Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 18 (29.4.1936)
- Date
- 1936-04-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613437--746-2615623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
hinaus, Heinrich Heine, zu den hebräischen Melodien der Jugend wieder zurüekkclirtc, m) konnte doch auch er*, sichcrJieh gegen »einen Willen, dem „magischen Judenkrcis'*, auch nachdem «:r den Glaubcnswcdiscl vollzogen iiatte, nicht entrinnen. Hie Zcilvcrhältnissc waren danach aitgcLan, ihn immer wieder au seine Abstammung zu crimieni. Drei Jahre, nachdem sein Vater. «ler angesehene Kaufmann Jakob llaruch, der mit den -Rothschilds in enger Verbindung stand, als Vertreter der Frankfurter Judenschaft zum Wiener Kongreß entsandt worden war, um dort die Rechte der Juden zu wahren, am 17. April IftlB, teilte Dr. Barueh“ seinen Freunden und allen, mit denen in Verbindung zu stehen er die Ehre hattet, -* im Frankfurter Journal mit, daß er seinen Naineu geändert ha!>c und sich von nun nu Dr. Ludwig Rome nenueu und luttcrzeiclmen werde. Am 7. Juni des*cll>cu Jahres trat er zur protcslanti.sriicn KirdJic über. Pfarrer Bertueh in Rötlclheim ls*i Frankfurt fülirlc ihn in das Christentum'' ein. Fs war anders gekommen als die alte jüdische Köchin Flic im Hause - Raruch einmal im Zorn ausgenifen hatte: ..Wirst du Rabbi* so läßt sieh die ganze Gemeinde taufen“, w«iniuf Hörne seiner Abneigung gegen-das llmr-faktotum Ausdruck gab: ..Nun. so bleibe. ich der einzige Jude und ve.rderl»e deinen lnrideii Sühnen den Handel/1 Börnes Übertritt zum Christentum, der äußere Aiisdruck H-.iner L’nveihutidrfilieil mit, dem jüdischen llrligionsgesoiz, nach dem er im Hause des konservativ geriehlelen Vaters unterriehlel und erzogen war, erfolgte zu einem Zeitpunkt, da er «las Studium der-'Medizin au «len Naue! gehängt hatte, um steh zunächst «ler KumeraIwi>H-nsehaft und .»pater ganz und gar der Publizistik zu verschreilMm. Auf d«*n Titel «ine» Dichters hat Börne kein Gewicht . gelegt, er wollte nichts anderes sein als ein ..Zrit>»hiiflsi«*ll«*i*“. Was der. Morgen bringt, was der Tag heiatiflührl. was die Xarht hederkt. «las zu Iie*pr»*«*heti. sagte «*r. w.ar sein«: Lu»t. v Der Vater hatte sieh für ihn uolil «dueir anderen Beruf erträumt, und er war ui*nig einversiatideii mit dem. was sein Sohn veröffimtliehl«*. ..leb lese gern, was in seinen .Schriften steht, aber ich wünscht«* nicht, daß es ment Sohin* geschrieben.“ Cber. die Taufe seines Zweitältesten, der sieh schon früh wm den TeJigiöscn Gepflogenheiten des. Fltendiaiises «*maiizipi«*rt halte, war Jaktth Ihmieh «*bciw> empört wjr «her den l insland. »laß «*r «leti angesehenen Familiennamen abgelegt halt«*. wfdir»*n«l «lic wlmii»*, aber gefallsfielitige. »•g«»istis«*ln*' und nielii »ein* klug«* Mutter »len Seliritt ihn*.» S»ihu«*s g»*!as>»*u hm^eiuuimicn zu haben .sihei'il. W<nig»liMs schrill.» Börne ln ein»,m Brief aus München vom Jahre 1BJI: ..Mein«* Mutter, was i»*h nicht wußte, weiß, «laß ich-gi-iauft hin mul hat nicht »Ich gering»!»