Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 25 (17.6.1936)
- Date
- 1936-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Beilage 17. Juni 1936 JÜDISCHE AUGEMEM ZEITUNG fl *0 0 Kleine Erlebnisse mit großen Chirurgen \«m K1UEDA VALLKNTIN i! Plötzlich eines Tages hat man irgend ein kleines Weh, eine körperliche Beschwerde! Es scheint nichts zu sein — aber es wird größer. Es beginnt zu sturen. »Was mag das bloß sein?'* „Ob es nicht von selbst vergeht'*1'* „Ob man doch niul einen Arzt fragt?" „Aber es'kostet gleich Ohl — und davon lidt man nicht viel; gerade ubgezuhll und manchmal kaum so viel, daß es zum dringendsten Leben aus reicht." Was ist denn das Dringendste? Schließlich die Gesundheit! Und wenn man sich zu dieser Erkenntnis durchgcrmigeii hat, cutstelft die Truge: „Zu welchem Arzt soll man geilen?" Ja, früher! Ganz früher, du w-ar das andersl Da hatte fast jede jüdische Familie ihren Hausarzt, der gleichzeitig Ervund der humilic war. Da wußte man gleich, au wen mau sich in Krankheitsfällen zu wenden hatte uud wenn einem auch nur der Finger, weh tat. Dunu kamen die Spezialisten —' die Kassen. Dann kam der Krieg. Viele Arzte wurcu draußen iui Felde. Daun kamen die gesenkten wirtschaftlichen Verhältnisse: immer mehr loste sich dadurch die Stellung des Hausarztes. Die Berühmt' heilen, au die man sich nur iu Fülleu besonderer Erkrankung wandte, „entfernten durch ihre Würde, ihre -Höhe eine \ertruulichkeit", zumindest wurde sie erschwert. Das Familiäre, das rein Menschliche, Persönliche stand im Hintergrund. — — Unsere jüdische Notzeit mit ihren iiivelliercndcu Kümmernissen mul borgen, da\on kaum eine Familie ausgeschlpssen bleibt, die Umstellungen, die auch an der jüdisclicu Ärzteschaft nicht vmüberging, haben einen neuen Kontakt geschaffen, eine selbstlose und uuloplcmdc Bereitschaft bei den jüdischen Ärzten für ihre Kranken und Bedürftigen, die von wahrer Menschlichkeit und Sciiicksalsgemciuschaft durch das jüdische Erleben spricht, „da, keimen Sie denn nicht unseren großen Chirurgen, Professor 11.?" . U nd eines Tages bei ciuem Besuch im Jüdischen Altersheim, da spricht zufällig ein alles Mütterchen hier, ein anderes da,' da erzählt plötzlich ein alter Herr in so rühmenden^uml \oii Dankbarkeit und Hührung durchzitterten Worten vou diesem Professor und seiner . ärztlichen Kunst, seinem j mitfühlemlcii Helferlum. daß mau sieh eines Tages ein Herz Taßt und zu ihm gehl. — Es ist gleich, als hatte man ihn immer gekannt, ihm immer seine Nöte uuvcrlraucji dürfen. Aber das Schwerste kommt noch: die Ihiuorurfruge bedrückt einem das Herz. „Darftlier machen Sic sich mal keine Sorgen! Es ist keine große Suche» Ich helfe Ihneu gern." „Herr Professor, Sic wollleti » . Da rinnen schon ciu paar schlecht verhaltene Tränen herunter, „Kommen Sie morgen um 11 Uhr ins Krankenhaus. Ein bißchen Augst hat man doch vor dem Messer trotz allen Vertrauens. „Herr Professor, werde ich auch nicht „umkippeu“?