Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 24 (10.6.1936)
- Date
- 1936-06-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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v l i l Jüdifches Leben in Danzig Der Manu «tes Ausgleich*— „Misvhcbcrach viril nicht gemacht“ Für eine Bibliothek fehlt das Geld — In» ..Jüdische» Klub“ Danzig, im Jupu Seit etwa sechshundert Jahren ist die Anwesenheit von 'Juden iiu Gebiet des heutigen Freistaates Danzig historisch beglaubigt. Auch für Danzigs Juden gilt das Dkhtcrwort: „Von der Parteien Mali und Gunst entstellt, schwankt ihr Charakterbild in der Geschichte“. Aber leider lehrt die Geschichte auch, daß selbst innerhalb der Jndenscli.ifl Danzigs und Umgebung tler Parteienstreit nicht immer geruht hat. und „Koinpcicnzkouflikte“. wie das zwar gelehrte, aber uielit' geehrte Wort .lautet, mehr als einmal die schone Eintracht störten. Nicht nur die Not bringt Menschen zueinander, auch zuweilen die ICrkeimtms des Notwendigen und darum Richtigen. Die Dau- /.iger Judenschuft hat sich diese Erkenntnis erfreulicherweise zu eigen gemacht, und es herrscht Einigkeit innerhalb tler Gemeinde. Man keimt keine und’will’keine Differenzen innerhalb der Judeiischafl. 'Zionisten und Niclilziouistcii. Liberale mul Orthodoxe arbeiten «*in trächtig zusammen, wenn es sich um das Gcsumtwobl tler -Gemeinde und seiner Mitglieder handelt. Bei zwei kurzen Unterredungen, die ich mit «lern Generalsekretär. Bürovhcf und Svndicus tler Gemeinde. Herrn Dr. Liechtenstein. hatte — er hui infolge --einer \ielen Funktionen wirklich nur. Augenblicke Zeit —' gewann^ ich tim Kindruck, 'daß, dieser liebenswürdige, mich jungt* Alaun zweifellos auch geeignet ist. die Bolle des" ..Besehwiehtigung-hofratcs“ zu spielen, jenes Beamten. tler er immer*war. wcnu.es galt. StreitigkeUeii zu schlichten um! Differenzen auszugkiehon — also das 01 auf stürmische» Meereswugeii. Dieses friedliche Miteinnmlerarbeiten wirkt sich natürlich sehr wohltätig zum Nutzen tler Gemeinde aus. Die Gemeinde bat es nämlich nicht leicht: sie ist verhältnismäßig klein, die Zahl tler besteuerten .Mitglieder dürfte nicht viel über viertausend betragen. Die sozialen, und die wirtschaftlichen Verhältnisse in Danzig haben viel frühere Wohlhalxiiiheii' zerstört, die Abtrennung Danzigs vom Heieh mul «las Dbergewiehl Polens, besonder* natürlich der Ausbau Gdingens als Hafen, linbrii bewirkt, daß Danzigs Wirtschaft starke-Einbuße erlitten bat. Die Ausgaben «kr* jüdischen Gemeinde wachsen, die Einnahmen verringern sieh — ein Problem, mit dessen Losung sieh jetzt jüdische Gcineindefunktionärc liberal! heseliuftigen müssen. Aber immerhin: die jüdische Gemeinde. Danzigs lebt und bemüht sieh, dieses Lehen wach zu erhaben. Um das .vorweg zu nehmen, was das Wichtigste ist —- oder »loch das Wichtigste sein soll — den Gottesdienst um! diV kulturellen Einrichtungen, so darf man sagen, «hiß es in diessr