Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 31 (29.7.1936)
- Date
- 1936-07-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Menge Geld gekostet haben und weil iUL-cr Her/ darau_ hängt, dmur lüHielii .nie nur. Sie sind vorsichtig. UntLsie legen ilire Gurte ebenso behutsam um einen Flügel, wie eine .Mutter ihren Arm um-ihr Kind. Vor dem großen Torcingaiig hält <*in Wagen. Er ist bereits plombiert ynd wird schon morgen, spätestens ü!>ennorgen. über den Brenner rollen« Dil' Kolonne springt ab. Der Umzug, das sieht man ihren vergnügten Gesichtern an, hat geklappt. Und das heißt, in ihrer Sprache, der Kunde war. gilt. Hatte er nicht geklappt, wäre eine nerton: Hausfrau umhergeflattert und hätte „Die Stunde und ‘ In einer vor fast 15 Jahren erschienenen Sammlung von Essays uIkt jüdische Dichter und Schriftsteller in Deutschland heißt es von Martin Bulicr, er stände da, ein „Sender und Beherrscher von Gedanken aus der Tiefe der Cljerliefernngen und aus der Eehtlteil des ^Verwirklichten, die in ihrer Zusammenfassung einer durchaus sjiezifischen Welt angeboren und doch niemals ganz aus der Einheit und Zeitlosigkeit alle» Erkennen» dem SlutlcrlKxicn des Philosophischen und des Dichterischen entgleiten”. Die Zeit, die vergangen ist, seitdem dieses einen Mahn und seine Welt-impressionistisch, malende Wort gesprochen wurde, ist so gewesen, daß heute seine Existenz in ihrer geistigen und seelischen Totalität nicht nur wie eine Realisierung der jüdischen Idee nlx'rhuupt erscheint, sondern daß, mag man auch in manchem Grundsätzlichen im Widerspruch zu ihm stehen, seine Worte gehört, werden, unter welchen Sternen auch immer in der Welt .Juden lehcn. Seine Aufgabe, die als -Sendung erscheint, liegt darin, daß er die jüdische Gemeinschaftzum Bewußtsein ihrer seihst führt, sie durch die ül>crzciigende Kraft «les Wortes. «las iiur dem Siehilmrwcrdcii eines Ethos dieut. zum Erkennen ihres Sinnes und ihrer Bestimmung zwingt. „Aus der Stimme des Blutes 'weckt er die Stimme de» Geistes — durch die Stimme «les Geistes weckt er das Blut.*' Es wird schwer zu beurteilen sein, wodurch Buhn* als Künder seiner-Lehre'mehr wirkt, oh durch das gesprochene Wort (Hermann Bohr sagte einmal: „Und wirklichbleibt es unentschieden, oh man nicht während er sprüht. mehr mif sieh seihst horcht und sieh nur von seinem Klang angeii«lnn bcgjeiten läßt, wie wenn man im Garten, gehl und die Blätter rauschen.“) ’oder durch »ctue niißcronh'utürli fruchtbare publizistische Tätigkeit-, die das jüdische Gcsamtprolilcm in seiner Vielheit und Einheit umspannt. Aber wie auch immer Buhers.gestaltender -und profeti&ch kündender Wille sieh immib’stiert, eines hh'iht stets das Entscheidende: «las lU’wußtscm «les Primats der Idee hei allem, was raan hört" oder* liest.. Aus der Lire formt einer, «ler um die Kraft des Geistes weiß, dir Wirklichkeit — und aus «ler Wirklichkeit schöpft er wie aus der Tiefe eines Brunnens immer wieder . von neuem die Idee. (.D i e S t u n d <* 11 ti «1 «I i e E r k e n n t n i s“ nennt <*r deshalb einen Baud - seiner Heden und Aufsätze aus den Jahren 1933—1935, die er soeltetr gleichzeitig mit zwei anderen Werke«: T.Zion als Ziel und Aufgabe“ und „Die Schrift und ihr«: Verdeutschung” falle, drei im Schocken-Verlag, Berlin I93G) erx heinen