Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 24 (10.6.1936)
- Date
- 1936-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinne zu kämpfen, für eine Er wachsen eil bi Icl u n g in ilcin gleichen Sinne zu sorgen, einen geregelten Haruiizwah-UiitcrnYlit unil eine leierliehe Korin iler liarmizwali-reier einzurirhten. für flie ISescitigung iler Milssüiuiie in der Kehilla zu käniplen. Ihr stell! als geistiger Leiter der früher in Dortmund amtierende, jetzt in Jerusalem ansässige itahhiner Dr. Wilhelm zur Verfügung. Von der Arbeit mul Energie dieser (huppe 'wird Zukunft mul Eutwick- Imigsrichtuiig des forlsehritlliehen .liuientmns ahliängeu. Damit, aber sind wir bereits bei der' Krage der religiösen 'Erziehung.überhaupt muf hei iler Krage der licdle eines fortschrittlichen Judentums in Jerusalem mul. in ganz Erez Israel augelangt. Davon in einem närhslrn Artikel. \oihcr aber sei. was Jerusalem aulamit.-auf eines noch hingewiesen. das ganz eigentümlich liegt, auf die Krage der Predig t. Es erscheint den Interessenten hier als ungangbar, das lieispiel von Haifa naclizuahmen, die Predigt, in Hebräisch zu halten und dann in Deutsch oder Englisch zu übertragen: die öffentliche Meinung lies Landes vertrüge dgs nicht: in Jerusalem soll alles, was öffentlich ist, rein Hebräisch sein. Andererseits wäre es eine leere- Form, Hebräisch zu predigen, denn die Masse der Teilnehmer ist noch lange nicht genug hebräisiert, um einer gehobenen Ansprache folgen zu können, sic können vielleicht schon im Eingang sieh in Hebräisch ausdrückcn. aber einer Ansprache könnten sie nicht folgen. Also verzichtet mau zunächst auf die Predigt. Das erscheint seltsam, aber die Dinge liegen so eigenartig, und man limls mit ihnen rechnen. „Doktordie Tifchgäfte kommen/“ Eine Stunde im Lehrhaushalt — Regierungsrat Jehält Kartoffeln — Männer Jind fchneller ansulernen als Frauen Wfmh* «'in«* — -«»gar recht «Tfahrcm* Hausfrau nur einen kurzen RIi«*k in einen Mih*in*u Lhrlinu-hnh werfe», so würde j>;*lb»t ihr vi«*I!cirht die eifirii'’ I ti/ulFmglh’hkWt zu Bruußl-citi komnictt. Schon die Küche .hirtet ' einen nicht alltäglichen Anblick. I)m*t wall«*» heute \nrwicgr»d mrnuiliche Kräfte ihres Ami». Akadrluikef, dir zu KtVhcti uiug«*st'hu!t wrrdeu. ..Ritt«*. I!«*rr’ R«*gi«*riingM*nr\ ertönt rin >anfl‘‘- .weibliche* Kommando. ..Italien Sir die l'retuidliehkrit. Kartoffeln zu schälen. Aller heute mit iler KartoffeUehhhna>ehine! Mil jjem Schälmesser und <lem einfachen Kfiehentn»t<er haben .Sic nun vvohl .schon genügend Übung!*4 — ..Die Krau Kollcga LöHntc erst einmal .Mehl sirijeii und daun «R«: liefe für «lir PRu.