Hinsicht ari nichts fehlt» Allen Biehtimgen ist freier Bet raum geln-sri» — die ganz orthodoxen Synagogen erfreuen sich'derselben Fürsorge wie die liberalen. Den Gottesdienst in »1er s»*hr schönen Ihmpisynagogc fit Danzig könnte mau liberal-orthodox n«,ni:en: Eine sehr gute Orgm und ein sehr gütet Organist begleiten die CA'meindcgmmge und dm ('lior. der nur aus. Damen uiitl zwei o»Ier drei Knaben besteht, aber sehr gute Stimmen-in guter Schulung hören läßt. Den Segen spricht der llabbhier mit aiisgebndtotcn Händen von »!er Kanz.el tut*. 'Nett'ist folgendes: die Tafelchen, mit denen man die Alijas verteilt. tragen den Aufdruck: ...Mischebcrarlt' wird . nicht gemacht. Etwaige Spenden bitte anzmjjchlcit.“ Aber die Not ist groß, und so hat man »las Wörtchen ..nicli t!‘ wüli rnnl* »Irr Kei»:rtage überklebt, und man hörte wieder dir •vielen Mi*«hebera«*hs für,Ellern und Kinder, für »lic Gattinnen und sonstigen Verwandten, für »len Hahhincr. »len Oberkantor, für «lic Vorsteher und für -Freunde, »lie man ehren will. Tm Anschluß daran die Spende für wohltätige . Zwecke. Übrigens muß man ’ sagen, »laß »lie. Beträge s«*hr diskret verlauthart werden. -»1 daß inan schon genau lunhören muß. uni zu erfahren, wer viel o«kr wer wenig gibt.. Kenner früherer Sitten werden vielleicht schmunzeln. Gemeimlerabbiucr ist Dr. 0 r ü n — ein Mann. «Irr zu irden weiß: religiös und »loch auch sehr zeitgemäß mul lebensnah, wie der beliebte Ausdruck lautet. Obcrknntnr M«*isl. .beliebt als \orbclcr und als Mensch, ist ein würdevoller uiid bckmntiusrckhor Selieliaeh Zibbur. Das kulturelle wie das gesellige Lolien innerhalb »Irr Jinknsrhaft Danzigs zeigt ■— nicht zuletzt auch wegen »ler Einigkeit, die trotz vorhandener, sogar starker Gegensätze herrscht, ein erfreuliches Bild. Alle Organisationen un»! Vereine bemühen sieh, durch' Konzerte. Vorträge uiid sonstige Veranstaltungen Mas Interesse für jüdische Dinge aller. Art zu wecken und auch wach zu erhallen, und man kann bemerken, daß nicht nur die Anhänger »ler einen oder mnlcren Richtung sieb cinfindcn. sondern daß eben Juden oller Schattierungen Zusammenkommen, wenn etwas geboten - wird, das in der Hauptsache jüdisch ist.' Darum gibt es auch in Danzig kein Ost- und Westjudcnproblem. Die Gemeinde seihst ist natürlich sparsam mit ihren Veranstaltungen, alwr sie stellt von Fall >zu Fall ihre Synagoge zur Verfügung, wie dies auch kürzlich für einen Vortrag Professor» i Dr. Marlin Buhrrs »ler Fall war. Zur Zeit hcimlht sich »lic 1 Gcmcindc„ihre noch bescheidene Bibliothek atiszuliaucn,. leider fehlen aber «lie Mittel wie zu vielem, was man gerne möchte, aber nicht kann. Ein Museum besitzt die jüdische Gemeinde zwar auch nicht, aber dafür »lic GTehlzinski-Samnilung. «lie Silberkammer, mit künstlerisch hochwertigen Objekten jüdischer Kultgcrätc. Das Schulwesen wird zeitgemäß ausgebaut. Fs gibt eine jüdische Volksschule, eine hübe re jüdische Privotselmle