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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-04-29 · 18 (29.4.1936) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
18 (29.4.1936)
Date
1936-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Beilage 29. April 1936 JIHMKHi AlttGiMHHi zeiruNc Die kleine Gesellschaft war sich darüber einig, daß Schwatzhaftigkeit eine unerträgliche, aber leider verbreitete Eigenschaft sei. * * Audi Krau Ncumahn, die iui Schwatzen Rekorde schuf, .stimmte bei. Sic sprach: „Ja, ja, dos Schwatzen ist was schlimmes. Denken Sie, ich habe eine Schwägerin, die kommt täglich zu -uns, um „Neuigkeiten“ zu huren. Als Gegengabe bringt sie die Familiengeheimnissc tles vorigen Tages von der andern Seite der Verwandtschaft mit. Sie setzt hinter jeden Satz dann die Frage: „AVos sagt Ihr dazu? Nicht zu glauben!!“ Dann beginnt sie mit dem Aushorchen: „Und sonst? Was wißt Ihr neues?“ — — Da könnt Ihr wa* erleben. Aber das viele Reden schafft nur Unheil ... Und sonst? AVas gibt cs Neues bei euch?“ . „Es kann auch , einmal Vorkommen“, meinte Herr Freiberg, der sonst selten einmal, etwas äußerte, „daß eine Schwätzerin G1 ü c k stiftet.“ Die Leute lachten und hielten die Bemerkung für .einen Ausfall gegen die Neumann, die den Satz geflissentlich überhörte. Dann ließ er sich bewegen, zu erzählen. „Die Geschichte ist in Vergessenheit geraten, sic war früher bekannt. Es wird gut sein, wenn die Jugend sic einmal wieder erfährt. In einer Kleinstadt lebte ein Man», der viel Kinder und wenig Geld hatte. Seine Frau erkrankte tödlich, und die Nachbarn umstanden das Lager und bejammerten den guten Simon, das war ihm widerwärtig — —, er sprach: „Kümmert euch nicht so sehr um unser Schicksal . . wenn die Leah aus dem Leben geht, ist für die Kinder schon gesorgt' und es wird ihnen auch an nichts fehlen, wenn ich einmal aus dem Leben gehe.44 Diese Worte erschienen der Schwätzerin Babcttc sehr geheimnisvoll und bedeutsam. Dahinter mußte etwas stecken. Sic verließ mit den andern den Raum, in dem die Frau lag, und erzählte: „Simon ist schon im voraus getröstet, und ich weiß warufn.* Das hat seine Gründe. Die Frau hat nämlich Vermögen und jedes von den Kindern wird erben.44 Diese sensationelle Nachricht verbreitete sich rasch .in dem kleinen Ort -unter den Leuten des jüdischen Kreises und aus der „Erbschaft“ wurde ein beträchtliches Vermögen und aus dem Vermögen eine phantastische Summe, und der arme Simon ein geheimnisvoller „Rothschild44. * Bei der Beerdigung der Leah wurde gctuschelt und gcmunkclt,' wie noch uie. Simon ging seinem harten Gewerbe nach, bis ihm die Kraft erlahmte. Bei den Leuten, die seine Verhältnisse besser kannten als er selber, galt er seit dem Ableben der Frau als ein Geizhals von ganz unerhörtem Format — er ließ von dem Reichtum weder seine Kinder noch die 'Leute etwas merken. Bei all seiner Rechtlichkeit kam er in üblen Ruf, denn die Eine Kursgeschichte \tm AI.F1IKI) AUERBACH Babette liatte cs licrausbekommen, daß er eine Kiste mit Rcichtümem besitze, die dos Vermögen des Rothschild überschritten. Nun'war der arme Simon ein Mann mit Humor bis an sciu Lebensende. Abo ließ er, da er sich schwach werden fühlte, den Vorsteher kommen und sprach zu ihm: „Ich werde bald ' sterben. Dos Vermächtnis für meine Kinder lege ich iiueure Hand, liier ist der Schlüssel zu der Kiste, in der ich mein Testament aufbiewahrt habe.