-cu auretzim. Aber bitte gut aufpassui!’4 Und cs folgen g«*nau«: kü«*b«*»ge»i*)»un>volh: Anwrj-tiiig«*n für die Zubereitung. ..Herr Doktor. Sie wn>«*hcn liitte inzwischen alles ab, was liier an "ebranclilem Geschirr herumsteht. und Mirg«*n dafür, daß der KiilMiodeu aufgcwi-chl wird. Während die liefe «eilt, kann Fräulein Doktor srhon das Sup|H*iigrfm putzen — und Sie röMcu es dann an.44 ■Wahrend ln der Küche die A’orh«*rciliiMg«*n für die -Miltagsiiinhlzeit jK'jiinueu, wird der Ilesiieh von der Leiterin tu die vorderrn Ihliunliehkeiten geführt. Heute ist Hauswiii.-chnftskursus. •Fräulein, Martha, die rechte und linke Hand der Leiterin. Iicaufsicliljgt «hm ..S ir h «* u «* r s a 1 o »4\ Fi» Manu Mehl auf der Leiter- und putzt «las Fenster. Vor einem Jahr halte er noch die I.a«eraufsiclit in einem Warenhaus. Junge Mädchen uelnueu «len Stau!» von Schränken und Lainjx*u. .wasche» dir helle» Türen. In «1er nächste» Woehe wird «las Parkett abgezogen, heute wird es mir ««‘warnst und hlank gerteln*». Alles in «Ii«*-«*m Leluhaushall. ist systematisch g«*or«huvt. Je«lrr muß j«*de Arbeit lernen. F.rst wenn er eine Aufgabe. \«>llk«mtmv» heherrseht. wiril tlie nächste Arbeit gezeigt. “ Audi in «Irr Nähsluhe wir«! emsig geschafft.; Gerade ist «•ine Anprobe. \\ ir kommen «lazu. wir ei» fünfzehnjähriges Mäulchen seiner nicht viel älteren Schwerster, ein Kleid anproIiFerl. ..OImii au «Irr Raffung muß noch etwas gerichtet werden.*4 Die Dame. «Ije «lie Aufsicht in «liesem Raum hat. erläutert «lein junge» Mädchen «len Fehler.- Krslauiilieh 'geschickt um! schnell ist er geändert.’ \\ ährend - wir in ‘«Iw* Kvwhe zurückgehen. macht man »ns darauf mtfiurrksam. «laß auch Korsetts und Leibbinden in Kursen angefenigt werden.-de»» ..Wenn man irgendwo im Ausland etwa auf einer Farm sitzt, kann ,mnu nicht bei, jedem Anfall von Rauehsehmerze» oder für jedes ausgeleierte Strumpfband «len W agen auspaunen lassen lind. Stunden lang bis zur nächst«*» Stadt fahren. Mau kann aueii, -wenn man , auswandert. niciit immerzu »eii kaufen. Also .. .*4 Aus «1er Küche tönt uns eine lachende ‘ Männerstimme entgegen: ...Mahlzeit, Frau (Jiefin, hier ist die »Verflossene:*4. Der Dokl«u* jmis und früher: Bankier war iuxwischcii über den Küehcnaufgaug «zu Rcsuch gekoutnien. Kr halte noch in jeder Hand eine» Mülleimer, de» er »nie» der ..Fra» Kollcga*4. abgeiioiniiieii balle. Fr war bereits im neue» Ami und neuen Wurden. F.r Italic tu einem GnmcwahThuiishalt eine Stcllunjr gefmidcn, dort aber nicht g«*radc die beste» Erfahrungen gemacht. Mittlerweile war «ler 1 lauswirt»«haflskursus in «len Zimmer» hecudej. Die jungen Mädchen hohen Teller und bestecke, um «len Tisch zu decken. Fiuer der L c h r d i e u e r. kam, um noch in «ler Küche zu helfen. Fr verfolgt hei «lern Unterricht ganz bestimmte Pläm*. Kr ist nämlich Vertreter einer Firma für Spnr- Ufen und lernt Koche», um de» Interessenten die W irkung der Apparate in Praxis vorführrn zu können. Sein Hauptaugenmerk ist auf das Ikickeu und die Zubereitung von SchnellhratiWcheit' gertehlct. Männer — so hört man — sind viel schneller nnzulernen als Franc», well sie Weniger Hemmungen haben untl nicht