Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 25 (17.6.1936)
- Date
- 1936-06-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Auswanderung nach Bralilien aber keine Transfermöglicbkeiten Arbeit Seit dem letzten Jahre sind mehrere tuuseud Juden aus Deutschland nach Brasilien ausgeuuiiderl, zweitausend allein uaelt Sau Paul«. Naeli wie \or sieht Brasilien liehen Palästina und. Südafrika in der vordersten Linie derjenigen Lander, diu für die Kiuwuudmmg aus Deutschland in Betracht kommen. Wie groß «las Verlangen nach zuverlässigen Informationen über die Möglichkeiten in Brasilien'ist, das bewies die Clrorfüllu von Menschen, die sich drängten, um einen sachlichen Bericht über Auswun'dcrungMiiogliehkeiten nach Brasilien zu huren, den der von dort kürzlich zurückgckchrte Wirtschaftslrcrater Herbert F r an k e liste t n am vergaugeueu Donnerstag in der Josuf-Lelimaim-Sehule erstattete. Im Gegensatz zu anderen derartigen Veranstaltungen, die sielt mit theoretischen Möglichkeiten beschäftigen, gab Fransten» aus eigener Anschauung praktische Bat sch lüge für die Auswanderung nach Brasilien. Nach seiuer Ansicht gibt es für praktische mul wendige Geschäftsleute, auch wenn sie nur filier -wenig Kapital verfügen, aussichtsreiche Betäligiingsmöglichkeiten. Auch jeder, 'der ohne Kapital hcrüherkomml. würde schnell eine Stellung finden. Aber die Angestellten- und A r b e i i c r I ö li n e sind im Lande außerordentlich gering — auch im Verhältnis zu den niedrigen Lebenshaltungskosten. Und als Angestellter, es ziiLcImmismöglirhkcitcu, die unseren Verhältnissen entsprechen, zu bringen, ist fast aussichtslos. Auch Hundwerksurbeil wird sehr, gering Iiezalilt. Aber Menschen, die in der Lage sind, eine kleine Fabrikation aufziizicben, werden bald ein Gebiet* finden, auf dem für neue Produktion noch Platz ist. Wenn Frankcnslein also die Arheitsumglirhkcitcu für günstig hält, so stehen doch der praktischen Verwirklichung der Auswanderung große Schwierigkeiten, im Wege. Als aussichtslos muß er bezeichnet werden, von der deutschen Devisenstelle einen Betrag bewilligt zu erhalten. Praktische Möglichkeiten zur Erlangung eines Visums sind: der Erwerb von SpcrrmarU, eine Anforderung durch Blutsverwandte oder eine Ruf-Passage ins Land als Landwirt, ein KnpilnRstcuvisüm oiler schließlich ein Touristenvisum. Der Erwerb \on Sperrmark ist bei der Auswanderung nach Brasilien günstiger lind weniger verlustreich als .mich andere« Landern, weil die brasilianische Währung einen niedrigen Kurs liat, und man für eine Sperrmark heute li Milreis erhält. Ein Touristenvisum, das bisher ohne Schwierigkeiten in ein Aufenthaltsvisum imigewandelt werden konnte, eriiüll man durch Kauf einer Hin- und 'Rückfahrkarte erster Klasse nach einem brasilianischen llafen umi wenn inan . imchwciscti kann, daß mau Irier ein Bankkonto besitzt. Die Legalisierung des Aufenthalts — ein Weg, den viele unbemittelte Auswanderer uus Deutschland gegangen sind, erreichte niun bisher ohne weiteres, doch sind jetzt Bestrebungen im Gange, diese „illegale1* Einwanderung zu unterdrücken. Am frcundiiclislcn steht man der Einwanderung im Staate Suo Paulo -gegenüber, doch bietet das liniere des Landes Menschen, die das heiße Klima vertragen könucn, größere Möglichkeiten zum Vorwärtskonuiicn. Anschaulich schilderte der Redner die einzelnen