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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-05-20 · 21 (20.5.1936) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
21 (20.5.1936)
Date
1936-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gmß, iinil cs giljl Länder in der W elf, die auf arlieitsäine. Kultuniieiisrlien warten. Ls kommt nur darauf ■an, daß die Länder ohne Volk mit dem Volk ohne Land verljunden werden, was für hehle ein Segen wäre. Oer Aufbau Palästinas hat es bewiesen, was jüdische—Uegeistenuig zu leisten vermag. Aber Palästina kann keine Heimat für allzu große Massen bieten, und es liegt im Interesse der (iesaiuljiideulieit und auch des Judcnlmns. neue jüdische Zentren in der Welt zu suchen. : Vor allem muß die unorganisierte Aus- und Kitiwamlerung uiifhöini. Wir alle wissen, wieviel. Leid dadurch entsteht, daß Leute ohne Mittel--ziellos auswandern und ihr alles Klcud mit einem noch größeren neuen \ erlauschen, .linier Auswanderer inuß wissen, wohin und w ie er gehl, er muß über die Aussichten genau orientiert sein. \ erzweifhmgsfhirhl i.st auch für die (iesamtlieil ein Unglück. I'rei von Illusionen, aber auch von schweren lOnttäuseInmgen soll der Auswanderer sein, er soll wissen, was ihn erwartet und was er leisten und tragen kann. Ohne diese elementarsten llegriflc1 ist jede Arbeit Vergebens. •. 'Dir |irivatenUnberufenen K\|iorimentc, die uoeh immer versucht werden, müssen -.vul'höven. weil sie eine Quelle immer neuer Täuschungen und Kiittäiiselumgen bilden, bei aller Anerkennung des guten Willens wird man es nicht als erfreulich hczcichncn dürfen, wenn man jede Woehe von neuen Aktionen und Delegationen liest, von |iliaiitasliseheii Plänen hört, ohne zu wissen, wer sie legitimiert hat. Wer Aktionen großen oder kleinen Stils iiiileriiimmt, trägt eine große Veranl- •uortimg. jeder, der mit irgend einem Staate verhandelt. muß berrchligl sein, im Namen' der .ludeiihcit ■/.u sprechen.. Die Judenlieit der Welt besitzt heute gewiß nicht die Milliarden, die man ihr andielilet. aller die jüdische 0|ifei'freiidigkeit hat im Laufe der Oesehiehte •las Maß des Könnens beinahe überschritten, und man hat noch nie vergebens an das jüdische Herz appelliert. Wenn erst dfe richtige Organisation vorhanden ist, . werden die Mittel aulV.utreihen sein. Sie werden vielleicht -nicht allzu reich fließen, wenn man sie aber richtig verwendet, wird man damit schon vieles anfaugen können. Hie großen Mittel kamen immer nicht von solchen, die können, sondern von solchen, die wollen. Der Mittelstand war immer der Träger der jüdischen Wohltätigkeit, und die Gebefrcudigkeit kann und muß gesteigert werden durch die Erkenntnis, daß es. ernst gedacht, heute im Judentum nur ein gemeinsames Leben oder Untergehen gibt, Aber mit kalter Organisation ist aul jüdischem Gebiete nichts geleistet, liier muß brüderliche AVarme neben kluger .Sachlichkeit walten. Ufer muß alles ei-lit jüdisch aufgehaiil werden, d. h. bescheiden, mit Ceist mul Herz, mit dem Ausblick auf die Zukunft. Es klingt beiiialie trivial, und muß doch ausgesprochen werden: jede jüdische Organisation muß jüdisch sein, d. h. sie muß sieh der jüdischen Eigenart aupassen tun! nicht mit Schablonenarbeiten. Alles Parteiliche und Parteiische muß angesichts der großen Frage weichen. Es gibt heute nur zwei Parteien: gute und schlechte ■fudeii. d. h. .luden, denen die. Sache ihrer SrhieksaIs- und Glaubensgenossen am Herzen liegt, und Juden, die egoistiseli-inaterialistiselien Zwecken dienen. Es gibt, streng genommen, mir einen Gesichtspunkt: Das Wohl der Gesamtheit. Alles muß vom jüdischen