glauben, sieh mit «lieser. Arbeit etwas zu vergeben. Tn den Koehkurscu ist es üblich, daß jeder Gemüse mit putzen hilft und die Küche mit sauber'macht. Als sieh kürzlich eine Mutter «lnrührr beklagte, «laß ihre Tochter Geschirr spülen müsse und die Politur der Fingernagel «lariiiiter leide, wurde" ihr erklärteste'soll«* ihre Tochter nmlerswn lerne» In^-cn. Der L«*hrhnushalt .ist ab« zugleich nurli eine FrzichiingsuuMall. ..Doktor, stehen Sie nicht hier im Weg herum, helfen Sie lielier — in fünf Minute» komme» unsere Ti**hgästc.4; T» seinem Gesicht sieh«*» FragezciYhc». ..Los! IR Kalhsliirnr ahlia«*ken. am lieslcu auf drei Pfannen!44 ..S«h;ule. «laß ieli nicht als Hydra auf tlie Welt gekommen Inn. dann hätte ich genügend Faugarme, um ein Dutzend Pfannen gleichzeitig zu schwingen.44 Fr sicht sich in «ler Küche um. greift zum närlistcti Haken, nimmt eine L«‘«!ei schürze und macht sich schweigend au die Arbeit. Kurze Zeit später serviert' er die Hirne höchstpersönlich» Stolz, goldbraun und knusprig ... Kate Wicnsknwitz. Kunft und Religion Zu diesem Thema sprach Dr, Fritz Knuff in a n u auf «ler Jahresversammlung «ler ..G«*xdls«haft zur Förderung der Wissen-' M’haft «les Judentums4*. \«m höchster philosnphbrhcr Warte wußte er mit scharfgrscltÜffenetr Dcfiuiii«)»e» mul ' etymologische» Feinheiten die Frage-iia«*h «ler Wrldmlimg von Kunst un«! Religion so zu‘stellen ’un«I zu beantworten, «laß sie zu den'Ursprüngen «h*s Seins führte!. Der ehemalige* Freiburger Prixatdo/.ent gc<laehle der gesehielit- . liehen Tatsache». «laß es eine n*llgiöse Kunst gälx* um! daß diese von «ler A erwellltehuug «1«** Lehens. «l«*r Ixwkerüug «les Gefüges «ler.WYll, bedroht war«*. _ Zwischen ’ Kunst und Religio» bestünde» sow«ihl Spnnmmg«*» wi«* \ « rwamlt^dinft. S p n » » » » g e n . weit» die Kunst prätendiere. Ersatz für. Religio» z» sein; \ «• r w a » «II s e h a f t. wen» «Irr Künstler w a li r h a f t von Gott besessen wäre. Die Kirnst nähme «las Ziel religiöser Sehnsucht vorweg, davon zeugte» Termini wie «Re Ausdrücke ..RcsccRgmig4* «les Künstlers, künstlerische ..Offenbarung*4, zauberhafte i-ion4*. «las ..Wunder** «les Schaffens «dm«* freigewühltc Absicht, «lie ..Gnaile4*. die, unversehens d«*n Künstler ührrkomme. endli«’]) dir BcghVkung «ler „Inspiration*4. «Re fiher ihn verführ, .und «lie ..Lk>tnse*\_.jlteiiun «len Rli«*k in andere unzugängliche WVItcngriimh* öffne. Im Itebnuschrn lieißt — nach* Sand ja '— Dichter ..Prophet*4, und als mau im 19. Jahrhundert das -Poetisch«* zu aualvsiencw begann. g<*s«*Iinh «las in einer Terminologie, «lie «ler Charakteristik «h*s Prophetie ben bei Maituonides»«*iitspra«*li. Jlaniniiu: «lie wahr«* P«HTsi<* sei «li«* natürlieh«* Art der Offenbarung^ Das grieeUts«*!»* 'Wort für Dichter. ..P«x*tl*..