unter der Leitung von Frau Dr. Ruth Boseiibnuin. Als Reformgymnasium aufgebäut. führt die Schule Ins Obcr-Srkundareife. Eine höhere j ü d i s c li e Bau «iclsscliulc ist im Entstehen und soll vielseitiges, aber wesentlich praktisches' Wissen vermitteln. Ein Kapitel für sich ist der ..Jüdische Kuh“. Er ist noch nicht alt —■ kaum zwei Jahre, aber' er ist bereits der Mittelpunkt «1er Danzigcr jüdischen Gemütlichkeit. In einer stillen, vornehmen Straße gelegen, bietet er In seinen sehr nett eingerichteten Räumen eine Stätte, wo Juden sieh zu-zwangloser Geselligkeit zusammen finden. Im Lesezimmer ist «lie „jhhlische“ Presse genau so vertreten Wie die jüdische, uml auch unser Blatt zeigt «leidlich, daß es gerne gelesen wird. Man hört Meinungsverschiedenheiten. aber keinen Streit. Es gilt als ungeschriebenes. aber treu irtncgchaltencs Gesetz, «laß man im Jüdischen Klub wirklich nur ..gesellig“ beieinander sein will. -Die unteren Räume können durch Verschiebung «Irr Wände in einen großen Saal verwandelt werden, in «leiu Vortruge' uml andere Veranstaltungen stattfinden. Wie sich der Jüdische Klub kulturell auch praktisch auswirken kann, bewies die Ausstellung eines begabten jüdischen Malers, und Graphike'rs, Jakob Hotbaum, zu der nicht nur Sehlcutc. sondern auch Kaufkulc kamen und manches der hübschen Bilder erwarben. Rotbnum hot sich übrigens auch’ als Regisseur an jüdischen Theatern einen guten Namen gemacht, und viele seiner Bilder zeigen Type» aus «lem Bühncnmilicu. Wahrend im Jüdischen Klub mehr die altere Jugend und die ältere Generation verkehrt, vereinigt sich «lic jüdisch*.* Jugend iri «len verschiedenen Jugendbünden, an «leren Spitze ein Jugendausschuß steht, der auch unter den jugendlichen Hitzköpfen für Ruhe und Kric«lcn . sorgt. Gekämpft darf w’crdcn. aber nur fair und sportlich. Das -Sport!eben ist rege, und der, Danzigcr Bar Kochba hat öfter Gelegenheit, seine Schncidigkcit zu zeigen. Jedenfalls ist Danzig eine Stadt, in der jüdische-Eintrachtdurch lebendiges Beispiel wirksam wird. Dr. B. Sch—f. Der mann »m toten «»>»» Ginc ptjantaftifdje (Erjfiljlung oon tBerntjarb $trf«fyber<} Scfjräöer i. Mein Urinier l)u\id war in Zahluiig^clwNIrrigkeiten geralen. Das liedeutetc für dyn feinfühligen \kn>ehe» eine schwere Prüfung. Er litt so heftig au Depressionen, «laß «**» ihm nicht möglich war. au den .Verhandlungen mit den Gläubigern selbst leil/nn« Innen. Ich beschloß daher.- iim zu vertreten uml fuhr aus iiiwTetn Heimatort vienuulzwanzig Midien mit «ler Post nach Prag, wo »lic Hauptgläubiger wohnten. Die Verhandlungen zogen sich sehr in die Lunge, leb sehnte mich dermaßen nach meiner jungen Frau uml nach meinen liciden Kindern, «laß ich ckaum mwh zu ertragen «cnnochtc. Ich hin seit fünf Jahren verheiratet, und seit unserem Hochzeitstage waren wir noch nie so lauge voneinander gelmuit wie diesmal. Obwohl mich Mirjam ulk acht Taue mit einem liebe«olkn Brief