“ Der Vorstclicr machte im Ort Andeutungen über die Rede, des Simon, und die Babette lief umher und sagte: ..Aha. liab’ ich’» nicht gesagt? Hab’ ich’s nicht gewußt? Er hat es allezeit faustu dick hinter den Ohren gehabt, und nun kommt alles an den Tag. Kr ist ein zweiter Rothschild, aber nicht so guten Herzens wie der.“ Bei der' Bestattung Simons erschienen nur wenig Leute, aber als dos Testament eröffnet werden sollte, war die kleine Stubo voll von .Neugierigen, und draußen vor dem Hause lauerte der halbe Ort, ^un zu hören, was die Waisen geerbt-hätten. Die Kiste wurde geöffnet, cs fand sich nur ein alter Strumpf darin und darin ein Brief mit der Aufschrift: „An den Herrn Baron von Rothschild.“ Da sagte die Babette: „Seht ihr, beim Rothschild Hat er sein Vermögen! Hub' ich** nicht gewußt!44 Der Vorsteher öffnete den Brief und los: ..Hochverehrter Herr Baron, die Leute hier lml>en mich mit Ihnen auf eine Stufe gestellt. Darfich fhuen daher ein Vermächtnis Unterlassen — — jncin Vermögen! Das besteht aus meinen sieben armen Kindern! Sic werden sich ihrer gewiß nunclimcn. denn Sic sind ein besonders guter Mann.“ Die Leute, die da hcrumstanden, waren verblüfft über dieses Testament und verschwanden schleunigst, allen voran die Babcttc. Der Vorsteher ließ die Kindlcin und den Brief an die Adresse verfrachten. Der Baron war recht überrascht von der seltsamen Erbschaft, die er antreten sollte. Er ließ Nachforschungen anstelle«, die die Umstände ergaben, die ihm die Hinterlassenschaft hatten zuteil werden lassen. Da nahm sich der reiche Mann der Waisen an, sie wurden wohl erzogen und machten ihren Weg. So hatte das Geschwätz der Leah Glück gestiftet.44 Frau Ncumann, die von Herrn Freil>erg behauptete, er sei ein Zyniker, obwohl sic nicht ganz genau wußte, was das eigentlich ist, sagte: „Ach, das war ja nur ein Märchen.44 Herr Freiberg erwiderte ganz einfach: „Nein, damals war es kein Märchen, aber wenn es heute geschähe, daun wäre es eins.44 Juif de Francfort Zü Ludwig Börnes 150. Geburtstag Eine gewissermaßen als private Vorfeier zu Ludwig Börnes 150. Geburtstag veranstaltete Umfrage bei einem Dutzend Menschen über Persönlichkeit, Werk und Wert des jüdischen Schriftstellers. der .den Ruf des ersten deutschen Publizisten erhielt, ist; kläglich ausgegangen. In den „Nationalsozialistischen Monatsheften44 (5. Jahrgang, lieft 55) hat der Privntdozcnt Dr. Otto Manu einmal die Erscheinung Börnes belichtet, die sich ihm. ohuc daß er seinen Schwächen und seiner zeitliehen Bedingtheit gegenüber blind ist. im Kern so darstellt: „Börne ist nicht der Vater des »lent^ehenj Journalismus, doch einer , seiner Mitgcstailer 1 . . Kr hat durch die Energie, die sieh in -ihm zur Geltung brachte, seinen