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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-04-06 · 15 (6.4.1936) · page 6

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
15 (6.4.1936)
Date
1936-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i'liii-. in »h»Lm-h Teilen Norddeui-ebland-. und aueh anderwäll» jiauz unbekannt ist, hat sieh merk würdiger wei-c In einigen noch tianz orthodoxen Gemeinden SfiddeiitsehJaiid« erhalten. Der B e i- Inr il .• - Propheten Klia wird aurh nicht Jiuf jeden Sedeilr-ih auigc-ii-IIl. Si-Iir \crbn ilel l"-t die Sitte, daß der I lau-herr -ciiutn Bei her dein eiM-lutlcn, Propheten zur Verfügung -teilt, ili:n dic-*n B.chrr ..tnrehal-rd" i-t. Während man um Orinil In-i den /Hiu-IMa « c 11 l *• Ii n Tropfen W c i 11 aill einen T<»n-rbeiheii traufch. 'taucht uiaii andcrufirl-> den kleinen Finger zehnmal iit den W und läßt die Tropfen* auf dir Erde ablaufen, wa-, tiirlii immer gelingt, zum f^-idwcM-n der I lau-Frau. deren blülrmvt iß» - Tab-huch durrli die Holw cui-pritzer schwi'r zit ciilfcrncndc Flecken bekomml. (•an/ iiiii'in]i(-illi<-li -im{ die SimI rrin clinlic u ' -clli-l da-> lii-l.,iiiiitr-ii- Lied „et h'ncj" wird nirlit überall in der-eiben Wew: "■ic-ungm. auch nirlii da- 111VI1I minder l*:*Laiui(<* ..ehad gadjo". Ich behalte mir \ui. über die •.ci-chttdciten Gebräuche, über di:* ieli \iel Material ^e-aimncll Iralie. eine größere \rbril zu \i'ifii-Mii. . Zu -aucn ufm* alfi* imm'Ii: j.-dcr;-i»H l't>—:ieli fi*ii*rii in der Form. Iiei der;ri -.ciuciu | lerzrn etwas mitklingt. Jeder soll ■v e i ii r n S «■ d r i* feiern, denn es i-l das «chüiisic lamih'riifc,st, da-* mau -ieh ilr-uU-it kaini.. Und li**utr. mein* als jr, .-ollen die -Inden daran denken, daß -ie eine Familie -.ind und Leid und Freud initeinander lr«»cu um—cu. Deshalb aueh nielil des Wortes 'der Kanada \ergewn: Kol fljit jej-M-." w'jerhaul.' kfd dizrieli jejsM-i w'jif-.-ach ein jeder feien: >cin Pessach un'l mit und jeder llnu«»i»e auch .Irr nachLiebe und Vn-chhiß Hungrige -- rei iin-er lieber Ga-l!; Dr. B. Seh—f. Diskuffion in B'ne B'rak V<m,l)r. ilKIIMAW VOCKLSTKIN. Ilr.-I.m lU-rm.inn rjIkoittuTtr h.it in trütuin."!! Jatiri'n unter item Tit«l die „Dil* Grini:insch.'ill" ßljtk'r crscIiLMnen Ijsst-n, die manchen wesentlichen Iteitr.it;, der der religiösen Urst-irkunj; des Judentum'* diente, erscheinen tiissen. Aus der l'essacuuummer des Jahres tM2K verütltntlicllen wir naclistehendeu Autsatz des Hrestauer Halitüners Dr. * Hermann Vinielstcin. \'<>ii ilni OilM'lnifltii iltitlliii l'.ilii^liii.'i ist Wi r X-iiiir lies kl. im M Stiiilli ln ii. H"ih- K'iitk iM kiiinil ^i lilirlx-ii. Die IVmicIi- Iki-ii.Iii lim ihn fi ~mrlwlli n. Sil: i rzülllt von ili r 1* r sü n «Ii frier im ll.nix- II. A k i Ii a i.. 1I1V »on fünf gralirn I-elircrn £i'!iirMl?-;iin lir^aii^fn «lii-tlr. Al> tniirurii« Wir .Iftn^er ytim «nilActi l-Vr-tpiilli-Mlirtisl U.-iinrii. fauili'ti >ir zu ihrer riKTrilsi'hiiu^ »lir l.«-hrer liiicli eifrig 1lisl.tltjere.111l am .Sc<Iertiseh. Di«- lla^tiihi er/ählt <hts keiue>«ej:s als Kllritisittll. tun <lir \\ elltrelmllieit vim (n-lelirleu zu M-rsixmen, «lie alles 41111 .