“ ' „Keine Angst", klingt seine gütige Stimme scherzend, unsere Stühle stehen ganz fcstt*4 Und später, so. im Ilalbschälf unter der Einwirkung der Betäubungsmittel, da träumt mau sich zurück als Kind, da wird alles lebendig, was man einst an kleinen Erlebnissen mit großen Uiirurgcu erfahren hat. Da taucht Professor Julius Wolff auf, der große Ulururg, der „Knochen-W1-«) ff", der kürzlich seinen . IUI). Ücbürlstug bulle begehen köiuicu, der einst unser Hausarzt war und uns Kinder hu-Lebcu befördert lmt. „Kleine Heuchlerin“ höre ich ihn — ein hißcltcu verärgert •— sagen, daß er noch abends spät zu mir gerufen wurde. — „Kleine Heuchlerin, es fehlt ihr gar nichts. Sie will nur gern — verwölml, wie sie ist, —- daß die Ettern, die gerade für ein großes Fest gerüstet sind, zu Huuse bleiben. Vielleicht bt cs auch „Fa u I k r u n k he i t", und das Mädel hat seine Schulurl»eucu nicht geiuueht . . Uud etacli, Onkel Doktor, am andern Tage mußtest Du fcststellen, daß ich Scharlach hattcl Wie oft noch habe ich diese „Fehldiagnose" als Sehulnmilcl benutzt, wciui ieli gern .die Schule schwänzen wollte. Oder du ist unser aller SuiutÜtsrut, der mir die W unde aut Knie uülite nach dem lladuitfaii, wo Vater docli das Rudeln uls „uupusscwl uud unweihUch4* dtuijaU streng verboten luiltot Unser lieber Hausarzt, der in regelmäßigem Turnus, imgerufen, nach dem Befinden der Familie sah und dabei stets mit einem Gläschen- Portwein, uud Mittlers Mürbekiteltlctit liewirlct wurde. ■„Kinder,** sagte er, wenn er dabei iu sein geistreiches Plaudern kam, „wenn ich mich!>ci allen Patienten so dttrchcsse, werde ich cs wohl nicht lange machen." Dieser heitere Lebenskünstlcr Iwluclt Ucelu. Kr starb trüb au der Zuckerkrankheit, für die er kviiU'Ylei Schonung aufbruclite. Kr seihst war von ärztlichem llcilmittchi nur relativ überzeugt. „Geht ein Blatt Papier, duß ich Euch eine Medizin aufschrcibc, sonst hält mich Euer üngsiliclter Vater für einen schlechten Arzt. Aber nehmt's schnell, sonst werdet Ihr vorher von selbst gesund.4* — Ist da nicht Professor Israel mit seinem laugen weißen Bart uiid seinen eleganten Allüren, vier midi da nuch einer' schweren Operation' mit wuticm'berühmt gewordenen Arztestab besucht? J===- Au jenem Arztestab ist auch mein Professor hcrvorgegaiigcn,- ileritsicli jetzt über - midi lieugt. Und w ieder ganz wach uud gegenwärtig versuche ich, unter deui verbundenen Gesicht dio Lippen zu bewegen: „Herr Professor, darf ich schon sprechen?" „Wozu" klingt seine liebe Stimme im Unverfälschten ostprcußtWien Dialekt, „Sie wollen Hagen: Danke schön, Herr Professorl Nu also! Das weiß, ich ohnehin. - Also schön ruhig verhüllen, -und alles wird gut!** Uud alles wurde gut. Warum sollen wir nur immer die Taten unserer großen Arzte lohen, wenn irgendein Jubiläum oder ein Gedenktag nach ihrem Tode uns Veranlassung dazu gibt? Dciü lebenden sei der Uulunc«- kruuz geflochten, damit er noch den Dank ernten kann uud die Anerkennung finde für die Güte und Hilfsbereitschaft, mit der er wdne große Kunst uud Wissenschaft der leidenden jüdischen Meusclihcit widmet. Gewiß, es wird gerade „meinem“ Professor, dessen Verdienste, dessen Wirken weithin bekannt sind, nicht au Dunkbarkcir fehlen. Aber <Iuh möchte eine dunkhuro Puticntiu iin Namen von so vielen