I>oglfichtr. halle ich «loch «len sehnlichen Wunsch, «lie Verhandlungen möglichst schnell zu Emk zu führen lind nach Hallst zu* fahren. Endlich gelang cs mir. mit «lei» Gläubigen» «dm* Einigung zu erzielen.. Am Abeml vor «ler Abreise >oraI»scJbcdci<* kl» mich \<m meinen Bekannten uml bat den Gastwirt um meine Rechnung. Als er sie mir am nächsten M«>rgcn brachte. nl»*rfl«»g kli sie hastig* und sah, «laß ich zur Begleichung meiner Sriiuld «dim •»roßen* Banknote wechseln müßte. Ich griff nach meiner Brioftasche und erschrak. Sie war f«»rt. Im «*rst«*n Angenhlkk war ich so verwirrt. «laß ieh kaum, sprechen konnte. AIkt ich faßte mich uml hat «len Wirt, gemeinsam mit mir «las Zimmer zu durchsuche». Vergeliens. Cher zweitausend Taler nn«l «lie Briefe meiner Frau waren \cr*«liwiiiidrii. Verloren oder gestohlen. Der Wirt versuchte. mich zu l>eruh)gri!. uml ging «crdro-M*n zur Polizei, um meiiieit Verlust zu mehlen. Ich blich zurück uml überlegte immer wieder! wo ich «lic Brieftasche verloren hal>cji könnte. Ai» «*in«*i» Diebstahl wollte ich nicht recht glaubet«. Plötzlich kam mir ein Mmu» in «kn Sinn, dcü kn vor einigen Tagen m einem Weinrestaurant gesehen hatte’. An i*im*u» kleinen Tis»h spielten zwei lb*rren SiJiaeh. Einige . junge Leute saßen am Fenster uml unterhielten sieh lebhaft uIkt «las We-en «ler menscblkncn S«1«*!»*. filier Träum«* uml über Ges[wn>t«*rghmlic. Eil» kleiner, älterer Mann in cincnr roten ri>erroek ging mit «kn Händen auf dem Kücken auf uml ab. Niemand lenkt«* mehr inriiu* Aufmerksamkeit auf sich als dieser Manu. Einen solchen Mnischcn halte ku noch uic gesehen. Kr war geschmacklos an«ez«»gi*n. Sein Gesielit war niiffnlkml häßlieli und »Irüekle große Verachtung aus. Er war niiterscizt. hatte starke Knochen und breit«* Si’hullcrn uml mochte In «ler .Mille «ler sechziger Jahre stehen. Das M*h\varzgvll>e Gesicht mit den großen, funkelndni, sehwar/.e» Aug«*n. «ler krummen Nase mul «kri voriteliemlcn Iku*k«*nkitoelu*n koiml«*n Eurclit ciuflößeu. Ich «hu-htc bei mir: «las muß ein gekirnter \'<*rbreeher «xler <l«*r Anfülirer einer Kfmlwrbamh* -ein. «ler imstnmh* war«*.- zu s<*iii«*m Vergnügen ganze Stadl;: in Flammen anfgehen zula-sen. Sielier bat «Hescr \kns«*li noch nie im I.«*1m*u gelacht. Aber ieh hatte mich g«*irrt. Kr konnte lach«'», «loch sein Lachen war schrecklich. Ich fuhr zusammen, als er über «lie Herren am Fenster lachte, «km» G«\-prü«*li «*r inilangeliört halle. Wenn «kr Manu im roten Bork ukht ‘kr bös;* Geist Asclnucdai ist. so ist. er sicher sch» Bruder. sagte ich zu mir. f«*h -w«*iß eigentlich nicht recht,' wamn» ich s«> urteilt«*. AIkt seit mir meine Brieftasche ahhamkn gekommen war. mußte ich immer wieder au diesen Mann mit seinem s»*hrceklkhcn Gesicht «lenken. Es klopfte jemaml an die Tür. I«*h «öffnete uml sah zu . meiner größten riuTrasclmng vor nur «kn Mann im roten Rock. ..Verzeihen Sie. wem» ich Sic störe“, sagte <*r. „Ich wollt»* Herrn Jakob sprechen.