Ideale der Gerechtigkeit getragen sein, alles muß sieh als organisches Glied des Ganzen fühlen und dem Ganzen dienen.' Wir hallen nicht allzuviel .Milteil und auch die Kräfte sind sehr geschwächt, aber vereinigt bilden wir eine Kraft lind eine Hoffnung. Nur so kann ersprießliche Arbeit für die Zukunft geleistet werden. Nur so können wir aus dem, Leide der (fegenwart Kraft schöpfen und zu'neuem Leben .erstarken. Jede Scliönlarbumi ist vcrlehlt. aber ebenso jede ratlose 'Verzweiflung. W ir leben in einer schicksalsschweren Zeit, aber llablii Akiba liat reelil: Solange wir in unserem Elemente leben und unsere Pflicht tun. sind wir nicht verloren. Joint und OUT Nahum Sokolow London. (.ITA.) Am Abend des IT. Mai ist in London der Ehrcnprüddent der /.üinhihrhcn Organisation und der Jewisli Agency, Nahum $uknlnw, im Alter von 73 .Jahren gestorben. Die Nachricht torii Ableben des verdienten Führers bat in allen jüdischen Kreisen liefe' Bestürzung hervorgerufen. Der^ \Muud^dier-i\-v 1*^l^ i.t^< h<*ii dci^ zimiintiselie^n nL,ut^^ eitie der. nicht um* in -der jüdischen Well. bekanntesten jüdischen IVi>öii/iWjheiten. -eil ’/Tirodur f fcrzl und lieben Gliaim WWzrnami, Kmpfnng-rfmnien de*. Vatikans mul den Prachlsäleu. von Versailles, »eni alden ..Aiißciiniitii-lrr des jüdischen Volkes" bcseliucrer. als der Zionismus gerade Ixnitc einen Mann von der Art SukoUvws mU seine« wiche» politischen Erfahren, seinem Wissen, seiner Menschen- und Weltkenntnis und seinem diplomatischen Geschick notwendiger hat denn je. Unter den zahlreichen Werken Iltcran-elim und wissenschaftlichen Ghnraklcrs. -die er veröffentlicht hat. he findet sieh auch eine zweibändige wesentliches Stück dieser Ge»chirhtc verkörpert. ' , Wenn jmrb der unermüdliche, Kampfer für seine Ideen. «1er Rofenftocks Nachfolger Hans Wilhelm S t e i » Ii r r g Oprrnlcitcr des 1? r r I i n e r J ft d i s e Ii y n Kultur Iru n des Wir der Berliner Jüdische Kultiirhuud bekannt gibt. überiiimint Fritz Wislcn als -Nachfolger Fritz Jelhiers vom 1. Juni .an die OhrrspicUcitmig des Schauspiels. Kr bleibt gleichzeitig dem Ivnseinblz als Schauspuder erhalten. Als Naebfolger Hosciistoeks übernimmt Haus Wilhelm Stein her g. bis 1033 Generalmusikdirektor der Stadt Frankfurt atu Main, in der kommenden Spielzeit die Leitung der im Kulturbund auf/.iifckrendeii Opern sowie die Direktion der repräsentativen Orrhrsirrkmizertr. Nach Absolvierung einer Konzertreise an der Spitze des Jliibrrinann-Orrliestcrs in Palästina tritt Striiibrrg demengsten Stab der kuiistlcriselien Vorstande des Kulturbunds bei. Im August wird er sieh den Mitgliedern des Kulturbundes in einem Sonderkonzert vwrstrllrn. Bertbold Sander, der Chonürcklor des Kulturbundes, steht mit der Intendanz und mit Sieinberg auch weiterhin als Öpcrnkapcllnieister zur Verfügung. Verfchärfte Eimvanderungs- Beltimmnngen für Bralilien Die Brasilianische. Ges.iudtseliaft in Berlin gibt. wie die ,..Iüdi“c1ir Allgemeine" erfuhrt. suel»en die neue», Bestimmungen über die I*. in reise nach .Brasilien bekannt. Brasilien vorgelegt. werden: I. hme Einreiseerlaubnis. die mir von einem Bürgen in Brasilien bei der Brasilianischen Polizrihelmrde zu hcaulr.