*» Verdruß davon. Vor eiiiig»*n 'Jag«‘ii hat mein«* Srhwrsl«*r in ihr«*r und meiner --Gegenwart s«*Iierzeu«l «la\«*n grsprorh»>n. M»*im* Mutier sagt»* zwar nichts dazu, tiber sh: s»*Iuen nicht »*iii bißchen beunruhigt. Wie s*n'h die- Zeiten änd»*rii! Vor zwanzig Jahren noch halten wir Geschwister alle st»*rbeu können. uns»*n* Fitem hätten uns au«*li vom iiinrlervollslrii Tode nicht durch die Taufe loskaufen tnög«*n." Im Gegensatz zu llelnc. zu dem mau ilm «dt ffdschlii'h. in Parallele gesetzt hat. der mit rührender Li»*!»;* au «I«*r Mutter liing, sic in unvergänglichen Gedichten verh»*rrlielit liat und «ler. um die alte Frau zu schonen, sie mit künstlicher Heiterkeit filier seinen Leiilciisziisiand limwcgläii»» ht«*;- hat Bonn: «ler Mutter nie Liebe und Zärtlichkeit <*ntgi*g«*ngcbraclil. Fimnal machte «:r sielt darüber lustig, «lab sie. cnlgeg«*n »ler Sill«* strenggläubiger Frauen, ihr Haar nicht unter einem künstlichen S«*h«*it<*l \rrstccktr mul auch* wenigstens unterwegs die ritiu:]l«*u SjMiV\«>rs»*hrift«*n nicht lienrhtefe. ..Denken Sh* nur“, spottete «*r aus München. -.*ie trägt «He ' Haar«*, wie sie in Frankfurt nie getan. Ich halte sie gefragt, wir -sh* es auf der Rei.sc mit «lern Fssen g«*hal|en hätte, und da hat sie gesagt, sie hätte Fisch« , gegessen, und hat sieh wahrhaft über sieh selb-f lustig gemacht. O Sitted. «» Zeiten, muß ich «las von meiner Mutier crlelvn!“ Ls i-t eh.irakteristixli für die uinngidnd<*ii Gefühl«: «ler .Solineslieb»*. «laß »ler sieh/ch»jährige Jüngling als Pensionär im Hanse de« Berliner Arztes Marens' Herz seine Leidenschaft der mehr als doppelt so alt»*» Ib*urh*ltr ll»*r/. ■zuw’atult«*. »He »*r später mit .tMult«*r“ lilulii'Tl. und »laß »*r >iel\ schon in seiner Frank- „ furler Z«*il an »He gleiehfnlls viel älli*n* Jeanette Wold Hand, du* iliin^ bis zum letzten Al<*j»zug l ienndscliaft und Aiihfmglielik»*il in*wieH*ii hat. Di»* RrzuJuiiigeii' zum \ at«*r waren' kulil. im l>c»ti*n Falle freundlich. Fr muß sieh %«»m \at»*r »len V»»rwiirf gefallen lassen, »lab er ein s»*hleelil»*r Sohn .-s»*i. wenn er auch «He.s»*n Tadel . zu entkräft»*» sinht. Die stets eigenmächtige Haudliinffsw«*is<: »les * Sohnes mochte Jnkoh Banicli wolil in seiner väterlichen Autorität g«*krank| haben, und er Heß »ich auch etwa auf »len Vorwurf, «laß «ler Sohn »les öfteren gebä-sig gegen <li<* Juden spreche. «ltir»*h <*in Argument wie »H»*s<‘s nicht überzeugen: ..Warum soll ich mich Itcmühcu. gewisse Grrint»mg<*n. di»* Deinen Beifall flicht halten, Dir noch einige Z«*il zu verbergen, da-sie Dir »loch einmal . kinnlwerileu mus»»*n. weil i«h w«*iß. »laß sie nueh mir mit «lern letzt»*» Atemzuge v«*r!:i»srii w«*rd«'U. T»*h ni»}ß »len Sohn v»*rgessen. sobald^ teil daran »lenk«*, «laß ich Judi» liin. Hier st«*lu* ich f«*st wi«* »•in»* Mauer: «li<* Träin*u «ler Lieh»*, die Dohhe «l«*s Hasses, Ilinunel mal l*.rd«* sollen au meiiM’m Starrsinn scludtcrn. Man mag mich plündern Ins auf »las nackte Leben, aber di»; augthorenen Majeslal>r«*»hle <I«*r M»*ns»*lili«*ri * lass«» ich mir ni»*ht. raub»*».4* > Das Judentum 'l»<*»it/.t m diesem abtrünnigen Sohn keinen' Dichter. Ein geschlossenes \\ rrk. «las mit srin«*m Naim*n v«*rknüpfl war«*, bat «h*r fas/iuien*n<h* SliHsl ni»*ht gesell rh'ben. Au«*h seine PrupWzemngrn und du* Td»*»*.