aussprccheu, daß cs allen Gesunden und Kruukeu Trost und Hoffnung sein soll, daß uns noch solche Männer geblieben sind, denen w ir in deu Tugen der Krankheit uns onvertraueu dürfen'und sie vou Mciisch zu Mensch um Hut und Hilfe angcheu können. T&nrMfmia** fr Zwei verschiedene Männer &ind?s, die JjGgCgtlllTlg mir jetzt täglich begcgricu. Gemeinsam ist .Ihnen: daß ich sie schon gekannt habe, als sie noch Leinen besonderen Wert darauf legten, als Juden ungesprocheu oder auch, nur als Juden erkannt zu wenjeu. Der eine — von den beiden — .hat es heutzutage bereits zum richtiggehenden P a t e u t j ti d e ii gebracht. In relativ kurzer Zeit haben sich Scham uud Ablehnung in ihm geradewegs ins extreme Gegenteil gewandelt: Der Westeuropäer von 1932, mit dem jüdischen Besseutiiiieul im Busen, kommt sich nun vor wie ein Märtyrer; mir. kommt er vor wie ein Protz. Er schreitet einher auf clleuhohem Kothurn; seine Worte, kürzlich noch zugcschnitten nach dem dernier-eri, haben uuf einmal deu bronzenen Abglanz der Jahrtausende; er redet geradezu wie das personifizierte Alte Testament. „Mein lieber Freund!4* — so spricht er, uud cs ist der Tonfall eines Hohcpriesters — „Jude und Jude, das ist ein liinimclwcitcr Unterschied. Der eine ist’s deshalb, weil er ausgestoßen würde; der andere aber, weil er dazu berufen ist.4* An dieser Stelle etwa erlebt sein Idiom einen; Rückfall ln die Sprache des Fin-dc-sieelc. Er sagt etwas von Konjunktur. Er meint, die Ausgestoßenen, die sollten sich gefälligst hinten anstelle!!. Die sollten erst mal das Versäumte uuciiholcn; uud — lernen! Ja: dus Jude-Sein lernen! (Dies wiederum spricht er teils mit Stirnrunzclu, teils mit erhobenem Fiugcr, just so, als wäre er unter den Propheten aufgcwachscn uml nicht unter den Impressionisten des zwanzigsten Jahrhunderts.) Was er dumit sagen will, ist ungefähr dieses: Jetzt, da so viel die Rede ist vom jüdischen Schicksal — jetzt sei es kein Kunststück, jüdisch zu denken, jüdisch zu fühlen, jüdisch zu haudelu.' Was den richtigen Judcu ausmache — „sehen Sie mich an, Herr!'4 —das sei das Studium. Es kuiuc duranf an, -Jude zu studieren; daun erst dürfte man mitreden! Viele Judcu, die von morgens bis aheuds über nichts anderes mehr nnchsiimcii als ü)>cr die jüdische Situation — was wüßten sie denn groß von der jüdischen Geschichte! Hätten sieden Talmud gclcseu? Hätten sie auch mir eine Ahnung etwa von der Mischna?. Wie kamen denn sic. dazu, sich zum Sprecher der Juden zu machen, sie, die kaum etwas von der Bedeutung der jüdischen Festtage wissen? <Uud wie stcht's denn mit ihrem Hebräisch?) Genau besehen, lmt er so unrecht nicht. .Milreden, ivdcn überhaupt, sollen nur die Gelehrten. Freilich ist cs die Krage: ob in diesen Tagen, da das Erlebnis, ja das tägliche Ereignis, da die Tagesberichte von vielen Brennpunkten der Erde gewaltig an uusCrcu Verstand, an unser Gefühl, au unsere Energie appellieren, ob cs Ja nicht doch entscheidend darauf ankommt,' jüdisch zu denken, jüdisch zu fülilcu und, vor allem!, jüdisch zu handeln! ist ein Brand ausgehroehen, m> mag ein Vortrag über Physik und Chemie, über die Elemcutarkräfte