Namen der Nachwelt überliefert, und nicht nur seihst weniger als von dem kleinen, schwarzhaarigen, verwachsenen, kränklichen Mann mit* den Zügen der Nachdenklichkeit, Wehmut und Ironie, geschaffen hat. Aber sie -hatten weder seine ..Briefe aus Paris** .gelesen, .mit ihren funkelnd formulierten ]>oÜt2&chcn. litermrischen und gesellschaftlichen Betrachtungen, noch seine weit über deu akuten Anlaß uiid filier die Bühne hinuusgreifeudetj Kritiken, weder seine amüsanten Humoresken über merkwürdige Menschen . und Erscheinungen oder etwas-von seinen ltndemi fct.iHctouistischcu Prosaschriften, noch wußten sie Wesentliches von seinem Leben, das ein Kampf war für die hier der Freiheit und der Menschenrechte, in «len er nur!» die Sarin; des .Judentums einbezog. Einer verband mit dem Namen des getauften ..Juif de Fmiicforl“. wie er Itt seinem Paß liezriehnet wurde, mir den tiiiiiiuiiHinniiiiin!iiiii]iiiniimiiiiiiiiiiiinNiiitiiHnuNinuiiiiiitiiiiiiii!itiiiiuin!i(iiiitiiiiiitiiiiiitiiiiiiHUiiini]itiHiiiHiniiiiiiiiiiiiiiiititiiiitiiiiiiHHiiiniiitiniiiiiiiinuiiiti(iinniiinuiiiuiiiiiiiiiiHitiii(itiimiiiiiiitiiiiiiui(ituiitiiiititiititiiiiiiiimNitiiiiiiiiiiiii Aph orismen Von LUDWIG BÖRNE Es gibt immer noch wohltätige Menschen, mul wer einmal so glücklich ist, unglücklich zu werden, dem wird geholfen. Früher freilich nicht. * Vernunft verhält siel» /.um 'Verstände wir ein Kochbuch zu einer Pastete. * Vor allen Kindern, die uns begegnen, sollte» wir uns tief mul ehrfurchtsvoll-verneigen: sie sind unsere Herren, für sic arbeiten wir. Ein Kind in der Hütte ist mehr als ein Greis, auf dcfci Throne.. Schon darum .muß man suchen, Vater , zu werden, um Kinder ohne Neid betrachten zu können. * Jede Stunde, dem Hasse vergeudetist eine Ewigkeit, der Liehe entzogen. Es gibt* Dreiviertclinensclicn, die iu der W<dt mehr gelten, als sic w'crt sind. Das kommt daher, weil die unkundige Menge die Zähler und Nenner jener Bruehscelen fürganze Zahlen hält und sie addiert. - * - Als Pythagoras seinen bekannten Lehrsatz entdeckte, brachtet er den Göttern eine Hekatombe dar. Seitdem zittern die Ochsen, so oft eine neue Wahrheit an das Licht kommt. « . Das Scharlachficbcr füllt im Konversationslexikon mehr als sechs Seiten an, die Eifersucht kaum eine halbe Seite. Wunderliches Größenverhältnis! Jenes Übel, das nur die Olierflächc des menschlichen Lebens berührt, findet ärztliche Sorgfalt, freund- . liehe Wärter, baldige Heilung und den sanften Kindertod. wenn die Natur unversöhnlich ist. Die Eifersucht aber, welche die großen Lehcnsrüumc des ausgchildeteu Mannes timd Weibes nufüllt. ihr Inneres zerreißt, versengt, vergiftet, sie grausam verfolgt und die gcungstiglc flüchtige Empfindung aus dem icr!