Mannheim
Compact Memory

Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-07-29 · 31 (29.7.1936) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
31 (29.7.1936)
Date
1936-07-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4109741-2613419-2613450--850-2615740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Autorität und Freiheit / ™ iÄ ii| fo&Sfej Die nachstehenden Ausführungen sind ein auf der diesjährigen Round Table Konlercnz der World Union tor Progressive Judaism gehaltenes Referat. Es ist hier wlsdergegeben, weiles die Möglichkeiten zu einer theologischen Diskussion bietet. Ich spreche über die Fra «je der Autorität' innerhalb der. Religion und das, was damit in Zusammenhang steht, ich spreche nicht, von Freiheit. Nicht als ob ich sie ausschalte oder gar verneine, ober es ist min einmal eine Arbeitsteilung vorgenomme» worden, ich habe übernommen von der Autorität zu reden, uiul ich bemühe midi, möglichst nur von ihr zu reden. Was macht eigentlich die Frage der Autorität im Bezirk des Religiösen so schwierig und zugleich so dunkel? Weil man mit einem Begriff operiert, der einem anderen Bezirk, einer .anderen Scinssphäre angehört. Autorität ist sonst immer in Verbindung mit einer Macht, die zwingen undstrnfen kann, die sich Gehorsam verschaffen kann. Auch wenn wir sonst davon reden, daß jemand eines anderen Autorität anerkennt, ist immer, wenn cs, sich um ein daraus resultierendes Tun handelt, der Ausgangspunkt ein Verhältnis, liei dem einmal eine Möglichkeit des Erzwingen* bestand;. Aber im Umkreis des Religiösen ist cl>en von Macht und Zwingen nicht die Rede, und am wenigsten im Bezirk des Judentums Wir haben keine Kirche, die licstimmcn um! gebieten kann, die ein Heil versagen kann, in der eine Spitze jeden Zweifel und Widerspruch aussehließend sagt, was zu tun oder gar zu * glauWu ist. Es gab eine solche Autorität im Jüdischen, als cs ein Synhcdrinn gab — gab es das wirklich?, haben wir irgend eine» sicheren Bericht darüber, wie die Juden der Dias^Kira dem Synhcdrion gcgenübersUmdcu?—, cs gab sic als die Gemeinden «der die Rabbiucn den Ghcrcm handhabten; es gab sie. solange ■> die Juden eine so geschlossene, in sich ruhende, nach eigenen Gesetzen lebende Gruppe waren, daß cs. so etwas wie eine öffentliche.- Meinung gab: denn auch die öffentliche Meinung kann einen Zwang ausühen und so zur Autorität werden, einer gewiß, nicht genau bestimmten, selbst Einflüssen unterworfenen, aber doch immerhin einer Autorität. So etwas ist in dem Judentum , «1er Gegenwart, zum mindesten im westeuropäischen und amerikanischen Raum, im Raum der angelsächsischen Kultursphärc nicht mehr da. Insofern wird die ganze Frage der Autorität eine kritische. A\ o ist innerhalb des Judentum Autorität? In was fiat sic ihren Grund, ihre Festigkeit, ihre Sicherheit?. Das ist zunächst mit einem Worte zu beantworten: Grund aller Autorität im .Jmlcntiipi ist der, daß cs auf Offenbarung ruht, daß cs göttliche Offenbarung ist. Und nun wäre eigentlich alles klai und einfach. wußte mauzu sagen,- was Offenbarung ist und w*ic sic sich .kundlut. Da wir nicht den Glauben" haben an eine einmalige, abschließende, wörtliche Mitteilung Gottes an irgend einen Menschen, wie ist Offenbarung zu bestimmen?. Wir versuchen. mi zu formulieren: „Auf Offenbarung das Judentum gegründet sein . lassen, bedeutet: Judentum entstammt nicht menschlichem Denken. Nicht Menschen, die sich durch den Grad der Denkklarheil und der Gcfühlsstärke von einander unterscheiden, sind der Maßstab der Wertung und Zielsetzung. Sein Ursprung liud der Autoritätsnnspnich. mit dem es umkleidet ist. ist nicht vom Menschlichen her zu bestimmen. Soweit die Offenbarung über- " haüpt aus dem Geheimnis des Göttlichen hcraustrUt. begreifbar und mit \Y'orten zii umschreiben ist, begreifen wir sie nicht als einen einmaligen geschichtlichen Vorgang, in dem Gott auf wumlerbnrv Weise sieh alwehließcml mitgeteilt habe. Sie i«t vielmehr die stete Sclbstmittcllung Gottes in Geschichte und Natur, jeder neue Durchbruch zur Erkenntnis, von Gott und seinem Weg. von seinem Wollen und seiner Forderung. Forderung und Wille Gottes erscheinen ihm nicht in der einmaligen mündlichen Miltrilumr von Gott zu Menschen begründet, sondern in ihrem, inneren Wahrheitsgehalt, hei dessen Feststellung auch die Vernunft und menschliche Fassungskraft ein Recht hatdie Seele mit der Ahnung Gottes und dem sicheren Gefühl der Nähe und . , Gegenwart Gottes zu crffdlcn.“ Wir werden alsbald Gelegenheit haben, noch darauf zuruekzubommen. Wie immer man nun aber den Begriff der-Offenbarung erfassen mag. «las Entscheidende und Ausschlaggebende bleibt, daß man auf Grund eines außerhalb des Menschen liegenden Gesetzes. seine Tat tut, mit anderen Worten, «laß das Ge>etz. nach «lern man handelt, heteronom ist und nicht autonom. Würde man «lic Autonomie nufpflanzcn, so wäre jeder Willkür Tür und Tor geöffnet, «Imin gäbe cs keine bestimmte Norm, keine umfassende und allgcmcurgültigc Wertung. Die Sittlichkeit wurde dann in so viele Gesetzgebungen zerfallen als cs Individuen gäbe. Ich hin mir bewußt, damit etwas auszusprechen, was außerhalb der Kaninchen Linie liegt. Aber «lie Ehrlichkeit genügt dnziu alles deutlich zu sagen und beim rechten Namen zu nennen. Der berühmte Kantischc Satz: ..Handle so. daß die Maxime deines Tuns zur Maxime einer allgemeinen Gesetzgebung werden kann“, verdeckt mit seinem Hinweis darauf, daß dic Allgcmcingcltung notwendig und erforderlich ist, nur scheinbar die Tatsache, daß hier eben alles vom Individuum und seiner Art zu fühlen und zu «lenken ausgeht. Und wohin niau kommt, wenn man so^ vom Individuum und seiner Autonomie ausgeht, darüber hat uns die Zeit des letzten halben Jahrhunderts zur Genüge belehrt. So spreche ich es denn mit vollem Bewußtsein aus, daß es zum Wesen des Religiösen und also des Jüdischen gehört, daß man sein Tim auf eine Offenbarung, d. rii. auf ein von Gott .gegebenes Gebot hin. also auf eine Autorität hin tut. Das aber setzt einen bestimmten Glauben voraus, den Glauben an Gott nämlich und daß er seinen Willen dem Menschen kundgetan hat und kundtut. Den Glauben, «laß dieser Wille in einer uns