Feuer lind Wasser ein stilvolles Unternehmen für die Zuschauer sein. Löschen, retten werden jedoch gewiß die anderen. Der Zweite, dem ich auf der Straße begegne, der ist iu allem der geblieben, der er war: ein westeuropäischer Kulturträger. „Was wollen Sie!" — und dies ist bestimmt nicht die Sprache der Propheten —, „Vom Jüdischen verstehe ich. nichts; ich habe das nicht gelernt; ich bin immer mehr ein berliner gewesen als ein Jude.44 . - * Nun ist’s nicht etwa so, daß er noch nicht gemerkt, daß er noch nicht begriffen'hätte, was vorgegangen ist und was vorgeht hier und dort. Er ist ja intelligent genug, um Genesis und Auswirkung der Ereignisse halbwegs zutreffend zu erkennen. Aber er Ist holt ein Individualist. Jlmt könnte der Mann Nmnmcr eins manches sagen; allerdings weniger Pädagogisches uud mehr Soziologisches. Denn’ hei ihm kommt es darauf an, die asoziale, seine „individualistische“ Disposition (zur egozentrischen Wcltbclrnchtung) umzubiegen zur Solidarität! Man'behaupte nicht leichtfertig: Dieser zähle nicht. Jeder zählt, denn die Notist groß. Wenn iu den. Jualircn des Weltkriegs in allen Ländern viele „vom Krieg nichts merkten4*, wem» sie von dent universellen Ereignis erst dann attackiert wurden, als sie {persönlich in die Gefahr gerieten, darin umzukommen, und .wenn gewisse Ultra-Individualisten sich inmitten eines Blutmeers nuf die spärlichen Inseln retteten, wo sie sich „wie mitten im Frieden“ fühlten: so w'ar solche Unnatur nur ein Symptom einer Epoche, die den individualistisch aufgezüchteten Egoismus zur Weltanschauung erhoben hatte. Die Menschen indes waren nie so unbeugbnr wie ihre Doktrinen. Sic sind-elastisch und auch willig genug, sieh überzeugen zu lassen, sich „umzustcllcn4\, In krisenhaften Zeiten sollte dent Mann Nummer zwei recht häufig ein .Mann Nummer eins begegnen: freilich einer, der kein zeitfenter Theoretiker ist, sondern ein Mann, der seinen Kameraden an dessen Platz führt. _ro. THEATER, KUNST, LITERATUR Der Lustspieldichter Ludw ig Fulda tritt am 15. Juli in sein 75. -Lebensjahr ein. Zu Ehren des Dichters wird der Jüdische Kulturbund Berlin sein erfolgreichstes Werk, die vicraktige Komödie „Die Jugendfreunde“, zur Aufführung bringen. * Der dem Berliner Theaterpublikum als Gründer der „Jungen Bühne“' bekannte Regisseur Moriz Seele r wird im Rahmen des Jüdischen.Kulturbundes Rbcin-Rulir Maughams „Die heilige Flamme4* inszenieren. * * Das vor kaum einem Jahr gegründete, in deutscher Spräche spielende Wiener ..J ü d i s e h cKulturi h e a t e r“, dos eine Reihe großer künstlerischer Erfolge aufzuweisen hat, wurde von einem führenden Pariser Manager ringelnden, in Paris ein mehrwöchiges Gastspiel zu absolvieren. * Jaromii Wcinbcrgers neuestes Werk ..Hebräische Gesänge“ wird ani 1. Juli im Rahmen eines Festkonzerts des Symphonicorchcstcrs des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Österreichs aus Anlaß des Weltkongresses Jüdischer Frontkämpfer unter Leitung des Komponisten aufgeführt. Die Berliner Malerin Käthe M ü n z e r -N c u m a n n , di? jetzt in Paris lebt, ist von der Soricto Nationale des Braux Arts zur