laßt. Der* Dreiklang dieser Bücher ist di«: einheitliche’ Grundlage schirr Arbeit am schitfffrischen Aufbau des Judentums, wie er cs sieht — oder mit lridenschafilichcr Kraft wünscht. ’ daß es’ werde. Die Stunde und ihre Erkenntnis! -.Di«: Polarität dieser beiden Begriffe erzeugt «lic Spannungen, mit und.unter «lenen dos Judentum «ler Gegenwart — mn! nhht nur Deutschlands — lebt. Die Stunde, «las ist die Zeit — und «ler Sinn «Icr Zeit. „Der Stimd/rusehlug «Irr Tiinnuhr ist so wahrnehmbar, als hätte sic noch nie •g<‘s«*blng«'ii, und «h'sluilh ist es au «ler Zeit, ihn ‘ zu deuten.“ Erkenntnis alicr. «las i*t die Einsicht in «lifi Notwendigkeit, „eine Hf'stmifbnurnnhmc unseres Daseins zu machen, und zwar eine, die «He Pcrsjwktivcn mit umfaßt, die also iiljer «las Vorhandene * lifnaus zukünftige Möglichkeiten, iuslH'sonderc auch Mögliriikcitcn ««hi \«Tbe-senuig<,ii, aufzeigt.” ihnen das Lehen sauer gemacht, dann wäre der Kunde schlecht gewesen« Ganz hinten in der Straße wird ein zweiter gelber Koloß sichtbar. „Auch ein Fernumzug?“ „Juwold, nach Stockholm.** ICs ist keine Zjchzeit jetzt. -Keine offizielle jedenfalls. Alx*r die Wagen, die unsere Habe in alle Welt tragen, roHon" täglich durch die Slrußcu der Städte ... Vera Craener. die Erkenntnis** Stunde ^tmd Erkenntnis— Einmaligkeit und Ewigkeit! Aus dem Einmaligen erwächst «las Bewußtsein vom überzeitlichen als Verpflichtung und Sendung, und di«: Erkenntnis, dos Wissen um letzte Wahrheiten, die in uns und nur in uns entstehen, weist den Weg, den die Gesamtheit des Judentums und in ihr der einzelne zu gehen hat. So zeigt uns Buber „den jüdischen Menschen von heule“, den „Juden in der Welt“, das .„Worauf es ankommt“, lehrt er uns, glciclisam in einer ungewollten Zwiesprache, „die Grundlagen jüdischer Erwachsenenbildung“, „die Mächtigkeit des Geistes“ und „die Einheit von Lehre und Tat“. Es würde den wahren Wert Buberschcr Gedanken herabsetzen, wollte man versuchen, dieselben im Rahmen einer Buchl>cspreclmng auch nur in gedrängtester Form, aufzuzeigen oder kritisch zu analysieren. Huber glaubt im Vorwort sagen zu müssen: „Aus einem Versuche dreier J all re ist hier einiges mhgctcilt. . Nicht vom eigentlichen Lehren,’ das immer nur von Person zu Person zu geschehen mul nicht in eine Publikation umgesetzt zu werden vermag . . Daß trotz dessen-jeder seiner Sätze für den, der noch zu hören vermag, mehr ist als' „Anruf und zusammenfassender Hinweis“, das ist Beweis des tiefen Gehaltes dieser Reden und Aufsätze. Hubers nationaljfidiseher Standpunkt war immer von besonderer Prägung. Er sicht «He Einzigartigkeit sdes Judentums in einer Ijcxmderen Weise hcrvorireton: .'.Es sind nicht wie hei andern 'Völkern die nationalen Kräfte selber, die die eigentliche Burg-" schafr «ler Volksdauer übernehmen, sondern das tut jene Gemcinxhafr. von «ler ich sagte, «laß sic «las Judentum zu mehr als «;tner Nation macht, die dem Volkstum .verbundene Glaubensordnung“. — ..Das Judentum ist nicht: eine Nation schlechthin! Es Ui. auch das, aber es ist noch mehr, denn es hat dazu die ihm eigentümliche Verbundenheit mit einer Glaubcnsordnung.