«!..!i.,..Maeber. Hersteller. Wrfcrtigcr’*. von^ «lein Sliaflesbury H*ine Auffassung vom Künstler als eim*m zweit«*n Macher »ach (.ott h«*rleitet. füllrt zu Titauismus und llyhris; di«*-«* 4*ntst«*ht aber mir. wen» man «lie Rerühnuu; von Kunst und R«*li^i«m zu einer De«rkimgsc»ih<*it vrrfälsehl — «Re R i 1) c 1 gebraucht für «les Künstlers ltezalel Schaffung «h*s Stiftzelts das glei«*lu* Wort wie für Gottes Frsehaffon «ler WYlt,. In einprägsamen Antithesen st«*llt«* «ler Redner Im Verlauf«* seiner Ausführungen, die stets das künstlerisch«* Erlebnis als Vorstufe «ler religiöse» Haltung begriff — er mnehte darauf aufmerksam. «laß im iiuttelaltcrhYhcn Münster die Gestalten «ler Künste iit «1er Vorhalle, «h m ‘Eingang zum AllcrlieiRgsten. auf-- gestellt waren —. «lar. was tläs Kunstw«*rk zu eiu«*m religiösen Kunstwerk ma«*he: daß der KimMlcr seiner Rernfung enLspräehe. sich aber nicht mit dem Rerufer \ergltehe; daß er von «ler Abstraktion des hörhsten Wesens zu seiner koukrelcu Erfassung käme; daß er das Unemllicho endlich mache. «Ins Sinriwihild zum: Sinnbild.- Das Allwescn drängt zu seiner Erscheinung, im Sichtbaren, aber es bedarf «les Erscheinens nicht, um 211 sein. Nach Kauffmann nihimt der Künstler die Mitte in «ler Stufenfolge Schwärmer, Künstler, Frommer ein. die über Jen Propheten zu Gott führt. Der von Gott erweckte Künstler vermag nicht nur «las Göttliche zu erfassen, er kann es auch faßbar machen. Dem Dichter ziemt es — nach Hölderlin — ..unter Guttesgcwittern entblößten Hauptes zu stehen44 und sich in „sein Lied zu hüllen44. Das dichterisch überhöhte Rildnis des dumpf im Göttlichen schwelgenden Schwärmers ist '„Wcrthcr44. Wcrthcr zerbricht an seinem Nichtfassen un«! -Nirhtfaßbnrmachcnkönnen. Für den Künstler ist — nach Rilke — das Schöne der ihm noch gerade ..faßbare Anfang «les Schrecklichen44, auch «ler Fromme kann nicht j«*dc Erscheinungsform «les Göttltehcu l>egreiten, wird sie aber immer, darin über den bloßen Künstler hinatisgchrud, verehren. Außer den liefen Erkenntnissen, die der Vortrag vermittelte, war er «Irdudh besonders beachtlich, weil ausschließlich «lie indische Religion «Rc feste Grundlage war, die Ihm seine problcmerfnssendcn Einblicke gewährte, ohne sein Blickfeld. zu verengen, wi«* die angeführte» Beispiele und die Hcranridning ’ Platons. Kants. Lcibmz\ Munkes („Die Lampe44) u. a. bewiesen. Der jüdische G«itt i*t «ler persönliche Gott, der «lie Zwiesprache l>c<!iugt zwischen einem Ith und einem.Du, das W’escn, «las sich nicht wahllos «*ntlädt. sondern ' einem Adressaten, sieh mitteilt. Dr. L. W. «Dothaitimfte in den Synagogen mit neuem Ritus Frei la g. 12. Juni, abends 7 Uhr: Fasanenstraße; I)r. Swarsensky. b'iiedcnstcmpel: Dr. \an «ler Zyl. Neue Synagoge: Dr. Nußhaum. Levctzowstraßc; Dr. Saenger. Prinzrcgentcustraßc, 7.1Ö Uhr: Dr. Wiener. Hcnnauii-Falkenlwrg-Synagogc Nonien, Schönhauser Alice 162. 7.15 Uhr: Goctz. Osten: Kaiserstraßö 30, 7.30 Uhr: Dr. Silhcrniauii. Western!, Knisordnmiu 78. 7.15 Lltr: Graf. Nordost, Prenzlauer Promenade 176. 