erhaltenen Überlieferung mcdergelcgt ist. Wo dieser Glaube da ist. ist alles gut. glatt und klar, da erhebt sich keine Frage, da weiß man um die Autorität, erkennt sie an und ordnet sich ihr willig unter. Dieser Glaube ist da. im großen und ganzen unberührt, wo es sich um sittliche Zielsetzungen handelt, wo das Gebiet des Sittlichen, das Sittliche in seiner breitesten Ausdehnung verstanden, in Frage kommt. Wir unterwerfen ans freudig «Icr Autorität, die aus der Offenbarung zu uns spricht; wenn die Forderungen der Keuschheit, des schamhaften Lebenswandels uns entgegen getragen wird, wir kämpfen um ihretwillen und um ihr gerecht zu werden gegen unseren Trieb und unsere ■ Leidenschaft, an. Wir unterwerfen uns dem Prinzip, «las sie für das Lebensziel gesetzt hat. dem Prinzip der Heiligung, wie cs niedcrgclegt ist in dem Satze (3. M. 19. ..Heilig sollt ihr werden . . .** und wir empfinden dieses Ziel «Icr Heiligung getreu «lern Worte der Offenbarung begründet in dem Hinweis auf «Re' Heiligkeit Gotte«. Wir achten die Rerhtssphare des Nehennicnschcu nicht deshalb etwa, weil das Gesetz des Staates den Brecher der Rechtsordnung mit Strafe belegt, sondern weil «Iie Autorität Gottes es erheischt, daß dem, der gleich uns Ebenbild Gottes ist, Gerechtigkeit und Liebe erwiesen wird, und wir tragen diese Liebe darum im Herzen, in der Gesinnung, was viel mehr und umfassender ist als ein Nicht-unrecht-rtiui, weil di«: Gesellschaftsordnung Strafe darauf gesetzt hat. Wir sind voll Erbarmen zum Tier, zur Kreatur, weil die Autorität der Offenbarung es fordert, daß wir «lern Tier keinen Schmerz zufügen. Wir wissen, «laß man Gott nicht dienen kamt nur «hirch äußerliche Handlungen -und daß es kein Frommsein gibt oluic Liebe mul Gerechtigkeit; denn die Autorität der OffenIwmmg durch «len Mund der Propheten trägt den Sieg davon über «lic Neigung, die tief eingeborene Neigung des Menschen, sich «ler Mittel und- Mittelchen zu bedienen, um mit Gott in Vcrbimhuig zu treten und seiner Nähe gewiß zu sein. Wozu all das nusbreiten, in die Länge dehnen? Genug, wenn ich wjc«terhok\ «licsc Autorität der Offenbarung ist unbestritten, wenn das Gebiet des Sittlichen in Frage kommt. Aber die seiner unlösbare Schwierigkeit beginnt «In, wo zu dem Sittlichen «las Kultische, ich hasse zwar das Wort, aber ich muß es gebrauchen, um klar verstanden zu werden; das Zervmo-' niellc hin/.utritt. das doch nach außen hin um! von «lein Außenstehenden her gesehen das eigentlich Jüdische ist. Iller ist eben «ler Glaube, daß diese Dinge Gottes Wille, Gottes Ftmlerung sind, einfach nicht vorhanden, in unserer Mitte wenigstens nh-lit. Ich gehe gar uicht auf «lic Grüntle ein, die den einmal vorhnmlen gewesenen Glauben entwurzelt haben. «Iie Kritik an «len Urkunden tlcs Glaubens, «lic Einsicht in «las Wcnlcn «ler Dinge, an ihre* Zciigebundenhcit. unser Recht auf eigenes Denken und eigenes Urteih unseren Willen, nicht nur ein gefordertes Tun zu verstehen und irgeml einen Sinn damit zu vcrbimlcn, sondern sein«: Notwendigkeit cmziischcn, unseren Willen. Form «ler Frömmigkeit mit der