 15 Prozent Zuschlag zur Reichseinkommenstcuer. fcstzusctzen. Die Gemeinde behält sich Jedoch vor, den Steuersatz für das zweite Halbjahr nötigenfalls zu ändern. Ein Etatzwölftel für das laufende Geschäftsjahr wurde bewilligt. Kassel. (Der Etat der I s ra c I i t i s ch e-n Gemeinde<) Das Aeltesten-Kollcgfum beschäftigte sich mit der Festsetzung des Voranschlags für das Jahr 1932. Trotz merklichen Rückganges der Steuereinnahmen ist es infolge rationeller Maßnahmen möglichgeworden, den vorjährigen Steuersatz von : 14 Prozent auchfür <jas laufende Geschäftsjahr beizubchaiten. Die Einnahmen ' sind, mit 143 000,— RM. im Voranschlag angenommen. Unter den Ausgaben beansprucht die Unterhaltung der beiden Synagogen -6175^— - RAft» für die Volks- und Religionsschule werden ,24 000<— RM*'gefordert Besoldungen sind mit 54 000,— RM. berechnet. Für Wohlfahrtspflege werden der Zentralwohlfahrtsstellc und gemeinnützigen Vereinen an Unterstützungen 16 400,— RM. gefordert von denen die Zentralwohlfahrtsstelle-allein 12 600,— RM. beahspruebt. 43O0<— RM, siad-an: Beiträgen für Verbände zu entrichten. Auch das Yorsteheramt hat trotz der erschwerten finanziellen Verhältnisse den vorjährigen Sitz von drei Prozent Protinzialsteuer bcibebalten. Sein Etat ba(an2iert in Einnahmen und Ausgaben mit 40 500,—! RM. Im einzelnen setzt er sich. zusammen aus -Einnahmen, die einschließlich eines, Ueberschusses aus vorigem Jahre, des Vermögensbestandes und** der Steuercinkünfte 40500,— RM. betragen sollen,. Die Ausgaben weisen u. a. auf: Kosten des. Land- und Provinziairabbinats- 5000«— RM,».

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