7.30 Uhr: Zlmct. WcthRiig-Reinickendorf, Triftslraße 63, 7.30 Ulir: Kassel. Jüdische ReRgiousgemcimlc Glmrlultcnlmrg. Schulstraße 7. 6.30 Uhr: - Hamburger. Syuagogcnvereiü Weißcnsec. Lothringer Straße 22. 7 Uhr; Meyer. Jüdische Refornigcmeimlc. Joachiinsthalcr Straße 13, 6.30 Uhr: Dr. GotUwhalk. Sonnabend. 13. Juni. Ilmiptgottcsdienst 10 Uhr vorm. Lind«*nstraßc: Dr. Salier. Lützowstraße: Dr. Lewkowitz. Schmargcjidorf: Graf. Frühgolt<s>dicnst: Lindenstraße und Levctzowstraßc 7.30 Ulir. Hcnnnnn-Fnlkcnlicrg-Synagogc Norden: Lit.: Goetz. Osten: Lit.: Dr. Silberstciu. Jüdische Hcligionsgcmcimle. 9.30 Uir: Ncnniondwcihe. Synagogen verein Weißcnscc, 10 Ulir: Neumondweihe und Ansprache: Meyer. 4 Uhr nachm. Jug««ndgottestIienst. Sonntag, 14. Juni. Jüdische Ilcformgcmeimle. Joliaunisstraßc 16, 10.3Ö Ulir: Dr. Roscnthal. Das Herz des Judentums Von HEINRICH GRAETZ - Heinrich Graetz, der Altmeister der jüdischen Historiographie, von dessen erster Gesamtdarstellung der jüdischen Geschichte als fefnheit seine Nachfolger noch heute zehren, hat als Ncunundzwanzigjähriger unter dem Titel „Die Konstruktion, der jüdischen Geschichteeine geschichtsphüosophische Skizze veröffentlicht, die Ludwig Fcuchtwanger jetzt der Vergessenheit entrissen hat. Diese Schriit, in der Graetz in klassischer Formulierung Gegenstand' und Idee der jüdischen Geschichte in ihrer EijjenßesetzUchkeit darstellt, ist soeben als Band 59 uer Bücherei des Schocken-Verlages erschienen. Wir veröffentlichen nachstehend einen Abschnitt . aus dieser Publikation, die gerade heute,'in einer Zeit des wiedererwachenden Geschlchtsbewutitsetns. .interessierte Leser, finden wird. Rolanden bbiicr (bis zur Teilung «les jüdischen Reiches) die monolhcisiisehen Institutionen in naher Rciühnmg mit. heidnischer L«*ben>w<*ise. so kamen die Elemente durch tlie Parteiung zur entschiedenen Sonderling: «las jüdische Element hatte seinen Anluuig im Tempel zu Jerusalem, «las heidnische 'Element fand seine Stätte im Tier-Kultus zu Jtet-Kl und Dan. Während Jcrbbcam mit Höhuung «lei* Geschi«:'ntc- «len heidniselien Kultus auf jüilisehem Roileu sanktionierte und, durch Anlehnung au «las gohjeue Kalb in «ler \\ fiste, ihn zu einem NntibüaRntercsse erhob, konnte ihm und srineni Anhang der judäischo. König Alnja Zurufen: ..Ihr habt des. Herrn Priester, Arons Nachkommen, und «lie Leviten venlräugt. ihr liabt euch Priester nach Art heidnischer Völker erwählt, der erste beste ist bei euch Priester, wir aber hlcihe[:i beim Ewigen, unserem Gotte, wir ItaRen Rm »i«*ht verlassen.*4 Durch die Ib’ibuhgct: zwiselicn den Reichen Juda und Israel nahm '«las erste immer mehr Partei für «las seinem Kultus zugrunde* Regen«!