* für dir der unbrst»«*hlicli«\ allcnliiigs zeitlnvf;mg«*iii* Kritiker ri«*h muj»£ «*in"«*si*izt hat. haben sieh al^.inrhr «le.nn trügen»«!» er\> ie~en.^ir»>t z<leui hat di«* Jn»h*nheit s«*tner Zeit dem Jlendd «ler \Vahrh«*it mul uii<*rbittlieh(*ii Arnhner .zur «er»*iTiligk»*it viel zu dank«*». Obwohl «*r sieh vom GlattlM’ii »1er »ater kampflos los^e»agt hatte. Um «>r für sic uw*hr g»'l;m als mancher. »Irr aub(*rH('h «l»*m . Judentum v«*rhaft»*l hli»*h. L*n»I . 'wenn »*r auch »iiel.it v»*rm«M*ht»*. «l«*irlläß vi*rse}iwiud»*n zu maelu'ii. so ist CS seiner p.drmi»eh«‘u Kraft in zähem Khinkri.ge «loelt g«*hmg«*ii. manehe» V»uui t»dl zu b»*»i«*"eu. F. Ta* Dip. Lehranstalt fur «H1* W i»srrseliaft »les Judentums eröffnet«* am 21. April ihr S»unmer-Seme»ter. Anknüpfeiul an «las Vorbild und die Lebensarbeit van. Leopold Zmiz. wir» Prof. Elln)g«'ii inj Fröffmnigsv«»itrag auf «He lumlige Aufgalu* »I»*r T>1imn«ta]| bin. nicht nur die*- faebwi»sj>n»ehaftli«'he \u»bil»hiug. sondern auch «Iw allgenwnwn Grundlagen akademi*«'her Stndirn zu l»i«*fen. Durrb die Aufnabme pbilosoplns,*l,er. g«*.«ehHitltVlirr und kun»tbistoris«*ber V<»rh*suiigen. di«* gegenüber «\em Vorjahr norh v«‘rm»*hrt sind, ist dieser Notw»m»Iigkeit lh ihnung s<*lrag»*n. Da «lü* T.«*brans|ab aiirli solrben Stinlwrrmlrn \tifnalmie gewährt. «He ni»ht nur «in FaebstiicHum an ihr betmheu. ist hur jüdisclwu Aka«1emtkeru die Gelegenheit zu g»i»t«*swi»»«*nseliaftUeher \u»hihhmg und Arbeit gegeben. Das Sekretariat für BiMemL Kunst eröffnet am Sonntag. »Im 3. Mai. von». 11 Htreine Vn»stelhmg ini Kltihheim. M.nburger Straße 5. Fs stellen an»: die 'Maler Coura»! F 11 e s > . Fugen Ifers-eh und der Bil«lh:iur*r Wall»*r Cohn. Br-ichligimg täülieh von 10—2 llir. Sonnab(*nd g«*s«*hlossen. Judisrhes Ix*hrhnus Berlin. Fröffmmg »les Sonunei'-Semestcrs. 1, Altend der Donner.^latr-Reih»» am 30. April. 20.1.1 l*hr., Aula. Jomhimsthaler Straße. 13:' ..Systematisches mul g«*si*hi«*htlieh;*s .Tudcntnni“. Zwiegesprä«*h: Fritz Bamlierg«*r mul Fmil Benih.-ml Gohn. 2. Aliend. Donnerstag, «len 7, Mai. Aula Jon»*Jumsthaler Straße 13. Beginn 20.13 I7ir. Fs spricht Max Wi»*n»*r \yiber ..Sentimentales und nnturHeb«*s Judentum^.- Berliner Abende Fünf Tänzerinnen Usc Vordemberge und ihre Gruppe im Bruderverein Der Tanzabend, zu dem Ilse Vbrdcmbcrgc und ihre Gruppe nach dem Brüdcrvereiassaal geladen Imtten, bot allen den zahlreichen Iiesuclicm eine erfreuliche und beschwingende Ablenkung vom Alltag. Der erste Teil des Programms, der ernste und abstrakte Gruppen- und Solotänze brachte, bewies dos außerordentliche Können von Ilse Vordcnitarge als Tänzerin, als -Schöpferin der Tanzweisen und als Tanzpudagogin. Die gute Durchbildung der Kör|H*.r, das verständnisvolle Eingehen auf die Ixarfmdcrc Veranlagung jeder ihrer Schülerinnen der Gruppe, zeigte sich in der Auswahl der Tanzweisen und im Rhythmus, in der Ausdrucksform, in der Straffung der Solovorfülirutigeu und ganz besonders in der Zusammenfassung und Geschlossenheit der Gruppentänze in ihren verschiedenen Phasen. Gut unterstützt wurden die Darbietungen durch «lie ausgezeielmetcn Kostüme, «lic vor einem pastellblaucn Vorhang ein lcliendigos und bewegtes Bühnenbild erga!