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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-05-27 · 22 (27.5.1936) · page 6

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
22 (27.5.1936)
Date
1936-05-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Altjiidifche Tifchfitten Gaftfreundfchaft. ift Pflicht — Schon der Talmud kennt Servietten und Zahnftocher — Die Gäftelifte des Hausherrn — Wenn Männer trinken ... Gastlichkeit war immer eine der schönsten Eigcnreluiftcn der Juden. Dos älteste Beispiel bietet Abraliam, der die drei Engel freundlich in sein Hau.- aufnulun imd den ilmi Unl>ekaimlcn Speise und Trank — die Bibel berichtet von Lammbratenmit Milch! — _ vorletzte. Wenn die Pcssaelihaggada gleich in den erbten Sulzen zur Gastlichkeit einlädt, so ist das nicht eine bloß für «liesjts Fest geprägte Formel. Zu allen Zeilen war «1er Jude gastfreundlich und ein Freund der Geselligkeit. An zahlreichen Stellen der heiligen Schriften ist die Bede davon, daß bei der Bescheidung, bei der Vollendung eines Hauses, lxd der Schafschur, der Ernte, der Weinlese ein Guslmuh! angeriehtet wurde. Selbstverständlich bei jeder Hochzeit. Dazu kamen die Gustmählcr an den Festtagen. )*\-ondcrs lYssniTi und später auch Purim. Das gesellschaftliche Leben der* allen Juden machte die Gastfreundschaft zu einer sozialen Pfliclit. Der Wanderer fand nicht, wie heule, Hotels und Gusthöf«*, sondern war «larauf angewiesen, in cinctu Hause, einer lluttr oder einem Zelt ein Nachtlager und eine Mahlzeit zu suchen, wenn «Ke Nacht hereinhrarlr. Ein Anerbieten de* Gastes, etwa dafür Ih*zu1i1cii zu wollen, wäre \«un Gustgelier als eine Beleidigung <-mpfiin<len wonlen. Jlioh durfte sieh' rühmen, «laß er nie «‘inen' Fremden ül»er Nacht auf der Straße gelassen bnlx*. und in den Sprüchen «I«*r Vater kann man lesen: „Gewähre mit freundlichem Angoicht jedem Nfcusi'h«*» eine herzliche Aufnahme.“ Zahlreich sind <Ii<* V c rii,u I t u n g - in a ß rc g c { u dem Gaste gcgcnülHT. So stein in Ihilm kama. man solle den Gast sofort fragen, oh er etwas zu essen Vfmsehe. Man brachte ihm unaufgefordert Wasser, «lainit ej sieli vom Staub «ler Brix* reinige, und tut auch -<mst alles, um es ihm lH<pi«*nr und iH'haglieli zu mache:]. Doeli auch der Cast halle bestimmte Hegeln zu beobachten. Während cs im islamischen Orient als unstatthaft uilt. nach den Frauen <!<♦.«-Hauses zu fragen, ja ülK*rhniipl von deren Existenz nur Kenntnis zu nehmen, war das im Judentum anders. Es war Ehrenpflicht des Gastes,. nach «lein befinden «ler Ihmsfrau, der Kinder, auch «ler Tächter, «.ich zt: «‘rkuudigcn. Der Gast muß alter auch iM-scheideit sein, varlieh nehmen mit dem. was ihm gelailcn wird; «leim der Hausherr tut ja .-ei» Bestes. Aber «ler Takt <*rford«Tt, «laß man «lie Verhältnisse des Gastgclier:» bcrücksmhtigt um! dir Gastlichkeit nicht langer mul. .nicht mehr in Anspruch nimmt, als es das Vermögen des Hausherrn "«‘Stattet und üix‘rhnupt <li«‘ Notwendigkeit «der d«*r Anstand cs erfordert. Arme Gäste, die man cinhid. mußten lH‘xiud«‘rs li«*b«*\öll larliandeTt werden, denn es -|«ht geschrieben: ..Die Armen seien di«: Kinder dein«*s Hauses!