-ii:Ji her M't-fles.seu, wenn?w fiher ihre llüelurnveishejl liliteiiiatider (liskuliereu. Sie saj;l viel uu lii- 11111I virl ICniMrrr«. Die l'ra^'e ilräu^t sieh* ttiif. »iis tiuhl ilieM' Weiwit in. jener i'essttehuaeht inilcin- .uliler verhaiiilell h.iliuu. Ks «ar .sellislverslätullirli uieht nur die liililiselle llr/Jililinii; \ini ilem Aus/.ti« aus Ag)nli-n null aueh keitle-wegs liltilS rlauliiger (^elehrleukt itlll. Die Ilagalla «leulet vielmehr ztvri l't uhletue an. <lie wir uns freilieh ■ aus 'der Form herauswlifdin müssen, in die der (ieselunuek jener Zeit sie gekleidet hat. Hie Gegenwart iiiul ihre lle./.ieltung zu »lein Ereignis, das -/ur Einsetzung des Kotes geführt hat. war der Hauptinhalt jener l'tlliiiiililllg. Weshalh — das war ijie'eine Krage — ist am rVssarhfrste; almetehenit von allen anderen, tlie eigentliehe Fcslfeier in die h ä 11 ► I i ehe Ahendfeiei' verlegt? Im Vcrhiuf der Erörterung wird Heu Sornas Deutung zitiert. Er erklärt, das Sehriftwnrl im Sinne .,die ganzen 'Jage deines Eeheus" und suehl liier den Cnind d<:r Ahendfeier. Uns mutet die Deutung fremdnrtig, fiiruialistiM'li .....I gezwungen au. Wir selten vielmehr, duls aus der allen () |i f e r in a h I ze i t am l'essachahend. die ja.doeh nur von einem kleinr-n Teil des Volkes liegangen werden konnte, sieh -ehr frülizeilig die Uäuslielie AlM-nilfeirr entwiekell hat. I'.s war das einzige Opfer, ilas niihl im Tt-niiwl. sonileni in den llnusi'i'ti in .lenisalem dargehraehl worden war. Nicht eine bihliselie Viirsilnifl. souileru die lehendigi'. schö|iferiselie religiös«: Kraft der Volksseele hat daraus hereiis zur Zeit des liestandes iles 'IViii|k'Is die o|iferliise häusliehe Feier entwiekelt. Die Deutung Ifen Sornas und ihn: Anwendung auf die AImmkIfeier hat aller aueh damals die. Gelehrten nicht liefriedigt. Sie ileviteten die Seltriflslelle ander.-, und ihre Deutung führte -zur Erörterung des zweiten, we-cutlieh wichtigeren I'rohlciiLS. Sie faUlen das Schrift »ort im Sinne vuu ..alle Tage deines Ubcns" und ihre Kriirlrmng flipd-tttin der Erklärung ..auch in incssiauiseher' Zeit". Sie warfen tlie Krage auf -und suchten sie zu iieantwni-leu nach der lledeulinig der ägyptischen l!rfrcimig für ihre Cegeiiujirt und für die kommende /eil. Das W'e.-entliehr ist ja uieht die lilolse und darum .blasse Krimicruii:: an ein geschieht liebes Ereignis der Ycrgaugcnlicit. Niemals könnten wir mit'innerei- Auleiluabiiie ein Kest feiern, wenn sein Inhalt nicht utunillelhaie |icr-cidiche llcziehuug auf uns srlbsl hat. Diese l'ra^e legten jem- Männei sielt vor »inl beantworteten sie dahin,. daU. klänge es ein.' Mcit-chhcilsgesehiehlc gibt, auch dann, wenn die •Menschheit day.-ehieht liehe Ziel ihrer K'llllun iil« ii klullg crreiibt haben. \>inl. der \uszug aus .\gy|ilcii als der Alisg a 11 g s p 11 u k t a I I < r s i I 1 I i e h e 11 Kultur festgehalten und gewertil werden intlts. liier ist zum erstenmal die Freiheit als ilas gottgewollte und gnltgehcne Cut liiugestcllt. Iiier zum erstenmal die Freiheit und nicht die Kniililsiii.ifl als religiöse Fonlcruug proklamiert worden. Das steht aui Anfang der C.eschiclite Israels, und damit ist diese Geschichte und ist der Begriff der lleligion unter den Kreiheits«edankcn gestellt worden. So nur — ilas sagte jene Denlinig der Weisen — Jc.inn messi.tnisclic Voll endtlug erreicht werden. Damit aller hallen jene Weisen noch eine weitere Wahrheit zum Ausdruck gebracht, daß die Bedeutung der gc-sciiiclitlicJicn Feste des Judentums sieh nicht er*rlnipft in der gr'srliiclitliclicji Erinnerung'au die Vergangenheit, sondern in dem geschichtlichen Ausblick