“ Diese Worte hat Buber auf dem 12. Zionistcnkongrcß 1921 in Karlsbad gesprochen. Immer hat er Zion als „Ziel und Aufgabe“ gesehen und innerhall) der zionistischen Bewegung war er es, «1er das große Werk unternahm, den jüdischen Nationalismus innerlich zu gestalten, ihm die ihm gemäße Formung zu geben und' immer wieder die „Besinnung auf die I«Iec“ zu fordern. An Hand des neuen Bandes sehen wir noch einmal Bubcrs Gedanken zu diesem Thema aus drei Jahrzehnten an unseren Augen vorüberzichcn. . >1 In «lern Bande „Die Schrift und ihre Verdeutschung“ werden Pmcrs und Roscnzwei'gs Äußerungen über die Ansichten und.Auf- JIkm ihrer Schriftvcrdciitschung und somit auch ül>cr Wesen mild Gestalt der hebräischen Bibel vereinigt. Aus den Aufsätzen, Hie zum größten Teil schon früher in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind, seien besonders hernusgeholicn: „Der Mensch von heut und die Bibel“. ..Die Schrift und Luther** und „Die Sprache «Icr Botschaft“. Drei Bücher von-Martin Buber! Ein Mann gibt Rechcnscliaft filier drei Jahrzehnte jüdischer Arbeit lind stellt auf Gmnd «lieser Arbeit und auf Grund seiner Berufung seine Forderung an die jüdischen Menschen der Gegenwart. Drei Jahrzehnte! Die Welt hat in dieser Zeit ihr Antlitz verändert, das Judentum liat äußerlich manche Wandlung erfahren.* Daß cs durch die Stunde und die Erkenntnis innerlich so geformt w'unle, wie cs seinem Geiste entspricht — das war seit jeher und ist auch heute Buhers Denken und Wirken — „Nach Zion kommt man mir übe- Zion!** seit langer Zeit die Anlagen dazu in rieh birgt. Ihnen hat nur . die entsprechende Gelegenheit gefehlt. Im Stahl und im Stein ^schläft das Feuer, obwohl man cs nicht sicht. Aber ein Zu- »animenprQllcn von beiden gibt Funken. Ein Funke fallt in ein Pulverfaß und eine halbe Stadt kann dabei in Flammen aufgehen, 'Hunderte von Menschen können vernichtet werden. Wenn viele -'Menschen vor einem Schicksal wie dem Ringen bewahrt sind, so ist cs nur eine Gnade der Zeit, die.es verhindert hatte, daß sic in Versuchung kamen, eine Missetat zu begehen.“ „Dann darf ich mich ja trösten, denn die ganze Welt ist, - wie Sie .sagen, nicht besser als ich und Sic.“ „Sic irren sich wieder. Die halbe Welt gleicht Ihnen, aber nicht die «ganze».' Ich gluube, daß cs noch wahre, fromme Menschen gibt, die Kraft genug besitzen, eine Prüfung zu bestehen. Nur Ihr, die Ihr Euch für besonders weise haltet, begreift nicht ihren Wert“ \ „Um Gottes willen, retten Sic mich. Di® Zeit verstreicht. Bin ich auch schlecht gewesen, so kann Jshf doch bereuen und mich bessern.“ „Gewiß! Not bricht Eisen. Aber Sie sind schwach, ohne Glauben. Und diese Schwäche ist die Mutter aller bösen Handlungen. Diese Schwäche läßt nicht bereuen und besser werden« Trotzdem: Ich werde Sie retten, wenn Sie sich selbst retten können. Kennen Sic mich nun und wissen Sie, wer ich bin'und was. ich von Ihnen will?** „Sie sind ein Engel und von Gott gesandt, mich zu retten.“ „Ich war nicht umsonst zu Ihnen in den Garten gekommen, «Sie Sic die Verbrechen begingen. Ich habe Sic gewarnt. Aber Sic schlugen meine Worte in den. Wind. Haben Sie Mut und Hoffnung. Glauben Sic an Gott lutd die heilige Lehre, und liinen wird geholfen werden. Was der Gloubc vermag, was durch ihn geschehen kann, grenzt an das Wunderbare.' Haben Sic Mut.