“1 Es Instand natürlich ein ,“großer Untersrhi«‘d zwischen den Zell-, «len Dorf- und «h’ii Stn<R]M*wohiicni. Der Nomade hat selten Gäste; es handelt sieh fast infmer um Wanderer, die eine Ruhe- . statt«* suchen. Sir sin«! willkommen, sie bringen auch Neui"keil«;.n aus anderen Gegenden, «sie wissen zu erzählen un«l siml schon d(‘sha)h g«Tiie gesehen, weil si<* «’lwas Abwechslung in die Eintönigkeit iles Daseins bringen. Der Fremdling ist eine Art sprechende Zeitung, er*weiß Neues. Unhrkaiuilrs zu berichten, (.äste einziiladeu. hat «ler Zelthcwohitcr kaum, «ler .Dorfbewohner nur wenig /hdegenheit'. Dazu reichten ja aueli «lie Bäume und. «las Tischgerät meist nicht aus. Anders lag «“> hei .«len Bewohnern «Irr Slä<lte. Wer halbwegs in «ler Lag«* war. tnai'hl«“ ein Haus, wie man zu sagen pflegt. Der "cd«*ckt«*n Tafel .Mille fa<l nichts, was rinnt modernen gc«Icrkt«*n. Tisch ziert, ln Bibel mul Talmtnl finden wir Bczeiihmmgen von Tischgerät, «li«* in Ktmipa in vnrniille1al(i*rlti*hrr Zeit .n«M‘Ii nh’Iit hekannl waren. Nicht nur. «laß «*s an Schüsseln, Platten. Tellern und Bechern nicht f«‘hlt<‘. auch andere F.ßgerät«‘ werden' aufgrzahll. «Ke num si«*h nur. als Messer. Löffeln un«l Gabeln <*rklären kann. Sclh-I Sf r \ ir I t «• n u n <1 Zahn- - to i*her f«‘hlt«‘ii -nicht. wie au« einer Talnuidstelle (Beza 33a) her\org«*ht Snlznäpf«*h«*n. Ufnh-rhrn für allerlei -Gewürz und Saucen waren vorhanden und die servierenden Diener waren eifrig J>cdachl, die S|K:isen herumztircichcn und die leergetrunkenen Gläser oder Becher wieder zu füllen. Wenn es auch keine Tischkarten gab, so gab ca dafür eine nuerkunute T i s c U o r d n u n g. Die Ältesten und Vornehmsten erhielten die Ehrenplätze, dann gab es allerdings bunte Reihe. Doch wurde in großen Häusern dem Hausherrn eine’G ä s l cliste vorgelegt, nach der er zuweilen die Sitzordnung bestimmte. Vor licginn der Mahlzeit rief der Hausherr mit lauter Stimme und hei geöffneter Türe: „Wer hungrig ist, der komme umFesse mit!*4 Das wird in Mcg, Taan. von Rabbi Huna IicrichtcL Und «lies«: Aufforderung kam nachher in die Pessaeldiaggada. Vor Beginn «ler Mahlzeit wusch man sich die Hände. Ursprünglich eine einfache Saulierki'iLsniigclegcnhcit, wurde das Händewaschen erst ein religiöses Gelxit. als die Pharisäer, im Gegensatz zu «len Saddazuäern, auch «lein Laien, also jedem Juden ein«: gewisse prieslcrlichc Würde zugeslanden und das Häud«‘vvireeh«‘u zu einer religiösen Handlung erhoben. Das M e n ii war <l«*n wirtschaftlichen’ Verhältnissen, <h*r Ursache «l«*r Mahlzeit uiul «ler Anzahl «ler Gäste' entsprechend. Hei großen Tafeln In*«lan«l cs aus eiu«'iu Dutzend^ und mehr Gängen und auch mehreren Sorten W ein, 'denn iin alten Palästina waren bereits se«‘hzig Soii«'u Wein hekannl. Man trank ihn aber mir selten imvcnttis«*hl. zumeist mischte mau ihn mit Wasser, und zwar zvvvi-drci .Teile Wisst auf einen T«*il W«*in. Aber aurh andere* Mi«chiingcii gab es: mit Gewürzen, nut Honig, mit Ahsynth. Hekannl war auch der Glühwein: gekochter mit Gewürzen verhetzter Rotwein. Liest man so.eine Speisekarte aus aller jüdischer Zeit — man kann sie sich au^ Bibelmul Talmiulstellen zusammenreiheu — dann läuft einem wohl «las Wasser im Munde zusammen, so vielerlei