auf die Zukunft und in der Erfassung der Aufgabe der Gegenwart, diese Zukunft llerlieizuführeu. Das erfordert Erkenntnis der Gegenwart innerhalb der Entwicklung, erfordert freien, weilen Blick und AngenmaCs Niehl die Festesfeier als solche ist der Sinn, soinlern das; uns diese Fest feier an Ewigkeitsgedanken und Ewigkeitswerten in uns auslöst. Die Fest feier in B'tle B rak zeigt uns. wie wir tlie Pessachlingada lesen sollen. Nicht das mechanische Abrollen des Inhalt! und Wortlauts der .Hagada ist der Sinn, sondern das tiefere Erfassen und die Beziehung auf die vielfach verschlungenen Probleme des modernen Indiens. Daun alter weist die Hngada uns darauf hin, daß das ewige große Kiillurprohlem das Problem der Erziehung und der Sellisterzichung ist. Denn Freiheit wird nicht gewonnen und erst, recht, nicht lestgclinlten ohne Erziehung und Sclbsterzielmng zu sittlicher Freiheit. Das.ist der Weg vom Auszu aus Ägypten bis einst zu messianischcr Zukunft. Das biblische Lied von irdifcher und himmlif eher Liebe - Von JtaMincr Dr. NOK DEN, Ilnmlmr» , ,J)ie herrliclibU- Sammli-ni» LU-besIifdor, die Gott erschaHen hat" gehalil. Amrli die I'inphcten halitrn da> N rihälluis zwirii.liLii Cutt iicimi (jfiL'tlie das „lloiitiieü", dosstn VerlgsunK die LituTKi« lür «nd Israel häufig mit drin Wilifdluis zweier Lielx-mlen \erviv-n SaWiat an Pe^'f-ti fcbt^e-ictzt bat. glicliuil. Das SommcTficmolcr an der Hebräischen Lehranstalt flrr Jüdiielirn Genie in de zu Berlin beginnt am IG. April. Neue Anfänzcrkiirsc beginnen am 20. April in der Grolicn Hamburger Straße 27 und am 21. April in <lcr Klopstockstraße i>8. Anlncldtmgcn sind bis 7Um 15. April .-icliriftlich an den .stellvtrtrrU-ndcn Ixitcr der \IcbräLsehcn I^chraiistalt, Dr. M- Goltlmimn. ilinrlottcnbur';. Svbelstraßc 19. */u richten. Lied der Lieder. Sehir ha-Seliirini. dus Hoheliedstellt nii I -ijiieni luli'dt unter den It fiel i cm der jieiligen Schrift »unz \erein/elt da. Der \'erfa*--er hui sieh die AiifgalK: gestellt, die . (reue, innige, hingehende Liehe zweier junger |(««,«11 mis vor Vilsen /n Ifiliren. lüin junger I lirt. de^n Xnnie nicht genannt wird. i*>t in lridt-n-,ili;ifllieher IJcIkeuthramil zu Sulammil. einer höiteii Weinbrrji-britrrin. und >*ie erwidert seine ' Liehe. W enn er Min ihr nn-il: Wie eine littetunter den Domen, Su ir-t meine Geliebte unter tlen Mädchen.- .10 gibt >ie zur Antwort: Wir ein Apfelbaum unter den ltmimen des W aldes. ■So i*it mein Gelichter unter den. Jünglingen. In .seinem Schatten, weile ieh mit Last, Lud M-itic Frucht ist *-fiti meinem Gaumen. Sulammit bleibt fiandhafl -Doch «lein Bündnis' .--teilen'. '-sich grolM.* IIindernis->:- in den Weg: die filteren Brüder der Sulammit zürnen der Schwester ob ihrer Liebe; auch die Mutler scheint nichts davon hören zu wollen. Warum, hi meinen sie. soll Sulammit ihm glänzende Schönheit an einen einfachen llirleu wegwerfenV Ual sieh ihr locli ein viel -.clmncrc* ]a)> gelMilen. hat doch der König sie utnuurk'ii, König Salomo in höchsteigener Person! Doch Sulanimit imti-rliegi dieser schweren \ ri>ui*hnng nicht. Sie hat für hui durch 'die Genüsse iles Jloflehiwis verweiehliehten König, der sieii in einer Sänfte tragen läßt und dar des Nachts "vor Furcht nicht M'hlafeu kann, wenn nicht sechzig srhwertumgürtrle Männer 011 den Helden Israels sein Haupt bewachen, für diesen König hat sie nur ein Lächeln des