>orgciislrji dunkelsten W inkel hcrvorholt, sucht vergelten» Trost und Beistand, sic findet nur Spott und Verachtung. Armut ist eine Sandbuiik, - Reichtum ein Kelsen im Meere des Lebens. Die Glücklichen schiffen hindurch. Vor Armut kann uns eigene Kraft bewahren, vor Reichtum uur (kitte» Gnade. * Cher vieles habe ich aufgehört, mich zu verwundern: aber daß sich zwei Diplomaten mischen können, ohne zu lachen, darültcr staune ich noch alle Tage, Wir hörten die Tischglocke läuten. Alcpli, Bell», Lammet, Kuf undnoch viele andere Juden fanden sich im ..Schwane44 ein. sie kamen auch des Sauerkrautes wegen. Diese edlen Gäste lieben das Solperflcisrh »ehr; sic haben zu ihm einen rückwirkenden Appetit, sic verzehren das versäumte Schweinefleisch für ihre frommen Vorehern mit — ein schöner Zug' kindlicher Liebe! (Aus der Erzählung „Der Narr im weißen Schwan44.) * Eine Anekdote darf nie zu Fuß gehen, sie muß sich zu Pferde fetzen und im Galopp davoncilcn. Aller cs gibt Menschen, «lic brauchen längere Zeit, ein Gcschichtchcn zu erzählen, als die Zeit Zeit braucht, es geschehen zu lassen. Das sind die Generalpächtcr der Langeweile, die nicht, dulden, daß ein anderer, der nicht von ihrer Gesellschaft ist, auch nur das kleinste Langcwcilchcn einführt. iiiiiiiiitiJiJiiiiitiiiiiiiitiiiuitimiiiuiiijiiiiiiiirimiiintiiitniJiiitiitimiitijiiituitiiiiuHiiiiiiimii Journalist, denn als der Kämpfer für die von ilun journalistisch vertretenen Ideale, der völkerbefreienden Demokratie und als Vertreter einer souveränen Geisteshaltimg, des Humors. Noch heute genießt er den widerspruchsvollen Ruhm, ein deutscher Freiheitskämpfer gegen die Mettcrnichschc Reaktion und ein deutscher I lumorist zu sein.44 Viel mehr als der Name ist von Ludwig Börne im, Bewußtsein nichtzünftiger jüdischer Menschen kaum noch vorhanden. Von den Befragten, kannten fast alle eines der drei Porträts, die Moritz Oppenheim, der Frankfurter Maler jüdischen ‘ Familienleben^. Begriff!er Synagoge in der Frankfurter Bömestraßc. Aber eine lF-rnestraßc, in der das Geburtshaus der Rothschilds stehtgibt •\- eben-o wenig mehr wie einen Börncplatz, der noch den alten, nicht mehr benutzten jüdischen Friedhof Ixherlicrgt. Der Name ist von den Straßenschildern verschwunden. Dort, in Frankfurt, „wo das Wort Jude der unzertrennliche Schatten aller Verhältnisse, aller Gespräche, jeder Lust und jeder Verdrießlichkeit44 war. in der ehemaligen Judengaseei im Hause Nr. 118, erblickte Lob Baruch am 6. Mai 1786 das Dunkel der abgeschlossenen Glietto-Welt: „Dieser Fleck44, äußerte Bümc ##* - - ..Der Herr mit der Akten- Die Aktental Che ist eine Erscheinung, un- . J ,crcr Zeit. Die oft vielsagende und manchmal nichtssagende. Hel tragende und leider oft nicht« tragende. Aktentasche ist heut.* in der I Imul vieler Männer auch eine Erscheinung unserer modernen jüdischen Zeit. Einstmals war die Aktentasche »ln» Vorrecht der Diplomatie; galt als Portefeuille der Minister, darin sie ilmrDokiuucntc und ihre Verträge iir elegantem Umschlag aus l-cder mit sich trugen. Dam» war uu die Aktentasche der Juristen, in der die Cerinitif- . akteu Aufnalunc fanden. Daun übernahmen die Mediziner die' Aktentasche statt der Koffer oder Bcutcltaschcu zur Unterbringung ’ ihrer medizinischen Instrumente, wie sie zur Untcrsudnmg ihrer häuslichen Patienten mit sieh führen. Schließlich wurde die Aktenmappe Gemeingut aller Schichten und wurde so populär