«* Gotlesgesetz, es erwärmte sieh imr»«*r mehr «Iafür.' Uml'wenn auch das polnische Reich bald, durch die Koalition und Xerschwägerung mit «lern «lern, heidnischen Lehen ganz ergebenen Hause Ailiah infiziert, ein«* Reihe von Königen aufstcllle, «Re.nur wenig «len israeiitiseheu Königen nuchgahen, so bildete sieh, ehe» «lureh «lie eirireißende Gottesvergessenheit geweckt, ein Kern im Volk«: aus. eine Schar Allserwählter, die ihr Lehen zum Reflex des Judentums machten und ihm die Zauhermaehl des Wortes liehen» Das Proplictcntuin. besonders «las letzte, das unstreitig aus «len Spaltungen «ler Reiche hervorgiug. ist das Prachtgebildo «les jüdischen Geistes. Die letzten Propheten waren fortan die Träger «les Religiösen im Judentumc. in ihnen fand «lie geoffenhart«* Goltesiilce ihren Interpreten, ihre Vertei«!igs*r. ihre Lohmhier..-ihre würdigsten Vertreter. Die hinge Reihe «ler vorexilische» Proplietcn. welche* die jesajaius«.*he Schule eröffnte mol die jeremianisehc beschloß, tlie nicht imr aus «!em Priesterstamm, Mmdcra ans «ler Mille «les Volkes hervorgingc», liintcrließ einen inäi'htig anregenden freist in ihre» imsterl»lielu*n Schriften.-, in welchen..Gedankenfülle mit Ccluugeuhcil «ler Form sich innig 'verschlingen. - Das Prophctcutüm wurde ein Rildungsferment für «lie jüdische Nachwelt, hd. de» . prophetischen Reden wechselt Wahrheit mol Dichtung. .Einfachheit und Erhabenheit ab. 'bald rüttelten sh: mit Döimcrworten den abgestumpften Sinn «les A olkes auf. bald beschwichtigten sie - die Aufregung mit einer Hrrze»sspra«*he. die Ralsnm von Gilend in die wunden Herzen goß. Sie malten das Rild «ler Zukunft aus. in welcher «Re Duvi- •' «lisehe Zeit «les Friedens uml der Intelligenz eine allgemeine wcrtleu wird*. >ic verkündigten den .Untergang «ler politischen Selbständigkeit, aber mit «lern Tröste, daß, wenn auch «Ins gegenwärtige Aolk untergidil, die *G o 11 «• s i d e c in dies«*» Untergang nicht mit hiucin|kz«»gcn werdi*. sondern sic werde sich rin gefügigeres. reiferes Geschlecht erziehen; sie verkündeten ferner, <Hc judcnfnmlirhc Goltrsidee, «lie llcilsanstalt «les Judentums, hleiljc nicht auf Israel allein beschränk!, sondern werde sieh über «lie ganze -Menschheit ansdehiien: von ferne, werden alle AYdkcr «ler Erd«: 7.11m Zionsherg wallen: dann schwindet «Irr Unfriede unter den Menschen uml «Re Natur seihst wird geweiht sein, wird «las Gottesbild ahspTegeln. Man kann die Rchaupttmg aufslellen, «hiß mit «ler Ahnnlinn* «les |K)litisehen Moments das Religiöse einen höhere» Aiifsehwum* genommen hat, und gerade wahrend «Ics Exils der zehn Stämme und «Ics Untergangs Israels entfaltete' «Rc religiöse Seite ihro Energie in dem prophetischen Quadriumviratc* Jesains.!l«»sca. . Micliu uml Arnos. Keineswegs alter beschrankten «Rc Propheten ihr Interesse auf das Religiöse ausschließlich, sic wandten mit demselben Eifer dem Sozialpolitischen ihre Teilnahme zu, sic erhobennicht schon Ihre Stimme für oder gegen ein Bündnis mit einem mächtige» Eroberer. J c s a i a s warnte vor einer Unterwerfung unter «Re assyrische Dynastie, Jeremias drang