Spottes. Wie ganz anders ihr Geliebter, wie frisch und jugeudkräflig' Horch! Mein Geliebter, siehe, da .kommt er- <■ Springt üIm_*v die Berge, hüpft über die Hügel. Mein Geliebter gleicht einer Gazelle Oder einem jungen Hirsch. Nun wird Snlainmit von ihrem Hirten entfernt. Mau hofft, lureh die Trennung werde sie allmählich von ihm lassen. Allein . tlie Liehe wird dadurch nur um so glühender, die I^eidenschjaft um so stärker. Des Tages sind ihre Gedanken I>ci dem Geliebten, und des Nachts ist er der Gegenstand ihrer Träume. Wie Sulammit ShreJi Hirten" dein König vorzieht, so stellt auch der Hirt seine Braut ül>er alle Königinnen und Frauen des Paläste*-. ül«*r deren grol1** Zahl er sjKtttel: Sechzig sind der Königinnen und achtzig der Nebciifrauen L'nd Mädchen ohne Zahl, föne nur x>\ meine Taube, mrine Heine. Eine ist sie ihrer Mutter, Lauter ihrer Gcbürcrin. Endlich, am Schill!1» des Liedes, sind alle HimleniisM? überwunden. W ir sehen die Liebenden wieder vereinigt. Das Weib des Akiba Das ist in ganz kurzen Zügen der Inhalt des Liedes der Lieder. Die LicIm* wird in ihm heilig gesprochen, Gott selbst entfacht dir Klamme in den Herzen der Liebenden. Wenn aber die LielK' etwas Heilige*, etwas Göttliches ist, so ist auch unser Buch ein heiliges Buch- und man sollte meinen, das sei niemals bezweifelt wurden. Lud dennoch ist dies geschehen, wie wir aus einem gelehrten Streit erfahren, der einst im Lehrhause des Babbi Akiba ausgefochten wurde, und den uns die Misrhna überliefert hat. Uabbi Akiba halle eine merkwürdige Vergangenheit hinler sich. Als junger Mann stand er im Dienst des Kall Ja Sahna, eines der reichsten Bewohner -Icrusalems. Akiba war nicht nur gänzlich ungebildet, er war aueh ein grimmiger l'Vind aller Gesetzeskundigen, und er pfleg Ii* zu sagen; ..Hätte ieh doch nur einmal einen: «lieber Gelehrten in meinen Händen, ich könnte -ihn in Stinke zcrrcil.MU:" (Talmud Babli, Traktat Pessachim 49 b). Nun lieble Akiba die .Tochter seines Brotherrn und fand auch Gegenliebe. \1h-i* Habel «-(eilte die Bedingung, daß Alciba sieh religiöse Bildiuig aneigne; und Akiba \crspraeh, es zu tun. Als Gegner aller Bildung batir er da- Haus der Geliebten verlassen, als kundiger GesclzcjOrhrer kehrte er nach Jahren zurück. Habel war ihm treu . geblieben trotz aller Vorstellungen ihres Vaters. Auch jetzt, nachdem Akiba ein In-rühmter. Manu geworden, wollte der Vater seine Einwilligung nicht gcl>en; und als die Tochter niehl von Aktba lassen wollte, zog er seine Hand von ihr ab. Sie aber folgte dem Manu ihrer Wahl und 1hl manchen Tag wirtschaftliche Sorge, al»er sie klagte nicht. Als einmal die Not im Hause sehr grolÄ war. schnitt -*ie ihr prächtiges Haar ah, verkaufte es .für G.dd und schützte .-o ihr Haus vor schlimmstem Elend. So stark halte die Macht der Licl>e sich au Itabbi Akiba und seiner Gattin erwiesen. Ein Streit im Lehrhaus Nun saß Akiba einmal, im Lchrhause; rings um ihn saßen seine Genossen und die hervorragendsten seiner Schüler, iu ein eifriges Gespräch über das Hobelied verlieft-.