*1 . - X. ' '.Wahrend 'der Mann im roten Rock diese Worte sprach, schien cs mir. als loderten helle Flammen rings um ihn und als brächen grüngelbe Dampfe aus der Erde hervor. Aber cs war nur der Widerschein sciucs roten Rockes und der grünen Bäume. Wunderbar spielten die Farben vor meinen Blicken. Zuletzt verlosch alles. Ich lag in einer Ohnmacht. Aber bald . war mir, als käme ich wieder zum Bewußtsein. Ich glaubte eine Stimme aus der Ferne zu hören und eine Gestalt vor mir zu sehen. Als ich wieclcr klarer denken. konnte, begann ich zu ül>erlcgen. was mit nur geschehen sei. Aber'-ich vermochte cs nicht zu ergründen. Entweder ist cs eine Ohnmacht, ein Wiilmgcbilde oder eine Prüfung vor dem Tode, dachte ich bei nur und öffnete «lic Augen. Cher mir in «ler Luft schwebte die Gestalt von Rosalias Gatten mit freundlicli.-eni.slcm Gesichtsausdruck. Teil ■ mußte wiciler die Augen schließen. Mir war, als könnte ich mich’ nicht von «1er Stelle rühren. „Was ist mir und was wird aus mir werden Y“. fragte ich mich. Ich sah Städte Und Dörfer an mir vorüberziehen, ich vernahm ein Schreien von Menschen, «lie in Wäldern lebten, ein Krachen von untergehenden Schiffen, das Blöken von Schafen und «len Gesang tlcr Hirten. ..Was fehlt mir? Wie komme ich hierher?** Uber mir war noch immer «lic Gestalt des Edelmannes, und seine Augen sahen mich piitlcidig an. ..Ich rette dich“, sagte er leise. „Fürchte, dich nicht mehr. Du hast dein Lehen und deinen Tod gesehen. Werde mutig und stark. Ein zweites Mal werde ich dich nicht mehr retten.“ Es wurde wieder heller vor meinen Augen. Mir. war, als hätte ich in. einem Kellerloch gelegen, in das das Tageslicht nur durch «len einen oder anderen Spalt eindringt. Aber der Alte stand immer nocli vor mir. ..Jetzt hist du gerettet**, sagte er zu mir. . ..Al>er wo ist meine Mirjam? Wo sind meine Kinder?“ ..Tn der Nähe.** ..Tilge meine Sünden aus. wenn cs in deiner Macht steht.“ ..Ich werde sie austilgen. Sic werden dich nicht mehr peinigen**. erwiderte der alte Mann.-' Nach'«Hescn Worten zerstreute sich seine Gestalt, über mir . breitete sich etwas wie Tau aus. Ich wandte mich um und konnte all das nicht begreifrn. Aber mir war unbeschreiblich wolil iims'llcfz. Ich kostete himmlische Freuden. Plötzlich hatte, ich- «las Gefühl, als berührten zwei Lippen meinen Mund und preßten einen heißen Kuß «Inrauf. - XL Det H)ann int raten 3. 1'ortM‘tziing . Er sah'mich wütend au. Damt versetzt« er mir <*iu«*u heftigen Hißlrilt. Ich f»«*l auf den ltück«-n. Alsich mich «-in wcinJjr aufgrrielitel batte und meine. Bitte wiederholen wollte, wehrte •er ab: . ..Sehl «loeh den Frommen au, «len Weiten, «ler immer auf seinen Wrstand haut. Schl «hieb tleu Philosophen. «ler nicht an G«‘i<t«*r und auch nicht au «las Jenseits glaubt. In einer Nacht' hat er m> viele »ehäudUcho HaiuRungcti. begang«'«.-«laß er zuletzt Gott «ergibt und \nr .Wlimedai nicderkidet. ihn mn Hilfe auflebt. Er will seine \ erbrechen mit «ler Anbetung des Bosen krönen.** . ..Du hist Aseluuc«lai! Nun habe ich di<*h vollends erkannt. In tlir wohnt kein menschliches Herz. Dir sind Mitleid umi Krbarmrti frcmtl. Ich wünsche muh k«*in Mitlchl von einem, der rieh immer nur freut, wen« Menschen unglü«*kli«h sind! Ich wollte dein Erbarmen mit meiner Seele erkaufe«.