“ . „Mi hin Jakob“, erwidert«: ich. ..Wie können Sk «las beweisen?“ Irl» sali ihn an. Tm ersten Angniblkk hielt »eh ihn für einen Polizeispitzel. Auf «lern Tis«*h lag zuffiilig <*in Brn*Tumseblag mit meiner Ailressc. Tel» fiherrekhte ilnn «kn Um.selihig. Er warf einen Blkk «Inrauf uml sagte*. ..Selir schön, alier «liescn Namen Italien au«*h viele nmkre Mensch«». Ich muß Sk schon um einen amtlichen Ausweis bitten: «kun ich habe die Absicht, mit Ihnen wkhtige Geschäfte zu ma«*!»en.“ „M«*in Herr.“ cntgrgnetc ich, ..ich hin nicht in «ler Lage. Ihnen einen amtlichen Ausweis vorzukgen. Auß«:cikm möchte ich heute nicht über Ges«*häfte sprechen; denn ich bin im Begriff, nach Hause zu fahren uml habe no«*li nuuieherki zu Iwsorgen. Zmlem will i«*h Uftien sagen, daß ieh weder ein Politiker noch ein Kaufmann hin.“ Der Mann mit «km roten Überrock schwieg. Es hatte «kn Ansidietn, als wollte er Fortgehen. Alter er besann* rieh offenbar eines anderen un«l maß mich mit seinen großen Augen vom Kopfe bis zu «kn Füßen. Dann sagte er: „So?"Halten Sic keine Geschäfte in Prag zu machen gehabt? Stand uielit Ihr Bruder vor «km Bankerott?“ Erdachte, daß mir durch Mark und Bein ging. Ich mußte erröten. Mir war'es peinlich, daß riw Fremder über «Ik Verhältnisse meines Bruders etwas wußte. „Mein Herr.“ sagte ich, „Sie irren sich, frii habe mehr als einen Bruder, aber keiner von ibiictt st»*bt vor «km Bankerott,“ „So? Mcrkwünlig“. erwiderte er und blitzte mich mit seinen unheimlichen. Augen an. „Ich muß Ihnen ernstlich sagen, «laß ich niehl «kr Mann bin. «kn Sie suchen, und möchte Sk nunmehr bitten, sich kurz zu fassen: denn ich habe wirklich keine Zeit zu verlieren.“ ..Gedulden Sie skh nur noch einen Augenblick. Ich halte 'Dinen eine , wichtige Sache vorzutragen. Weshalb sind Sk «knn so unruhig? Was fehlt Urnen?-. Vbllckht brauchen Sie Gehl? Sie sin«l «l«x*li hier fremd. Auch kl» hin uielit von hier, nlwr ich kann Ihnen in allen Dingen einen guten Rat. gclicn. Sk könm*ii sich, mir-ruhig anvcrtraucn. Thr Gcsiriil zeugt davon, «laß Sic ein ehrlicher Mann sin«! mul «laß man Ihnen ohne weiteren Gehl leihen kann. Sagen Sic mir. oh Sie Gi*M brauchen?“ v Er lachte mit einer Grimasse, als wollte er meine Seele erkaufen o«kr sie als Pfan«l nehmen. Er wurde immer verdächtiger. I«*h muß gestehen, «laß kli vor ihm Angnt liekam. Auf keinen Fall wollte ich mich mit «Iksem .Manne cinhuuicii. ..Es fehlt mir nichts“, erwiikrtc »eh. „Teil Iial>c alles., wn» ich hrmu'lu*. Alter wenn Sie mir unb«*dingt eine Gefälligkeit erweisen wollen, nennen Sic mir Ihren Namen.“ ' „Mein Name wir«! Dinen wenig nützen“, erwiderte er. „F.r hat mit unserfr Angelegenheit nicht «las geringste zu tun. fch hin ein Manntcuffcl.“ _ ' „Ein M-a-n-n-T-c-n-f-f-e-1?“ fragte *nh ln großer V erwirnmg. Ieh wußte nicht, ph er scherzte o«lcr die Wahrheit sagte. Wieder* klopfte es an die Tür. Der Wirt brachte mir einen Brief. ..Lesen Sie ruhig Ihren Brief. Wir können un» nachhci* unterhalten. Er ist sicher von Ihrer Ircrzgclichten Mirjam.