Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 28 (8.7.1936)
- Date
- 1936-07-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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llcim.-tüiic ohne jüdische lhdigioifc^llfbinicu, Es gibt keine \JudcnlnU ohne Judentum. Hier kann *d«*r jüdLehc LUxM-ui'isum* helfen bzw. 'cingreifeu. Man hört, «laß im AiiAchhiß an die Reise von _X)r. Dienemaiin und seine Bcmfihiiiigen Rabbiner L)r. Wilhelm in Jcriwilrfii eine ndigiüjr-ühcrulc Arbeit aufnlmmt. Oie. Vorbereitungen Mini l»er<:3u in die Wege geleitet. Auch konnte man auf «Irr kommenden liljernli n; \\ « llkonferenz tlen Vorschlag machen, j ü <11 s «• h - I i b e r a I «.* Siedlungen für Jugendliche zu l>egrüuden. Ein M«*n»«Ji, der religiös-liberal eingekeilt ist, kann' einerseits nicht in einen Kibbuz cmir«*le», der orthodox' ist, *amlvrer*eils auch nicht in einen solchen, der auf rein weltlicher Grundlage aufgehatil ist. Ziisamiuengcfaßl läßt sieh sagen, daß der Aufhau Palästinas nur durch eine „deform au Haupt und Gliedern” möglich ist. Marlin lluher sagte einmal in eiuer Versammlung: ..Wenn Ihr Palästina nufhuuru wollt, wrnlel Ihr cs nie aulhaueu. neun 'ihr Zion aufhauen wollt, dann werdet ihr Palästina aufhauen.” Daran initzuarheiteu, ist 'die grol.hr Aufgaln: des jüdisch-nJigiösCii f.iheralistmis! Gustav Kahn. * Paläfiina ~A li C I;ür''dugeudiiehe und Erwa«:h>cn<*, die in die A HG-Schule di*> Judentum? gehen wollen und müssen, um sieh die erforderlichen JJemcnlar-Kenntnisse auzueignen, wird jetzt, sozusagen in literarischen Selmcllkur&eu, eifrig gesorgt. Nach dem jüdischen AlIG, «las Emil Heroharil Golm hcrausgcgchcn. hat. ist jetzt ‘im Verlag Arid, Berlin) ein ,.P a'l ä s l i 11 a - A B G" erschienen, das i)r. Küdolf J.evy zum V«*rfa-.»er. hat. Beginnt Emil Bcnihard Golm sein Alphalx-l mit '.\hetileueru. das uueuthehrlielu; Philo-la’xikon die Fülle seiner Stieliworle mit „Aachen”, so Hinein uns der wortkarge Führer durch Palästina einleitend mit dem oder der?; „Ahajah“ hekannl, dem muuteiorligeji Kleiiluugsstüek der. Beduinen. Für das Schlußwort des jüdischen Alphabets scheint mau sich aller wenigstens in den hridcu letzten Fällen aufdie. Zypresse geeinigt zu ha!>eu. Das Palnsrina-ABG enthält in reichhaltigem Maße Siiehworte aus alh'U Gebieten «les pnlä-liiieusisehen I.ehens «1er Gegenwart und ermöglicht eine flüchtige Orientierung. Aber auch nicht mehr. Fs wäre durchaus denkbar gewesen, daß mau, etwa mit Hilfe von Abkürzungen, den einen oder anderen wesentlichen Begriff doch etwas nähererläutert, dies und jenes etwas deutlicher eharakleri-iert. hätte. Und was soll mau hei der rapiden Kntwirkhuig des Landes mit Ziffern, und Zahlen aufaugen, die aus dem Jahn*' 1‘t.Tl stammen? Daß Xahum Sokolows Tod keine Erwähnung mehr gefunden hat, scheint ein Beweis dafür /.u sein. daß..der I IcrauMielier recht bald mit einer revidierten und ergänzten 'Auflage rechnet. Kleine Erlebniffe Am eisien schonen Sonntag des Frühjahrs (rieh es mich nach.dem ITiedliof in Weißensee, uni die Grähcr meiner Liehen 7.1t besuchen. In meiner Abwesenheit telephonierte eine befreundete Dame bei mir au. ]> entwickelte «.ich folgender Dialog zwischen ihr und meiner jugendlichen .Hausgehilfin: ..Nein, die. -gnädige Frau ist nielii zu Jlnus«*. Sie ist uaclif Weißrusee gefahren.