- Es handelte sich um die Krage, ob die Gelehrten des vorangegangenen Geschlechts dem Lied den Charakter der Heiligkeit zugesprochen hätten, oder ob tlie Frage von ihnen offen gelassen worden sei. Da erhob sieh Babbi Akiba und rief: „Um des Himmels willen! Nie hat ein Gelehrter iu Israel die Heiligkeit des Hohenliedes in Zweifel gezogen. Gibt es doch in der ganzen Welt keinen Menschen, der würdig gewesen wäre, den Tag zu erleben, an dem das Hohelied uns geschenkt worden ist. Denn wenn alle andern Schriftein (1 lagiogräphen) heilig sind, so ist das Hohelied das heiligste von allen." (Mischna, .Traktat Jadajim.. Kap. 3,5.) - Kein Wunder, daß Habbi Akiba das Lied so warm verteidigte. Er konnte es nicht fassen, daß je ein Mensch dessen hohen sittlichen Wert verkannt hal>cu sollte. So scltön aber auch Akibas WortL* klingen, so war seine Behauptung doch nicht riditi^. Es wurde ihm nachgewiesen, daß in der Tat d i c Heiligkeit des Buches angezweifelt worden war. Zuletzt habe mau sich freilich zugunsten des Liedes entschieden; al»cr diese günstige Entscheidung sei nur dadurch zustande*gekommen, daß man in das lied einen anderen Sinn hineinlegte. Der Verfasser habe in Wirklichkeit gar nicht die Liebe zw-ischen zwei Menschen schildern wollen, sondern die" Liel>c zwischen Gott und seinem Volk, das ganze Buch sei mithin fei Id lieh zu verstellen. Das war nun zwar ein äußerst kühnes Bild; und die alten Weisen würden wohl kaum gewagt -haben, es anzuwenden. hätten sie hierin nicht in den P"r o p h e t e n große Vorbilder Schir ha'Schirim — umgedeutet Iu dic-jcm Sinne wurde nunmehr das Hohelied 11 111 ge - d c 111 e \: Der 1 r e u c Hirt isl kein anderer als Gott. Sulammit aber ist die Gemeinschaft Israels. Der Vcrfasscr des Liedes hat wohl nie geahnt, daß sein Gedieht jemals würde sinnbildlich gedeutet werden. ..Es scheint mir'kein Zweifel", bemerkt ein Dichter unserer Tage. Max Brod, ..daß ■ das ..Lied der Lieder" eine Volksdichtung ist der Talmud berichtet, daß es in Wcmhäuseni gesungen wurde; und in seiner ursprünglichen Bedeutung eine sehr einfache Liebesgeseluchie schildert." Nachdem die- L'mdculung min aber gi*.ieJiehen, um äsen wir anerkennen, daß unsere Weisen das Bild mit feinem Taktgefühl durchgeführt haben. Israel liebt seinen Gott mit .x'inem ganzen Uer/.en und seiner ganzen Kraft. Zahllos sind die Verfolgungen, die es darob erleidet, doch es bleibt standhaft und fest. Lud wie mächtig «ind die Verlockungen, denen es andauernd ausgesetzt isl! ..Komme zu uns herüber. laß ab von deinem Göll.- und all dein Leid m>I1 ein Ende hah^n.;' Aber auch diesen verführerisrheii Klängen \erschließt Israel sein Ohr." Wohl weiß es den Wert irdiM-heu Wohlbehagens zu schätzen. Wenn dieses alicr nicht anders zu erlangen ist als durch Ablrüiuiigkeit von seiwem Glautten, wenn seine äul>erc Stellung zwar sich heuern soll, es dafür aber Schaden nehmen müßte an seiner Seele, dann verzichtet es lieber auf äußeres Behagen und hält sein Herz edel und rein. Diese innige, hingebende Liebe wird von Gott erwidert. Gott i-t der treue Hirt, der seine Herde in Not und „Gefahr nicht verläßt. Gott ist der Hüter Israels, der nicht schlummert und nicht schläft. Er bestärkt sein Volk in dessen Liebe imd Treue durch seine schirmende Hand. Und >o inü.