und volkstümlich, daß sieh in «liesein Werdegang der Aktcntusehe - scliou beinahe eine Weltanschauung spiegelt. Dem Beispiel der Damen folgend, in «irren -Handtasche auch alles Rüstzeug für den täglichen Gebrauch unterwegs Aiifnahm«; findet, nahm schließlich «1er Manu seine Zufhieht zu der Aktentasche. ln ihren» Innern läßt sich alles, was «ler Tag lieimligt, .verbergen. Eine Aktentasche sieht immer uaeli Betrieb, itaeh Tätigkeit und Arbeitsamkeit aus. mul» wenn sie mireinen frischen Kragen, eine Zahnbürste, das Frühstück und die Tliermo^nnsche und ein paar Zeitungen oder Hinstigo Lektüre enthält. So wurde die Aktentasche von ihrer einstigen Mission popularisiert. Aller* was hat sif miMmserem jüdische« Leben, xutun? Wer die Augen offen hält und nicht achtlos an den Menschen, die ihm in «len Straßen begcgncu.j vorflbergeht, vermag oft au» Kleinigkeiten, aus Unseheiulmrkeiteu, tiefliegende Ursachen herzulciten. Achten wir nur einmal in unserer. Stn«U darauf, wieviel jüdische Männer jetzt mit schwere« Haiulnktentasdicn dolierkommen! Die schwere Aktentasche, «He sie mit »ich' schleppen. . als Bürde, beinahe Signum unseres veränderten jüdiscltcn LclMni*. Es samt Zeichen der Zeit, die dich daraus hwen husten. Die Verpflichtung und 'das Verantwortungsgefühl, für Familie und Kiiulcr. weiter sorgen zu 'müssen,, hat auchviele iiusrrcr Menschen vielfach in Berufe iiim! zu Existenzversuchen geführt, die ihnen bisher fremd waren, und au denen sie nicht nur mit der Aktenmappe zu trugen haben. Es ist ein schweres Brot, mit * solchen gefüllten Aktenmappen, tleren Inhalt von verschiedenster Art sein mag, für kärgHclien Verkauf, für kärglichen Verdienst, beladen und bclustct. treppauf, treppab,-von Tür zu Tür traben zu, müssen. « < Die Aktentasche ist das traurige Wahrzeichen unserer sozialen Umschichtung, nicht mehr” das Reservat der geistigen Kreise. Und gemahnt sie nicht schmerzlich ein wenig an das Picket mit dem unsere Vorfahren von Haus zu Haus, von Hot. zu Hof gewandert sind? Fried» Vallmtu». einmal, „war IwsUmmt der bevölkertste auf der ganzen Erde“, und init wcliniuterfülltcr Ironie fügt er hinzu: „Sie («lut Juden) erfreuten siel» «ler zärtlichsten Sorgfalt ihrer Regierung. .S«mntags durften sie ihre Gosse nicht verlassen, damit sic von Rctnuikmcu keine. Schläge lickutncn. Vor. «lein 25. Jahre* durftennie nicht heiraten, damit ihre Kiuib*r stark und gesund würden. An Feiertagen durften sie erst um sechs Ulir nbrnd» zum Ton* liinmi»- grhen, «laß dii; allzu groß«* Sonnenhitze ihnen nicht schade. Ihr öffentlichen Spaziergänge uuß«*rlialb «ler Stmlt waren Urnen untersagt. man nötigte sie. ins Kehl zu wandern, um ihren Sinn für Landwirtschaft zu erwecken“. Es war we«ler Liclir für die Juden, wenn er mi x»hlrc»c!»en Stellen seiner Schriften «In» Unrecht gcißclkv da» n«»«*ii g«*»chnlij w»im er — ein Jahr nach seinem Ulicrtrilt zum (.lirisletiluni - «ler Itnbnibetlrfnkuny .«eine Bnwhiire „Fiir «lir Juden“ eiitgcgrti-?