-nien ist und dann dem Kmwnndcrcr direkt vom Bürgen 7.u;:c>;mdt wird. Außerdem ein Dnpliknlschrck in Höbe min dreiian-ciid Mnwis auf eine Bank m - Brasilien. wo/u eine ziilipleu ist. ()«ler 2.: Kitte Genehmigung einer deutschen Devisenstelle zur Trajisfrrierung von mindestens fünftausend Beiclismark pro Peixm in brasilianischer Währung. Dies«: Bestimmungen bringen eine Verschärfung der Kmvvaudcriiiigsnuordntmgcii. . Paris. W ie di«* Leitung der flH.’EM mitteilt. konnten .trotz der Schwierigkeiten, mit denen die jüdische Fnugrationsliowoguug beute zu kämpfen bat. wfihrcnd den ersten vier Monate diese“ Jahres 2993 Personen durch H1CEM wcilerbe fördert werden. Von diesen Auswanderern stammten 2358 aus den versrlncdenen w a r e n a u s Deuts c li | a n d ausgewandeiie .luden, die sieh bisher in Frankreich, Belgien und IFoIiaiid und anderen Nachbarländern l)eu(-i'lilauds atifgclialtei! hatten. Von den wcitergeleitelen selii«*t|t'nen Länder Nord- und Süllamerikas, '•nach Palästina. Südafrika UsW. . * ' Synagogcmvcihc auf einem Ozeandampfer Southampton. Tin Hafen ton Southampton nahm der OIhtrnhhuicr des Britischen .Beii'hcs. I)r. .1. II. Hertz, die feierliche Limveilmni: der au Bord de» müßten Ozeandampfers der Welt. Bundgang durch die Synagoge mit den Torarollen hielt OIh.traMtiuer Hertz eine Ansprache, in der er darauf hiuwies, daß hier zum e'rsieu Male auf einem Sehiff eine Synagoge nicht später eingebaut. Mindern auf Grund des ersten Schiffsplaues eingerichtet wurde. Dir. ..Qurrti Mut-y" tritt ihre .Jungfernfahrt am 27. .Mai \m» Somhamplou au. \ ersehn.i-l/img der Aufbringung tu Amerika York. De OBT * V |{*. /UlU! ^'«ä'idvnt des Y.dksvrrbmuh» >on Ilaiidueik. Industrie und Landwirtschaft unter den Juden OHT. Ih Z. Vlndeek. veröffentlichen Wm* g«*meius.une Kundgebung -an die ninenkhiUM-li* jüdische'Offeutliehkeit. in der mitgeteilt wird, daß der erwähnte Joiut-Drivc und der Drive von OBI wir AnTl.vmginis* v»n Dollarfür Benirsumsebichw<i1h*i der nufznl.ringende (hvauitbeirag auf d rdHMHKl Dollar fixiert würde, hi der Kmidgidumg werden die auierikatiisehjü«nsehen W ohlfah t t-iti-liiutiniieu mul ilie Uinzels^woder im uan/en Land«: aiifgeforderl. sich der erhöhten WranlWorilirhkeil. die das Joint Distribution l^mui.ittee . durelt Wrbimlims mit der OHT- Aktion auf sieh »rnoinnM-n hat. hi-wnlsi zu werden und darauf zu scheu, daß die’ fixierte Simmie ganz aufgebracht "i»d. Gefängnis für ErprelTerbrief Solingen. Das ..Solinger Tageblatt4 belichtet, daß das Solinger '\vi*L'i7 uL»M-li1|ls\-,|| Udl "v "r s « "h I^Er' pressung zu einer (icfängm-sirafe. \uu drei hzw. zwei .Uoualeu \ermteill hat. Beiden Angcklautni wimle die erlittene L’ntersinhntigshafl augrrnlmei und der.liegen sie erlassene Haftbefehl sofort aufgehoben. Der Angeklaale hatte im -Dezember .1935 an den jüdiseheii Inhaber einer großen Firma in Solingen-Ohligs einen Brief gerichtet, in dem er den Kaufmann darum ersuchte, ihm 12 0011 Mark za IciIumu mul bemerkte, da er der Annahme sei. daß der jüdische Kaufmann i Ii m das Geld nicht ganz freiwillig geben werde, er ihn gleich auf verschiedene Straftaten aufmerksam machen möchte, die er und eine andere Person begangen lial.ru. Die Angaben des 0^- sebreibers .würden den Kanfmaim auf lange /eit der Freiheit berauben. Der Brief enthielt «hum weiter die Aufzahlung der angeblichen Straftaten und die Aufforderung* da“ Geld unauffällig T.-dutk-warrugeschäft abzirgebrn. Das judisruc Lchrgut Groß-Hrresni braucht für den Aufbau seines Uetrielws noch einige Volontäre aD 1 laudwerkerpraktikam«u. vor allem Installateure. Mah r. Schmier. Schneider. Srhlossrr und Sattler. . Interessenten im Alter bis zu 24 Jahren wollen sieh an die GrsHiäftsstelle der Jüdischen. Auswandercr-elmle. Berlin W 13, Sich lalfchlidi als Jaden ausgegeben Gletuil7. Wie die ..Deutsehe Ostfronr* iii Gleiuit* herieluei. \erurleilte tlus Schöffengericht in Uatilior zwei aeiu- und siebenmal \orbi>trarte Angeklagte wegen fortgesetzten gnneinseebs bzw. fünf Monaten Gefängnis.- Beide Angeklagt.