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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-04-06 · 15 (6.4.1936) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
15 (6.4.1936)
Date
1936-04-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Synagogen ohne Tora Rabbiner Dr. Sänger im Liberalen Verein über feine Amerikareife Augen iiiliiie. «venu iiirht ihre traurigsten, blutigsten Iiliiiter (auseiKUTiltig Zeugnis davon redeten. Darum stein nelien Mose und Alinm. den beiden großen Lehrern und I'ülircru ihres Volkes, als dritter Leitstern Mirjam, ihre Schwester.' Neben den Gesetzgeber und Slaatenlenker, neben den Priester, den Vcrkiinder lies Glaubens, gehört ilie Macht des J'rauenherzens. der Zauber weiblicher Güte, der das innigste der liande schafft und lest lind fester .schmiedet. Was sind Staat und Altar ohne Familie und Haus? Israel hat das zuerst erkannt. Die Kinder Israels in ihrer Gliederung nach den Sühnen des Patriarchen sollten sich noch im spätesten Geschlecht als Urinier fühlen. Als lirüder. denen ein Gott heilig' ist. «veil ihnen eines gemeinsamen Vaters llild leuchtend vor Augen sclnvcbt und dieser Vater diesem „Gott das Wohl, die Zukunft seiner Kinder vertraute. Das Elternhaus, das Haus, in dem die Mutterliebe ihre segensreiche Macht entfaltet, es wird zum ge«valtigen Tempel der umfassenden Hinderliche. Und darum heißt es: Um Mirjams W'illeii geleitete Israel der lirunnen durch che Wüste, der lirunnen. der den Dürstenden labt, den \ erschmachtenden erfrischt und stärkt, ohne ihn zu fragen: Wer. bist dtl? Woher'kommst du? Welches ist dein Volk? Zu welchem (Jolle betest du? Dieser lirunnen in der Wüste ist für Israel das .Symbol der Liebe. I ' Unsere Weisen haben für.fliesen lirüjincn einen dreifachen Namen. Sie nennen ihn im Anschluß an -die Schrill ..Das Auge des Hechtes". „Hort" und ..I'els". Das ist das dreifache Antlitz der Liehe, der Liebe im Geiste des ■ludentiims. Die Mutterliebe erschließt das Herz fies Kindes für «las Hecht und die Wahrheit. ..Ein Hort" ist die Liebe. Wie Mirjam das Volk zum Gesang begleitet, der sich mächtig den begeisterten Herzen entringt am Ufer des Schilfmeercs. so ist in des Mannes Leben die Liebe des ■Frauenherzcii ltegleitung_zu dem ernsten Spiel des Lebens, schmiegsam, selbstlos sich auflösend und verlierend in des Mannes Wohl und Wehe, des Mannes Stolz und. Halt, der Hort, der ihm den Glauben hütet in seinem Heizen — ein Zauberbriuinen. So ist die Liebe in Wahrheit -.ein Fels", auf dem sich auch der Tempel des Glaubens erhebt. Dieses IHM der Liebe, der Liebe, die überall Menschen sieht und sie als Menschen achtet und beurteilt, wo ein Muttcrherz liebe« oll sinnt und sorgt für das teure Haupt, für «las zarte Leben des Kindes, «vo Mann und Frau in inniger Treue leben, wo ein V'atcr sich freuen darf dankbarer Kindesliebe Jsie hat ihr Bild "gefunden in Mirjam, die einst mit liebevollem Blick gewarht über, dem Wohl des Bruders, ja deren Liehe wir von Kindheit an das Schicksal unseres großen Lehrers und Meisters leiten sehen. Tn Mirjam, die unverdrossen treu bis in den Tod schafft und «virkt an der Seite der Brüder, neben Mose, dem großen Slaatcngründer, und neben .Ahron. dem Priester, dem Vcrlcündcr des Glaubens. Glaube, Liebe und Hoffnung sind die Leitsterne Israels seit den Tagen der Wüstenwanderung. Bei dieser Sterne Schein lichtet sich ein Geheimnis, das alle Weisheit findiger Forscher sonst nicht ergründen könnte. Es ist das Geheimnis seiner unvergänglichen Jugend. W as hat ihm diesen Vorzug gegeben vor all den Völkern, die, einst mit ihm waren und längst nicht mehr sind, was hat ihm der Jugend Kraft und Mut bewahrt, daß es heule noch wie vor Jahrtausenden dasteht voll Vertrauen auf die Zukunft, fest und stark