Lebensform unserer Tage zu verbinden, genug der Glaub«' au ihre Göttlichkeit, d. b. also daß hinter ihnen ein»* wirkliche Autorität steht, ist nicht mehr vorhanden. Es würde zu weit führen, hier «Iie ganze Auffassung «h-s Liberalismus über «las allmähliche Werden des rnbbinischcii Schrifttum* um? seiner Kmlifizienmg auszubreiten, »iö ist zu iH'kaimt. Genug, wenn wir sagen, wir* teilen nicht den Glauben der Orthodoxie-, «laß alles, was in Talmud um! in den Cmltecs niedcrgclegt ist, Mose auf «lern Sinai gegeben worden ist und all «lic Arlieit der Späteren nur in -«ler Wicderenuterkihig des mündlich Clierlicferlejt bestand. Der Glaube au «He unmittelbare Göttlichkeit «Ürscr Schriften ist in unserer Mitte nicht «In. F.r ist in gewissem Sinne vorluimlen. t!a wo es sieh um «lic große Linie handelt. utn eine Forderung in ihrer grundsätzlichen Kraft um! Wucht. Z. B. wenn «•s sieh um «len Snhbnt handelt, so leugnen wir nicht iin entferntesten «Iie Autorität, die hinter «ler Forderung steht ..«ler siebente Tag ist ein Ruhetag Ihm Deinem G«»tt. <!a sollst du keinerlei Arbeit verrichten, du «lein Soli« . . .** 0«ler wenn «He .große Forderung an uns hernntritt in der Pessaehfeicr «les Auszugs ans Ägypten, «ler Gchurtssttmdc «ler Freiheit Israels zu gc«leitkrn. 0«ler «venu es sieh um die Forderung handelt, für alles, was wir genießen. Gott zu preisen uml ihm zu «tanken. Wieder will ieh mich nicht zu sehr in Einzelheiten verlieren. In all diesen;Dingen ist ein fest gegründeter Glaube an die Autorität. «Iie dies«* •Forderung gesetzt har. in uns. Aber dieser Glaube ist nicht mehr d’a. wenn es sieh darum hamlelt. aus «ler groß«*» Linie «He Forderungen für einzelne Tnt zu ziehen. Wenn es sieh Ixrispielsweise darum handelt, «lern Geliot von «ler Sahhatheilignug «lic praktische Ausgestaltung zu gehen und fcstzustclten, was ist nun eigentli«*h Arbeit, die verboten ist. Wenn «lic Frage gestellt wird, wie ist die Pc-saehfcier aiiszugestnlten, mit welchen Handlungen und Unterlaufungen ist sie verbunden? Weuit «Iie Schlichtheit «ler ’ lontenmg des Gebetes mm nusgcmüiizt werden will. Und ist dieses Fehlen «Ir« Glaubens nur l>ci «ler Ausmünzung in «He Kleinmünzc «les Alltag* zu konstatieren? Fehlt nicht Ih*i einem so groß«*» Gebiet, wie es da* Gebiet «ler S[*eiscVorschriften ist, auch wenn wir e* in «Irr aroßnrtigcn Einfachheit «ler biblischen Ausgestaltung lietraehten. «Iie Einmütigkeit des Gluultcn.» au ihre Göttlichkeit, an ihre Gottgcwblltheit? Um cs jetzt nochmal» klar - und «teutlteti zu sagen, der Glaube ist nicht mehr «ln, «laß im Talmud und gar erst im Schulchan Anteil in all «lern, was mcdergelcgt ist. göttliche Offenbarung enthalten * ist. Man kann noch so sehr von einer sadduzälschcn oder kariiischcn Haltung abrüeken. und bejahen, daß «las in «ler tnlmudisehen und miselinisrhen Interpretation zutage tretende Prinzip richtig ist, daß «dne innere Notwendigkeit zu ihr zwang, daß sic nicht reine Willkür ist, sondern «laß sic mit «lern Bibelwort in einem notwendigen organischen Zusammenhang steht, mit «lern Augenblick, wo inan aufhört, an