“ ..Nach dem Friedhof? Zu einer Beerdigung?“ .. V«*h nein, nur so — zu ihrem Vergnügen!“ * Fines Aormittags sitze ich über einer schriftstellerischen Arbeit. Milieu in meinen Gcdaukcngaiig hinein klingelt es. Ach, druke ich, diesen Satz kannst du noch zu Ende schreiben. Da klingelt es zum zweitenmal. Während ich die flatternden Blatter vor einem Windstoß heim Tfirüffncn sichere und schon über die Störung ungeduldig bin, klingelt cs ein drittes Mal, diesmal sehr heftig und energisch. Ein Bettler? Nerxos mache ieh die Tür auf. Hiehlig: „Ein anner Jude, dem es sehleelit g«*ht, bittet 11m eine Gabe.“ Etwas tmgelialteu sage ieh: ..Da reißen Sic mich mit Ihrem Geklingel aus meiner besten Arbeit!“, unil indem ieh ihm eine Gäbe mehr*. ..Merken Sie sieh mal -für die Zukunft: Wenn man bettelt, muß man wenigstens Rücksicht nehmen und warten können!“ Darauf der Fremde: ..Sie sind Schriftstellerin, wie ich hier aufdem Schild lese. Zu seUveUwn mögen Sie verstehen, alter wie mau betteln muß. das weiß ieh l>osser! Da können Sic miß nischt-erzählen!“ * Lin andermal, denn die Not ist groß und man hat F.rbarmcn mit jedem, der mit einer Bitte vorspricht, bietet einjunger jüdischer Bursche an «1er Haustür aus scin«‘m „Bauchladen“ Seifen und ähnliche Produkte zum Verkauf au. Ich kaufe ihm etwas ah. Dann bittet er um ein Glas Wasser. Ieh nehme ihn in die Kurhe, Melle ihm das mit Fmchtsaft schmackhaft gemachte Glas Wasser hin und gleichzeitig einen Teller -Flammeri«*. .Wahrend er sielPs gut schmeekcu laßt, fange ieh an, mit ihm zu plaudern und mich nach seinen Verhältnissen zu erkundigen. ..\ crtlicnst dit denn gut' mein Junge, imd was treibt der Vater?” .. \ch. der Vater hat’s s«*hw«;r, der handelt auch mit Seife. Aber der --verdient mehr als ieh. Und“. fährt er nun, die l'auiiliemrrhaltiiissc erklärend, fort: ..UntI meine Schwester, die ist Schneiderin, die -arlxdlct in einem Mäntclgesrhuft. Die verdient ^uim'Ii ganz nett. Mein großer Bruder,. der ist Kürschner. Na. iin Sommer hat der stille Sa-i-*sm.“ I. ml ieh frag«*; ..Hast du noch. eine Mutter?“ ..Ja, die -Mutter wäscht und plättet und kocht und macht all«*s rein.“ ..Lud verdient die Mutter aurli?“ . Darauf er. erstaunt und fdn*rrasehl: ..Oh die Mutter verdient? Nee, die arbeitet «loch nicht!“ Der. klein«* Joseph ist lx*i mir auf einige Tage zu Besuch, während seine Eltern ihre Dliersiedhmg ins Ausland ' vornehmen und die Widmung auflö?cn. Ich gehe _ mir Mühe, ihn nicht; nur nett zu. bewirten, sondern ihm auch ..die höhere Kultur der Gastlichkeit“ beizuhringeu und immer, wenn ich ihm'etwas reiche, sage ich: ..Darf ich dir das anbicten?“ Als er neulich Lust auf »orh ein Stückchen Kuchen hatte. er mich treuherzig: ..Tante, «Iarf. ich mir dieses. Stückchen Kuchen anhieten?