im Glauben an eine höhere Wallung und reich an Liehe, an Teilnahme für jedes Mcnschcnschicksal? Die Antwort lautet: Es ist die Weisheit des göttlichen Erziehungsplanes, der Israel drei solche Lehrer bestellt und drei solche Lehr- und Anschauungsmittel gereicht hat: Mose. Ahron. Mirjam — das Manna,.die Wolkcnsäule und den Wüstenbrunnen, dir als Glaube, Liebe und Hoffnung in den Herzen Israels leben. Carl Flefdr TpieH Tin Kfmstlrr von Weltruf sieht — in einer Snndrneraiirlaltung im Knchsanl — vor den Kulltirhuudhörcrn. mul auch der Kritiker darf -ich \orhchultlo- 'diesem Gcigertum großen Formates hingehen, der schlacke nl«»-e» Schönheit des Tone*. «Irr überlegenen Großlinigk«*it »Ii-.- Aufhaus. Rrinahr verblüff«!«! ist die stilistische Wandlungsfähigkeit: leicht unil durchsichtig, in ausgeglichenen Pro|tortiunen. erklingt Mozarts A-diir-Knnzcri. breit und -ehwer ein Rcgcrschcs I«irgo: ein Stück wie den sechsten l Mfum-clini Tanz von Brahms" aber nimmt Fleuch mit einer rhythmischen Vene. «InL> eeinem nur so in diu Glieder fährt. Iii all die-cr Mannigfaltigkeit -pürl man durchgreifend eine Kün-llcinaiur.\on strengster Konzentration und reifer Abgcklärlheit. -' Blendend die (cehui-rhe Lei-iung: der Flöten eh araktcr der Flageolett«!»-, der Glanz und die Sauberkeit der Oktaven und anderen Doppelgriffe, die Klarheit des Laufwerks! —' Als Begleiter von Anp;t—im«; und l)i-krciion wirkte Rudolf S e h w a i z. - Aus «lein immer mehr .-ich steigc.rudrn Beifall klang wohl «ler WuiiM'h. dem wir unr. nf^ wärmste anschließen, es. möchte die »er Fleseh-AlK-nd nicht der einzige blrilien! II. Frryhaii. Vom- Sommer-Semester des Jüdischen Lrhrhauscs Berlin. Donnerstag-Reihe: 2(1.1.1 I hr. Aula Joachimsthalcr Straße IX Zur Gestaltung unseres jüdi-rhen LcIhus. Bestand und Fordcnmg. Fritz Hamberge r. Emil Bernhard Cohn: Systematisch«** und geschieh tlirhcs Judrntum, 30. April: Max Wiener: Sentimentale* und natürliche« .Judentum, 7. Mai: Paul Eppstein. Eva Rcichmanu- Jungmaim: Organisches und organisierte« Judentum. 14. Mai. Montag-Vorlesungen: 20.30 Lhr. Aula Jonchtmsthalcr Straße 13. Gestalt rn der IVihcl. Ignaz Mayhaum: Koin und Abel. 18. Mai; Fritz Ramlwrgcr: Abraham und Isaak. 25. Mai; Bertha Badt- Stratiß; Jakob und Laban. 8. Juni: Manfred "Swarscnsky: Joseph und seine Brüder. Iii. Juni. Die Ankündigung zweier aktueller Vortrüge, eine» von sachverständiger Seile stammenden Berichts ül>cr die Gegenwarts- -ituation au den jütHschcn Schulen durch dun Sehulrefcrenten der Berliner Jüdischen Gemeinde. Dr. Walter Alexander; und Rabbiner Dr. Hermann M. Sänger? Sclulderimg der Eindrücke von seiner im Auftrage der Berliner Jüdischen Gemeinde unternommenen Amerikareise, lialien zahlreiche Mitglieder des Liberalen V r rt'inf ü r d i c Angelegenheiten der Jüdischen U c in <-i n d c /1: Berlin nach dem Logenhaus in der Kleist- -Iraße gelockt. Raliliiuer Dr. Sänger halsich während meines /weimonutigrn Aufenthalts in Amerika mit offenem Blick und einem besonderen Ver-Iändnis für die Lage \on Auswanderern aus Deutschland in den Vereinigten. Staaten umgetan. Sein mit interessanten und wi*-eii-wcrtcii bis loci sehen, kulturgeschichtlichen mid soziologischen Details «lurelwizter Vortrag vermittelte den Zuhörern die Erkenntnis, daß Amerika /.war kein Land ist, in dem man auf . Fremde wartet. Die Arbeitslosigkeit i-t groß, und auch der Unterbringung.der dortigen jüdi-rlien Jugend .stehen vielfach Schwierigkeiten entgegen. AIm-i* wer Verwandle «»der Freunde drüben habe, wer. vor allein gewillt sei, von unten anzufangen, habe auch heute noch Chancen. Zum Verständnis der Kimvanderungsfrage entrollte J)r. Sänger ■-in Bild von jenen 23 aus Pernnuiburo geflüchteten hcfardischcn .luden, die im Jahre 1C54 nach Neu-Amsterdam