>cn. Von «len Mitwirk«*nden ist zunächst der Einzel tanz von Dorothea Krause: Jemenitischer Tanz zu ncnii«*u. der diese jiuige Dame als ein vom Tauzgeist Ixiscckcs Talent offenbart. Innhiganl Will nur. die für die im letzten Augenblick erkrankte Monika Hermfchl ehigespningcn war, tanzte narb Griegs«*ber Musik mit außerordentlicher, Gelöstheit und •W«,i«*libeil «ler Glieder. I^olte Gohlmann und Fräub*in Auerbaeli mit besonderer Begabung für das Heilere, lwwiesen sieh Iwsomlers hei' den Gruppenvorfühningcn. Der russische Tanz und »lie Polka mit ihren grotesken Gestalten rissen «las Publikum, zu stürmischem Beifall hin. der Wiederholungen lierv«irrief. Ilse . Vordembergr selbst, Schülerin v«in A'vonhe Georgi mul Harald Kreutzberg. .erwi«*s ihr teebubebes Können mul ihre seelische Aüstlnieksform nainenthcli in einem Tanz Bettlerin” mit interessanter Musik von Wolfsolm. «ler «len Iblhepnnkt «les Abends bildete. Diesem "leiehzustelleu ist der Tanz von Ilse VonlemlMirge mit ihrer si«*h als außerordentlich anpassungsfähig erweisenden Partnerin Willner in ..Sizilianer und BoltTO*s, s«*hun und anmutig zugleich, «ler Tau/, im Gleichklang «ler Bewegungen, die harmonische .Übereinstimmung «ler beulen Tänzerinnen und <b-r charakteristischen Betonung dcs<Spam.»<*hen, mir in «ler Wiedergabe tlurrh «len Tanzschritt. Mit einem befeueniden Strauß-Walzer cncligtc die Gruppe der fünf Tänzerinnen ihre erfolgreiche 1«*ranstaltiing. Au«*h «ler taktvollen Begleitung am Flügel von Erna Fenchel sei ein ln:sonderrs Wort des Lobes gespendet. F. V. Von Hofmannsthal bis Bialik ' An einem Abend der kulturellen Veranstaltungen bei 'Weil vermittelte Dr. Fritz Eise über g Rezitationen, deren Bogen von Hugo von Hofmannstbal über Arno Nadel, Wolfskchl. Lissaucr, Werfel, Silberglcit. Else Lasker-S«*liuler bis hin zur 'Dichtung Binliks sieh spannte. So wurde eine schicksalhafte Abwandlung jüdischen Weltun«l Leliensgefühls dem Hörer offenbar in dieser Reihe der Autoren, die anhob bei Hofmannsthäl, der ein Europäerw*ar, als Nachkomme und Erbe langer abcndlundis«*her Jahrhunderte sieh wußte und die Fülle seiner Liebe und Bitternis aus «ler Fülle «les Vergangenen sich trank, und die liiuscliwang zu Wolfskchl und Bialik mit Ihren Gerichten eines neuen Morgens an neuen Ufern: ..Lieb’ nicht zurück!“ Und ein Weiteres tat sich auf au diesen Gebilden lyrischen Bekeimcns und Gestaltend, jenes eigentümliche G»heimnis vom Ticfcnranm «ler Lyrik, das «larin.beschlossen ist, «laß eine Begegnung sich vollzieht unmittelbarster Art zwis»*lien Seele und Welt, Gott, Mensch, Ding, Natur, und «laß das lyrische Gedicht, sein Wort und.sein Klang, hinter diese Begebenheit zuiTickvcrweist. in eine dahinter ausg«*spannte Tiefe, in eine Unergründlichkcit. Dr.'Fritz-Eisenbergs Dcutungs- und Sprechkunst folgte im ehrfürchtigen Dienst am Wort «I«*in mannigfaltigen «liehteriseh<*u Seliaucn und Ergriffenscin. Das Tiefstherfihrendc seiner Interpretationen aber lag w*olil in «ler im letzten durelnvaltcmlcn Schlichtheit und reinen Gcfühlshiugabo. wodurch noch einmal etwas geholten wimlc v^>m Geheimnis des lyrischen Gedichts, daß nämlich durch alle seelischen und geistigen Brechungen 1undur»*h im verborgensten