->seii die Künigimicn und die Mädchen, das sind die amh-ren Völker und Bekcmiluisse. ihre Stimme erheben und müssen Israel preisen um seiner Treue und Slandhuftigkeit. . Endlieh sind alle Hindernisse ülierwunileii. \ 011 keiner Seile wird die Liebe zwischen Gott und Israel mehr angefochten, die ganze Well erkennt die Wahrheit der ewig schönen Worte, iu die das Lied ausklingt: Demi stark wie der Tod ist Liehe. Mächtigwie die Unterwelt ist Leidenschaft, v Ihre GInten sind Feuersglutcn. eine Gottesflamme. Viele Wasser können die Liebe nicht löschen, Ströme sie nicht überfluten. Wollte einer allen Reichtum* seines Hauses hingcln-unm Liebe, Verachten würde man ihn. In zweifacher Gestalt ist Schir ha-Sehirini. das Lied der Lieder, durch die Zeiten und Jahrhunderte gewandert. Und die beiden Gestalten, die beiden Auffassungen schließen einander keineswegs aus- Ganz im Gegenteil! Das ist ja gerade das Große und Wichtige, In-merkt Max Brod, -,daß man den ursprünglichen Sinn des Liedes und die symbolische Erklärung nicht als Gegensätze, überhaupt nicht als zwei voneinander verschiedene Auffassungen ansehen darf, — sondern in ihrer Einheit, iu ihrem Aufcinandcrbezogcnsein. und darin, daß diese Beziehung ül>crhaupt möglich war', liegt ja eben die Bedeutung des Vorgangs. Denn gerade das ist ja der tiefere Sinn, iu dem unsere nicht genug ^u preisenden Väter das Lied (nicht ohne schwere Kämpfe) in die Sammlung aufnahmen: daß iu ihnen, bewußt oder halbhcwußt. die jüdische Gnmdansichl von der möglichen Weihe des Allerirdischesten lebte. —- daß sie in ihren elastischen, frisch grünenden Seelen die Fälligkeit besaßen, eine durchaus reale, von mnlericHrr Leidenschaft erzitternde Darstellung sinnüeher Genüsse unter dem Aspekte göttlichen Dienstes zu sehen." ..Mit dieser Erkenntnis'% fährt Brod fort. ..stellt das ..Lied der Lieder'' den Höhepunkt, den kostbarsten Besitz des Judentums und der Menschheit ül>erhaupt dar." Eine neue Hagada Unmittelbar vor*Beginn der Scderaliendc ist (iu der Bücherei lies- Schocken-Verlages) eine Ausgabe der P c s s a eh - II 11 g a d n erschienen, tlie ■ in der unübersehbaren Reihe der Liturgien für die häusliche Sederfrier einen ganz Iiesonderen. willkommenen Platz einnimmt. Es ist ein Büchlein, das nicht nur den Neulingmit den Bräuchen des Pcssachfesles, .mit der Ilerrichtung der Sederlafel und der Praxis des Sedergebens vertraut macht, sondern' auch den Wissenden durch Kommentare und Lilcraturhinweise anlk-rordenlÜrh I>creichert. Statt der Übersetzung — mit Ausnahme einiger Stücke in der Übertragung Martin Buhers — begleiten den hebräischen Text aufschlußreiche "Erklärungem Deutungen und Varianten des Herausgebers E. , D. Golds eh in i dt. Der Anhang bringt ein paar Midraschim «nd Gesänge, wie sie im Hilus von Jemen, Avignon. Oarpentras heule. Jiorh üblich lind. E. "D. Goldschmidt hat sich mit dieser I lagadrtsehel Pcssach allgemeinen Dank verdient. Auch über die Sed>*rabende hinaus Iwhält dieses Volksbuch, in seiner neuen Fassung seine Bedeutung. THEATER, KUNST, LITERATUR Richard Tauber ist an zwei Abenden der vergangenen Woche an die Wiener Staalsoiier aufgetreten. Er sang den Pedro in Tiefland" und den Hans in der ..Verkauften Braut".- * Ludwig Hardt las :u der Jüdischen Volkshochschule in Wien ..Dichtungen vom Humor der Juden": Emst L u t> i 1 s e h . der. wie bcreiis gemeldet, mit .-einer jungen Gattin Vivian Grey zum kurzen Aufenthalt in Wien ein- . getroffen war. hat in einem Tuterview geäußert, daß er demnächst wieder einen Film inszenieren wolle, nachdem er sich seit seiner Inszenierung der ..Lustigen Witwe"" lediglich als oberster Produktionsleiter der Paramoimt betätigt hat. * Der Bassist Erich Fuchs sang, von K. F- Lasch begleitet, im „Luzcrna", dem größten Konzertsaal Prags, vor 5000 Menschen..

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