kamen und dort das Fundament zum späteren New York legten, bis heute, <la in Amerika etwa 4.5, Millionen Juden leiten, von denen etwa zwei Mitlioneu!u New York ihrem Unterhalt, nachgehen. Während der cr-tc Fiiiwauth-rung-slrbin nur sefardisehc Juden nach Amerika gebracht habe, sei der zweile Kinwanderungsstrom in der Zeit von 178^—1888 charakterisiert durch das', jüdische Element ans Deutschland. Tn den achtziger Jahren' setzte dann eine riesige Welle ostjüdischer Einwanderer ein. Die osljüdische Einwanderung v«»n Schneidern,, Tischlern. Schitfw-eni. \ou Handwerkern jetler Art. sei entscheidend für das Bild des amerikanischen Judentums in New York, wo die wirtschaftlich«: Gliederung verhältnismäßig gesünder sei als unter tlen •luden Deutschlands. Die führenden Männer der Oberschicht stammt«-u von srfnrdischeu und deutschen Juden ob, die breite Mittelschicht, das Bürgertum und das Arbeitcrprolctariat werde fast ausschließlich von Osljudeu gebildet. Für die neuen Einwanderer seien ferner wichtig zu wissen, daß jede dieser drei Kategorien ihr liehen in - eigenen, abgeschlossenen Kreisen führe. Von ganz besonderem Interesse war die Darstellung, die Dr. Sänger vom religiösen Leiten in .Amerika gab Es spiegelt die Gruppierungen <les Judentums der verschiedensten. Länder, das hier zusammengeströmt ist. Die aus Deutschland eingewanderten liberalen Rabbiner, die den aschkenasischeu Einfluß in Amerika zur Geltung brachten, haben die amerikanische Rcformrichtuiig gefördert. In diesen Gottesdiensten «Icr Reformsynagogen herrsche eine Freiheit, wie wir sie nicht kennen. So gäbe es im Emanuel-Tempel statt des Vorbeterpultes zwei Kanzeln zu beiden Seiten des Altars, die von dem Vorbeter und dem Rabbiner eingenommen werden. Es wird ohne Kopfbedeckung gebetet. Die Tora wird zwar ausgehoben, es wird aber niemand aufgerufen. vielmehr sagt der Rabbiner vorher und nachher die Broch aus und liest selbst vor. Ist dieser Gottesdienst zwar freier als in ' Deutschland, aber doch dem uusrigen verwandt, so zeigt sich in drr Free-Synagoguc ein völliger Radikalismus. Stephan Wisc hält «Uesen Gottesdienst in der Carnegie-Hall, der großen Musikhalle New. Yorks, am Sonntag ab. Die Besucher haben dabei kein Gebetbuch, sie bekommen dagegen ein gedrucktes Pro-" grain.ni in die Hand mit einigen Gcbcttcxtcn, die jedoch von' Rueh/itatcn. Vortrags- und Koiizcrtankündigungcn und wohl auch Meldungen aktuellen Inhalts ül»crwuchert werden. Ein Gemcindegesang existiert bei diesen. mehr einer Volksversammlung als einem Gottesdienst gleichenden Zusammenkünften nicht. Wenn das Sch'ma gesagt wird, bleibt «lie Gemeinde auf ihren Plätzen sitzen. Der Gottesdienst kennt auch keine Toravorlesung. Nicht einmal ein Toraschrank ist vorhanden, der sieh auch deshalb erübrigt, weil aus einer englischen Bibel vorgelesen winl. Anschließend hört man Vortragsankündigungen für die Wo ch c , Nachrichten aus den Klubs, wie überhaupt die Besucher über die vielen Klubs in die Synagoge kommen. A n Stelle der Predigt werden vielfach Vortrage über Tagcsfragcn grhalteu. z. B. ül>er das Thema der Straße: ..Warum sind L i n d b e r g h s ans Amerika weggegangen Oder über aufsehenerregende Filme. Ks gibt freilieh auch namentlich junge Rabbiner, die sieh auf der Kanzel nicht mit solchen' Zeitungssensationen befassen, sondern religiös und weltanschaulich predigen. Es gibt imcndlirh viel Synagogen in Amerika und. fast jede Svnngogc bildet ihre eigene Gemeinde, «leren es annähernd 3000 gibt. Die bcstchcmleii Zusammenfassungen sind locker. Da gibt es die Orthodoxie, die die ostjüdische G!aul>cnsweise alten Stils hütet, den gemäßigten' Konsenativismus. d. h. eine Orthodoxie in die amerikanische Gesellschaftsform übertragen, und die envähnte Reform. Jede der