«el!te und immer wieder vom „Geist «ler erschlagenen Mullcr“ y-'lnclien wurde, für sitr zu wirken. noch war es Judcnlwiß, wem» er unerbittlich mi-ebiinr jüdische Eigenschaft«*!» vi*r*|M»lloH\ Wenn er jüdische» Vorurteil cImum» gründlich liekämiift hat. wie , «bis Vorteil gegen dir Juden* so war es der niigrlxirvue Sinn für Gerechtigkeit, der schon au« dem jungen . Schriftsteller sprach, ehe er seiner viel lienchtclcii Zeitschrift deu Numen „Di«* W nage** verlieh, den er später Im französischen Exil als ..La balanee“ wieder milnahin. Er war. wie einer »einer Biograpln*ii. Alfred Klnur. sagt. Verteidiger ..und Richter der Juden in einer Person. Pathos, Witz und Ironie sollten dabei seine Gehilfen sein. So führte er den Kampf nach hehlen Seiten. Hatte 'der Literaturpapst Wolfgnng Mrir/rl, der «He Gruppe „Da» junge Deutschland“ „.lung-Pnlästma“ gewannt halte, nach anfänglicher Verehrung für -Börne, ‘ihm in 'gehässiger Weise untcrseholxMU daß er »rlton al» Knabe unter dem Eindruck «ler Demütigungen. die den Juden jener Zeit zuteil wurden, den Schwur getun^liabe. dafür Barbe zii nehmen, mp hält Börne ■ilun in. seiner Alireehnungs«ehrift rntgrgrn: ..Da» wäre all«» sehr mIijh, wnn es nur wahr wäre: nlicr so ist c» nirlit. Nie glomm ah *1» nur ein Knnke des Hasse» gegen «He - christliche Welt in m-'tucr Brust; denn ob irh zwar die Verfolgung der Juden langr ftc’imeribdi an mir selbst gefühlt und immer, mit Erbitterung verdammt. k> erkannte ich «loch gleich darin nur eine Form des Aristokrnlisiiiu». mir eine., ’liißermig des niigeliorcitcn rnrrwchlirtien Hochmut», von den Gcsctzr». statt gehändigt, * frevelhaft begünstigt . . . Nie liabe ich mich für erlittene Schmach, nicht einmal auf eine edle Art. zu ruehen gedacht. Und wie hätte ich ca auch vermocht seil deu Jahren, da ich durch die Schrift * zu wirken gesucht?** Uiul ein andermal in einem' der Briefeau» Paris: „Nein, daß Ich. ein Jude gelieren, das hat niieh nie erbittert gegen die Deutschen, das har mich nie verblendet. Ich wäre ja nicht wert, da» Licht der Sonne zu genießen, wem» ich die große Gnade, die mir-Gott erzeigt, micat zugleich ein Villa her urid ein .Jude werden zu lassen...«nt schnödem Murren bezahlte —- wegen eines Spottes, den ich immer verachtet, wegen .1*1 ln, <Hc ich längst verschmerzt.“ ln einem anderen jener Briefe, die der Korre»|>ondenz mit der Freundin Jeanette Wohl cutwachacn sind, befaßt er sich mit Gabriel llicsacra Zeitschrift „Der Jude44, von der eben die ersten Hefte erschienen waren. „Was nützt ein eigene* Jon nid 1 "für die Juden?4* schreibt er, ..Ihre Freunde brauchen c» iucht,_dciiii sie bedürfen keiner /»»spräche; ihre Gegner nehmrn es gar nicht in die Hand. Um ihnen zu helfen, muß man ihre Sadta . mit dem Rechte und den Ansprüchen der allgemeinen Freiheit in Verbindung bringen . len meine auch, c» wäre auf diese Weise leichter, die Juden zu verteidigen, jeden», der keine blinde Liebe für sie hat. Ich habe" oft und warm für sie gcsproehim; hätte ich sie aber isoliert, wäre mir die Gerechtigkeit gar zu sauer geworden.“ Wenn Börne auch nicht wie sein späterer Gegner. Über* Gral»

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