“ I - ^c*ncEllen ist vor einiger Zeit mit ihren Eltern narb Palästina übcrgcsicdclt. Noch eingedenk ihrer etwas stürmischen Überfahrt ist sic sehr Iwsorgt um die Großeltern, die sich gerade-auf der Schiffsreist* 1k*finden und zum Besuch .erwartet werden. ..Ich habe solche Angst“, sagt sic. „um die Großeltern auf dem Meer.“ .. ..Bete nur schön .zum* lieben Gott“, meint die Mutter, als sic sic zu Bett bringt, „daß er sic beschirmt.“ .Ja, Mutti, ob'der liehe Gott mich auch versteht, wenn ich hier in Tel Awiw deutsch zu ihm spreche? Hebräisch kann ich doch »och nicht genug .. . .“ Frieda Vallentin. Wiederfehn mit ,,Jugendfreunden“ Ludwig Fulda im Berliner Kulturbund Aio ii im Theater i*t cn nicht ohne Heiz, mit guU'it alten Bekannten \Vjcd<:j>elim zu feiern. Der Kulturbund vermittelte uns eine solche Begrimmigim engen Kreis.- naelidem Ludwig Fuldas ...I 11 g i* n d f v e 11 u d c“ von einer bald vierzigjährigen Weltn-3-e über die Bühnen de> In- und AuslandeztmVkgekchrt sind. De* Hegi--i;ur Ernst H o s e n 1> a 11 m. der mich dr in er.-ten Akt die persiflierende Note in einen behaglichen Lustspiel ton übergehen ließ, hat das .hiiiggr-cllrnmtartctt um ein halbes Mcii-clicnaller jünger gemacht, indem er di** M«*iwhrij in «las lii-tori-ehe Kostüm rler Zeit um 1910 klehlcle mul den Schlager dieser Jahre. ..Puppchcii. «Iu bist mein Augenstern“, durch den Trichter eines Phonographen gröhlen Heß. l> ist auch heilte noch unterhaltend, wie Fulda ans der Mischling eingefleischter Junggesellen mit entsprechender Weiblichkeit einen Fhcsaiicrteig entstehen läßt, der dem Außenseiter Dr. Martens den Appetit am Heiraten ganz und gar verdirbt. Lächelnd, unbeteiligt sieht er dem Ehekrieg zu, der in seiner Jtniggr.-rllriiuohmmg, dem voii-Heinz Gondcll zeitgemäß mißgestalteten ..litdiaiicrzclt“, au-lirielil. als die „Winklrrsche” dem Landgausehirii von Teelmikrrsgallinnn Vertrauen milteilt, daß di<* zur Ehefrau «*rhohen«* filia hospilalis des Malers Hagedorn gefärbtes Haar trägt. (Zeit der Handlung: Um 1910.) Aber Dr. Martens will ltuhe und Unabhängigkeit.1 Um beides zu bewahren, tituliert, er seine Sekretärin, Dora Lenz, der er die* Erlebnisse einer Weltreise ins Stenogramm diktiert, vorsichtshalber mit „Herr Lenz“. Daß dieser „Herr*' ihn in Versuchung führt und daß der routinierte Diener Fritz Lion wie alle Gedanken seines He rrn so auch dessen künftige Hochzeitsreisevorausahnt und mit der Köchin einen Zweckverbaml gründet, indem sie zusammen eine Hiewirtschaft aufmachcn, ist dem letzten der vier sicher gebauten Akte Vorbehalten. Gerade als die drei Jugcudfremulc heim Frühschoppen den schweiim Entschluß gefaßt haben, sich allwöchentlich einen ehefreien Altend zu verschaffen, macht - Walther Herz llnth Manheimer zur FrairDr. Martens. Während er ln der Lustspicl- ' ntmospharc nicht die rechte Stimmung uufbringcu konnte, hatte Ruth Manheimer das stille Lächeln, das Verträumte, Verhaltene, Scclenhaftc aus Fuldas' Märehcnbezirkeu. Die“ schönste Leistung des Abends. Martin Brandt trug Ludwig ‘Fuldas Kneifer und ein ncr.voscs Pautoffelheldcntum zur Schau. Als iiuporlenraueh'ender Bohemien fühlte sich Herbert G r ü 11 b n 11 m iu «ler gastfreien Häuslichkeit seines Freundes sehr wohl. Für den Elektrotechniker mit seinen blumigen Heden und seinem aufgekratzten Juhu-dcntum halte sieb Jos. Ernesto Lcwy Bruno Ka-Iuer zum Vorbild genommen. „Pyramidal!