drei Richtungen hat ihre eigenen Rabbiner- Lehranstalten. Gewaltig ausgebaut sind in Amerika die jüdischen sozialen Institutionen. in erster Linie «lie Hospitäler, die gut fundiert und glänzend eingerichtet sind und auch jüdischen. Ärzten aus Deutschland Stellungen, wenn auch häufig nur vorübergehender Art. gegel>cn haben. Man hat. meinte Dr. Sänger, in New York den Eindruck, daß «'in bißchen viel ausländische.A"rzte nach New York gehen. Es. gibt aber andere Staaten, wo sie. nach einem nicht sehr gefährlichen--Examen, durchaus die Möglichkeit eine« Aufstiegs haben. Man dürfe alicr nicht.— und das gelte für alle Einwandrrungskategoricn — in New York oder an der OstkfMr sitzen bleiben, sondern müsse in das Innere des Landes gehen. um mit; Aussicht auf Erfolg ein neues Leben zu beginnen. Amerika, das zweitgrößte Einwänderungsland. nach Palästina, sei trotz aller Einschränkungen noch immer ein Eiriwandenmgsland. aber man dürfe die Möglichkeiten nicht überspitzen. Mit einem überblirk über ' die großen Organisationen wie Joint. Hias. American Jcwish Committec und Council of Jewish Womcn. die der Betreuung der Einwanderer dienen, schloß Dr. Sänger seinen mit lebhaftem Reifall aufgenommenen, instinktiven tmd formvollendeten Vortrag. Die jüdifehe Schule Ein aufschlußreiches Referat von Drl Walter Alexander Ein anderes, nicht minder wichtiges Thema war dem Schulrefereilten der Jüdischen Gemeinde, Dr. Walter A 1 e x a n d c r . gestellt. Die jüdischen Schulen Berlins uerdcu heute von 7:10(1 Kindern besucht. Von ihnen. besuchen 4300. die vier Volksschulen und die eine Doppelinittclschule der Jüdischen Gemeinde, du- Adass-Schulwerk umfaßt 850 Kinder, 6.10 besuchen die Kaiserdammschule und über 200 die Joseph-Lehmann-Schule der Refonngeineindc. Daneben bestehen die reinen Privalschulcn. So gehen in die Lcssler-Sehule 400, in die Goldschmidtschu Schule 300 Kinder, die Ziekelsche Höhere Privalschulc wird von 200 Knaben und Mäilchen, die Kaliski-Schulc von 160 Kindern besucht, wozu noch einige kleinere private Schulen konuucn. Dr. Alexander bejaht, lie Privatschulcii als Ergänzung zum Einhcitsächulwerk der -Jüdischen Gemeinde, ebenso wie «lie Richtuugssehulen. Die Gemeinde als solche habe, keine Richtungen zu pflegen, so daß jeder Besucher die charakteristische und' wissensinäßige Grundlage bekomme, um später im Idceukampf Stellung zu nehmen. Eine Zerreißung in Richtungen würde zur Zerstörung des Schillwerks führen. Leider sei die Schule heute vielfach zum K a m p f p 1 a t /. der politischen Meinungen, geworden. Wenn ein Gebiet Iiewahrt werden muß vor Schlagwörtern und Tagcskünipfeu. *>«» >ei es das Schulwcrk. Nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Schulleiter und Lehrer erwachse ilaraus ein ungeheurer Schaden. Es sei nicht zu verkennen, führte "Dr. Alexander aus. daß die Schulen in den letzten drei Jahren ein anderes Gesicht bekomme n haben. Al»cr was sich dort geändert habe — und tlic Entwicklung sei noch nicht abgeschlossen —t sei unter der Wucht «1er Ereignisse erfolgt. Die Schule werde zweifellos geformt durch die Schüler. Wer «Iiescs von hier " ausgehende Fluidum nicht verstehe, sei seiner Aufgabr nicht uewaeliscn. Die jüdischen Gemcindcschulen. betonte «Icr Scbulrefereilt, müssen j ü d i s e h c Schulen werden, wenn es nicht jüdische Schulen sind. Wenn er auch eine sogenannte jüdische . Renaissance, für seine Person ablehne, so sei es doch etwas Selb-l- . verständliches, daß das Judentum zum Mittelpunkt der Erziehung gemacht werden müsse. Das sei allerdings leichter gesagt als getan. Das Material auf der Lehrerscite sei genau so spröde'wie das auf Seiten der Schüler, wobei es «1er Lehrer naturgemäß viel schwerer habe, sich umzuformen, als der noch biegsame Schüler. Die jüdische Schule, .