- hatten es bis zur höchsten Würde gebracht hat, die der Zionismus zu vergeben hat, zu Beginn dieses Jahres den Platz des Präsidenten der zionistischen W eltorganisation seinen» Freunde Qiaim Woianann wieder eiuräumte, so hat er, vom Luzeraer Kongreß zum Ehrenpräsidenten ernannt, den Best seiner Tage keineswegs in würdevoller llulie \ erbracht, sondern, sieh aktiv als Präsident des Keren Ifajesrod und Leiter der Kulturarbeit in Palästina betätigt. Schon bevor der im Jahre 1861 in dem politischen Ort Wy.szogorod .geborene.Sokolow überlegeh, weltgewandt das glatte Parkett der Politik betrat, um nach HcrzU Tod iiu Julirc 1903 in Köln das Genrralsrkretarial der zionistischen Bewegung zu uhccucluucu. hatte er sieh als Journalist und Schriftsteller einen angesehenen Namen crworlkrn. Mit 2*1 Jahren liat er in W'nrschuu die UcbruLSclic Zeitsehrift ,.llazefirai; redigiert, in vier auch seine ersten formvollendeten Feuilletons und Abhandlungen erschienen, die die Massen des Osten» aus der geistigen Enge herausführten und ihnen den Blick in die Weit europäischer Kultur und Bildung öffneten. Auch späterhin hat er, nicht nur in der ..Welt" und im ..Ilaolam", sondern midi in vielen inchtjüdisclien'Zeitschriften eine, reiche pnldr/.istisehc Tuligkc’tl entfaltet, woln-i ihm scüie SpraehkennlnLse vortrefflich', zustatten kamen. Dauclicn veröffcnllirhtc er. außer der bereits erwähnten Geschichte des Ziouismus eine Gesdüehte des Antisemitismus, Erzählungen von Zaildikim und sonderbaren alten Judengeslallen. ül>ersetzle wichtige W'Vrke der europäischen Literatur ins Hebräische und ließ . 1929 ein fesselndes Werk über Bamcli Spinoza und seine Zeit erseheinen.' Sein ra.-tloser Eifer . aber galt der politischen Tätigkeit'. W'äbreud des Weltkrieges übor-iedc.ltc Sokolow von Berlin nach lvondim. wo er zusammen mit Weizmann an der. Erlangung der Balfmir-Deklaration nnlarbeitetc und von da an an den wichtigsten Aktionen des Zionismus führend beteiligt war. »ich. bei den jüdiseheii WamlemTürsorgestellrii üi Leobsclnitz und Batibor unter Vorlegung g e f ä I s c h t e r Poli/.cialim e I d e s e h e i n r. wahrbeitswidrig als Juden ausgegeben und zum Teil auch kleine" Unterstützungen erhalten. Wie das Gericht in der Urteilsbegründung nusführte, war slrafverseharfend für die heulen Angeklagten ihr eharakter- und würdeloses Verhalten und vor allem auch die Umstände, unter denen die Straftaten lu-gangen wurden. Charitative Wirtfchaft Neue Wege der jüdischen Wohlfahrt In dem Organ des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands. ..Der jüdische Handwerker", erörtert W ilin-lm Marens die Bedeutung der sozialen Hilfe für die Wirtschaft. W enn man viele Jahre hindurch die Aufgabe der .Wohlfahrt nur in der eharitativen Hilfe gesehen habe, so erkenne man erst in neuester Zeit, daß auch in dieser rein eharitativen Wirtschaft ein für den Wirtsehaflsprozeß sehr beachtlicher Vorgang enthalten ist. Immer mehr wird die Notwendigkeit eingesehen, charitalive- Wohlfahrt nicht nur durch Geld geben au einzelne' Menschen zu üIh-ii. sondern die zur Verfügung stehenden Mittel planmäßig einzusetzen. Im jüdischen WohlfabrUwcsen handele es sieh auf diesem Gebiete um Neuland. Es seien aber die ersten Versuche in dieser '.Hinsicht gemacht worden. Etwa zwei Drittel der Eingänge der Berliner Jüdischen Winterhilfe wurden in Form der N n tu r a 1 u n tc r s t ü t z u n g weitergegeben-Von dem (»esainlaufkommen wurden nämlich verteilt: in Lelieüsmitlcln 28 r*Y>. in Kartoffeln 3.7 «fcin Kohlen 7 0/o und in Kleidung Welcher Bedeutung dieser Naluralunterslützung im AVirtschaflspcozeß. zu kommt., werde dadurch gekemr/.cicluiet, daß