Suppen. Fischgcrät«“.' Braten, Gemüse werden erwähnt. Dazu die. unendlich reieite ObstsrhiVx‘1, die das fnichtharc Land zur Verfügung stellte. Nelicn Wein wurde auch Bier getrunken, «las bereits «len alten Ägyptern bekannt war. . Auch manche Arten von Likören wurden Uergeslellt — kui?., es fehlte nichts zu einer feuchtfröhliYhrii Tafelrumle. Als dhYSille «uler Unsitte der Trinkgelage aulkam, die sieh an «lie eigentlichen .Mahlzeiten aiischlosscn, pflegten sich die Frauen zu entfernen und Männern «las Tafclfcld zu überlassen. Ausschreitungen kamen aber selten, vor... Der Rausch war in Israel verpönt. ..Der Wein ist ein Spötter, «ler «lie Menschen, verwirrt'*, heißt es in «len Sprüchen SaloinonLs, und Jesaja sagt: „Der Wein verwirrt «len Priester'und den Propheten, «laß sic irre •gehen mul schwanken hei ihren Ileehlssprüchcu.44 Mäßigkeit im Essen und im Trinken wirtl immer wieder im Talmud “empfohlen (siche auch Gittin 70a). Wer zum Trinken aufgefordert wird, «le.r greife nicht gleich zum Glase, heißt cs in Pcssaclum, und „wer <la trinkt, leere das Glas nicht in einem Zuge — solches tut nur ein Schlemmer“. Wein macht auch geschwätzig: jajin Wein und «so«I Geheimnis hulien beule den gleichen Zahlen wert: 70. Das soll bedeuten, wo «ler Wein eiuzieht. geht «las Geheimnis hinaus. Daher sollen. Frauen nicht viel trinken. Aller auch aus anderen Gründen nicht: 'der erste Becher ist der Frau gesund, «ler zweite macht sie schon häßlich, lieitn «Irittcn vergißt sie sich mul heim vierten wird sic schau 'widrig. Wenigstens uarh «ler Meinung in Kes«tib. 64 a. Al>er «las alles ist ni«‘ht so tragisch zu nehmen. Das Wort: „Essen und Trinken hfdt Leih um! Seele zusammen“ ist altjfulisi'hen Ursprunges. Man soll das Leben genießen —- mit Maß mul Ziel.. Man soll für alles Gott danken — «las ist der Silin der vielen Seg«*iissprfi<I»\ auch Ih*i Essen und Trinken, timl man soll immer «ler •'Annen und Hungrigen, gedenken, hei jedem Bissen Brot und hei jedem Schluck Wein. Jüdische Geselligkeit unter <li«‘seu Vorau-seizungrti ist uralt, und nirgendwo steht geschriehen. «laß sie nicht auch Gott wohlgefällig sei. Dr. B. Sch—f. Der Amerikafahrer Von JOSEFA METZ Jakob Adler hieß der neue Bewohner des Altersheims. Er war lang und ti.ig.-r und hatte etwas Al**iil:*u:*iTichrs an sieh. Wenn man davon ah-ah. «laßer jetzt alt und verbraucht war. halt«*-man sich vor-trllrn• käutu*ii. «laß er ein Manu gcwoeii war. «ler «In*. Lehen zu zwingen wußte. Wenn man ihn aber uülmr lielraehtcte. -ah mnn. «laß sehn* Augen -verträumt hlieken kunnlen wie dh* Augen «ler .lugend. «lie noch vor «lein Leben .-lebt und darauf wartet, daß eine Tür sieh anftue. die zu bimteu Wuiulrrn. führt. ’ j Jakoh A«ller - - rr mmul«* sich Jaek — begrüßt«* seine neuen Ltdirii-geno-seii iuit «ler Anrede: „Gentlcmeu*4. Sein DeuIxTl war hie mul da mit 4*tu paar «’nglis«*h«*n BrtH’ken untermisrhl. Als «fie iilt«‘ii MfimnT am Naelmiitia" im Garten mn «*iuen lisch luTinn saßen nn«l rauehteii. -fragte «ler di«‘k«‘ Joel I'iseli: „Warum spre«-hen Si«* «dgentlieh so fremdländischV** war lange drüben“, antwortete Ja«*k. „Wo waren SicVfragte «ler aelitzigjfilirige Herzbrrg. «lie Hand am Ohr. Iler/herg hat!.’ Ja«ks Wort«* trotz seiner S«*hveer- •lmrigkvii wohl vrrstaiulen. «leim der besaß '«‘ine laute Stimm«*, nur konnti*- er sieh unter «Irin B«*griff ..driiheu*' nirlits rechtes vorstidh’n. „Dnilien bin i«*li gewe-en. in Amerika.“ I ml rr bli«*kte .si«*h vrie hrifallrrwartnul im Krei-e um. AIht lüemami äußerte sieb dazu. Nur «I«*r klein«* I*etl«'hi*iifeM sagt«* in seiner fn*undli«likritis<*li«‘ti Art: „Wenn s«*hon**; „Ja. drüben.': wiederholt.* AdlrK „im T.aittl «ler unhi*gr«“nzlen MögK«*hkcilcu.'i‘ „Ich hali’ atieh mal u Sohn gehabt in Amerika, hi schöner Jung, n guter Jung. Aln*r «Iruhen. «la haben sic ihn schlecht gemacht, denn er hat nix mehr' von si«*h hören 'lassen, seil 20 Jahren.“ - „Haben Sie viel Gehl gema«*lit?:* fragte «Icr dicke Joel interessiert. '„Gemacht s«*hon. aber . . „Wenn er das halt’, saß er nicht liier“, meinte freimdlirii! der kleine Feilehcnfeld. Dakrankte Adler, er richtete sieh straffer aul. „Ein Vermögen liah* ich gcma«*ht. ein gn>ßes Vmnosen. aber ich Iialrs wieder verloren.“ „Warum haben Sieks nicht fest angelegt?“ fragte der dicke Joel. „l*Yst angelegt? In dem Land! Wie «lenken Sie sieh das, Herr?“ „Sie könu’ rulüg Herr Fbcli zu mir sagen. «leim so heiß* ich. Und wie haben Sie. also «las Gehl gemacht?“ „Unterbrecht'!! «loch nicht immer, er hat x» *iu* schöne, laute 811111111’, da is es «loch gleich. w«nn 11 «*r «las G«*I«1 gemacht hat“, meinte der alte. If«*rzh«*rg. „Und überhaupt, wo er «loch j«*tzl nichts mehr hat.“ Adler räusperte si«*lt. „Also zuerst hab’ ich T«*lh*r gewaschen in ‘nein großen Restaurant. Aber «Ins hat sich nicht bczaltlf gemacht. Da sitz’ ich eines Tages in 11er Rar. Kommt da ein Gentleman, setzt sich zu mir. bestellt ’n Whisky . . „Entselmhligcn Sie. was is «las fur’n Getränk?“ fragte «ler alte Ilerzberg. „Wissen Sic. das kommt immer in-Kriminalromanen vor, «li«* ich so gern!<*-’. WYim «la einer von «len Detektivs nicht weiter kann mit dem Ajiffin»h*n von Verbrechern, «leim trinkt er immer ’n Wlii-hv.“ „Nun. cs brennt“, erklärte Adh*r nh-ht ganz erschöpfend. „Trinkt also seinen Wln-ky. sieht mich an mul sagt: .Slelm Sie mal auf, Sir!: lb*rr. sag’ ich. was soll ich vor Ihnen aufstchen,' ich hin grad so gut ’n Gentleman wie Si«:.“ . „Was heißt eigentli«*li Gentleman?“ fragte «ler alte Herzbrrg. „ist «las ’n Renif?“ „Beruf?“ niriuie A«llcr naeluletiklielr, „*n Beruf ist cs nicht. ' Es ist . . . ’ne Naluranlage.“ „So. so. ’ne Naluranlage. so wie einer *» Säufer is. «uler ’n Fresser?“ „Unsinn“, sagte Joel mit Na«*h«lrurh\ Sehentelman is. '11 Mensch mit Kenntnissen.“ „Kenntnisse“, läehrlte freundlich «1er kleine Feilchenfehl. „Kenntnisse braucht er nieht zu haben, Afaiucren muß er haben und ’nen feinen Anzug.“ „Hat mein Sohn alles gehabt“, murmelte «ler alte Goldberg. ...Sure4.’ sagte «1er andere4-4.- fuhr Adler fort, .gewiß. Sic sind ’n Gentleman, aber stehen Si«* bitte d«»ch mal’auf.4 Nun. iclt stand auf. .Groß sin«! Sie und stramm.’ AVas sin«! Sie?* fragt’ mich «ler Gentleman“, fuhr Adler fort. .. .Ju«P sag i«*h. .Das schnd’-'iih'hts’ sagte der andere. .Was für ’ne Arbeit haben Sie? mein’ ich.’ .Gar keine’, sag* ich. .Well*, sagte «ler aiulere. .Wollen Sie l>ct mir arbeiten? Ich hrau«*h’ stramme Leute.’ .Verzeihen Sie’, sag ich. AVas halten Sie fur’11 Gesrhäft?’ Alaselnnenfabrik*. sagt er. Afnsehinen?’ frag ich. AVas für Maschinen V Sagt er: .Alle!* W’as soll i«*h Timen sagen, hat.der Mann alliv Maseliincn gemacht, von der Ilandnälimaschinc bis zur Lokomotive.*4 „Bißchen viel auf einmal14, meinte der kleine Feilehcnfeld. „Weil, war der große Maschincnkünig kVaterman.“ „Muscliinenkönig? So, da sind Sic wohl Minister geworden?44 läeliclte Feilehcnfeld. ,AVas haben Sic denn da bei den Maseliincn gemacht?*4 „Geputzt hab’ ich sie.44 „Und was hat das cingcbracht?“ fragte interessiert der dicke Joel.' „30 Dollar «Ke W’oche.“ „30? . . . Der alte. Herzberg legte die Hand ans Ohr. „,Wie hoch hat er damals gestanden?14 fragte Joel sachkundig. „Vier Mark netto.44 „Vier Mark!“ Dem dicken Joel brach der Schweiß aus. Kr rechnete an den Fingern. „Gott soll Schützen: hundertzwanzig Mark die Woche! Irren Sie sich auch nicht? War’s vielleicht für’n Monat?44 Adler richtete sich straffer auf: „Eines Tages denk’ ich: Masiliimii, was tu ich mit Maschinen?!“ „Denken muß man nicht“, sagte der kleine Feilchenfcld freundlich. „Wenn man denkt, is man schon pleite.44 „Gold wollt* ich suchen. Richtiges Gold. Nach Klondyke wollt’ i«'li, mit «len andern Goldsuchern.*1 „Mesclniggc!“ sagte der dicke Joel ablehnend. ,.I«*h habe mal ’n Film gesehen, du gingen” auiJi alle nach Klondykc und nachher war’s nix.*' sagte Herzberg. „Das hab’ ich mir auch gesagt*4, fuhr Jack A«ller fort, „und deshalb hab’ ich erst gar nicht angefangen.*1 , „W eiter, weiter“, -ermunterte Joel. „Nun vvur du ’n Mädchen . . .“ „Hört, hört“, schmunzelte der kleine Feilchenfcld. „Also die war — wle’n Bild.“ „Was tu ich niil'm Bild?“ warf Feilchenfcld «lazvrischcn. „Eine Andulnsicrin.“ „Was für’n Beruf ist «las?“1 fragte «ler «licke Joel? ..Das ist kein Beruf, «las ist eine Nntio . . .Nationalität44, buchstabierte Jaek A«Uer. Si«: trat auf Tnit spänix lien Tänzen. Gott, wenn sie so mit «len Hüften wogte — ganz kalt ging inir*s da über'n Rücken . . .“ „I«:h hält’ gedacht heiß“, meinte «ler kleine Feilchenfehl. „Tmim-rimt deinem Stuss!** verwies ihn der alle ’ Ilerzberg.’ „Erzählen Sie weiter, . 1 lerr Wolf. Sie sprer|i<*n so schön.44 „Adler44, sagte Jaek. - ' „W'ic meinen Sic?“ 1 „Ich heiße Adler.“ „Sn. «hum entschuldigen Sie. dann hab’. ich mich mit den Bchehncs geirrt. Also wie war «las mit «len Hüften?44 .AVas'soll ich Ihnen' sagen. Dolores war ein Prachlgirl.44. „Dolores, schöner jüdischer Name“, murmelte C«il«II»erg. Meine Frau selig hat auch so ähnlich "«‘heißen, Zippora hat sie geheißen.44 „Immer kommt Ihr 'mit Euren allen Geschichten. Laßt ihn . doch weiter erzählen“.-rief Joel böse. „Erzählen Sie w«*iler, Herr'Wolf14, hat Ilerzberg.- „Kannst <lu «lieh immer noch nicht zurecht finden mit «Icr Botanik?“ verwies ihn Joel. „Also, wie ging’s weiter mit der Tänzerin?*4 „Eines Tages war sie weg“, sagte Jaek Adler «Inster. „Hali* ich’s nicht gleich gesagt, immer müßt Ihr «Inzwischen Teilen!“ schrie «1er dicke Joel aufgebracht, grade, als oh seine alten Asylg<*nossen durch ihre Zwischenfragen den Abbruch der Beziehungen Jaek Adl«*i's zu «ler andalusischen Tänzerin verschuldet hätten. Jaek Adler starrte finster vor sich hin. „Ermortlen halt’ ieh’n können, crmonlcn!