“ Ich wurde noch verwirrter. „WJssen Sic nun, wer ieh, bin und was ich von Ihnen will?“ fragte irr bullend. I> lag mir auf »ler Z»mg«* zu *age*i; „Sie -iiul, glaiilK* ich, «ler hö-c (ki.-t \solmit‘«lu« uml \%«*Ueu meine Sech* bab«*n.** Aber ich uiU«*rlicl.' «•-, Mini zu aiitwoi‘l»'ii iui»i .sclt««i»'g. „Si«* g«»lcnlvi*n, nach Fgvr zu fahrin. Ant*li ich fahr«* durch dicx’> Slätllchcii und kann Sic in meinem Wagen niilii«bm«'ii. w«*nn Sic \««dki».‘* „Ich daiiki* Ihm-u.** «•nri»l« itc ich, „ich habe UwciCh riitni Platz in «kr Po-tkutseli«* bckg«*u la-»«*ii.*‘ Er wurde ungcbaltcu uml ^ngte: „lbm*u i-t nicht h«'i/ukouuncii. Aber Hin* Mirjam. d«'U kh-iticu Moritz und den J»»-cf muß i«*li I»"i der Diirclm’ise st>lu*n mul Ivcitiicu IcriK'ii. Nun. «•ir.ucu Sic noch iimtu’r iii«*lit. >v«*r Ich bin und was ich uül? I»b möchte Iluun g«:n» einen Dienst «*rwci>«rn,** " „Schön**, .-iigte ich. „neun Si»* «*iu I Icvnnu'hter sin«!, gehen Sic, mir cim'ii Bai# «i-*i<ii zu meiner Bri«‘flaschc komm«*, «li«: «»•I» v«*rl«uvu IuiIh*.** . „Bah! Auch ein Verln-t.** „Tu der Brkltasche lagen «Imt Baukuolcu im Wert«* von mehr als /.uciiaii*-ctii| Takni.“”*' „Wie .-ah «li«* Bri«*fla-chi* au-?“ „Si»* hatte «*im*n >»*i»l«-m*n Tbcr/ng, Iwllgnm. mit «*»n«*r Sticken*! \«mi Blumen und mii einem Monogramm. — eim* llaiularheit limitier Frau.** „S«>? Der Uh« rzug i-l w«*ld mehr wert als Mit* *ml Taler“, hlchclli* «*r und fuhr fort. „Was g«*hn» Sie mir. wenn ich Ihnen dm Schaden «*rH*lz«:?*‘ , Er .sali mich scharf au. Ich schwieg. Nim lachte er auf. jiImt dieses Lacln u klang ganz an«h'i*s als vorh«*r. „IIi»r i-t Ihre Bricfla'i-hr. Herr .fukoh. Sic finden darin , Ihre zweilait-«‘ud Takr'üind 4*lb‘s ander«*.“ Ich war v«*rhlrifft und «*■*-(hiiiii. „Wie k««inm<*u Sk zu «kr 'Brieftusche?“ „Ich halt«* -ic gestern um vier Uhr auf der MohhiiihrOck«* g«*fuii«kn,“ „Wahrhaftig, gfra«!«* um «lies«* Z«*il hatte ich »lic Brih'kc passiert. Mi hi»*l< »li»r Brkfta-»h»* iii «kr Ihm«! mal steckte mV dann ln die Bru-lln-che.“ „Sie halM‘11 sie sich«*r ihm«*lM*ngest«*ekl. Als kl» sie final, wartete ich noch etwa ein«* Stund»* auf «ler Rrfleke. oh ni«*Iit jemand käme, su* zu sitchcu. AIkt als ukuuiader-A-Uku. ghig ich in mein llntcl uml sah dir -Briefe mal «Ik lk<*!imiugeti durch, «lie in der Ta-rln* waren, um den Kig<‘Mlümrr zu erinttl«*lu. Eine Adresse, «lic bei «kn Briefen Jag, verriet mir lliran Namen mal tia-- Gasthaus, in dem Sit* uhgcslkgrn sind. Dc-linlb bin kli j«*tz( liier. Mi war schon .g«*s|rru itb.*nil hier, traf Sk aU*r nicht an.’* f.iclwr G«*tt. ist das «ler. Mensch, «ln» ieh für «len BiV-en gciuihcn habe? feil dankte ihm aus t{cfsl«ni Ifer/.cn. Er wollt«* nichts davon wis-en. Dagelohte i«*li mir, dk Meiiseh<*ii nie mehr nach Ihrem G«*.si«*ht zu In'iirteikt». „Grüßen Sie mir Ihre Iklx* Mirjam mal «li«' Kiialer mal seien’ Sie überzeugt, «hiß wir uns wkikrM'hrn. Fahren Sk glück!»