Grunde aller Lyrik dieses Erhaben- Einfach«: g»*sehiclit. »laß ein Arenschenherz jubelt und «hinkt, leulet. fragt. Max Freyhan. Berliner Konzerte Eine junge Discusc stellt sich vor: Beate Freudentlial- W a g h a 11 e r findet in einer bunten Folge von Liedern und Chansons sehr ^rasch z\i geschlossenem Einsatz ihrer natürlichen schalkhaften Anmut. Die federnde Gclndenhcit der körperlichen Bcwegimg sjwist sieb aus stärkster Verbundenheit mir Sprnrliinelixlic und Sprni’hrhylhmus, so daß etwa «las reizende italienische Liedehen ..Funicoli. funieola“ zu einem uaehklingenden Eimlniek wiril. Dem schlanken Sopran «*ignet «lie erfonlcrlirhc Bewcgluhkeit. Von den jüdischen Liedern, denen «ler Vater. Prof. T. Wag-' hnlter, ein "Csehmackvolles Grwand gab. ge'rieteu «lic heiteren - Stücke am nettesten: «lagegen verilient der Vortrn" der B’rochoh über «lic Sehahhosliehtc in einem derartigen Rahmen schärfste Zurückweisung! — Leo S c h ö n |> a «*b bi*glcit«*te mit Prlikat<*sse und Gewnndtlicit. No«*h einmal ..Fraurnliche und -Irben*s: Sus;mne Lan«lsb e r g - II o 11 a n <1 <* r warbst .an «ler herrlichen Aufgabe zu «•indringliebercm Gestalten, als ihr sonst gcgelien ist, empor. Die kultivierte Sängerin bekundete in eiiu*m nur allzusehr auf Adagiolyrik erstellten Programm ihr großes technisches Können mul die khiffc Ycrwcudnnff ihres Materials.* IT«*rmonn Ludwig Selil«*- s'inffcr. «ler mit Werner Fabian auch Vicrhandigcs vortnig. hatte” für Schumann «l»*n pinnistisehen Schattieningsreicbtum und das stille Ausschwingen, das zu dem schönen Gesanitcindruck nicht unwesentlich beitrug. H. Freyhan.. 70 Künftler aus 10 Städten Reichsausstellung jüdischer Künstler Aus zehn Städten im Reich haben einige siebzig jüdische Künstler diese Ausstellung des „Sekretariats für bildende Kunst4* mit etwa ändert]mlb hundert Werken beschickt. Die Künstler ' Berlins bewiesen wahren Gemeinschaftsgeist, indem sie ihrer Kollcgcnschaft aus dem Reich die Räume des Jüdischen Museums überließen. Sic vor allem haben die erste Hälfte des Wortes walirgemaeht, mit denen Dr. Leo Bacck sein schönes Geleitwort im Katalog schließt: „Beides, «las Soziale und das Geistige, bat in der Religion seine starke Wurzel. Durch beides will aus ihr Selbstbehauptung erwachsen.“ Wie steht cs nun mit dem „Gcistigeiv4? Auch Kritik gehört . zu dem Echo, nadi dem die Küustlcr im Reiche hungern. Die Stimme schweigt -nicht, daß cs jüdische SclbstuufgalK.* wäre.* auf geistige Wertmesser zu verzichten, so sehr uns die Anonymität der Schicksale bedrängt, «lic sich liintcr diesen Schöpfungen verbergen. Da ist Einer, der wurde wohl*in seiner Ausbildungjah^ unterbrochen, ehe er sich selber noch fand, ehe er noch wifs«*» konnte, oh er für schien Beruf auch .berufen wäre, da ist ein Anderer, der wohl nur . aus Liebhaberei malte oder bihlele. jetzt aber in seiner künstlerischen Bctätigiuig seine einzige Zuflucht findet; du ist ein Dritter, der hat gar seinen hürgerHcln*ii Beruf verlor«*» und versucht nun,, als Künstler sein karges Brot zu verdienen . . . Weder an Zahl noch an Wert treten die jüdischen Themen jevor.. Lisel W e t z I a i* 'Köln *—• fast »lie Hälfte »ler Aushei stellenden (soziologisch