** ..Törichter Matur*, erwiderte er, „ich Imi_ nicht «ler Teufel, bin nicht AsebmedaT oder irgend«*»» anderer böser Geist. Ich bin «*iu Mensch wir Sie. Sb? stinl ein -Verbrecher gewesen, jetzt aber rind Sie ein Narr geworden, ein Wahnsinniger.. «1er seinen Verstand verloren hau Aber w«:r einmal nnl' d«-m Glauben gebrorhvn hat. «ler ist -auch bald mit. seinem Verstand zu Ende. Jch verachte Sie und würde Ihnen auch dann nicht helfen, wenn ielfs könnte. Ihre Seele begehre ich nicht, sic ist ohnehin für «las (»«hinnoni reif, und selbst Asclmicdai wir«! für sie nicht einmal einen schäbigen Groschen 'geben.“ TX. Einige Augenblicke stand ich wie verwirrt vor iluu. Schmu und- Reue, Zorn und Wut über «lie verlorene Zeit, «lic ich zu meiner Rettung halt«* aiisnutzen können, kämpften in meinem Innern cimm harten Kampf. '„Wenn Sie «ler nicht sind, für den-ich Sie hielt**, sagte ich endlich, „müßte ich -wünschen, daß Sie es wären. Retten Sic nuch, sonst bin irii verloren. Sie nll«*in: sind an allen meinen Verbrechen schuld.** ' ..So pflegt der Mensch immer zu tun. Er will stets der Unschuldige sein, selbst wenn er seinen Bruder gelötet hat“, sagte er lebhaft und schnitt dabei eine Grimasse. „Wer hat Sie denn gebeten, so sput in meinen Garten zu kommen, wo ich ruhig srhlief. Hätten Sic. mich nicht aufgeweckt, so wäre das Furchtbare nicht geschehen.** „Sic haben recht. I)cr Schlaf .«Icr Bösewichter ist ein Segen für sic und ein Glück für die Welt. Aber was ist meine Schuld?.. Hatte ich Sic geweckt, damit Sie .rieh mit einer fremden Frau IRltrf / .ffihie / Gräotgung ciula»rn? Damit Sie Morile begehen mul Feuer dnlcgcu? So ist «lr» Menschen Art. Wenn er Tausenden mit «lern Messer oder einem muleren metallenen Gcgenstan«! «las Leben nimmt, möchte er am liebsten alle Schuld der Er«lc zuschrcibcn, weil sic in ihrem Schoße «las Erz birgt, aus dem diese Werkzeuge hergestellt werden.** ..Warum haben Sie m meinem Garten die Rolle «les Teufels gespielt und gesagt, Wer ihm ein Haar biete, dessen Kopf sei ihm auch schou verfallen?** „Halte ich «leim nicht «lic Wahrheit gesagt? Wer kamt «lic Wahrheit meiner Worte besser bestätigen als Sic selbst. Habe i«'h etwa ein Haar von Ihnen verlangt? Haben Sic mir eins gegeben? Nein, in «lern Augenblick, als Sic der Frau des Edclmiimts begegneten, durften Sie unter keinen. Umstünden Ihre Mirjam vergessen. Sie wären dann auch nicht zu all dem gekommen. was Sie jetzt so unglücklichmacht. Sie bauen zu viel aut Ihre guten Eigenschaften», oder vielmehr Sic denken gar nicht au sie. Sonst wären Sie sofort zu Ihrer Frau und Ihren Kindern gegangen. Die erste Sünde, «lic «Icr Mensch begeht, zieht immer wieder eine aiuler«* nach sich. Das ist die Bedeutung der Worte: Wenn man dem Teufel ein Haar bietet, hat er bald den ganzen Kopf.** „Sic haben reellt. Aber ich konnte oll das nicht vornuss-chen.“ ' * ..Aber rechnen konnten Sic damit. Sagen Sic selbst, konnten Sic «leim nicht vorausschcn, «laß Rosalias Gatte , im Zimmer erscheinen könnte? Konnten Sic nicht annchmcn, daß ein Brand entstehen müßte, wenn Sie ein brennendes Streichholz in einen Strohschuppcn werfen, nicht daran «lenken, daß der Manu, in diesem Falle Ihr Bruder, unter den Wagen geraten würde, wenn Sic auf die Pferde cinhanc». während er sic vom am Zaum festhält?1* Aber Sic müssen doch zugeben, daß cs bei der ersten Sünde batte bleibe« können, wenn nicht zufällig eine Reihe von Umständen zusamn[engctroffen wäre?