ihre absolute Göttlirbkeit — selbst im weitesten Sinn «ler Auslegung «les Begriffs Göttlichkeit — zu glaulx*». ist keine Autorität mehr mit ihucii vcrlmndcn. Um! dieser Claiihr fehlt eben. Und man kann darauf nirht antworten: du mußt glauben: denn Glauben kann man nirht gebieten, er läßt steh nicht kommandieren. — Nun sind wir also bei «ler entscheidenden Frage:' wir wissen, cs geht nicht ohne Autorität. Diese Autorität aber ist nicht mehr da, ihr Anspruch ist bestritten. Was geschieht in solchem Falle aus der Erkenntnis heraus, daß Autorität in irgcmlcincr Art da sein muß? Es tritt eine gewisse \ ersehfchung ein. Es rückt dann, wie es einer unserer Theologen kürzlich in «len Blättern ..Jüdische Theologie** formulierte, an die Stell«* der Autorität von oben, wenn man so sagen darf, eine Autorität von unten. Wir nennen diese Autorität — da» Volks- Bewußtsein. Ich bin mir dessen liewußt, daß ich damit «rinen Begriff einführc, «ler vag ist, nicht restlos bestimmbar. I«J* weiß auch, daß dieser Begriff in die Diskussion schon vor 100 Jahren cingcführt worden ist. Frankel hat ihn geprägt. Uml schon zu seiner Zeit entstand zwischen Dim un«l Geiger — um nur «He Haupt-Protagonisten zu nennen —* die Kontroverse über Umfang und Deutung «les Begriffs. Aber wenn man etwa» auch nicht haargenau licsttmmcn kann, e* nur erfühlen1 kann, -gerade im Religiösen, in-dem das Irrationale eine Macht ist. ist oft «las nicht genau Bestimmbare eine Macht, stärker als das scharf Umreißhare. Ich weiß auch, daß cs kein einheitliche.» jüdisches Volks bewußt«: in gibt, daß die Judenheit bestimmter Landschaften, weil sie eine gemeinsame Geschichte, eine gemeinsame, von anderen sieunterscheidende Denkweise hat. auch ihr gesondertes jüdisches Gemeinsrhafishewußtscin hat. Ich sehe darin nicht», was in dem von uns zu entscheidenden Falle abträglich ist; denn es handelt sich ja darum, überhaupt den Begriff der .Autorität zu klären, uml ' mich nicht um ihre räumliche Ahgreiuiuig. Dieser Begriff des VolksU’wiißtsein», «le.« (Jen)cinsclmft>l>cwußt.scin» spielt heute—eine erhebliche Rolle, erheblicher ul» vor 100 Jahren. Grad weil Juden heute auf der ganzen Welt, nicht nur in I>e»tiniiiiter Weise, in "energischer mul zwingender Weise auf ihren Ursprung, auf die -* tragende Gemeinschaft luugowteseii wenten, — weil sic ullo erkennen, daß sie ihren Halt, ihre .Stütze, ihre Scinsgnuidhige, ihre WV*cn*hc*iimtmuig in ihrer. Gemeinschaft haben, ohne »de in» Leere falten, gerade «lamm formt sieh »o etwa», wie ein neuerwachende» Voikj-hewiißlsciu — Volk-hier gär nicht im Sinne des umstrittenen Nationalen genommen. Dieses neu. erwachende* (teuieinschaftsbewußtsein wird zur .Autorität. Denn es kommt hinzu, «laß wir' auf «ler ganzen Welt in steigendem Maße einen Willen zur Autorität grwnhreti. Kr manifestiert sielt ztmäehst int Bezirk «le» Politischen, nlx-r es gibt keine getrennten Seclcnl»exirlti2t mul die Seele strebt zur Einheit. Darin germle unterscheidet mcli «Ite AYeltsitiiation heute von «ler vor RH) Jahren. Die»«* strebte nach Entfesselung, nach Befreiung von