“ Munter, voll resoluter Frische Gl na Friedman» als echauffiert sueliselndc •Frieda mit dem Offenheilskomplex. Gerda Klei 11:' etepetete, eine junge Sandrock.in Haltung mul dem männlichen. Brustton der Überzeugung. Ellen Moses traf glücklich dos Naive der gänschenhaften. Verliebtheit und den Ausbruch hemmungsloseil Sehluehzens. * . . Der Berliner Kulturbund hat Ludwig Fulda-mit dieser Aufführung eine verspätete Ehrung: und eine verfrühte Ccburtstiigsgahe bereitet. Iu seinem Sommerhaus hei Bolzano wird der Dichter am 15. Juli 74 Jahre alt. Die Nachricht von dem Erfolg, «ler seinem Stück und der Aufführung gezollt wurde, wird ihn •auch jenseits «ler Zollgrenze erreichen. Aufnahme; Sonnenfeld Ludwig Fulda Else Dublon tanzt Au dic>em heißen -ln Habe ml machte die Kfmsilerlnlfe der .lüdi>e|i«*u Gemeinde die Probe auf «las -Excmpel von Else Dubio 11 s Beliebtheit. Ergebnis: ein üherfüllter Saal, ln dom lropbein* Glut herr-chic.. In dieser Atmosphäre wiekeltc sieh ein tropisch-üppige* Programm ab. «las er-t in der MiUernachlsstunde zum Ende gedieh, und von dem .man sagen kann: Weniger wäre mehr gewesen. Else Duhlou zeigt sieh weiter auf dem Weg einer erfreulichen Aufwärtsentwicklung. Sie gab ..Figumt und Bilder ans einem kleinen Simltel“. zeichnete mit ihrer tänzerischen Grazie, ihrem sicheren Beohaehtuiigsvermögeujene immer von einem Hauen «ler Melancholie umwitterten ostjüdjsehcn Gestalten nach, die auch «ln. wo sie sieh lebensbejahend gebärden, unter «lern-Druck eines unsmhtbnrcn Packens zu. stehen scheinen. Else -Dublon läßt;uis starker Elnffdilungskraft heraus all «liesc Arensehen in runder Plastik erwachsen, und wenn mau bisweilen das gesungene Wort nicht versieht, &o sind Mimik und Gestik ül>erzeugcnd und -aufschlußreich genug, um keinen Zweifel über «len Inhaltdes Vortragsaufkommen zu lassen. Es ist eine .srhlieht-aiispruchslose,- volksgelmrene KuiiM. «lie sie vermittelt: un«l sic wird ihr mit natürlicher Lebendigkeit und wirklichem Sinn für Humor gerecht. Theatralisch wurde sie nur einmal:; als sie. zu Beginn, «du Wiegenlied sang. Beizend das ..Mizwetfinzl der Großmutter auf «ler Hochzeit“ und unter den Charaktertänzcu besonders hübsch ..Die Klafte“. «lie freilich «lurrh eine energische Zusnnuncnzieliung an Wirkung noch gewinnen wurde. Else Duhlons bewährter Begleiter Hudi Lehmann assistierte ihr auch hier mit .seinem vornehmen Können. Das Orchester dev Kü n s.t 1 e rh i 1 f c spielte unter Ernst-Ewald Geberts Leitung Mozarts ,.Titus“-Ouvertilr«*. vier Satze aus Glucks Ballett ..Doit Juan“ und zwei Sätze aus Bizets ..L‘Arh>ienue“-Suili* Nr. 1. So wenig das <*twas hart klingende ZusatumciHpirl «lern Geiste Mozarts gerecht zu werden vermochte, so vortrefflich und so bemerkenswert in «ler Steigerung gelangen das - Ballettfinale und „L'Arlesicnne“. Dem tüchtigen jungen Knpelim«isU*r nn«! seinen Damen -und 'Herren wmtle ebenso, Murnd-i*!;:*! Beifall gespendet wie Else Du)>lou. R. Vf*. Steinberg dirigiert - Un.