Societäirc gewählt worden. ' * Der französische Staat hat ein Gemälde des Berliner jüdischen Malers Eugen Spiro erworben. Das Bild, ein Porträt Gerhart Hauptmanns, wird in das Staatliche Museum für ausländisch«* Kunst cingcreiht. Das Chaos Von ALFRED WOLKENSTEIN In diesen Tagen erscheint unter dem Titel „Die gefährlichen Engel" eiue Novcllensammluiig des bekannten Lyrikers mul Essayisten Alfred W o I f e u s t e i in In den spannenden und uhweelisluugsrcidien Geschichten, die in mitreißendem Tempo geschrieben sind, zieht eine Menge von Scliicksulcu in Abenteuer» und Heldentaten, ernsten und heiteren Kumpfen, Liebcseriebtiissc» und verwegenen Streichen am Leser vorbei. Wir entnehmen dem Huch mit Zustimmung des Verlages J u I i u s Kitt In Nuchf. die imelistchcmlc Skizze. Der Vater der Ströme, Mississippi, durchwässemd den halben Erdteil-Amerikas, fließt vou der ilügclkuppc, auf der er entspringt, einem nahen kleinen Walilsvc zu und konnte dort enden. Erst kurz vor dem Ufer des Teiches laßt er sich von irgendeiner Erdfallc nach Süden ahlenken. Ein Zufall macht ihn zum Herrscher, er schwillt von allen Flüssen des Landes und braust am Ende wie ein ebenbürtiges Meer ins Meer. Es geschah in einem Jahre, daß die Bewohner der Stadt an der Mündung, New* Orleans, gcwölmt an manche Schreckensnachricht vom Ozean her, den Orkan einmal von der anderen Seite empfingen. Lud dies war gefährlicher. Non allen Gewässern und Blättern des Herbstes geschwollen, kam der Mississippi wie eine gelbe Sintflut au der Meermünduiig an. Du seine Ufer zum Schulze des Landes mit hohen, um einen Erzkern betonierten Deichen gesichert waren, lief der Strom in seiner einzigen Straße haushoch auf die große Stadt zu. Durch die Straßen der großen Stadl lief die Angst. Radio und Telephon und die Scharen der Autos wetteiferten mit der Angst an Sclmelligkcit. Heere von Menschen sammelten sich in den Schluchten zwischen den schwankenden \Vo|kcnkralzcrlinul«n, sie, stoben auseinander, sie -sammelten sich und zcnäolicn mit dem Schrei: Rettet die Sladll Alle Rchörden berieten mit den Geldlcuten und den anderen guten Bürgern 'über deu hcranwütenden Fluß und sie plakatierten die Entschließung: Rettet New Orleans! Draußen ,jm Lunde standen, die Furnier längs der tausend Kilometer Mississippi. In Ruhe sollen sic dem vorüberslürzenden Wellcngcwittcr von den Höhen der Deiche zu, froh solcher Blitzableiter. Sir nickten einander zu: Einen derartigen Bauch hat die Miss noch nie gehabt, ist ein Fakt! Dumi wandten sic sich um um! -gedachten sich schlafen' zu legen. Aber ein anderes Getöse fuhr-heran, und eine 'Armee städtischer Wagen mit ungeheuren Lautsprechern, gegen den Strom anbrüllcnd, brachte die Botschaft: „Räumt die Plantagen! Sucht sichere Ortcl Die Deiche werden gesprengt! Retten wir die Stadt, den Hafen des Südens!44 .Die Farmer griffen zum Gewehr. Den Strom hinauf lief der Aufruhr. In allen Plätzen schlug unter knatternden Schüssen die Sturmglocke. Die Ingenieure flohen, ihre Lastwagen voll Ekrosit wurden mit llullo durch die triumphierenden Dörfer gefahren. In der Stadt begannen die Autos und Trams