auf Unterordnung unter die Chaldücrmaeht. beide alter eiferten gegen eine Koalition mit dein morschen Staate «ler Pharaonen. So hat sieh «las Judentum fn «Ich Propheten ein mächtig pulsierende» Herz geschaffen, uml es fehlte nur für «liescs Herz der Aulkslcib, der alle seine höheren und niederen Funktionen tlavon instigieren! lassen. Tn «lein Prophetentume hat sieh die Idealität «Ics Judentums nach allen Seilen ausgesprochen, expliziert, und seine Aufgabe gebt dahin, das Ideale real zu machen. Das gegenwärtige A’olk. «lie Masse war aber nach der wiederholten Klage der Propheten untauglich zu einer erhabenen Mission, sic schauten in «ler Zukunft ein. ideales Israel,-«las sich wird von dem Geiste des geoffenharten Gesetzes «lurehströmcn lassen, das gefügig gemacht sein wird, das Märtyrertum der Wahrheit zu erdulden. „Dieses Israel ist mein Diener, auf «len ich mich verlasse. «Icr Auscrwfihltc, an «lern ich Wohlgefallen habe, auf ihn habe ich meinen Geist gegeben, mjd er soll «len A’ödkern Recht bringen. Nicht schreien soll er. uml auch nicht sich überheben, nicht soll er auf «Icr Straße seine Stimme hören lassen; auch nicht ein zerknicktes Rohr soll er zerbrechen, auch nicht einen verglimmenden Docht soll er* aushlnscu, sondern zur Wahrheit das Recht bringen. Nicht zaudern wird er. auch nicht eilen, bis er gegründet haben wird auf Erden «las Recht, und auf seine Belehrung entlegene Tnsclbcwohnen harren wmlcn“ (Jcs. 42. 1—4). Das A’olk in «1er Gegenwart. «Ins lüc ganze Energie seiner Nationalkraft «lern Natürlichen zugewandt hatte, mußte neuerdings In die Lehre genommen werden, seine politische Existenz mußte gebrochen und es zur "Empfänglichkeit «Icr religiösen Seile seines Bekenntnisses vorbereitet werden. Das Exil aus heimatlichem I»au«U*. «lie Entwurzelung * aus «lern politischen Roden war eine genumw Zeit frfiher von «len alteren Propheten als «las einzige Mittel, das A’olk für seine geistige Sendung zu beraten, angedroht würden. Jetzt trat die Erfüllung ein. Das heilige Land hatte seine Kinder ansgespien. mit «ler Ermortlung Gedaljas un«l «Icr Auswaiulemng des letzten Bestes von «1er niedrigsten AOlksklasse unter Jeremias nach Ägypten war «las jüdische Stantslelxni bis auf die letzte Spur erloschen. * .Das haylonische Exil, das Analogon «1er sogenannten ägyptischen Gefangenschaft, war eine zweite AOrbcrcitung für.die Entfaltung einer Seile «les Judentums. Welche Seite cs war. fällt leicht in die Augen. Es fehlen uns geschichtliche Daten aus «Icr Exilszeit, woraus wir die Ursachen des überraschenden Umschwungs im AOlksbcwußtsciri enthüllen könnten. Wir kennen bloß den unerwarteten Effekt der metamorphosierten Anschauung des Arolkcs. so «laß wir dieses Volk, dasselbe, das den Propheten ins Gesicht sagte: .„Wir wollen der Himmelskönigin räuchern.’ denn seit wir das unterlassen, sind wir ganz heruntergekommen44 gar nicht wicdcrcrkcnncn.