-ei*. Konzert leben isl au beileuteiiden Ereignissen sein* arm gcwoialen,- «ler ganz ungewöhnliche B«ufall, den ein Sonderkoiv/crt des Jüdischen Kulturbundes unter dem neuen Generniissimus Ilaiis Wilhelm S t e i ti I» c r g fand, beweist, wie ausgehungert unser Publikum nach großen Leistungen auf dem Gebiete schwerer sinfonischer Musik ist. Eine Lebensbeichte, von Tschnikowsky in seiner pathetischen Sinfonie iu überzeitlichen Tönen gestaltet, sprach warm, ergreifeml, ntifrüUchul zu uns.- in der Naehgestalttmg eine* Dirigenten, dem «ler elementare Feuerstrom, die weltmännische Geste dieser Murik offensichtlich besonders uahestelil. Steiuherg ist der Typ des temperamentgeladenen Musikers, er liefeldigt sein um mehrere Spieler verstärktes Orchester “kraft «ler Leid«*itsrhaft, «lie ihn seihst ergreift, fortreißl, iniincr wietler zu Steigerungen von äußerster Fülle anhebt, wobei alles Larmoyante. Graziöse, Sentimentale ebenfalls feste männliche Konturen erhalt. T Die Aufführung eines. Werkes von Eriiest Blo-ch ist uns iminei* ein gewicdiliges Ereignis. Sfcinbcrg sjuelt«? ein Concerto grosso für Streicher und Klavier. Dem Meister fiel c» bei, einen ersten Satz n hi Bach, einen zweiten frei nach Tschnikowsky etwa. ein<*n tlrillcn im Stil einer zahmen Idylle., einen vierten ä la Händel zu schreiben, und die Art, wie siel» Bloch in all «Ins' luneinhört, ist sicher staunenswert. Trotzdem glauben wir, rund herausgesagt, «laß liier aus «ler' Not-eine Tugend gemacht wurde, weil Bloch eben einen ganz spezifischen Pcrsondlstil nicht entwickeln konnte. Das im einzelnen famos gemachte, interessante Stüi’k fand in Sleinberg und dem Orchester ebenso liebevolle , Interpreten wie «ler Orehestcrsntz «1er Mahlcrschcn „Lieder eines fahrenden Cesellen“. Fritz Le ebner als Gesangssolist hat den Sinn für die Gebärde dieser in der Melodik holzschmttartig vmfavlwn Musik, bei «ler er die Mitte findet zwischen Herbheit und .Gefühl, altem Volksliedklang und romantischem Überschwang. nn. THEATER,KUNST, LITERATUR Maria Elsner wurde auf sechs Monate an das Theater in Svilney ''Australien) <*ngagiert. Die Künstlerin singt dort die Titelrollen in der ..Lustigen Wityc.“ und „Cznrdasfürstm“. Tn Wien starb plötzlich an einem Herzanfall der früher in‘Berlin bekannte Thealcranwalt Dr. Kurt Berger, der auch an mehreren Bühnen als Darsudler tätig war. Tm Rahmen der Pariser Festwochen hat Bruno Walter an der (»roßen Oper ..Don Giovanni“ und „Fitlelio“ dirigiert. * Bei dem im großen Musikveremssaal in Wien veranstalteten Feslkon7.ert aus Anlaß des II. Weltkongresses jüdischer Frontsoldaten wurden «lie ..II e h r ä i s e h e n Gesänge*/ unter, der Leitung des Komponisten