«*!»“, sagte «*r und »eralisebM’dfl«'- siirh. , (F«»rts«*lziiMg folgt.) THEATER, KUNST, LITERATUR Als Lronorr in V’enlis MTro»dia«hnir“ ahsolvkrle Vera Schwarz «*m Giist-picl au «ler Wiener Slanls^iper. * Max Hansen tritt 'zurzeit in «kr ()|M*r«*tte ,.Das hcziuihcrinle Fränkin4* in Prag auf. Hronislaw II u I» c r ui a ii u gab in Wien mit dem «iorligeu Stnatsopernorchcsler ein Konzert. In «km «*r u. a. «km .VkmlcUsohn-Konzerl den Glanz seinen Spick Ikh. An «h,m Geling«’!» «kn mit.stürmischem Beifall uufgpntimmcia'n Abends halle mich IIiiiim . Wilhelm Steiuherg wes«*niHchen Anteil. « * "; ■. Bei «len (li«‘själirigcu Salzlmrgcr Festspielen wird Bruno Waller zwei Kouzrrtc «l«*r Winter iniillianmiiiiker dirigieret», Im Foyer des B»*rlim*r Kulturlnmdtheaters ist eine Reih«: von Bildern «Ich Malers Linlwig Nun borg ausgestellt, «lie rin«: sympathisclic Kunst verraten. G«*mälde und farbige Bleistiflzeiehnungen führen «len Berra«hter vor allem in *u1/JbVh<* fh>g«'nd«,n und zeigen «km Leln*i» aligew«inn«:ne Eiuilrückc. Unter den Porträt»« fällt «las zweier musizierender Kinder auf, 9 Aus Paris wird «kr JTA berkfitet: Das M/rt/nforimu für s«*h«»ie Kiinstc liat lieschlnsscn, di«: ihm binlcrhisH4*ne Kunstsaminliitig «Ich im vergangenen Jahre v«‘r«torlH*iien 'jüdischen PiJInnthropcn Moses de CianxMiiIo, «Irren Wert «‘twä auf 10'1 Francs geschätzt wir«!, in einem neuen Mn*cum a«fziLstclIcu und «lie-es nach «l«*ni einzigen Sohn Mose* «k (jiUMnah»", dem Grafen N»s*im de Ujunondo, zu l>enenn«,n, «kr als krieg»- freiwilliger FHcgerkiitmint im Jahr«: FM7* gefallen ist. .* ' In Ixnnloii hat Moriz Rosentbnl seinen siela'ii Konzerte iimfa.sseii(ku liktorischcn ' Zyklus „D je K I a v i e r I i t c r ji t u r von Bneb-bis Brahms“ zum Ahsehhiß g«*hracht. Di«: „'Times“ stellt f«*»t, «laß K«»senthnls Konzerte «las Ereignis «kr Saison wrare» und «laß «ler greise Kfmslkr noeh immer «kr hervorragendste . Interpret nn«l "Vertreter «kr große» Musjkuml K!avierej»o«lic sei. Für «Iii* Wnitcrsnison wurtlc Moriz Roscuthal n««:li den Vereinigten Staaten verpflichtet. Da* Jüdi-che Mu*cum hlcilit hi* Fr>:ilng, «ku 12. Juni, cirisehließlirl) znrrks Abhängling «J»*r Reii'lisausslelh/ng jüdisrher Künstler und Auf-telhing «ler .Miiscumshestäiuh: geschlossen. * Die Leitung de* jürihrhrn Auswandererlehrgutr* Groß-Brrr>*ei» teilt mit, «laß di;* Möglichkeit 'licsteht, zimäriist noch einige Srhßkr im Alter von U> hi* 1 (5 Jahren, auch Mädchen von 14, Jahren oh aufzunebmen. Fragebogen können unter Ikifügnng von Frei|Hirto bei deT Verwaltung Gr«>ß-Breesen, Post Ol>ernigk in Schlesien, ongeforikrt* wenkn, * * __ Sprechstunden beim Uilfsverrin der Juden in Deutsehland e. V.,r Berlin W 3a, Ludeudorffstraßc~2ü, finden in Zukunft statt: ' Montag: Dienstag, Donnerstag, Freitag' jeweils von 9—13 Ijjtr. Mittwoch ist keine Sprechstunde, 1