nicht uninteressant!) sind .Frauen — malt einen ..jüdischen Knaben mit Esrog“ -— in Hofers Manier. (Finer Müiuhneriu, »ler schon bekannteren Maria Luiko,. hat es .Sehrimpf-angetan.) Bertha K1«: v c - R n 1»I nst e i n zeigt sich-in einem Aquarell .,Ticfer Schlaf“ von Barlach beeinflußt und ist sehr persönlich in ..Illustrationen zur Josefslegeiul«*“: hübsch «lie Anordnung der Träume Pharaos —'in den FensleraussehniUenr Bruno Gimpels (Dresden) Lithographien von der Prager Synagoge werden au innerer Beziehung zum Thema von Fri«*h Kali ii (Stuttgart), «ler einen Holzschnitt zu. Sehalom Asch, und von D. R «> t h s e h i 1 «1 (Hamburg), «1er strenge Holzschnitte ..Gräber •in Gabi“ und ..Klagemauer“ zeigt, fibertroffen. Ludwig Neu •(Hamburg) erlebt in einem Pastell ».Jerusalem“ «lie Mittchneorw’clt, wie auf dem Gegenstück „Ilagusa“. FiHth Marcus (Hamburg), deren „Freier Platz mit Brunnen und Mark.tlrutcn“ sehr scharf die Tiefen schichtet, bis zum hintei-sten, versdiw immenden ..Gruinl“, gibt eine groß komponierte Historie ..Alng.-pl begibt sieh zu David“: aus breitem, braunroten Torbogen, hinter dem «lic Landschaft noch sichtbar ist. reitet Abigail. in lichtem Weiß. Entschlossenheit und Licbrsycrfallcnhcit im Antlitz. Einem ähnlichen jüdischen Frauentypus begegnen wir auf einem Temperabildnis Ilclga Leise rs (Hamburg). Die jüdischen Frauentypen unterscheiden sich voncinantlcr nicht weniger als die Eifclcr Bauersfrau Lotte Prcchncrs (Köln) von dem Bauernmädchen der Carryvau B1 e.ma (Htumovvcr). Da ist das stark «orientalisch wirkende Fräulein Dr. TI. von Alice Beck (Hamburg) und «ja die mehr slawische Mira Rosowsky von Lore F c 1 «11» c r g - E ii <*- r (Hamburg), «lic auch einer anderen Frau etwas Sphinxliaftcs mitgibt. .Mit einem flockig-spritzigen Porträt des Kantianers Ernst Marcus von Isc IIauf- Weinho Id (Frankfurt a. M.) und einem Leuchter in Hornform. mit einem jungen . David in der Mitte von "Benno Elk an (Frankfurt a. M.) sei «1er Umkreis der jüdischen Themen' geschlossen. Neben «*incin Bronzetorso dieses Könners hält, sieh gut ein weiblicher ' Torso aus rötlichem Gips von Paul W. Heule (Hamburg). Sehr fesseln«! und eigenartig eine .-Mutier"und Kind“ von Elisabeth Springer fMfimhcn), eine Gruppe von unmittelbarem plastischen Ausdruck, raumhaft in jeder Sieht empfunden, mit kühner Verkürzung »les Kindes und, ohne «lies Exj>crimcnt vielleicht noch übcrzctigcmlcr, «las. Gewand der Mutter «lurolr weiße Tönung vom Braun «1er Leiber absetzend. Erwähnenswert noch unter «len Plastiken ein versonnener Mädchenkopf Elisabeth* Scligmanns (Hamburg). * . Sonst— nach Städten — in Stichworten: Isidor Asehheim (Breslau): Polnische Bäuerinnen, mit aufgesetztem Bunt'auf grünen Grund’ gezeichnet, «lie er wie die „Betenden Juden“ aus dem Ostraum erlebt. Viel lebendiger aber ist das polnische Marktvolk in den Farhstiftblattem «ler Hamburgerin Maria L. Wolff. Ein Landschafts-Aquarell von Willi B r a ii n (Breslau), mit schöner Lhhtgclmng allein durch die Farbabstufung. Aus Düsseldorf eines der stärksten Bilder der Ausstellung. Max Sterns ..Hafenarbeiter“, an das große Format des Mexikaners Rivera gemahnend, 'dessen Frcskcnstil