Berufsmögliehkeiten. Klima, Lebeiukosten und Wohuvcrliältiussc. Die Auswanderung nach Brasilien wird üud kann — wenn es auch einige Kolonisutionsprojcktc größeren Stils gibt — immer eine Ei n zc I u us w a n de r im g sein. * In vieler Hinsicht ist das- Land noch Koloniulland, seine Wirtschaft befindet sieh in aufsteigender Entwicklung, der Handel mit Deutschland ist recht lebhaft, im letzten Jahre kuuftc Deutschland fast die gesamte Baumwollernte, und es gibt viele Möglielikeiten, in der ausgedehnten Wirtschaft des Laudes, das so groß wie Europa ist, einen Platz zu finden. Wer sich mit einer sehr bescheidenen Anstellung begnügen kaiui, oder wem es möglich ist, ein Kapital von 3UÜU bis 5UU0- KM. durch Verkauf, von Sperrmark flüssig zu machen, dem sind in Brasilien Lebensmögliehkciten mich der Ansicht Frankensteins, die auch durch andere Berichte bestätigtwird, unter den augenblicklichen Verhältnissen gegeben. Der Vortrag von Herbert F r a u kc ns te in über „Aus.- w. a n d e r u n g s m ö g I i e h k c i t c n nach Brasilien“ wird am Dienstag, den 23. Juni, abends 8.30 Uhr, in der Aula der J. Lchmunu-Schnle, Jonchinisthalcr Straße 13, wiederholt. Die für den 18. Juni bereits gelösten Vorvcrkuufskartcn behalten für den 23. Juni Gültigkeit. Weitere Yorverknufskurten für 0,50 RM. sind noch beim Hausmeister .der J.-Lcbmann-Seliiile, Jouchimslhaler Straße 13, zu erhalten. Barmiz>*ali-Gefdienke des Prenßilchen Landesverbandes LTm seiner Verbundenheit mit der beranwaelisenden jüdischen' Jugend liesomlcren Ati-drurh zu gehen, hat der Preußische Landesverband j ü «I i * e h e r G e m e i ii de n beschlossen, künftig jedem BarmizwaSikuahen in den ihm ««geschlossenen Mittel- und Kleingcmeinileu ei« Ruchge>ciienk zu überreichen. Neben der „Schul- und 11 a u s h i Ii e l*' von Auerbach gelungen Leo I lirschs ,.P r a k t i s e h e J u d v n t u m s k u u d c*; und Emil Bernhard Golms ..Das jüdische A IK!" zur Verteilung. ' Das künstlerisch misgestaliete Widimmgshhill soll den Empfängern eine wertvolle Erinnerung hlciln’u und die Beziehung zwischen dem Prcußenvcrband und <len Mitgliedern seiner Gemeinden weiter vertiefen und stärken. mit der Prüfling des J a li r e s a b s e h I u s s e s für 1935 zu beschäftigen. Obwohl dbr Voranschlag fihersehrittcn werden mußte, ergibt sieh doch keine Mehrbelastung der Steuerpflichtigen, da den Mehrausgaben auch Mehreinnahmen anderer Art gcgeiiüberslchen. Nach mir kurzer Debatte ist der Abschluß 1935 mit 31969 ILM. genehmigt worden. Die WoblfahrtsuusgUbeii werden außerhalb des Haushaltsplanes gedeckt. Ferner wurde die Stcucrorilming dadurch ergänzt, daß durch einen Zusatz die Besteuerung von Auswanderern bis zum Tage der Aus-* Wanderung ermöglicht wurde. Schließlich teilte der Vorsitzende noch mit, daß der Synagogcmmsselniß einige Anderung-en d e r G e be l s o r d n u n g beschlossen habe, die den Wünschen d e r 1 i h e r a l e u Mehrheit der Gemeinde entspricht. Aus den Gemeinden <0otfcstöenlk in drn Synagogen mit neuem Ritus ,A „Meine Schwefter und ich“ Kleinkunstbühne des Jüdischen Kulturbundes Das Cafe Leon hat sich in den Alslerpuvillori \crwandell: die jüdische Klcinkunslbülme am Leluuner Platz beherbergt augeu- ' Dicklich ein fröhliches und erfreuliches „Ensemble des Hamburger Jüdischen Kullusbundes mit llulpli Benatzkys „Meine Schwester und ich“. Diese zur Eroberung des seliüchteruen