llmduugcn, nach «lein Reelit «ler eigenen Persönlichkeit. Und ans «Irr Cbemnaiumiig ist «ler Pendel na«*h «ler anderen Seite mi»g<Twhlitgeu uiu) tium fühlt wie notwendig Autorität, Regel, Ordnung i»t. K» ist so, daß 111*111«: ein Metaphysisches neu durchbricht,’ ein ^NVille. zur Onluimg, . zur (temt’insumki'il,; «iii W'Mle. der eigenen Willkür Grenzen zu setzen. Man muß wisren, «faß <(a» «‘im* andere form der Autorität ist, als Alte «tes göttliehen Gesetzes, sin .ist eine, -wenn wir so sagen «lürfcn. alig«'l<*it«*to Autorität insoferii man Volk. (tesamlhcit. Gcmems«‘bnfl ' Lrnel ab eine «Irr SriiüpfungMinlimiigen Gotten nehmen «birf. I’ml «laß dieser Gesamtheit Autorität zugenie»»cii ist, «las. lesen wir. wenn wir es niHit sdjoii ans< unserem Kühlen wüßten. aus- Äußerungen der alten RilHdmisleguug heran*. wie etwa dem energischen Wort ..ntossiir hu lochciu — "euch ist c» ülieriirhcn“. und daß damit nteht der Einzelne, sondern ein Israel ♦les Gemciii'-clinftsleben» gemeint i*t, «las liedarf ja er»t keiner Erörterung. Uml wenn es nun mich eine'Autorität anderer Art, freierer Art ist als «jie Autorität der unmittelbaren Anrede Gottes, je«b* wie immer geartete Autorität ist besser als «He srlirreklteiwt Willkür, die die (huuMiiseliaft in ungezählte freig«‘setztc Ituliv iihuü zerfallen laßt. I)ie Frage steht mm zur Erörteruiigi—Welch«* Personen und Einrichliiuuen .sind maßgcln'iid für den Clnnhcn ntt «*iii' göllli«*lrrH (»«‘setz lim! N«»twen<ligk«:ileii der. 'jü«Hse|i«‘it Geineinsclmft? Ist ülH-iliniipt zu trennen zwiseh«*n Pcrwmen mul F.inric!itung«'n? Sind .nicht alle Einrichtungen gegründet auf drut Wirken v«m PrrNineu .und um so wirksamer, als Pcrsönlichki’it sie trägt mul hinter timen steht? Wir fragen /.imäelwt nach «ler Einflußnahme auf unseren Glauben. Und gehen sofort ein« rntschirdcnr Antwort: daß wir tuunhVh keiner fustanz einen Einfluß ztigrstehen, über unseren ClatilH'ii zu beslimnuu. Wir .gestehn! jedem einen mußgelilteiien Einfluß zu, «I«*ss«*n nersönliche Frömniigkeil-'so groß, mi leuclit<‘ud i-t, «hiß sein Lclicn und sein Fmimnsein im» a]»_ AVirlifId crsclu int. uns lockend ihm iim’hziilrliru und iiinwre Gläubigkeit n*i * »«‘hier Gläubigkeit zu mtzündeu. Alx*r «ln» i»t nicht Autorität »m spraebgel»räiieblielien Sinn dieses Wortes. K» . gab einmal «las Synhedrion. da» T>i*lireu anfstellte, wer Anteil am künftigen LeUu« habe. Aller whou indem’ «Ite MisHma «lurftlnT sich mtslh’ß. wird klar, wie zwiespältig die Meinung war und daß . sie nteht einheitlich war. - Wir teseif"mit Elirfurelit «Ite Auseinandersetzungen iniH'rer IU*ligHins)ihilo»«i|ilicii üImt da», was als Jmte zu glnuU'n ist. ui lie/iig vor allem auf «las göttliche Gesetz, alier keinem m<‘sMU| wir einen mi maßgrlicnden Einfluß zu, «laß wir seine- Worte liimiebmen könnten wie Retelil. E» hat eilte« langen Streit um Dogmen gcgelxu, «>h es Dogmen gibt Im Judentum oder nicht, und man ist schließlich dahin gekommen zu wissen, daß.