-etzte Dr. Alexander weiter auseinander, kann nur geformt werden, wenn Schule und E I te r n s e 1t a i t zusammc na r b c i t c n. Leider stoßen wir dabei noch sehr häufig auf völlige Verständnis!osigkeit bei der .Elternschaft. Rei der Eröffnung des neunten Schu I jali res zur Weiterbildung der Vierzehnjährigen sei etwas eingetreten, was niemandvorausgesehen habe: der erwartete Ansturm sei ausgeblieben. Räume und Mittel seien vorhanden, aber der Besuch lasse zu wünschen übrig, was um so bedauerlicher 'sei, als den Kindern ein solches Schuljahr vielfach sehr not tue und sie über das theoretische Wissen hinaus durch Ycrtrautwcrdcn mit praktischen Dingen an das reale Leb c n herangebra c h t würden. Durch die Möglichkeit einer Verknüpfung mit Vorlchrc, Umscluchtung. •LehrstellenVermittlung usw. sei eine wichtige Grundlagefür die Kinder geschaffen, gleichviel, wohin das Schicksal sie verschlagen werde. Mit ein paar Bemerkungen zur Frage der Lehrerbildung schloß Dr. Alexander seine dankbar aufgenommenen. Ausführungen. Heinrich Stern — Leffers Nachfolger Der neue Vorsitzende des Liberalen Vereins Den beiden Vorträgen vorangegangen war die durch die Amtsniederlegung des Amlsgcrirhtsrats Dr." Martin Lesse r notwendig gewordene Neuwahl des ersten Vorsitzenden des Religiös- Liberalen Vereins. Wie Dr. Julius. L- Sc I i gsohn hervorhob., .liege es im Interesse der im ganzen Organisationswesen sich bemerkbar machenden Tendenz einer Vereinheitlichung", wenn das Amt des Vorsitzenden der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum mit dem des Vorsitzende» der Berliner Ortsgruppe verbunden würde. Entsprechend «lern Vorschlag wurde Rechtsanwalt Heinrich Stern unter lautem Beifall der Versammlung einstimmig gewählt. Es wurde auch ein Arbeitsausschuß gewählt, dem Dr. Hermann Bcrlak. Heinz Kcllermann, Dr. Manfred Mcycr. Rabbiner Dr. Sänger. Martin Salomon, Dr. Julius L. Scligsohn, Direktor Heinrich Stahl und Rechtsanwalt Heinrich Stern angehören. Die Versammlung nahm noch einmal das Bild der unvergeßlichen Persönlichkeit Hermann Falkcnbergs in sich auf, das Dr. Scligsohn in wenigen warmherzigen Worten von «lern hcimgcgangcncn Kämpfer für das religiös-liberale Judentum entwarf. # Hamburg tritt der Vereinigung bei. Hamburg. Auf Grund eines Vorstandsbeschlusscs. der am 30. März gefaßt wurde, ist der J ü<l is c h - l i b e r a I o. Ccm c i n d e v c r c i n c. V. zu Hamburg der Vereinigung für -das religiös-liberale Judentum c. V. korporativ beigetreten. Der Anschluß wurde in der beschlußfassenden Sitzung \on dem Vorsitzenden des Jüriisch-libearlcii Gemcindcvcrehis. Rechtsanwalt. Dr. M-' Eichholz, gewürdigt. Der Generalsekretär der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum, Gerichtsassessor a. D* Werner Simon, der der Sitzung beiwohnte, gab - der Freude über den Zusammenschluß in einer Begrüßung Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß die Zusammenarbeit der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum mit der iirncn Ortsgruppe in beiderseitigem Interesse für die tragende Idee des religiösen IJberalismus eine ersprießliche sein möiie. Trauerfeier für Ludwig Holländer Eine vom Polischuk-Qtiortctt musikalisch umrahmte Feierstunde des C. V. im Logenhaus war dem Gedenken Ludwig Holländers geweiht, ..dem getreuen Ekkehard", wie Dr. Ernst Hcrzfold in seiner Rede den Afann l>czcichnete. der ilrei Jahrzehnte hindurch nach außen und innen seine Stimme erhoben hat. Sein Leben war ein ununterbrochenes Bekenntnis, im Dienste des Judentums. Er habe dmch seine Reden die Schlummernden waehgcrüttclt und die Erwachten mit der Vergangenheit verbunden, er habe die Licl»c zu unserer Religion, zu unserer Gc-

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