Bibliothekars entschlossene Prinzessin -Dolly, die zur Erreichung ihres Ziels in die schlichte Gewandung einer Verkäuferin schlüpft, ist in Berlin, von Bülmc und Leinwand her, keine Lubckaimtc mehr. Das \crgtiüglielie öpicl mit seinen graziösen Melodien, iu «lenen sich Wiener Blut miL uiiierikanisdicm Rhyllimus verbindet -'Kurt Behrens undDr. Richard 111 rsch \crwallcri sie au zwei Flügeln), lindet auch in der aus Elbe- und Spree-Elementen zusammengesetzten Darstellung die stürmische Zustimmung des Publikum», und es niimlerl den Beifall um nichts, daß lluns Bu.xbuuui in seiner lockeren Regie auch der Pussc den Einhrueli in' den Bezirk des musikalischen Lustspiels nielil verwehrt. Clter mangelnde Stimmittel liilft sieir Lieselotte Cohn durch den Reiz ihrer Erscheinung, hinweg. Sic hui ihre lustig zwinkernden Äuglein 'mit Recht auf einen Jungen wie Kurl Heinz J a f f e ^geworfen, der sich in Schüchternheit luid Draufgängertum der Doppelrolle bcincr Partnerin amüsant unpaßt und auf der Leiter der Bibliothek und der Gefühle frisch und munter hcrumturnt. Der Gerichtspräsident J!cr!x*rt Grün ha um tut gilt durau, in eiiic Scheidung dieses harmonische« Paares nicht cmzuwilligcu. Weitere beiluIUwürdigc Erscheinungen; Fritz Molch io r als Ungar.von echtem Schrot und Paprika, diu drollige, Massige Judith iicrsslifc, Julius Köhler, der aus einem Scliulikauf eine ganze Nummer macht. Lud dauu kam Er (zu Begiiui des zweiten Aktes/. Mix Khrlach — Max Ehrlich, der Worte und Tatsache« verdrehende inhalier der llandwarrnschuluug — Schuliwareiihundlung Filbscl. Sein Filoselitisimis, seine nervöse Tiottelliaftigket, seine fcucrwcrkarlig sprühenden sprachiicheu und mimischen; Kinfäiic, seineulkigen Tanzschritte steigern Luchen und Applaus ins Kudlosc. , E. Ta. Tanzgeplauder K I s e I) u I» I u n , so ziemlich die einzige Nachwuchs-Künstlerin,' diu sich iu diescu Jahren innerhalb der jüdischen Welt einen mit'Beeilt fettgedruckten Namen crtanzl und. ersungen iiat, ist nach einer erfolgreichen Auslaiulstouniec für kurze Zeit nach Berlin zurückgckchrt. Bei einem abendlichen Tee im gastlichen llaiLse \uu Frau Hcirnc London, dem dienstbaren• guten Geist der Künstler aller Kategorien, erzählte Else Diildon von den vielfältigen Fülldrücken, diu sic auf ihrer iiemieinliulhmoiiatigeu Tournee inil der Tnidi-Srliimjt-Tnippe, diu durch die Schweiz, Holland, Kuglund und \or allem Amerika ging, gewonnen hat. Während des filier vier Monate laugen Aufenthalts iu tleu Y<*reiniglen Staaten ist sic mit diesem Ensemble, iu dem sieh auch andere jüdische Tänzerinnen au- Deutschland befinden, iu 58 Städten zwischen Atlantik und Pazifik äufgclrctcu. Trotzdem stirbt die energiegeladene Tünzcriu aus diesem Kuscmblc heraus, um allmählich daran zu gehen, eine eigene Gruppe ziisammcnzuslelleu, mit dem wehgesteckten Ziel, ,.get a u z t e s i ü d i s e h e s T h e a I e r‘* iu «Ter W elt zu propagieren. Der Wigmnmi-Schülcriu. die sieh sclum frühzeitig für die Welt des östlichen Judentums interessiert hat, sehwebt dabei vor, uiebl abslraklu Kunst zu gehen, sondern die Bewegung des täglichen Lebens in Tanz und Musik aufzulösen, wobei das Jüdische im Mittelpunkt stehen soll. ' Obwohl «Icr Tanz au keine Sprache gebunden ist, ist Else . Dublon eine eifrige Hebraist in geworden. Mit welchem Erfolg sie sieh dem Studium des Hebräischen lungibt, geht