die Berliner Jüdische Winterhilfe im letzten Winter etwa 5000 neue Ucrretumzügo. etwa 3000 neue Dameumäulc! und über 8000. Paar nein* Sclniln* verteilt bat. Es sei selbstverständlich, daß die Auftragserteilung eingehender Überlegung bedarf. Es könne keineswegs als angängig angesehen werden. u;enn nur rin oder einige Fabrikanten mit Aufträgen bedacht werden. Ein derartiges Vorgehen, wäre kurzsichtig und müsse die soziale Krise wesentlich verschärfen. Die Aufträge .seien möglichst organisch d e r. W‘i r l s ch n'ft e i u z u f fi gen. 'Eine Auftragserteilung au den Fabrikanten oder Grossisten komme-höchstens in Frage, soweit es sieh tatsächlich um zusätzliche, das normale Maß der B%'dftrfmd>efriedigung des Einzelnen ül>crsteigcndc Bewilligungen handelt. Du* Berliner Judtsrhe Winterhilfe hat dem weitestgehend; Rechnung getragen. So erfolgten beispielsweise die LelieiisiniUelliefenmgrii nur zu 20 a.o durch <len Großhandel, zu 80«o aber durch den Einzelhandel. Wesentlich werde auch sein, in Zukunft hei der Auswahl, der Einzelhändler und -ebenso der Fabrikanten und Grossisten besonders dort mit Auftragserteilung zu helfen, wo durch zeitbedingte Krisen eine Geschäflsschrumpfung eingetreten ist oder die Einstellung ncucu Personals berbeigeführt werden kann. Markus Reich de“ Begründers der Jüdischen Taubstummenanstalt Mit welcher Inbrunst mögen wohl 'die Taubstummen, diese Stiefkinder des Schicksal“, das ihnen verwehrt, ihren Gedanken klaren Ausdruck zu geben, die Einleitungsworte des . Achlzehn- Gcbets ..Mein Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund ‘verkünde Deinen Bübin.*" in ihrem Gei“t. wcbmiiLsVoll erfassen! Doch Gull schickt »eine Sendboten als Lehrer und Tröster zu ihnen. Zu diesen gottbegnadefeu JugendbUdneru gehörte der cmc Leiter der jüdischen. Tiudistummeiumstalt, Markus Heieh. der vor 25 Jahren, am 23. -Mai. aus einem reichgesegneten Lehen schied. Am 15. April 1844 . geboren, besuchte Markus Ueieh dies Berliner jüdische I-ehrerseminar. das unter der vortrefflichen Leitung, von llorwitz auf die jugendlichen Zöglinge eine starke Au/.ichvmgskr.\ft' mul narhbaltigen Einfluß ausübte. Brich trat nicht nur als Jugenilbildncr in dir Knßtapfen »eines llektors, sondern kam ihm aueli au jener -Güte gleieh. mit der er sieh Herz imil Sinn ihn* ihm anvertrauteii Zöglinge zu erschließen wußte. Kr nahm mit Unterstützung edler Mensehenfreunde einige Tnub-tuminc mit »ich nach dem nahen Fürslenwalde. wo er sieh ihrer mir nie ermüdender Geduld aimuhm. Da die Geldmittel für die ihm zuströiueuden Zöglinge nicht mehr ausreichtcn. trat der A erein ..J <* d i d e . i 1 m i m ''Freunde der.Tauhstummcn.' an .die Stelle em/eliuT Mäzene, dc-.-en rastloser Tätigkeit e-, gelanz. dbjüdische T a übst u nt m e u a n s l a 11 in AS e i ß e n > e e am 16. Januar 1BB4 ins ‘ Lvhrn zu rufen. Die Begründung diese.« segensreich wirkenden -Instituts war das Verdienst' des A errins. der später seinen Namen in ..Verein zur Förderung der Interessen der i“rar)ifi.“(-i:ri) i anh“!ummrir\ jetzt ..belbstlnlfcgmppc judiseuer Gehörlo>er". geändert hat. Das Wrdicust von Markus Reich war es. daß er sich int* A'ereiu mit seiner Frau und Schwester sowie anderen Lehrern, die von gleicher Gesinnung beseelt waren, mit selbstloser Hingabe der Erziehung der‘Zöglinge gewidmet und die Anstalt zu großer Blüte gebracht hat. Den großen Erweiterungsbau in Weißensee. »1er seiner Idee gemäß alle jüdiseheii Taubstummen Deutschlands* aufziincbmen bestimmt war. hat dieser echte Jünger Pestalozzi“ nicht, mehr erlebt. AI. $. Rurs*.

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