“ „Warum hohen Sic’s nicht getan?“ fragte der «licke Joel. „Hab’ ich denn gewußt, wcr’s war?!“ „Ja. ja. man muß sich eben immer rechtzeitig orientieren44, meint» Fc’ih'hcnfeld. „Da- Leben ist schwer“, murmelte der alte Goldberg. „Wenn mein Sohn . . .“ . ..Wir ging’s weiter?44 seluntt «ler dicke Joel alle Reflexionen ab. „T«*h stürzte mich auf andere Ma«lchen.44 „Aher wie haben Sic Thr Geld gemacht?“ fragte Joel. Jacks Gcsirhlsntisdnick veränderte si«*h. Er blickte ins Wesenlose uiul - lächelte. , . ' „Eines Tages fand ich das Gehl auf der Straße.44' „Ne Brieftasche?“ meinte Joel? Jack sah einen Annenhliek schweigend vor sich hin. Seine Aug«*n wurden „Kleine-Jimgen-Auiren“. ..Nein, ’n Mädchen! — Eine Dollarprinzessin!“ Alle saßen da mit offenem Mund und'horchten. ..Auf den ersten BU«*k war sie in mich .verlieht.“ „Wir können’.« nieht nachprufcn“. lächelte der kleine Feil- «‘henfeld freundlich. * „Laß* ihn doch, er spricht so s«*h«m laut44.?a"tc «ler alte Hcrzhrnr. „Da i« do«*li ganz-gleich, was er sagt. Erzählen Sie weiter. Herr Löwe.44 Diesmal achtete keiner auf «lie verwechselte Zoologie.- «lenn jeder der allen Männer da«*hte in-ncheim an irgrndetn«* Liehesges«*hiiliti*. «!ii* seine Vergangenheit in. etwas verklärt hatte. Atllrr-richtete sieh auf. Seine Augen strahlten. „Was soll ich Timm croß sagen: -Wir lichten un«. Wir heivnteten .un«. «ler Vater irah «einen Segen. Ne Million bekam sie mit.41 ... „’ue Million?“ sa"tr Joel mul machte eine Rewemiug mit «len Händ«*n. als oh er >ic abwiege. Jack Adler fiel plötzlich in %i«*h zusammen. Es war. al« <>!> ein S«*hnrni«*r. «las ihn aufrecht erhalten hatte, versag«*. Auch . reine laut«* Stimm«* war erloschen, als er vor sich hin murm«*ltc: „Es h ä t t"' doch können sti kommen. Kann-'ich dafür. «laß cs nicht so gekommen is?“ „An «lie Million hah* ich gleich nicht geglaubt“, sagte «1er dicke J«»el. „Also,-warum lugen Sie?** „Lügen?!“ Jack A«Hers Augen wurden wieder Klelnc-Jungen- Angen. „Das nennt man «lichtcrisclir Phantasie’4, sagte freundlich «Icr kleine Feilchenfcld und nickte Adler zu.' Der schüttelte den Kopf. „’n Traum44, sagt«* er leise. ...Te«ler träumt mal 5o‘n Traum, und wenn mnn nnvhhi*r anfwaclil. ist’« nix gewesrn.“ „Wnvum sprechen Sie jetzt so leise?44 fragte «ler alte Herzherg uiul hielt sein Ohr hin. „’n Traum44, murmelte «ler alte Goldberg, „ich.ha!»' auch mal ' geträumt, mein Sohn . . .“ „Spiel’n wir Domino“. ma«*hte «1er «licke Joel aller Sentimentalität ein Ende. ..Da« letzte Mal hah’ iclu verloren, «las muß irh wieder cinbrjngcn.*4 ..Herr Adler44, sagte «Ick kleine Feilehenfeld fmtndlfch. „wenn Sie mal wieder von «ler Mure "estochen werdrn. kommen Sie nur zu mir. mir ma«*htV Spaß!“., SeHi-tlnlfi’gruppe jjuili-dirr Körperhchimlerter, Ortsgruppe Berlin. Milglieilerversammlung .am Dienstag. - den 2. Juni 1936. um 19.30 Uhr. im Hause «ler Jüdischen Rcfortnsemeinile, .Tohnnnisstraße 16. Gäste willkommen! Sprechzeit-««ähren«! «Ter Sommermonate nur auf telef. Vereinbarung (C9. 1303) Iwi Ilcymann. Tile-War«l«*nlK*r^-Straße 10. vorn' ptr.

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