duraus hervor, «laß sie, wie sic erzählte, dir Lehrbuch in einem amerikanischen 'Hotel unter «1cm Kopfkissen hui liegen lassen. Aber sic mag sieh . filier «len Verlust damit trösten, daß die ausdrucksvolle Sprache «ler Beine ülicrall verständlich Kt und Glieder ohne Worte weder des Dögcseh noch des Schcwa lictlürfen. Wie I)r. Mendelssohn von der Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeind«* im Anschluß an «li«* Ausführungen der Künstlerin mittcille, veranstaltet die Künstlerhilfe für Else Dublon am Donnerstag, 2. Juli, 20.15 Dir, im Sehumanu-Saal einen einmaligen Tanzabend, der unter dem Motto „Aus einem kleinen Städte P*‘ stehen wird. Unter I/dtuiig seines Dirigenten Emst Ewald Gebert spielt «las Oreliesler der Kunstlcrbilfc u. a. Gluck (Ballett-Suite vüon Juan“) und Mozart (Ouvertüre „Titus“). Karton zum Preise von 1,—, 1,50. 2,— und 2,50 UM. sind zu haben: Oranienburger Straße 29 {Pförtner); Philo, Pariser Str. 44; Kedem, Dahhnänn-Straßc 8; Wolff, Prager Platz 4 und Künstlcrhilfc, Kanstrnßc 158. Tel.: .1 J Bismarck 6023. Eintritt nur gegen Ausweis. Hannover. Beider Beratung des Haushaltsplanes für 1936/37 in . der Rcpruscnluutcnsitzimg wird auf Anfrage mitgctcilt, daß mun im verflossenen Jahr die Ausgaben durch die Einnahmen habe decken können, ohne auf die Fonds der Gemeinde zurückgreifen zii müssen, lvs wird beschlossen, die weiten: Beratung und Festsetzung des Haushaltsplanes /Hiück/.ii-tellen, um erst der Spurkommissiou Gelegenheit zu geben, die einzelnen Posten zu überprüfen. Die vom Vorstand vorgeschlagenen Abänderungen des Statuts für die Verwaltung «ler Synagogen-Gemeinde Hannover, der Abgahcu-Ordiumg und der \\ nld-Ortlmmg für diu Wahlen der Mitglieder des Vorstandes und Repräsentuntcnkollegiums werden ohne Widerspruch .gebilligt. Damit fällt der-sogevnauntc „Aufnahmeparagraplr*. «ler - in früheren Jahren vielfach Anlaß zu Kümpfen itmerhalh der Gemeinde gcgel»en hat. Vom 1. April 1937 an werden alle in iluunowr lebenden Juden'und Jüdinnen, die das 21. Lebensjahr erreicht haben und mindestens ein Jahr hier ansässig sind, stimmfähige Mitglieder der hannoverschen Gemeinde. Plauen i. V. Die letzte Sitzung des Grmeinderales .halte sieh Freitag, 19. Juni. 19 Uhr. Fasanenslruße: Dr. Gulliner-. Lindenstrüße: l)r. Warschauer. Fricdenstempel: Dr. Nußbaum. Neue Synagoge: Dr. Saonger. Lützowstraßc; Hamburger. Levutzowstraße: -Dr. Lewkowitze -Prinzregentenstraßc, 19.15 Uhr: Dr. Swarsensky. Hermaun-Falkenherg-Synagoge Norden, Schön-' linuser Allee 162. 19.15 Uhr: Dr. Silherstein. Osten, Kniserstraße 30, 19.30 L'|ir: Goctz. Nardosl. Prenzlauer Promenade 176, 19.30 Uhr: Zimcir Western!. Kai>enhimni 78, 19.15 Dir: Dr. Brasch. \Y«ihling-Reiniekemlorf, Triftstraße 63, 19.30 Uhr: Löwenthal. Synugogcnvcrein Weißensee, Lothringer Str. 22, 19 Uhr. Jüdische Ilefonngemcinde, Joaeluinstiialcr Straße 13, 18.30 Uhr: Dr. Hoscnthnl. Jüdiselie llcligionsgctncindr (Jiarloltenlmrg. Sehulslraße 7, 18.30 Uhr:' Dr. Pfingst. .Sonnabend. 20. Juni. Hauptgottesdieust 10 Uhr. Frühgottesdienst: Lindciistraße und Levct/.owslraßc: 7.31) Ulir. Hermann- Falkenherg-Synagogc, Nonien: Dr. Silbersteiu; Osten: Goctz. Jüdische Religionsgcmoinde Ciharlollenliurg: 9.30 Uhr. Sonntag. 21. Jtiui. Jüdische Refonugenieiude. Juhaimisstr. 16, 10.30 Dir: Dr. Gottsehalk. 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