auch seine ..Landschaft in der Provence“ aufweist. Aus Frankfurt: Zwei flötende Bulicn von Arthur G a VI i - . n c r. ernst, parallclsitzcnd, und vom selben luftig-grün in lichtem Blau aquarelliert die FraucninscI im Chiemsee. Sehr fein «lic Anordnüns der Architektur in «ler Landschaft auf Hermann bismanns „Pässau“ und ein Mädehenbildms voll verschlossener Anmut. Poetisches Waldwcbcn hei Alfred Oppenheim. Eine Mautr als Festes in fließender Regenstimmunff auf Fritz Schäme s ’ ..Regentag“. Aus .dem ergiebigen Hamburg noch das helle ..Florenz“ von D. .T. G o 1 d s cli nii d t und flotte. Aquarelle von „Gretchon“ Wohlwill. Aus'Hannover spielt Edwin Oppler imprcssionLstis»*lie Weisrn. aus Köln gestaltet Hans Eltzbaoher große Rheinlandsrhaftcn. graphisch glichen, romantisch ohne Ansiehtskartcnkitsch. Soziale' Töne in Otto Schloß9 ..\<>Ikskürhe“. der „Wartesaal“ durch Bcwegungswicderholungen überladen. Aus Mannheim Kurt P u I» I o n .. Arehitcktur-Masscn ge- 'schickt gliedernd, und aus München Ernst Rudolf, „Schwabing“ im Selbstbildnis .und in Marionettenskizzen. Franz E. Hecht, mit einem Holzschnitt ..Gewitter“ mul Robert Sa"nff«*-r mit. Fluß- und Selincelnmlschaftcu. Dr. Lutz Weltmann- Ein Geburtstag und eine Anekdote Am heutigen Tage kann Dt:. Kurt P i n t h n s sidnen 30. Geburtstag begehen. Seine krilWh-publizi-ti-ehc Tatigk«*i» hat sieh in «len letzten Jahren auch tm rein jüdischen Bezirk erfolgreich ausffpwirkt. Wie er früher der Prmluktinn vieler ninhwer Autoren ans Lieht «ler Öffentlichkeit verholfen bat. so verfolgt er auch heut«* «las jüdische literarische Schaffell mit wachem Blick, um in gewählter Form darüber zu berichten. Virlhdcht fimlet Kurt Piutlms. tlcr bisher jeder Versuchung widerstamlen hat. ein Buch zu sehivibrn. jetzt auch «lic Zeit, mit einem eigenen Werk hervorzutreten. Als Galic zu seiuetn Geburtstag sei hier eine Anekdote «ms der Erinnerung hervorgevolt. Kurt Pintlins hatte auf einer Vnrtrnffstniimce zu sprechen, die in Frankfurt a. M. endete. Der damalige- Leiter des Frankfurter Schauspielhauses. Richard Weirhert. wußte aus Respreihuugeu, daß der Vortrag über «len ..t ntergang «les Theaters“ in einen ITvmnus auf den Film ausklinge. Die Zeit des lortr.iffs war so aiigesctzt. daß auch die Schaiispiclcr ihm beiwohnen konnten.' Der Vortrag begann. Pintlms staunte. Dri* Saal war leeT. Nur die Referenten der Zeitungen waren zugegen, einigegute Freunde und drei schöne Mädchen. Nach «icm Vortrag strafen sich Pintlms und Wei<*heri in einem 'Restaurant. Pinthus klagte* ..Das Frankfurter Publikum ist so uninteressiert. Die geistige Teilnahmslosigkeit scheint sogar die S»*hauspieler angesteekt zu haben- Geratle fur «liese ^fensehen war doch mein Vortrag in erster Linie. Und Freikarten standen den Mitglieilern des Tlieaters in jeder gewünschten Menge zur Verfügung.“ Weichert lachte. ..Lieber Frcundl Glauben Sic, ich lasse mir meine Schauspieler und mein Publikum durch Thrc Unlcrgangs- «.lininiuiiff vermiesen? Ne«*! Am Sriiwarzeu Rrett war allen nieinen Schauspielern «1er Besuch der Veranstaltung bei Androhung der. Rollcnentziebmig verboten! Und außerdem batte ich olle Karten im Vorverkauf aufgekauft!“ Bl