“ ..Sic sind im Irrtum. Das, was Sic böse, unglückliche Zufälle nennen, wäre für Sic etwas ganz anderes geworden, wenn Sie 6osscr fiberlegt hätten. Die Welt ist ein Paradies, nur die Menschen machen sic zur Hollo. Sueben Sic kein Verdienst für sich. Sie werden es nicht finden.** „Ob. bis heute Nacht bin ich ein reiner Mensch, ein guter Vater, ein treuer Gatte gewesen. Aber jetzt bin ich ein Verlorener. entehrt, ohne Ruhe, ohne Trost.“ ..Au«h darin muß ich Urnen widersprechen. Man wird nicht in einer Nacht aus einem Engel ein Teufel, wenn man nicht schon Ich hörte leise Tritte, sali aber keinen Menschen. Und wieder fühlte ich, /wie ein warmer Hauch in mein Inneres «Irnng. Ich hört«: Kinder miteinander sprechen. Allmählich wurden meine Cedankeu klarer. Tidi fühlte mm. «laß mein Lager hart war. Es schien mir, als läge ich auf «ler Bank in meinem Garten. Ich schlug die Uder auf und erblickte meine Frau, die mich mit ihren Küssen aufgeweckt halt«/. Die Kinder klats«*hten vor Freude in die Händchen um! kletterten zu mir auf die Bank. Mirjam umarmte mich und machte mir mit Frcndenträncn in den Augen leise Vorwürfe, «laß ich sic nicht geweckt hätte. Wenn der Diener nicht vor <*ineV Viertelstunde mit «1cm Koffer gekommen wäre, . hatte sie überhaupt nicht gewußt, «laß ich schon zurück sei. Ich lag noch einige Zeit auf «Icr Bank.uiid wagte nicht, meinen Augen und Ohren zu trauen. Ich hörte, wie meine Frau mul meine Kinder mit mir rctletcn. ich sah die StccUcnpfcrdchen, «He kleinen Trompeten und die Peitschen auf der Er«Ic liegen, genau so. wie ich sie bei meiner Ankunft vorgefunden batte'. Auch Mirjams Strickkorl» stand auf dem Tisch. Trotzdem war es mir noch nicht ganz klar, wo ich mich befand. Erst als. ich mich ahtastctc mul meine Brieftasche an der gewohnten Stelle fühlte, .als ich keine Blutflecken an meinen Kleidern wahrnahm, begann ich mich allmählich langsam zurechtzufinden und fragte meine Frau: ..Hat Ferdinand die ganze Nacht,auf «ler Station geschlafen?“ „Sonderbar!. Du selbst hattest doch angeordnet, .daß er dort übernachten sollte.“ ..Erst vor wenigen Minuten ist er gekommen und wußte von keinem Unglück zu' berichten?“ „Was sprichst du da für merkwürdige Dinge?*1 fragte Mirjam . erstaunt. „Und ihr alle habt still und ruhig geschlafen und nicht das Geschrei auf den Straßen und das Läuten der Glocken gehört?“ „Du mußt geträumt haben.** ...Ta, Mirjam* ich hatte einen furchtbaren Traum.** Ich rieb mir die Augen völlig "wach. "Solange ich lebe, hatte ich keinen so klaren, schrecklichen Traum gehabt. Ich erhob mich, und wir gingen vergnügt durch den schönen Garten in unser Haus. ' Beladen mit allerhand Spielzeug für meine beiden Jungen, erschien ich spater am 'Frühstückstisch. Beim Anblick «1er Geschenke sprangen sie mit einem Freudenschrei auf. Dann über- . reichte: irh Mirjam ein Geschenk, das ich für sie in Prag gekauft hatte. ..Zu deinem Geburtstage, Mirjam.“ ..Und nun setz dich zu mir“, sagte sic. nachdem ihre erste Frciidr sich gelegt hatte, „und erzähl' mir deinen Traum.** ..Mein Lieber“, meinte sic lachend, als ich die Erzählung beendet hatte, „man soll Träume nicht allzu gering cinschätzen. Veilleicht hat «lein guter Engel mit dir gesprochen. Es gibt Träume, die der klarste Spiegel sind, in dem wir die Flecken unserer Seele erblicken.“ (Schluß folgt.)