bereits zu schwimmen. Naß bis in die überschwemmten Keller funkte die Stadt ihre Bitten und Erklärungen au das Land. Bei den Empfangsgeräten saßen die Pflanzer und zuckten die Achseln. Ein Geviert Acker war ehrlichen LeuCciTnäher als j'miz New Orleans. Aber noch einer verzweifelten Nacht marschierten Regimenter Infanterie ynd Pionier© hinaus. Sie bestellten die . Ufer mit Mascliinengcwehrcii, sie sprengten die Deiche. Mit wildem Ausbruch, wie aus ciuem Strom von Kratern, brauste die Flut, im Reil des Mississippi sinkend, über die Pflanzungen hin. Eine bräune Wüste, ein riesiger öder Brei von Baumwolle, Reis und Zuckerrohr wurde das Land. Das Geäst der Bäume schwuimii durch die Häuser der Farmer, durch die Wälder schwamm«*» . Möltcl mul Türen, Rindvieh und Geflügel. Flucltcnde oder .fürchterlich schweigende Menschen ruderten durch den uferlosen Schlamm. Am AIhmwI sank uuf die ergrauende traurige Fläche aus den W olken der W iderschein ferner Lichter. Dus waren'die neu entfbintmlcn. bunten ReklumeUclitcr in denwieder. auferstebcudcii Straßen \on Neu Orleans. Ajifatinciid füllten sie sich langsam mit geregeltem Verkehr. Durch den Äther Amerikas erklang, das Dank<|chei. der Studt,~uud die ersten Jazzkapellen wagten sieh aus der Sintflut hervor, zu kleineu Jubelkonzertcn. Erst morgen, verkündete der Ansager, würde man auch wieder zum Tanze uufspieleu. Al>cr um- Mitternacht mischte sich in das Feuerwerk der RcklumcscUriflcn ein anderes Licht: Fcuersbnmst. Fauchende Glut in allen Vierteln. Die mit Petroleum getränkten Wolkenkratzer rauchten wie Fackeln. Die Stadt brannte. Tausend Pflanzer butten sich in tollender Heimlichkeit vom Lande herein geschlichen. Sie hatten die Studt angezfimlet. Sie überschwemmten die gerettete Stadtmit den roten Wellen des Feuers, Rauchstruileln ihrer Rache: Udnis für Udnwl Die nicht int Flugzeug entfliehen konnten,- iu der neuen Arche durch «len Himmel, irrten zwischen den Wassern und den Flammen hin und her. Und wie ein Fanal für die zerrüttete Welt, für die mörderischen Duelle Aller gegen Alle, gingen an diesem Teil der Erde die Stadt und das Lan«l in der-Keiierfhit linier, in der vereinten W ut von Mensch und Mississippi. SüngemadiwuciiH Der Bariton Mux.Huphael, den seine Lehrerin Else Cohn - P r a u su i t/. in einer internen 'Veranstaltung der Presse vorstclltc, verfügt über «in fülliges und recht tragfähiges Material, dessen vorgeschrittene Beherrschung von guter Schulung zeugt- Besonder» günstig spricht das Mischregistcr an. In der „Danza44 vou Rossini bekundete der Sänger ein rhythmisches Tempera-' ment, das auch im Ausdruck auf gesteigerte Lockerung hoffen läßt. Eine Konzentration mich «lieser> Richtung dürfte recht abgerundete und dankbare lirishingen crgelieii. If. F» Der Siugekrri* der Jugendpflege Nonien unter Leitung des Organisten des Fricdcnstcmpel*. Hermann Schwarz beginnt seine Proben am .Montag, den 3. August 1936. Der Singekreis ist für Jugendliebe im Alter von 9 bis 17 Jahren .gedacht. Die Anmeldungen können jeden Dienstag In der Zeit von 5 bis 7 Uhr jm Ju'irndpflegchoinri Norden, Srhünbnpser Allee 23-25, erfolgen.