«’* Dogmen im Sinne «ter klrelilieJieu Ileileuluiig dieses Wortes ui«*lu gibt wtul nicht -gelieti kann im’ Jmtenlunt. Alwr gibt es mu h nteht Ihigmeii im . Sinne einer kirehltehcn Glaiibensverpflichlmig, mi gibt e» «loch Gnmdtehreti, «He deu rz*hr* geball «larslelten. A!» sotebe gelten: Die Einheit uml Einzigkeit (kiites: «He Unmittelbarkeit «ler Beziehung von MensiJi zu Gott; «faß «Iie Welf Gu/Je» Sehöpfnng ist; daß Gott seine/* Wille« offenbar^ bat und daß er nl» Ge»etzgel»eii«ler uml Fontermler «!en Slensehni gegenüberstebt. Der Sinn «ter Schöpfung »t il/is Gute: «He .Selbständigkeit der sittliclien Persönlh'hkeit itn .Mensehen: Ziel «ler Mcnsrhhvit ist «In* meH*iaui»«*bc Reich «ler Zukunft, «In» Reich «tes Frieden», «ter Liclx? un«I Gerechtigkeit, an dessen Verwirklichung zu arbeiten jcdc.»j3feii»elien Pflicht ist; Gott hat Israel zur Verkündigung »einer Bots«*finft l>enifcn; «lern irdischen Indien folgt ein. Reich der Ewigkeit, filier da» Ohcimni» gebreitet int. Diese Gnmdb'hren sind sozusagen die ,.jndis«:lie Ix*lire“. n!»cr sJo sind es nicht au* der. Bestimmung, irgeml einer autoritativen- 'Behörde her. «ondrriT «Inreh einen ronsensii» onndinn, o«ler, lim zu «*ineni Aiisilmek von vorliin ziirfiekzukehren, sie niinl der * Ausdruck des AAdkrirewußtM'in«, da» in ihnen «ler Glnufiensgchalt de» Jndcntunis erschöpft findet. Und an der Art, wie hier «In» Volk»l»ewußtficin arbeitet, wie «:»■ Iiestimmtc Inhalte ul» wesmsnol wendig nnsicht und doch keinen Zwang misübt, keine umfassende Deklarationen gibt, nteht zu bestimmten EinzchmMlcutimgen verpfltehlet, und wie man zugleich weiß, «laß die Gemeinschaft in «IteM’ii Lehren ihr geistige» Sein, ihre Existenzberechtigung empfindet uml «ter Einzelne »ich «lamit nuseinandersetzen muß, an dieser Art söge ich, kann, man stiidieren, wie VblktbeWußtsem Autorität ist uh«! nusüht. Kann man also auf diese Frage, welche Personen und .Emnchtunf^rji maßgebend sind, eine eimleutigc Antwort'gehen? Drx*h offenbar nicdit. Man könnte negativ sagen, wir können «Iie Person derer. «Uc. im Mittelalter «ln» jfldisdie Gesetz in rodice», im Osctzlteheu ahgeachlomen. nicht einfach nbt Autorität hinslellcn; oh diese nun Maimonides hieß oder Joeef Kam oiler wte son^t. und zwar nicht, weil wir an ihrer Pcrooa etwa.» nii*zu*etzrn haben, sondern weil wir. uns da» Judentum nteht alisclilteße» lassen könne«, weil wir es nicht als fertiges (whihte sehen, wimlcm in ewiger Wandlung, Kann man fd>erhrfüpt chwlne Personen herausgreifen? Wir könnten sagen, unbedingt wurden wir «in» der Autorität Moses Ixmgen, aber wissen wir denn, was von «tem, was seinen Namen trägt, auf ihn zurückgeht? Wir wunten nicht ein«*n Augenblick zögern, uns dem Worte, «fer Propheten zu unterwerfen und ihre Autorität nnzuerkennefl. Aber sind wir-über ihren Willen im letzten unterrichtet? Gewiß^ es packt uns im Tiefsten, wenn wir die Forderung* hören, die sie nicht müde werden"aufzustcllen. «He Forderung der Menschenliebe, der Nächstenliebe. Mer Gerechtigkeit.* «laß es keine wahr« Frömmigkeit gibt'ohne Nächstenliebe und Demut. Aber schon steht unter «len Menwhen der Streit auf*, ha!>en sie gemeint, «laß in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.