Jaromir■ Weinberger nraufgeführt und ernteten reichen Beifall. * Der jiddische Erzähler mul .Dramatiker David Pinski, der in Amerika lebt, hat sich kürzlich in Paris aufgehalten. Bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Tee äußerte er sich eingehend über «las jüdische Leiten in Amerika. _ Festschrift für Professor Ileinemann. In - «lie Wcltanschauungskunipfe der Gegenwart führt ein Aufsatz von A. Lcwkowitz in 'dem soeben erschienenen Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Juden- 111 hi s ein, der sich insbesondere mit Heidegger auscinandersctzt. Max Gruncwäld-Mannhcim stellt in seinem Aufsatz „Versuch vflbcr die Freundschaft im Judentum“ «lic Zeugnisse ül>cr Freundschaften und ihre Wertschätzung von David und Jonathau bis zur Gegenwart in eine ulccngcschichtlichc Betrachtung der Freundschaft im allgemeinen ein. Ferner enthält das Heft, dem Herausgeber Professor Isaak Ileinemann. zum 60. Geburtstag gewidmet, eine Reibe wertvoller fachwisscnschaftljchcr. Arbeiten über Josepbus. Cahirol und Maimonidcs u. a. ans der Feder bekannter Gelehrter. - Aus Blättern der Vorzeit Johann Gottfried Herder, der sieh mit intensivem Eifer der' Erschließung «les Geistes der hebräischen Poesie gewidmet hat, fand hei seinen Studien den Stoff, den er, als Gegenstück* zu seiner Sammlung aus «lern griechischen Sagenkreis, unter dem Titel „Blätter der Vorzeit“. Dichtungen aus der morgenläudischcn Sage, veröffentlichte. Waren die „Paramythicn“ durch Lessing angeregt, so waren cs die jüdischen Parabeln durch Moses Mendelssohn und Davit! Fricdlandcr. Diese jüdischen Dichtungen 111hl Fabeln lmt Dr. Fritz Bambcrgcr in der Bücherei «les Schocken Verlages neu hcrausgcgchcn als bemerkenswertes Zeugnis «ler Anregung, die die altjüciische Literatur, der Weltliteratur gegeben hat. Hier einige Proben: Der Rabe Noahs Ängstlich blickte Noah umher aus seinem schwimmenden Kasten und wartete, bis «.lic Wasser der Sündflut fielen. Kaum sahen der Berge Spitzen hervor, als er alles Gefieder um sich rief: „Wer“, sprach er, „unter euch ‘will Bote sein, ob* unsere Bettung nah ist?“ Da drängte sich vor allen der Rabe hervor mit großem Geschrei: er witterte nach seiner Lieblingsspeise. Kaum war das Fenster geöffnet: so flog er hin und kehrte nicht zurück. Der Undankbare vergaß des Retters und seines Geschäfts; er hing am Aase —. •Aber die Rache blieb nicht aus. Norh war die Luft von giftigen Dämpfen voll, und schwere Dunste hingen über den Leichen; die benebelten ihm sein Gesicht nn«! schwärzten seine Federn. Zur Strafe seiner Vergessenheit ward ihm auch sein Gedächtnis wie sein Auge düster: selbst seine neugeborenen Jungen erkennt er nicht und genießt an ihnen keine Vaterfreude. Erschrocken über ihre Häßlichkeit flicht er hinweg und verläßt sic. Der Undankbare zeugt ein imdankbar Geschlecht; entbehren muß er des schönsten Lohns, des Dankes seiner Kinder. Alles zum Guten Immer gewöhne sieh der Mensch zu denken: „Was Gott schickt, ist gut; es dünke mir gut oder böse.“ Ein frommer